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Maddrax - Folge 296

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah
  4. Totes Land
  5. Leserseite
  6. Zeittafel
  7. Cartoon
  8. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde. In der Folge verschiebt sich die Erdachse und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist  – bis auf die Bunkerbewohner  – auf rätselhafte Weise degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen  – dem Wandler  – zur Erde gelangt sind und schuld an der veränderten Flora und Fauna sind. Nach langen Kämpfen mit den Daa’muren und Matts „Abstecher“ zum Mars entpuppt sich der Wandler als lebendes Wesen, das jetzt erwacht, sein Dienervolk in die Schranken weist und weiterzieht. Es flieht vor einem kosmischen Jäger, dem Streiter, der bereits seine Spur zur Erde aufgenommen hat!

Ein mysteriöses Steinwesen („Mutter“) raubt die Lebensenergie von Menschen und lässt sie versteinern, so auch die marsianische Besatzung der Mondstation und Matts Staffelkameradin Jenny in Irland. Dabei verschwindet ihre gemeinsame Tochter Ann spurlos. Matt und Aruula gelingt es, das Steinwesen mit Tachyonen zu überladen. Das Leben kehrt in die Versteinerten zurück. Mutter gelangt zur Hydritenstadt Hykton. Ihr Ziel ist es, zum Ursprung zurückzukehren, doch bevor ihr das gelingt, wird sie von den Hydriten unschädlich gemacht.

Am Südpol verbindet sich ein bionetisches Wesen mit General Arthur Crow, Matts Gegenspieler. Crow erlangt die Kontrolle und erobert Washington.

In Schottland schließt sich die junge Xij Matt und Aruula an. Sie finden Ann und bringen sie zu Jenny. Hier erfährt Matt von einem Raumschiff, das über Osteuropa abgestürzt ist  – die Marsianer? In der Nähe von Stralsund stoßen sie auf die Absturzstelle und stellen fest, dass die Entsteinerten eine große Halle erbaut haben und sich gegen jede Einmischung von außen verbissen wehren.

Da taucht ein Luftschiff auf, mit Rulfan und dem Exekutor Alastar an Bord. Sie berichten, dass in Agartha im Himalaja weitere Versteinerte aufgetaucht wären. In Wahrheit will Alastar nur Agarthas sagenhafte Schätze an sich reißen. Als sie die „heilige Stadt“ erreichen, wird Xij von Visionen gerufen. Sie stößt auf eine Gedankensphäre und erfährt, dass sie seit Jahrmillionen immer wieder neu geboren wurde  – und dass ihre früheren Leben hier gespeichert sind! Als der enttarnte Alastar eine Kreatur namens ZERSTÖRER freilässt, die die Sphäre vernichtet, gehen diese Erinnerungen auf Xij über. Alastar stirbt und Matt „entsorgt“ den ZERSTÖRER in einer Lavaspalte, bevor sie zurückfliegen.

Währenddessen siegt die Rebellengruppe der Running Men in Waashton über Kroow, der verletzt fliehen muss  – und seine ganze Wut auf Matt Drax projiziert. Da trifft er auf die Ex-Versteinerten und holt für sie Mutter aus der Hydritenstadt. Im Gegenzug verspricht Jenny ihm Ann als Druckmittel gegen Matt!

Totes Land

von Oliver Fröhlich

Aruulas Kopf hämmerte, als sei eine Barbarenhorde über ihn hinweggetrampelt. Ein dünner Blutfaden rann ihr aus der Nase und hinterließ auf den Lippen einen schmierigen Film. Jeder Knochen schmerzte ihr im Leib. Sie konnte sich vorstellen, wie zerschunden sie aussah. Dazu brauchte sie nur zu Xij zu blicken, die ein ähnlich jämmerliches Bild bot. Das jungenhafte Mädchen versuchte ihr ein Lächeln zu schenken, das wohl aufmunternd wirken sollte. Die Geste geriet zu einer blutigen Grimasse. Ein Keuchen drang aus Xijs Mund, in dem Aruula einen verzweifelten Satz erkannte: „Ich halte das nicht mehr lange aus!“

Die Barbarin wollte aufstehen und das Gefängnis untersuchen, in dem sie vor einigen Stunden erwacht waren. Ihr Körper verweigerte die Ausführung dieses Wunschs. Also blieb sie auf der harten Pritsche sitzen und schickte nur ihren Blick auf Wanderschaft. Viel zu entdecken gab es ohnehin nicht.

