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Maddrax - Folge XXX

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah
  4. Dunkle Wasser
  5. Leserseite
  6. Zeittafel
  7. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde. In der Folge verschiebt sich die Erdachse und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler – zur Erde gelangt sind und schuld an der veränderten Flora und Fauna sind. Nach langen Kämpfen mit den Daa’muren und Matts „Abstecher“ zum Mars entpuppt sich der Wandler als lebendes Wesen, das jetzt erwacht, sein Dienervolk in die Schranken weist und weiterzieht. Es flieht vor einem kosmischen Jäger, dem Streiter, der bereits seine Spur zur Erde aufgenommen hat!

Ein mysteriöses Steinwesen („Mutter“) raubt die Lebensenergie von Menschen und lässt sie versteinern, so auch die marsianische Besatzung der Mondstation und Matts Staffelkameradin Jenny in Irland. Dabei verschwindet ihre gemeinsame Tochter spurlos. Matt und Aruula gelingt es, das Steinwesen mit Tachyonen zu überladen. Das Leben kehrt in die Versteinerten zurück. Mutter gelangt zur Hydritenstadt Hykton. Ihr Ziel ist es, zum Ursprung zurückzukehren, doch bevor ihr das gelingt, wird sie von den Hydriten unschädlich gemacht.

Am Südpol verbindet sich ein bionetisches Wesen mit General Arthur Crow, Matts Gegenspieler. Crow erlangt die Kontrolle und erobert Washington.

In Schottland schließt sich die junge Xij Matt und Aruula an. Sie finden Ann und bringen sie zu Jenny. Hier erfährt Matt von einem Raumschiff, das über Osteuropa abgestürzt ist – die Marsianer? In der Nähe von Stralsund stoßen sie auf die Absturzstelle und stellen fest, dass die Entsteinerten eine große Halle erbaut haben und sich gegen jede Einmischung von außen verbissen wehren.

Da taucht ein Luftschiff auf, mit Rulfan und dem Exekutor Alastar an Bord. Sie berichten, dass in Agartha im Himalaja weitere Versteinerte aufgetaucht wären. Doch Alastar behauptet das nur, um Agarthas sagenhafte Schätze an sich zu reißen. Als sie die „heilige Stadt“ erreichen, beginnt er sein Netz zu spinnen. Xij wird derweil von Visionen in die Tiefen der Stadt gerufen. Sie stößt auf eine Gedankensphäre und erfährt, dass sie seit Jahrmillionen immer wieder neu geboren wurde – und dass ihre früheren Leben hier gespeichert sind! Als der enttarnte Alastar eine Kreatur namens ZERSTÖRER freilässt, die die Sphäre vernichtet, gehen diese Erinnerungen auf Xij über. Alastar stirbt und Matt „entsorgt“ den ZERSTÖRER in einer Lavaspalte, bevor sie zurückfliegen.

Währenddessen siegt die Rebellengruppe der Running Men in Waashton über Kroow, der verletzt fliehen muss – und seine ganze Wut auf Matt Drax projiziert. Arthur Crow ist sicher: Bevor Drax nicht tot ist, wird er den Fluch der ewigen Niederlage nicht los …

Dunkle Wasser

von Michelle Stern

Mar’dyk zog die Schultern zusammen und presste die Arme mit den langen Unterarmdornen eng an den Körper. Warum war das Los ausgerechnet auf ihn gefallen und verdammte ihn dazu, dem schrecklichen Herrscher die Botschaft zu übermitteln? Wenn er Pech hatte, war er Fischfutter, noch ehe das Lichtend anbrach.

„Komm näher“, klackte der hünenhafte Hydrit, der alle in Tor’is um mindestens zwei Kopflängen überragte. Seine groben Schuppen schillerten blaugrau. Ihre Form war ungewohnt eckig. Obwohl schon seine Statur beeindruckte, trug er einen Panzer aus Walknochen. Sein schwarzgrauer Scheitelkamm spreizte sich wie ein Fächer. Grellgelbe Augen starrten mitleidslos und schienen mit ihrem Blick alles zu durchdringen. „Was hast du zu berichten?“

Mar’dyk schwamm näher und ließ sich zusammengekauert dicht über den Grund sinken. Der Blick seiner lidlosen Augen glitt durch die Empfangshöhle, in die sein Herr ihn bestellt hatte. Phosphoreszierende Algen webten einen dichten Teppich an den Wänden und an der Decke. Nirgendwo gab es einen Schatten, in dem er sich hätte verbergen können. Die Seegrotte war leer bis auf den weißen Sand, der eigens in die Grotten des Herrschers geschafft worden war und das Licht der Algen unangenehm intensiv streute. Es gab keine Gelegenheiten sich in einen Sitz oder auch nur auf einen Stein sinken zu lassen. Sein Herr mochte das Einfache und Starke.

