Logo weiterlesen.de
Maddrax - Folge 293

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah
  4. Running Men Blues
  5. Leserseite
  6. Zeittafel
  7. Vorschau

was-bisher-50.jpg

Am 8. Februar 2012 trifft der Komet »Christopher-Floyd« die Erde. In der Folge verschiebt sich die Erdachse und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn »Maddrax« nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler – zur Erde gelangt sind und schuld an der veränderten Flora und Fauna sind. Nach langen Kämpfen mit den Daa’muren und Matts »Abstecher« zum Mars entpuppt sich der Wandler als lebendes Wesen, das jetzt erwacht, sein Dienervolk in die Schranken weist und weiterzieht. Es flieht vor einem kosmischen Jäger, dem Streiter, der bereits seine Spur zur Erde aufgenommen hat!

Ein mysteriöses Steinwesen (»Mutter«) absorbiert die Lebensenergie von Menschen und lässt sie versteinern, so auch die marsianische Besatzung der Mondstation und Matts Staffelkameradin Jenny Jensen in Irland. Dabei verschwindet ihre gemeinsame Tochter spurlos.

Am Südpol verbindet sich derweil ein bionetisches Wesen mit General Arthur Crow, Matts Gegenspieler. Es macht sich auf den Weg zu den Hydriten, wird aber von ihnen abgewiesen. Crow übernimmt den gemeinsamen Körper und erobert Washington.

Matt und Aruula gelingt es, das Steinwesen mit Tachyonen zu überladen. Das Leben kehrt in die Versteinerten zurück. Mutter gelangt zu einer Kolonie nahe der Hydritenstadt Hykton. Ihr Ziel ist es, zum Ursprung zurückzukehren, doch bevor ihr das gelingt, wird sie von den Hydriten unschädlich gemacht.

In Schottland schließt sich die junge Xij Matt und Aruula an. Sie finden Ann und bringen sie zu Jenny. Hier erfährt Matt von einem Raumschiff, das über Osteuropa abgestürzt ist – die Marsianer? In der Nähe von Stralsund stoßen sie auf die Absturzstelle und stellen fest, dass die Entsteinerten eine große Halle erbaut haben und sich gegen jede Einmischung von außen verbissen wehren.

Da taucht ein Luftschiff auf, mit Rulfan und dem Exekutor Alastar an Bord. Sie berichten, dass in Agartha auf dem Dach der Welt weitere Versteinerte aufgetaucht sein sollen. Doch Alastar hat das nur erfunden, um Agartha zu finden und dessen sagenumwobenen Schätze an sich zu reißen. Als sie nach einigen Abenteuern die »heilige Stadt« erreichen, beginnt er sein Netz zu spinnen.

Xij wird von Visionen geplagt, die sie in die Tiefen der Stadt rufen. Sie stößt auf eine Gedankensphäre und erfährt, dass sie seit Jahrmillionen immer wieder neu geboren wurde – und dass ihre früheren Leben hier gespeichert sind! Als der enttarnte Alastar eine Kreatur namens ZERSTÖRER freilässt, die die Sphäre vernichtet, gehen diese Erinnerungen auf Xij über. Alastar stirbt und Matt »entsorgt« den ZERSTÖRER in einer Lavaspalte, bevor sie zurückfliegen.

Running Men Blues

von Stephanie Seidel

Er rannte um sein Leben. Die Straßen waren menschenleer, und von den stillen, dunklen Häuserfassaden hallte das Echo seiner gehetzten Schritte durch die Nacht. Kroow hätte taub sein müssen, um diese Fährte zu verlieren.

Mr. Black dachte an die todgeweihte Bevölkerung und sein Herz wurde schwer. Alle Schlachten waren geschlagen, aber das Monster Kroow war noch immer an der Macht! Die meisten Running Men hatten Waashton verlassen; von Miki Takeo und Captain Roots hatte man nie mehr etwas gehört.

