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Maddrax - Folge 280

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah
  4. Der Untergang Washingtons
  5. Leserseite
  6. Zeittafel
  7. Cartoon
  8. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde. In der Folge verschiebt sich die Erdachse und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler – zur Erde gelangt sind und schuld an der veränderten Flora und Fauna sind. Nach langen Kämpfen mit den Daa’muren und Matts „Abstecher“ zum Mars entpuppt sich der Wandler als lebendes Wesen, das jetzt erwacht, sein Dienervolk in die Schranken weist und weiterzieht. Es flieht vor einem kosmischen Jäger, dem Streiter, der bereits seine Spur zur Erde aufgenommen hat!

Menschen versteinern durch ein von Harz ummanteltes Siliziumwesen. In Ostdeutschland aus der Tiefe der Erde geholt, geriet es einst in den Zeitstrahl und ernährte sich dort von Tachyonen, bis es mit der Blaupause einer Karavelle kollidierte und aus dem Strahl fiel. Seitdem absorbiert es Lebensenergie. Als Zuträger dient ihm die schattenhafte Besatzung des Schiffes. Auch Matts Staffelkameradin Jenny Jensen wird in Irland zu Stein, und ihre gemeinsame Tochter verschwindet spurlos. Die Suche nach ihr wird unterbrochen, als Matt die Chance erhält, die Mars-Regierung für den Kampf gegen den Streiter zu gewinnen.

In der Zwischenzeit entsteht am Südpol eine neue Gefahr: In einer uralten Waffenanlage verbindet sich ein bionetisches Wesen mit General Arthur Crow, Matts Gegenspieler. Die genetische Chimäre macht sich auf den Weg zu den Hydriten – nur um in Hyton bekämpft und abgewiesen zu werden.

Zurück vom Mars – wo der Ur-Hydree Quesra’nol aus einer Zeitblase durch den Strahl zur Erde fliehen konnte – landen Matt und Aruula im Mittelmeer. Eine Kontaktaufnahme mit der Mondstation scheitert. Die beiden ahnen nicht, dass die Schatten ihrer Tachyonenspur folgen, während ein weiterer auf dem Mond fast alle Marsianer versteinert. Es gelingt ihnen, das Steinwesen vom Schiff zu trennen. Im gleichen Moment kehrt das Leben in die Versteinerten zurück – doch sie verhalten sich merkwürdig. Der lebende Stein wird von einem Mar’osianer gefunden und zu einer Kolonie nahe der Hydritenstadt Hykton getragen, wo er auf Quesra’nol trifft und seine Macht erneut aufbauen kann. Sein Ziel ist es, endlich zu seinem Ursprung zurückzukehren.

Matt und Aruula nehmen die Suche nach der verschollenen Ann wieder auf. In Schottland treffen sie auf die junge Xij, die sich ihnen anschließt und gleich ein Fortbewegungsmittel beisteuert: einen Amphibienpanzer! Gemeinsam finden sie Ann, die auf Irrwegen zu Rulfans Burg gefunden hat, und machen sich mit ihr auf den Weg nach Irland, in der Hoffnung, dass auch Jenny wieder lebt.

Der Untergang Washingtons

von Stephanie Seidel

Die Zeit des Sterbens in Waashton war vorüber; das amorphe Monster aus dem Zeitwald und all seine Schrecken gehörten der Vergangenheit an. Man hatte die Toten begraben und die Trümmer weggeräumt. Neue Häuser wurden gebaut. Kinder kamen zur Welt.

Was die Stadt am Potomac jetzt noch quälte, war eine seit Wochen anhaltende, regenlose Hitzeperiode. Doch auch die ließ sich irgendwie überstehen, und danach würde Normalität einkehren, das Leben in der uralten Metropole wieder seinen gewohnten Gang gehen.