Mar’dyk schluckte und nahm seinen Mut zusammen. „Mächtiger Herr der Meere, Ihr schicktet mich in die Stadt Neu-Martok’shimre, in der einst Sar’kir auf einem Muschelthron saß.“

Die Stimme seines Herrn peitschte ihm wie ein Fangarm entgegen. „Was ist aus Sar’kir geworden?“

Mar’dyk versuchte sich noch kleiner zu machen. Es war ungewiss, wie sein Herr auf die schlechte Nachricht reagieren würde. „Sie ist … tot, Herr. Ihr Plan ist gescheitert. Noch immer versuchen die Hydriten aus Hykton, mit den Mar’os-Jüngern in friedlicher Koexistenz zu leben. Es ist ein Experiment, auf das sich beide Seiten trotz aller Differenzen eingelassen haben, so wie auf den Waffenstillstand mit Neu-Dry’tor.“

„Ein Experiment …“, sinnierte der Herrscher, ohne ihn anzusehen. Seine Kiemen sogen kräftig das Wasser ein. „Erzähl mir mehr. Haben sich die Verhältnisse in Hykton verändert?“

Mar’dyk klackte verneinend. „Die Hauptstadt des Neun-Städte-Bundes wird noch immer vom Geistwanderer Kal’rag geleitet, ebenso wie der Bund selbst, unterstützt durch den zurückgekehrten Propheten Gilam’esh. Allerdings fällt Gilam’esh derzeit unter den Stadthydriten Hyktons in Ungnade, da er den Frieden zwischen Ei’don-Hydriten und Mar’os-Jüngern predigt.“

Die wulstigen Lippen des Herrschers verzogen sich abfällig. Der mächtige Scheitelkamm spreizte sich weiter. „Gilam’esh ist ein Narr. Das ist die Chance, auf die ich seit Ewigkeiten warte. Das Schicksal der Hydriten steht am Wendepunkt, und ich werde es in eine neue Richtung lenken.“ Er hob den Kopf und sah Mar’dyk erneut unangenehm intensiv an. „Es wird Zeit zu handeln. Schick mir die Rottenführer.“

Mar’dyk wich im Wasser zurück. „Ja, mächtiger Dry’tor. Es soll sein, wie Ihr befehlt.“

Ostdoyzland, nahe der Absturzstelle der CARTER IV

Jenny Jensen schloss die Augen und fühlte tief in die Erde hinein. Ein Gefühl von Erfüllung breitete sich in ihr aus und drängte die Zweifel zurück, die sie hin und wieder befielen, wenn sie ihrer stummen Tochter in die fragenden Augen sah. Dieser Ort war der Nabel der Welt und sie war der Verheißung ganz nah. Sie atmete tief ein und aus. Pieroos Hände lagen auf ihren Schultern. Auch der Barbar spürte, was sie beglückte: die Nähe zu dem Ursprung, den sie freilegten.

Es fiel ihr schwer, die Lider zu öffnen und in die Gegenwart zurückzukehren. Der Lärm der sechs Meter hohen Halle brandete um sie herum und riss sie aus der glückseligen Trance. Helles Licht umflutete sie, aus den geretteten Stromaggregaten der Carter IV gespeist. Hunderte Kuttenträger arbeiteten inzwischen in dieser gut zwanzig mal vierzig Meter große Halle, die zu großen Teilen aus der Außenhülle eines Raumschiffs erbaut worden. Es herrschte geschäftige Betriebsamkeit. Jeder wusste, was seine Aufgabe war, auch sie. Alle Steinjünger bildeten ein großes Ganzes und stärkten einander mit ihren Empfindungen.

„Haste Maddrax gefunden?“, fragte Pieroo mit seiner vertrauten dunklen Stimme und seiner immer noch ungeschliffenen Ausdrucksweise.

Sie schüttelte den Kopf. „Ich habe überall nach ihm suchen lassen, aber sowohl er, als auch seine Kumpane und der Panzer sind wie vom Erdboden verschluckt. Ich fürchte, sie haben sich zurückgezogen, nachdem sie erkannt haben, wie sinnlos ein Eindringen in die Halle war.“

Sie dachte daran zurück, wie Matt in einem wuchtigen Radpanzer durch die Wandung gebrochen war – bis eine Schar von Kindern ihn aufhielt.1)

Matt Drax war so berechenbar. Natürlich hatte er sich zurückgezogen, anstatt die Waffen des Panzers gegen die Kinder einzusetzen. Trotzdem hatte Jenny ihn für hartnäckiger gehalten. Üblicherweise war er niemand, der leicht aufgab. Irgendetwas musste passiert sein, dass er sie und seine Tochter ihrem Schicksal überließ, ohne sich einzumischen.

