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Maddrax - Folge 281

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah
  4. Bausteine des Lebens
  5. Leserseite
  6. Zeittafel
  7. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde. In der Folge verschiebt sich die Erdachse und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler – zur Erde gelangt sind und schuld an der veränderten Flora und Fauna sind. Nach langen Kämpfen mit den Daa’muren und Matts „Abstecher“ zum Mars entpuppt sich der Wandler als lebendes Wesen, das jetzt erwacht, sein Dienervolk in die Schranken weist und weiterzieht. Es flieht vor einem kosmischen Jäger, dem Streiter, der bereits seine Spur zur Erde aufgenommen hat!

Menschen versteinern durch ein von Harz ummanteltes Siliziumwesen. In Ostdeutschland aus der Tiefe der Erde geholt, geriet es einst in den Zeitstrahl und ernährte sich dort von Tachyonen, bis es mit der Blaupause einer Karavelle kollidierte und aus dem Strahl fiel. Seitdem absorbiert es Lebensenergie. Als Zuträger dient ihm die schattenhafte Besatzung des Schiffes. Auch Matts Staffelkameradin Jenny Jensen wird in Irland zu Stein, und ihre gemeinsame Tochter verschwindet spurlos. Die Suche nach ihr wird unterbrochen, als Matt die Chance erhält, die Mars-Regierung für den Kampf gegen den Streiter zu gewinnen.

In der Zwischenzeit entsteht am Südpol eine neue Gefahr: In einer uralten Waffenanlage verbindet sich ein bionetisches Wesen mit General Arthur Crow, Matts Gegenspieler. Die genetische Chimäre macht sich auf den Weg zu den Hydriten – nur um in Hyton bekämpft und abgewiesen zu werden. Crow übernimmt das Kommando, fällt über Washington her übernimmt dort die Macht.

Zurück vom Mars – wo der Ur-Hydree Quesra’nol aus einer Zeitblase durch den Strahl zur Erde fliehen konnte – landen Matt und Aruula im Mittelmeer. Eine Kontaktaufnahme mit der Mondstation scheitert. Die beiden ahnen nicht, dass die Schatten ihrer Tachyonenspur folgen, während ein weiterer auf dem Mond fast alle Marsianer versteinert. Es gelingt ihnen, das Steinwesen vom Schiff zu trennen. Im gleichen Moment kehrt das Leben in die Versteinerten zurück – doch sie verhalten sich merkwürdig. Der Stein wird von einem Mar’osianer gefunden und zu einer Kolonie nahe der Hydritenstadt Hykton getragen, wo er auf Quesra’nol trifft. Sein Ziel ist es, endlich zu seinem Ursprung zurückzukehren.

Matt und Aruula nehmen die Suche nach der verschollenen Ann wieder auf. In Schottland treffen sie auf die junge Xij, die sich ihnen anschließt und gleich ein Fortbewegungsmittel beisteuert: einen Amphibienpanzer! Gemeinsam finden sie Ann, die auf Irrwegen zu Rulfans Burg gefunden hat, und machen sich mit ihr auf den Weg nach Irland, in der Hoffnung, dass auch Jenny wieder lebt.

Bausteine des Lebens

von Sascha Vennemann

Prolog

 

Schottland, Winter 2520

Er starb zum letzten Mal. Seine Kinder hatten ihn, den Hüter, unter einen Felsvorsprung gezogen. In ihren Gesichtern standen Tränen. Oder war es Regenwasser? Er hatte den Unterschied nie richtig verstanden.

Ein Teil von ihm wusste, dass auch sie sterben würden, nun, da er in die Ewigkeit einging. Er konnte sie nicht länger am Leben erhalten.

Der Hüter spürte die Hände, die über sein Fell und seine angelegten Flügel streichelten, hörte die sanften Worte seiner Kinder und schloss die Augen. Seine Einsamkeit hatte ein Ende.