An der Straßenecke stand eine Taverne, das Cold Fangs. Riesige Tentakel wogten hinter ihr ins helle Mondlicht. Sie versperrten den Weg, und Black machte sich bereit für seinen letzten todesmutigen Versuch …

Oktober 2526

Ach – Scheiße!“, entfuhr es Captain Roots, als sein Stiefel zum wiederholten Mal in einem Schlammloch steckenblieb und er barfuß nachtreten musste, um nicht hinzufallen.

Miki Takeo zeigte keine Reaktion. Er führte Eigenreparaturen durch, so weit es das installierte Wiederherstellungsprogramm zuließ, und war viel zu versunken in seine komplizierte innere Welt, als dass der Fluch des Captains ihn hätte erreichen können. Wortlos humpelte er Roots auf und davon. Mit quietschenden Gelenken, Augen geradeaus.

Angewidert nahm Roots die unflätigen Geräusche zur Kenntnis, mit denen sein verdreckter Fuß zurück auf die Stiefelsohle sank. Takeo einzuholen kostete ihn wenig Mühe, denn jeder zweite Schritt des Androiden fiel aus: Sein linkes Schienbein knickte scharf nach vorn. Als Krücke diente ihm eine zerfetzte Metallstrebe. Roots wusste, dass er sie benutzte, weil sie die richtige Länge besaß und seinem Gewicht standhielt, trotzdem war ihr Anblick eine Zumutung. Denn sie stammte aus dem Wrack eines Gleiters.

Verflucht, schafft mir das Monster her, ich will es töten!, rief der Captain in Gedanken den Göttern zu. Es war ein erbitterter Befehl, kein Gebet, doch Roots hegte wenig Hoffnung, erhört zu werden. Wudan und sein Gefolge hatten schon einmal kläglich versagt – in Spooky Pines, wo ein mysteriöses Tentakelwesen binnen einer Nacht die gesamte Waashtoner Gleiterflotte zerschlug.

Drei Tage war es her, dass General Garrett mobilmachen ließ. Anlass waren die rätselhaften Vorfälle gewesen, die sich vierzig Meilen von Waashton entfernt in den Appalachen ereigneten. Dort hatte sich vor einiger Zeit ein kreisrunder Dschungel manifestiert, dessen plötzliches Auftauchen lange Zeit nicht erklärt werden konnte. Erst Matthew Drax hatte das Rätsel gelüftet: Es sollte sich um ein Gebiet aus ferner Zukunft handeln, das von einer fremdartigen Waffe hierher transportiert und mit dem bestehenden Areal ausgetauscht worden war.1) Was mit dem Personal in Arthur Crows U-Men-Fabrik und einigen Zivilisten aus Waashton, die sich zu dieser Zeit dort aufgehalten hatten, passiert war – niemand wusste es.2)

An der südwestlichen Grenze dieses Zeitwalds stand ein dichter Bewuchs, der an Pinien erinnerte. Er wurde von unheimlichen, nachtaktiven Kreaturen bevölkert, deren Schreie einem das Blut in den Adern gefrieren ließ. Spooky Pines hieß das Teilgebiet bei den Waashtoner Bürgern.

Erst verschwanden dort mehrere Militärpatrouillen. Dann wollte ein Indianermädchen, das am Grenzzaun mit Freunden campiert hatte, eine grauenhafte Bestie gesehen haben. Es beschrieb sie als menschenähnlich, voller Tentakel und äußerst aggressiv.

Roots erinnerte sich, wie verbissen General Garrett um den Einsatz der Gleiterflotte gekämpft hatte. Garrett war überzeugt davon, dass seine Patrouillen dem Tentakelwesen zum Opfer gefallen waren und dass es vernichtet werden musste. Der Führungsstab hatte Bedenken, denn die Erinnerung an den Überfall eines Schleimmonsters aus dem Zeitwald3) war noch zu präsent, als dass man Waashton den Schutz der Gleiterflotte nehmen wollte, und sei es nur für eine Nacht. Doch am Ende konnte sich Garrett durchsetzen. Er gab Roots das Kommando über die Operation Wipe Out, stellte ihm Miki Takeo als Copilot zur Seite – und schickte die komplette Fliegerstaffel in den Tod.

