Logo weiterlesen.de
Maddrax - Folge 274

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah
  4. Die dunkle Seite des Mondes
  5. Leserseite
  6. Zeittafel
  7. Cartoon
  8. Vorschau

was-bisher-50.jpg

Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde. In der Folge verschiebt sich die Erdachse und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler – zur Erde gelangt sind und schuld an der veränderten Flora und Fauna sind. Nach langen Kämpfen mit den Daa’muren und Matts „Abstecher“ zum Mars entpuppt sich der Wandler als lebendes Wesen, das jetzt erwacht, sein Dienervolk in die Schranken weist und weiterzieht. Es flieht vor einem kosmischen Jäger, dem Streiter, der bereits seine Spur zur Erde aufgenommen hat!

Menschen versteinern durch eine unbekannte Macht. Auch Matts Staffelkameradin Jennifer Jensen und deren Freund Pieroo werden in Irland zu Stein, und Jennys und Matts gemeinsame Tochter Ann verschwindet. Auf der Suche nach ihr erkrankt Aruula, und als befreundete Marsianer auftauchen, willigt Matt ein, dass diese die Suche fortführen. Auf dem Mars will er die Regierung dort für den Kampf gegen den Streiter gewinnen.

Der Daa’mure Grao ahnt nicht, dass Drax die Erde verlassen hat. Auf der Suche nach ihm kommt er in Aruulas Heimat, die 13 Inseln – wo er eine Läuterung erfährt. Der kleinwüchsige Sepp Nüssli trifft unterdessen in einer Hafenstadt auf ein Geisterschiff, dessen schattenhafte Besatzung alle Einwohner versteinert. Im Kiel des Schiffes steckt ein von Harz ummanteltes Steinwesen, das einst in den Zeitstrahl geriet und sich dort von Tachyonen ernährte, bis es mit der Blaupause einer Karavelle kollidierte und, halbstofflich geworden, aus dem Strahl fiel. Seitdem absorbiert es Lebensenergie, um wieder an Substanz zu gewinnen.

Zurück vom Mars – wo ein fast vier Mrd. Jahre alter Hydree aus einer Zeitblase durch den Strahl zur Erde fliehen konnte – landen Matt und Aruula im Mittelmeer. Eine Kontaktaufnahme mit der Mondstation scheitert. Mischwesen aus Hydriten und Menschen setzen sie an der Küste Italiens an Land, wo sie Andronenreitern gegen einen machtgierigen Grafen in der Nähe von Rom beistehen.

In Rooma treffen sie ihren alten Freund Moss wieder, der gegen die Meffia und deren Handel mit mutierten Früchten kämpft – und gegen seinen dunklen Bruder, seinen persönlichen Dämon. Aruula begegnet Tumaara von den 13 Inseln, die nach schwerer Schuld aus der gemeinsamen Heimat geflohen ist. Nach dem Sieg über den dunklen Bruder begleiten die Gefährten sie nach Hause – wo sie auf den Daa’muren Grao’sil’aana treffen, der geschworen hatte, sie zu töten … aber eine Wandlung erfahren zu haben scheint und Frieden mit ihnen schließt.

Die dunkle Seite des Mondes

von Oliver Fröhlich

„Schön, dass Sie es so kurzfristig einrichten konnten.“ Cody Pierre Saintdemar dimmte die Bürobeleuchtung und errichtete ein elektromagnetisches Störfeld um den Raum. Letzteres sollte ein Abhören verhindern, Ersteres diente lediglich dazu, eine verschwörerische Atmosphäre zu schaffen. Er liebte derartig theatralische Effekte.

Der Marsianer auf der anderen Seite des Schreibtischs rutschte unbehaglich auf dem Stuhl hin und her. „Selbstverständlich. Ich würde mit Freuden alles für den Mars tun.“

Der Satz klang auswendig gelernt. Trotzdem wusste der ProMars-Obere, dass er sich auf seinen Agenten verlassen konnte. „Dieser Erdenbarbar Drax hat bei seinem letzten Aufenthalt großen Schaden angerichtet, den Sie, mein Freund, beheben werden. Und zwar mit allen notwendigen Mitteln.“

Mars, Anfang Mai 2526

Chandra Tsuyoshi verfolgte den Wechsel der Ziffern auf der Anzeige des Aufzugs, der sie in das dreiundzwanzigste Stockwerk bringen sollte. Zu ihrer Erleichterung war sie alleine in der Kabine. So musste sie nicht fürchten, dass jemand sie auf dem Weg zu ihrem geheimen Treffen beobachtete und womöglich Maya Joy davon berichtete. Denn die wäre alles andere als erbaut gewesen.

