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Maddrax - Folge 322

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah
  4. Götterdämmerung
  5. Leserseite
  6. Zeittafel
  7. Cartoon
  8. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde. In der Folge verschiebt sich die Erdachse und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler – zur Erde gelangt sind und schuld an der veränderten Flora und Fauna sind. Nach langen Kämpfen mit den gestaltwandlerischen Daa’muren und Matts Abstecher zum Mars entpuppt sich der Wandler als lebendes Wesen, das jetzt erwacht, sein Dienervolk in die Schranken weist und weiterzieht. Es flieht vor einem kosmischen Jäger, dem Streiter, der bereits seine Spur zur Erde aufgenommen hat!

Die Marsianer entdecken den Streiter am Rand des Sonnensystems. Sie stellen den Magnetfeld-Konverter für die einzige Waffe fertig, die den Streiter vernichten könnte: den Flächenräumer am Südpol der Erde. Dort nimmt ein Team den Kampf gegen die Zeit auf: Matthew Drax, die junge Xij, die in sich die Geister unzähliger früherer Leben trägt, die Hydriten Gilam’esh und Quart’ol, der geniale Erfinder Meinhart Steintrieb und der Android Miki Takeo. Dazu stößt noch der Daa’mure Grao, der auf den 13 Inseln die Macht übernommen und Aruula in einer Höhle eingesperrt hatte. Die überredet ihren alten Freund Rulfan, sie mit seinem Luftschiff zum Südpol zu bringen, um Matt zu warnen. Dort hat der Streiter Grao als Diener des Wandlers erkannt und übernommen. Man legt ihn auf Eis und macht den Flächenräumer für den entscheidenden Schuss klar. Doch die Aufladung durch das Erdmagnetfeld geht nur schleppend voran.

Die Hydriten werden ebenfalls beeinflusst und Matt schickt sie durch eine der Zeitblasen in die Vergangenheit. Auch Steintrieb geht – nach Atlantis. Doch keinem von ihnen gelingt es, die Gegenwart zu ändern. Inzwischen wirkt sich der Einfluss des Streiters auch auf Manil’bud aus, Xijs erste Existenz. Das Bewusstsein der hydritischen Geistwanderin beeinflusst Xij, Grao aufzutauen. Er greift an, doch Takeo schlägt ihn nieder.

Als sich der Streiter über den Mond senkt, muss Matt feuern, obwohl die Energieladung erst bei 70% steht … und der Schuss krepiert! Dafür werden alle Zeitblasen im Flächenräumer von einer neuen, größeren gelöscht, in der sich die Zeiten rasant abwechseln. Der Streiter setzt seinen Weg zur Erde fort. Unter seinem Einfluss regieren Tod und Wahnsinn; auch Aruula und Rulfan sterben.

Als die kosmische Entität die Oberfläche des Planeten auf der Suche nach dem Wandler, dessen Essenz er wie ein Drogensüchtiger braucht, vernichtet, bleibt Matt, Xij und Grao nur die Flucht durch das neue Zeitportal. Von nun an sind sie Schiffbrüchige der Zeit …

Götterdämmerung

von Mia Zorn

Ein Gebirgszug im Südwesten Norwegens,

Mitte des 13. Jahrhunderts

Der anbrechende Morgen kroch kalt über die Berggipfel und brachte neuen Schnee. Wie kleine Edelsteine glitzerten die Flocken im frostklaren Licht. Sie erfüllten die Luft mit leisem Knistern. Glymjandi streckte summend seine Hände empor. Eine Weile beobachtete er mit strahlenden Augen, wie die weißen Kristalle auf seinen Fellhandschuhen landeten und zu Tropfen schmolzen. Dann warf er den Kopf in den Nacken und begann sich im Kreis zu drehen. Immer schneller, immer wilder. „Flockzwag, Flockzwag!“, krähte er.

Doch plötzlich hielt er inne und zog den Kopf ein. Hatte jemand nach ihm gerufen?

Verstohlen blickte er sich um. Doch niemand kam über den Rand der Klippe. Er war alleine auf dem Plateau. „Glymjandi darf nicht spielen“, flüsterte er heiser. „Muss weiter!“ Aufgeregt zupfte er an seiner Pelzmütze. „Muss weiter!“, rief er nun lauter. Dabei schlug er sich ins Gesicht. Einmal, zweimal, dreimal. „Zum Feuertor! Glymjandi geht zum Feuertor!“, schrie er.

