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Maddrax - Folge 321

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah
  4. In 80 Welten durch den Tag
  5. Kapitel II
  6. Kapitel III
  7. Kapitel IV
  8. Leserseite
  9. Zeittafel
  10. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde. In der Folge verschiebt sich die Erdachse und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler – zur Erde gelangt sind und schuld an der veränderten Flora und Fauna sind. Nach langen Kämpfen mit den gestaltwandlerischen Daa’muren und Matts Abstecher zum Mars entpuppt sich der Wandler als lebendes Wesen, das jetzt erwacht, sein Dienervolk in die Schranken weist und weiterzieht. Es flieht vor einem kosmischen Jäger, dem Streiter, der bereits seine Spur zur Erde aufgenommen hat!

Die Marsianer entdecken den Streiter am Rand des Sonnensystems. Sie stellen den Magnetfeld-Konverter für die einzige Waffe fertig, die den Streiter vernichten könnte: den Flächenräumer am Südpol der Erde. Dort nimmt ein Team den Kampf gegen die Zeit auf: Matthew Drax, die junge Xij, die in sich die Geister unzähliger früherer Leben trägt, die Hydriten Gilam’esh und Quart’ol, der geniale Erfinder Meinhart Steintrieb und der Android Miki Takeo. Dazu stößt noch der Daa’mure Grao, der auf den 13 Inseln die Macht übernommen und Aruula in einer Höhle eingesperrt hatte. Die überredet ihren alten Freund Rulfan, sie mit seinem Luftschiff zum Südpol zu bringen, um Matt zu warnen. Dort hat der Streiter Grao als Diener des Wandlers erkannt und übernommen. Man legt ihn auf Eis und macht den Flächenräumer für den entscheidenden Schuss klar. Doch die Aufladung durch das Erdmagnetfeld geht nur schleppend voran.

Die Hydriten werden ebenfalls beeinflusst und Matt schickt sie durch eine der Zeitblasen in die Vergangenheit. Auch Steintrieb geht – nach Atlantis. Doch keinem von ihnen gelingt es, die Gegenwart zu ändern. Inzwischen wirkt sich der Einfluss des Streiters auch auf Manil’bud aus, Xijs erste Existenz. Das Bewusstsein der hydritischen Geistwanderin beeinflusst Xij, Grao aufzutauen. Er greift an, doch Takeo schlägt ihn nieder.

Als sich der Streiter über den Mond senkt, muss Matt feuern, obwohl die Energieladung erst bei 70% steht … und der Schuss krepiert! Dafür werden alle Zeitblasen im Flächenräumer von einer neuen, größeren gelöscht, in der sich die Zeiten rasant abwechseln. Der Streiter setzt seinen Weg zur Erde fort. Unter seinem Einfluss regieren Tod und Wahnsinn; auch Aruula und Rulfan sterben.

Als die kosmische Entität die Oberfläche des Planeten auf der Suche nach dem Wandler, dessen Essenz er wie ein Drogensüchtiger braucht, vernichtet, bleibt Matt, Xij und Grao nur die Flucht durch das neue Zeitportal. Von nun an sind sie Schiffbrüchige der Zeit …

In 80 Welten durch den Tag

von Oliver Fröhlich

I.

Professor Thomas Ericson stand hinter dem Holowerfer im Hörsaal 3 der Stephen-Hawking-University von Oxford. Er ließ den Blick über die neuen Studenten des Wintersemesters 2304 gleiten und verzog das Gesicht. Mädchen versuchten verzweifelt, das Neuronal-Headset anzulegen, ohne ihre kunstvollen Frisuren zu ruinieren. Ihr Interesse galt offenkundig weniger seinem Vortrag über archäologische Fundstücke aus dem vor über zweihundert Jahren im Meer versunkenen San Francisco. O nein, sie wollten sehen, ob es stimmte, was man sich vom Ewigen Professor erzählte, nämlich dass er sich seit Jahrzehnten nicht verändert hatte.