Grundsätzlich hätte Chandra egal sein können, was ihre Cousine von ihren Plänen hielt – wenn Maya nicht zugleich die Dame Präsidentin gewesen wäre.

Bei jeder Etage fürchtete sie, der Fahrstuhl bliebe stehen und sie bekäme Gesellschaft. Das Display zeigte eine grün schimmernde 4. Noch neunzehnmal Herzklopfen, dann hatte sie es geschafft.

Hör auf, dich lächerlich zu machen! Selbst wenn dich jemand sieht, heißt das noch lange nicht, dass er dich kennt. Und falls doch, wie sollte er ahnen, was du hier tust?

Dennoch fühlte sie sich, als ziere ein Mal ihre Stirn, das sie weithin sichtbar als Verräterin ihrer Cousine brandmarkte. Matthew Drax hätte sicherlich keine solchen Zweifel gehegt. Der hätte getan, was nötig war, auch wenn er damit gegen den Willen der Präsidentin handelte.

Ein kleines, gemeines Stechen durchzuckte ihr Herz, als sie an Matt dachte. Jahrelang hatte sie sich eingeredet, über ihn hinweg zu sein. Schließlich lebte sie auf dem Mars und er auf der Erde. Nicht gerade eine Entfernung, die eine gut funktionierende Beziehung unterstützte.

Doch dann war er plötzlich zurückgekehrt und sie musste sich eingestehen, dass sie ihre Gefühle nur hinter einem Panzer aus Eis weggesperrt hatte. Vor sich selbst verborgen. Dennoch hatte das Feuer weitergelodert. Als er mit einem Mal wieder vor ihr stand, zerbrach die Eisschicht, als bestünde sie aus hauchdünnem Glas.

Es war eine schmerzhafte Erfahrung gewesen, aber auch eine heilsame. Denn Aruula hatte Matt begleitet – und sie hatte Chandra eine Lektion erteilt, die sie nie vergessen würde. Die Marsianerin hatte einsehen müssen, dass Matt und Aruula zusammengehörten.

Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht, als sie an die Barbarin von der Erde dachte. Gewiss, es gab genügend Marsianer – insbesondere die von ProMars –, die alle Erdenmenschen so nannten, aber bei Aruula entsprach die Bezeichnung tatsächlich der Wahrheit. Dennoch hatte sich ihr anfangs sehr angespanntes Verhältnis innerhalb kürzester Zeit in eine Freundschaft verwandelt. Gleichzeitig hatten sich Chandras Gefühle für Matt verändert. Zumindest redete sie sich das ein.

Ihr Herz wusste davon offenbar nichts. Denn warum sonst sollte es sie bei dem Gedanken an den Mann von der Erde mit glühenden Stichen quälen?

Fünfzehnte Etage. Sechzehnte.

Sie bedauerte, dass Matt und Aruula so schnell auf die Erde zurückkehren mussten. Vor vierzehn Tagen waren sie in den Zeitstrahl im Mie-Krater getreten. Allerdings konnte sie es auch verstehen, denn schließlich suchte Matt noch immer verzweifelt nach seiner Tochter Ann.

Zwar hatte sich ein Shuttle der Mondstation an der Suche beteiligt, da aber die Funkverbindung zum Erdtrabanten aus unbekannten Gründen abgebrochen war, wusste man nicht, mit welchem Ergebnis. Natürlich zog die Ungewissheit Matt mit aller Gewalt auf die Erde zurück. Und da war der Strahl eben der kürzeste Weg gewesen. Auch wenn die CARTER IV inzwischen aufgebrochen war, um in der Mondstation nach dem Rechten zu sehen, hätte der Flug Matt mehrere Monate gekostet, während der Zeitstrahl sie nur um fünf Wochen in die Zukunft versetzte.

Ein kalter Schauder überlief Chandras Rücken, als sie daran dachte, was Matt ihr von Anns Mutter erzählt hatte: Jennifer Jensen war von einem unbekannten Feind versteinert worden! Und sie war nicht die Einzige auf der Erde, der das widerfahren war. Womöglich hatte Ann sogar alles mit ansehen müssen. Das arme Kind!

Ein leises Summen erklang im Fahrstuhl und die Türen glitten zur Seite. Dreiundzwanzigste Etage. Sie hatte ihr Ziel erreicht.

Der Gang besaß keinerlei nach außen gerichtete Fenster, doch die aus Monitoren bestehende Decke vermittelte den Eindruck, als befände man sich unter freiem Himmel. In regelmäßigen Abständen lockerten grüne Inseln den Flur auf, künstlich angelegte Minigärten mit Stechwedeln oder Weißkernsträuchern. Sehr geschmackvoll.