Mehr hatte er nie gewollt.

Der „Hüter im See“ war tot.

Chiiftan Teggars Atem bebte, als er, von Weinkrämpfen geschüttelt, das lange zottige Fell der Kreatur streichelte, die ihm und allen Bewohnern der beiden Dörfer am See die Unsterblichkeit geschenkt hatte. Zumindest bis jetzt. Sein Freund und Kampfgefährte Mecloot kauerte neben ihm. Auch ihm liefen die Tränen das Gesicht herunter und benetzten die großen Klauenfüße des Wesens, das sie seit ewigen Zeiten verehrt hatten.

„Was soll nun werden?“, hauchte Mecloot leise. Die Verzweiflung in seiner Stimme jagte Teggar einen zusätzlichen Schauer über den Rücken. So am Boden zerstört hatte er seinen Weggefährten noch nie gesehen.

Im Hintergrund klangen der Sturm und das Gewitter langsam ab. Das schwarze Wasser des Sees kräuselte sich zwar noch unter den abflauenden Windböen, aber es fiel schon wieder Licht durch die dunklen Wolken. Weit hinten, dort wo das „Verbotene Land“ in Britana überging.

„Wären Maddrax und Aruula doch niemals hierher gekommen!1)“, presste er zwischen den Zähnen hindurch. Er stöhnte leise und fasste sich an die Seite. Dorthin, wo der weiße Umhang aus Lupafell verbrannt war und sich der Lichtblitz aus dem Fluggerät der Besucher in seinen Körper gebohrt hatte. Die Wunde heilte nicht. Normalerweise hätte sich binnen Minuten an den verschmorten Rändern neue Haut bilden sollen, die verbrannten Reste wären wie verkohlte Blätter zerbröselt und zu Boden gerieselt.

Der Hüter ist vergangen, dachte Teggar. Und mit ihm unsere Unsterblichkeit. Wir alle werden sterben. Der Chiiftan hatte schon oft darüber nachgedacht, wie es wäre, nach über dreihundert Jahren wieder dem Tod ins Auge blicken zu müssen. Oder besser: zu dürfen? War es ein Fluch oder ein Segen, sterblich zu sein?

Der Segen des Hüters hatte sie beschützt. Immer dann, wenn Wunden klafften, Knochen brachen oder Gliedmaßen abgetrennt wurden. Nichts an einem Körper war unersetzlich, das hatte Teggar während seines langen Lebens am See erfahren.

Nichts – bis auf den Kopf.

Jetzt waren sie sterblich, und das hieß, dass Ruuk, der Chiiftan des feindlichen Dorfes, nicht lange zögern würde, in die finale Schlacht zu ziehen – ungeachtet der Tatsache, dass er weniger Anhänger hatte und ebenfalls seine Unsterblichkeit eingebüßt haben musste.

Nur bruchstückhaft erinnerte sich der Anführer des Seedorfes an die Ereignisse der letzten Stunde. Er wusste noch, wie sie die Barbarin Aruula zum Hüter brachten und dieser ihr sein Geschenk bereitete: Er hatte sie gebissen, um auch sie unsterblich zu machen.

Gerade wollten Mecloot und er die Frau wieder zurück zum Boot bringen, als der fliegende Koloss, in dem Maddrax und seine Gefährten zu ihnen gekommen waren, am Himmel auftauchte. Eine Feuerlanze war aus dem seltsamen Gefährt hervorgezischt und ihm, Teggar, in die Seite gefahren. Bevor er vor Schmerz ohnmächtig wurde, hatte er noch gesehen, dass auch Mecloot getroffen worden war.

Als er wieder erwachte, juckte die Wunde unerträglich, der Regen peitschte auf ihn herab und er hörte in der Ferne Kampflärm. Er hob den Kopf und blinzelte Wasser aus seinen Augen. Er sah, wie Ruuk und seine Leute den Felsendom stürmten, in der Hoffnung, das Fluggerät attackieren zu können.