Dann raffte er seinen langen Mantel und hastete los. Vorbei an den Findlingen, deren schartige Kuppen wie die Rücken von Meeresungeheuern aus dem Schnee ragten. Vorbei an dem kahlen Gestrüpp, dessen Laub der Herbstwind längst mit sich genommen hatte, und vorbei an dem Zugang zum Felsenpfad, der zur Schutzhöhle der Jäger und Wächter führte. Die Männer benutzten sie als Unterschlupf, wenn die Geister der Babayaga plötzlich Eis, Schnee und Sturm über die Gipfel jagten.

Glymjandi dachte an Bjorn, Wulf und Arn, seine Freunde unter ihnen. „Freund“, brummte er, „Freund.“ So manche Sonnwendnacht hatte er mit ihnen in der Höhle verbracht. Süßen Met hatten sie am prasselnden Feuer getrunken, während draußen der Eissturm getobt hatte. Zu gerne hätte er auch jetzt etwas von dem köstlichen Saft, der von innen her wärmte, den Kopf so wirr und seine Glieder so leicht machte.

Doch weder hatte er Met dabei, noch war der richtige Zeitpunkt dafür. Er brauchte einen klaren Kopf für sein Vorhaben. „Aufstieg ist gefährlich“, schnaufte er. „Glymjandi muss aufpassen.“ Unwillkürlich dachte er an Widda und ihren Stock. Die alte Seherin war ihm in der vergangenen Nacht im Traum erschienen und hatte ihn aufgefordert, am Feuertor zu wachen. Sie würde ihn grün und blau schlagen, wenn er betrunken die heilige Stätte betrat. Wieder blickte sich der kleinwüchsige Mann verstohlen um. „Glymjandi gehorcht. Braver Glymjandi“, beteuerte er.

Inzwischen hatte er das Plateau hinter sich gelassen und krabbelte auf allen vieren eine verharschte Anhöhe hinauf. Obwohl seine mit Fellstreifen umwickelten Stiefel ihm Halt gaben, benutzte er die Hände. So wie er es bei den Schneefüchsen beobachtet hatte, bewegte er sich im Zickzack zügig den steilen Hang nach oben. Dabei stieß er kehlige Laute des Vergnügens aus.

Auf dem Kamm des Bergrückens angekommen, schob er sich die viel zu große Pelzkappe aus dem Gesicht. Unter ihm klaffte die trichterförmige Schlucht, die in den Gletscher mündete.

Seine Wangen glühten und die Augen leuchteten, während sein Blick über die Umgebung glitt. Links und rechts von ihm ragten kuppelförmige Felsformationen aus dem Kamm. Ymirs Schultern wurden sie genannt. Ausläufer von den zerklüfteten Bergmassiven, die sich hinter den Kuppeln in den Himmel erhoben und den Gletscher halbkreisförmig umschlossen.

Der Kleinwüchsige blickte über seine Stiefelspitzen. Annähernd zwanzig Fuß ging es abwärts. Mehr als einmal war er an dieser Stelle mit seinem Schneebrett den Hang hinunter gerutscht, durch die schmale Schlucht gewandert und dann über den Gletscher zur Feuerpforte spaziert. Er kannte jede Spalte, jedes Loch der Eismassen, die sich nach Osten hin ins Tal ergossen.

Doch heute war er nicht auf eigene Faust hier, sondern im Auftrag der Seherin. Also musste er den heiligen Pfad nehmen und die vorgeschriebenen Rituale einhalten. Widdas Rituale! Er hasste sie.

„Braver Glymjandi“, knurrte er und stapfte missmutig zu Ymirs linker Schulter. Dort kletterte er in die Felsen. Er kraxelte und hangelte sich über unzähligen Steinnasen höher und höher, bis er schließlich die schmale Felsspalte erreichte, die in das Innere des Kuppelmassivs führte. Davor blieb er keuchend stehen.

„Heiligerpfad, Widdasdienerbegehrteinlass. Göttersindmitihm.“ Während Glymjandi den Ritualspruch herunterleierte, als habe er zu heißen Getreidebrei im Mund, entledigte er sich seiner Handschuhe und öffnete den Mantel.

Aus der Brusttasche darunter kramte er umständlich einen Dolch, ein Stück Holzkohle und ein dreckiges Lumpensäckchen. Letzteres entfaltete er sorgsam auf einem Felsvorsprung. Es enthielt einen kleinen toten Vogel. Glymjandi traten Tränen in die Augen, während er das Tier am Kopf hochhob und ihm die Kehle mit dem Dolch aufschlitzte. Mit ausgestrecktem Arm hielt er den Kadaver über den Boden vor dem Eingang der Felsspalte.

