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Maddrax - Folge 310

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah
  4. Auf gewagtem Kurs
  5. Leserseite
  6. Zeittafel
  7. Cartoon
  8. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde. In der Folge verschiebt sich die Erdachse und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler – zur Erde gelangt sind und schuld an der veränderten Flora und Fauna sind. Nach langen Kämpfen mit den Daa’muren und Matts Abstecher zum Mars entpuppt sich der Wandler als lebendes Wesen, das jetzt erwacht, sein Dienervolk in die Schranken weist und weiterzieht. Es flieht vor einem kosmischen Jäger, dem Streiter, der bereits seine Spur zur Erde aufgenommen hat!

Matt und seine Gefährten können verhindern, dass ein aus Erdtiefen gefördertes Steinwesen zu unendlicher Macht gelangt und die Erde bedroht. Alle von dem Stein Beeinflussten erwachen aus seinem Bann. Doch bei dem Kampf stirbt Jennys und Matts gemeinsame Tochter Ann – durch Aruulas Hand. Es war ein Unfall, aber Matt ist fertig mit der Welt. Als alle anderen aufbrechen, bleiben er und Xij allein zurück. Xij, die in sich die Geister unzähliger früherer Leben trägt, ist todkrank. Matt setzt er seine ganze Hoffnung auf seine Hydritenfreunde Quart’ol und Gilam’esh. Auf der Suche nach ihnen bedient er sich eines Kampfanzugs und wütet von ihm beeinflusst unter friedlichen Hydriten. Mit einer Transportqualle erreichen sie Gilam’esh’gad, wo Matt von dem Anzug getrennt werden kann – und Xij sich an ihr erstes Leben als Manil’bud erinnert, Gilam’eshs Gefährtin. Trotzdem entscheidet sie sich für ein Leben als Mensch, in einem identischen Klonkörper, in den ihr Geist überwechselt.

Inzwischen wird die Burg von Matts Blutsbruder Rulfan von Exekutoren belagert. Meister Chan, der die Macht in Britana an sich reißen will, hilft ihm gegen die angeblichen Renegaten, die er selbst beauftragt hat, und gewinnt so Rulfans Vertrauen. Doch er hat nicht mit Xij gerechnet, die Rache nimmt für eine Vergewaltigung, die Chan einer ihrer früheren Existenzen antat.

Da entdecken die Marsianer, dass der Neptun am Rande des Sonnensystems an Masse verliert! Bedeutet das die Ankunft des Streiters? Man stellt den Magnetfeld-Konverter fertig, den Matt für die Aufladung einer hydritischen Vernichtungswaffe braucht, und schickt ein Raumschiff zur Erde. Dort kontaktiert man Matt und richtet den Flächenräumer ein. Doch dann gibt es Probleme und man zieht Gilam’esh und Quar’tol sowie den Androiden Miki Takeo hinzu – während Matt nur knapp dem Anschlag eines Hydriten-Assassinen entgeht, der Rache nehmen soll für Matts Gräueltaten unter dem Einfluss des Kampfanzugs.

Auf gewagtem Kurs

von Michelle Stern

Auf den 13 Inseln, November 2527

Dampf und der Geruch von Schwefel schlugen der schwarzhaarigen Königin entgegen, als sie das Ziel ihrer einsamen Wanderung erreichte. Das Wasser der Quelle brodelte kurz vor dem Siedepunkt. Auf dem Waldboden stehend blickte sie um sich, sah zwischen Felsen und Bäume. Sie war allein. Ihre Stiefel knirschten über totes Laub. Der lange Fellmantel schlug gegen ihre Waden, als sie komplett bekleidet in das Blasen werfende Wasser stieg. Dampf wallte auf und hüllte ihren Körper ein. Sie seufzte wohlig. Ja, das war ein Ort, an dem es sich aushalten ließ. Träge sah sie an sich hinab. Ihre bronzefarbene Haut zerfloss und formte sich zu Myriaden winziger Schuppen.

Grao’sil’aana schloss die Augen und genoss die Hitze, die ihn umgab. Sie erinnerte ihn an seinen Heimatplaneten Daa’mur, eine Lavawelt. Dort hatten deutlich höhere Temperaturen geherrscht als auf der Erde.

Die Wärme regenerierte ihn. In seinem ursprünglichen Echsenkörper erholte er sich von den Strapazen, die er sich selbst zumutete. Seit Monaten schon lebte er nicht in seinem echsenhaften Wirtskörper, sondern in menschlicher Gestalt.