Daran glaubten die Bürger von Waashton – und noch nie hatten sie sich so furchtbar geirrt …

„Also bis morgen dann!“, rief Justin Gideon in den Lärm der Werkshalle hinein. Seine Verabschiedung galt keiner bestimmten Person, und vermutlich hatten die anderen Männer sie gar nicht gehört. Doch das kümmerte ihn nicht. Justins Schicht bis zum Mittag war zu Ende und er wollte so schnell wie möglich weg von hier.

Eilig ging der Achtzehnjährige zum Spindraum. Beim Betreten zerrte er seinen Schutzhelm herunter, den kein Mensch brauchte, dessen Tragen in der Halle aber Pflicht war. Er wischte sich die feuchten Haare aus der Stirn.

„Scheiß Job!“, brummte er.

Justin arbeitete in Miki Takeos Fabrikationsanlage am Stadtrand von Waashton. Sein Vater hatte das eingefädelt und ihrer Beziehung damit einen herben Knacks verpasst: Als bekannt wurde, dass Takeo dringend Hilfskräfte für die neue Gleiterproduktion suchte, war Gideon Senior der blöde Gedanke gekommen, Justin könnte eigentlich auch mal ein paar Bax nach Hause bringen. Kurzerhand hatte er ihm eine Stelle beschafft – in Halle 1, wo die Arbeit so übel wie ihre Bezahlung war. Dort wurden defekte Fahrzeuge zerlegt und wertvolle Einzelteile wie Kabel und Elektronik zur Weiterverwendung vorsortiert.

Manche der Wracks stammten von Händlern aus der Stadt. Den Großteil jedoch lieferte das Militär an: Panzer, Flakgeschütze und Jeeps, die beim Kampf um Waashton1) zerstört wurden. Ein Aufkäufer begutachtete sie auf dem Vorplatz. Was vielversprechend aussah, wurde in die riesige Halle transportiert. Der Rest blieb draußen. Unter der gleißenden Sonne. Damit er sich ordentlich aufheizte und die ohnehin schon schwüle Luft vor dem Hallentor zum Flimmern brachte.

Mein Alter ist ein Arsch!, dachte Justin, als er seinen Spind öffnete. Der macht sich die Finger nicht schmutzig, o nein! Lässt mich in dieser brütenden Blechkiste schuften, während er in einem gemütlichen Büro sitzt und Programme für Bordcomputer schreibt.

Wütend zog er das verschwitzte T-Shirt aus, knüllte es zusammen und warf es ins untere Fach. Dann ging er duschen. Um wenigstens den Dreck und den Schweiß loszuwerden. Seinen Zorn musste er anderswie abkühlen.

Die Gideons waren wohlhabende Leute; sie bewohnten ein Haus im Regierungsviertel und konnten es sich durchaus leisten, ihre Söhne unbehelligt von Arbeit aufwachsen zu lassen. Der Jüngere, Tyler, durfte auch zuhause bleiben in diesem elend heißen Sommer, denn er war Daddys Liebling. Justin hingegen hatte es sich gründlich verscherzt mit seinem Vater. Max Gideon war regelrecht ausgeflippt, als er von Connard, Mooch und Keeva hörte.

Ich hätte ihm nie von meinen Freunden erzählen sollen, überlegte Justin. Er lachte unfroh. Am besten hätte ich ihm gar nichts erzählt!

Angefangen hatte das Ganze letzten Herbst. Da hatten ihm seine Eltern einen Buggy geschenkt – ein nagelneues, aber träges Teil, das die erlaubte Höchstgeschwindigkeit auf den Straßen nahe des Capitols nur mit Mühe erreichte. Wenn überhaupt. Als Transportmittel war der Wagen brauchbar. Ansonsten war er eine Lachnummer.

Es dauerte auch nicht lange, bis Justin keine Lust mehr hatte, wie eine Snäkke hinter den aufgemotzten Wagen anderer Jugendlicher her zu tuckern. Er war das Grinsen leid, mit dem die Typen ihn bedachten, wenn sie uneinholbar an ihm vorbei bretterten. Und er wollte auf seinem jungfräulichen Beifahrersitz endlich auch mal ein hübsches Mädchen haben.