„Wipe out“, murmelte Roots düster. „Garrett hätte keinen passenderen Namen wählen können. Ausgelöscht wurde tatsächlich jemand! Aber nicht das Monster, sondern wir!“

„Wir leben noch, Captain!“, widersprach ihm Takeo. Er hatte eine weitere Reparatur beendet; die Fehlfunktionen der künstlichen Gedächtnisebene waren behoben. Jetzt fuhr er sein Wiederherstellungsprogramm herunter und widmete sich dem bedrückten Gefährten. „Ich verstehe Sie nur allzu gut: Auch ich trauere um unsere Kameraden! Trotzdem müssen wir jetzt Stärke zeigen! Das Tentakelwesen ist spurlos verschwunden, und ich befürchte fast, es hat Spooky Pines verlassen.“

„Es könnte auch verreckt sein!“, stieß Roots wütend hervor.

„Woran?“, fragte Takeo verwundert. „Wir haben es mit allem beschossen, was wir an Munition besaßen, haben es mit der Brühe überschüttet, die das Schleimmonster tötete, und ins Feuer gejagt. Nichts hat genützt. Nein, ich glaube eher, dass es geflohen ist. Es kann sich nach dem Angriff nicht mehr sicher fühlen in seinem Revier und wird sich wahrscheinlich ein neues suchen.“ Der Android wies über die weite, leere Landschaft. „Und was wäre in dieser Einöde verlockender als unsere Stadt?“

„Sie haben recht“, gab Roots widerwillig zu. Im nächsten Moment glitt er auf einem Matschfladen aus. Aufschreiend kämpfte er um sein Gleichgewicht.

Takeo stützte ihn, bis er sich gefangen hatte. Ihm selbst waren die Bodenverhältnisse egal – seine großen Androidenfüße und das enorme Gewicht hielten ihn sicher in der Senkrechten. Der vergleichsweise kleine Captain hingegen hatte Probleme mit den Pfützen und Schlammlöchern.

Takeo konnte sich nicht an das Unwetter erinnern, denn er hatte beim Absturz seines Gleiters einen kompletten Systemausfall erlitten. Er verdankte es Roots, dass er inzwischen über die fehlenden Daten verfügte.

Eine Nacht nach der verheerenden Niederlage gegen das Tentakelwesen hatte es zu regnen begonnen. Der heftige Wolkenbruch war im Grunde ein Segen, denn mit ihm endete eine wochenlange Dürre. Doch das Erdreich war inzwischen so hart, dass es die Wassermassen nicht aufnehmen konnte. Bodenrillen wurden zu Bächen, und die Straße nach Waashton verwandelte sich in eine Schlammbahn, auf der schon gesunde Menschen ihre liebe Not hatten.

Umso größer war Takeos Respekt vor dem Captain, der die Herausforderung tapfer annahm, obwohl er eigentlich in ein Krankenbett gehörte. Roots hatte schwere Verletzungen erlitten: Rippenbrüche, eine Gehirnerschütterung, Schrammen und Schnitte am ganzen Körper. Er war aus der berstenden Pilotenkanzel geschleudert worden, als das Tentakelmonster seinen Gleiter brutal zu Boden riss.

Ein Wunder, dass er das überlebt hat, dachte Takeo.

Plötzlich blieb der Android wie angewurzelt stehen. Seine bionetischen Augen, die effektiver waren als ihre menschlichen Gegenstücke, hatten etwas entdeckt.

Etwa anderthalb Meilen entfernt säumten wilde Brabeelen die Straße. Die riesigen Sträucher versperrten die Sicht auf das Hinterland, dafür hob sich der hellbraune Schlammboden vor ihnen umso deutlicher ab.

