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Maddrax - Folge 276

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah
  4. Die Genesis des Arthur Crow
  5. Kapitel 1
  6. Kapitel 2
  7. Kapitel 3
  8. Kapitel 4
  9. Kapitel 5
  10. Kapitel 6
  11. Kapitel 7
  12. Kapitel 8
  13. Kapitel 9
  14. Kapitel 10
  15. Kapitel 11
  16. Kapitel 12
  17. Kapitel 13
  18. Kapitel 14
  19. Kapitel 15
  20. Leserseite
  21. Zeittafel
  22. Cartoon
  23. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde. In der Folge verschiebt sich die Erdachse und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler – zur Erde gelangt sind und schuld an der veränderten Flora und Fauna sind. Nach langen Kämpfen mit den Daa’muren und Matts „Abstecher“ zum Mars entpuppt sich der Wandler als lebendes Wesen, das jetzt erwacht, sein Dienervolk in die Schranken weist und weiterzieht. Es flieht vor einem kosmischen Jäger, dem Streiter, der bereits seine Spur zur Erde aufgenommen hat!

Menschen versteinern durch ein unbekanntes Siliziumwesen, das, von Harz ummantelt, im Kiel eines Schiffes steckt. Aus der Tiefe der Erde geholt, geriet es einst in den Zeitstrahl und ernährte sich dort von Tachyonen, bis es mit der Blaupause einer Karavelle kollidierte und, halbstofflich geworden, aus dem Strahl fiel. Seitdem absorbiert es Lebensenergie, um wieder an Substanz zu gewinnen. Als Zuträger dient ihm die schattenhafte Besatzung des Schiffes.

Auch Matts Staffelkameradin Jennifer Jensen wird in Irland zu Stein, und ihre gemeinsame Tochter verschwindet spurlos. Auf der Suche nach ihr erkrankt Aruula. Als befreundete Marsianer auftauchen, willigt Matt ein, dass diese die Suche fortführen. Auf dem Mars will er die Regierung für den Kampf gegen den Streiter gewinnen.

Zurück vom Mars – wo ein fast vier Mrd. Jahre alter Hydree aus einer Zeitblase durch den Strahl zur Erde fliehen konnte – landen Matt und Aruula im Mittelmeer. Eine Kontaktaufnahme mit der Mondstation scheitert. In Rom treffen sie ihren alten Freund Moss wieder, der gegen die Meffia kämpft und dem sie beistehen. Dabei begegnet Aruula Tumaara von den 13 Inseln, die nach schwerer Schuld aus der gemeinsamen Heimat geflohen ist. Sie begleiten sie nach Hause und treffen auf den Daa’muren Grao’sil’aana, ihren Erzfeind, der dort inkognito als Händler Hermon lebt … und geläutert scheint, denn er begräbt seine Rachegelüste und schließt Frieden mit ihnen.

Sie ahnen nicht, dass die Schatten der Tachyonenspur von Matt und Aruula gefolgt sind und die Inseln ansteuern, während ein weiterer Schatten auf dem Mond alle Marsianer versteinert, auch eine Rettungscrew, die dort eintrifft. Die Lage scheint aussichtslos – bis es Matt, Aruula und Grao gelingt, das Steinwesen mit ihren Tachyonen stofflich zu machen und vom Schiff zu trennen. Im gleichen Moment kehrt das Leben in die Versteinerten zurück …

Die Genesis des Arthur Crow

von Manfred Weinland

General Arthur Crow erwachte nicht einfach nur, er wurde geweckt. Doch als er die Lider hob, schien er allein zu sein.

Er stöhnte unter der Flut hereinbrechender Erinnerungen. Sekundenlang war er wie verschüttet unter Bildern, die ihm eines drastisch vor Augen führten: Diesmal hatte er den Kürzeren gezogen!1)

Sein Blick wanderte durch den diffus erhellten Raum. Aber seine Gegner – seine Todfeinde – suchte er vergeblich. Von Matthew Drax und dessen Mitstreitern war nichts zu sehen …

1.

Selbst die Augenbewegung fiel schwer. Sie schien gegen Crows ureigenen Willen ankämpfen zu müssen, obwohl er doch unbedingt sehen wollte.

Dann hörte er Schritte.

Wuchtig und zugleich stoisch.

Über Arthur Crow tauchten die Umrisse zweier von ihm geschaffener Doppelgänger auf – Warlynnes. Offenbar noch intakt und ihrem Herrn wie aus dem Gesicht gemeißelt.

