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Maddrax - Folge 290

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah
  4. In den Gärten von Sha’mar
  5. Leserseite
  6. Zeittafel
  7. Cartoon
  8. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde. In der Folge verschiebt sich die Erdachse und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler – zur Erde gelangt sind und schuld an der veränderten Flora und Fauna sind. Nach langen Kämpfen mit den Daa’muren und Matts „Abstecher“ zum Mars entpuppt sich der Wandler als lebendes Wesen, das jetzt erwacht, sein Dienervolk in die Schranken weist und weiterzieht. Es flieht vor einem kosmischen Jäger, dem Streiter, der bereits seine Spur zur Erde aufgenommen hat!

Ein mysteriöses Steinwesen („Mutter“) absorbiert die Lebensenergie von Menschen und lässt sie versteinern, so auch die marsianische Besatzung der Mondstation und Matts Staffelkameradin Jenny Jensen in Irland. Dabei verschwindet ihre gemeinsame Tochter spurlos.

Am Südpol verbindet sich derweil ein bionetisches Wesen mit General Arthur Crow, Matts Gegenspieler. Es macht sich auf den Weg zu den Hydriten, wird aber von ihnen abgewiesen. Crow übernimmt den gemeinsamen Körper und erobert Washington.

Zurück vom Mars, wo Matt die Regierung gegen den Streiter einschwor und ein Ur-Hydree namens Quesra’nol durch den Zeitstrahl zur Erde floh, gelingt es ihm und Aruula, das Steinwesen mit Tachyonen zu überladen. Das Leben kehrt in die Versteinerten zurück. Mutter gelangt zu einer Kolonie nahe der Hydritenstadt Hykton. Ihr Ziel ist es, zu ihrem Ursprung zurückzukehren; dazu schickt sie Hydriten mit winzigen Splittern aus. Als einer den Ursprung findet, hat Quesra’nol jedoch Mutter unschädlich gemacht und festgesetzt.

In Schottland schließt sich die junge Xij Matt und Aruula an. Sie finden Ann und bringen sie zu Jenny. Hier erfährt Matt von einem Raumschiff, das über Osteuropa abgestürzt sein muss – die Marsianer? Auf dem Weg stößt die Ex-Queen Victoria Windsor zu den Freunden. In der Nähe von Stralsund finden sie die Absturzstelle und stellen fest, dass die Entsteinerten eine große Halle erbaut haben. Weitere Erkenntnisse vereiteln die Menschen, zu denen auch Jenny und Angehörige aus Aruulas Volk gehören und zu denen Victoria überläuft.

Da taucht ein Luftschiff auf, mit Rulfan und dem Exekutor Alastar an Bord. Sie berichten, dass in Agartha auf dem Dach der Welt weitere Versteinerte aufgetaucht sein sollen. Als sich die Gefährten den beiden anschließen, ahnen sie nicht, dass Alastar alles nur erfunden hat, um Agartha zu finden und dessen sagenumwobenen Schätze an sich zu reißen …

Headline

von Michael M. Thurner

Zaraa schlüpfte aus ihrer Schlafhöhle. Sie zitterte, und es war nicht nur die morgendliche Kälte, die sie frösteln ließ.

Das Getrommel war während der letzten Tage nicht mehr verstummt. Viele der Jünger waren in eine Art Trance gefallen. Sie bearbeiteten ihre Ritualtrommeln mit einer unnatürlichen Hingabe. Ab und zu bekamen sie Nahrung, wurden von ihr und ihresgleichen gefüttert wie Kleinkinder.

Zaraa blickte der aufgehenden Sonne mit einem Schimmer von Hoffnung entgegen. Wieder war eine Nacht vergangen, wieder war nichts geschehen. Vielleicht war dies alles bloß ein schlechter Traum? Vielleicht würde es niemals geschehen?

Sie dachte an die Fremde. An dieses riesige Weibsgeschöpf, dem die Wildheit ins derbe Gesicht geschrieben stand. Eine Gruppe Neuankömmlinge hatte sie gestern herangeschleppt, mit schweren Ketten gefesselt, und unter die Erde getragen. Sie wie ein Tier angebunden. Die Jünger hatten gelacht, hatten sich an dem Leid der Wilden Frau ergötzt.

Zaraa zuckte zusammen, als sie die Berührung spürte, und sprang einen Schritt zur Seite.

„Ich bin’s“, flüsterte eine wohlbekannte Stimme, „Nainaa.“

Zaraa atmete erleichtert durch. Die Ältere war ihr während der letzten Tage zur guten Freundin geworden. Zu jemandem, an den man sich klammern konnte, wenn die Angst allzu groß wurde.

