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Maddrax - Folge 311

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah
  4. Der Weg des Bösen
  5. Leserseite
  6. Zeittafel
  7. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde. In der Folge verschiebt sich die Erdachse und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler – zur Erde gelangt sind und schuld an der veränderten Flora und Fauna sind. Nach langen Kämpfen mit den Daa’muren und Matts Abstecher zum Mars entpuppt sich der Wandler als lebendes Wesen, das jetzt erwacht, sein Dienervolk in die Schranken weist und weiterzieht. Es flieht vor einem kosmischen Jäger, dem Streiter, der bereits seine Spur zur Erde aufgenommen hat!

Matt und seine Gefährten können verhindern, dass ein aus Erdtiefen gefördertes Steinwesen zu unendlicher Macht gelangt und die Erde bedroht. Alle von dem Stein Beeinflussten erwachen aus seinem Bann. Doch bei dem Kampf stirbt Jennys und Matts gemeinsame Tochter Ann – durch Aruulas Hand. Es war ein Unfall, aber Matt ist fertig mit der Welt. Als alle anderen aufbrechen, bleiben er und Xij allein zurück. Xij, die in sich die Geister unzähliger früherer Leben trägt, ist todkrank. Matt setzt er seine ganze Hoffnung auf seine Hydritenfreunde Quart’ol und Gilam’esh. Auf der Suche nach ihnen bedient er sich eines Kampfanzugs und wütet von ihm beeinflusst unter friedlichen Hydriten. Mit einer Transportqualle erreichen sie Gilam’esh’gad, wo Matt von dem Anzug getrennt werden kann – und Xij sich an ihr erstes Leben als Manil’bud erinnert, Gilam’eshs Gefährtin. Trotzdem entscheidet sie sich für ein Leben als Mensch, in einem identischen Klonkörper, in den ihr Geist überwechselt.

Inzwischen wird die Burg von Matts Blutsbruder Rulfan von Exekutoren belagert. Meister Chan, der die Macht in Britana an sich reißen will, hilft ihm gegen die angeblichen Renegaten, die er selbst beauftragt hat, und gewinnt so Rulfans Vertrauen. Doch er hat nicht mit Xij gerechnet, die Rache nimmt für eine Vergewaltigung, die Chan einer ihrer früheren Existenzen antat.

Da entdecken die Marsianer, dass der Neptun am Rande des Sonnensystems an Masse verliert! Bedeutet das die Ankunft des Streiters? Man stellt den Magnetfeld-Konverter fertig und schickt ein Raumschiff zur Erde. Dort kontaktiert man Matt und richtet den Flächenräumer ein. Doch dann gibt es Probleme und man zieht Gilam’esh und Quart’ol sowie den Androiden Miki Takeo hinzu. Anschließend will Matt Aruula darum bitten, mit einem Telepathenzirkel Kontakt zum Streiter aufzunehmen, doch sie erweist sich als erbitterter Feind. Matt ahnt nicht, dass es der Daa’mure Grao ist, der sich als Aruula zur Königin der 13 Inseln aufgeschwungen hat …

Der Weg des Bösen

von Susan Schwartz

Ich sehe den Schatten, der auf meine Welt fällt und sie einhüllt ganz und gar. Ich sehe nurmehr Finsternis und das Nichts. Ich sehe den Schatten vorüberziehen, und meine Welt ist nicht mehr. Roter Vater, rette mein Volk.

(Aus den Prophezeiungen Sternsangs)

Einst stand das Kind Maya Joy am Fenster und blickte hinaus auf die Sterne. „Was siehst du dort?“, fragte ihre Mutter.

„Es ist hell und dunkel zugleich“, antwortete das Mädchen. „Wird es heller, wenn ich dort draußen bin, oder dunkler?“

„Das kommt auf deinen Standpunkt an.“ Vera Akinora trat neben sie. „Schau dir Olympus Mons an: so hoch, dass die Sonne auf der anderen Seite ihn bescheint und nachts zum Glühen bringt.“

„Und wir sind zwischen Licht und Dunkelheit“, murmelte Maya.