„Sagen Sie mal, Captain“, murmelte Takeo nachdenklich, ohne den Blick von seiner Entdeckung zu nehmen, „was wäre Ihrer Meinung nach ein plausibler Grund dafür, dass sich ein Mann auf der einsamsten Landstraße von allen in eine Pfütze legt?“

„Ist er tot?“, fragte Roots erschrocken zurück.

„Nein, er bewegt sich leicht.“

„Dann hatte er vielleicht einen Unfall. Oder er wird gejagt.“

Takeo wiegte bedächtig den Kopf. „Finden wir es heraus!“, sagte er dann und humpelte los.

Waashton, am Abend zuvor

Miki Takeo lag noch zwischen den Gleitertrümmern in Spooky Pines und Captain Roots hatte gerade mit der Suche nach ihm begonnen – hoffend, dass seiner Stadt nichts geschehen würde –, da war die Schlacht um Waashton bereits entschieden.

Kroow hatte gesiegt.

Kroow, das Tentakelwesen.

Die monströse Chimäre war das Ergebnis der Verschmelzung General Arthur Crows mit einer bionetischen Dienerkreatur der Hydriten, dem Koordinator. Vor vielen Monaten waren die beiden in einer Waffenanlage der Fischmenschen am Südpol aufeinandergetroffen. Der Koordinator hatte Crows Körper vereinnahmt, um Mobilität zu erlangen und dem Flächenräumer zu entfliehen, jener Zeitwaffe, die nach dem letzten Schuss ihre Funktion verloren hatte.

Jeder normale Mensch hätte bei der qualvollen Übernahmeprozedur den Geist aufgegeben. Buchstäblich. Doch Arthur Crow war kein normaler Mensch, und er dachte überhaupt nicht daran, aufzugeben. Sein Bewusstsein hatte sich behauptet – und überlebt. Und nicht nur das: Inzwischen hatten der Koordinator und er sich geeinigt und er kontrollierte den gemeinsamen bionetischen Körper meist sogar.

„Sehen Sie, Garrett“, rief Crow jetzt triumphierend aus, als sie durch die Flure des besetzten Pentagons stapften, um versteckte Offiziere aufzuspüren, „das ist der Unterschied zwischen uns beiden: Sie tragen eine Generalsuniform, ich bin ein General. Deshalb gehört Waashton jetzt auch wieder seinem rechtmäßigen Herrn, nämlich mir!“

General Diego Garrett lief neben ihm her wie ein Hund an der Leine, und auf gewisse Weise war er das auch: Kroow hatte ihm eine Tentakelspitze in den Nacken gerammt, die Garrett zur willenlosen Marionette machte. Er sah und hörte, was um ihn herum geschah, doch er konnte nur tun, was Kroow wollte.

Beispielsweise ans Funkgerät gehen und Mr. Black herzitieren. Garrett hatte keine Aktion selber ausgeführt – es war Arthur Crow gewesen, der mit Garretts Finger die Sendetaste drückte und durch seinen Mund den Hohen Richter aufforderte, in das angeblich sichere Pentagon zu kommen.

Mr. Black hatte sich täuschen lassen und den Befehl bestätigt. Garrett verzweifelte fast bei dem Gedanken daran, was den ahnungslosen Mann erwartete, wenn er in die Reichweite von Kroows Tentakel kam.

Bürgermeister Jethro Wallace war bereits in diese Falle getappt. Auch er trottete wie Garrett an der Seite des schrecklichen Monsters dahin, das sich nach Belieben veränderte. Mal war es ein amorphes braunes Riesending, an dem elend lange Fangarme wogten, mal nahm es menschliche Gestalt an.