Die andere Hälfte des Hörsaals füllten Jungs, die aus einem ähnlichen Grund die Vorlesung besuchten. Natürlich wollten sie Tom nicht anschmachten. Aber sie hofften, hinter das Geheimnis seiner ewigen Jugend zu kommen und es vielleicht auf sich selbst anwenden zu können. Chirurgische Eingriffe? Ayurvedische Auffrischungsprodukte und Zellkuren aus der Technologieschmiede des Vereinigten Königreichs von Indien, Nepal und Sri Lanka?

Spätestens in zwei Wochen würde das geschehen, was bisher in jedem Semester geschehen war. Die Mädchen stellten fest, dass sie trotz kreativster Verführungsversuche auf Plastol bissen. Und auch die Jungs gaben ihr Vorhaben auf, Toms Geheimnis ergründen zu wollen. Denn natürlich erzählte er auch ihnen nichts vom Jungbrunnen, den er gegen Ende des 20. Jahrhunderts gefunden hatte und dessen Wirkstoffe seitdem sein Altern verhinderten. Er verstand ja selbst nicht, wie das möglich war.

Die Studenten würden nach und nach wegbleiben, die Kom-Boxen des Hörsaals zunehmend verwaisen. Wie in jedem Semester. Angesichts der neusten Unruhen im Irak, des fortwährenden Kampfs um die Straße von Hormus und des damit einhergehenden drohenden Krieges bewegte sich die Studierleidenschaft der Amerikaner ohnehin auf einem historischen Tiefstwert.

Am Ende blieb für gewöhnlich eine Handvoll junger Menschen übrig, die sich wirklich für Archäologie interessierten und sich dafür von ihren Kommilitonen der gängigeren Studienfächer Astrophysik, Metaphysik, Mathologie oder Subatomare Chemie als „nerdy mole“, also als absonderlicher Maulwurf, beschimpfen lassen mussten. Dabei wussten wahrscheinlich die wenigsten, wie dieses vor über hundert Jahren ausgerottete Tier aussah.

Tom seufzte. Unsterblichkeit und Alterslosigkeit mochten auf den ersten Blick verlockend erscheinen. Wenn man aber Jahr für Jahr für Jahr das Gleiche erlebte, kehrte irgendwann Langeweile ein. Natürlich könnte er auf die Avancen der Studentinnen eingehen. Aber letztlich würde ihn das nur an Abby erinnern. Seine Frau, spätere Ex-Frau und noch spätere Ex-Ex-Frau. Die Liebe seines Lebens, an der jede andere sich vergeblich würde messen lassen müssen.

„Du bist wie Obelix“, hatte sie stets zu ihm gesagt. „Er ist in den Zaubertrank gefallen, du in den Jungbrunnen.“

Sie liebten sich. Dennoch trennten sie sich. Der Gedanke, die Geliebte dem Tod entgegenaltern zu sehen, während er jung blieb, war für Tom unerträglich. Und sie wollte ihm das nicht zumuten.

Doch dann trafen sie sich eines Tages wieder.

Wie lange liegt das inzwischen zurück? Zweihundert Jahre? Halt, ich weiß es! Das war 2011, im Jahr vor dem angeblichen Weltuntergang, der dann doch nicht stattfand.

Die alte Leidenschaft war trotz des körperlichen Altersunterschieds erneut entflammt. Sie warfen die früheren Bedenken über Bord und heirateten zum zweiten Mal. Der Rest war eine schöne, immerhin dreißig Jahre andauernde Geschichte.

Tom saß an Abbys Seite, als sie starb. Er hielt ihre faltige Hand, weinte und schwor, sich nie wieder zu verlieben.

Ein Signalton riss den Professor aus der Vergangenheit. Jemand, der über kein Immatrikulationsimplantat verfügte, betrat den Hörsaal.