Ein kleiner, fensterloser Raum mit feuchten Wänden. Über ihnen ins Mauerwerk eingelassen und mit einem Gitter gesichert eine winzige Lampe, aus der fahles Licht sickerte. Zwei Holzliegen mit muffigen Decken. Eine massiv aussehende Metalltür mit einem Loch, wo sich die Klinke hätte befinden müssen.

Draußen ertönten Gesänge aus unzähligen Menschenkehlen. Und Schritte!

Die Tür schwang nach außen auf und greller Sonnenschein flutete die Zelle. Aruula kniff die Augen zusammen. Im hell erleuchteten Türrahmen zeichnete sich der Schattenriss eines Mannes ab, dessen Kopf eine klobige Form aufwies.

Die Barbarin zwinkerte, wollte mehr Details erkennen, doch das Bild blieb undeutlich.

„Es ist so weit“, sagte der Schatten. „Mitkommen! Der Oberste Liquidator wartet.“

Ein entferntes Rauschen trug den Mann aus der Ohnmacht. Er öffnete die Lider und keuchte vor Schmerz, als ihm das Licht mit Tausenden von Nadeln in die Augäpfel stach.

Er tastete um sich. Kaltes Metall, weiches Gras, feuchte Erde. Wo war er? Wer war er?

Allmählich gewöhnten sich seine Augen an die Helligkeit und lieferten Bilder von hohen, wogenden Bäumen. Deren Äste glichen den verkrümmten Fingern einer arthritischen Hand, die Blätter wirkten blass und fleischig.

Der Mann setzte sich auf. Sein Kopf quittierte diese Bewegung mit wütendem Pochen. Da wurde ihm klar, dass das Rauschen, das ihn geweckt hatte, nicht das der Pflanzen im Wind, sondern das seines Blutes in den Ohren gewesen war.

Er saß inmitten einer kleinen Lichtung. Neben ihm lag ein Schwert, in dessen Griff ein Kristall eingearbeitet war. Bei dem Anblick schoss ihm ein Name in den Sinn, der zugleich die Schleusen für weitere Erinnerungen öffnete.

Das war Aruulas Waffe! Und er war … Maddrax. Oder vielmehr Matthew Drax. Ein Mann, den ein gnadenloses Schicksal über fünfhundert Jahre in die Zukunft geschleudert hatte, in ein postapokalyptisches Zeitalter. Wie er aber ausgerechnet in diesen Wald gekommen war, wusste er immer noch nicht. Alleine, ohne seine Begleitung.

Er stemmte sich hoch. Dabei benutzte er das Schwert als Hilfe. Wo zum Teufel steckte Aruula? Wo waren Xij und Rulfan? Wo war er?

Ein fürchterlicher Geschmack lag ihm im Mund. Er wollte ausspucken, doch seine Speicheldrüsen schienen noch nicht aus der Ohnmacht erwacht zu sein. Mit verzerrter Miene presste er die Finger gegen die Schläfe und beugte sich nach vorne. Da bemerkte er ein weiteres erschreckendes Detail. Seine Kleidung war blutverschmiert!

„O verdammt! Was ist nur passiert?“

Undeutliche Bilder trieben durch sein Bewusstsein, die nebelhaften Fetzen von Erinnerungen. Ein Riesenrad, ein bleiches Gesicht mit tief liegenden dunklen Augen, eine brennende Katze, Männer mit Gasmasken. Dann ein Name: Igoor Tiisiv. Nichts davon ergab für Matt irgendeinen Sinn.

