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Maddrax - Folge 308

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah
  4. Ein Planet wird vermisst
  5. Leserseite
  6. Zeittafel
  7. Cartoon
  8. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde. In der Folge verschiebt sich die Erdachse und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler – zur Erde gelangt sind und schuld an der veränderten Flora und Fauna sind. Nach langen Kämpfen mit den Daa’muren und Matts Abstecher zum Mars entpuppt sich der Wandler als lebendes Wesen, das jetzt erwacht, sein Dienervolk in die Schranken weist und weiterzieht. Es flieht vor einem kosmischen Jäger, dem Streiter, der bereits seine Spur zur Erde aufgenommen hat!

Matt und seine Gefährten konnten verhindern, dass das Steinwesen namens Mutter zu seinem Ursprung gelangte – ein riesiges Flöz in Ostdeutschland. Die Steinjünger, darunter Jenny Jensen, die auf dem Mond stationierten Marsianer, die Technos um Sir Leonard und die Kriegerinnen der 13 Inseln erwachen aus dem Bann. Kroow und der ZERSTÖRER werden vernichtet. Doch dabei stirbt Jennys und Matts gemeinsame Tochter Ann – durch Aruulas Hand. Es war ein Unfall, doch Matt ist fertig mit der Welt. Als alle anderen aufbrechen – Aruula zu den 13 Inseln, Technos und Marsianer zu Rulfans Burg –, bleiben er und Xij allein zurück. Xij, die in sich die Geister unzähliger früherer Leben trägt, ist todkrank, offenbar verstrahlt. Das reißt Matt aus seiner Lethargie.

Ein Hinweis führt sie nach Schloss Neuschwanstein. Doch der mächtige Heiler, der dort als König regiert, entpuppt sich als wahnsinniger Japaner. Matt hilft, ihn zu stürzen. Xijs Diagnose zeigt, dass sie von Daa’murensplittern innerlich zerfressen wird – wogegen es keine Heilung gibt! Matts letzte Hoffnung sind seine Hydritenfreunde Quart’ol und Gilam’esh. Auf der Suche nach ihnen bedient er sich eines Kampfanzugs, wird von ihm übernommen und wütet unter friedlichen Hydriten, um eine Transportqualle zu stehlen. Damit erreichen sie Gilam’esh’gad, wo Matt wieder von dem Anzug getrennt werden kann – und Xij sich an ihr erstes Leben als Manil’bud erinnert, Gilam’eshs Gefährtin. Doch der liebt nun E’fah, und Xij entscheidet sich für ein Leben als Mensch, in einem Klonkörper, in den ihr Geist überwechselt.

Inzwischen kehrt Rulfan samt Gefolge nach Canduly Castle zurück – und sieht die Burg von Exekutoren belagert. Doch Meister Chan hilft ihm gegen die angeblichen Renegaten, die er selbst beauftragt hat, und gewinnt so Rulfans Vertrauen. Doch er hat nicht mit Xij gerechnet, die Rache nimmt für eine Vergewaltigung, die Chan einer ihrer früheren Existenzen antat. Neben Chan kommt auch die Killerin Ninian, die sich ihm als Chefexekutorin andiente, ums Leben.

Ein Planet wird vermisst

von Susan Schwartz

Endlich! Der Ruf eines Finders! Sogleich machte er sich auf den Weg. Es war schwierig, die Fährte nicht zu verlieren. Manchmal driftete er zwischen den Sternen dahin, hungernd in der eisigen Leere. Manchmal fand er gerade genug, um seine Energiereserven aufzufüllen. Manchmal schien er nahe daran, zu vergessen … doch dann verspürte er einen neuen Impuls und setzte seinen Weg fort. Die Zeit, die verging, nahm er nicht wahr. Er hatte keinen Sinn für die riesigen Schiffe vor brennenden Toren, die wie Fanale noch die Sonnen überstrahlten. Mächtige Wesen, die zwischen den Sternen dahinzogen, interessierten ihn nicht. Sein Begehren war anderer Natur. Es gab nur das Ziel.

Ein letzter Sprung noch; das Ziel war greifbar nahe. Bald würde er seine Gier befriedigen können. Bald!

