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Maddrax - Folge 286

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah
  4. Der Körperlose Herrscher
  5. Leserseite
  6. Zeittafel
  7. Comic
  8. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde. In der Folge verschiebt sich die Erdachse und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler – zur Erde gelangt sind und schuld an der veränderten Flora und Fauna sind. Nach langen Kämpfen mit den Daa’muren und Matts „Abstecher“ zum Mars entpuppt sich der Wandler als lebendes Wesen, das jetzt erwacht, sein Dienervolk in die Schranken weist und weiterzieht. Es flieht vor einem kosmischen Jäger, dem Streiter, der bereits seine Spur zur Erde aufgenommen hat!

Ein Siliziumwesen, einst in Ostdeutschland aus der Erde geholt und in den Zeitstrahl geraten, kollidierte dort mit einer Karavelle und fiel aus dem Strahl. Seitdem absorbiert es Lebensenergie und versteinert Menschen. Als Zuträger dient ihm die schattenhafte Besatzung des Schiffes, die als erstes eine Techno-Enklave auf der Insel Guernsey überfällt. Die marsianische Besatzung der Mondstation erleidet dasselbe Schicksal. Und auch Matts Staffelkameradin Jenny Jensen in Irland wird zu Stein, während ihre gemeinsame Tochter spurlos verschwindet.

Am Südpol verbindet sich in einer uralten Waffenanlage ein bionetisches Wesen mit General Arthur Crow, Matts Gegenspieler. Die genetische Chimäre macht sich auf den Weg zu den Hydriten, wird von ihnen aber abgewiesen. Crow übernimmt den gemeinsamen Körper und erobert Washington.

Zurück vom Mars, wo Matt die Regierung gegen den Streiter einschwor und ein Ur-Hydree namens Quesra’nol durch den Strahl zur Erde floh, gelingt es ihm und Aruula, das Steinwesen von der Karavelle zu trennen. Im gleichen Moment kehrt das Leben in die Versteinerten zurück. Der Stein gelangt zu einer Kolonie nahe der Hydritenstadt Hykton und zu Quesra’nol. Sein Ziel ist es, zu seinem Ursprung zurückzukehren.

In Schottland treffen Matt und Aruula auf die junge Xij, die sich ihnen anschließt. Sie finden Ann und bringen sie nach Irland zu Jenny, die sie freudig aufnimmt. Alles scheint in Ordnung zu sein, und so wenden sich Matt, Aruula und Xij einem neuen Ziel zu: einem Raumschiff, das ist Osteuropa abgestürzt sein muss. Kaum sind die Freunde weg, bauen die Dörfler fanatisch an einem Boot – so wie offenbar alle Entsteinerten. Sie wollen nach Osten – auch die Ex-Queen Victoria Windsor, die in London zu den Freunden stößt. In der Nähe von Stralsund finden sie endlich auf die Absturzstelle und stellen fest, dass die Entsteinerten in der Nähe eine große Halle erbaut haben. Den Versuch der Freunde, mehr herauszufinden, vereiteln die Menschen, zu denen auch Jenny und Angehörige aus Aruulas Volk zählen und zu denen Victoria nun überläuft.

Der körperlose Herrscher

von Michelle Stern

Ende Dezember 2526, Ostdeutschland

Die Augen von Matt Drax wurden weit, als sich der große Zeppelin bedrohlich herabsenkte. Er griff automatisch nach dem Driller, neben ihm zog Aruula in einer fließenden Bewegung ihr Schwert.

Xij machte keine Anstalten, ihren Nadler zu ziehen. „Sie sind noch zu weit entfernt. Lasst uns lieber in Deckung gehen.“

Matt blieb, wo er war, und behielt den Zeppelin im Auge. „Zu spät. Die haben uns doch längst gesehen.“ Warum sonst sollte das Luftschiff so zielstrebig auf sie zuhalten?

Eine Luke in der Gondel klappte auf. Ein breitschultriger Mann tauchte schattenhaft darin auf. Matthew Drax hob den Driller schussbereit an.

Matt kniff die Augen zusammen und versuchte den Mann besser zu erkennen. Er war breitschultrig, hatte langes weißes Haar und ….