Und dann eine Stimme! Als stünde der Sprecher direkt neben ihm, erklangen Sätze in seinem Kopf. „Die unheilvollen Einflüsterungen des Obersten Liquidators können noch Nachwirkungen zeigen. Verwirrung, Desorientierung. Fürchte dich nicht, wenn das geschieht. Bleib stark und standhaft in deinem Plan!“

Auch wenn Matt nicht wusste, von welchem Plan die Rede war oder was die Worte überhaupt bedeuteten, riss ihre Eindringlichkeit ein Bild aus dem Nebel des Vergessens, das ihm den Atem raubte.

Er sah Rulfan auf feuchtem Asphalt liegen, umgeben von einer dunklen Lache aus Blut. Daneben knieten Aruula und Xij und blickten ihn flehentlich an. Am Rand von Matts Wahrnehmung stand eine schemenhafte Gestalt. Instinktiv war ihm klar, dass es sich um den Obersten Liquidator handelte. War er dieser Igoor Tiisiv, dessen Name ihm ins Gedächtnis geschossen war? Oder gehörte Tiisiv die Stimme, die ihn vor dem Liquidator gewarnt hatte?

Der Mann aus der Vergangenheit wusste es nicht. Aber in seiner Erinnerung sah er sich, wie er ein Schwert hob – und Xij damit den Kopf abschlug.

Matt taumelte unter der Wucht des Wiedererlebens. Das konnte nicht wahr sein. Das durfte nicht wahr sein. So etwas hätte er doch niemals getan. Oder? Das Blut auf seiner Kleidung behauptete etwas anderes.

Er spürte, wie seine Knie nachgaben und er wieder ins feuchte Gras sank. Verzweiflung spülte in ihm hoch. Und mit ihr – endlich! – eine Flut der Erinnerungen.

Zwei Nächte zuvor

Die Ereignisse der letzten Wochen verfolgten Matt bis in den Schlaf.

Er rannte durch die Hallen und Gänge Agarthas, auf der Flucht vor der Bestie, die hinter ihm her war. Der Fels unter seinen Füßen bestand aus einer klebrigen zähen Masse. Bei jedem Schritt sank er knöcheltief ein. Nur mit Mühe konnte er die Beine aus dem Stein lösen, der sie widerwillig mit einem schmatzenden Geräusch freigab. Doch bereits beim nächsten Schritt wiederholte sich das Spiel.

Sein Verfolger hatte mit diesen Problemen nicht zu kämpfen. Dessen stachelige, heuschreckenartige Beine klackerten über massiven Fels. Tosendes Rauschen und Prasseln untermalten die Szenerie. Von Panik erfüllt warf Matt einen Blick über die Schulter. Das zweieinhalb Meter große Ungetüm mit dem insektenhaften Unterleib und dem langgezogenen, gebogenen T-Schädel hatte ihn schon fast erreicht. Der ZERSTÖRER! Eine seiner Klauen zuckte nach vorne und packte Matt, umklammerte ihn und schüttelte ihn hin und her. Sein Kopf schlug gegen eine Metallstrebe und …

… Matt zuckte aus dem Traum hoch. Das Schütteln blieb, genauso wie das Brausen und Prasseln.

Er rieb sich die Stirn, wo er mit dem Gestell der Schlafpritsche kollidiert war. Es würde nicht mehr lange dauern, bis ihn an dieser Stelle eine Beule zierte. Einige Augenblicke vergingen, bis er halbwegs im Hier und Jetzt ankam und das abstreifte, was sein Unterbewusstsein aus den Erlebnissen in Agartha machte. Dabei lagen diese bereits seit etlichen Wochen hinter ihnen.1)

Auf bittere Weise hatten sie erfahren müssen, dass Alastar, der Chefexekutor der Reenschas, sie nur unter einem Vorwand zur Suche nach der Heiligen Stadt veranlasst hatte. Dass sie an diesem geheimnisvollen Ort das Rätsel der Versteinerungen lösen könnten, war nichts als eine dreiste Lüge gewesen.