„Wir sollten zu fliehen versuchen!“, brach es aus ihr heraus, und mit ihren Worten kamen die Tränen. „Alles ist besser als diese endlose Warterei! Sollen sie uns doch erwischen, sollen sie uns abschlachten! Aber es hätte ein Ende und wir wären frei …“

„Sie töten nicht“, sagte Nainaa und berührte sie sanft an den Oberarmen. „Du weißt ganz genau, dass es kein Entkommen gibt. Es hausen so viele Jünger in Sha’mar, die bloß auf eine Gelegenheit warten, die Jagd auf uns zu eröffnen. Sie würden uns wieder einfangen, uns zurückschleppen, sich an uns vergehen, uns foltern. Und nicht unbedingt in dieser Reihenfolge.“ Nainaa umklammerte sie. „Man würde uns wie die Wilde Frau behandeln und uns in der Dunkelheit an die Ketten binden. Weißt du, wie es in dieser endlosen Schwärze wirklich ist, bedeckt mit Erdreich, mit Würmern und Spinnen und Käfern, die dich als Eindringling betrachten?“

Nainaa schob sie von sich und wischte sich die Tränen aus den Augen. „Sie werden mich niemals erwischen! Lieber stürze ich mich in den Tod, bevor ich mich neuerlich gefangen nehmen lasse!“

„Gott Oguul wird es verhindern. Er wird mit dir reden. Seine Worte werden in deinen Kopf kriechen und dir all deine Kraft nehmen. Die Wächter Sha’mars werde sich um dich kümmern. Du hast erlebt, was mit Ahalya geschehen ist. All das Blut, die Narben, die Wunden … und dennoch lächelte sie.“

„Ich bin stärker als Ahalya!“, widersprach Zaraa trotzig.

Nainaa lächelte traurig und zog sie neuerlich an sich. „Ist schon gut, Kind; es wird alles wieder gut. – Komm, wir waschen uns und holen Wasser. Vielleicht lassen sie uns zu der Wilden Frau und den anderen Gefolterten vor und wir können ihre Schmerzen ein wenig mildern.“

Etwas tun. Nicht nur dasitzen und auf die Opferung warten. Das war alles, was ihnen blieb.

„Und wenn wir sie zu befreien versuchen?“, fragte Zaraa. „Sie wirkt so unglaublich stark! Wer weiß, was sie mit einer Waffe in der Hand anzurichten vermag?“

„Schlag dir deine Träume aus dem Kopf, dummes Ding! Wir werden gehorchen, und wir werden unser Schicksal mit aller Demut ertragen. Komm jetzt!“

Zaraa ließ sich mitziehen, hin zum Ziehbrunnen, vorbei an den Wassergärten, deren Nass abgestanden und faulig roch. O nein, sie würde niemals hinnehmen, was die Jünger mit ihr vorhatten. Die Wilde Frau … sie musste sie befreien.

Während die Sonne höher stieg und seine wärmenden Strahlen über die Ruinenlandschaft warf, wurden die monoton klingenden Stimmen und das Getrommel stärker, intensiver. Die Rhythmen klangen bedrohlich, und sie schienen niemals mehr wieder enden zu wollen.

Tage zuvor

Berge, so weit das Auge reichte. Zerklüftet, nackt, von Stürmen und Unwettern geformt. Sie wirkten wie Runzeln inmitten dieses graubraunen Hügel-Einerleis. Vereinzelt ragten verkrüppelte Gewächse in den Himmel. Eine Herde antilopenähnlicher Tiere zog entlang eines Gewässers, das wie ein silbern glänzender Faden wirkte. Einige der schwächeren Tiere blieben stehen und soffen gierig, rabenähnliche Vögel kreisten interessiert über ihnen. Kolks.

„Du träumst?“, fragte Aruula.

„Ein wenig.“ Matt atmete flach und tat keine Bewegung zu viel. Die Luft war dünn. Sie bewegten sich in einer Höhe von etwa fünftausend Metern.

„Ich wollte, wir könnten ein wenig tiefer gehen.“ Die Barbarin trat unruhig von einem Bein aufs andere.

„Das geht nicht“, erklärte Matt geduldig, nicht zum ersten Mal während der letzten Tage. „Die Stürme sind gefährlich. Sie könnten uns gegen die Bergrücken oder in die Tiefe drücken.“

„Laviniaa, die Göttin der Winde, wird unsere Geschicke lenken“, sagte Aruula, „sofern sie ihre Launen im Zaum hält.“

Matt verzichtete auf eine Entgegnung. So viel seine Begleiterin auch gesehen und so viel sie auch gemeinsam erlebt hatten – sie würde niemals auf die Rezitation aus dem reichhaltigen Götterolymp der Dreizehn Inseln verzichten.

