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Maddrax - Folge 320

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah
  4. Die Schlacht von Dapur
  5. Leserseite
  6. Zeittafel
  7. Cartoon
  8. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde. In der Folge verschiebt sich die Erdachse und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler – zur Erde gelangt sind und schuld an der veränderten Flora und Fauna sind. Nach langen Kämpfen mit den gestaltwandlerischen Daa’muren und Matts Abstecher zum Mars entpuppt sich der Wandler als lebendes Wesen, das jetzt erwacht, sein Dienervolk in die Schranken weist und weiterzieht. Es flieht vor einem kosmischen Jäger, dem Streiter, der bereits seine Spur zur Erde aufgenommen hat!

Die Marsianer entdecken den Streiter am Rand des Sonnensystems. Sie stellen den Magnetfeld-Konverter für die einzige Waffe fertig, die den Streiter vernichten könnte: den Flächenräumer am Südpol der Erde. Dort nimmt ein Team den Kampf gegen die Zeit auf: Matthew Drax, die junge Xij, die in sich die Geister unzähliger früherer Leben trägt, die Hydriten Gilam’esh und Quart’ol, der geniale Erfinder Meinhart Steintrieb und der Android Miki Takeo. Dazu stößt noch der Daa’mure Grao, der auf den 13 Inseln die Macht übernommen und Aruula in einer Höhle eingesperrt hatte. Die überredet ihren alten Freund Rulfan, sie mit seinem Luftschiff zum Südpol zu bringen, um Matt zu warnen. Dort hat der Streiter Grao als Diener des Wandlers erkannt und übernommen. Man legt ihn auf Eis und macht den Flächenräumer für den entscheidenden Schuss klar. Doch die Aufladung durch das Erdmagnetfeld geht nur schleppend voran.

Die Hydriten werden ebenfalls beeinflusst und Matt schickt sie durch eine der Zeitblasen in die Vergangenheit. Auch Steintrieb geht – nach Atlantis. Doch keinem von ihnen gelingt es, die Gegenwart zu ändern. Inzwischen wirkt sich der Einfluss des Streiters auch auf Manil’bud aus, Xijs erste Existenz. Das Bewusstsein der hydritischen Geistwanderin beeinflusst Xij, Grao aufzutauen. Er greift an, doch Takeo schlägt ihn nieder.

Als sich der Streiter über den Mond senkt, muss Matt feuern, obwohl die Energieladung erst bei 70% steht … und der Schuss krepiert! Dafür werden alle Zeitblasen im Flächenräumer von einer neuen, größeren gelöscht, in der sich die Zeiten rasant abwechseln. Der Streiter setzt seinen Weg zur Erde fort. Unter seinem Einfluss regieren Tod und Wahnsinn; auch Aruula und Rulfan sterben.

Als die kosmische Entität die Oberfläche des Planeten auf der Suche nach dem Wandler, dessen Essenz er wie ein Drogensüchtiger braucht, vernichtet, bleibt Matt, Xij und Grao nur die Flucht durch das neue Zeitportal. Von nun an sind sie Schiffbrüchige der Zeit …

Die Schlacht von Dapur

von Christian Schwarz und von Sascha Vennemann

Nur ein schmaler Streifen Tageslicht schnitt durch die staubige Luft der ansonsten dunklen Kammer. Es gab nicht das geringste Geräusch, als das fast unsichtbare Flimmern, das nahe der hinteren Wand frei zu schweben schien, plötzlich in Aufruhr geriet. Die flirrenden Teilchen, die bisher ihre Position gehalten hatten, schossen kreuz und quer durch das seltsame Phänomen, das nun in immer schneller werdenden Schüben pulsierte.

Und dann spuckte es drei Personen aus. Fast so, als hätte ein unsichtbares Maul sie zuvor verschlungen und für ungenießbar befunden.

