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Maddrax - Folge 279

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah
  4. Der Fluch von Leeds
  5. Leserseite
  6. Amphibienpanzer »Prototyp XP-1«
  7. Datenblatt »Prototyp XP-1«
  8. Zeittafel
  9. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde. In der Folge verschiebt sich die Erdachse und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler – zur Erde gelangt sind und schuld an der veränderten Flora und Fauna sind. Nach langen Kämpfen mit den Daa’muren und Matts „Abstecher“ zum Mars entpuppt sich der Wandler als lebendes Wesen, das jetzt erwacht, sein Dienervolk in die Schranken weist und weiterzieht. Es flieht vor einem kosmischen Jäger, dem Streiter, der bereits seine Spur zur Erde aufgenommen hat!

Menschen versteinern durch ein von Harz ummanteltes Siliziumwesen. In Ostdeutschland aus der Tiefe der Erde geholt, geriet es einst in den Zeitstrahl und ernährte sich dort von Tachyonen, bis es mit der Blaupause einer Karavelle kollidierte und, halbstofflich geworden, aus dem Strahl fiel. Seitdem absorbiert es Lebensenergie, um wieder an Substanz zu gewinnen. Als Zuträger dient ihm die schattenhafte Besatzung des Schiffes. Auch Matts Staffelkameradin Jennifer Jensen wird in Irland zu Stein, und ihre gemeinsame Tochter verschwindet spurlos. Die Suche nach ihr wird unterbrochen, als Matt die Chance erhält, die Mars-Regierung für den Kampf gegen den Streiter zu gewinnen.

In der Zwischenzeit entsteht am Südpol eine neue Gefahr: In einer uralten Waffenanlage verbindet sich ein bionetisches Wesen mit General Arthur Crow, Matts Gegenspieler. Die genetische Chimäre macht sich auf den Weg zu den Hydriten – nur um in Hyton bekämpft und abgewiesen zu werden …

Zurück vom Mars – wo der Ur-Hydree Quesra’nol aus einer Zeitblase durch den Strahl zur Erde fliehen konnte – landen Matt und Aruula im Mittelmeer. Eine Kontaktaufnahme mit der Mondstation scheitert. Die beiden ahnen nicht, dass die Schatten ihrer Tachyonenspur folgen, während ein weiterer auf dem Mond alle Marsianer versteinert. Es gelingt ihnen, das Steinwesen mit ihren Tachyonen stofflich zu machen und vom Schiff zu trennen. Im gleichen Moment kehrt das Leben in die Versteinerten zurück – doch sie verhalten sich merkwürdig. Die Marsianer von der Mondstation bringen sogar ihr Raumschiff auf der Erde zum Absturz! Der lebende Stein wird von einem Mar’osianer gefunden und zu einer Kolonie nahe der Hydritenstadt Hykton getragen, wo er auf Quesra’nol trifft und seine Macht erneut aufbauen kann. Sein Ziel ist es, endlich zu seinem Ursprung zurückzukehren.

Matt und Aruula nehmen die Suche nach der verschollenen Ann wieder auf. In Schottland treffen sie auf die junge Frau Xij, die sich ihnen anschließt und gleich ein Fortbewegungsmittel beisteuert: einen Amphibienpanzer!

Der Fluch von Leeds

von Mia Zorn

28. September 2526, im Nordosten Schottlands

Ein Unwetter jagte über die Highlands. Der Himmel sah aus wie ein Schlachtfeld. Mit feuerroten und schwefelgelben Schwertern tobte das Gewitter in den aufgetürmten Wolken. Krachender Donner ließ die Erde erbeben. In den Hügeln vor Summernight Forest hatten sich die letzten Tiere in ihren Bauten verkrochen, als sich der Rumpf eines großen Eisenwagens über die Bergkuppe schob. Eine graue Festung auf acht Rädern ohne sichtbare Fenster und Türen.