„Heiligerpfad. Widdasdienerbegehrteinlass. Göttersindmitihm“, jammerte er und sah zu, wie das Blut herabtropfte und den Schnee langsam rot färbte. Dann legte er das Vögelchen wieder auf den Lumpen. „Armer Lufttümmler, armer.“ Grimmig blickte Glymjandi von der Tierleiche zur Felsspalte. Er hatte nie begriffen, warum ein Blutopfer nötig war, um den heiligen Pfad zu betreten. Doch er wagte auch nicht, es zu unterlassen.

„Nur ein Narr betritt ohne das Opfer den Pfad“, pflegte die alte Widda stets zu drohen, wenn Glymjandi sie nach dem Grund fragte. „Es sei denn, er will den Bewohnern der Unterwelt sein eigenes Blut überlassen.“

Bei dem Gedanken daran grauste es Glymjandi. Rasch zeichnete er sich in jede Handfläche eine Rune zum Schutz vor der Göttin Hel und ihrem Blut saufenden Gefolge. Dann verbeugte er sich in alle vier Himmelsrichtungen. „Heiliger Pfad. Widdas Diener begehrt Einlass. Die Götter sind mit ihm.“ Diesmal sprach er langsam, deutlich und lauter als nötig. Schließlich schlüpfte er durch die schmale Spalte. Modrige Luft schlug ihm entgegen und diffuses Licht umgab ihn. Glymjandi raffte die Mantelschöße. Je schneller er die Stätte erreichte, desto besser.

Der Lärm seiner Stiefel hallte von den Wänden wider, während er rannte. Ab und zu streifte ihn der Luftzug aufstiebender Fledermäuse. Jedenfalls hoffte Glymjandi, dass es welche waren. Irgendwann stieg der Felsengang an und kurz darauf kam der Kleinwüchsige nur noch kletternd voran. Nach einer scheinbaren Ewigkeit erreichte er endlich die Felsenstufen, die zur heiligen Höhle führten. Keuchend und erleichtert sprang Glymjandi sie empor und betrat das Gewölbe, das die alte Seherin den Tempel nannte.

Wind heulte durch die zerklüfteten Löcher und Spalten, die das Wetter in die Felsen gefressen hatten. Überall steckten und hingen Vogelfedern, blutgetränkte Stoffstreifen und getrocknete Kräutergebinde in den Steinwänden. Auf einem flachen Findling in der Mitte der Grotte lagen kleine Tierknöchelchen. Drumherum waren unzählige Runen in den Boden geritzt. Einen Steinwurf dahinter gähnte der Schacht, durch den man über ein Seil nach unten gelangte: zum Ausgang des Kuppelmassivs, der in den Gebirgspfad auf Höhe der Gletscherzunge mündete.

Glymjandi huschte zur gegenüberliegenden Felswand und blickte aus einer der zerklüfteten Öffnungen nach draußen. Graue Wolken verhüllten im Norden die Gipfel. Die Bergrücken darunter waren schneebedeckt und die fahl schimmernde Gletscherzunge hob sich deutlich ab. Ein zufriedenes Lächeln huschte über das Gesicht des kleinwüchsigen Mannes, als er das Feuertor erblickte.

Für Normalsterbliche eine unscheinbare Senke. Doch nicht für Glymjandi. Rotes Licht schimmerte dort. Bei Tag und bei Nacht. Manchmal kaum wahrnehmbar, manchmal lodernd wie Flammen. Außer ihm und der alten Widda konnte keiner seines Dorfes es sehen. Mochte Glymjandi auch ein Zwerg sein, mochte er den Verstand eines Kindes haben: Diese Fähigkeit machte ihn für die Leute aus Jotunheimen zum Liebling der Götter. Und eines Tages würde einer dieser Gottheiten durch das Tor kommen. Da war der Kleinwüchsige sich sicher.

Beflügelt von diesem Gedanken sprang Glymjandi zum Schacht. Er hatte ihn noch nicht erreicht, als ihn ein merkwürdiges Grollen innehalten ließ. Verdutzt hob der Zwerg den Kopf und lauschte. Ein Raubtier? Hier?

Doch das Grollen wurde lauter. Von allen Seiten drang es auf ihn ein. Es klang jetzt, als würden sich mächtige Felsen aneinander reiben. Plötzlich schwankte der Untergrund und Glymjandi fiel zu Boden. Der Berg stürzt ein, war sein erster Gedanke.