Chandra wandte sich nach links, wo sich nach den Hinweisschildern Appartement zweiundvierzig befand.

Jeden Schritt setzte sie zögerlicher als den vorhergehenden. Sollte sie es tatsächlich tun? Gegen den erklärten Willen der Präsidentin?

Ja, es musste sein! Außerdem: Falls es etwas brachte, war Maya ihr sicher dankbar. Und falls nicht, brauchte sie es ja nicht zu erfahren.

Es ging um ProMars. Ein Begriff, gegen den Cousine Maya schon eine Art allergische Reaktion entwickelt zu haben schien. Auch Chandra drehte es beinahe den Magen um, wenn sie an diese Organisation dachte, die offen Fremdenfeindlichkeit propagierte. Unter dem Vorwand, das Beste für Vater Mars zu wollen, schimpften ihre Mitglieder auf die kriegstreiberischen Barbaren von der Erde, kritisierten die erdnahe Politik der Präsidentin und wollten alle Angehörigen des Waldvolks aus den Städten vertreiben. Wurzelfresser nannten sie sie. Oder Baumhocker und Halbkäfer. Und das waren noch die schmeichelhafteren Bezeichnungen.

Das Schlimmste aber war, dass die ProMars-Leute vermutlich tatsächlich überzeugt waren, sie täten alles nur zum Wohle des Roten Vaters. Dafür waren sie sogar bereit, das Leben „guter Marsianer“ zu opfern. Wie zuletzt Roald Jordan Tsuyoshi, der Chef des Nachrichtensenders Elysium News Transmitter. Er hatte den Fund eines versteinerten Ur-Hydree verschwiegen und lästige Mitwisser töten lassen. Und er hatte geplant, die Strahlanlage der Alten in die Luft zu sprengen und die Tat ihr und Quesra’nol, einem weiteren Ur-Hydree, in die Schuhe zu schieben. Dass es nicht so weit gekommen war, hatte sie einem Privatermittler namens Alix Nugamm zu verdanken, der sich bei ENT eingeschlichen und die mörderischen Pläne entdeckt hatte, bevor Roald Jordan Tsuyoshi sie ausführen konnte.1)

RJT, wie die Mitarbeiter des Senders ihn nannten, hatte sich durch Selbstmord aus der Verantwortung gestohlen. Wie Chandra von Maya wusste, hatten die Exekutiven bisher noch keinen Beweis dafür gefunden, dass der Senderchef ProMars in seine Pläne eingeweiht hatte. Und so galt er als verwirrter, irregeleiteter Einzeltäter, von dem sich die Organisation öffentlich distanzierte. Dennoch hatte ihr Ruf beträchtlichen Schaden davongetragen.

„Hier habe ich die neusten Statistiken“, hatte Maya ihr bei ihrem letzten Gespräch freudestrahlend berichtet. „Seit Roalds Tod und dem Bekanntwerden des geplanten Anschlags hat ProMars fast ein Viertel seiner Mitglieder verloren. Aber auch die Sympathisanten kehren ihnen den Rücken. Eine sehr positive Entwicklung, wie ich finde.“

„Natürlich“, stimmte Chandra zu. „Dennoch traue ich dem Frieden nicht.“

„Wie meinst du das? Sieh dir nur mal die schlechten Einschaltquoten von ENT an! Auch unter neuer Führung zeigen sie sich ProMars-freundlich, und innerhalb weniger Tage hat der bisherige Außenseiter Elysium Entertainment & Info den alteingesessenen Sender überflügelt! Ist das nichts?“

Chandra nickte. „Ich habe mal ins aktuelle Programm von ENT geschaut. Ungeachtet aller Ereignisse bringen sie noch immer Beiträge darüber, wie gefährlich der Kontakt mit den Erdmenschen sei und dass man ihn abbrechen müsse, wenn man eine Katastrophe verhindern wolle.“

„Siehst du? Die lernen es nicht! Und dadurch vergraulen sie nach und nach ihre Zuschauer.“

„Aber zeigt es nicht auch, dass sie noch nicht aufgegeben haben? Ich kann nicht glauben, dass sie tatenlos dabei zusehen, wie ihnen die Leute davonlaufen. Wir dürfen ProMars jetzt nicht vom Haken lassen, sondern müssen ihnen den Todesstoß versetzen.“

Den Todesstoß versetzen! Du hörst dich schon fast wie eine von ihnen an. Wie sollen wir das deiner Meinung nach tun?“ Maya lehnte sich im Bürosessel zurück und lächelte Chandra an. Diese hingegen wusste, dass die Entscheidung längst gefallen war, egal, was sie noch sagte.