Also machte er sich auf die Suche nach einer Lösung für sein Problem. Er fand es in einer Werkstatt in den Goonshacks2), einem Armenviertel unten am Fluss, wohin sich Söhne aus gutem Hause kaum je verirrten. Es ging einfach nicht an, dass man dort gesehen wurde – oder gar Freundschaften knüpfte, während daheim der Stellvertretende Produktionsleiter von Takeo Industries zum Essen erschien.

Tja, Pech, dachte Justin gleichgültig und knallte im Vorbeigehen die Spindtür zu. Wenn ich dem Alten sowieso nichts recht machen kann, muss er auch damit leben, dass ich meine Freunde aussuche, wie es mir passt. Für Dad war ich doch immer schon der Loser. Im Gegensatz zu seinem geliebten Tyler.

Tyler, der Angepasste. Der pünktliche, zuverlässige, gute Junge, der sein Zimmer in Ordnung hielt und sich für Elektronik interessierte, damit Daddy stolz auf ihn war.

Und das mit fünfzehn! Der Schleimer ist doch nicht normal! Justin blinzelte, als er ins Freie trat. Das grelle Sonnenlicht schmerzte in seinen Augen. Heiße Luft traf die vom Duschen nasse Haut, nahm im Vorbeiwehen die kleinen kühlenden Tropfen mit. Justin beschattete das Gesicht, sah sich suchend um.

Der Buggy stand auf dem Parkplatz, zwischen vielen anderen Fahrzeugen, und sein Anblick zauberte ein Lächeln auf Justins Gesicht. Keiner stach so aus der Masse heraus wie dieser Wagen; keiner hatte einen vergleichbar satten Sound, wenn man ihn anließ. Er war gelbschwarz lackiert, mit Überrollbügel und verbreiterten Kotflügeln. Die starke Maschine unter der Motorhaube hatte ursprünglich ein schweres Militärfahrzeug bewegt. Wie sie in Connards Werkstatt gelangen konnte, hatte Justin nie hinterfragt. Warum auch? Jetzt gehörte sie ihm, das allein zählte.

Als er am frühen Nachmittag zu einer Verabredung aufbrach, hatte Justin seinen Bruder dabei, der sein Glück kaum fassen konnte.

„Nett von dir, dass du mich mitnimmst!“, sagte Tyler auf dem Rücksitz des Buggys. Er sah im Rückspiegel, dass Justin ihm einen schnellen Blick zuwarf.

„Klar. Wieso nicht?“

„Na ja, weil du das sonst nie tust.“ Tyler hob sein Gesicht in den Fahrtwind. „Mom hat gesagt, dass dir die Arbeit gut bekommt. Du wärst schon viel vernünftiger geworden.“

„Sagt sie das?“

„Ja.“ Der Fünfzehnjährige nickte. „Jetzt musst du dir nur noch andere Freunde suchen. Solche, die zu uns passen. Dann wird sich Dad bestimmt wieder mit dir vertragen.“

Tyler wurde unsicher, als keine Reaktion kam. Hatte er etwas Falsches gesagt? Justin schnappte immer so schnell ein, wenn er sich angegriffen fühlte. Dabei wollten ihm doch alle nur helfen.

Vielleicht reden wir besser über was anderes, überlegte er.

„Sieh mal, da vorn!“ Tyler wies auf ein zerstörtes Gebäude mit Kuppeldach und Säulen an der Frontseite. Es war die ehemalige Kongressbibliothek, selbst als Ruine noch ein imposanter Anblick. Weniger imposant – dafür umso erschreckender – waren die grünen Ablagerungen an den Bruchstellen.

„Was meinst du, wie lange es noch dauert, bis alle Überreste des Monsters entfernt sind?“

Tyler sah, wie Justin die Schultern hob. „Keine Ahnung. Hauptsache, das schleimige Ding ist tot.“

„Stimmt.“ Tyler erschauerte unwillkürlich. Es war noch nicht lange her, dass ein lebender Albtraum nach Waashton gekommen war – ein grünes Schleimwesen, riesenhaft und absolut tödlich. Es war aus dem rätselhaften, von fremdartigen Pflanzen und Tieren bewohnten Waldstück gekrochen, das urplötzlich, wie hingezaubert, in den Ausläufern der Appalachen aufgetaucht war. Man munkelte, das Gebiet wäre aus einer anderen Zeit hierher versetzt worden!