George Ramoz aus dem Haus Angelis betrat die Straße. Früher hatte er niemals Verabredungen bei Tageslicht getroffen, aber heutzutage blieb ihm nichts anderes übrig. Offiziell gab es zwar keine Ausgangssperre mehr. Aber wer die Sperrstunde in Elysium nicht beachtete, wurde verhaftet. Immerhin war sie inzwischen auf dreiundzwanzig Uhr verlängert worden, aber das war für einen Nachtmenschen wie George immer noch ein Unding. Zu der Zeit wurde er normalerweise erst so richtig wach. Tja, da konnte man eben nichts machen.

Auf den Straßen herrschte lebhafter Verkehr, jeder gab sich Mühe, den Anschein normalen Lebens zu wahren. Der Schock der vergangenen Wochen saß allen noch tief in den Knochen, aber man sprach nicht mehr darüber. Schon gar nicht öffentlich. Der Militärpräsident hatte alles fest im Griff, die Medien eingeschlossen. Seine Schutztruppen, wie er sie bezeichnete, waren allgegenwärtig, am Boden genauso wie in der Luft.

Am Schlimmsten war dieser kahlköpfige Gingkoson, der engste Vertraute des Präsidenten. Wer einmal ins Visier dieses äußerlich eher schwächlich wirkenden Mannes geriet, war wie im roten Treibsand verloren. Man musste keine besondere Fantasie besitzen, um einen Zusammenhang zwischen vermissten Personen und dem Chef des Geheimdienstes herzustellen. Und heutzutage „verschwanden“ viele.

George hielt sich deshalb aus allem heraus, und wieso auch nicht? Was hatte er mit Politik zu tun? Er ging seiner Arbeit im Büro nach, vergnügte sich abends, trieb ab und zu Sport, ja: Er lebte wie ein ganz normaler Marsianer. Er besaß keinerlei Ambitionen, die Welt verbessern zu wollen, und solange man ihn sein Leben so führen ließ, wie er es gewohnt war, wollte er’s zufrieden sein und ein paar Veränderungen hinnehmen. Das würde schon alles eines Tages wieder ins Lot kommen.

Hatten nicht die Gründer einst den Mars lebenswert gemacht und aus dem Nichts heraus diese Zivilisation gegründet? In den Jahrhunderten war es immer wieder zu Problemen und Konflikten gekommen, doch eines Tages hatten sich der Rote Planet und seine neuen Bewohner miteinander arrangiert, und auch die Menschen untereinander – schließlich gab es davon zwei verschiedene Sorten, die im Wald und die in der Stadt – hatten zu einem Konsens gefunden.

Bis zu den Anschlägen. George Ramoz konnte sich nicht erklären, was einen Menschen dazu trieb, eine Bombe zu zünden, um möglichst viele Leben auszulöschen. Und als Ziel ausgerechnet noch die verehrte Präsidentin auszuwählen! Kein Wunder, dass ihr Ehemann hart durchgriff; so etwas durfte niemals wieder geschehen.

Immerhin war der Aufstand niedergeschlagen worden und die Lage beruhigte sich. Wie viele andere Marsianer zündete George jeden Abend eine Kerze an und stellte sie ans Fenster, um seiner Hoffnung Ausdruck zu geben, dass die Präsidentin wieder zu sich käme und gesund würde. Damit die Ordnung auf dem Mars wiederhergestellt wäre und alles so wie früher.

„He!“

George zuckte zusammen; er war so versunken gewesen in seinen Gedanken, dass er mit jemandem zusammengestoßen war.

„Verzeihung, ich habe Sie nicht gesehen …“, entschuldigte er sich.

„Kein Wunder“, brummte der andere. „Die Tage werden immer dunkler.“ Er eilte weiter, und George sah ihm verwirrt nach.

Dann schaute er hoch zum Himmel. Das war wirklich seltsam, zu dieser Zeit sollte er eher hell orangefarben sein. An den Rändern des Horizonts stimmte das auch, doch die Sonne … so hatte er sie bei klarer Atmosphäre noch nie gesehen. Als wäre ein Filter vor sie geschoben worden, wirkte sie weiter entfernt denn je. Und der Himmel, obwohl wolkenlos, hing schwer herab.

George bekam ein beklemmendes Gefühl, während er nach oben starrte. So bedrückend wirkte der Himmel normalerweise nur, wenn ein Sandsturm nahte, in der berüchtigten Ruhe davor.

Georges Blick schweifte zu einem großformatigen Holobild an einer Häuserwand, das zwischen Werbeeinblendungen den Wetter- und Verkehrsbericht brachte. Alles in Ordnung, es wurde sogar ein Hoch angekündigt.