„Rulfan!“, stieß Aruula neben ihm hervor. Sie ließ das Schwert sinken. „Bei Wudan, das ist Rulfan! Aber seit wann hat er einen so großen Zeppelin?“

Xij hob eine Augenbraue. „Rulfan? Da hatte aber jemand Sehnsucht nach euch. Ich dachte, der Gute wollte in Schottland seinen Nachwuchs hüten.“

Rulfan winkte ihnen zu. Matt wartete aufgeregt, aber auch nervös, bis der Zeppelin auf der freien Fläche neben dem Baum zur Landung ansetzte. Was war geschehen? Gab es Probleme mit den Technos auf Guernsey? Oder war der hochschwangeren Myrial etwas zugestoßen, die sie vor wenigen Wochen erst auf dem Weg nach Osten getroffen hatten?1)

„Machen wir ihn fest!“, rief Matt seinen beiden Begleiterinnen zu. Sie schnappten sich je eine der drei Halteleinen, die von der Spitze und der Gondel des Luftschiffs herabhingen, und knoteten sie an Bäumen und Buschwerk fest.

Rulfan rollte eine Strickleiter aus und verließ den Zeppelin, kaum dass er nah genug am Boden war. Er kam auf Matt und Aruula zu, um sie herzlich in die Arme zu schließen. Auch Xij zog er an sich, was der jungen Frau durchaus zu gefallen schien. Sie blinzelte Aruula verschmitzt zu und deutete auf Rulfans wohlgeformtes Hinterteil. Aruula grinste kopfschüttelnd.

Hinter Rulfan kam ein dünner Hüne die Leiter herunter. Er sah aus wie der Tod auf zwei Beinen. Sein Gesicht wirkte unheimlich und die martialische Lederkluft machte den Gesamteindruck nicht besser. Matt schätzte ihn instinktiv als guten Krieger ein.

Rulfan winkte den Fremden heran. „Matt, das ist Alastar. Er ist der Chefexekutor der Reenschas und gemeinsam mit mir auf einer Mission, der ihr euch hoffentlich anschließt.“

Alastar lächelte breit und gab ihnen nacheinander die Hand. „Das hoffe ich in der Tat. Wir können jede Hilfe gebrauchen.“

Matt sah seinen Blutsbruder forschend an. „Wohin seid ihr unterwegs?“

Rulfans Gesicht war ernst, ihm schien die Angelegenheit sehr wichtig zu sein. Sein Blick ging zu Xij, die am Rand der Gruppe stand, als er sagte: „Nach Agartha.“

Xij Hamlet zuckte heftig zusammen.

Matt sah, dass auch Alastar das Mädchen aufmerksam musterte. Sicher hatte Rulfan ihm gesagt, dass Xij diesen Namen schon öfters erwähnt hatte – nachts, während sie schlief. Auch ihm selbst sagte das Wort irgendetwas, doch er konnte sich nicht erinnern.

„Agartha?“, echote er. „Ihr wisst, was das Wort bedeutet?“

Rulfan nickte. „Und was dort vorgeht“, sagte er geheimnisvoll.

Matthew lief es kalt den Rücken hinab. Was immer Rulfan damit sagen wollte, es musste ein Vorfall höchster Priorität sein, wenn er dafür Myrial erneut alleingelassen hatte. Schließlich hatte er vor der Reise nach Guernsey seiner jungen Frau versprochen, nach der Rückkehr ganz für sie da zu sein.

Rulfan schlug ihm kameradschaftlich auf die Schulter. „Lass uns das an einem Lagerfeuer besprechen. Wir haben uns viel zu berichten.“

Matt sah sich misstrauisch um. Die Ex-Versteinerten schienen ihnen nicht gefolgt zu sein, aber vielleicht würde das weithin sichtbare Luftschiff sie herlocken. „Machen wir das lieber an Bord eures Zeppelins“, sagte er. „Diese Gegend ist nicht sicher. Auch ich habe einiges zu erzählen.“

Neu-Martok’shimre, Oktober 2526

Meere. Unendliche Wellenberge, die sich mit wilder Kraft aufbäumten, über sich hinauswuchsen und laut brodelnd metertiefe Täler hinabstürzten. Ein Strömen und Fließen in unbändiger Perfektion. Freiheit.

Irgendwann einmal hatte er sie besessen, und irgendwann einmal hatte es jene Berge und Täler aus schäumendem Smaragdwasser gegeben, die für ihn ein Sinnbild der Freiheit waren. War es Wochen her oder Jahrmillionen? Nein, es war nicht auf diesem Planeten gewesen, sondern auf einer anderen Welt, die er verlassen musste. Einer Welt, in die es kein Zurück mehr gab.