Einen Augenblick verharrte der Panzer auf der Anhöhe. Seine roten Scheinwerfer glühten wie die Augen eines hungrigen Raubtiers. Von seinem Waffenturm auf dem Dach tastete sich ein gleißender Lichtkegel über die Wälder am Fuße der Hügel und heftete sich schließlich auf die breite Waldschneise, die sich wie eine grünbraune Schlange nach Süden wand.

Der Eisenwagen gab einen ächzenden Laut von sich. Dann schob sich auch der Rest seines Titanenleibes über den Kamm. Steine splitterten und knirschten, als die wuchtigen Räder das Geröll durchpflügten und ihre tonnenschwere Last hangabwärts beförderten. Vermutlich wäre ein leichteres Gefährt ins Rutschen geraten, hätte sich Beulen und Schrammen geholt von dem aufspritzenden Geröll oder heiße Dampfwolken gespuckt beim Versuch, die rasante Fahrt abzubremsen.

Doch nicht so der Koloss, der inzwischen den Fuß der Hügelkette erreicht hatte. Weder Wasser noch irgendeine andere Substanz trieb ihn an. Sondern Trilithiumenergie, gespeichert von Kristallen in seinem Rumpf. Auch war seine Außenhülle unempfindlich gegen den Steinregen: Das vermeintliche Eisen seiner Panzerplatten war in Wirklichkeit ein Kunststoff-Metall-Hybride. Superverdichtet und extrem widerstandsfähig.

Bei der rollenden Festung handelte es sich um einen Amphibienpanzer. Fünfzehn Meter lang, vier Meter achtzig hoch und sechs Meter sechzig breit. Ausgelegt für die Forschung, aber auch bestückt mit Waffen, mit denen im 21. Jahrhundert die Menschheit Kriege zu führen pflegte. Für die meisten Menschen des 26. Jahrhunderts jedoch stammten sie direkt aus Orguudoos Reich und waren nichts weiter als Werkzeuge dunkler Magie.

Im Gewölbe der CHAPEL HILL LABORATORIES hatte der Panzer schadlos den jahrhundertelangen Winter nach „Christopher Floyd“ überstanden. „Prototyp XP-1“ lautete seine Bezeichnung und er gehörte genauso wenig in diese postapokalyptische Welt wie der Mann, der das Amphibienfahrzeug in diesem Augenblick in die Waldschneise steuerte: Commander Matthew Drax.

Geboren 1980 in Riverside bei Los Angeles, hätte der einstige Pilot der US Air Force überhaupt nicht hier sein dürfen. Hätte! Doch am 8. Februar 2012 – dem Tag, an dem er mit seiner Staffel die Auswirkungen des Raketenbeschusses auf den Kometen beobachtet hatte – war er innerhalb eines Sekundenbruchteils samt seinem Düsenjet in die Zukunft katapultiert worden: in das Jahr 2516 einer zerstörten Welt. Einer Welt, die nur noch wenig zu tun hatte mit jener, in der Matt Drax einst aufgewachsen war.

Doch der Mann aus der Vergangenheit war inzwischen Teil von ihr geworden. Hatte auf seinen Reisen durch die Kontinente Gefährten gefunden und die Frau, der sein Herz gehörte: Aruula, eine Kriegerin vom Volk der Dreizehn Inseln. Immer wieder riskierte er Kopf und Kragen, um die, die ihm lieb und teuer geworden waren, zu schützen.

So suchte er seit Jahren schon nach einer Möglichkeit, einer drohenden Gefahr aus dem All Herr zu werden – dem Streiter. Er hatte in einer Vision miterlebt, wie die gesichtslose kosmische Wesenheit auf der Jagd nach Beute ganze Planeten verschlungen hatte. Nun war sie auf dem Weg hierher – denn auch auf der Erde hatte sich bis vor kurzem ein so genannter Wandler befunden. Matt wusste nicht, warum diese riesigen eiförmigen Kreaturen vom Streiter gejagt wurden. Er ahnte aber, dass die Wesenheit sehr wütend sein würde, wenn sie erkannte, dass der Wandler längst nicht mehr hier war …