Also war er nur wieder einmal überempfindlich, entschied George und zwang sich, nicht mehr nach oben zu sehen. Der Streit mit Ella gestern hing ihm noch nach, und dass sie ihn zum dritten Mal in diesem Jahr verlassen hatte. Er hatte geglaubt, sich daran gewöhnt zu haben, aber das war wohl eine Illusion gewesen, wenn er sich jetzt derart anstellte und die Sandflöhe husten hörte. Nicht die Sonne war verhangen, sondern sein Gemüt!

Deshalb wurde es Zeit, dass er ins Zentrum und zu seiner Verabredung kam: ein Essen im renommierten „Cesare’s“, das sich rühmte, Gerichte nach historischen irdischen Rezepten, speziell aus dem ehemaligen Italien, zu kreieren. Ob das nun stimmte, war dahingestellt – Hauptsache, es schmeckte köstlich.

Die anderen waren schon da – Lamiri Braxton, die stets gut gelaunte Ingenieurin mit ihren raspelkurzen Haaren und dem nie stillstehenden roten Mund, Georges Freund und Kollege Marten aus demselben Haus, und die Unabhängigen Baxter und Lauren, zwei Studienkollegen, die immer gut im Bilde über alles waren – vor allem, wo die beste Party ablief.

Sie begrüßten ihn mit den erwarteten Frotzeleien über seinen wiederholten Junggesellenstatus, und er musste zwei Drinks bestellen, um zu ihnen aufzuholen. Trotz der wie immer gelösten Stimmung konnte sich George des Eindrucks nicht erwehren, dass die Fröhlichkeit heute aufgesetzt wirkte. Die Blicke seiner Freunde schienen immer wieder ziellos durch den Raum zu irren, ab und zu hielten sie im Reden inne und kicherten, als hätten sie den Faden verloren. Gerade bei Lamiri fiel es auf, deren Stimme noch schriller wirkte als sonst.

Schließlich fasste George sich ein Herz; er musste es wissen.

„Sagt mal, ist euch die Veränderung am Himmel auch aufgefallen?“ Völlig ohne Zusammenhang stellte er die Frage in den Raum, und die vier anderen sahen ihn verdutzt an. Er hob leicht die Schultern und gestand: „Also, irgendwie bedrückt er mich. Ich möchte gut gelaunt sein, aber es gelingt mir nicht so recht, und das liegt nicht nur an Ella. Seit ich in den Himmel geschaut habe, beschleicht mich das Gefühl, als würde ich von dort … beobachtet. Und als würde mich etwas mit einem sehr kalten Hauch streifen.“

Darauf folgte Schweigen. George hatte allerdings nicht das Gefühl, dass seine Freunde seinetwegen verlegen waren. Erstaunlicherweise rückte Lauren, nicht Lamiri, als Erste heraus. „Das ist aber komisch. Mir geht es ganz genauso, George.“

Das Bedenkliche dabei war, dass George und Lauren nahezu nie einer Meinung waren, und dass die selbstbewusste Lauren ziemlich kleinlaut dabei wirkte.

Weil sie den Mut gehabt hatte, gaben auch die anderen zu, dass sie merkwürdige Empfindungen hatten, die bis zu geistesblitzartigen Bildern reichten, die unmotiviert vor ihrem inneren Auge tanzten. Nur ganz kurz, vielleicht einen Lidschlag lang, und sie hätten nicht beschreiben können, was sie sahen. Aber die Empfindungen hingen lange nach – Angst und Schrecken.

Baxter sprach als Erster eine Vermutung aus. „Denkt ihr, das hängt mit dem Verschwinden des Neptun zusammen? Irgendeine davon ausgelöste schädliche Strahlung, die uns aufs Gemüt schlägt?“

„Ach was“, wiegelte Marten ab. „Das ist eine sehr weit hergeholte Verschwörungstheorie. Du glaubst doch nicht allen Ernstes, dass an diesen Gerüchten etwas dran ist? Ein Planet verschwindet doch nicht einfach so!“

„Es heißt, dass sich die Waldleute deswegen alle zurückgezogen haben“, sprang Lauren für ihren Partner in die Bresche. „Sie bereiten sich auf das Chaos vor, das kommen wird.“

