Logo weiterlesen.de
Maddrax - Folge 287

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah
  4. Meister der Lüge
  5. Leserseite
  6. Zeittafel
  7. Vorschau

was-bisher-50.jpg

Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde. In der Folge verschiebt sich die Erdachse und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler – zur Erde gelangt sind und schuld an der veränderten Flora und Fauna sind. Nach langen Kämpfen mit den Daa’muren und Matts „Abstecher“ zum Mars entpuppt sich der Wandler als lebendes Wesen, das jetzt erwacht, sein Dienervolk in die Schranken weist und weiterzieht. Es flieht vor einem kosmischen Jäger, dem Streiter, der bereits seine Spur zur Erde aufgenommen hat!

Ein Steinwesen („Mutter“), einst in Ostdeutschland aus der Erde geholt und in den Zeitstrahl geraten, gelangt auf die Erde, absorbiert mit der Hilfe rekrutierter Schatten die Lebensenergie von Menschen und lässt sie versteinern. Die marsianische Besatzung der Mondstation erleidet dasselbe Schicksal. Und auch Matts Staffelkameradin Jenny Jensen in Irland wird zu Stein, während ihre gemeinsame Tochter spurlos verschwindet.

Am Südpol verbindet sich derweil in einer uralten Waffenanlage ein bionetisches Wesen mit General Arthur Crow, Matts Gegenspieler. Die genetische Chimäre macht sich auf den Weg zu den Hydriten, wird von ihnen aber abgewiesen. Crow übernimmt den gemeinsamen Körper und erobert Washington.

Zurück vom Mars, wo Matt die Regierung gegen den Streiter einschwor und ein Ur-Hydree namens Quesra’nol durch den Zeitstrahl zur Erde floh, gelingt es ihm und Aruula, das Steinwesen mit Lebensenergie zu überladen. Das Leben kehrt in die Versteinerten zurück. Mutter gelangt zu einer Kolonie nahe der Hydritenstadt Hykton. Ihr Ziel ist es, zu ihrem Ursprung zurückzukehren; dazu schickt sie Hydriten mit winzigen Splittern aus. Als einer den Ursprung findet, hat Quesra’nol jedoch Mutter bereits unschädlich gemacht und festgesetzt.

In Schottland treffen Matt und Aruula auf die junge Xij, die sich ihnen anschließt. Sie finden Ann und bringen sie nach Irland zu Jenny. Hier erfährt Matt von einem Raumschiff, das über Osteuropa abgestürzt sein muss – die Marsianer? Auf dem Weg stößt die Ex-Queen Victoria Windsor zu den Freunden. In der Nähe von Stralsund finden sie die Absturzstelle und stellen fest, dass die Entsteinerten in der Nähe eine große Halle erbaut haben. Den Versuch, mehr herauszufinden, vereiteln die Menschen, zu denen auch Jenny und Angehörige aus Aruulas Volk gestoßen sind und zu denen Victoria nun überläuft.

Da taucht ein Luftschiff auf, mit Rulfan und Alastar, dem Chefexekutor der Reenschas an Bord, die von einer tödlichen Gefahr für die ganze Erde berichten …

Meister der Lüge

von Christian Schwarz

Gegenwart, Anfang Januar 2527

Missmutig schaute Matt Drax auf die endlose Schneelandschaft, die unter ihnen dahinzog. Das Summen der Motoren machte ihn schläfrig. In der Ferne ragten die schroffen Karpaten in den strahlend blauen Morgenhimmel. War heute nicht Sonntag?

When the day is dawning on a Texas Sunday morning, shalala-la-la-la-la-la … Übergangslos kam ihm der alte Song in den Sinn. Und ebenso übergangslos glaubte er einen Zipfel des Geheimnisses, das ihn seit Wochen quälte, durch die Liedzeilen schimmern zu sehen. So greifbar war es noch nie zuvor gewesen! Er drückte seine Hand gegen die Schläfe, aber so sehr er sich mühte, der Anflug von Erkenntnis verflüchtigte sich unter seinem verzweifelten Zugriff wie Nebel in der Sonne.