Auch jetzt dachte Matt an den mächtigen Zerstörer. Jederzeit konnte er durch ein Schwarzes Loch die Erde erreichen und über sie herfallen. Die Hoffnung, den in der Antarktis gelegenen Flächenräumer zu reaktivieren, eine uralte Waffe der Hydriten, hatte sich nicht erfüllt. Nun machte man sich auf dem Mars Gedanken über eine effektive Abwehr der dunklen Wesenheit, seit er die dortige Regierung informiert hatte. Vielleicht fand man eine Möglichkeit, das irdische Magnetfeld, das sich durch den Kometeneinschlag verschoben hatte, zum Flächenräumer umzuleiten, damit er sich wieder auflud.

Matt Drax fuhr sich durch sein kurzgeschnittenes blondes Haar. Er saß vor der Computerkonsole im geräumigen Cockpit des Panzers, den Aruula kurzerhand „PROTO“ getauft hatte. Der Copilotensessel links neben ihm – es war ein britisches Modell und somit auf Linksverkehr ausgelegt – war leer. Aruula und Xij schliefen in den Kojen im mittleren Bereich ihrer fahrenden Unterkunft. Es musste, laut Borduhr, kurz nach Sonnenaufgang sein, doch so genau war das nicht festzustellen, denn das Unwetter machte den Tag draußen zur Nacht.

Drinnen erhellte gedämmtes Licht die Kommandobrücke. Es roch nach Kunststoff und Harz. Über Matts Kopf war das leise Summen der Deckendüsen zu hören, die das Innere PROTOs mit Frischluft versorgten. Manchmal übertönte Xijs Stimme das monotone Geräusch. Die junge Frau, die sie vor einigen Wochen an der Nordostküste Schottlands kennengelernt hatten1) und die sich selbst Xij Hamlet nannte, sprach im Schlaf. Fast jede Nacht. Und in verschiedenen Sprachen! Matt hatte es inzwischen aufgegeben, herauszufinden, was Xij im Traum so beschäftigte. Sie redete nicht gerne darüber. Überhaupt redete sie nicht gerne über sich. Selbst die Ursache für ihre violett gefärbte Zunge gab sie nicht preis.

Auch nach den vielen Tagen, die sie nun gemeinsam reisten, blieb die knabenhafte Frau für den Piloten aus Riverside ein Buch mit sieben Siegeln. Sicher war nur, dass sie über ein Wissen verfügte, das sie sich kaum in neunzehn Lebensjahren erworben haben konnte. Besonders ihr Geschick auf technischem Gebiet verblüffte Matt immer wieder. War sie vielleicht doch eine Zeitreisende? Was auch immer. Bei dem Problem mit dem Streiter würde auch sie nicht weiterhelfen können.

Drax rieb sich die müden Augen. Er wollte die Hoffnung auf ein Wunder nicht aufgeben. Gerade jetzt, wo die Versteinerten auf den Dreizehn Inseln wieder zu Fleisch und Blut geworden waren. Er hoffte inständig, dass auch alle anderen Versteinerten ins Leben zurückgekehrt waren, vor allem die Technos auf Guernsey und die Bewohner des irischen Küstendorfes Corkaich; des Dorfes, in dem seine Staffelkameradin Jennifer Jensen und ihre gemeinsame Tochter Ann gelebt hatten.

Jenny und ihr Lebensgefährte Pieroo waren zu Stein erstarrt, Ann spurlos verschwunden. Die Suche nach ihr war bislang vergeblich verlaufen, und widrige Umstände hatten ihn und Aruula zu einer Unterbrechung gezwungen, doch jetzt wollte Matt sie wieder aufnehmen. Nach der langen Zeit war er sich sicher: Wenn Ann noch lebte, dann musste sie irgendwo untergekommen sein. Dann ging es ihr den Umständen entsprechend gut. Dann würde er sie auch finden können.

