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Maddrax - Folge 303

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah
  4. Tod einer Königin
  5. Leserseite
  6. Zeittafel
  7. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde. In der Folge verschiebt sich die Erdachse und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler – zur Erde gelangt sind und schuld an der veränderten Flora und Fauna sind. Nach langen Kämpfen mit den Daa’muren und Matts Abstecher zum Mars entpuppt sich der Wandler als lebendes Wesen, das jetzt erwacht, sein Dienervolk in die Schranken weist und weiterzieht. Es flieht vor einem kosmischen Jäger, dem Streiter, der bereits seine Spur zur Erde aufgenommen hat!

Das mysteriöse Steinwesen namens Mutter, das den Menschen die Lebensenergie raubte und sie versteinern ließ, ist vernichtet. Matthew Drax und seine Gefährten konnten verhindern, dass es zu seinem Ursprung – ein riesiges Flöz unter der Erde Ostdeutschlands – gelangte. Die Steinjünger, darunter Matts Staffelkameradin Jenny Jensen, die auf dem Mond stationierten Marsianer, die Technos aus London und Salisbury und die Kriegerinnen der Dreizehn Inseln erwachen aus dem Bann, in den Mutter sie geschlagen hatte. Auch das Hybridwesen aus General Arthur Crow und den atlassischen ZERSTÖRER sind vernichtet, nachdem sie um das Vorrecht kämpften, Matt töten zu dürfen.

Doch der Sieg ist teuer erkauft: mit dem Leben von Jennys und Matts gemeinsamer Tochter Ann! Aruula wollte sie stoppen, indem sie ihr Schwert mit der Breitseite schleuderte, um Ann zu Fall zu bringen, bevor sie Mutter zum Ursprung brachte. Durch Jennys Versuch, Aruula aufzuhalten, bohrte sich die Klinge aber in Anns Rücken.

Matt kann Aruula nicht vergeben; er ist fertig mit der Welt und kapselt sich ab. Als alle anderen aufbrechen – Rulfan mit den Technos, den Marsianern und dem Retrologen Steintrieb zu seiner Burg in Schottland, Aruula mit ihren Schwestern zu den Dreizehn Inseln – bleiben er und Xij alleine zurück. Xij, die in sich die Geister unzähliger früherer Leben trägt, ist ernsthaft erkrankt; alles deutet auf eine Verstrahlung hin, die sie sich in Tschernobyl zugezogen hat. Das reißt Matt aus seiner Lethargie; doch sein Plan, bei den Lübecker Technos Hilfe zu finden, schlägt fehl. Sie helfen dabei, Frieden zwischen Mutanten und Menschen zu schaffen, und erhalten einen Hinweis, der sie nach Süden führt – nach Schloss Neuschwanstein, wo ein Heiler praktizieren soll, dessen Fähigkeiten an Zauberei grenzen. An böse Magie, wie sie von Truveers in Bayreuth erfahren, wo sie Zwischenstation machen …

Tod einer Königin

von Jo Zybell

„Drei Weiber, ein Mann“, sagte der Späher. „Haben sich abgesetzt von den anderen. Müssten leicht zu greifen sein.“

Prankoz wog jedes Wort, musterte die sechs Krieger, die ihm der Erste Kriegsmeister mitgegeben hatte, entschied sich dann. „Wir wagen es.“

Sie tarnten den Einmaster mit Geäst, liefen in den Ruinenwald hinauf und pirschten sich an die Beerensammler an: zwölf Bewohner der Dreizehn Inseln, die Hälfte Kriegerinnen. Zu gefährlich, die Schwertweiber anzugreifen. Die drei Pflückerinnen jedoch, die sich gemeinsam mit dem Mann ein gutes Stück von den anderen entfernt hatten, waren nur leicht bewaffnet. Prankoz winkte drei seiner Jäger, die mit dem Blasrohr umgehen konnten. „Packt die Giftpfeile aus“, flüsterte er. „Für den Kerl eine tödliche Dosis.“

Bei den Robbenjägern im Eismeer hatten sie gelernt, kleine Pfeile mit Blasrohren zu verschießen und Beute mit Pfeilgift zu töten – oder zu betäuben.

Sie schlichen in den Rücken der vier Beerensammler. Prankoz war drahtig und klein und trug ein ledriges Geschwür statt einer Nase im Gesicht. Sein Jähzorn war gefürchtet in der Ringfestung und keiner nahm es an Schnelligkeit und Schwertkunst mit ihm auf.