Matthew Drax fiel dieses Mal relativ sanft zu Boden. Er spürte erneut die Desorientierung, die jedes Mal auftrat, wenn er durch eine der Zeitblasen gegangen war. Für einige Sekunden hielt er die Augen geschlossen, um das Schwindelgefühl abzuschütteln. Er stützte sich auf Knien und Händen ab und spürte das Beben, das wie immer mit ihrer Ankunft einherging. Auch diesmal war es weit weniger stark als zum Beispiel jenes im San Francisco des Jahres 1906 – seine erste Reise durch die Zeit.1)

Neben sich hörte er Xij Hamlet stöhnen. Der Daa’mure Grao’sil’aana hingegen verhielt sich still.

Den staubigen Geruch und die Temperatur, die Beschaffenheit des rauen Bodens und vor allen Dingen der seltsame Widerhall der Geräusche – das alles registrierte er ohne einen einzigen Blick. In welcher Epoche waren sie diesmal gelandet? Und … in welchem Universum? Denn seitdem sie in eine Version des Jahres 2201 geraten waren2), in der der Komet „Christopher-Floyd“ nicht eingeschlagen war, wussten sie, dass die Zeitblasen nicht nur in andere Zeiten, sondern auch in verschiedene Parallelwelten führten.

Der Schwindel in Matts Kopf nahm schnell ab, sodass er es schließlich wagte, die Lider zu heben. Sein erster Blick galt seinen Gefährten. Xij saß im Schneidersitz und schaute sich interessiert in dem Raum um. Grao hatte sich bereits erhoben und tastete in seiner echsenhaften Daa’muren-Gestalt die rauen Wände ab. „Hier ist zumindest eine Tür“, verkündete er.

„Wo sind wir hier? In einem Keller?“, murmelte Matthew. Wegen des Dämmerlichts konnte man schwer abschätzen, wie groß der Raum war. Er starrte zu dem keilförmigen Oberlicht hoch, das sich knapp unter der Decke befand und durch das ein Lichtstrahl leicht schräg nach unten auf die gegenüberliegende Wand fiel. Matt richtete sich vorsichtig auf, kniff die Augen zusammen und wartete ein paar Momente, bis sich seine Augen an die Lichtverhältnisse gewöhnt hatten.

Die Kammer war offenbar aus Felsgestein herausgeschlagen worden und komplett leer. Der unregelmäßig abgetragene Boden und die welligen Wände sowie die abgerundete Decke, fast ein Gewölbe, schienen jedenfalls darauf hinzudeuten. Er schätzte die Länge auf vielleicht fünfzehn Meter, etwa halb so breit und an die vier Meter hoch.

Graos Echsenkopf drehte sich zur Rückwand des Raumes. Eine flimmernde Sphäre, die allmählich verblasste, hing dort in der Luft: das Zeitportal. „Wer auch immer diesen Raum geschaffen hat – es sieht fast so aus, als wäre er um die Zeitblase herum aus dem Fels gehauen worden.“

„Unsinn“, sagte Matt. „Erstens hätte das Portal dann im massiven Fels gesteckt und niemand hätte es entdecken können. Aber es wäre ohnehin nicht möglich: Jeder Sprung durch die Portale führt uns an den Zeitpunkt ihrer Entstehung. Hier kann also vorher keines existiert haben.“

Matt Drax untersuchte die Wand, an der sich das Oberlicht befand. Trotz des schwachen Zwielichts war zu erkennen, dass dort einst drei breitere Öffnungen geklafft hatten, durch die man sich durchaus hätte zwängen können. Sie waren aber mit Lehmziegeln zugemauert und mit Mörtel verputzt worden – und das vor langer Zeit, denn er war an einigen Stellen schon mürbe geworden und herabgerieselt.

Xij besah sich ihre schmutzigen Hände. „Hier hat auf jeden Fall seit längerem keiner mehr saubergemacht“, sagte sie und rümpfte die Nase.