„Er hat sich davongemacht“, murmelte Pieroo und küsste ihren nackten Hals neben dem kratzigen Stoff der Kutte. „Is feige geflohen.“

Sie konnte es nicht glauben, aber die Tatsachen sprachen für sich. „Mit seinem Verschwinden ist Plan A gescheitert“, sagte Jenny. „Gehen wir über zu Plan B. Ich muss mich auf den Weg machen und die Sache selbst in die Hand nehmen.“

Pieroo legte seinen Kopf an ihren. Einen Moment schwiegen sie beide und dachten über die verpasste Gelegenheit nach. Vor wenigen Wochen war ein Hydrit in der Gegend aufgetaucht, der einen Ableger bei sich hatte. Der Splitter stammte eindeutig von einem größeren Stück, das – so wie alle hier – einen starken Drang verspürte, zum Ursprung zurückzukehren. Aus Gründen, die Jenny noch nicht ganz verstand, war dieser Stein bei den Hydriten vor der Ostküste Meerakas gelandet. Dorthin musste sie nun gehen.

Sie hatte gehofft, ihren ehemaligen Staffelkameraden Matthew Drax mit dem Leben ihrer gemeinsamen Tochter erpressen und ihn zwingen zu können, den Job zu erledigen. Wie sie wusste, kannte er die Hydriten gut und unterhielt Beziehungen zu ihnen, beherrschte sogar deren Sprache. Ihm wäre es vermutlich ein Leichtes gewesen, den Stein vom Meeresgrund zu bergen, und sie hätte ihm Ann dafür ausgehändigt.

Und das sogar mit Freuden: Das Kind wurde mehr und mehr zum Klotz am Bein, das die Erhabenheit des Wunders nicht verstand, an dem es teilhaben durfte. Den ganzen Tag hockte es in seinem vergitterten Erdloch und ging nur selten unter Pieroos Aufsicht hinaus. Es sprach nicht, aß kaum und schien sich immerzu fortzuträumen.

Ein kurzer Stich ging durch Jennys Brust, als sie an das traurige Gesicht ihrer Tochter dachte, aber sie zwang sich, ihm nicht nachzufühlen. Sie gehörte jetzt einer neuen Familie an. Einer großen Familie, die alles war, was zählte.

„Willste mich wirklich bei Ann zurücklassen?“, fragte Pieroo nach. Er drehte sie zu sich um und blickte auf die Muschel, die an einer Kette um ihren Hals hing und in der sich der Steinsplitter verbarg. Mit bloßen Händen durfte man ihn nicht berühren, wollte man nicht versteinert werden.

„Du musst dich um Ann kümmern“, antwortete sie. „Auch wenn Plan A nicht funktioniert hat, so bleibt sie doch ein wichtiges Druckmittel gegen Matt. Ihr darf nichts geschehen!“

Auch wenn ihre Tochter jede Bedeutung für sie verloren hatte, konnte sie Ann nicht allein unter den Steinjüngern lassen.

Er ließ sie los. „Dann mach dich lieber heut als morgen auf’n Weg, Jenny. Umso eher biste zurück.“

Sie nickte und ging davon, zwischen mehreren Schlaflagern hindurch zu der Stelle, an der sie Sir Leonard Gabriel und einige Technos vermutete. Dabei dachte sie daran, dass Pieroo ihr im Grunde dankbar war, hierbleiben zu dürfen. Auch sie selbst wollte nicht fort. Der lautlose Ruf des Ursprungs würde überall zu hören sein und sie mit unstillbarer Sehnsucht erfüllen.

Nach einer kurzen Suche fand sie Sir Leonard in einer provisorisch errichteten Hütte am Rand der riesigen Halle, nahe einem Rolltor. Die Technos hatten sich trotz aller Zusammengehörigkeit einen eigenen Bereich aufgebaut, ebenso wie die wilden Kriegerinnen der dreizehn Inseln und die Marsianer. Auch deren ursprüngliche Gruppen waren erhalten geblieben.