Gut so, hatte er gedacht. Dann sind sie wenigstens beschäftigt und setzen den Bewohnern meines Dorfes nicht zu.

Allzu viele Hoffnungen hatte sich Chiiftan Teggar aber nicht gemacht. Sobald mein verhasster Bruder und seine Bande merken, dass sie gegen Maddrax’ Himmelskutsche nichts ausrichten können, werden sie wieder auf mich und meine Leute einschlagen.

Ein Schrei hatte ihn aus seinen Gedanken gerissen. Es war Mecloot, der wenige Meter vor ihm zu Boden gegangen war. Ein Bein seines Freundes war seltsam abgewinkelt; wahrscheinlich hatte er es sich beim Sturz auf die Felsen gebrochen. Mecloot stützte sich mit einem Arm ab und deutete mit dem anderen brüllend nach vorne.

Teggars Blick folgte dem ausgestreckten Finger – und mit einem Mal wurde ihm eiskalt. Nein!, hatte er gedacht. Das kann nicht sein …

Der Hüter, ihr Beschützer, der Bewahrer ihres unsterblichen Lebens, war von den verfluchten Fremden mit ihrer Lichtwaffe am Kopf getroffen worden!

Wie in Trance waren die beiden Freunde über den steinigen Boden bis unter den Felsvorsprung gekrochen, hin zu dem sterbenden Hüter.

Jetzt rieb sich Teggar wieder über die Beinwunde und stöhnte auf, als sich das Brennen verstärkte. Es war tatsächlich so, wie er vermutet hatte. Inzwischen hätte sich das Fleisch längst wieder schließen müssen. Ein Blick auf Mecloot bewies, das es ihm auch nicht besser ging. Kalter Schweiß stand auf der Stirn seines Freundes und mischte sich mit dem Regen, der aus seinen Haarzotteln tropfte.

„Das Geschenk des Hüters ist erloschen!“, rief Teggar seinen Leuten zu. Auch sie waren zum Teil verwundet, durch die Äxte und Schaufeln, mit denen Ruuks Anhänger auf sie eingeschlagen hatten, bevor sie sich Maddrax’ Gefährt zugewandt hatten. Alle, die mit ihm über den See zur Felseninsel des Hüters gekommen waren, hatten sich jetzt zu Füßen des Wesens niedergelassen, das sie verehrten wie einen Gott.

Einer von Maddrax’ Begleitern – Jad Sturad oder so ähnlich war sein Name – hatte den Hüter als „Monkee mit Flügeln“ bezeichnet. Teggar wusste nicht, wer oder was ein Monkee war, aber es mussten gesegnete Wesen sein, wenn sie dem Hüter ähnelten. Und bedeutete das nicht auch, dass es anderswo weitere Hüter geben konnte?

Mecloot wandte sich an die anderthalb Dutzend Männer und Frauen, die sich hier unter dem Felsvorsprung versammelt hatten. „Unsere Wunden heilen nicht mehr“, keuchte er, während er versuchte, sich an die Felswand gelehnt aufzusetzen.

Teggar nickte ernst. „Ruuk wird die Gunst der Stunde nutzen und versuchen, uns ein für alle Mal den Garaus zu machen“, überlegte er. „Das ist nicht gut. Wir sind schwach und verwundet. Aber wir haben Waffen und sind in der Überzahl.“

Zustimmendes Gemurmel kam aus den Reihen der Dörfler. Schwerter und Äxte wurden gegen Holzschilde geklopft.