„Mist. Ich komm einfach nicht drauf.“ Wütend schlug Matt mit der Faust gegen die Scheibe.

Rulfan, der den Zeppelin pilotierte, saß nur etwa zwei Meter von Matt entfernt, die Beine breit gestellt, im Pilotensessel. Wie die anderen Passagiere auch drehte er sich zu dem Mann aus der Vergangenheit um.

„Sachte, sachte. Oder willst du uns zum Absturz bringen?“ Das Blinzeln seiner roten Augen zeigte, dass er es nicht ernst meinte.

Matt Drax ließ seine Blicke durch die rund zehn Meter lange Passagierkanzel wandern. Aruula saß im Schneidersitz auf dem holzbeplankten Boden und war gerade damit beschäftigt, die blauen und grünen Linien auf ihrem Körper, die sie ihrem Gott Wudan zu Ehren trug, mit Pflanzenfarbe nachzuziehen. Xij, die Rulfan ausnahmsweise nicht damit nervte, sie doch auch mal das Luftschiff fliegen zu lassen, hockte Aruula mit unanständig weit gespreizten Beinen gegenüber und hatte interessiert zugeschaut, doch im Moment fokussierte sich ihr Jungengesicht ganz auf Matt.

Im hinteren Teil der Kanzel öffnete sich eine niedrige Aluminiumtür. Ein über zwei Meter großer dürrer Mann, ganz in schwarzes Leder gekleidet, erschien: Alastar, der Chefexekutor der Glesgoer Stadtherren – und der Mann, der Nimuee gerettet hatte, die Mutter Arfaars. Das änderte aber nichts daran, dass er zum Fürchten aussah. Eine dicke feuerrote Narbe zog sich längs durch seine linke Gesichtshälfte, direkt über das Auge, das nur noch aus einer leeren Höhle bestand. Der Schwerthieb eines Gegners hatte ihm einst den Schädel gespalten. Die dünnen schwarzen, strähnigen Haare, die er oft zum Zopf gebunden trug, die jetzt aber lose bis zu den Knien hinunterhingen, verstärkten den Eindruck noch, der Mann habe bereits viele Jahre in einem Grab verbracht und sei ihm auf irgendeine rätselhafte Weise wieder entkommen. Gegen ihn sah selbst ein Nosfera aus wie das blühende Leben.

Alastar kam soeben vom Abtritt zurück, den Pat Pancis in die MYRIAL II eingebaut hatte. Das war auf einer derart langen Reise, auf der sie nicht immer nach Bedarf landen würden können, unerlässlich.

Wie lang wird unsere Reise wirklich dauern?, dachte Matt unwillkürlich. Wir wissen ja nicht mal genau, wo das Ziel liegt …

Dann holte ihn das Lied wieder ein. Shalala-la-la-la-la-la …

Alastar schaute sich kurz um, ohne eine Miene zu verziehen. Dann setzte er sich auf eine der Seitenbänke und machte es sich so bequem wie möglich. Aus einem am Gürtel hängenden Beutel fingerte er ein Stück Gerulbraten, das er auf die Spitze eines seiner Kampfmesser spießte. Rulfan und er hatten fünf der kaninchengroßen Nager im Morgengrauen erlegt und über offenem Feuer gebraten. Das Frischfleisch war willkommene Abwechslung zu ihren Shmaldan-Vorräten.

When the day is dawning … shalala-la-la-la-la-la … Verdammt, was habe ich bloß plötzlich mit diesem blöden Shalala?, dachte Matt genervt. Wudan, wärst du so nett, mein Erinnerungsvermögen ein wenig anzukurbeln? Sonst krieg ich hier gleich die Krise …

Matt machte sich in letzter Zeit häufiger einen Spaß daraus, die Götter dieser Zeit anzurufen. Sie waren ihm zwischenzeitlich so vertraut, als sei er mit ihnen groß geworden.