Es hatte damit begonnen, dass er Rache an Mefju’drex und Aruula üben wollte, für den Tod Daa’tans. Als Gestaltwandler war es ihm ein Leichtes gewesen, sich als den übergewichtigen Händler Hermon auszugeben. In Fett und Kleidung konnte er die Masse seines zwei Meter großen Wirtskörpers gut unterbringen. Während er sich die Frauen der Dreizehn Inseln zu nichts ahnenden Verbündeten machte, wartete er so auf seine beiden Todfeinde.

Doch mitten in seinem Vernichtungsfeldzug hatte er feststellen müssen, menschliche Empfindungen zu entwickeln. Die lange Zeit, die er sich bereits unter den Primärrassenvertretern befand, forderte ihren Tribut. Er konnte immer intensiver fühlen und schloss Freundschaft mit einer Kriegerin von den Dreizehn Inseln. Sie tröstete ihn über Daa’tans Verlust hinweg und gab ihm das Gefühl, gebraucht zu werden. Deshalb trug er viel länger als geplant die Form des dicklichen Händlers Hermon und hatte sich auf den Dreizehn Inseln niedergelassen. Bahafaa zuliebe verzichtete er auf seine Rache und rettete Drax – dem ehemaligen Primärfeind seiner Rasse – sogar das Leben.1)

Seine Gedanken verdüsterten sich, als er den Namen seiner Gefährtin dachte. Vor Monaten hatten letzte überlebende Nordmänner ihn – als Hermon getarnt –, Bahafaa und einige andere Kriegerinnen entführt. Seine Gefährtin war misshandelt und geschändet worden und starb schließlich einen grausamen Tod durch einen Izeekepir. Und er hatte es nicht verhindern können.

Nach Bahafaas Tod erschien ihm seine Zeit auf den Dreizehn Inseln sinnlos – doch da erfuhr er von Aruulas Rückkehr. Daa’tans Mörderin war heimgekehrt und sollte zu allem Überfluss auch noch Königin werden …

Grao zog eine Echsenpranke aus dem blubbernden Wasser und formte sie gedankenverloren in den Arm und die Hand Aruulas um. Die schlanken und doch kraftvollen Finger einer Primärrassenvertreterin bildeten sich Stück für Stück aus. An der Stelle des kleinen Fingers verfärbte sich die Haut leicht grünlich. Ein Lächeln spaltete seine Daa’muren-Fratze, als er diese Hand im bleichen Winterlicht betrachtete.

O ja, Aruula war Königin geworden. Oder vielmehr: Er hatte in ihrer Gestalt die Herrschaft über die Dreizehn Inseln übernommen. So hatte er auch nach Bahafaas Tod eine Aufgabe gefunden, die ihm wichtig und sinnvoll zugleich erschien. Die Kriegerinnen der Inseln brauchten einen starken Anführer. Durch ihn würden sie neue Wege gehen.

Er wollte Rache für Bahafaas Hinrichtung durch die Lokiraa-Krieger. Und wenn er mit denen fertig war, wartete Euree auf ihn. Dieser Planet brauchte jemanden seines Formats, um Ordnung zu schaffen. Er würde sich darum kümmern. Das glaubte er Bahafaa schuldig zu sein, dem einzigen Menschen außer Daa’tan, dessen Tod ihn zum Weinen gebracht hatte.

Ein Zweig knackte. Grao zuckte hoch und sah blinzelte durch die Dampfschwaden. Inzwischen bildete sein halber Körper die weichen Formen Aruulas nach, während der Rest, geformt von winzigsten Schuppen, in Grün und Blau schillerte.

Er fuhr zusammen, als er die Kriegerin vier Schritte entfernt erblickte. Sie trug Pfeil und Bogen bei sich. An ihrem Gürtel hing der Handschuh einer Falkenjägerin. Er kannte sie nicht, aber sie erkannte ihn: die falsche Königin, die ein Monster war! Sie griff zum Köcher, als wollte sie auf ihn schießen, ließ die Hand dann aber wieder sinken.

Grao stand langsam auf, inzwischen zur Gänze in der Gestalt Aruulas – zu spät, wie er an dem entsetzten Gesicht der Kriegerin erkannte. Sie würde keine Erklärung mehr akzeptieren. Panisch drehte sie sich auf dem Absatz herum und hetzte über welkes Laub und Steine davon.