Crow wollte etwas zu ihnen sagen, aber außer einem heiseren Krächzen kam zunächst kein Ton aus seiner Kehle. Dafür sprachen die weiterentwickelten U-Men, deren Plysteroxskelett täuschend echt mit aus Leichenteilen gewonnener Biomasse überzogen war.

„Können wir helfen, Sir?“

Der Linke stellte die Frage. Respektvoll, wie es sich gehörte.

Crow erkannte Bonaparte in ihm. Er versuchte zu antworten, doch seine Zunge gehorchte ihm noch immer nicht.

„Sir?“ Der rechts stehende Warlynne – Alexander, erkannte Crow auch diesen – wirkte argwöhnisch. Sein Blick wanderte vom General weg, kehrte aber sofort wieder zurück. Mit einer Geste machte Alexander seinen Zwilling offenbar auf etwas aufmerksam, was ihm aufgefallen war oder verdächtig erschien.

Beide rückten plötzlich von Arthur Crow ab. Ihre Gestalten verschwanden aus seinem Blickfeld. Er hörte aber weiterhin, wie sie sich bewegten und miteinander redeten – beziehungsweise zu ihm sprachen.

„Sir! Wir kümmern uns darum, keine Sorge. Wir werden …“

Crow richtete sich ruckartig vom Boden auf – wobei er das Gefühl hatte, aufgerichtet zu werden. Ebenso verhielt es sich, als sein Kopf sich halb nach rechts, dann nach links und wieder zurück drehte. Auch diese Handlung schien ein anderer für ihn zu vollziehen.

Seine beiden Warlynnes hatten ihre Waffenarme erhoben und zielten damit auf …

… mich!

Vielleicht bedurfte es dieses letzten Steinchens im Mosaik der Geschehnisse, um Arthur Crow begreifen zu lassen, was an der ganzen verdammten Situation nicht stimmte.

Mit ihm stimmte es nicht mehr. Eine jahrtausendealte Stimme erklang in ihm – und er gehorchte.

„Senkt die Waffen!“, befahl er den Warlynnes. Sein Tonfall war fast wieder der alte. Befehlsgewohnt und autoritär.

Die beiden Maschinenmenschen zögerten. Er konnte förmlich sehen, wie es hinter ihrer Stirn arbeitete, dort wo Technik ein lebendiges Gehirn ersetzte.

Sie waren intelligent, verfügten über Crows strategisches Denken. Sie würden nicht in blinden Eifer verfallen und sich zu etwas hinreißen lassen, das die bislang nur unterschwellig köchelnde Bedrohung zur Eskalation brachte.

„Senkt die Waffen!“, wiederholte er fest. „Es ist alles gut. Ich spreche als freier Mann zu euch.“ Die Lüge kam ihm schmerzhaft leicht von den Lippen. „Bonaparte, Alexander … was ihr seht, hat keine Bedeutung. Gehorcht! Ich verlange von euch …“

Die beiden männlichen Warlynnes mit den von Crow verliehenen Eigennamen Alexander und Bonaparte zuckten wie unter einem schwachen epileptischen Anfall. Der Chip in ihrem Kopf enthielt sorgsam ausgewählte Fragmente von Crows Bewusstseinsprofil. Genau die Dosis und genau das Maß an Eigenständigkeit, das er seiner kybernetischen Armee zubilligte. Aber offenbar kam es gerade zu einem weitreichenden Konflikt in der Programmierung der halborganischen Roboter.

Die zu tödlichen Laserwaffen ausgebildeten Finger der mechanischen Doppelgänger senkten sich nicht. Sie schwenkten nur unablässig mal ein paar Zentimeter nach rechts und dann nach links. Zwischendurch verhielten die Mündungen immer wieder auf Crows Brust.

Als die Abstrahlpole der auf ihn gerichteten Waffen hässlich zu glimmen begannen, entschied er sich, den Befehl zur Selbstvernichtung zu geben.

Die Warlynnes waren auf ihn konditioniert. Diese Grundjustierung ließ ihnen keinen Spielraum. Sie mussten jedem seiner Befehle gehorchen und würden sich ohne Zögern –

Narr!, schalt Crow sich selbst – oder war es etwas anderes, das ihn maßregelte? Sie gehorchen dir schon die ganze Zeit nicht mehr. Sie bemerken den personifizierten Widerspruch, den du darstellst. Sie erkennen den Unterschied zu dem Mann, der ihnen befehlen darf – und dem Mann, dem befohlen wird.

Und so war es.