Alastars Aufmerksamkeit konzentrierte sich nun ebenfalls auf Matt, da er merkte, dass es auch die anderen taten; dabei wanderten seine Blicke aber immer wieder Lidschläge lang zu Xij zurück. Matt war der Bursche – laut Rulfan eine wahre Kampfmaschine – nach wie vor nicht geheuer, vielleicht sogar ein wenig unheimlich, was aber ganz sicher nicht mit seinem Aussehen zusammenhing. Vielmehr ging etwas unglaublich Gefährliches von Alastar aus. Er konnte es nicht verbergen, auch wenn er ihnen allen den Eindruck eines friedlichen Mannes zu vermitteln versuchte. Aber wenn ein Auge je den Tod versprochen hatte, dann sein verbliebenes rechtes.

„Auf was kommst du nicht?“, drang Rulfans Frage in Matts Bewusstsein.

„Was? Ach so, ja.“ Drax fand in die Wirklichkeit zurück. „Entschuldige. Ich hab Agartha gemeint. Einen Moment lang glaubte ich mich zu erinnern, was es damit auf sich hat. Wegen Shalala-la-la-la-la-la …“

Rulfan musterte ihn mit seltsamen Blicken. „Shalala, ja?“

Aruula lächelte. „Wudan sei Dank hast du nicht heute Morgen im Wald gesungen, Maddrax. Sonst hättest du die Gerule verscheucht und wir müssten jetzt hungern.“

„Tony Christies langer Weg nach Amarillo“, sagt Xij, die bei der Nennung des Begriffs Agartha merklich zusammengezuckt war, leise. Trotzdem hörte es jeder.

Matt schluckte. Da war es also wieder, Xijs rätselhaftes Wissen aus alten Zeiten, aus seiner Zeit. Is this the way to Amarillo? Der Song war tatsächlich von Tony Christie gewesen. Woher wusste die junge Frau das alles? War sie eine Zeitreisende wie er? Und was hatte sie mit Agartha zu tun? Immer wieder murmelte sie den Namen im Schlaf, wenn sie sich unruhig hin und her wälzte und schlimm zu träumen schien. Im Wachzustand konnte sie mit dem Begriff aber nichts anfangen … jedenfalls gab sie das vor. Wenn es stimmte, existierte aber zumindest eine Verbindung ins Unterbewusste.

Matts Gedanken schweiften weiter, denn momentan konnten sie alle kaum etwas anderes tun; keiner verspürte wirkliche Lust zum Reden. Seit einer halben Stunde flogen sie parallel zu den karpatischen Alpen, die, verglichen mit ihrem Ziel, eine bessere Maulwurfsaufschüttung darstellten. Matt lächelte einen Moment vor sich hin, als ihm dieser Gedanke kam.

Tatsächlich waren sie auf dem Weg zum „Dach der Welt“, zum Himalaja, denn dort sollte sich Agartha befinden – was immer es auch war. Eine Stadt? Ein Land? Eine Person? Ein Heiligtum?

Was Matt und den anderen weit mehr als diese Frage im Magen lag, war allerdings, was es laut Alastar dort geben sollte:

Weitere Versteinerte! Der Chefexekutor war sicher, dass das Wesen, das für die Versteinerungen in Euree verantwortlich war, in oder bei Agartha seinen Ursprung hatte. Was einer Zeitbombe gleichkam, die das Ende der ganzen Menschheit heraufbeschwören konnte.