Tatsächlich wackelte und bebte das ihn umgebende Gemäuer, als würde es jeden Augenblick auseinanderbrechen. Das Grollen war inzwischen zu Donner angeschwollen, und nun glaubte der Kleinwüchsige, dass Thor persönlich gekommen war und mit seinem mächtigen Hammer auf den Berg einschlug.

Glymjandi rappelte sich auf die Füße und schwankte zur Sichtöffnung zurück. Er glaubte seinen Augen nicht zu trauen, als er sah, wie das Feuertor in lodernden Flammen stand. So gleißend, so heftig wie nie zuvor.

Während er sich an die schartige Kante der Felsenöffnung klammerte, beobachtete er fassungslos, wie aus dem Nichts drei Gestalten erschienen, als würde der Gletscher sie ausspucken. Der Kleinwüchsige sah einen Mann und einen schmalen Jungen, beide mit blondem Haar – und einen Hünen in einer grün schimmernden Rüstung, die den ganzen Körper bedeckte. Dann stoben Schneewolken auf, als die Gestalten auf den abschüssigen Hang stürzten und in verschiedene Richtungen davon rutschten.

Glymjandi heftete seinen Blick auf die Größte von ihnen. Ihre grüne Rüstung glitzerte, während sie durch den Neuschnee glitt. Schneller als er gedacht hätte, fand sie Halt und richtete sich auf.

Und als sich der vermeintliche Hüne zu Glymjandi umdrehte, erkannte der seinen Irrtum: Keine Rüstung, sondern unzählige Schuppen bedeckten den Körper! Keine Haare, keine Ohren waren zu sehen, und sein Antlitz glich dem einer Echse.

„Jörmungandr!“ Glymjandi rang entsetzt nach Luft. „Die Midgardschlange in Menschengestalt!“ Als das Untier nun auch noch seinen Blick auf ihn heftete, warf der Zwerg sich flach zu Boden. „Armer Glymjandi“, jammerte er. „War gehorsam, war brav. Hat alles richtig gemacht.“ Fieberhaft überlegte er, was zu tun sei. Um ihn dröhnten Geräusche von polterndem Geröll und in der Ferne hörte er ein anschwellendes Rauschen. „Soll wachen. Widda hat’s befohlen. Soll wachen.“

Plötzlich wusste der Zwerg, was zu tun war. „Muss die anderen warnen“, keuchte er. Und während er auf dem Bauch zum Höhleneingang robbte, ging draußen die Welt unter. Jedenfalls glaubte er das.

Bevor er überhaupt etwas sehen, hören oder denken konnte, spürte Matthew Drax, wie er aus dem Zeitportal mehrere Meter durch die Luft geschleudert wurde. Dann landete er unsanft und schlidderte bäuchlings über einen abschüssigen Untergrund. Hart und kalt. Während er mit Händen und Füßen seine Rutschpartie zu stoppen versuchte, prallten eisige Splitter wie Nadelstiche gegen sein Gesicht.

Das war Schnee! Hoffnungsvoll begann sein Herz schneller zu schlagen: War dies die Antarktis? Hatten sie es endlich geschafft und ihr Ziel erreicht? Wenn ja, hatten sicher die Archivare ihre Hände im Spiel. Aber gab es denn hier ein zweites Portal? Im Flächenräumer waren sie definitiv nicht gelandet.

Mit einem kräftigen Ruck rollte Matt sich auf den Rücken und drückte die Absätze in den Firn. Die unfreiwillige Rutschpartie verlangsamte sich und endete jäh, als seine Stiefel gegen eine Felsnase stießen.

Noch etwas benommen, setzte Matt sich auf und suchte nach einem optischen Anhaltspunkt. Doch er sah nichts als weiße Schemen. Dazu drangen nur dumpfe Geräusche in seine Wahrnehmung, als ob Watte seine Ohren verstopft hätte. Bei keiner seiner bisherigen Reisen durch die Zeitportale waren seine Sinne derart in Mitleidenschaft gezogen worden.

Immerhin, er spürte Eis und Schnee, die ihn in feinen Wolken umgaben. Und das Beben der Erde, das, ausgelöst durch die Zeitblasen, jeden Austritt aus einem Portal begleitete.

Ungeduldig rieb er sich Ohrmuscheln und Augen. Nur langsam wich der Schleier vor seinem Blickfeld und die Geräuschkulisse wurde lauter. Doch was er nun sah und hörte, enttäuschte und entsetzte ihn gleichermaßen:

Berge, Eis und Schnee, so weit das Auge reichte. Ganz offensichtlich waren er und seine Gefährten nicht am Südpol gelandet, sondern in einer unwirtlichen Gebirgsregion irgendwo am Ende der Welt.