Matt trat an die massive Doppelflügeltür aus dunklem oder geschwärztem Holz heran, die Grao entdeckt hatte. Die Scharniere saßen innen. Wäre die Tür kürzlich erst geöffnet worden, hätte man deutliche Spuren im Staub finden können, der den Boden fast fingerbreit bedeckte.

Grao trat zu ihm und betrachtete die Tür ebenfalls eingehend. Er nickte zum Oberlicht. „Trockenheiße Luft. Wüstenklima.“

„Woher willst du das wissen? Ich finde es hier drinnen recht kühl.“

Grao’sil’aana verzog das Echsenmaul zu einem Grinsen und blähte die Nasenöffnungen. „Ich schmecke das! Der Geruchsinn eines Daa’murenkörpers ist sehr ausgeprägt.“

Xij streckte sich und stellte sich zu ihnen. „Ich finde es jedenfalls sehr angenehm, dass wir das Portal diesmal bequem zu Fuß erreichen können und keine Kletterübungen absolvieren müssen, um wieder hineinzugelangen.“

„Wenn ihr mich fragt: Wir sollten gleich wieder von hier verschwinden“, meinte Grao.

„Erst müssen wir feststellen, in welcher Zeit und welcher Welt wir uns befinden“, antwortete Matt. „Und ob wir hier eine Chance haben, die Zukunft zu unseren Gunsten zu verändern.“

Grao schnaufte. „Ich wusste, dass du das sagen würdest.“

Xij fasste in eine der Aussparungen, die man als Griffe in die Tür geschlagen hatte, und zog daran. Es gab ein kurzes knarrendes Geräusch, aber sie bewegte sich nur minimal. Xij probierte es erneut und rüttelte ein wenig, aber da war nichts zu machen. Die Tür war ganz sicher auf der anderen Seite verriegelt. Sie blickte ihre Begleiter auffordernd an. „Könntet ihr mir mal helfen?“

„Lass es mich versuchen.“ Grao scheuchte Xij aus dem Weg, stellte sich mittig vor den Türspalt und formte seine Hände zu schmalen Platten, die er in die Ritze gleiten ließ. „Das Türblatt ist auf jeden Fall ziemlich dick, mindestens fünfzehn Zentimeter …“

Matt und Xij beobachteten, wie die Arme des Daa’muren länger wurden und er einen Schritt von der Tür zurücktrat. Dann zog er ruckartig die Ellenbogen zurück.

Ein Schlag schüttelte die Türhälften durch. Auf der anderen Seite des Tores splitterte etwas hörbar und eines der jeweils drei Scharniere auf jeder Seite platzte aus seiner Wandverankerung.

Xij Hamlet grinste Matt zu. „Unsere lebende Brechstange! Sehr nützlich.“

Wieder ließ ein kräftiger Ruck das Tor erbeben. Ein weiteres Scharnier brach weg und das Splittern wurde lauter, während Grao’sil’aana halb zur Seite trat.

„Sieht gut aus!“, kommentierte Matt. „Da ist Licht auf der anderen Seite.“

Grao wandte den Kopf und kniff die Augen misstrauisch zusammen. „Flackerndes Licht!“, knurrte er leise und löste seine Arme aus der Tür. „Ich tippe auf Fackeln. Da ist jemand auf der anderen Seite.“

Er trat zurück und veränderte seine Gestalt in die des Händlers Hermon, inklusive des Gewands.

Im selben Moment rammte etwas von außen gegen das Holz; ein Holzstück fiel zu Boden.

„Vielleicht wäre ein Rückzug durch das Portal doch keine so schlechte Idee!“, murmelte Xij. Sie hatte sich leicht geduckt und fixierte die Tür.

Obwohl es Matt widerstrebte, stimmte er ihr zu. Die Erfahrungen der letzten Zeitsprünge hatten ihn vorsichtig werden lassen. Das Risiko, erneut in kriegerische Handlungen hineingezogen zu werden, war zu groß.