Die entsetzliche Kreatur war über die Bevölkerung hergefallen wie Orguudoo persönlich. Waffen erwiesen sich als nutzlos, Fluchtwege gab es kaum. Nur wem es gelang, die Schutzbunker unter dem Pentagon zu erreichen, hatte eine reale Chance.

„Weißt du noch, wie wir durch den U-Bahnschacht gelaufen sind, und plötzlich quoll überall dieser grüne Schleim aus der Wand?“, fragte Tyler. Seine Stimme brach und er fuhr sich mehrmals hastig über die Augen. Als wollte er ein Bild wegwischen, das sich einfach nicht entfernen ließ.

„Natürlich weiß ich das noch! Ich bin doch nicht blöd!“, raunzte Justin. „Und jetzt denk nicht mehr daran! Es ist vorbei. Drax und seine Leute haben uns gerettet.“

Tyler nickte nachdenklich. Commander Drax, das war ein Fremder, von dem es hieß, er käme ebenfalls aus einer anderen Zeit. Der mutige Mann hatte mit den Androiden Miki Takeo und Shiro einen Flug zum Ursprungsgebiet des Monsters gewagt. Dort wuchs eine Pflanze, auf deren Berührung das Schleimwesen mit Verätzungen reagierte. Die Männer hatten aus dem Kraut einen Sud gekocht und den Waffentank ihres Gleiters damit befüllt.

„Ich wünschte, ich wäre dabei gewesen, als sie das Monster aus der Luft besprüht haben!“, presste Tyler zwischen den Zähnen hervor. „Dad hat erzählt, es hätte geblubbert wie Brabeelenmarmelade, bevor es endlich starb.“

Justin drehte sich flüchtig nach ihm um. „Verfolgt es dich immer noch?“

„Praktisch nicht mehr.“ Tyler verschränkte seine Arme und richtete den Blick starr auf das Spalier vorbeiziehender Gebäude. Es war dem Fünfzehnjährigen peinlich, dass sein großer Bruder von den Albträumen wusste. Justin war immer so stark. Er schien überhaupt keine Angst zu haben, nicht einmal vor Dad. Er ließ sich auch nicht einschüchtern – und was hatte es für einen Aufstand gegeben, als Dad eines Abends nach Hause kam und Justins Buggy nicht mehr wiederzuerkennen war!

Er sieht wirklich toll aus! Tyler versuchte den Stich zu ignorieren, den ihm die Erkenntnis über seine Andersartigkeit versetzte. Er würde nie einen Wagen wie Justin fahren. Nichts Verbotenes tun. Keine abenteuerlichen Wege beschreiten. Dafür brauchte man Mut, und den hatte Tyler nicht.

„Sag mal, wo fahren wir eigentlich hin?“, fragte er alarmiert, als Justin nach Westen abbog und in der Ferne die silbern schimmernden Wellen des Potomac sichtbar wurden.

„Zu den Goonshacks. Ich muss noch jemanden abholen.“

Tyler spürte, wie sich sein Herzschlag beschleunigte. Die Goonshacks! Das schäbige Ruinenviertel am Fluss, wo die Armen hausten! Man musste um Leib und Leben fürchten, wenn man da durchfuhr, hatte Dad gesagt. Und auf keinen Fall durfte man Kontakt aufnehmen zu den Leuten dort. Es waren alles Verbrecher, die schwer arbeitende, unbescholtene Bürger ausraubten, wenn man ihnen die Gelegenheit dazu gab.

„Aber du hast doch versprochen, dass du dich nicht mehr mit deinen … Freunden treffen wirst“, sagte Tyler zögerlich.