Quesra’nols Sichtfeld verschwamm vor seinen lidlosen Augen. Die Färbung seines knorpeligen Scheitelkamms zeigte seine Trauer. Er war kein Hydrit wie die anderen Hydriten, die in dieser von pulsierenden roten Seesternen erhellten Grotte als Wächter dienten. Er war ein Hydree und stammte von Rotgrund – so hatten er und die Seinen einst den Mars genannt. Er hatte die Hydree Rotgrunds vor den Gefahren des schwarzen Kristalls gerettet, doch dabei war er in ein Zeitverzögerungsfeld geraten und hatte unvorstellbare dreieinhalb Milliarden Jahre darin überbrückt.2)

Danach hatte er feststellen müssen, dass Rotgrund nicht mehr sein Planet war. Es gab keine Hydree mehr, sondern Menschen; Siedler, die von Ork’huz gekommen waren, der Erde. Sie hatten neue Meere geschaffen, eine Atmosphäre mit Wolken und Regen, und den Rotgrund zu ihrer Heimat gemacht. Ihm war nur die Flucht geblieben. Durch einen Zeitstrahl war er um wenige Wochen versetzt auf der Erde gelandet, dem Planeten, auf den auch die Hydree Rotgrunds geflohen waren, als die Atmosphäre immer dünner wurde und die Meere ihrer Heimatwelt austrockneten. Dort hatte er Artgenossen zu finden gehofft – und diese auch gefunden. Doch das andere, das er so verzweifelt gesucht hatte, war ihm in den Flossenhänden zerronnen: seine Freiheit.

Denn kaum hatte er sich einer Pilgergruppe angeschlossen, um nach Hykton zum weisen Propheten Gilam’esh zu reisen, hatte eine Gruppe von Mar’os-Jüngern – fleischfressende Hydriten, die wegen ihrer vergrößerten Tantrondrüsen besonders aggressiv waren – ihn verschleppt. Sie wollten ihn zwingen, für sie am Bau einer Stadt zu arbeiten, die sie Neu-Martok’shimre nannten.

Offensichtlich hatte es auf Ork’huz viele Schlachten unter den Nachfolgern der Hydree gegeben. Diese Nachfolger nannten sich Hydriten, und schon früh waren Kriege zwischen ihnen entbrannt. Ganze Städte waren mit furchtbaren Waffen verdampft worden. Eine dieser Städte war Martok’shimre gewesen, die Heilige Stadt der Mar’osianer, die nach ihrem Ahnherrn und Gott Martok’aros benannt war. Im Namen ihres Gottes wollten sie Quesra’nol in ihre Dienste zwingen, doch es war anders gekommen.

Er fokussierte den Blick und sah mit träger Teilnahmslosigkeit durch die künstlich erschaffene Unterwasserhöhle. Er wusste, er sollte Schmerz und Verzweiflung empfinden, denn obwohl er auf einem Thron aus Muschelschalen saß, war er ein Sklave und nicht mehr Herr seiner selbst. Aber er konnte es nicht.

Sein Blick richtete sich in einer Mischung aus Hingabe und unterschwelligem Zorn auf den faustgroßen Stein, der auf einer Stele drei Schwimmzüge entfernt vor dem neu erbauten Altar aus Lavagestein lag. Dieser Stein hatte ein Bewusstsein und nannte sich Mutter. Quesra’nol hatte oft versucht, mehr über Mutter zu erfahren, doch sie hütete ihre Geheimnisse. Er legte den Kopf schief und atmete tief durch die Kiemen das Grottenwasser ein.

Wusste Mutter mehr über sich, als sie preisgab, oder war sie sich selbst ein Rätsel?

Fest stand, dass sie mentale Kräfte besaß und anderen Wesen ihren Willen aufzwingen konnte. Sie faszinierte und ängstigte ihn und nahm ihm zugleich nahezu jedes Gefühl. Ihm war, als sei er ein Teil von ihr, obwohl er wusste, dass er das nicht war. Er war ein Sklave und er konnte nichts anderes tun, als dieses Schicksal zu tragen. Vielleicht war es die Strafe für die vielen Hydree, die er auf Rotgrund hatte töten müssen, um der Macht des Schwarzen Kristalls Einhalt zu gebieten. Vielleicht war es aber auch eine Laune des Schicksals.

Das große Tor mit den mächtigen Korallengriffen öffnete sich und eine in Gold gekleidete Hydritin schwamm herein. Hinter ihr brachten zwei Wächter eine weitere Hydritin, die bis auf einen Lendenschurz aus Fischleder nackt war und sich verzweifelt gegen die Griffe ihrer Bewacher zur Wehr setzte. Sie schlug und trat um sich, doch die beiden mit Hummerpanzern gerüsteten Hydriten wichen den Tritten aus und hielten sie eisern fest.