Der Herr dieser Hydritenstation, der Koordinator, ließ kurz die Zügel schießen. Crow war plötzlich in der Lage, die Hand zu heben und in seinen Nacken zu lenken, wo sich ein tentakelartiger Strang förmlich in Haut und Fleisch verbissen hatte.

Wie ein Déjà-vu überkam den General die Erkenntnis, nun schon zum zweiten Mal auf diese Weise versklavt zu werden. Unterschwellig hatte er es längst geahnt, trotzdem lähmte ihn die gerade erlangte Gewissheit regelrecht.

„Wir befreien Sie, Sir!“, hörte er den Warlynne zu seiner Rechten leidenschaftlich rufen – Bonaparte. „Sie können sich auf uns verlassen!“

Im Vorstürmen schnellte eine schmale Klinge aus einem Finger des Maschinenwesens. Sie schnitt durch die Luft, versuchte den Strang zu durchtrennen, über den der Koordinator des Flächenräumers Arthur Crow unter seine geistige Knute zwang.

Zu diesem Zeitpunkt hielt Crow es noch für durchaus möglich, dass seine „Kinder“ ihn aus dieser misslichen Lage befreien würden.

Doch das lautlose Gelächter in seinem Kopf belehrte ihn schnell eines Besseren, und er begriff, dass für seinen unmenschlichen Gegner die Warlynnes kaum mehr als bizarres Spielzeug waren …

… das er im nächsten Moment wie ein jähzorniges Kind zu Boden schmetterte.

Crow musste hilflos mit ansehen, wie die oberste Kontrollinstanz der Hydritenstation seine beiden Warlynnes synchron schrottete. Die verborgene Natur der beiden Maschinenmenschen hätte sie eigentlich gegen eine solche Attacke schützen müssen – die Biomasse mochten die Tentakel mit Leichtigkeit beschädigen oder durchbohren können, aber anders als bei einem echten Lebewesen fanden sie danach keinen Anschluss an ein zentrales Nervensystem.

Trotzdem wurden Bonaparte und Alexander vor Crows Augen zerlegt. Eine Serie von Explosionen in ihrem Inneren zerfetzte die Hüllen und legte die wahre Natur der U-Men bloß.

Obwohl Crow keine tieferen Gefühle für die beiden Warlynnes hegte, bedauerte er ihren Verlust, weil damit auch die letzte Chance, dem Griff des Koordinators zu entrinnen, verspielt schien.

„Wie … hast du das gemacht?“, keuchte er. Die Verwunderung darüber, dass er sich wieder seiner Stimmbänder bedienen konnte, hielt sich in Grenzen. Er spürte, dass dies ein Zugeständnis war, das jederzeit widerrufen werden konnte. Das bionetische Gehirn der Station hatte die Situation vollkommen unter Kontrolle.

Und ihn auch.

Kurzschluss, formten sich Worte in seinem Geist. Ich kann beliebig starke Energieströme durch meine Ausleger leiten. – Kostprobe gefällig?

Crow spürte, wie er sich verkrampfte. „Nein, danke“, krächzte er. Seine Stimme schien von den Wänden des Raumes widerzuhallen. Der ganze Komplex wirkte irgendwie organisch, was dem General nicht zum ersten Mal auffiel. Man fühlte sich in den Körper einer außerirdischen Monstrosität versetzt. Auch weniger ängstliche Naturen hätten daran zu knabbern gehabt.

„Und wie … geht es jetzt weiter?“, fragte er.

Mit dir – oder mit mir?

Mit mir.“

Für dich habe ich mir etwas ganz Besonderes ausgedacht. Doch dafür musst du erst noch sterben …

Was sollte daran so besonders sein, gleich hinterrücks umgebracht zu werden?

Arthur Crow hatte plötzlich einen bleiernen Geschmack im Mund. Nachdem er gerade Zeuge geworden war, wie spielerisch leicht der Koordinator die beiden Warlynnes zerstört hatte, war für ihn klar, dass er im Ernstfall keine Chance gegen dieses Ding hatte.

Nicht, wenn es ernst machte. Und danach sah es aus.

Das, was in Crows Nacken steckte, drehte sich plötzlich ohne weitere Vorwarnung. Als wollte sich die Spitze des Tentakels durch Wirbelsäule und Kehlkopf fräsen und auf der anderen Halsseite wieder austreten.