Mars, im April 2527 Erdzeit

Sie trafen sich an einem verborgenen Ort. Zu sechst waren sie und so gekleidet, wie man als Verschwörer zu einer konspirativen Sitzung geht. Alle trugen sie den Siegelring, mit dem sie sich als Führungsmitglied auswiesen. Einer von ihnen hatte die Idee zu diesem Zeichen gehabt, weil er in den historischen Archiven gelesen hatte, dass es auf der Erde einst Zunftringe und Ringe geheimer Bünde gegeben hatte.

Die Erde, ausgerechnet! Aber es störte sich niemand in dieser Vereinigung daran, obwohl es für einen Außenstehenden als Widerspruch erscheinen mochte. Sie sahen sich nicht als blinde Fanatiker, sondern vernunftgesteuert und nach logischen Gesichtspunkten handelnd. Die Traditionen der alten Erde waren nicht durchwegs verdammenswert, und das überlieferte Wissen war von sich aus unschuldig.

Die Erde von damals hatte nichts mit dem heutigen Barbarentum und dem Wahnsinn zu tun, der dort herrschte. Anstatt nach der Katastrophe eine große, hochentwickelte, friedlich geeinte Zivilisation aufzubauen, wie es auf dem Mars gelungen war, hatten die Nachkommen des Kometen jede Chance auf geistige und moralische Entwicklung nutzlos verstreichen lassen.

Und ihr schädlicher Einfluss sickerte nunmehr wie Gift in die Gedanken der Menschen auf dem Roten Planeten, die neu begonnen hatten und nun in althergebrachte Sitten zurückzufallen drohten. Die aus den Trümmern aufgebaute marsianische Zivilisation war einzigartig – doch nun wurde sie kontaminiert.

Und allen voran die Regierung.

„Wir haben uns hier und heute außerhalb der gewohnten Zeit nur zu einer einzigen Entscheidung versammelt“, begann der Anführer. „Die Regierung muss gestürzt werden.“

„Einverstanden“, sagte der Mann neben ihm.

„Einverstanden“, sagten alle der Reihe nach.

„Wir werden auslosen, wer sich dieser Sache annimmt“, fuhr der Anführer fort, nachdem sich alle geäußert hatten. „Derjenige hat völlig freie Hand. Es obliegt ihm, wie er dieser Regierung ein Ende setzt. Es gibt nur eine einzige Bedingung: Keiner von uns wird darüber informiert, er muss diese Sache ganz allein durchziehen. Und die Verantwortung übernehmen, wenn er entdeckt wird. Keiner der anderen wird Kenntnis über den Plan, den Hintergrund und die Helfer erhalten. Keiner der anderen darf in Verbindung hiermit gebracht werden. Ihr müsst euch über die Konsequenzen im Klaren sein.“

„Das sind wir“, sagte der Erste, und die anderen folgten mit demselben formelhaften Gemurmel.

„Ab diesem Punkt“, schloss der Anführer, „gibt es kein Zurück mehr.“

Er sagte es leichthin, doch jeder wusste, dass derjenige, der das Los zog, eine schwere Bürde auf sich nahm. Er musste zu allem entschlossen sein – auch dazu, sein Leben zu geben.

„Das ist unser Ziel wert – ein Opfer wie dieses“, sagte jemand feierlich. „Ich bin bereit dazu!“

„So wie ich!“ – „Und ich!“

Der Anführer lächelte grimmig. Nur so konnten sie es schaffen: wenn alle bereit waren, bis zum Äußersten zu gehen. Sie taten es für die Zukunft ihrer Heimat und einer freien, moralisch reinen menschlichen Gesellschaft, die hochzivilisiert und hochtechnisiert war. Ohne Einfluss mentaler Kräfte primitiver Waldvölker oder gar irdischer Barbaren – allen voran Matthew Drax, der behauptete, aus der alten Zeit zu stammen, vor dem Kometen. Selbst wenn das stimmte, so war er verdorben worden und hatte sich an die neue Welt angepasst, anstatt sie zu verändern. Und nun verlangte er das Gleiche von den Städtern auf dem Mars!