„Und wenn unsere Wunden nicht heilen“, fuhr er fort und verstärkte den Nachdruck in seiner Stimme, „dann werden sich auch die unserer Feinde nicht schließen! Heute haben wir die Chance, den Fluch, der auf uns lastet, ein für alle Mal zu beenden! Denn solange Ruuk und seine Leute nicht tot sind, können wir den See nicht verlassen. Über dreihundert Winter waren wir an diesen Ort gebunden; jetzt hat uns der Hüter dieses letzte Geschenk gemacht und uns unsere Sterblichkeit zurückgegeben!“

„Aus dem Dorf haben wir sie schon gejagt!“, kreischte die Heilige Frau. Dort waren zwei der vier Boote mit Ruuks Männern angelandet, während die beiden anderen direkten Kurs auf die Felseninsel genommen hatten.

„Wahrscheinlich sind sie dann schon auf dem Weg hierher“, gab Mecloot zu bedenken.

Ein Krieger schaute mit zusammengekniffenen Augen über den See. „Ich sehe sie. Zwei Boote, acht Mann!“

„Damit wären unsere Gruppen jeweils gleich stark“, seufzte Teggar. „Doch Mecloot und ich können in unserem Zustand nicht kämpfen.“

„Wir werden sie hier erwarten“, schlug sein Freund vor. „Hier können wir uns gut verteidigen. Und wenn Ruuk und sein Haufen vom Felsendom herunterkommen, ist ihnen der Weg abgeschnitten.“

Chiiftan Teggar winkte einen seiner Krieger heran und ließ sich aufhelfen. Er schrie seinen Schmerz heraus, als die bereits angetrocknete Blutkruste auf der Wunde in seiner Seite wieder aufriss.

„Einverstanden!“, ächzte er und blickte noch einmal auf den Leichnam des Hüters herab. „Heute werden wir den Fluch brechen, der uns an diesen Ort bindet. Und wenn es das Letzte ist, was wir tun!“

Sie kamen …

Teggar hörte, wie die schweren Stiefel von Ruuks Kriegern den schmalen steilen Grat des Felsendoms herabpolterten. Gleichzeitig erklangen am Ufer erste Rufe der neu eingetroffenen Verstärkung.

Ein Krieger aus Teggars Clan, der sich auf einem erhöhten Felsen auf die Lauer gelegt hatte, gab den Wartenden ein Zeichen.

Dreißig Atemzüge noch, rechnete der Chiiftan die Anzahl der gezeigten Finger hoch. Dann sind sie heran. „Haltet euch bereit!“, flüsterte er seinen Leuten zu.

Die Männer und Frauen hatten ihre Waffen erhoben und sich in Position gebracht, um aus dem Schatten hervorzustürmen, sobald Teggar das Zeichen gab.

„Und du bist sicher, dass das da funktionieren wird?“, zischte Mecloot unter ihm und deutete auf das Gerüst.

Als sie sich eine Strategie für den Angriff überlegten, war der Chiiftan auf die Idee gekommen, den Leichnam des Hüters so zu platzieren, dass Ruuks Leute ihn bemerken mussten. Wenn sie entdeckten, dass der Hüter tot war, würden sie ebenso geschockt sein wie Teggars Clan. In diesem Augenblick der Schwäche würden sie zuschlagen!

Kieselsteine regneten über den Felsüberhang herab. Die Krieger wichen ein paar Schritte zurück, um nicht von ihnen getroffen zu werden.

„Sie sind gleich da!“, sagte Mecloot. „Noch ein kleines Stück und sie sehen …“

„Nein!“, brüllte Ruuk über ihnen. „Nein!“ Das Poltern der Kampfstiefel auf dem Felsboden beschleunigte sich, immer mehr kleine Steine kullerten den Abhang herab. Panische Rufe erklangen, jetzt auch aus Richtung der eingetroffenen Boote.

Die feindlichen Krieger kamen ins Blickfeld. Ruuks Augen waren weit aufgerissen, seine Axt baumelte kraftlos an einer Hand neben ihm. Sechs Krieger folgten ihm nach, zwei humpelnd, aber doch so schnell sie konnten. Vom Ufer her näherte sich die achtköpfige Verstärkung mit erhobenen Schilden und Schwertern.