„Auf einem Gletscher“, stöhnte Matt Drax. Wenn sie Pech hatten, bedeutete das brüchige Eisschollen, lockere Schneebretter und versteckte, metertiefe Spalten. Nicht unbedingt eine sichere Basis, um schnell den Rückzug anzutreten.

Egal. Wohin auch immer es sie diesmal verschlagen hatte, er würde hier nicht mehr Zeit verschwenden, als nötig war, um zum Portal zurückzukehren. Die Abschiedsworte von Tom Ericson fielen ihm ein: „Unsterbliche haben schließlich alle Zeit der Welt.“

Unsterbliche vielleicht, ich aber nicht!

Nun, immerhin hatte einer der Archivare den Tachyonenmantel um seinen Körper, der ihn vor dem Altern schützte, erneuert. Er lief also nicht mehr Gefahr, unvermittelt jene zwölf Jahre älter zu werden, um die er die Zeit bereits betrogen hatte.

Fluchend versuchte Matthew, auf die Beine zu kommen. Doch der schwankende Boden riss ihn wieder von den Füßen. Dieses Erdbeben war stärker als die vorangegangenen. Vielleicht, weil sein Ursprung eine Zeitblase war, die „ganz regulär“ bei einer der Entladungen des Flächenräumers alle tausend Jahre in den Zeitfluss gestanzt wurde? Und nicht durch eins jener Portale, die bei einem Sabotageakt an der hydritischen Waffe entstanden waren?1)

Irgendwo polterte Geröll. Besorgt hielt er Ausschau nach seinen Gefährten. Gut hundert Fuß entfernt erblickte er Grao’sil’aana. Wie eine glänzende Statue ragte die schuppige Gestalt des Daa’muren aus dem Schneefeld. Anscheinend hatte er irgendetwas in dem Gebirgsmassiv vor sich entdeckt, denn er stierte unverwandt in eine Richtung.

Die Reise durch das Portal schien er jedenfalls auch mit dem Superior Magtron gut überstanden zu haben – jenem Supermagneten, den ihnen die Archivare überlassen hatten, um den Flächenräumer aufzuladen. Der Daa’mure hatte das X-förmige Gerät mit seinem wandelbaren Körper umhüllt. Nur so konnte es gelingen, Gegenstände aus anderen Zeitepochen mitzunehmen: indem sie quasi Teil des Körpers wurden. Bemerkt hatten sie das durch die implantierten Translatorchips aus dem Jahr 2201, die sie nach dem nächsten Zeitsprung immer noch trugen.

Dieser Supermagnet war ihre bislang einzige Hoffnung im Kampf gegen den Streiter. Sie mussten nur in ihr eigenes Paralleluniversum gelangen, das Magtron beim Flächenräumer deponieren und einen Hinweis hinterlassen, der ihre zukünftigen Ichs darauf hinwies.

Nur! Fast hätte Matt aufgelacht. Es war ja schon fast unmöglich, die eigene Welt als solche zu identifizieren. Auch diese Eiswüste kam dafür in Frage – aber bis sie Gewissheit erlangen würden, wären sie längst erfroren …

Am liebsten hätte sich Matt Drax sofort auf den Weg zu Grao gemacht, um sich über den Verbleib des kostbaren Geräts zu vergewissern. Doch erst musste er Xij Hamlet finden. Wo steckte sie nur?

Schließlich entdeckte er die junge Frau unterhalb von sich am Fuß des Hanges. Alle viere von sich gestreckt, lag sie flach auf dem Bauch. Reglos! „Xij?“ Alarmiert ließ sich Matthew einige Meter nach unten gleiten. „Xij, bist du verletzt?“ Vergeblich wartete er auf Antwort. Hatte sie beim Sturz das Bewusstsein verloren?

Während er nun Stück für Stück zu seiner Begleiterin robbte, verebbte das Beben. Einen Augenblick lang wurde es still. Dann war von allen Seiten ein zunehmendes Grollen zu hören. Matt versuchte das Geräusch zu orten.

Als sein Blick über die schneebedeckten Hänge glitt, schwante ihm Böses. Blitzschnell war er auf den Füßen und rannte los. „Lawine!“, brüllte er sowohl in Grao’sil’aanas, als auch in Xijs Richtung. Er schlidderte, stolperte und sprang den Hang hinab.

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