In solchen Momenten bemerkte Garrett die große Ähnlichkeit mit Arthur Crow, und er fragte sich, wie der General es angestellt haben mochte, seinen Körper gegen diese furchterregende Wandelgestalt zu tauschen. Doch er fand keine Antwort darauf. Letztlich war es auch egal.

Wir müssen ihn loswerden, dachte Garrett. Das ist das Einzige, was zählt!

Kroow antwortete mit prustendem Gelächter, schwenkte ihn am Tentakel zu sich herum und grinste ihn an. Mit Crows Gesicht.

„Sie haben es noch nicht kapiert, was, Garrett?“, höhnte er. „Es ist aus! Als ich heute Nachmittag in die Stadt kam, hatten Sie eine ganze Streitmacht zur Verfügung und ich nur ein paar lausige Handlanger. Jetzt, ein paar Stunden später, ist Ihr Militär in meiner Gewalt. Sagt Ihnen das denn gar nichts?“

Garrett fühlte sich in sein Büro gestoßen, dicht gefolgt von Kroow, und sein Herz setzte aus, als er bemerkte, dass sie nicht allein waren: Schlecht verborgen hinter dem Mobiliar kauerten Uniformierte! Doch ihr verzweifelter Versuch, sich vor dem Angreifer zu verstecken, schlug fehl. Kroows Tentakel glitten über den Boden, in jeden Winkel. Tastend. Einen Mann nach dem anderen trieb er hoch, während er seine Schmährede fortsetzte.

„Sie sind so ein Idiot, Garrett, und Ihre Soldaten sind es ebenfalls. Da dringen identisch aussehende, nackte Jugendliche in die Stadt vor, und niemand eröffnet das Feuer.“ Crows Gesicht lachte. „Was ist mit den glorreichen Weltrat-Truppen passiert? Betreibt man hier seit neuestem eine Politik der unblutigen Kriegsführung?“

„Wir achten das Leben und töten nicht ohne Not. Schon gar keine Kinder“, sagte Garrett.

„Oh, bitte! Verschonen Sie mich mit diesem Moralgeheuchel!“, rief Crow angewidert. „Wenn Sie das Leben wirklich achten würden, dürften Sie gar keine Armee befehligen! Und dass es sich bei den Kindern um seelenlose Klone handelte, hätte Ihnen schnell klar sein müssen. Aber ich will mich nicht beschweren, schließlich haben Sie mir damit in die Hände gespielt.“

Kroow wandte sich den Uniformierten zu, die er in einer Ecke zusammengetrieben hatte. Ohnmächtig musste Garrett zusehen, wie das Wesen seine Opfer anstach und ihre Mienen leer wurden.

Der Tritt schwerer Soldatenstiefel hallte den Flur entlang, zügig und furchtlos, was Garrett vermuten ließ, dass es sich um Kroows Gefolgschaft handelte. Den Geräuschen nach schleppten sie etwas Großes herbei.

Trotz der lähmenden Tentakelspitze im Nacken gelang es ihm, sich ein paar Zentimeter in Richtung Ausgang zu drehen. Just in dem Moment glitt ein Schatten am Türrahmen entlang. Als hätte jemand in den Raum geblickt und sich hastig zurückgezogen.

Mr. Black!, schoss es Garrett durch den Kopf. Der Hohe Richter war schon überfällig, es konnte also gut sein, dass er da draußen stand! Was hatte er vor? Plante er einen Befreiungsschlag? Brachte er die Rettung?

Garrett hielt den Atem an. Betete, dass Kroows nahende Gefolgschaft nicht auf Mr. Black aufmerksam wurde. Oder Kroow seine Gedanken ausspionierte.

Doch weder das eine, noch das andere geschah. Stattdessen betraten Soldaten den Raum, deren Erscheinen neben dem der Jugendlichen heillose Verwirrung bei den regulären militärischen Einheiten ausgelöst hatte. Sie sahen aus wie gewöhnliche Waashtoner Soldaten, trugen die gleiche Uniform, bewegten sich in vertrauter Manier. Auch ihre Gesichter waren unauffällig – bis auf die Tatsache, dass alle dasselbe hatten.