Sir Leonard Gabriel lächelte ihr entgegen und hob zum Gruß die vierfingrige Hand.2) „Jenny. Haben Sie sich entschieden?“

Sie nickte. „Wir brechen morgen mit dem Schiff der Reenschas auf. Mit der Fregatte sollten wir die Strecke nach Meeraka am schnellsten zurücklegen können.“

Von ihrem Gefangenen wusste sie, woher der Splitter stammte: von einem lebenden Stein in einer Unterwasserstadt vor der amerikanischen Ostküste. Vielleicht konnten sie in Waashton bei Mr. Black Hilfe finden und mit einem U-Boot aufbrechen. Vielleicht würden sie aber auch den Stützpunkt der Hydriten finden, der im Mündungsbereich des Potomac liegen sollte. Zwar wusste der Gefangene angeblich nicht genau, wo der sich befand, aber auf dem Weg nach Meeraka konnte sie seinem verwässerten Gedächtnis vielleicht auf die Sprünge helfen. Zumindest verstand er einfache Worte ihrer Sprache; der Rest würde sich finden.

Sir Leonard berührte flüchtig die Laserwaffe an seiner Seite. Das helle Deckenlicht spiegelte sich auf seiner Glatze und betonte das blaue Aderngeflecht auf dem Schädel des hageren Technos. „Was ist mit dem Fischkerl? Brauchen wir ihn noch?“

„Ja. Wir nehmen den Hydriten mit. Ich bin sicher, er weiß mehr, als er bisher unter der Folter zugegeben hat. Er ist stark; noch haben wir ihn nicht vollständig gebrochen.“

Leonard nickte bedächtig. „Ich stelle ein Team zusammen.“

Sie sahen sich an. Jenny spürte die tiefe Vertrautheit zwischen ihnen, ohne dass sie sich vor der Zusammenkunft hier beim Ursprung auch nur begegnet wären. Zwischen allen Ex-Versteinerten gab es kaum mehr Geheimnisse. Jeder war gleich wichtig für das große Ganze.

Endlich, nach den dunklen Jahren auf der postapokalyptischen Erde, hatte sie ein Zuhause gefunden, einen Platz, an den sie gehörte, und eine Gemeinschaft, die ihr Kraft gab. Der Gedanke machte sie glücklich.

„Gut.“ Sie lächelte. „Lassen Sie uns keine Zeit verlieren.“

Neu-Martok’shimre an der Ostküste Meerakas

Die heranwachsenden Kampffische in den riesigen blasenförmigen Koppeln waren unruhiger als sonst und ergingen sich in Kämpfen, die kaum mehr spielerisch waren. Immer wieder bissen und stießen die Sord’finnen einander in Gesicht und Hals, bis einer ihrer Hüter sie mit einem Dreizack auseinanderjagte. Sie schossen durch das Wasser wie dunkle Pfeile.

Mer’ol sah ihnen zu und spürte einen Kloß im Hals, der sich nicht lösen wollte. Unter ihm lag die Stadt Neu-Martok’shimre mit ihren wenigen bionetischen Kuppeln und den zahlreichen Grotten und Höhlen. Algen wogten in den Gezeiten.

Mer’ol ließ seinen Blick verschwimmen und klackte leise. Hatte er tatsächlich geglaubt, das Experiment würde funktionieren? Die Hydriten Hyktons wurden immer ungehaltener, und er hatte immer weniger Einfluss auf die Mar’os-Jünger in Neu-Martok’shimre. Es gab keinen eindeutigen Anführer unter ihnen, und eben damit kamen die Mar’osianer nicht zurecht. Nachdem der rätselhafte Stein, der alle getäuscht hatte, aus der Stadt verschwunden war, gab es drei Krieger, die um die Vorherrschaft rangen.

Sie waren dabei ebenso wenig zimperlich wie die Kampffische in den Koppeln. Zwei wurden derzeit mit mehreren Knochenbrüchen, Kiemenrissen und anderen Blessuren behandelt, während der Dritte, Kark’tys, die Grotte bewohnte, in der einst die Herrscherin Sar’kir gesessen hatte.

An der Stadt selbst wurde kaum mehr gebaut. Es gab niemanden mehr mit einer Vision, der Neu-Martok’shimre groß machen wollte. Der Traum einer neuen, friedlichen Mar’os-Stadt drohte zu ersticken. Alles blieb, wie es war, und das einzig Gute war die Tatsache, dass es keine offenen Angriffe auf Hydriten aus Hykton gab. Ebenso wie in der Stadt Neu-Dry’tor herrschte Waffenruhe, wenn auch eine angespannte.

Die Fische in der Koppel stoben plötzlich auseinander, drückten sich an die bionetische Umzäunung und zuckten mit den Flossen, als erspürten sie einen Feind.