Fluchend sprang der Daa’mure aus dem Wasser. Er wollte Bahafaas Volk schützen, nicht es töten. Als ehemaliger Mentalführer im Kollektivwesen der Daa’muren zählte für ihn auch der Einzelne. Trotzdem war er nun erneut gezwungen, kurzen Prozess zu machen, wie schon am Königszelt, als er Aruulas Stelle einnahm.

Das Kollektiv kam vor dem Einzelnen. Immer. Die Jägerin durfte ihn nicht verraten. Er musste sie aufhalten, ehe sie die nächste Siedlung erreichte. Zum Glück lag die heiße Quelle ein gutes Stück vom nächsten Dorf entfernt.

Die Jägerin rannte einen Wildwechsel entlang. Grao sah, wie sie die Hand zum Signalhorn an ihrer Seite nahm und es vom Gürtel löste. Er zog Aruulas Schwert – der einzige Gegenstand neben einem Dolch, den er nicht mit seinem Körper nachgebildet hatte – aus der Rückenkralle und schleuderte es gedankenschnell.

Noch ehe die Primärrassenvertreterin das Horn an den Mund führen und hineinstoßen konnte, flirrte der Anderthalbhänder heran. Sie hörte das Geräusch und warf sich zur Seite. Das Horn entglitt ihren Händen, rollte einen Hang hinunter. Auch die Jägerin bewegte sich nun abwärts, zwischen Büschen und Bäumen hindurch.

Grao wusste, dass dort unten ein Weg lag. Hastig nahm er das Schwert im Vorbeilaufen wieder an sich und setzte zum Spurt an. Er spürte, wie geschwächt er immer noch war. Die Regenerationsphase war frühzeitig unterbrochen worden; er hatte sich kaum erholen können. Das lange Verharren in einer gewandelten Form kostete viel Kraft. Auch wenn er inzwischen wesentlich länger als früher durchhielt, brauchte er eben doch hin und wieder eine Auszeit.

Er hatte die Kriegerin fast erreicht, als er das Horsay sah. Die Primärrassenvertreterin schwang sich gerade hinauf und stieß dem mutierten Tier die Fersen in die Flanken.

Verdammt! Grao warf sich vorwärts und überwand die restlichen drei Körperlängen in einem gewaltigen Sprung, versuchte die Hinterbeine des Horsays zu packen und die Reiterin aufzuhalten.

Er sprang zu kurz. Um weniger als einen halben Meter verpasste er das mutierte Pferd und schlug schwer auf dem Boden auf, während die Kriegerin dicht über den Hals des Tieres gebeugt entwischte.

Ächzend rappelte Grao’sil’aana sich auf und blickte dem Horsay nach. Unmöglich, es jetzt noch einzuholen.

Es sei denn …

Ein Gedanke elektrisierte ihn: Was, wenn er die Flucht der Kriegerin zu seinem Vorteil nutzte? Sie konnte in der bergigen Landschaft nicht den direkten Weg zum nächsten Dorf nehmen. Er jedoch würde in der Gestalt eines Steinbocks die Hügel leicht überwinden, vor ihr beim Dorf ankommen und sie dort abfangen können. Die Gefahr, dabei von anderen Menschen gesehen zu werden war groß … aber gerade das konnte ihm sogar nützlich sein!

Und zwar dann, wenn er sich die Gestalt eines der verhassten Nordmänner gab! Dann würde die Primärrassenvertreterin zumindest nicht umsonst sterben, sondern dazu dienen, den Krieg gegen die Lokiraa-Krieger voranzutreiben. Damit erlegte er zwei Seeswane2) auf einen Streich: Er konnte Bahafaas Tod rächen und Kriegerinnen wie Tumaara und Juneeda, die ihm gegenüber bereits misstrauisch wurden, eine Aufgabe geben, die sie von ihm ablenkte.

So rasch, wie ihm sein Plan eingefallen war, setzte er ihn in die Tat um. Er überwand die bergige Landschaft als großer, muskelbepackter Bock, näherte sich bis auf Sichtweite dem nächsten Dorf und ließ die Jägerin auf dem Horsay herankommen.