Ruuk war vor dem toten Hüter in die Knie gesunken und stieß einen verzweifelten Schrei aus. „Was haben die Fremden getan?“, brüllte er. „Wudan verfluche sie!“ Mecdoof, sein Berater und Vertrauter, musste seinen Clanchef stützen.

Teggar konnte gut nachvollziehen, wie es Ruuk gerade ging, doch er fühlte kein Mitleid mit seinem verfeindeten Bruder. Nur dessen schlechtem Führungsstil hatten sie zu verdanken, dass bei ihrer Suche nach einer neuen Heimat vor über dreihundert Wintern so viele aus ihrem Clan gestorben waren.

Es war die richtige Entscheidung gewesen, einen eigenen Clan zu gründen, nachdem sie hier am See auf den Hüter getroffen waren und sich niedergelassen hatten. Ruuk hatte diese Schmach nie verwunden. Keine Gelegenheit ließ er seitdem aus, Teggars Clan zuzusetzen …

Der Chiiftan schüttelte die Gedanken ab. Alle Augen und Ohren warteten auf sein Signal. „Jetzt!“, brüllte er, und mit einem Kampfschrei auf den Lippen stürzte der Teggar-Clan aus seinen Verstecken hervor.

Ruuks Männer waren noch zu geschockt, um schnell zu reagieren. Konfus versuchten sie um die Leiche des Hüters und ihren Anführer herum einen Kreis zu bilden, standen sich dabei aber selbst im Weg. Bevor sie Ordnung in ihre Reihen bringen konnten, waren Teggars Leute heran.

Ruuk war aufgesprungen und hatte seine Axt erhoben. Er drängte sich zwischen zwei Kriegern hindurch und warf sich den Angreifern entgegen. Seine Trauer und Verzweiflung hatten sich in Hass und Wut verwandelt.

Ruuks Axt fraß sich in den Schild des vordersten Angreifers. Mit einem kräftigen Ruck löste der Clanführer die Waffe wieder aus dem Holz und wollte zum zweiten Schlag ansetzen, als ihn ein Kampfschrei von oben einhalten ließ.

Der Krieger, der bislang auf einem gut zwei Mann hohen Felsbrocken Ausschau gehalten hatte, stürzte sich auf den feindlichen Anführer. Er hielt seinen Dolch mit beiden Händen gepackt, um ihn senkrecht in Ruuks Körper zu treiben.

Der wollte den Schlag mit seiner Axt parieren, bekam die Waffe aber nicht mehr hoch. Der Späher prallte mit gewaltiger Kraft auf den Clanführer und trieb ihm die Klinge in die Schulter. Ruuk brüllte, als er nach hinten fiel.

Chiiftan Teggar, nach wie vor mit Mecloot im Schatten verborgen, schloss sie Augen. „Verzeih mir, Bruder, dass ich nicht selbst die Waffe führen kann, die dein Leben beendet“, flüsterte er.

„Ach was!“, machte Mecloot. „Seien wir doch einfach froh, dass es mit diesem Piig endlich zu Ende geht!“

Der Kampf war in vollem Gange. Der Ruuk-Clan hatte sich von der Überraschung erholt und kämpfte jetzt mit allen Mitteln. Schwerter schlugen in Schilde und Fleisch. Schreie, sowohl die der Verletzten als auch der noch Kämpfenden, hallten von den Felsen wider. Blut spritzte auf die Steine.

Die beiden Clans schenkten sich nichts, und ihre Kräfte waren inzwischen ausgeglichen. „Vielleicht vernichten wir uns gegenseitig“, stöhnte der Chiiftan. „Dann wäre mit dem Ende des Hüters auch unser Schicksal besiegelt.“

Mecloot nickte schwer. „So sei es denn. Unser Leben war lang; wir sollten nicht klagen, sondern dem Hüter mit Freuden in den Tod …“ Er hielt inne. Er stöhnte plötzlich kurz auf und drückte das Kreuz durch.