Rätselhaft war nach wie vor, was mit dem marsianischen Suchtrupp von der Mondstation geschehen war, der in seiner Abwesenheit die Suche fortsetzen sollte.2) Die Verbindung zur Station war plötzlich abgebrochen und Matt verfügte nicht über die Mittel, dort nachzusehen. Vielleicht stieß er ja in Irland auf Spuren der Expedition.

Doch zuvor würden sie bei seinem Freund und Blutsbruder Rulfan Zwischenstation machen. Der „Neobarbar“ – seine Mutter war eine Barbarin gewesen – konnte dann nach Guernsey reisen und nach den dortigen Technos sehen, unter denen auch sein Vater war, Sir Leonard Gabriel.

Rulfans Burg Canduly Castle lag nicht mehr weit entfernt. Nur aus diesem Grund wagte Matt sich mit dem Amphibienpanzer in dieses unwegsame Waldgebiet. Er hoffte am Abend gemeinsam mit dem Freund an dessen heimeligem Kamin zu sitzen.

Drax freute sich auf das Wiedersehen mit dem Albino. Auch wenn es nur von kurzer Dauer sein würde: Er wollte so schnell wie möglich weiter nach Corkaich. Wenn sich seine Hoffnung erfüllte, waren die Versteinerten wieder zum Leben erwacht, und er würde mit Jenny und Pieroo zusammen die Suche nach Ann neu angehen. Vielleicht wussten die beiden ja sogar, wo die Kleine sich aufhalten konnte.

Matts Blick konzentrierte sich wieder auf die Ansicht, die die Frontkamera auf den fenstergroßen Monitor vor seinem Sessel übertrug. Draußen wütete immer noch das Gewitter. Der Regenvorhang war mit den Scheinwerfern kaum zu durchdringen, und darüber flammten fortwährend Blitze auf. Es wurde von Minute zu Minute schlimmer – und die Fahrt riskanter.

Matt warf einen Blick auf das Echolot, das auf einem kreisrunden Bildschirm die Umgebung in grünen Linien sichtbar machte. Doch hier im Wald gab es zu viele Echos, als dass man vernünftig damit hätte navigieren können.

Schließlich siegte die Vernunft über den Drang, möglichst schnell voranzu kommen. Es nutzte niemandem, wenn die Fahrt verkeilt zwischen zwei Mammutbäumen endete.

Matt unterbrach den Energiezufluss des Trilithium-Reaktors zum Motor des Amphibienpanzers und stemmte sich aus dem Sessel. Es würde höchste Zeit, sich ebenfalls eine Mütze Schlaf zu gönnen …

Gegen Mittag hatte das Unwetter nachgelassen und Matt konnte wieder auf Sicht fahren. Draußen war nur noch leises Donnergrollen zu hören und Regen nieselte auf Blattwerk und Sträucher. Graues Licht lag über der Schneise, die sich noch immer in engen Kurven zwischen den Baumriesen hindurchwand.

Die beiden Frauen waren ebenfalls auf den Beinen – mehr oder weniger. Während Aruula in der Bordkombüse Tee kochte, hatte sich Xij in den Sitz des Copiloten gefläzt, barfuß, die halbhohen Stiefel aus weichem Leder neben sich. Neidisch schaute sie Matt zu, wie er den Panzer lenkte.

Er wusste, dass sie das Zeug dazu hatte, mit der Technik umzugehen; das hatte sie ihm schon bewiesen, auch wenn er sich nicht erklären konnte, woher sie dieses Wissen bezog. Doch bevor er selbst nicht PROTO vollständig beherrschte und im Notfall eingreifen konnte, ließ Matt sie nicht ans Steuer.

Aruula erschien im Cockpit und reichte ihren Begleitern dampfenden Tee in Plastiktassen. Sie fühlte sich nicht sonderlich wohl hier, wie Matt wusste. Für sie, ein Kind der Natur, war alles in PROTO ohne Leben. Das künstliche Licht, der Geruch, die glatten Wände. Selbst die Decke, unter der sie schlief, war aus Polyester.