Alle sieben Lokiraakrieger trugen Beinkleider und eng anliegende Harnische und Helme aus grauem Fischleder, der Rottenmeister Prankoz dazu eine schwarze Fellweste. Sie waren mit Lanzen und Kurzschwertern bewaffnet.

Mit Handzeichen gab Prankoz den drei Jägern mit den Blasrohren zu verstehen, zuerst auf die Frauen zu zielen. Zum einen waren Frauen die bevorzugte Jagdbeute seiner kleinen Expedition, zum anderen hielt er die Frauen der Dreizehn Inseln für ungleich gefährlicher als ihre Männer.

Jeder der drei Jäger holte zwei Giftpfeile aus dem Gurt, legte einen vor sich ins Moos und steckte den anderen ins Rohr. Einer der Männer hatte drei Augen, dem zweiten hingen verkrüppelte Ohren wie Hautlappen aus dem langen Haar, dem dritten standen fingergroße Schneidezähne aus einer Hasenscharte. Obwohl er die Waffe nur im Mundwinkel ansetzen konnte, galt er als der beste Blasrohrschütze und der Pfeil vor ihm im Moos war mit einem tödlichen Gift versehen.

Prankoz hob die Rechte und bedeutete den Jägern zu warten, bis sie freie Schussbahn hatten. Gleich die ersten drei Pfeile mussten ins Ziel gelangen, unbedingt, und danach der vierte, tödliche Pfeil für den Kerl auch. Den offenen Kampf wollte der Rottenmeister um jeden Preis verhindern. Er hatte Lokiraa geschworen, mit der vollständigen Rotte in die Ringfestung zurückzukehren.

Jeder Krieger, auch jeder Knabe und Halbwüchsige, war zehnmal wertvoller als früher, seit Prankoz mit dem Ersten Kriegsmeister aus dem Eis zurückgekehrt war – auf einem Schiff mit nicht einmal dreißig Mann. Das letzte Schiff mit den letzten dreißig Kriegern Lokiraas! Alle anderen hatten in der großen Schlacht im fernen Osten ihr Leben gelassen. Bald sieben Winter war das her.

Auch der Rottenmeister Prankoz und der Erste Kriegsmeister waren damals in diesen Krieg gezogen – neunzig Mann hatten sie an Bord gehabt. Doch dann explodierte auf hoher See der Dampfkessel, und tagelange Stürme verschlugen sie ins Eis. Viele erfroren, am Schluss mussten sie die eigenen Gefährten essen, um nicht zu verhungern.

Hätten sie nicht die Robbenjäger getroffen, wären Lokiraas Krieger heute ausgestorben.

Zwanzig Schritte entfernt, bei den Brabeelenbüschen, arbeitete sich der Kerl gerade in eine Hecke voller reifer Früchte hinein. Seine Arme und sein Nacken boten günstige Ziele für den vierten, tödlichen Pfeil. Und die halbnackten Weiber – sie plapperten und kicherten und dachten an nichts Böses – waren sowieso kaum zu verfehlen. Prankoz befahl einer knappen Handbewegung, die Pfeile abzuschießen. Fast zeitgleich stieß jeder der drei Jäger einmal kurz und kraftvoll die Luft in sein Rohr. Die anderen drei hielten Schwert und Lanze bereit.

Das Geplapper und Gekicher an den Brabeelenhecken verstummte schlagartig – alle drei Frauen schlugen sich in den Nacken oder auf den Rücken, als hätte Wesps sie gestochen.

Treffer!

Zwei gingen sofort in die Knie, die dickste konnte zuvor noch einen Seufzer ausstoßen. Dann sackte auch sie im Unterholz zusammen.

Der mit der Hasenscharte steckte nun den tödlichen Pfeil in sein Rohr. Keinen Augenblick zu früh, denn schon tauchte der Begleiter der Frauen zwischen den Hecken auf. Ein untersetzter Bursche, dicklich und bärtig. Man konnte ihm schon ansehen, dass er es nicht gewohnt war, einen Jagdbogen zu benutzen oder gar ein Schwert zu führen. Doch Prankoz wollte unter allen Umständen vermeiden, dass er die gefährlichen Schwertweiber zur Hilfe rief, die nur zwei Speerwürfe entfernt Brabeelen pflückten.

„Töte ihn“, zischte er, und der Jäger setzte sein Blasrohr in den Mundwinkel und stieß kraftvoll hinein.