„Hunger!“, sagte der seit einiger Zeit wortkarge Alastar. Der Hüne rieb sich über seinen ausgemergelten Leib. „Unsere Vorräte aus diesem vermaledeiten Zirkus sind so gut wie aufgebraucht. Wir sollten runtergehen und uns um das Wohlbefinden unserer Mägen kümmern.“

„Es ist zu gefährlich!“, wiederholte Matt gebetsmühlenartig. „Wir müssen warten, bis wir die Ebene erreichen.

„Welche Ebene?“, fragte der Chefexekutor eindringlich. „Seit Tagen fahren wir über Hügel, Berge und schneebedeckte Höhenzüge dahin. Mir scheint, dass wir mittlerweile das Dach der Welt erreicht haben.“

Das Dach der Welt … Tatsächlich war der Hindukusch, dessen Ausläufer sie soeben querten, ein Vorgeschmack auf das noch viel mächtigere Himalaja-Massiv. Matt musste augenblicklich an ihr Ziel denken. An das sagenumwobene Agartha, von dem laut Alastar der Fluch der Versteinerungen ausging.

„Wir können hier nicht landen“, ergriff Rulfan Partei für ihn. Der Kampfgefährte deutete nach unten, auf eine kleine Gruppe Antilopen-Nachzügler. Sie witterten alarmiert in die Luft, schreckten hoch, wollten davonhasten – und wurden im selben Moment von zigtausenden wurmähnlichen Geschöpfen überfallen, Mudd-Würmern nicht unähnlich, die unvermittelt aus der Erde hochgeschossen kamen. Sie bohrten sich in die Flanken ihrer Opfer, fesselten sie an den Boden, rissen finger- bis faustgroße Fleischstücke aus den Leibern. Die Antilopen röhrten in Panik, wollten die große Herde zu Hilfe rufen.

Die Leitböcke zögerten für einen Moment – und eilten dann weiter, zogen die mehreren Hundert Tiere ihrer Herde hinter sich her. Sie wussten wohl, dass sie gegen diese gespenstischen, mindestens armlangen Fleischfresser keine Chance hatten. Das Wohl der Gemeinschaft hatte vor dem Schicksal des Einzelnen zu stehen.

Aruulas Hände krallten sich schmerzhaft in einen von Matts Oberarmen. Alle sahen sie zu, wie immer mehr der Wurmgeschöpfe ans Tageslicht drangen. Sie lebten verborgen im Uferschlamm des kleinen Gewässers um nun, da es Beute zu schlagen gab, mit unglaublicher Vehemenz über ihre Opfer hereinzubrechen. Entlang einer Strecke von gut und gern fünfhundert Metern riss der Erdboden auf.

Es war ein Gemetzel. Die so verzweifelt klingenden Schreie verstummten, Blut färbte den Sand dunkelrot. Die Würmer fielen in ihrer unglaublichen Gier sogar übereinander her. Meterhohe Knäuel bildeten sich.

Schweigend sahen Matt und seine Begleiter aus der Sicherheit ihres Luftschiffs zu, während sie sich immer weiter vom Ort des Geschehens entfernten. Einzig Xij Hamlet kümmerte sich kaum um den Kampf des Lebens unter ihnen. Sie fuhr mit einem Tuch über ihren Kampfstock und reinigte ihn.

Allmählich beruhigten sich die Würmer. Die Löcher, mit denen sie das Land perforiert hatten, verschwanden allmählich wieder. Zurück blieben bleiche Gerippe und eine Vielzahl toter Würmer. Doch auch darum kümmerte sich die Natur bereits: Die Kolks, die das Geschehen bislang aus der Höhe beobachtet hatten, tauchten nun hinab und bedienten sich an den schlappen Körpern. Sie bekamen ein Festmahl serviert, von dem sie wohl einige Zeit zehren würden.

„Mein Hungergefühl hat gerade drastisch nachgelassen“, sagte Alastar und wandte sich von der Reling ab. „Ich schlage vor, dass wir erst wieder zu Boden gehen, wenn wir das Gebirge hinter uns gelassen haben.“

„Eine ausgezeichnete Idee.“ Matt verkniff sich ein Lächeln. Es war nicht leicht, auf alle Befindlichkeiten seiner Weggefährten Rücksicht zu nehmen. Allesamt besaßen sie ausgeprägte Charaktere. Weder Rulfan, noch Xij, noch Alastar und schon gar nicht Aruula ließen sich gerne etwas sagen. Seine Rolle als Anführer dieses kleinen Trupps wurde jede Minute ihrer Reise in Frage gestellt.