Tom sah auf. Sein Blick blieb an dem großen hageren Mann hängen, dessen weißes Haar zu einem Zopf gebunden war. Er betrat den Hörsaal durch den Professoreneingang und drang damit in die Sicherheitszone ein. Eine bauliche Maßnahme, die man nach den Studentenrevolten des Jahres 2222 in allen Universitäten der USA, also auch im 59. Bundesstaat England, eingeführt hatte.

Aber niemand ohne Zugangsberechtigung konnte den Professoreneingang öffnen! Und der Weißhaarige war gewiss kein Professor, sonst hätte Tom ihn gekannt.

„Entschuldigen Sie.“ Toms Hand kroch instinktiv zum Alarmknopf neben dem Holowerfer. „Sie dürfen hier nicht rein. Bitte verlassen Sie umgehend die Sicherheitszone oder ich …“

Weißzopf blieb stehen. Er lächelte Tom an. Zugleich wirkte er unendlich traurig.

Mit einer raschen Bewegung zog er aus dem bodenlangen schwarzen Mantel ein Gerät, das wie ein altertümliches Mobiltelefon anmutete. Er richtete es auf Tom.

Das Ding sah harmlos aus, und doch spürte der Professor die Gefahr. Er hämmerte auf den Alarmknopf und wollte zur Seite hechten.

Aber er kam nicht mehr dazu.

Der Hagere betätigte einen Sensortaster. Ein weißglühender Strahl schoss hervor und traf den Professor zwischen den Augen.

Der Unsterbliche starb, ohne zu wissen, warum.

Dieses Mal war alles anders.

Das Zeitportal, in das sie im Alten Ägypten geflohen waren, spuckte sie nicht wieder aus. Stattdessen trieben sie in einem Meer aus schwarzen Schlieren dahin.

Sie?

Matt suchte nach Xij und Grao, seinen Begleitern auf einer Odyssee durch Raum und Zeit. Keine Spur von ihnen. Nur allumfassende Dunkelheit.

„Xij?“, rief er. Aber tat er das tatsächlich? Warum hörte er dann die eigene Stimme nicht?

Existierte er überhaupt noch? Hatte das Gewebe der Zeit genug von ihrem ständigen Hin und Her, Vor und Zurück? Hatte es beschlossen, die Störenfriede nicht wieder freizugeben? Oder lag es an dem letzten Portal, das geflackert hatte, immer wieder neu entstanden war? Matt hatte den unbestimmten Eindruck, als wäre es in dem Moment erloschen, als sie hineingesprungen waren.

Ein eisiger Schrecken kroch in Matts Bewusstsein. War das Portal fehlerhaft gewesen und hatte buchstäblich ins Nichts geführt? Würden sie nun auf ewig hilflos zwischen den Welten treiben? Er spürte, wie die Panik mit kalten Fingern nach ihm tastete.

Reiß dich zusammen, Matthew Drax! Reiß dich …

Da! Direkt vor ihm, zum Greifen nah und doch unendlich weit entfernt, entdeckte er einen Lichtpunkt. Den Ausgang des Portals?

Mit einem Mal verzerrte sich seine Perspektive. Der helle Fleck raste davon, ohne kleiner zu werden. Die ihn umgebende Dunkelheit zog sich zusammen und bedrängte Matt von allen Seiten. Er fühlte sich wie in einem Schlauch gefangen, den eine göttliche Macht in die Länge zog.

Und der dadurch immer enger wurde!

Wenn du nicht bald hier rauskommst, wird dich die Finsternis zerquetschen!

Ein Spalt aus Licht entstand in der Dunkelheit. Dann, etwas höher, noch einer. Und der nächste, diesmal weiter links. Gleißende Strahlen schossen daraus hervor und durchschnitten die schwarzen Schlieren.

Der Schlauch riss!