„Okay, verschwinden wir von hier“, knurrte er.

„Was?“ Grao starrte ihn an, hatte offensichtlich mit dieser Entscheidung nicht gerechnet. Aber dann nickte er. „Gut. Sehr gut!“

Sie wandten sich um, eilten auf die Stelle zu, an der sie das inzwischen wieder verblasste Portal wussten, und fassten sich an den Händen, um gemeinsam hindurchzugehen.

Nichts geschah.

Sie erreichten die gegenüberliegende Wand, ohne dass sich die Zeitblase gezeigt oder sie aufgenommen hätte.

„Es ist … weg!“, sprach Xij aus, was Matt dachte.

Es blieb keine Zeit mehr, darüber zu erschrecken: In diesem Moment platzten die beiden Türhälften auseinander. Die drei Gefährten fuhren herum. Rund ein Dutzend Männer mit Fackeln, Speeren und Schwertern ergossen sich in den Raum.

„Ruhig bleiben!“, riet Matt, der wegen der plötzlichen Lichtflut die Augen zusammenkniff, aber schemenhaft einige Bogenschützen entdeckte, die auf sie anlegten. „Nicht provozieren!“ Er hob demonstrativ die Hände.

Die Krieger, die sich jetzt halbkreisförmig aufgestellt hatten und sie ebenfalls fixierten, waren klein und drahtig, trugen Leder und Stoff, hatten viereckig geschnittene Bärte und bronzefarbene Haut, dunkle Augen und offene schwarze und braune Haare, die ihnen bis auf die Schultern, teilweise sogar weit auf den Rücken hinunter fielen.

Xij und Grao taten es Matt gleich und hoben ihre Arme. Eine falsche Bewegung und die Bogenschützen würden sie mit Pfeilen spicken. Was dem Daa’muren wenig ausgemacht hätte – aber nur gemeinsam mit seinen lebenden Gefährten würde er in der Zeit weiter reisen können. Starben sie, saß er hier fest.

Wenn das nicht ohnehin der Fall war, nachdem das Portal verschwunden war.

Als sich sekundenlang niemand rührte und der Staub sich langsam wieder legte, kam schließlich Bewegung in die Truppe. Vorsichtig näherte sich ein älterer Mann, augenscheinlich der Anführer, mit schlagbereitem Schwert den dreien. Dabei achtete er darauf, den Bogenschützen nicht in die Schussbahn zu kommen.

„Legt sie in Fesseln!“, befahl er. „Wir bringen sie zum Kommandanten!“

Matt war so perplex, dass er sich widerstandslos packen ließ. Hatte der Mann Englisch gesprochen?

Nein, wurde ihm klar – seine Worte waren für Matts Hirn übersetzt worden! Aber … war es denn möglich, dass sie den Translator, der ihnen in der Parallelwelt des Jahres 2201 eingepflanzt worden war, mit durch das Zeitportal genommen hatten? Bislang war alles, was nicht aus ihrer ursprünglichen Zeit stammte, zurückgeblieben. Warum also …

Vielleicht, weil wir die Chips in uns tragen?, schoss es ihm durch den Kopf. Weil sie damit ein Teil unseres Körpers geworden sind?

Er kam nicht dazu, sich mit seinen Gefährten darüber auszutauschen, sah aber, dass auch sie den älteren Krieger verstanden hatten. Die drei wurden voneinander getrennt und gefesselt, und immer war mindestens eine Waffe auf sie gerichtet. Schließlich stieß man sie unsanft aus dem Raum.

Draußen sahen sie, dass die Kammer mit dem Zeitportal zwar nicht zugemauert, aber doch mit Brettern gesichert gewesen war. Ihre Versuche, sich zu befreien, waren von den Posten bemerkt worden, und die Schnelligkeit, mit der man Gegenmaßnahmen ergriffen hatte, zeigte ihm eines:

Wer auch immer hier lebte, die Menschen wussten von dem Portal und dass jemand daraus auftauchen konnte! Auch wenn er dies bislang für unmöglich gehalten hatte.