In den Türkisaugen der Hydritin spiegelte sich ihre Verzweiflung und Frucht. Sie sah sich panisch um und entdeckte ihn in der Nähe der Stele auf dem Muschelthron. Ihr Scheitelkamm richtete sich hoffnungsvoll auf. „Quesra’nol!“, klackte sie flehend. „Quesra’nol, sag ihnen, sie sollen mich loslassen! Bitte, Quesra’nol!“

Er starrte sie unbeteiligt an. Wie war noch ihr Name? Ira … Ina … Er entsann sich nicht.

Sie bäumte sich auf. „Lasst mich frei!“

E’fah drehte sich um. Quesra’nol sah, dass sie ebenso unbeteiligt war wie er. Auch sie war unter den Einfluss von Mutter geraten. Das Steinwesen kontrollierte jeden ihrer Gedanken. Ihr breites Gesicht mit den leicht hervorquellenden Augen zeigte im roten Licht der Seesterne keine Emotion. Ihr Schnalzen klang harsch.

„Sei still. Du stirbst für eine gute Sache. Du solltest dankbar sein, von Mutter erwählt zu werden.“

Ihre Worte lösten die Panik der Gefangenen erst richtig aus. Sie klackte in hellen Schreien und geriet in Raserei. Zwei weitere Wachen mussten sie festhalten, während E’fah nach einer Knolle griff, die sie in einem Beutel an ihrem goldenen Lendenrock befestigt trug.

Sie presste die Knolle in den Mund der Hydritin. Die versuchte den Übergriff abzuwehren, hatte aber keine Chance gegen die vier gerüsteten Krieger. E’fah griff unter ihr Kinn und zwang sie, zu kauen. Nur Augenblicke später entspannte sich die Gefangene.

Beeilt euch, es wird nicht lange dauern, bis die Faruuknolle nicht mehr wirkt, hörte Quesra’nol eine mentale Stimme in seinem Kopf, die er herbeisehnte und zugleich verabscheute: die Stimme von Mutter. Sie war eines der wenigen Dinge, die ihm ein Gefühl von Freude schenkten – und doch wusste er, dass auch das nur ein Zwang war, den Mutter ausübte. Sie sorgte dafür, dass er ihre Stimme gern hörte, damit er ihr ergeben blieb. Sie pflanzte ihm immer wieder den Gedanken ein, dass er sie schützen musste, mit allem, was er hatte, und dass nichts außer ihr und ihrem Willen eine Rolle für ihn zu spielen hatte.

E’fah klackte zustimmend und zog die wie betäubt wirkende Hydritin auf den Altar. Wenn ihm doch nur ihr Name eingefallen wäre. Er war wichtig, dieser Name. Die Hydritin war wichtig, denn er kannte sie. Aber woher?

Quesra’nol! Träum nicht! Die Stimme Mutters war ein mentaler Peitschenschlag. Ergeben beeilte er sich, seine Aufgabe zu erfüllen. Unter den wachsamen Blicken von vier weiteren Wächtern stieß er sich vom Thron ab und schwamm zur Stele, auf der Mutter lag. Der Stein war inzwischen ganz von der durchsichtigen Bernsteinschicht befreit worden, in die er bei seiner Ankunft in Neu-Martok’shimre gehüllt gewesen war. Im Licht der pulsierenden Seesterne an der Höhlendecke schimmerte er wie schwarzer Quarz. Das rote Leuchten, das ihn einst erfüllt hatte, war vollständig erloschen.

Quesra’nol trug Handschuhe aus Fischleder und achtete sorgsam darauf, den Stein dennoch nicht zu berühren, da er nicht sicher war, ob der Schutz durch die Handschuhe ausreichte. Er griff nach der kunstvoll bearbeiteten Steinplatte, die auf der Stele lag. Zusammen mit der Platte hob er Mutter hoch.

E’fah hatte die namenlose Hydritin mit bionetischen Schlingen am Steinaltar fixiert. Alle acht Wachen, die sich im Raum befanden, bildeten ein Ehrengeleit von der Stele zum Altar. Sie schwammen aufrecht, mit grimmigen Blicken, und bildeten ein Spalier. Obwohl sie sich bemühten, ihre Blicke gerade zu halten, bemerkte Quesra’nol, wie sie Mutter und ihn heimlich anstarrten. Für sie war der Stein Quell einer göttlichen Gewalt, die tödlich war, und er war ihr Auserwählter.

Mutter hatte die Macht, Lebendiges zu versteinern, und jeder im Raum fürchtete sie. Auch Quesra’nol wurde gefürchtet, denn die Mar’os-Jünger konnten die Gedanken Mutters nicht lesen, wenn sie es nicht wünschte, und wussten nicht, wie sehr er ihr Diener war.