Der untersetzte Kerl zwanzig Schritte entfernt blieb stehen, als wäre er gegen ein unsichtbares Hindernis geprallt. Er senkte den bärtigen Schädel und glotzte an sich hinab: Ein kleiner Pfeilbolzen hatte den Stoff seines Hemdes durchbohrt und steckte in seiner Brust.

„Warum kippt der Kerl nicht um, bei Orguudoo?“, zischte Prankoz. Der Getroffene stand wie ein Baum, griff sogar nach dem Pfeil und zog ihn heraus. Und dann sah Prankoz etwas, das ihm den Atem verschlug: Ein kleines Dampfwölkchen drang aus der Stelle, in welcher der Pfeil gesteckt hatte, schwebte in Kopfhöhe des Getroffenen und löste sich auf.

„Gebt ihm mehr!“, zischte Prankoz. Alle drei Blasrohrjäger schossen nun je einen Pfeil mit tödlicher Giftdosis ab.

Die Robbenjäger im Eismeer hatten tödliche Giftmengen allenfalls gegen Izeekepirs1) eingesetzt. Überhaupt waren sie sehr sparsam mit ihrem Pfeilgift umgegangen; dabei besaßen sie schier unerschöpfliche Vorräte. Sie hatten die im Eis Gestrandeten mit in ihre Eishütten genommen, die Hohlköpfe. Als der Kriegsmeister, Prankoz und die anderen überlebenden Lokiraa-Krieger sich satt gegessen und ausgeruht hatten, erschlugen sie die Hohlköpfe. Nachts, als sie schliefen. Nur ein paar junge Weiber ließen sie am Leben.

Jetzt zuckte er zusammen, der merkwürdige Kerl vorn bei den Brabeelenhecken. Drei Pfeile, drei Treffer. Einen riss er sich aus dem Hals, und wieder stieg eine Dampfwolke auf. „Ein Dämon!“, flüsterte der Blasrohrjäger mit der Hasenscharte, und seine beiden Kameraden nickten.

Prankoz war geneigt, ihnen recht zu geben. Aber dann sackte der Kerl doch noch zusammen. Er kniete zwei Atemzüge lang im Unterholz, wankte, versuchte sich einen Pfeil aus der Augenhöhle zu ziehen und kippte schließlich nach vorn. Laub raschelte und Geäst brach, als er bäuchlings im Unterholz aufschlug.

Auf ein Handzeichen des Rottenmeisters hin huschten vier Krieger zu den betäubten Weibern, um ihnen die Jagdnetze überzustülpen. Prankoz selbst schlich mit gezogenem Schwert und begleitet von zwei Lanzenträgern zu dem Kerl, der mit dem Gesicht nach unten reglos im Unterholz lag. „Umdrehen“, befahl der Rottenmeister flüsternd. Eine eigenartige Scheu hatte ihn ergriffen; alles in ihm sträubte sich, den Kerl selbst zu berühren.

Die Lanzenträger ließen sich ihren Widerwillen nicht anmerken und drehten den Betäubten um. Ein Pfeil steckte tief in der mit Blut gefüllten Augenhöhle. Dieser Treffer hatte dem Kerl wohl den Rest gegeben.

Prankoz betrachtete ihn mit einer Mischung aus Neugier und Grausen. Warum, bei Orguudoo, hatte der Kerl vier tödliche Pfeile gebraucht, bis er endlich zusammengebrochen war?

„Tot?“ Prankoz deutete auf den Reglosen. Einer der Lanzenkrieger beugte sich ins Unterholz und tastete nach der Halsschlagader. Als er den Kopf schüttelte, hatte Prankoz bereits gesehen, dass der Brustkorb des Kerls sich noch hob und senkte. Unglaublich!

Damals, vor fast sieben Wintern, hatten drei überlebende Weiber der Robbenjäger sie zu einer Passage im Eis geführt. So hatten sie am Ende doch noch zurück nach Hause gefunden. Eines der Weiber lebte noch bei der Heimkehr, hatte inzwischen sogar einen Knaben geboren.

Was zunächst wie eine völlig verunglückte Seefahrt ausgesehen hatte, erwies sich am Ende als wunderbare Fügung der Göttin: Wäre er mit dem Ersten Kriegsmeister in die Schlacht gegen die Ostmänner gezogen, gäbe es heute keinen Nordmann mehr, der das ruhmreiche Geschlecht von Lokiraas Kriegern hätte fortzeugen können.