Crow hatte das Gefühl, den Kopf abgerissen zu bekommen. Dass er überhaupt noch zu solchen Gedanken fähig war, bewies zwar, dass es sich dabei um reine Einbildung handelte, dennoch versank der General für unbestimmte Zeit in einem Meer der Marter. Er litt nicht länger Schmerz – er war Schmerz. Nichts anderes mehr. Seine Existenz verdampfte zu einem Destillat, das nur noch eines war: QUAL.

In einem kurzen lichten Moment sah er, dass die Stränge, die Bonaparte und Alexander zur Explosion gebracht hatten, nun ihn umschlangen und als hilfloses Bündel quer durch den Raum schleiften, bis zu der Stelle, wo die ovale Fläche des Koordinators in die Wand eingelassen war. Das Oval hatte Ähnlichkeit mit der Iris eines menschlichen Auges, nur dass es um das Tausendfache größer war. Die äußere Fläche war glatt wie ein Spiegel oder eine Mattscheibe. Der Koordinator hatte die Möglichkeit, Zeichen darauf zu projizieren.

Crow wusste nicht, wie diese organische Technik funktionierte, die die Hydriten zur Perfektion entwickelt hatten. Aber er benutzte ja auch einen Driller, ohne dass er im Stande gewesen wäre, ihn nachzubauen.

Manchmal war es nicht wichtig, etwas bis ins Detail zu verstehen, sondern einfach nur, es benutzen zu können.

Und wahrscheinlich verhielt es sich aus Sicht des „bionetischen Computers“ gar nicht so viel anders: Er benutzte Crow, ohne den genauen Bauplan eines Menschen kennen zu müssen. Offenbar war er intuitiv in der Lage, sich in einen lebenden Wirtskörper einzuloggen – und wenn dieser beseelt oder gar intelligent war, auch in dessen Geist.

Das Ganze ging noch einen Schritt weiter: Der Koordinator verschaffte sich nicht nur Zugang zu einem Opfer, er war auch fähig, das ihm innewohnende Ich zu unterjochen.

Crow wollte sich gegen die Fremdherrschaft auflehnen – er hasste nichts mehr, als sich einem anderen unterzuordnen –, aber er fand keinerlei Anhaltspunkt, wo er den Hebel dafür hätte ansetzen können. Mit der Urgewalt eines Tsunami kam der andere Wille über ihn und stauchte sein eigenes Ich in den hintersten Winkel dessen, was einmal sein Gehirn gewesen war.

Von einer Sekunde auf die andere gehörte es, wie auch der Rest seines Körpers, dem Koordinator.

Der sich damit aber immer noch nicht zufriedenzugeben schien. Die wahre Dimension des ihm bestimmten Schicksals erahnte Crow erst, als er, fast schon in Agonie versunken, wie aus lichtjahrweiter Entfernung auf sich hinab starrte wie auf etwas Fremdes.

Vielleicht war es nur eine Halluzination im Moment des Todes. Aber vielleicht erlebte er auch gerade eine Wechselwirkung, die ihn für unbestimmte Zeit in die Lage versetzte, sich selbst durch die Augen des Koordinators zu sehen.

Zumindest so lange, wie der Koordinator selbst noch in seiner gewohnten Form existierte.

Zu sehen, wie er umgebracht wurde, war das Furchtbarste, was Crow je hatte ertragen müssen.

Er durfte aber nicht einfach – und erst recht nicht schnell – sterben. Zuerst wurde er brutal verstümmelt.

Durch den Wolf gedreht …, wisperte ein anderes Synonym durch Crows Verstand, und er konnte nicht unterscheiden, ob er es dachte oder das Fremde in ihm. Wie konnte er überhaupt noch denken, während ihm das angetan wurde?

Seine Augen quollen aus den Höhlen, als sollten sie von heftigen Atemstößen zum Platzen gebracht werden. Seine Haut spannte sich … riss. Nicht an einzelnen Stellen, sondern rund um seinen Körper! Überall trat Blut aus, während zugleich …

… etwas in mich eindringt …

Crow wusste nicht, wie sich Lava, über Kanülen in seine Adern geleitet, angefühlt hätte. Was er aber wusste, war, dass sich das, was gerade mit ihm geschah, das sicherlich Schlimmste war, was jemals eine lebende Kreatur hatte ertragen müssen.

Durch die Augen des Koordinators sah er, wie der Tentakel, der in seinem Genick steckte, halb durchscheinend, fast transparent wurde, und wie sich tatsächlich etwas wie dunkle zähe Lava aus dem Wandmodul, das der Koordinator war, zu ihm herüber wälzte.

Er sah sich, wie er sich noch nie zuvor hatte sehen können. Er sah sich, wie der Koordinator ihn sah.