„… ägyptische Spione. Am liebsten würde ich ihnen gleich Nasen und Ohren abschneiden!“

„Bist du verrückt? Diese da sind aus dem Tor zur Unterwelt gekommen, sie sind also höchstwahrscheinlich Dämonen! Seien wir froh, dass sie sich ruhig und willig verhalten, bis wir sie zu Kommandant Tuthaljia gebracht haben. Er und seine Zauberer sollen dann entscheiden, was mit ihnen geschieht.“

Matt sah Xij an und dann Grao. Letzterer trug den Translator-Chip hinter seiner Stirn, hatte ihn mit seinem wandelbaren Körper in sich aufgenommen. Wenn sein Exemplar also ebenfalls in diese Zeit transportiert worden war, eröffneten sich ganz neue Möglichkeiten: Der Daa’mure würde zumindest kleinere Gegenstände mit durch die Portale nehmen können!

Was die Chips übersetzten, klang dagegen gar nicht hoffnungsvoll: Man hielt sie für Besucher aus der Unterwelt, und nur der Respekt vor den mutmaßlichen Dämonen hielt die Krieger bislang davon ab, kurzen Prozess mit ihnen zu machen.

Aus dem Gespräch hatte er einen weiteren Fakt erfahren: Nicht ihr Rütteln an der Tür hatte die Wächter alarmiert, sondern bereits zuvor das kurze Beben. Daraus ließ sich zumindest eine Theorie ableiten: Wenn die Einheimischen einen Erdstoß mit dem Erscheinen einer Zeitblase in Zusammenhang brachten und ihr sogar einen Namen gegeben hatten, war sie nicht zum ersten Mal hier entstanden – und hoffentlich auch nicht zum letzten Mal.

Ein instabiles Tor?, überlegte Matt. Eines, das … flackert? Ein anderer Vergleich fiel ihm auf die Schnelle nicht ein. Dann haben wir doch noch eine Chance, von hier wegzukommen.

Die vorausgehenden Soldaten stießen eine weitere Holztür auf. Grelles Sonnenlicht flutete herein. Matt und Xij kniffen die Augen zusammen. Als sie ins Freie gestoßen wurden, kam ihnen auch noch die Hitze wie eine Wand entgegen. Bestes Daa’muren-Wetter also. Grao hatte recht behalten.

Den Gefangenen bot sich ein atemberaubender Anblick. Sie standen auf einer Anhöhe, direkt vor einem Felsen. Den Himmel beherrschte einzig die Sonne, die sich als wahrer Glutball präsentierte. Unter ihnen erstreckte sich eine kleine Stadt, vielleicht fünfhundert auf tausend Meter weit, die von hohen dicken Steinmauern umgeben war. Zwischen den Häusern, die aus Lehm, Steinen und Holz ohne erkennbares System kreuz und quer gebaut worden waren, herrschte ein reges Treiben. Hier mussten sich mehrere tausend Menschen aufhalten. Viele waren in bunte Gewänder gekleidet; noch weitaus mehr aber waren uniformiert.

Die mächtigen Streitwagen, die Matt auf einem der zahlreichen freien Plätze erkannte, bestärkten ihn ebenso wie die zahlreichen Pferde, die man überall sehen konnte, in seiner Einschätzung, dass hier starke Armeeverbände stationiert waren.

Seine Blicke schweiften weiter, während sich ganz allmählich ein schlimmer Gestank in seine Nasenlöcher schlich und ihn würgen ließ. Der Geruch nach Blut und Tod!

Wir sind also wieder in einer antiken Kultur gelandet. Der Soldat meinte, wir wären ägyptische Spione. Wer waren damals noch gleich die Feinde Ägyptens? Keine Ahnung.