Tatsächlich war es ihm nur um die sagenhaften Reichtümer Agarthas gegangen. Seine Gier hatte ihn letztlich das Leben gekostet. Doch zuvor hatte er eine biologische Kampfmaschine befreit: den ZERSTÖRER, der seinem Namen alle Ehre machte. Glücklicherweise war es Matt gelungen, mit einem Stunt, der James Bond zur Ehre gereicht hätte, das Monstrum zu vernichten. Mit den Trümmern eines explodierenden Luftschiffs der Agarther war es in eine Lavaspalte gestürzt.

Also hatten Matt, Rulfan, Aruula und Xij mit der MYRIAL II die Rückreise angetreten. Keiner von ihnen bedauerte das Ableben des Chefexekutors.

Ein weiteres Schütteln riss Matt endgültig aus der Mischung von Traumwelt und Erinnerung. Das tosende Rauschen und Prasseln ließ dennoch nicht nach.

Er setzte sich auf und sah sich um. Auf den anderen Pritschen an Bord von Rulfans Luftschiff schreckten Aruula und Xij aus dem Schlaf. Ihre Waffen, die sie neben sich abgelegt hatten, rutschten über den Boden der Zeppelingondel.

Beinahe gleichzeitig sprangen sie auf. Nur mit Mühe konnten sie sich auf dem schwankenden Untergrund aufrecht halten. Jenseits der Panoramafenster herrschte tiefe Dunkelheit, die nur ein gelegentlicher Blitz zerriss. Regen hämmerte gegen die Scheiben.

Gemeinsam stürzten sie zum Steuerpult, wo Rulfan in seinem Pilotensessel versuchte, die MYRIAL II zu stabilisieren.

„Was ist passiert?“ Matt musste schreien, um das Wüten des Unwetters zu übertönen.

„Ein Sturm!“, rief Rulfan zurück.

„Warum hast du ihn nicht umflogen?“

„Er ist so schnell aufgezogen, dass ich dazu keine Chance hatte.“ Dann, etwas leiser, sodass Matt es kaum verstehen konnte: „Vielleicht bin ich auch eingeschlafen.“

Eine weitere Bö erfasste das Fluggerät und schüttelte es durch. Matt musste sich an der Sessellehne festklammern, um nicht ins Straucheln zu geraten. Aruula und Xij hielten sich an der Reling fest.

„Kannst du nicht höher gehen?“, schrie die Barbarin.

„Ich habe es versucht. Aber das Schiff bockt wie ein wildes Horsay.“

Der Mann aus der Vergangenheit sah aus dem Fenster. Im Flackern der nächtlichen Blitze erkannte er eine ausgedehnte Waldfläche. Bäume, so weit das Auge reichte. „Wo sind wir?“

„Weiß ich nicht. Ich fürchte, der Sturm hat uns mächtig weit vom Kurs abgetrieben.“

Matt zerbiss einen Fluch zwischen den Zähnen.

„Wir müssen landen“, keuchte Rulfan. „Bevor ich vollends die Kontrolle verliere.“

„Landen? Hier?“

„Wir haben keine andere Wahl!“

„Dort vorne!“, rief Aruula. „Ich glaube, ich habe eine große Lücke in den Bäumen gesehen.“ Sie deutete aus einem der Fenster.

Als der nächste Blitz die Nacht zum Tag machte, sah Matt, dass sich die Barbarin nicht irrte.

„Ich versuch’s!“ Schweißtropfen schimmerten auf Rulfans Stirn.