Es war, als genieße der Herr der Station seine an Allmacht grenzende Kontrolle der Situation. Als wäre er stolz auf das, was er in diesem Moment tat – und als verspürte er den Drang, dies irgendjemandem, notfalls auch seinem Opfer, wenn es denn keine besseren Tatzeugen gab, vorzuführen.

Und je länger Crow zusah, wie sein Körper verheert, von der Bionetik vereinnahmt und aufs Bizarrste verformt wurde … wie sich lebendiges Gewebe, Organe, Blut und Knochen mit dem vermischte, was in sie hineingepumpt wurde … desto weniger spürte er von alledem.

Der Schmerz wich willkommener Taubheit.

Die Taubheit der Finsternis.

Und die Finsternis – dem Tod.

2.

August 2526, Mondbasis

Der Mond hatte keine dunklere Seite als die, auf der die Station lag. Die gefühlte Finsternis dort konnte kein noch so hell leuchtender Stern verscheuchen – seit die Dämonen diesen Ort überfallen hatten.

Genau genommen war es nur ein einziger Dämon gewesen, ein Schatten von menschlicher Gestalt. Er war ebenso durch die luftgefüllten Abteilungen der Station gegangen wie über die eisige und luftleere Oberfläche des Erdtrabanten. Mal war er wie ein Geist gewesen, dann wieder fast körperlich – offenbar abhängig davon, wie viele Opfer ihn genährt hatten.

Seine Opfer waren die Marsianer gewesen. Diejenigen, die auf der Station ihren Dienst versehen hatten, und die, die mit ihrem Raumschiff, der CARTER IV, gekommen waren, um die alte Stationsbesatzung abzulösen.

Der Schatten hatte keinen Unterschied zwischen ihnen gemacht und jeden versteinert, dessen er habhaft hatte werden können.

Nur zwei Personen waren diesem Schicksal entgangen.

Und auch wenn die meisten Opfer des Phantoms inzwischen wieder aus Fleisch und Blut waren und ihre zeitweilig unterbrochenen Leben fortsetzten, war Calora Stanton doch froh, nie zu den Versteinerten gehört zu haben. Sie war eine der beiden Personen, die verschont geblieben waren. Der andere, der dem Schattenwesen entronnen war, hieß Damon Marshall Tsuyoshi.2)

Sie hatte ihn den ganzen gestrigen Tag nicht gesehen. Was ungewöhnlich war in einer so limitierten Welt wie der, in der sie und die anderen Marsianer sich hier bewegten. Fast sah es so aus, als ginge er ihr aus dem Weg.

Wundert dich das? So klettenhaft, wie du dich an ihn gehängt hast in letzter Zeit?

Vielleicht hatte sie es wirklich übertrieben. Aber sie hatte einfach das Bedürfnis gehabt, seine Nähe zu suchen. Sie konnte selbst nicht sagen, was ihn plötzlich so anziehend machte. Unter anderen Umständen hätte sie ihn gar nicht beachtet. Er entsprach nicht ihrem Typ – als Mann. Und sie suchte auch nicht seine Nähe, weil er ein potenzieller Liebhaber war, sondern weil … weil …

Calora spürte, wie sie sich innerlich verkrampfte. Sie kannte die Antwort, aber sie war so absurd.

Sie suchte seine Nähe, weil die Nähe aller anderen sie seit den Vorkommnissen abstieß.

Calora zuckte leicht zusammen und sah sich um. Obwohl sie ihre Gedanken nicht ausgesprochen hatte und sich auch niemand in ihrer unmittelbaren Nähe befand, war ihr so unbehaglich zumute, als hätte sie es doch getan – so laut, dass es bis in die fernsten Winkel der Station hörbar gewesen war.

Verrückt. Ist es nicht verrückt? Dass ich mich paranoid benehme, während die, die allen Grund dazu hätten, sich völlig normal verhalten?

Sie war froh, dass sie die Station bald hinter sich lassen und auf ihren Heimatplaneten zurückkehren durfte. Es gab auch Stimmen, die bedauerten, dass dieser Außenposten auf unabsehbare Zeit aufgegeben werden sollte, aber sie selbst gehörte nicht dazu.

Wenn sie die Augen schloss, sah sie die grünen Ebenen des Mars vor sich. Sie kannte ihre Welt nur so. Als sie geboren wurde, hatten die Zeiten, da man sich nur mit technischen Hilfsmitteln und schützender Kleidung über die Oberfläche des damals rostroten ...

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