Mer’ol blickte zur Stadt zurück und fokussierte seinen Blick. Er sah Tra’dik, Jyr’dos und Armant’la – zwei Krieger und eine Kriegerin in Rüstungen aus mehrfach geschichteten Hummerschalen. Die drei waren Geschwister und trennten sich nur selten. Sie schwammen zügig auf die Koppeln zu. Gleichzeitig durchstieß ein hoher Ton das Wasser.

Da kam Besuch! Eine fremde Delegation. Wären es Hydriten aus Hykton gewesen, hätten die Stadtwächter eine andere Muschelpfeife benutzt.

Mit einem Stoß gegen den Boden ließ sich Mer’ol ein Stück hinaufschnellen und folgte den Kriegern, die ihn mit ihren raschen Schwimmzügen inzwischen überholt hatten. Hinter sich sah er weitere Hydriten herbeischwimmen. Die meisten trugen Rüstungen, Dreizacke und einfache Stichdorne mit Widerhaken, die sich in letzter Zeit großer Beliebtheit in der Stadt erfreuten, da sie sich hervorragend zur Fischjagd eigneten.

Hinter der Koppel kamen sieben Hydriten in einer Pfeilformation auf die Stadt zu. An ihrer Spitze bewegte sich der größte Hydrit, den er je gesehen hatte. Schon von Weitem fiel der Unterschied zwischen ihm und seinen Begleitern deutlich auf. Alle Hydriten waren in kostbare Rüstungen gehüllt, hatten aber auf Kampffische oder die drachenartigen Reittiere Sar’kirs verzichtet.

Mer’ol schwamm näher heran. Die Delegation wartete zwischen Koppeln und Stadt und machte keine Anstalten, ohne Empfang und Erlaubnis nach Neu-Martok’shimre einzuschwimmen.

Tra’dik, Jyr’dos und Armant’la waren inzwischen heran, und Mer’ol erkannte Kark’tys, der begleitet von zehn abgerissen aussehenden Hydriten in Rüstungen aus gehärtetem Fischleder herbei schwamm. Das versprach spannend zu werden. Da er selbst wegen seiner Intelligenz einen guten Ruf bei Kark’tys hatte und öfter als Botschafter für Hykton agierte, schloss er zu dem Hydriten auf und gelangte in seinem Gefolge zu den Neuankömmlingen.

Dabei wurde er sich einmal mehr des Unterschieds zwischen sich und fast jedem in Neu-Martok’shimre bewusst. Er war ein Einzelgänger, der auf Verstand baute und nicht auf Muskelkraft. Auch verzichtete er darauf, Fisch zu fressen, was zwar nach wie vor geduldet wurde, aber inzwischen wieder als schwach und verdächtig galt. Überhaupt verwandelte sich sein großer Traum von einer friedlichen Koexistenz zwischen Mar’os-Jüngern und Ei’don-Hydriten mehr und mehr zu Fischfutter. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis der See aus Zurückhaltung über seine Ufer lief und die Hyktoner die Mar’osianer aus der Stadt vertrieben.

Sie verharrten im Wasser vor dem großen Hydriten, der sich scheinbar furchtlos vor seiner Rotte postiert hatte.

„Willkommen in Neu-Martok’shimre“, klackte Kark’tys und sah einen nach dem anderen an. „Seid ihr gekommen, um euch der Stadt und ihrem Aufbau anzuschließen?“

Der große Hydrit verzog die wulstigen Lippen. Seine Stimme klang spöttisch. „Welcher Aufbau? Hier sieht es aus, als sei seit vielen Gezeiten nichts mehr an der Bionetik verändert worden.“

Kark’tys schluckte sichtlich. Bei jedem anderen Hydriten hätte der vernarbte Kämpfer mit dem düsteren Blick zu einer harschen Antwort angesetzt, aber der Riese mit den giftgelben Bernsteinaugen und dem fächerförmigen Scheitelkamm schien ihm Furcht einzuflößen. Allein sein Oberarmmuskel war breit wie Mer’ols Schenkel. „Ihr kennt euch mit Bionetik aus, Besucher?“, klackte er stattdessen.

Der Hydrit senkte den schwarzgrauen Kamm. „O ja, ein wenig durchaus. Seid Ihr der Anführer dieser Stadt?“

Kark’tys klackte zustimmend, und Mer’ol erschien es fast trotzig. Er spürte eine starke Anziehung zu dem übermächtigen Hydriten, die ihn alarmierte. Es war, als würde der Fremde ihn mental beeinflussen.

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