Die folgenden Minuten dehnten sich zu Ewigkeiten. Der Albino zwang die MYRIAL II in die angegebene Richtung, stemmte sich gegen den Wind, der andere Pläne mit ihnen zu haben schien. Matt verkniff es sich, dem Freund hilfreiche Ratschläge aus der eigenen Pilotenerfahrung aufzudrängen. Rulfan sollte sich ganz auf die schwierigen Manöver konzentrieren können.

Endlich befanden sie sich über der Lichtung. Sie war groß genug, um bei normalen Windverhältnissen gefahrlos landen zu können. Aber bei diesem Unwetter?

Immer wieder trieb sie der Sturm auf die Bäume zu. Manchmal konnte Rulfan erst im letzten Augenblick die unerwarteten Richtungswechsel ausgleichen. Dann kratzten Zweige über das vordere Panoramafenster, als begehrten sie Einlass. In seinen schlimmsten Fantasien sah Matt, wie ein Ast die gasgefüllte Hülle des Zeppelins durchstieß und sie zum Absturz brachte. Glücklicherweise geschah das nicht.

Noch einmal fuhr ein Ruck durch die Gondel. Der Albino hatte das Unmögliche vollbracht und das Luftschiff aufgesetzt.

„Wir müssen es vertäuen!“, rief er.

Mit den Halteseilen bewaffnet sprangen Matt, Aruula und Xij aus der Kabine. Binnen weniger Augenblicke waren sie bis auf die Knochen durchnässt. Der Sturm riss an ihrer Kleidung und peitschte sie ihnen um die Glieder.

„Ihr hinten, ich vorn!“, brüllte Matt über das Tosen hinweg den Frauen zu.

Sie nickten und verschwanden im dichten Regen. Der Mann aus der Vergangenheit machte sich in die entgegengesetzte Richtung auf. Er hakte das Tau an der Vorderseite der Gondel in eine Öse ein, dann hetzte er zum nächstgelegenen Baum, schlang es mehrere Male um den Stamm und verknotete es.

Er wollte sich gerade auf den Rückweg machen, da schälte sich eine Gestalt aus dem Regenvorhang. Es war Rulfan, der in der Kabine gewartet hatte, bis das Luftschiff gesichert war. Er hatte das vierte Halteseil dabei. Die langen weißen Haare klebten ihm am Schädel. Wasser rann in Sturzbächen über sein Gesicht.

Der Albino lief zu einem anderen Baum, gute fünf Meter weiter links. Matt folgte ihm und half, das Tau straff zu zurren und um den Stamm zu schlingen. Als sie das erledigt hatten, eilten sie mit zwischen die Schultern gezogenen Köpfen zurück zur Gondel.

Matt erwartete, dort bereits die Frauen anzutreffen, doch er sah sich getäuscht. Er warf Rulfan einen fragenden Blick zu, aber der zuckte nur mit den Achseln. Er öffnete die Tür zur Kabine und rief hinein. Niemand antwortete.

„Sie müssten längst fertig sein!“, schrie er.

Rulfan nickte.

Hatten Aruula und Xij Probleme mit der Befestigung der Seile? Matt lief zur Rückseite der Gondel und fand die Taue in den Ösen vor. Straff verschwanden sie irgendwo im Regen. Sofort überkam ihn ein ungutes Gefühl. Er versuchte sich damit zu beruhigen, dass die beiden gut auf sich selbst aufpassen konnten, aber es wollte ihm nicht gelingen.

„Aruula! Xij!“ Der Sturm riss ihm die Worte von den Lippen. Selbst wenn sich die Frauen nur wenige Meter von ihm entfernt aufhielten, würden sie ihn nicht hören können.

Rulfan schloss zu ihm auf. „Und?“

„Nichts! Keine Spur.“

In diesem Augenblick, als hätte ein Wettergott den Schalter umgelegt, ließ der Regen nach. Ein Blitz erhellte die Lichtung und zeigte Details, die der Niederschlag bisher verborgen hatte: Die Seile an der Rückseite der Gondel führten straff gespannt zu zwei Bäumen. Und dahinter, bereits im Wald, war eine huschende Bewegung auszumachen. Dann wurde es wieder dunkel.