Diese Nachricht war vor dem Hintergrund dessen, was Matt und Aruula mit Mutter und deren Schatten erlebt hatten, derart alarmierend, dass sie keine andere Möglichkeit gesehen hatten, als das Lager der Ex-Versteinerten und deren Geheimnis erst einmal zurückzustellen, bis das Übel an der Wurzel bekämpft und ein für alle Mal ausgerottet war, wie Alastar es formuliert hatte. Obwohl Matt es zuerst für ausgemachten Unsinn gehalten hatte, einen unbekannten Ort inmitten des Himalaja zu suchen. Die Chance, die berüchtigte Nadel im Heuhaufen zu finden, war seiner Ansicht nach größer. Doch Alastars Argumentation, Xij könne sich vielleicht wieder erinnern, wenn sie vor Ort war, war so abwegig nicht und so wollten sie das Abenteuer wagen.

Shalala-la-la-la-la-la … Ach, Mist …

Lass uns über Agartha reden, Alastar“, schlug Matt vor. „Vielleicht taucht ein weiteres Schlüsselwort auf, das meiner Erinnerung auf die Sprünge hilft.“

„Du meinst, neben Shalala?“ Rulfan grinste erneut.

„Ja, Shalala“, erwiderte Matt leicht gereizt. „Und jetzt hältst du gefälligst die Klappe, mein Lieber, und fliegst geradeaus, ja? Damit sich die Erwachsenen in Ruhe unterhalten können.“

„Ist man mit achtzehn erwachsen? Oder erst mit einundzwanzig?“, philosophierte Xij mit plötzlich trübem Blick, der in weite Ferne gerichtet schien. „Ist es richtig, Jugendlichen schon mit sechzehn den Führerschein zu geben?“

„Was ist ein Führerschein?“, fragte Aruula.

Matt spürte, wie es ihn eiskalt überlief. „Also, Alastar, wie war das noch?“, fragte er schnell, um sich abzulenken. „Wie bist du auf die Versteinerten gestoßen?“

Das Gesicht des Chefexekutors verzerrte sich. Wahrscheinlich lächelte er gerade – wenn er überhaupt zu so einer Regung fähig war. Dann spuckte er einen kleinen Knochen aus, der sich im Gerulbraten befunden hatte, und erzählte die Geschichte, die alle im Luftschiff bereits ausführlich kannten, erneut.

„Hm. Außer Shalala bewegt sich da nichts.“ Matt tippte sich an die Stirn und musste nun selbst grinsen.

Alastar nickte. „Hör zu, Maddrax, ich mache dir einen Vorschlag. Mein Vater hat mich einst die Hypnose gelehrt, denn er war selbst ein überragender Hypnotis. Ist dir diese Form der Beeinflussung bekannt? Weißt du, dass Hypnose verschüttete Gedächtnisbereiche freilegt und Sperren lösen kann?“

Matt starrte den Einäugigen an. „Ja, ist mir durchaus bekannt. Du kannst also tatsächlich Menschen hypnotisieren?“

„Wie ich bereits sagte.“

Matt nickte zögerlich. „Also gut. Dann versuchen wir’s auf diesem Weg. Obwohl ich mich dabei nicht wohl fühle.“

Er warf einen schnellen Blick zu Aruula, aber die würde ihm mit ihren mentalen Kräften nicht beistehen können. Seitdem sie mit Alastar zusammen waren, versagte ihr Lauschsinn. Der Exekutor schien irgendetwas zu besitzen – eine Gabe oder ein Hilfsmittel –, das jede Telepathie in seiner Nähe unterband.

Alastar erhob sich und stieß dabei fast an die Kabinendecke. „Ich versichere dir, du bist nicht in Gefahr. Übrigens …“, er wandte sich an Xij, „… könnte ich auch dich hypnotisieren, um dein Agartha-Geheimnis dem Dunkel entreißen.“

Gewandt kam die junge Frau auf die Beine. Erschrocken starrte sie den Einäugigen an. „Das würde dir so passen, Kampfmaschine. Aber das kannst du dir abschminken. Ich bin weder mit einer direkten noch einer indirekten Hypnose einverstanden und habe auch keine positive Einstellung dazu. Mit einem autoritären Beziehungsmuster, in dem du die dominierende Rolle hast, bin ich ebenfalls nicht einverstanden. Ich akzeptiere es nicht, also kannst du mich nicht hypnotisieren, auch nicht durch eine Blitzinduktion.“

Matt kniff die Augen zusammen. Er war wohl der Einzige, der einigermaßen verstand, was Xij gerade von sich gegeben hatte. Schon öfters hatte sie durch solche Reden angedeutet, dass sie sich in den verschiedensten Naturwissenschaften bestens auskannte, in der Geschichte ebenfalls und wohl auch in der Psychologie.