Dann wandelte er seine Gestalt. In ein dickes Fell gehüllt und mit den typischen Deformationen der Nordmänner im Gesicht sprang er aus dem Sichtschutz von Büschen und Bäumen hervor und führte einen seitlichen Schlag mit dem Schwert. Die Klinge traf den Oberschenkel der Frau. Das Horsay scheute, die Reiterin rutschte von seinem unbesattelten Rücken und blieb brüllend vor Schmerzen auf der Erde liegen. Sie versuchte aufzustehen, fiel aber wieder zurück. Die klaffende Wunde blutete stark.

Grao eilte heran. Als das Horsay ihn erblickte, stieg es wiehernd auf die Hinterläufe und fletschte die Zähne. Es hielt Abstand zu ihm, als spürte es, dass er kein Mensch war. Grao kümmerte sich nicht um das mutierte Tier. Er hob das Schwert vom Boden auf und versicherte sich, dass die Primärrassenvertreterin nichts mehr von dem erzählen konnte, was sie an der Quelle beobachtet hatte – indem er ihr die Kehle durchschnitt.

Das Gebrüll war nicht ungehört geblieben. Schon näherten sich die ersten Kriegerinnen vom Dorf her. Grao wartete, bis sie ihn sahen, dann flüchtete er zurück in den Wald, tarnte sich als Felsblock und schloss dabei das blutbefleckte Schwert in seinem Inneren ein. Die Kriegerinnen zogen, Flüche ausstoßend, an ihm vorbei. Immer mehr von ihnen durchkämmten den Wald und die Auen und Dünen am Meer. Einige schickten ihre Falken los.

Finden konnten sie ihn nicht. Nach einigen Stunden gaben sie bei Einbruch der Dunkelheit frustriert auf. Da war Grao längst in der Gestalt Aruulas über Umwege zum Hauptdorf zurückgekehrt und in die Königsfestung eingezogen, wo er umgehend von dem ungeheuerlichen Vorfall, der sich rasch herumgesprochen hatte, informiert wurde.

Am Abend rief er dann als Königin Aruula eine Versammlung ein. Grimmig sah er in die Runde. Gut zehn Kriegerinnen hatten sich im Thronsaal der großen Astrid versammelt, darunter die oberste Priesterin Juneeda, Arjeela und Tumaara.

„Der Winter ist mild“, sagte er mit Aruulas Stimme. „Wudan schenkt uns ein Jahr ohne Schnee und Eis. Wir werden die Arbeiten an den Booten und an den Waffen beschleunigen. Lasst uns angreifen, solange das Wasser noch offen ist. Die verfluchten Nordmänner müssen in ihre Schranken gewiesen werden!“

Juneeda machte ein bedenkliches Gesicht. „Der Krieg wurde immer im Frühling geführt, nie im Winter.“

Grao zwang sich zu einem Lächeln. Die Priesterin gehörte zu den größten Problemen, die er in seiner Rolle als falsche Königin hatte. Sie hatte Aruula nahegestanden und war vielleicht fähig, ihn zu durchschauen. Es war schon schwierig genug, den anderen die schwierige Rolle zu verkaufen, zumal er nicht mehr lauschte. Doch leider hatte er seine eigenen mentalen Fähigkeiten beim Kampf des Wandlers gegen den Finder eingebüßt, wie alle, die sich damals am Uluru aufgehalten hatten – außer Aruula.

Er wandte sich Juneeda ganz zu. „Ja, das ist richtig. Doch ich bin sicher, dass der gesichtete Nordmann ein Späher war. Die Nordmänner wissen nun, dass wir den Krieg gegen sie planen, und wollen uns ihrerseits zuvorkommen. Wie unsere Spione berichten, haben die Lokiraa-Krieger die Ringfestung weiter gesichert und Verstärkung zusammengezogen. Was glaubst du, warum sie mit fremden Barbarenhorden paktieren? Und was denkst du wohl, was diesem Söldner-Pack als Belohnung für den Kriegszug versprochen wurde?“

Bleiernes Schweigen senkte sich über die Halle. Jede im Raum wusste, dass die Nordmänner und die Barbaren vor allem Sklavinnen brauchten. Sie wollten Frauen, die ihre Kinder austrugen und den Glauben an die dunkle Lokiraa erstarken ließen.