„Die Verbindung zwischen Mars und Erde muss ein für alle Mal beendet werden!“, deklamierte der Anführer mit erhobener Faust. „Die Städter müssen sich endlich darauf besinnen, wer sie sind, und ihre Ziele konsequent verfolgen! Nur das kann zum Erfolg führen und dauerhaften Frieden sichern!“

„Wir werden in der Lage sein, die Waffen wieder zu verbannen“, erklang eine weibliche Stimme. „Wir werden uns dem Ausbau unserer Zivilisation zuwenden und Wohlstand und Reichtum für jeden einzelnen Stadtbürger fördern, genau wie es von Anfang an geplant war!“

„Die Geschehnisse der letzten Jahre dürfen nur eine kurze Unterbrechung unserer Entwicklung gewesen sein. Wir werden das Volk auf den rechten Weg zurückführen“, ergänzte der Anführer. „Damit wollen wir zur Auslosung schreiten. Diese findet im Geheimen statt. Niemand wird wissen, wer den Auftrag zieht. Schlagt die Kapuzen über und verhüllt eure Gesichter. Ab jetzt gilt Schweigen, und schweigend werden wir auseinandergehen. Unser nächstes Treffen wird zur gewohnten Stunde am gewohnten Ort stattfinden.“

Alle hoben feierlich die Hand. „Pro Mars“, schlossen sie ihm Chor die Versammlung.

Dann schlugen sie die Kapuzen über und zogen jeder ein Los, ohne es zu betrachten. Sie steckten es sofort ein und verließen still den halbdunklen Raum.

Schwärze umgibt dich. Dir ist kalt und du kannst den gefrierenden Atem auf deinen Lippen spüren. Zitternd bewegst du dich vorwärts durch die zähe Masse, die leichte Luft sein sollte. Selbst dein Atem bleibt darin hängen.

Immer stärker spürst du dein Gewicht, es zieht dich hinab.

Ein Abgrund tut sich unter dir auf. Du solltest stürzen, doch du fällst nicht, obwohl du schwer bist und keinen Boden mehr unter dir spürst. Du setzt weiter Fuß vor Fuß und gehst vorwärts, obwohl du das Gefühl hast, auf der Stelle zu treten.

Dann hörst du aus weiter Ferne eine Stimme. Du willst antworten, aber kein Laut verlässt deine aufgequollene Kehle. Du hebst den Arm, willst winken, auf dich aufmerksam machen, doch wer sollte dich in der tiefen Dunkelheit finden?

Du hörst die Stimme, aber du kannst sie nicht sehen. Da ist kein Licht.

Du bist verloren.

Maya Tsuyoshi, die Präsidentin des Mars, fuhr aus dem Schlaf hoch. „Was? Was ist los?“, keuchte sie und starrte furchtsam um sich. Verstört strich sie sich die schwarzen Haare aus dem Gesicht.

„Das frage ich dich“, erklang eine vertraute Stimme neben ihr.

Endlich fand sie zu sich: Sie war zu Hause, in ihrem Bett, und es war Nacht. Kaum ein Licht fiel durch die dicke Scheibe, die vor der Kälte des nächtlichen Mars schützte. Hier oben, hoch über der Stadt, musste man auf den Balkon hinaus und nach unten auf die Stadt blicken, um Licht zu finden. Die Marsmonde waren viel zu klein, um allzu viel Helligkeit zu spenden, und die Sterne waren weit weg, nicht mehr als winzige Nadelstiche in einem pechschwarzen Tuch.

Trotzdem liebte Maya den Ausblick durch das Panoramafenster direkt vor ihrem Bett, denn sie hatte nie aufgehört, sich nach dem All zu sehnen. Obwohl sie kaum mehr Gelegenheit bekommen würde, noch einmal hinauszufliegen. Als führende Politikerin lenkte sie die Geschicke des aus Städtern und Waldleuten bestehenden, offiziell geeinten Volkes. Fragte sich nur, wie lange noch.

Vor allem: War es denn jemals geeint gewesen?

Kein Wunder, dass sie Albträume hatte.

„Entschuldige, Leto.“ Sie wandte sich ihrem Ehemann zu, der im Bett neben ihr lag und sie aufmerksam beobachtete. „Habe ich geschrien?“

„Nein, du warst zu still. Völlig erstarrt. Ich kenne dich, das bedeutet nichts Gutes.“

Sie seufzte. „Ich hatte einen Albtraum.“

„Den üblichen?“

„Nein, diesmal war es ein ganz neuer. Scheußlich.“ Sie schüttelte sich. „Es kommt mir so vor, als würde mein Ende nahen. ProMars wird sich letztlich durchsetzen, du wirst es sehen. Wie eine Hydra, deren Köpfe doppelt nachwachsen.“