Justin drehte sich um. Er grinste. „Ja, und wie leicht hat man sich mal versprochen.“

Tyler kam ein ungeheuerlicher Verdacht. Seine Hände verkrallten sich in der Rückenlehne des Fahrersitzes, und er schluckte ein paarmal, bevor er es aussprach. „Justin? Du hast auch versprochen, dass wir ins Stadion fahren und den SummerBrawl gucken. Du hast Mom gesagt, dass wir da anschließend grillen werden.“

„Oh, wir werden grillen, keine Panik! Nur nicht im Stadion.“

„Sondern?“

„In Spooky Pines“, sagte Justin gemütlich.

Der Buggy musste anhalten, um einen Armeekonvoi vorbeizulassen. Noch immer fuhren bewaffnete Patrouillen durch die Stadt. General Garrett, Oberbefehlshaber der Bunkerstreitkräfte, hatte zwar öffentlich erklärt, dass die Gefahr gebannt sei, wollte aber kein Risiko eingehen. Den Bürgern war es recht. Sie hatten das Entsetzen über den Angriff des Monsters noch nicht überwunden, Angst war noch immer ein ständiger Begleiter.

„Spooky Pines!“, krächzte Tyler. Panik kroch in ihm hoch. Ein übermächtiger Drang erfasste ihn, loszurennen und das Militär zu alarmieren. Schon fiel seine Hand auf den Türgriff.

„Bleib sitzen!“, befahl Justin hart. „Du bringst uns ins Gefängnis, wenn du denen was sagst.“

„Und wenn ich es nicht tue, werden wir sterben.“ Tyler weinte fast. Er hatte davon gehört, dass es unter Jugendlichen als Mutprobe galt, eine Nacht in Spooky Pines zu verbringen. Nur hatte er es nicht geglaubt, denn es war zu ungeheuerlich, um wahr zu sein.

Spooky Pines lag in den Ausläufern der Appalachen und war auch als „Zeitwald“ bekannt.

Die Heimat des Schleimmonsters.

Eine Woche vorher

Auch wenn die Hölle im 26. Jahrhundert nicht mehr Hölle genannt wurde, sondern Orguudoos Reich, war sie doch noch immer der schrecklichste Ort, an dem ein Mensch enden konnte.

Dachte man.

Arthur Crow wusste es besser. Er konnte es nur keinem mehr sagen, denn er war tot. Allerdings nicht ganz, und eben diesem Umstand verdankte er die Einsicht, dass es Schlimmeres gab als die Hölle.

Vor Monaten war Crow von seinem Stützpunkt bei Waashton in Richtung Antarktis aufgebrochen, begleitet von einer Abteilung U-Men. Er wollte den Flächenräumer erobern, eine uralte und brandgefährliche Waffe der Hydriten. Jetzt kehrte er zurück – geschlagen, mit leeren Händen.

Und tot.

Oder nicht?

Ich lebe!, dachte er verbissen gegen den Strom fremder Gedankenimpulse an, der sein Bewusstsein durchschäumte. Arthur Crow ertrank darin, wieder und wieder, und er konnte nichts dagegen tun.

Du hast die Möglichkeit, aufzugeben. Stirb doch einfach!, entgegnete eine andere Stimme. Aber nicht er war es, der diesen blöden Vorschlag formuliert hatte.

„Stirb doch selber, du bionetischer Kretin!“, knurrte er – und bereute es im selben Moment. Crows Brust, die ihm nicht mehr gehörte und nur eine schlechte Nachbildung war, platzte auf. Ein Tentakel wuchs hervor, schleimbedeckt und glänzend. Die Spitze tastete sich hoch. Als sie Crows Gesicht erreichte, schwenkte sie ein Stück von ihm fort und begann zu wackeln wie ein mahnend erhobener Zeigefinger. Crow konzentrierte sich und erlangte die Kontrolle zurück. Der Tentakel vereinigte sich wieder mit seinem Körper.