„Was ist los?“, wollte Teggar wissen. „Was hast du?“

„Ich bin nicht sicher“, sagte Mecloot. „Mein Bein … es kribbelt. Als hätte ich lange darauf gesessen. Oder als ob …“ Der Krieger hob das gebrochene Bein und ließ es am Kniegelenk abknicken. Obwohl ihm diese Prozedur Schmerzen bereiten musste, verzog er keine Miene. Verblüfft blickte er Teggar an.

Dieser begriff. „Bist du sicher?“

Mecloot nickte. „Keine Schmerzen.“ Er klopfte gegen die Stelle, an der noch vor kurzem ein riesiger Bluterguss den darunter liegenden Bruch markiert hatte. Nur noch ein dunkler Schatten erinnerte an das Hämatom. „Das Geschenk des Hüters ist zu uns zurückgekehrt!“

Chiiftan Teggar warf einen Blick hinüber zu den Kämpfenden. Noch immer beharkten sich die Gegner verbissen mit Axt- und Schwerthieben. Rund sechs Kampfpaare standen noch, der Rest der Krieger lag verwundet am Boden.

Aber auch dort sah Teggar erste verwunderte Gesichter, als sich die geschlagenen Wunden plötzlich wieder zu schließen begannen.

Mit einem Knurren stieß Ruuk den Angreifer von sich, riss sich den Dolch aus der Schulter und rammte die Klinge seinem am Boden liegenden Kontrahenten in die Brust. Dann riss er sich das Hemd vom Leib und begutachtete die Wunde, die er ihm beigebracht hatte.

Man konnte fast dabei zusehen, wie sich an den Rändern des Schnittes neue Haut bildete und das klaffende Fleisch sich wieder schloss. Nun begriff auch er, dass die Unsterblichkeit zu ihnen allen zurückgekehrt war.

„Die Köpfe!“, brüllte er und griff nach seiner Axt, die neben ihm zu Boden gefallen war. „Zielt auf ihre Köpfe!“

Das hörten auch Teggars Männer. Zwei von ihnen reagierten schnell und trieben ihren Gegnern die Schwerter in den Hals. Blutigen Schaum gurgelnd, sanken die Krieger zur Seite. Zwei schnelle Hiebe trennten ihnen endgültig den Kopf vom Rumpf.

Teggar verstand die Welt nicht mehr. „Warum sollte uns der Hüter erst seinen Segen entziehen und dann wiedergeben?“ Er tastete nach seiner Wunde. Tatsächlich, sie war verschwunden!

Neben ihm richtete sich Mecloot auf. Er belastete das zuvor gebrochene Bein. „Wie neu“, stellte er fest. Er griff sich sein Schwert und warf seinem Clanchef einen verwegenen Blick zu. „Dann mal los!“, knurrte er und stürmte unter dem Felsvorsprung hervor auf Ruuks Männer zu.

Teggar tat es ihm gleich.

Ruuk sah, wie zwei weitere seiner Krieger im wahrsten Sinne des Wortes den Kopf verloren. Damit waren die Teggar-Krieger in der Überzahl und die Chancen auf einen Sieg geschwunden. „Rückzug!“, befahl er. „Zu den Booten!“

Teggars Krieger wollten den Fliehenden hinterher, allen voran Mecloot, dem es sichtlich gut tat, sich nach der Zwangspause wieder in den Kampf zu werfen. Doch Teggar hielt sie zurück. „Lasst sie gehen! Auf dem Wasser können wir sie nicht angreifen ohne die Gefahr selbst unterzugehen.“

„Aber …!“, begehrte Mecloot auf.

„Nein!“, unterstrich Teggar seinen Befehl. „Der Hüter hat sich entschieden, uns über seinen Tod hinaus seinen Segen zu schenken. Bedanken wir uns erst einmal beim Bewahrer, dass er uns an der Grenze zur endgültigen Vernichtung errettet hat!“

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