Es war ein denkwürdiger Moment, denn es war das erste Mal, dass Mutter ein Hydrit geopfert wurde. Zwar hatte das Steinwesen bereits bei seiner Ankunft eine Hydritin in der Lavagrotte versteinert, doch war es zu diesem Zeitpunkt noch nicht bei vollem Bewusstsein gewesen.

Erst die Versteinerung und Quesra’nols Nähe hatten dafür gesorgt, dass Mutter erwacht war. Sie sagte, er habe einen Glanz an sich. Deswegen hatte sie ihn und E’fah bei sich gelassen, wenn auch der Glanz an E’fah weit geringer war als seiner.

Feierlich trug er Mutter zum Altar und stellte die Platte auf der Brust der namenlosen Hydritin ab. Sie regte sich nicht und sah mit unfokussiertem Blick von ihm fort. Die Knolle würde ihre Wirkung tun, bis der Tod eingetreten war und ihre Haut zu Stein wurde. Mit etwas Glück würde sie ihr Sterben nicht einmal spüren.

Mit großer Vorsicht kippte Quesra’nol die Platte und Mutter rutschte und sank durch das Wasser auf die Brust der Hydritin. Er konnte ihre Vorfreude und ihre Gier spüren. Mutter war hungrig. Sobald sie die nackte Schuppenhaut berührte, trank sie in großen Schlucken von der Lebenskraft der Hydritin, deren Augen aus den Höhlen zu quellen schienen. Dabei glühte der Stein schwach auf und zeigte ein rotes Aderngeflecht, das pulsierend erstrahlte und verblasste.

Die Namenlose klackte röchelnd, sonst regte sie sich nicht.

In Gedanken hörte Quesra’nol die Stimme des Steinwesens: Ich will mehr! Muss mehr trinken!

Er spürte, wie sich Mutters Gefühle schlagartig änderten. Ihre plötzlich aufflammende Wut war wie ein mentaler Dolch, der durch sein Gehirn stieß. Er hielt sich den Kopf und zog im Wasser die Knie ein Stück nach oben. „Was ist mit dir, Mutter?“, fragte er. „Was ist geschehen?“

Nicht genug!, hallte die mentale Stimme in ihm. Sie gibt mir nicht genug! Schafft sie fort!

Ehe Quesra’nol reagieren konnte, war E’fah bereits vorgestoßen, löste die bionetischen Schlingen und packte die namenlose Hydritin an den Schultern. Der Stein geriet ins Rutschen und sank vom Brustkorb in Richtung Grottenboden. Geistesgegenwärtig fing Quesra’nol ihn mit der verzierten Prunkplatte auf.

In E’fahs hartem Griff klärte sich der benommene Blick der Hydritin. Sie schien große Schmerzen zu haben, ihr Klacken war gurgelnd, als sei ein Teil von ihr bereits zu Stein geworden. In ihrem Blick stand blankes Entsetzen und ihr Gesicht zeigte Todesangst. Sie zappelte wie ein Fisch am Haken, während sie von E’fah in eine aufrechte Haltung gezogen wurde. Eine der Wachen unterstützte sie dabei.

Das war ein Fehler! In ihrer Panik griff die Hydritin nach dem Harpunengewehr des Wächters und riss es ihm von der Schulter. Mit der Kraft der Verzweiflung stach sie nach ihm, traf den Wachhydriten mit der Spitze am Hals und stieß im nächsten Moment den Schaft wuchtig in E’fahs Magen. Dann fuhr sie herum – und zielte auf Quesra’nol! Der verharrte wie erstarrt. Gleich musste ihn die abgeschossene Harpune tödlich treffen!

Dass sie nicht auf ihn direkt zielte, begriff Quesra’nol erst, als der schlanke Bolzen auf die Prunkplatte zusauste, die er noch immer in den Händen hielt. Die Fremde griff Mutter an!

Er riss die Platte erschrocken nach oben, um sie aus der Schusslinie zu bringen, aber es war zu spät. Mutters mentale Stimme gellte in seinem Kopf. Sie war getroffen!

Fast zeitgleich jagten die drei Harpunen der restlichen Wächter in den Körper der Namenlosen, durchschlugen deren Oberkörper und traten auf der Brust aus. Die Getroffene röchelte und berührte eine der Bolzenspitzen mit verständnislosem Blick, als könne sie nicht begreifen, was geschehen war. Blut quoll hervor und verteilte sich wie feiner Nebel im Wasser.

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