Sie brauchte die Nähe von Erde und Pflanzen, Felsen und Wasser, Wind und Wetter. Deshalb sehnte sie die Ankunft in Canduly Castle herbei.

Xij machte dagegen einen überaus fröhlichen Eindruck. „Es gibt doch nichts Schöneres, als mit einem sicheren Panzer durch die Wildnis zu pflügen.“ Was für die Barbarin die Natur war, schien für das jungenhafte Mädchen die Technik zu sein.

„Weder sehe ich Tag, noch Wildnis“, murrte Aruula mit einem Blick auf die Frontmonitore, die das Kamerabild von draußen übertrugen und es mit allerlei Daten und Ortungslinien ergänzten. „Nur ein künstliches Abbild davon.“

Matt machte den Versuch, Aruulas Laune zu heben. „Dann pass mal auf …“ Er beugte sich vor und legte zwei Schalter um. Mit einem leisen Summen glitten vor den Sesseln beide Stahl-Kunststoff-Platten mit den Bildschirmen darauf nach unten weg und gaben zwei Fenster frei.

„Schon besser, nicht wahr?“, fragte Matt. „Das Glas ist so stark, dass man es höchstens mit einer Panzerfaust knacken könnte. Wenn du also willst, lassen wir für den Rest des Weges die Bildschirme eingefahren.“ Er lächelte Aruula an – und die lächelte zurück.

Zufrieden betrachtete sie die Welt hinter der Scheibe. Den bewölkten Himmel am Horizont. Die mächtigen Baumkronen und das regennasse Unterholz. Jede Pfütze, jede bemooste Erhebung und jeden Fetzen Gestrüpp.

Dann bemerkte sie Xijs Blick auf sich. Und wieder war es irritierend. So wie die junge Frau sie betrachtete, taten es sonst nur Männer. Ihr Blick wanderte über Aruulas dichtes blauschwarzes Haar, über die heiligen Zeichnungen auf ihren nackten Schultern, und blieb schließlich auf den wohlgeformten Brüsten unter dem Lederwams hängen.

Aruula schluckte. In dem Blick der jungen Frau lag keine Begierde, aber die unverhohlene Neugier ließ jede Höflichkeit oder Achtung vermissen. Anscheinend merkte Xij gar nicht, wie unangenehm es ihrem Gegenüber war.

Aber die Barbarin wollte jetzt nicht darüber diskutieren. Sie nippte am Tee und unterzog nun ihrerseits Xij einer näheren Betrachtung, musterte ihr kurzes blondes Haar und das kantige Gesicht mit den mandelförmigen Augen, der spitzen Nase und dem kleinen Mund. Die Lederschnallen, die die sehnigen Arme der jungen Frau zierten, und die ärmellose Weste.

Nur wenn man wusste, dass es sich bei Xij um eine Frau handelte, konnte man die leichten Wölbungen ihrer Brüste entdecken. Dort ließ Aruula ihren Blick verweilen. Gerade lange genug, dass das Mädchen ihn bemerkte. Offensichtlich verunsicherte es das. Schützend legte Xij eine Hand auf ihr Brustbein und wandte sich mit einer Drehung ihres Stuhles wieder dem Fenster zu.

Grinsend leerte die Barbarin ihren Becher und genoss ebenfalls die Aussicht. Für lange Zeit verlief die Fahrt schweigend. Irgendwann ragten zwei Speerwürfe vor dem Panzer Eichen und Tannen auf und die Schneise bog sich nach Osten. Matt lenkte PROTO sanft durch die steile Kehre, danach ging es auf einer langen Strecke wieder geradeaus. Während rechts der Wald wie eine dunkle Mauer den Weg säumte, standen die Bäume linker Hand lichter. Stachlige Brabeelenbüsche und Brennnesselhecken umwucherten die mächtigen Stämme.