Die Stadt oder Kaserne oder was auch immer es war, stand auf einem flach abfallenden Hügel. Drumherum sah Matt auf der einen Seite, so weit sein Auge reichte, nur karge, hügelige, staubige Wüste, auf der anderen Hügelgelände und in der Ferne steile, hoch aufragende Berge. Ein paar Linien, offenbar Straßen, führten durch die hitzeflirrende Landschaft.

Über schmale, in den Felsen gehauene Steinstufen stiegen sie nach unten in die Stadt und befanden sich plötzlich inmitten pulsierenden Lebens. Kaum jemand nahm Notiz von ihnen. Gefangene schienen hier zum Alltag zu gehören. Überall patrouillierten schwer bewaffnete Soldaten.

Als sie neben der Stadtmauer entlang gingen, überlief es Matthew Drax eiskalt: Was er zunächst für dunkle Tücher gehalten hatte, die dort hingen, entpuppte sich bei näherem Hinsehen als abgezogene Menschenhäute! Ihm wurde übel. Auch Xij hinter ihm stöhnte vor Grauen.

Die Soldaten trieben ihre Gefangenen am größten Gebäude der Stadt vorbei zu einer kleinen schäbigen Gefängniszelle, die direkt in die Stadtmauer eingelassen war. Durch eine schmale, schießschartenähnliche Öffnung konnte man direkt auf einen Truppenübungsplatz blicken. Laute Schreie kamen von dort, denn es übten sicher dreihundert Männer, immer paarweise, den Schwertkampf. Weiter hügelabwärts bemerkte Matt Bogenschützen. Und wieder diese schweren Streitwagen, deren Lenker in geradezu halsbrecherischen Manövern auf simulierte Feinde zupreschten.

„Sieht so aus, als würden sie sich auf einen Krieg mit Ägypten vorbereiten“, mutmaßte er. „Wenn ich nur wüsste, mit wem wir die Ehre haben.“

„Oh, das kann ich dir sagen“, erwiderte Xij Hamlet trocken. „Mit den Hethitern.“

Kommandant Tuthaljia spazierte durch die Festung hinunter zum Truppenübungsplatz. Der stiernackige, mittelgroße Mann, der die sechzig Sommer längst überschritten hatte, machte keinen Hehl aus seiner Übellaunigkeit. Aber die suchte ihn dauerhaft heim, seit er hierher in die Wüste verbannt worden war.

Nun war er Herr über einen der trostlosesten Außenposten des Reichs Chatti, wo es so einsam und heiß war, dass sich kaum einmal die Schakale hierher trauten. Und das nur, weil er sich in Hattuscha in eine Intrige verwickeln ließ und schlussendlich auf das falsche Pferd gesetzt hatte.

Ich verfluche dich, Großkönig Muwatalli, dachte er grimmig. Wärst du ein wahrer Mann gewesen, hättest du diesen ägyptischen Hund Ramses und seine Sumpfratten damals von unseren Truppen verfolgen lassen. Ramses und seine Hure Nefertari waren doch bereits geschlagen, wir hätten ihn vollständig vernichten können. Aber nein, du hast den Hund ziehen lassen – und jetzt muss ich mich mit ihm und seiner Armee herumschlagen. Verflucht seist du, Muwatalli, auch im Jenseits …

Tuthaljia, der dem hethitischen Hochadel angehörte, hatte als Streitwagenlenker an der Schlacht von Kadesch teilgenommen und mit eigener Hand zahllose Ägypter geschlachtet. Nachdem Muwatalli den Ägypter hatte entkommen lassen, war der Großkönig von seiner eigenen Verwandtschaft umgebracht worden.

Wer immer das getan hat, Wuruschemu möge ihn segnen …

Danach hatten die üblichen Nachfolgeintrigen eingesetzt, aus denen schließlich völlig überraschend der aus einer Nebenehe stammende Muwatalli-Sohn Murschili als Sieger hervorging. Bedauerlicherweise war ihm nur eine kurze Regierungszeit vergönnt gewesen.

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