Tumaara trat vor. „Ich stimme Aruula zu. Die Zeit ist reif, die Nordmänner endgültig auszurotten. Das, was heute geschah, darf sich nicht wiederholen.“

Der Widerstand in Juneedas Augen erlosch. Dennoch meinte sie mit schwacher Stimme: „Und wenn uns der Winter den Rückweg abschneidet?“

Grao trat vor und sah eine nach der anderen an. Seine kraftvolle Stimme erstickte jeden weiteren Zweifel im Keim. „Dann wissen wir, in welche Richtung wir ziehen!“

Am Südpol, Anfang Dezember 2527

So ’ne verdammte Wakudakacke!“ Meinhart Steintrieb fluchte nun bereits seit einer halben Stunde. Zumindest kam es Commander Matthew Drax so vor, der alles tat, um den genialen Erfinder aus Ostdoyzland bei seiner Arbeit zu unterstützen. Steintrieb war eigentlich eine Frohnatur. Aber wenn die Dinge nicht so liefen wie geplant, konnte er auch anders.

Neben ihm verdrehte Quart’ol die Augen und verfärbte seinen Scheitelkamm. Der friedliebende hydritische Wissenschaftler war es nicht gewohnt, dass jemand in seiner Nähe mit Kraftausdrücken um sich warf. Matt hob leicht die Schultern. Quart’ol machte eine wegwischende Handbewegung.

„Wo liegt denn diesmal das Problem?“, wandte sich Matt an Steintrieb.

Der hielt inne, raufte sich die rotblonde Mähne und seufzte herzerweichend. Seine Blicke glitten düster über die Konsolen, Terminals und bionetischen Monitore, die der Justierung des Flächenräumers dienten. Seit einigen Tagen arbeiteten sie nun schon im Team daran, die hydritische Waffe in Betrieb zu nehmen, als letztes Mittel gegen den Streiter.

Dieses mächtige Wesen war zur Erde unterwegs, im Glauben, dort auf seine Jagdbeute zu treffen, einen Wandler. Der aber war längst weitergezogen – und Matthew hatte in einer Vision miterlebt, wie der kosmische Jäger auf Fehlschläge reagierte: mit der Vernichtung ganzer Planeten! Wenn sie den Streiter nicht abhalten oder vernichten konnten, war es um die Erde geschehen.

Der Maya-Kalender hatte doch das falsche Datum für den Weltuntergang, dachte Matt sarkastisch. Nicht 2012. Sondern ein halbes Jahrtausend später … Die Crux war: Niemand wusste, wann der Streiter hier eintreffen würde. Vielleicht blieben ihnen nur noch wenige Tage.

„Ich krieg’s nicht aufs All fixiert“, ließ sich Meinhart Steintrieb vernehmen. „Dieses mistige Fadenkreuz lässt mich jeden Scheiß-Punkt der verfluchten Erde anpeilen, aber senkrecht nach oben will’s verdammt noch mal nicht!“

Quart’ol hob vorsichtig eine Flossenhand. „Kann ich helfen?“

Steintrieb sah flüchtig zu dem schuppigen Hydriten im Lendenschurz, der ihm nur knapp bis zur Brust reichte. „Im Moment nicht. Aber ein Kaffee wär nicht schlecht, Kleiner. Ist gut fürs Gemüt.“

Quart’ol – selbst Wissenschaftler – ließ sich nicht anmerken, ob er beleidigt war. Er schien froh zu sein, aus der Nähe des temperamentvollen Burschen entkommen zu können. Mit watschelnden Schritten entfernte er sich, um das zu holen, was Meinhart „Kaffee“ nannte. Damit meinte er ein marsianisches Syntho-Heißgetränk, das Clarice und Vogler in ihren Mondshuttle-Vorräten mitgebracht hatten. Vermutlich war Quart’ol dankbar, überhaupt irgendetwas anderes zu sehen als die Berge von Datenkristallen aus Gilam’esh’gad, die er gemeinsam mit Gilam’esh immer noch auswertete.

Matt dachte daran, was sie in den letzten Wochen alles geleistet hatten, und an das Basislager, das in einer sicheren Zone des Flächenräumers errichtet worden war. Sie machten insgesamt gute Fortschritte, und doch ging es ihm nicht schnell genug.

Der Streiter hatte sich auf seinem Weg zur Erde den Planeten Neptun am Rande des Sonnensystems einverleibt. Nichts war davon übrig geblieben. Ob es weitere „Opfer“ gegeben hatte, war noch nicht bekannt. Die Marsianer hatten die Teleskopstation auf dem Erdmond reaktiviert, um im Verbund mit denen auf Phobos und Deimos den tiefen Weltraum zu beobachten.

„Das Fadenkreuz muss sich auch auf extraterrestrische Punkte einstellen lassen“, murmelte Steintrieb abwesend.

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