„ProMars hat keine Chance. Und es sind Träume, keine Prophezeiungen.“

„Vielen Dank für den Hinweis, aber das beruhigt mich kaum. Seitdem die Organisation neue Führungskräfte bekommen hat, gewinnt sie wieder an Zulauf. Und an Einfluss. Es wird uns nicht gelingen, sie zum Schweigen zu bringen. Vor allem, da nur die Pressesprecher öffentlich auftreten und wir nicht wissen, wer jetzt am Ruder ist.“

„Hm.“ Leto Jolar Angelis setzte sich auf. „Dann brauchen wir eben einen neuen Ansatz.“

Doch welchen? ProMars bezog sich in seiner Kritik auf die Zeit des Wiederaufbaus nach dem Superbeben, das marsianische Städte in Schutt und Asche gelegt und das Volk gezwungen hatte, wieder fast von vorn anzufangen. Gewiss auf sehr viel höherem Niveau als zu Beginn der Besiedelung durch die Gründer, aber nach Ansicht dieser politischen, regierungskritischen Organisation war viel zu wenig geschehen.

ProMars verwahrte sich strikt gegen außenpolitische Ambitionen, die sowohl die Erde als auch die dortige Mondstation betrafen. Die Organisation forderte gleichen Wohlstand für alle und keinerlei Einmischung mehr. Schon gar nicht aus dem eigenen Volk – den Waldleuten, die in Scharen in die Städte drängten und den Städtern die Arbeits- und Wohnplätze wegnahmen.

Das war haarsträubender Unsinn. Der Wiederaufbau war so gut wie abgeschlossen, die Gesellschaftsordnung wiederhergestellt, und die Waldleute blieben weiterhin lieber unter sich. Junge Leute waren es vorwiegend, die aus dem Wald in die Stadt kamen, um eine Ausbildung zu beginnen oder zu studieren. Nicht alle blieben, die meisten kehrten anschließend wieder zu ihrem Stamm zurück, um ihr Wissen dort anzuwenden.

Nicht einmal das gemeinsame Leid hatte etwas an der Spaltung des Volkes ändern können, wie Maya es erhofft hatte, und ProMars stocherte genau in der Wunde herum. Schürte die jahrhundertealten Vorbehalte und Ängste der Städter gegen die „Wurzelfresser“, die oftmals wegen ihrer angeblichen mentalen Verbundenheit zum Roten Vater, der Seele des Mars, als religiöse Spinner angesehen wurden. Und viele fürchteten eben diese empathischen Fähigkeiten der Waldleute, vor allem die Fähigkeit der Weltenwanderer, mit ihrem Geist in den Zeitstrahl der Alten einzutauchen.

Dadurch hatte ProMars eine gute Möglichkeit, einzuhaken: Der Strahl stellte schließlich eine Verbindung zur verhassten Erde dar.

Sicherlich war vielen Städtern klar, dass ProMars haltlos übertrieb, aber Gehör fanden die Verbreiter der Hetzparolen dennoch. Denn es gab genügend Unzufriedene, die keine Lust hatten, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, und die sich aufstacheln ließen. Und es gab genügend Paranoiker, die die Ansicht teilten, dass der Mars seine Identität verlor und sich der barbarischen Erde unterwarf, anstatt über sie zu triumphieren.

Einige Vorwürfe waren leider nicht von der Hand zu weisen. Der finanzielle und personelle Verlust der CARTER IV hatte eine Regierungskrise heraufbeschworen, die bis heute andauerte, und Maya hatte sich den unangenehmen Fragen der Reporter in einer öffentlichen Anhörung stellen müssen. Der letzte Funkspruch wies darauf hin, dass das Raumschiff wohl im August 2526 Erdzeit durch Sabotage auf der Erde abgestürzt war. Es wurde angenommen, dass die gesamte Besatzung dabei zu Tode gekommen war.

Immerhin konnte Maya den Vorwurf abmildern, indem sie darauf verwies, dass sie bereits vor Bekanntwerden des Verlustes eine Verfügung unterzeichnet hatte, die Außenpolitik vorerst ruhen zu lassen, weil die Risiken inzwischen als zu hoch eingestuft wurden. Doch den Absturz hatte das nicht verhindert, und das Volk war darüber aufgebracht.