Marten war immer noch nicht überzeugt. „Wilde Untergangsszenarien gibt es schon seit den Gründertagen. Auch bei dem Superbeben hieß es, das wäre das Ende. Und jetzt schaut uns an!“

„Ja, wir stehen unter der Fuchtel eines Militärpräsidenten, der seit dem Anschlag auf seine Frau Sandkörner im Getriebe hat und sich wie ein Despot aufführt“, bemerkte Lamiri völlig ernst, ohne spöttischen Unterton. „Unsere Gesellschaft ist durch diese Tat in den Grundfesten erschüttert und droht zu zerbrechen, nicht nur politisch, sondern auch insgesamt. Das Ende der Demokratie ist das deutlichste Zeichen.“

George wiegte den Kopf. „Das ist doch nur eine vorübergehende Erscheinung, wie schon einmal, zur Zeit des Superbebens. Leto Angelis ist ein sehr verantwortungsbewusster Mann und …“

„… deswegen hat er in den vergangenen Jahren auch einen Geheimdienst aufgebaut, von dem niemand außer seinen Mitgliedern auch nur die geringste Ahnung hatte“, vollendete Lamiri den Satz. „Wach auf, George! Unsere angespannte Stimmung, die schrecklichen Bilder, die wir sehen, und der Eindruck, dass der Himmel sich verdüstert, rührt genau daher: Wir wissen, dass unser gewohntes Leben in Trümmern liegt. Es wird nie wieder so sein wie vor dem Anschlag. Und vor allem: Das ist erst der Anfang.“

Lauren sah sich vorsichtig um. „Lamiri, du solltest aufpassen“, murmelte sie. „Es sind schon welche wegen harmloserer Bemerkungen verschwunden …“

Lamiri hob die Hände in einer „Seht ihr?“-Geste und lehnte sich zurück.

„Es ist alles verrückt geworden“, fasste George zusammen und machte sich über seine Mahlzeit her. Genug der Schwermut! Mochte morgen die Welt untergehen, heute wurde gefeiert, wenigstens bis dreiundzwanzig Uhr.

Schweißgebadet fuhr Afra aus dem Schlaf hoch, kurz vor der Weckzeit. Sie zitterte am ganzen Körper und schlang die Arme um sich selbst. Sie konnte sich nicht erinnern, jemals so schreckliche Alpträume gehabt zu haben, und das Schlimmste daran: Sie hatte sich nicht selbst daraus aufwecken und entkommen können. Sie hätte fast nicht mehr daran geglaubt, dass diese Nacht jemals vorüberging.

Schluchzend wiegte sie sich vor und zurück und hatte bereits jetzt Furcht vor der kommenden Nacht. Dabei hätte sie nicht einmal beschreiben können, was genau sie geträumt hatte. Es waren weniger Bilder als vielmehr … Gefühle gewesen. Dunkelheit, in der ein unbeschreibliches Grauen lauerte, das Entsetzliches plante, auch das hatte sie gespürt. Es stellte die personifizierte Angst und Hoffnungslosigkeit dar.

Afra hatte den Eindruck, dass sämtliche positive Empfindungen wie Freude, Optimismus oder Humor in ihr abgestorben waren. Bohrender Kopfschmerz quälte sie, als würde ein vielarmiges Wesen mit unzähligen Tentakeln in ihren Gehirnwindungen herumstochern und auch noch den letzten Rest Energie und Lebenswillen aus ihr herauszerren. Sie musste sich zwingen, aufzustehen und ins Bad zu gehen, und irgendwie schaffte sie es auch zur Arbeit.

Ihre Vorgesetzte wollte sie wieder nach Hause schicken, weil sie fast durchsichtig vor Blässe war und insgesamt, wie sie feststellte, einen verstörten Eindruck machte. Aber Afra blieb, sie würde sich daheim nicht besser fühlen, und sie hoffte darauf, dass die Arbeit sie ablenken würde.

Und so kam es auch. Nach einiger Zeit hörte das Zittern ihrer Hände auf, und ihr war auch innerlich nicht mehr so kalt. Die Nähe ihrer Kollegen tröstete sie. Sie ging mit ihnen zum Mittagessen, wo sie dann sehr, sehr lange das Messer auf ihrem Tablett anstarrte.