Wieder einmal wurde Crow bewusst, dass unter seiner nachgebildeten äußeren Hülle nichts mehr war als ein riesiges Knäuel dieser Tentakel. In Momenten wie diesem wollte er tatsächlich sterben, doch den Gedanken wagte er nicht zu formulieren aus Angst, der Koordinator könnte ihn hören – und seine Schwäche ausnutzen.

Gemeinsam waren sie Kroow.

Den Namen hatte sich der Koordinator nach der Assimilierung Arthur Crows selbst gegeben; eine Synthese ihrer beider Namen, so wie auch ihre Geister sich verbunden hatten. Nachdem der Flächenräumer seine Funktion verloren hatte, benötigte der Koordinator einen Körper, denn er wollte sich auf die Suche nach seinen Schöpfern machen: den Hydriten.

Die Erinnerung an den grausigen Moment saß tief und unauslöschlich in Arthur Crow; er hatte die Prozedur bei vollem Bewusstsein miterlebt. Doch auch der Koordinator-Teil hatte inzwischen Leid erfahren müssen.

Er hatte seine Schöpfer gefunden – doch die sahen ihn als Bedrohung an und bekämpften ihn mit allem Mitteln.3) Das hatte ihn in Konfusion gestürzt – und der Crow-Teil hatte die Chance genutzt, sich ins Leben zurückzukämpfen und die Kontrolle über den gemeinsamen Körper zu übernehmen. Ihm war klar, dass er für immer an Kroow gekettet sein würde, denn sie teilten sich jede einzelne Zelle, jeden DNA-Strang. Für den Verstand war es ein Albtraum.

Crows Körper jedoch profitierte davon. Als Kroow war er immun gegen Drillerbeschuss; er kam ohne Sauerstoff aus und hatte bei nahezu gleicher Größe derart an Gewicht zugelegt, dass ihn nichts und niemand aufhalten konnte. Im Augenblick bewegte er sich durch die Ausläufer der Appalachen.

„Sie wird gleich auftauchen“, sagte Crow zu sich selbst. Damit meinte er die Fabrikationsanlage seiner U-Men, doch das brauchte er dem Koordinator nicht zu erklären, der in jedem Gedanken mitschwang. „Jetzt, da das Machtzentrum Waashtons eliminiert ist, werde ich leichtes Spiel haben, auch den Rest der Stadt einzunehmen“, fuhr Crow fort.

Er erinnerte sich mit Genugtuung daran, wie er Matt Drax dazu gezwungen hatte, den einzigen Schuss des Flächenräumers genau auf das Dreieck Pentagon, Weißes Haus und Capitol abzufeuern.4) Für die Präsidentin, Mr. Black und General Garrett musste es ein übles Erwachen gewesen sein, als sie sich mitsamt ihrem direkten Umfeld in einer fernen Zukunft wiederfanden. Ohne Vorwarnung, von einem Moment auf den nächsten.

Crow versuchte seinem von Kroow dominierten Gesicht ein Grinsen abzuringen. Waashton war ohne Anführer, und das bedeutete, dass die U-Men auf keinen nennenswerten Widerstand stoßen würden, wenn sie die Stadt für ihn eroberten.

Das Regierungsviertel war dicht bevölkert und diese Leute fehlen mir jetzt natürlich, überlegte er. Aber es gibt ja noch die Außenbezirke! Sobald mir Waashton gehört, werde ich eine Umsiedlung vornehmen.

Welchen Nutzen sollte das haben?

Crow zuckte innerlich zusammen. Es schockte ihn nach wie vor, wenn die fremden Gedanken sich unvermittelt zu Wort meldeten. Aber das war nicht zu ändern. Der Koordinator hatte sich in jeder einzelnen Zelle festgesetzt. Und doch hatte er, Crow, die absolute Kontrolle. Zurzeit jedenfalls.

Crow antwortete nicht. Er dachte an Mr. Black und dessen Widerstandsorganisation, die Running Men, die sich gegen den Weltrat erhoben hatten. Black ist Geschichte, aber seine Ideen könnten noch da sein!

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