Anhand der Rekonstruktion der letzten Momente der CARTER IV lag der Verdacht zwar nahe, dass ProMars für den Absturz verantwortlich zeichnete – und Menschenleben geopfert hatte, um eben diese Krise heraufzubeschwören. Aber Beweise hierfür gab es nicht.

ProMars sprach natürlich von einem Anschlag der Erde, und Maya konnte nichts vorlegen, um diese Anschuldigung zu entkräften. ProMars hatte wieder einige Anhänger mehr gewonnen und war kräftig dabei, den Volkszorn zu schüren. Aber die Präsidentin konnte aufgrund ihrer Popularität und ihrer früheren Verdienste ihre Position halten. Noch!

Die Forderung blieb bestehen, dass die Regierung mit den Steuerkonten künftig verantwortungsvoller umgehen und lieber dem Volk etwas zugutekommen lassen sollte, anstatt derart viele Ressourcen sinnlos zu verschleudern und vor allem Menschenleben aufs Spiel zu setzen.

„Egal, was man tut, es ist nie genug!“, bemerkte Maya frustriert.

„Stimmt, ich kann auch nie genug von dir kriegen“, grinste Leto und zog sie in seine Arme.

„Du sollst mich nicht …“

„Maya, es ist mitten in der Nacht. Du kannst sie besser verbringen als mit Albträumen. Vor allem brauchst du deine Kräfte. Die Regierungsgeschäfte finden erst bei Tageslicht statt.“

Maya ließ sich ablenken, doch es half nicht. Sie sagte es Leto nicht, aber die Träume, die sie hatte, waren nicht einfach vom Stress bestimmt. Sie waren von ganz anderer Art, wurden von Nacht zu Nacht immer eindringlicher und bedrohlicher.

Und dann rief ihre Mutter an.

Vera Akinora Tsuyoshi lebte seit vielen Jahren beim Waldvolk. Ihr letzter Besuch in der Stadt hatte vor dem Superbeben stattgefunden. Maya rief sie ein- bis zweimal in der Woche an, und jeden Monat brachte sie ihre Kinder für ein paar Tage zu ihrer Großmutter. Die restliche Zeit verbrachte die Greisin in freiwilliger Zurückgezogenheit.

„Schläft er schon?“, eröffnete Vera Akinora das Gespräch, kaum dass sich die Sichtverbindung aufgebaut hatte.

Maya rieb sich die müden Augen. Es war nach Mitternacht. „Leto? Ja, er hat sich zurückgezogen. Ich war zwar vor ihm eingeschlafen, aber …“

„Deswegen rufe ich an“, unterbrach ihre Mutter. „Du hast Träume.“

„Ich …“

„Schnapp dir einen Gleiter und komm unverzüglich her. Ich erwarte dich in spätestens zwei Stunden.“

Das faltenreiche Gesicht der Greisin erlosch. Maya starrte verwirrt vor sich hin. So einfach, wie ihre Mutter sich das vorstellte, war es nicht. Maya war die Präsidentin des marsianischen Volkes; sie konnte nicht kommen und gehen, wie es ihr beliebte. Und schon gar nicht ohne Leibwächter, das gab es schon lange nicht mehr. Und warum konnte das nicht bis morgen warten?

Mit fließenden Bewegungen stand sie auf, huschte zum Schlafzimmer und warf einen Blick hinein. Leto lag still auf seiner Seite und atmete tief und gleichmäßig. Gut.

Lautlos schloss Maya die Tür, sah noch nach den Kindern: Nomi, die große Schwester, und der kleine Londo Lorres. Sie schlummerten so tief, dass vermutlich nicht einmal ein Erdbeben die zwei hätte wecken können.

Maya ging ins Bad und schlüpfte in einen bequemen, eng anliegenden Hosenanzug, dessen Gewebe die Temperatur automatisch regelte. Die marsianischen Nächte waren eiskalt und verweichlichte Städter nicht daran gewöhnt.

Dann verließ sie den privaten Bereich und fuhr mit einem nur für die Präsidentenfamilie reservierten Lift zur Gleiterplattform drei Stockwerke tiefer.

Die Nachtwache fuhr erschrocken hoch, als die Präsidentin plötzlich erschien. „Man hat mir nicht angekündigt …“, stammelte der Mann, doch Maya winkte ab.

„Das ist außerplanmäßig.

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