„Guten Morgen, Sandfloh!“ Kesri wurde jeden Morgen auf die gleiche Weise geweckt: Mandro stürmte in ihr Zimmer, riss ihr die Bettdecke weg, kitzelte sie und schrie ihr die Begrüßung in die verschlafenen, lärmempfindlichen Ohren.

„Nur noch ’ne halbe Stunde!“, beschwerte sie sich jedes Mal. Denn Mandro weckte sie wirklich immer viel zu früh. Kesri war noch ein kleines Mädchen, und der Kindergarten fing erst viel später an. „Du bist so gemein!“ Wenn sie schon Kraft gehabt hätte, dann hätte sie sich gerächt, ihm das Kissen nachgeworfen oder so. Aber sie konnte ja noch nicht einmal richtig die Augen aufmachen.

Schlaftrunken taumelte sie in ihr eigenes kleines Badabteil, wo sie schon vom Computer erwartet wurde. Der erinnerte sie daran, sich die Zähne zu putzen – man hatte nicht viel mehr zu tun, als die Zähne zu blecken und an die Maschine zu halten, dann ging es ganz automatisch –, das Gesicht zu waschen und all das andere ziemlich unwichtige Zeug. Da Kesri aber wusste, wie ungehalten Mutter werden konnte, wenn sie nicht gründlich war, nahm sie die Prozedur jeden Morgen auf sich und war fest entschlossen, diesen ganzen Mumpitz abzuschaffen, sobald sie erwachsen und selbstständig war.

Die Sachen lagen schon auf ihrem Bett, als sie zurück ins Zimmer kam, und das verärgerte sie jeden Morgen aufs Neue. So klein war sie nicht mehr – sie konnte sich allein anziehen, also konnte sie auch allein aussuchen, was sie tragen wollte!

Wie jeden Morgen focht Kesri einen inneren Kampf, ob sie den Aufstand proben sollte oder nicht – und ließ es bleiben. Gegen Mama kam sie noch nicht an, und es war wirklich schlimm, wenn sie einen aus diesen funkelnden blauen Augen strafend ansah.

Als Kesri im Kindergarten ihre Eltern malen sollte, hatte sie ihre Mutter als Hyperanischen Sanzi dargestellt. „Das ist aber gar nicht nett“, fand die Betreuerin und bestellte Kesris Mutter zu sich. Der hatte das Porträt noch weniger gefallen als der Betreuerin, aber Kesri hatte mit den Achseln gezuckt und gemeint, es wäre doch nur ein Bild. Innerlich aber hatte sie gekichert.

Schon beinahe vollständig wach, fand Kesri sich am Familientisch zum gemeinsamen Frühstück ein. Alle begrüßten sie, nahmen sie in den Arm und gaben ihr einen Kuss. Mama fragte sie, was sie zu essen und zu trinken haben wollte, und Kesri nannte ihre Wünsche, während sie auf ihren Platz kletterte. Alles in allem war es doch gar nicht so schlecht in dieser Familie, fand sie, und sogar Mandro konnte nett sein.

Vergnügt tauchte sie ihren Löffel in den Brei und hörte zu, was ihre Eltern und Mandro so redeten. Meistens verstand sie nicht einmal die Hälfte, aber interessant war es trotzdem.

Nur heute war alles anders. Mandro schnauzte auf einmal seinen Vater an, sich nicht in seine Angelegenheiten zu mischen, woraufhin Mutter ihn ermahnte, nicht so frech zu sein. Und da schrie Mandro auch noch sie an!

Kesri saß mit großen Augen da und verstand gar nicht, was mit ihrem Bruder los war. So benahm er sich sonst nie! Sicher war er manchmal sauer, aber sie hatte ihn niemals so außer sich erlebt. Und nicht nur das, er steigerte sich immer noch mehr hinein, und die Eltern auch.

Das Mädchen kroch in sich zusammen, es hatte Angst. Noch nie hatte es so einen Streit erlebt. Manchmal erzählten die anderen im Kindergarten, wie es bei ihnen daheim zuging. Kesri kannte das gar nicht und konnte immer nur sagen, dass sie sich alle lieb hatten.

„Hört doch auf“, wimmerte sie, „bitte, bitte hört auf …“

Niemand hörte auf sie, sie schrien nur immer noch lauter, Kesri verstand kaum mehr ein Wort, so schnell ging es hin ...

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