„Hast du das gesehen?“, rief Matt.

„Waren sie das?“

„Lass uns nachschauen!“

Matt wollte losrennen, doch da spürte er Rulfans Hand auf der Schulter. „Die Waffen!“

Verdammt! Sie hatten die Waffen natürlich nicht mitgenommen, um das Luftschiff zu vertäuen. Das rächte sich jetzt. Es wäre unverantwortlich, sich ohne Lebensversicherung in Form eines Drillers in eine fremde Gegend vorzuwagen.

„Du hast Recht. Wir müssen sie holen.“ Ein Stich des Bedauerns durchzuckte Matt, dass er die Ladung des Kombacters im Kampf gegen den ZERSTÖRER verbraucht hatte. Und leider bedurfte es eines kurzen Abstechers zum Mars, um ihn wieder aufzuladen.

Er wandte sich ab, um in die Gondel zu steigen, als ihn Rulfans Stimme innehalten ließ.

„Was ist das denn für ein Viech?“

Er folgte der Blickrichtung des Albinos und verharrte. Nur wenige Meter von ihnen entfernt stand ein Tier auf der Lichtung, wie er noch keines gesehen hatte. Der Schein der Gondelbeleuchtung reichte gerade aus, um es gut genug sehen zu können.

Unwillkürlich fühlte sich Matt an eine Spinne erinnert. Das lag aber ausschließlich an den acht abgewinkelten Beinen. Der Leib hingegen vereinte die Merkmale verschiedener Tiere in sich. Ein Panzer, vermutlich aus Chitin, an anderen Stellen ein struppiges schwarzes Fell. Der Kopf bestand beinahe vollständig aus einem beängstigenden Maul, aus dem seitlich zwei Krebsscheren ragten, die aufgeregt auf und zu klappten. Darüber schwankten vier armlange Fühler im Wind.

Das Wesen besaß die Größe eines Schäferhunds. Und es schien sie neugierig zu mustern, auch wenn Matt keine Sinnesorgane ausmachen konnte.

„Was zum …“

Weiter kam er nicht, denn plötzlich schoss aus einer Drüse am Unterleib der Kreatur ein klebriger Faden hervor, der Matt an der Wange traf. Sofort entflammte sein gesamter Körper in mörderischer Pein. Er versteifte sich, sämtliche Muskeln wurden hart wie Stein. Starr wie ein Brett kippte er nach vorne um. Er sah den Boden auf sich zurasen, konnte aber nicht einmal den Kopf zur Seite drehen, um den Aufprall abzumildern.

Langsam klang der Schmerz ab, doch sein Körper gehorchte ihm auch weiterhin nicht. Er spürte, wie ihm ein Insekt über die Lippen und in den halb geöffneten Mund kroch. Er wollte es ausspucken und scheiterte schon an dieser einfachen Aufgabe.

Aus dem Augenwinkel sah er, dass neben ihm ein weiterer steifer Körper ins Gras stürzte. Auch Rulfan war ein Opfer der Kreatur geworden. Was war das für ein Ding? Eine bislang unbekannte Kreation der Daa’muren? Oder einfach eine Laune der Natur? Waren auch Aruula und Xij in seine Fänge geraten?

Das spinnenartige Tier schob sich in Matts Blickfeld und nahm ihm die Sicht auf Rulfan. Es blieb nur wenige Zentimeter vor seinem Kopf stehen. Sein Leib wippte auf den acht Beinen auf und ab. Die Scheren klackerten. Matt kam es vor, als entspräche das der Geste eines Menschen, der sich zufrieden die Hände reibt.

Das Vieh beugte sich herab. Die vier Fühler tasteten ihm über Stirn, Nase und Kinn. Sie hinterließen einen schleimigen Film, dessen beißender Geruch einen Brechreiz in Matt auslöste. Nur die Lähmung verhinderte, dass er ihm nachkam.

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