Ein Unwetter dräute am Horizont. Erste Blitze zerfurchten das Firmament, schwarze Wolkenbänke kündigten Regen an.

„Ich fürchte, allzu lange können wir trotzdem nicht in der Luft bleiben“, seufzte Matt und deutete auf die dunklen Wolken. „Da kommt was auf uns zu, in das ich lieber nicht geraten möchte …“

Matt Drax dachte an die Lehrinhalte zum Faradayschen Schutzkäfig, die er während seiner Schulzeit vermittelt bekommen hatte, und hoffte inständig, dass sie zutrafen.

Draußen tobte ein Unwetter, das ihn fürchten ließ, dieser Landstrich wäre dem Untergang geweiht. Blitze zuckten aus der Dunkelheit herab und verfingen sich in den kümmerlichen Resten eines ehemaligen Dorfs. Dort ragte das Eisengestell eines mutmaßlichen Wasserturms hoch, unmittelbar daneben zog ein Funkmast weitere Schläge an.

Sie hatten ihr Luftschiff so tief wie möglich über der Erdoberfläche vertäut und zwei lange Kabel als Blitzableiter zu Boden gelassen. Das über die Ballonhülle gezogene Geflecht leitete die elektrischen Schläge in den Boden ab; die Gondel blieb isoliert, wenn alles richtig vertäut worden war.

„Laviniaa zürnt“, murmelte Aruula und drückte sich eng an Matt. „Wir sollten ihr ein Opfer bringen.“

Matt war verblüfft. Aruulas Götterglaube war für ihn mehr ein metaphorisches Festhalten an alten Gewohnheiten, aber nichts, was sie tatsächlich praktizierte. „Ein Opfer?“, fragte er. Seinem Magen ging es gar nicht gut. Die Gondel schwankte im Sturm heftig hin und her.

„Laviniaa ist nur schwer zu besänftigen. Werfen wir Alastar über Bord.“

„Das ist doch wohl nicht dein Ernst?!“

Aruula grinste ihn schief an. „Natürlich nicht.“

Obwohl sie es glaubhaft sagte, wusste Matt, dass sie nicht traurig gewesen wäre, Alastar auf diese Weise loszuwerden. Der Chefexekutor hatte nicht nur den Tod einer ganzen Guulsippe zu verantworten, die Aruula hatte schützen wollen1) – er trug darüber hinaus ein Gerät bei – oder vielmehr in sich, das Aruulas telepathische Kräfte blockierte. Matt vermutete ein technisches Implantat. Er hatte Alastar lange beobachtet, aber nie ein Kästchen bemerkt, das man ihm hätte wegnehmen können.

Aruula schmiegte sich wieder an ihn. Matt konnte ihren heißen, unruhigen Atem spüren, während rings um sie das Unwetter seinen Fortgang nahm. Er stand auf und lugte Richtung Westen. „Am Horizont hellt es auf!“, rief er seinen Gefährten zu. „Bald können wir unsere Fahrt wieder aufnehmen.“

Rulfan nickte ihm zu. Um sich abzulenken, kontrollierte er das System von Seilzügen und Griffen, die das Luftschiff lenkbar machten. Der über Sechzigjährige wirkte ruhig und besonnen. Er hatte zu viel erlebt und gesehen, um in einer derartigen Situation die Nerven zu verlieren. „Auch wenn unsere Trinkwasservorräte nun wieder ergänzt sind“, sagte er und deutete auf mehrere Behälter, in die von draußen Regenwasser geleitet wurde, „müssen wir uns bald um neuen Proviant kümmern. Ich bin den Zirkusfraß so was von …“

Plötzlich und unvermittelt zog er ein Messer aus dem Gürtel, tat einen Satz zu seiner Linken – und stach zu. Matt griff zu seiner Waffe, versuchte zu erkennen, was sein Freund da tat. Er sah ein grünes, sich windendes Etwas, vielleicht unterarmlang, das sich um Rulfans Hand zu winden drohte …

„Ein Wurm!“, rief er und hob den Driller, drückte aber nicht ab. Die Explosivmunition hätte nicht nur den Wurm und Rulfans Arm zerfetzt, sondern auch noch die Hülle der Gondel.