Alles wirkte friedlich. Nichts, was auf eine drohende Gefahr schließen ließ – bis plötzlich wie aus dem Nichts ein struppiger Leib aus dem dunklen Waldsaum hervorbrach. Knapp vor dem Panzer setzte er über den Weg und war im nächsten Augenblick zwischen den Brabeelensträuchern wieder verschwunden.

„Ein Lupa! Pass auf, er wird nicht alleine unterwegs sein!“, warnte Aruula.

Augenblicklich drosselte Matt die Geschwindigkeit und brachte das Fahrzeug einen Steinwurf weiter zum Stehen. Im Fensterausschnitt tauchte kein weiteres Tier auf. Um das Gebiet seitlich von PROTO einsehen zu können, benutzte er die Monitore der Außenkameras. Zunächst entdeckten sie weder beim dunklen Waldsaum noch in den Hecken der licht stehenden Bäume etwas. Doch als Matthew die Aufnahmen der Dachkamera auf einen Bildschirm holte, stockte ihnen der Atem.

In einer Grassenke unterhalb der Bäume fand ein ungleicher Kampf statt: Ein halbes Dutzend barbarisch anmutender Krieger wurde von einem Rudel Lupas angegriffen!

Matthew Drax beobachtete düster, wie die Lupas den Kreis um die Menschen immer enger zogen. Er kauerte mit Aruula und Xij hinter einem Brabeelengebüsch oberhalb der Senke. Leider war es nicht möglich, in diesem Winkel den Taser3) des Panzers zu benutzen. Also waren sie ausgestiegen, um den unterlegenen Barbaren mit ihren Handwaffen zu Hilfe zu kommen.

Vorsichtig spähten sie jetzt durch die Zweige der stacheligen Sträucher. Unten in der Grassenke lagen drei Lupas und ein Mann reglos am Boden. Die übrigen Krieger hatten sich zu einer Anhäufung Findlinge in der Mitte der Lichtung zurückgezogen, bärtige Burschen mit Armbrust, Kurzschwert und Jagdbogen bewaffnet. Struppige Haare kräuselten sich unter ihren roten Kappen und sie trugen allesamt schuppige rotbraune Lederharnische. Wild gestikulierend palaverten sie miteinander. Verstehen konnte man sie von hier aus nicht. Der Regen war wieder stärker geworden und prasselte lautstark auf Blattwerk und Unterholz.

Matt zählte mehr als ein Dutzend Lupas, die sich mit gesenkten Schädeln den Kriegern näherten. Riesige Tiere mit zurückgezogenen Lefzen, aus deren doppelten Zahnreihen lange Fangzähne ragten. Ungewöhnlich, dass sie sich menschliche Beute suchten; normalerweise mieden sie deren Nähe.

Geführt von einem Schwarzpelz bewegten sich ein halbes Dutzend Lupas frontal auf die Männer zu. In deren Rücken hinter den Findlingen hatten weitere fünf Stellung bezogen. An der Seite, den Wald hinter sich, lauerte ein Graupelz mit vier der mutierten Wölfe. Matt schätzte, dass es sich um den Leitwolf handelte. Wenn es gelänge, ihn in die Flucht zu schlagen, würden die anderen ihm vielleicht folgen. Vielleicht!

Er beratschlagte sich kurz mit den Frauen. Schließlich war man sich einig. Anschleichen hatte eh keinen Sinn; dann besser auf das Überraschungsmoment setzen.

Auf sein Kommando sprangen sie aus ihrer Deckung, jagten mit johlenden Schreien und gezückten Waffen die Böschung hinunter. Während die Barbarin und Xij auf das Rudel um den Schwarzpelz zuliefen, stürmte Matt an den verdutzten Männern bei den Findlingen vorbei. In seinem Rücken hörte er das Sirren von Aruulas Schwert und das Ploppen von Xijs Nadler.

Ein Lupa jaulte auf. Die Männer brüllten. Offenbar mischten sie jetzt im Kampfgetümmel mit. Matt drehte sich nicht um, rannte weiter.

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