In der Ringfestung hatten sie nämlich bei der Rückkehr nur noch elf Frauen und acht Kinder vorgefunden. Eine Seuche hatte die Zurückgebliebenen dahingerafft. Gerüchten nach, die keiner hören wollte, hatten die Meister aus Meeraka selbst für die Seuche gesorgt. Wie man hörte, waren sie allesamt nach Meeraka zurückgekehrt und hatten sich seitdem auch nicht mehr blicken lassen.

Wie auch immer: Nur sechs der Weiber waren noch gebärfähig gewesen, und nur drei der Kinder weiblichen Geschlechts. Wie also das ruhmreiche Geschlecht von Lokiraas Kriegern schnellst möglichst wieder vermehren? Neue Weiber mussten her.

Mit diesem Auftrag hatte der Erste Kriegsmeister ihn, Prankoz, ausgesandt. „Verliere einen Mann, und du beziehst Prügel, die du dein Leben lang nicht vergessen wirst“, hatte er ihm vor dem Aufbruch gedroht. „Verliere zwei Männer, und ich kastriere dich. Kehre mit allen Männern und mindestens zwei Frauen wieder heim, und ich mache dich zum Zweiten Kriegsmeister.“

Einer seiner Krieger hatte die Lanze erhoben und wollte sie in die Brust des Kerls stoßen, der trotz vier Giftpfeilen noch lebte. Prankoz packte den Arm des Lanzenträgers und hielt ihn zurück. „Warte!“ Plötzlich hatte ihn die Furcht beschlichen, er könnte im Übereifer einen Abgesandten Orguudoos töten. Der Dampf, der aus den Wunden ausgetreten war, schien ihm ein deutlicher Hinweis zu sein. Er hatte schon davon gehört, dass Orguudoo ab und zu Boten in Menschengestalt aus seiner Feuerhölle schickte, um seine Diener zu prüfen. „Den hier müssen wir uns genauer anschauen. Wenn der Kriegsmeister will, mag er ihn selbst töten.“

So schnürten sie also auch den Kerl in ein Jagdnetz und schleppten ihn gemeinsam mit den erbeuteten Weibern hinunter zur Bucht.

Niemand verfolgte die Nordmänner. Als Prankoz später vom Ruderboot aus die Küste von Kalskroona mit dem Abendhimmel verschwimmen sah, brach er in lautes Triumphgeschrei aus und dankte seiner Göttin Lokiraa.

Deutsche Ostseeküste, Ende Juni 2527

Von der zerstörten Halle aus verlief der Fahrweg am Rande des Hüttendorfs in Richtung Küste. Aruula ging ihn mit bleischweren Beinen. Sie lief an der Spitze der kleinen Schar von Männern und Frauen, die beschlossen hatten, in ihre Heimat zurückzukehren: zu den Dreizehn Inseln. Die Morgensonne löste sich bereits vom Horizont. Schwerer noch als ihre Beine war Aruulas Herz.

Der Weg führte an den Hügeln vorbei, die Mutters Anhänger mit dem Geröll aus dem Bohrloch hier am Dorfrand angehäuft hatten. Aruula blieb stehen, betrachtete den Abraum, sah hinauf zur Kuppe des Geröllhaufens. Von dem Apfelbaum, der ein paar Dutzend Schritte hinter den Abraumhügeln wuchs, sah man nur die Krone. Sie schüttelte sich im Sommerwind.

Den Stamm des Baumes sah Aruula nicht, und dennoch wusste sie, wer unter ihm hockte – ganze Tage und Nächte lang manchmal. Sie kannte auch das Grab am Fuß des Apfelbaumes.

Meist hatte sie es nur von fern betrachtet. Ausschließlich in den sehr seltenen Stunden, in denen keiner sonst an ihm wachte, hatte sie sich allein unter dem Apfelbaum auf den Knien niedergelassen, um mit Wudan Zwiesprache zu halten und zu weinen.

Sie trat an den Rand der Abraumhalde und winkte die anderen vorbei. „Geht nur weiter, ich komme gleich nach.“

Arjeela und Tumaara nickten und stapften an ihr vorüber. Die beiden Kriegerinnen trugen Langschwerter in ihren Rückenscheiden. Tumaara war außerdem mit einem Jagdbogen, Arjeela mit einer Wurflanze bewaffnet.