Xij wurde Matt immer unheimlicher. Plötzlich musste er an den Grafen von St. Germain denken, dem angedichtet worden war, uralt und in allen Wissenschaften bewandert zu sein und durch die Zeiten reisen zu können.

Das hab ich immer für himmelschreienden Unsinn gehalten, und jetzt bin ich selbst ein Zeitreisender. Der Graf von Drax der Postapokalypse sozusagen …

Alastar setzte nach Xijs Ablehnung nicht nach. Matt erbat sich zehn Minuten Vorbereitungszeit, in der er sich mit Aruula in eine Ecke zurückzog. Danach setzte er sich auf eine Bank und versuchte sich zu entspannen. Doch das war schwierig, denn er bekam seinen Erregungspegel kaum herunter.

Alastar nahm die silberne Kette ab, an der er einen kleinen goldenen Totenkopf um den Hals trug. Langsam ließ er das makabere Schmuckstück vor Matts Augen pendeln. Dies sollte die Augenmuskeln ermüden und die Neigung, in Trance zu gehen, verstärken. Als das nicht funktionierte, wandte Alastar eine Methode an, die Xij als „Blitzinduktion“ bezeichnet hatte. Er streckte Matt die Hand entgegen. „Schlag ein“, sagte er.

Matt streckte nun ebenfalls ganz automatisch seine Rechte aus. Doch bevor sie Alastars Hand erreichte, formte der mit seiner eine Schale, fuhr damit unter Matts Hand und führte sie ihm vor die Augen.

Damit hatte der Mann aus der Vergangenheit nicht gerechnet. Die Unterbrechung der automatischen Verhaltensweise sorgte für eine Rückfrage von Matts Verstand in seinem Unterbewusstsein, um zu sehen, ob dort Lösungen verankert waren, wie man die neue Situation am besten auflösen konnte. Während die Rückfrage lief, entstand für einige Momente ein leerer Raum in Matts Bewusstsein, eine Art Fenster ins Unterbewusstsein, und dieses nutzte Alastar aus. „Denk an Agartha“, sagte er mit tiefer, monotoner Stimme – und sprach nun Matts Unbewusstes direkt an.

Commander Matthew Drax seufzte für einen Moment. „Ich denke an Agartha“, erwiderte er.

„Was ist Agartha?“

Die Spannung war nun förmlich zu greifen. Rulfan hatte sich in seinem Sitz umgedreht. Xij starrte mit zusammengekniffenen Augen auf Matt, während sich auf ihrem ganzen Körper Gänsehaut bildete. Nur Aruula saß scheinbar desinteressiert auf dem Boden, die Beine angezogen und das Gesicht zwischen die Knie versenkt.

„Agartha ist ein mythischer Ort“, sagte Matt ohne zu zögern mit klarer Stimme. „In Asien gibt es die Legende, dass unterhalb des Himalaja ein unermessliches Reich liegen soll, das von einem König der Welt regiert wird, der die Geschicke aller Herrscher der Erde beeinflusst. Von Agartha aus wird also der ganze Planet regiert.“

Xij begann unkontrolliert zu zittern, Aruula hob den Kopf und fasste sich an die Schläfen.

„Was weißt du noch über Agartha?“, fragte der Chefexekutor.