Seine Panik fand neue Nahrung. Die Portale verliefen zwischen Zeiten und Welten. Wo würden sie landen, wenn der Verbindungstunnel zwischen den Toren aufbrach? Gab es dort überhaupt etwas, wo man landen konnte?

Immer mehr Strahlen durchfraßen die Dunkelheit. Auch wenn Matts Gedanke nur ein Sinnbild darstellte, traf er doch die Wahrheit. Der Schlauch riss und …

„Wo sind wir?“, erklang Xijs Stimme neben ihm.

Kein Fallen, kein Rutschen, kein Aufprall. Von einem Augenblick auf den nächsten stand Matt inmitten einer fremdartigen Umgebung. Eine Schachfigur, die ein höheres Wesen auf dem Spielbrett platziert hatte.

Matt blickte zu seiner Begleiterin. Er konnte sie wieder sehen! Neben ihr kauerte Grao’sil’aana. Die Schuppen auf seinem Echsenkörper verschoben sich, gruppierten sich neu, versuchten die Gestalt des Händlers Hermon anzunehmen, scheiterten, probierten es erneut und erzielten endlich Erfolg. Der Durchgang durch dieses … was auch immer es war, hatte die Gestaltwandlerfähigkeit des Daa’muren offenbar kurzzeitig durcheinandergebracht.

„Ich weiß es nicht“, beantwortete Matt Xijs Frage. „Aber ich bin froh, dass wir überhaupt irgendwo sind.“

Sein Blick glitt über Reihen von dreibeinigen Gestellen. Ein silbriger Schimmer umgab sie, als seien sie aus flüssigem Mondlicht in Form gegossen. Obenauf ruhte jeweils eine tellergroße Scheibe. Und auf der wiederum lagen die unterschiedlichsten Dinge.

Matt erkannte einen altertümlichen Sextanten, ein Mikroskop, einen Laptop und eine Kaffeemaschine. Es befanden sich aber auch fremdartige Dinge darunter. Ein Teller mit Einkerbungen beispielsweise oder ein stacheliger Ball, dessen Spitzen an die Federn eines Füllfederhalters erinnerten.

Und dann gab es da noch Dinge, von denen Matt nur eine verschwommene, ungewisse Form wahrnahm. Er streckte die Hand nach einem der Schemen aus, doch ein innerer Widerstand hielt ihn davon ab, ihn zu berühren.

„Braucht jemand eine Schlagbohrmaschine?“, fragte Xij, die neben einem der Gestelle stand und auf das Exponat hinabschaute.

Als dieser Begriff Matts Hirn durchgeisterte, glaubte er, der Wahrheit nahe zu kommen.

Exponat! Sie standen inmitten einer Sammlung technischer Gegenstände der Menschheitsgeschichte. Doch wer hatte sie angelegt? Warum und wann? Und vor allen Dingen: Wie kamen sie von hier weg?

Matt versuchte die Grenzen des Raums zu erfassen, aber es gelang ihm nicht. Er sah keinerlei Mauern oder eine Decke über sich. Selbst der Boden unter seinen Füßen wirkte merkwürdig unecht und schien pure Illusion zu sein.

Trotzdem reichte sein Blick nicht bis in die Unendlichkeit. In einer Entfernung, die er nicht zu bestimmen vermochte, versank der Raum in Dunkelheit. Wie in einem weitläufigen Keller, von dem nur die Region beleuchtet war, in der man sich aufhielt. Er war sich aber sicher, dass sie nur einen kleinen Teil dieses Archivs sahen.

„Ich sehe keine Lichtquelle. Warum ist es hier hell?“, stellte Grao die Frage, die Matt gerade in den Sinn kam.

„Habt ihr die Reise auch so erlebt?“, sagte Xij, als hätte sie dem Daa’muren nicht zugehört. Stattdessen schilderte sie ihre Eindrücke während des Durchgangs genauso, wie auch Matt sie wahrgenommen hatte.

Grao bestätigte, dass es ihm ähnlich gegangen war.