Garrett erschauerte. Seine Lähmung verschwand, als sich Kroow nach den Klonen umdrehte und ihn dabei mitzog. Garrett reckte den Hals, um einen Blick auf das seltsame Gebilde zu erhaschen, das sie in den Raum zerrten. Es wogte über den Rand einer Plane, fahl und irgendwie … organisch.

„Mein Gott, was ist das?“, flüsterte er entsetzt, als die Plane fiel und ihm ein riesiges Adergeflecht vor die Füße schwappte. Tropfenförmige Schläuche glitten nach allen Seiten über den Boden. Sie waren mannshoch und halb gefüllt mit einer klaren Flüssigkeit.

„Hängt es an die Decke!“, befahl Crow, ehe er auf Garretts Frage reagierte.

„Was das ist? Tja, so genau weiß ich es selber nicht“, gab er zu. „Anfangs hielt ich es für ein Gelege. Es könnte aber auch eine geniale Fressfalle sein, denn das Ding vervielfacht alle lebenden Organismen, die in die Schläuche eindringen! Möglicherweise stammt sein Erzeuger aus einer beutearmen Gegend.“

Die Scheinsoldaten begannen das schlaffe Adergeflecht an die Decke zu drücken. Garretts Magen revoltierte, als er sah, wie es dort von allein festwuchs. Ein Schlauch nach dem anderen hängte sich pendelnd aus. Jetzt konnte man die schlitzförmige Öffnung am unteren Drittel erkennen. Crow zeigte darauf, ohne sie zu berühren.

„Wer da hineinkriecht, kommt in zigfacher Ausfertigung wieder raus! Entweder als reiche Mahlzeit oder als Gefolgsmann. Ganz nach Bedarf.“

Er grinste böse.

Draußen vor den Fenstern flammte Wetterleuchten über den Himmel, gefolgt von einem Donnerschlag. Garrett wurde mitgerissen, als Crow unvermittelt losstampfte und durch den Lärm in den Flur brüllte: „Verdammt noch mal, wo bleibt Black?“

Der Hohe Richter duckte sich unwillkürlich, als er ins Freie trat. Eben noch war er mit der Präsidentin durch den geheimen Fluchtweg unterhalb des Weißen Hauses gerannt. Jetzt hatten sie den Ausgang erreicht – eine Stelle im Park, von wo aus man ungesehen über die Seitenstraßen verschwinden konnte – und Black lief in einen krachenden Donner hinein. Regen prasselte so hart herunter, dass es sich anfühlte wie eine Ladung winziger Kiesel.

„Hier“, sagte der Klon des früheren letzten US-Präsidenten Arnold Schwarzenegger, während er hastig seine Jacke auszog. „Nimm sie!“

„Ich bin nicht aus Zucker, weißt du?“ Alexandra Cross lächelte, nahm die Jacke aber trotzdem an und hob sie schützend über ihren Kopf.

„Ich weiß.“ Black wischte sich den Regen von der Stirn. Er sah sich nervös um. Es war dunkel unter den Bäumen, und er musste das nächste Wetterleuchten abwarten, um den Weg zu finden.

„Da entlang!“ Black ergriff Alexandras Arm, zog sie mit sich fort – schnell, denn das Leben der Präsidentin war in höchster Gefahr! Kroows Klonsoldaten hatten schon fast vor dem Oval Office gestanden, als Black das Weiße Haus erreichte. Er musste sich den Weg freischießen, um die bedrohte Frau noch herauszuholen.

„Es gefällt mir nicht, einfach wegzulaufen“, keuchte Cross. Es fiel ihr schwer, mit ihrem Gefährten Schritt zu halten. Black trug allerdings auch kein elegantes Kostüm und passende Schuhe.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Maddrax - Folge 293" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen






Teilen