„Ich habe einmal gehört, dass Shangri-La und Agartha ein und dasselbe sein sollen.“

„Wie kann man Agartha oder Shangri-La erreichen?“

„Der Eingang zu diesem sagenhaften Reich soll sich irgendwo in Tibet befinden.“

„Was weißt du noch, Maddrax? Erinnere dich genau.“

„Ich weiß nichts weiter. Ich habe nur ein- oder zweimal von Agartha gehört.“

„Shangri-La, Shambala, das buddhistische Paradies“, flüsterte Xij. „Shangri-La, Shalala – diese Ähnlichkeit hat Matts Erinnerung fast geweckt. Aber nur fast. Machtvolles Agartha. Was ist da aus den Fugen geraten?“

Alastar holte Matt aus der Trance zurück. Xij konnte sich nicht mehr an ihre Worte erinnern, sie war wohl kurzzeitig selbst in Trance gewesen. Rulfan hatte aber jedes einzelne Wort genau gehört.

Matt besaß nun sein verschüttetes Wissen wieder. Es war wenig genug, elektrisierte aber vor allem Alastar und Xij.

Der weitere Flug über Rumänien und Bulgarien verlief zum großen Teil schweigend. Als es dämmerte, landete Rulfan die MYRIAL II in einem weiten Tal, das durch die umliegenden hohen Berge einigermaßen vor den eisigen Winden geschützt war. Da sich in der näheren Umgebung keine Höhlen fanden, schliefen sie in warme Felle verpackt in der knarrenden und ächzenden Gondel. Bei Tagesanbruch würden dann Matt und Aruula auf Jagd gehen, sie waren dafür eingeteilt.

Als sie frühmorgens auf Schneeschuhen in die umliegenden Wälder stapften, fand Matt, dass er seine Neugier nun lange genug gezügelt hatte. „Hast du ihn belauscht, als er auf mich konzentriert war?“

„Ja, Maddrax.“ Aruula zog die Fellkapuze etwas enger. „Aber es war genau wie beim ersten Mal. Ich bin wieder auf die grauschwarze Mauer gestoßen, die mir Schmerzen bereitet. Es ist mir nicht gelungen, diese Mauer zu überwinden. Alastar lässt sich nicht belauschen.“

„Ich gehe jede Wette ein, dass er über eine Art … Telepathieblocker verfügt, irgendein Gerät der Technos“, sagte Matt. „Deshalb kannst du auch die Gedanken der anderen nicht mehr erspüren. Bevor wir das Ding nicht finden und außer Kraft setzen, werden wir nicht wissen, ob er lügt oder die Wahrheit sagt.“

„Vielleicht trägt er es gar nicht bei sich, sondern es ist in ihm drin.“ Aruula erschauderte. „Es kommt mir so vor, als sei er gar kein Mensch.“

Sie konzentrierten sich auf die Jagd. Matt gelang es, mit dem Driller ein mächtiges Rind zu erlegen, das sie in dieser Form noch niemals gesehen hatten. Mit Hilfe der anderen wurden die besten Stücke herausgeschnitten, zum Luftschiff transportiert und dort gebraten. Am späten Vormittag stieg die MYRIAL II wieder in die Luft.

Alastar saß stundenlang an einem Fenster und starrte hinunter auf die gleichförmige weiße Landschaft, die kaum Abwechslung bot, höchstens einmal einzelne Tiere oder Dörfer. Er war heute nachdenklicher als sonst.

Vergangenheit, Anfang August 2526

Jeef erwachte vor Tagesanbruch. Der Sturm pfiff um das Haus und ließ es ächzen und stöhnen. Einen Moment lang überlegte der Fünfzigjährige, ob er sich einfach umdrehen und weiterschlafen sollte, so wie seine liebe Frau Gaath neben ihm, die mit einem beneidenswert tiefen Schlaf gesegnet war. Doch er widerstand seinem inneren Schweinehund, der mit den Sommern immer stärker geworden war, und quälte sich aus den warmen Decken. Die Spannung unter Jeefs mächtigem Bauch war so unerträglich stark, dass er für einen Moment ...

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Maddrax - Folge 287" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen






Teilen