„Heißt das“, fragte Xij weiter, „dass das Portal dort oben in der Finsternis liegt?“

„Ich weiß es nicht“, erwiderte Matt. „Ich kann mich nicht erinnern, gefallen zu sein.“

„Ruhe!“, zischte Grao.

Matt verstummte und wandte sich dem Daa’muren zu. Dieser hielt den Kopf schräg, als lausche er.

„Was …?“, setzte Xij an.

„Pssst!“, machte Matt.

Jetzt hatte er es auch gehört. Ein Ächzen und Knarren lag in der Luft, wie von arbeitendem Holz. Matt versuchte die Quelle des Geräuschs auszumachen, doch es schien von allen Seiten zugleich zu kommen.

Ein Scheppern ließ Matt und Xij zusammenzucken. Und noch eines.

„Was geschieht hier?“, hauchte die junge Frau.

Grao deutete eine der Reihen entlang. „Dort fallen Gestelle um.“

Tatsächlich! Ohne erkennbare äußere Einwirkung kippte ein weiteres Dreibein um. Das Exponat krachte zu Boden, wurde durchscheinend und löste sich auf. Erneut erklang das Ächzen. Lauter diesmal.

„Seht doch!“, rief Xij.

Die Reihe mit den umkippenden Gestellen schien plötzlich von ihnen weggezerrt zu werden, ohne dass sie sich bewegte. Es wirkte auf Matt, als dehne sich ihre sonderbare Umgebung genauso wie der Schlauch, in dem er sich gewähnt hatte.

Mit einem Mal klaffte linker Hand ein Riss auf. In großen Brocken stürzte der Boden ins Nichts und zog Gestelle samt Exponaten mit sich.

Wo waren sie hier nur gelandet?

„Wir müssen weg!“, rief Grao das Offensichtliche.

Der Grund unter ihren Füßen bebte und zitterte.

„Lauft!“, brüllte Matt und rannte los. Die Richtung war gleichgültig, nur weg von dem Riss. Ihn überkam die Gewissheit, dass ein Sturz in die Tiefe ihr Ende bedeutete.

Die Zone, in der ein unwirklicher Schein die Gestelle beleuchtete, wanderte mit ihm, als wäre er selbst diese Lichtquelle; stets ging sein Blick nur etwa ein Dutzend Schritte weit. Matt sah über die Schulter zurück. Seine Begleiter folgten ihm dichtauf. Und hinter ihnen … erkannte er schattenhafte Gestalten, die offenbar versuchten, sie einzuholen!

Xij und Grao bemerkten das Entsetzen in Matts Miene. Auch sie wandten sich kurz um – um anschließend noch schneller zu rennen. Aber wohin sollten sie fliehen in einem schier endlosen Raum, den nichts als Dunkelheit umgab?

Da bemerkte Matt zwischen zwei Gestellreihen ein strahlendes Rechteck, ähnlich einer Tür zu einem grell erleuchteten Nebenraum.

Aber war es wirklich eine Tür? Egal! Die Schatten kamen näher, versuchten mit ihren langen dünnen Armen Xij zu greifen.

Im selben Moment fühlte auch Matt sich gepackt. Aber nicht von schemenhaften Händen, sondern von einem starken Sog. Er musste von dem Lichttor ausgehen, denn er zerrte ihn auf den hellen Schein zu.

Im nächsten Moment erfasste der Sog sie alle, hob sie in die Luft und wirbelte sie durcheinander. Die Schattenwesen blieben zurück.

Dann verschluckte sie das Licht.

II.

Tom Ericson stand hinter dem Tresen des Dirty Digger und stellte das Glas mit Ale vor Henry Ferguson ab. „Lass es dir schmecken, Fergo“, sagte er zu dem Stammgast.

„Ich danke dir.“ Der unrasierte Mann, dessen Brandnarben ihm stets den Anschein eines einseitigen Lächelns verliehen, nahm einen großen Schluck.