Ein hünenhafter junger Bursche folgte ihnen, der sich Gurte um Hüften und Schultern gelegt hatte, die mit der Deichsel eines kleinen Karrens verbunden waren. Auf dem lag die fiebernde Königin. Lusaana war schwer verletzt. Mit ihrem tibetanischen Kampfstab hatte Xij ihr das Handgelenk und die Schläfe zerschmettert.2)

Tieftraurig machte Aruula der Anblick der vorüberrollenden Verletzten. Eingefallen und aschfahl wirkte ihr früher so schönes Gesicht.

Wie oft hatte Aruula schon mit Xij Hamlet gehadert wegen der harten Schläge gegen die geliebte Königin – doch hatte die Kampfgefährtin eine Wahl gehabt? Wehrlos am Boden liegend hatte Aruula den tödlichen Hieb ihrer Königin erwartet, als Xij zweimal zuschlug und ihr so das Leben rettete. Und Lusaanas Leben auf die Schwelle des Todes stieß.

Über eine Woche war das her; die Königin war zu dieser Zeit ganz und gar im geistigen Netz von Mutter gefangen und nicht Herrin ihrer selbst gewesen.

Jetzt gab es Mutter nicht mehr. Xij hatte das gefährliche Steinwesen zu Staub zerschrien. Nur noch die Abraumhalden hier am Dorfrand zeugten vom monatelangen Wahnsinn seiner Sklaven: Ein Loch hatten die ehemals Versteinerten in die Erde gebohrt, um Mutter wieder mit der Gesteinsschicht zu vereinigen, aus der sie einst an die Erdoberfläche geholt worden war.

Zusätzlich zu dem jungen Hünen – ein Heißsporn, der lieber zuschlug als nachzudenken, wie Aruula wusste – schoben zwei Jungkrieger der Dreizehn Inseln den Karren. Genau wie Lusaana, Arjeela und Tumaara hatten die drei Burschen einst zu Mutters Jüngern gehört, deren einziges Ziel es gewesen war, den lebenden Stein mit seinem Ursprung zu vereinen.

Jetzt war der Spuk vorbei und die ehemals Versteinerten konnten gehen, wohin sie wollten. War das nicht in erster Linie Xijs Verdienst?

Oder wäre es besser gewesen, die junge Frau hätte nicht eingegriffen und Lusaana hätte sie, Aruula, getötet? Denn dann würde Ann noch leben, Maddrax’ Tochter.

Plötzlich stand die Szene wieder vor Aruulas geistigem Auge: Als Ann auf das Bohrloch zulief, Mutter in ihren behandschuhten Händen. Sie hatte keine andere Möglichkeit gesehen, das Mädchen noch rechtzeitig zu stoppen, als das Schwert nach ihr zu schleudern. Natürlich mit der Breitseite voran und gegen ihre Beine gezielt, um sie zu Fall zu bringen.

Doch dann hatte Jenny, ebenfalls unter Mutters Bann, nach Aruulas Beinen gegriffen, sie zu Fall gebracht! Das Schwert hatte sich unkontrolliert aus ihren Händen gelöst – und sich tief in Anns Rücken gebohrt.

Wieder schossen Aruula die Tränen in die Augen. Ja, sie trug letztlich die Schuld an Anns Tod. Auch wenn sie damit das viel größere Unglück verhindert hatte. Denn wäre Mutter zum Ursprung gelangt, hätte dieser erst erkannt, welche Möglichkeiten sich ihm hier auf der Erdoberfläche boten. Unbegrenzte Lebensenergien, die sich das riesige lebende Flöz einverleibt und damit nach und nach die gesamte Menschheit versteinert hätte!

Zwei Fischer der Dreizehn Inseln zogen einen weiteren Wagen an Aruula vorbei, auf den sie Waffen und Proviant geladen hatten. Zwei Kinder saßen darauf und einige Männer schoben ihn. Sie hatten die ehemals Versteinerten von den Dreizehn Inseln begleitet, als es sie mit Macht hierher zum Ursprung gezogen hatte. Das galt auch für die beiden Jungkriegerinnen, die zusammen mit Dykestraa – auch sie und die beiden Fischer waren einmal Steinjünger gewesen – die Nachhut des kleinen Trosses bildeten.

Als die letzten Gefährten an ihr vorbei gezogen waren, drehte Aruula sich um und stieg die Abraumhalde hinauf. Oben auf der Kuppe stützte sie sich auf ihr Schwert und blickte zum Apfelbaum hinüber. Da saß er, der Mann, von dem sie einst glaubte, die Götter hätten ihn vom Himmel vor ihre Füße fallen lassen; von dem sie bis vor kurzem glaubte, sie würde sich niemals – niemals! – wieder von ihm trennen.

Maddrax.

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