Im nächsten Moment war Aruula zur Stelle und erledigte das aggressive Geschöpf mit einem schnellen, präzisen Schwertstreich. Es stieß einen schrillen Schrei aus, zuckte noch einmal und blieb dann schlaff an Rulfans Arm hängen. Grünes Blut tropfte auf die Planken.

Plopp. Plopp. Plopp.

Dumpfe Geräusche. Ein Blitz erhellte für Sekundenbruchteile das Gondel-Innere. Weitere Würmer, die an den Ankerseilen heraufgekrochen sein mussten, drängten durch kleinste Spalten in die Gondel und kamen mit schlängelnden Bewegungen auf die Besatzungsmitglieder zu.

„Xij – hinter dir!“ Maddrax deutete auf zwei Würmer, die bugwärts krochen. Die junge Frau zögerte nicht, ließ ihren Kampfstab auf die beiden Tiere hinabsausen und erschlug sie.

Ein knappes Dutzend Würmer hatte es mittlerweile ins Innere der Gondel geschafft, und es wurden immer mehr. Drei von ihnen hatte Rulfan bereits zertreten, während Aruula und Alastar mit sichtlichem Abscheu auf die Tiere einschlugen und -stachen. Rings um sie färbte sich der Boden grün.

„Kappt die Taue!“, rief Matt. „Schnell!“

„Aber das Unwetter …“, wandte Alastar ein.

„Ist das kleinere Übel“, unterbrach ihn Matt. „Unter uns sammeln sich womöglich Tausende dieser Würmer! Wenn die es an Bord schaffen, sind wir erledigt!“

Das überzeugte alle. Rulfan griff zu einer Axt und zerhieb eines der Halteseile, Alastar und Aruula durchtrennten zwei weitere.

Nur noch von einem Tau gehalten, schwankte die Gondel und bekam Schräglage, drohte Matt von den Beinen zu reißen. Er behielt das Gleichgewicht und schlug auf die sich windenden Gegner ein, deren schrilles Geschrei seine Gehörnerven mehr und mehr strapazierten.

Schließlich kappte Rulfan auch das letzte Seil und brachte den Zeppelin mit wenigen Handgriffen auf Steigkurs. Sie riskierten viel. Das Gewitter war im Abklingen, das Zentrum des Sturms bereits kilometerweit entfernt. Doch ein einziger Blitztreffer konnte den Wasserstoff in der Ballonhülle entzünden und ihr Schiff in Flammen setzen.

Dreißig oder mehr leblose Würmer bedeckten den Boden. Matt musste achten, wohin er trat, wollte er nicht ausgleiten. Die Gefährten erledigten nach und nach die letzten Angreifer.

„Es ist vorbei“, sagte Aruula dann. Mit angewidertem Gesichtsausdruck wischte sie einen toten Wurm von einem Stuhl und ließ sich darauf nieder.

Totenstille herrschte, nur unterbrochen von den Atemzügen der Menschen an Bord. Das Kreischen der Würmer war verstummt, das Grollen des Gewitters kaum mehr zu hören.

Alastar vollführte eine blitzschnelle Bewegung, mit der er das letzte überlebende Tier zerteilte. Er steckte seine Waffe weg und wischte sich grünes Blut von der Stirn und seiner linken, leeren Augenhöhle. Auch sein linkes Ohr war verkrüppelt, vom Biss eines Guuls. Er hatte die Verletzung mit dem Tod der ganzen Sippe gerächt. Inzwischen machte ihm die Wunde kaum noch zu schaffen.

„Alles in Ordnung mit euch?“, fragte Matt. „Irgendwelche ernsthafte Verletzungen?“

Allesamt verneinten sie. „Mich hat’s nur in meinem Stolz getroffen“, vermeldete Aruula. „Ich musste gegen Würmer um mein Leben kämpfen. Außerdem ist der Nagel meines rechten kleinen Fingers eingerissen.“ Sie grinste breit. „Möchtest du mich ein wenig bemitleiden, Maddrax?“, gurrte sie.

Er küsste sie auf die salzig schmeckenden Lippen, froh darüber, dass sich ihre Laune endlich wieder zu bessern schien, und wünschte sich ein wenig mehr Intimsphäre an Bord.

Erst Stunden später durchbrach die schmerzhaft vermisste Sonne die dicken Wolkenbänke. Die Stürme ließen nach, das Land unter ihnen wirkte nun ruhiger und nicht mehr gar so schroff.

Die Reinigung der Gondel nahm einige Zeit in Anspruch, und als sie den Zeppelin in Bodennähe brachten, dauerte ...

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