Tom hatte ihn während der letzten zwei Jahre, seit er die Bar übernommen hatte, nie gefragt, woher die Narben stammten. Fergo würde es erzählen, wenn er dazu bereit war. Und vorher interessierte es Tom nicht.

Vielleicht sollte er es also nie erfahren. Denn in zehn, spätestens fünfzehn Jahren würde er seine Zelte in London abbrechen und weiterziehen. Bevor jemand bemerkte, dass er nicht alterte. In Zeiten wie diesen konnte das einen schnell auf den Scheiterhaufen bringen.

Tom schauderte bei dem Gedanken. Forschung und Fortschritt hatten den Menschen aus dem Mittelalter geführt und zu einer technisierten Spezies geformt. Und sie waren es auch gewesen, die ihn dorthin zurückgestoßen hatten.

Als Tom nach seinem Sturz in einen Sumpftümpel in Florida feststellte, dass er in den Jungbrunnen gefallen war, hätte er sich nie träumen lassen, über dreihundert Jahre später befürchten zu müssen, dass man ihn verbrannte, wenn man hinter sein Geheimnis kam.

Die Welt war ein verrückter Ort. Die Bühne für ein Schauspiel voller Ironie.

Oder wie sollte man es sonst bezeichnen, wenn sich im Jahr 2012 die Menschheit vor Angst in die Hosen machte, weil ein Komet im Anflug war? Wenn dieser Brocken mit dem wohlklingenden Namen „Christopher-Floyd“ die Erde nach kosmischen Maßstäben nur um Haaresbreite verfehlte und Präsidentin Clinton anschließend ein Loblied auf den Mut der Menschen im Allgemeinen und die Vereinigten Staaten von Amerika im Besonderen sang? Wenn am Ende des Jahres sogar die größten Schwarzmaler und Untergangstheoretiker bestätigten, dass das Ende des Maya-Kalenders eben doch nicht das Ende der Welt darstellte? Und wenn nur Wochen später die Nachricht um den Erdball ging, dass im Bemühen, ein Heilmittel gegen AIDS zu finden, der HIV-Virus mutiert sei – zu einer Variante, mit der man sich auch durch die Luft anstecken konnte?

Nur zehn Jahre später hatte die Krankheit fünfundneunzig Prozent der Menschheit dahingerafft. Wie anders sollte man so etwas bezeichnen, wenn nicht als Ironie?

Tom wusste nicht, ob er die Seuche überlebt hatte, weil ihn das Wasser des Jungbrunnens davor schützte oder weil er zu den fünf Prozent gehörte, die eine natürliche Immunität dagegen aufwiesen. Es scherte ihn auch nicht.

In den Stunden der Not war er wieder mit seiner Ex-Frau Abby zusammengekommen. Allerdings riss die Seuche sie nur Monate später erneut auseinander.

In seinem Schmerz verließ er die Vereinigten Staaten und reiste nach Europa. Ziellos irrte er umher und beobachtete das große Sterben, gegen das sich die Pest früherer Jahrhunderte wie eine Erkältungswelle ausnahm. In Spanien lernte er eine junge Frau namens Maria Luisa und ihren autistischen Bruder Alejandro kennen.

In einer anderen Welt und einer anderen Zeit hätte er sich vielleicht in sie verlieben können, aber nicht so kurz nach Abbys Tod. So hart es klingen mochte, im Nachhinein war er froh, dass er sein Herz nicht verloren hatte, denn auch Maria Luisa und ihre Familie starben nur Monate später.

Im Laufe der folgenden Jahrhunderte hatte sich die Situation nicht gebessert. Der Virus existierte selbst heute, im Jahr 2376, immer noch und brachte fünfundsiebzig Prozent aller Neugeborenen um.

Seuchen und Verzweiflung – ein idealer Nährboden für religiöse Eiferer. Sie schoben die große Reinigung,

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