Sie versuchte es dennoch. „Wir dürfen nicht lockerlassen. Wir müssen ihre Büros durchsuchen, ihre Computeranlagen, ihre Unterlagen, Gesprächsprotokolle, einfach alles. Vielleicht finden wir belastendes Material.“

„Ja, vielleicht. Und wenn nicht? Dann stehen wir dumm da. Nein, Cousine, das funktioniert nicht. ProMars wird sich selbst wesentlich effektiver zerstören, als wir es könnten. „

„Aber …“

Maya ließ sich nicht unterbrechen. „Mit welcher rechtlichen Handhabe sollten wir eine Durchsuchung durchführen? Die Öffentlichkeit würde davon erfahren und den Eindruck bekommen, dass wir der Organisation eine größere Bedeutung zugestehen, als sie tatsächlich hat. ProMars würde Zeter und Mordio schreien und sich als unschuldig verfolgte Gruppe darstellen, die nur das Wohl des Mars und seiner Bevölkerung im Sinn hat, während die Regierung zu unfairen Mitteln greift. Nein, politische Intervention ist nicht die Lösung! Ich vertraue auf die Intelligenz der Bevölkerung.“

„Aber wir könnten doch …“

„Nein, Chandra! Schluss damit! Wir könnten gar nichts. Wir werden abwarten, bis sich ProMars eigenhändig den Strick um den Hals legt. Ich verbiete dir, etwas anderes auch nur zu denken!“

Selbst heute, zwei Tage später, hätte Chandra am liebsten vor Wut geschrien, wenn sie daran dachte. Sah Maya denn nicht, dass sie ProMars dadurch erlaubte, sich von dem schweren Schlag zu erholen?

Ein angeschossenes Raubtier ist besonders gefährlich, hatte Matt einmal zu ihr gesagt. Eine Redewendung von der Erde, doch auf dem Mars nicht weniger zutreffend.

Noch immer glaubte sie, Mayas Stimme zu hören. Ich verbiete dir, etwas anderes auch nur zu denken.

„Tja, Cousine“, murmelte sie. Vor Appartement zweiundvierzig blieb sie stehen. „Ich tue sogar mehr, als nur daran zu denken.“

Noch einmal sah sie sich um, ob sie auch wirklich alleine auf dem Gang war. Dann strich sie mit dem Daumen über den Sensor neben der Tür. Auch wenn sie nichts hörte, dürfte drinnen ein Summsignal den Bewohner darauf aufmerksam machen, dass draußen Besuch wartete.

Nach wenigen Sekunden öffnete ein vielleicht zwölfjähriger Mann2) mit strubbeligen roten Haaren die Tür. Er trug nur eine knallrote Unterhose und eine blaue Socke.

„Hallo, Alix“, sagte Chandra.

Aus verquollenen Augen starrte Alix Nugamm ihr entgegen. Der Privatermittler, der Roald Jordan Tsuyoshis Plan vereitelt hatte, sah aus, als sei er gerade erst aus dem Bett gekrochen. „Was wollen Sie denn hier?“

„Können wir das nicht drinnen besprechen? Vielleicht mit mehr Textilien am Körper?“

Alix brummte etwas Unverständliches und ließ sie passieren.

Zehn Minuten später war er nicht wiederzuerkennen. Mit gekämmten Haaren und manierlich gekleidet sah er beinahe wie ein zur Kommunikation fähiges Lebewesen aus. Nur die noch immer verquollenen Augen trübten den Eindruck.

„Eine harte Nacht gehabt?“, erkundigte sich Chandra.

„Die Nacht war in Ordnung.“ Er lachte sie an. „Nur der Morgen ist hart.“

Nun musste auch Chandra schmunzeln. Sie betrat das Appartement und ließ sich in einen Sessel im Wohnzimmer sinken. „Sie haben doch nicht etwa in einer Bar damit geprahlt, einen Verbrecher zur Strecke gebracht zu haben.“

„Wo denken Sie hin? Schließlich haben wir vereinbart, dass meine Rolle in dem Drama nicht öffentlich gemacht wird.“ Er holte aus der Küche ein Glas mit einer sprudelnden giftgrünen Flüssigkeit, die er mit angewidertem Gesichtsausdruck in sich hinein schüttete. „Für einen Privatermittler ist es eben besser, wenn man sein Gesicht nicht kennt.“

Wenn es nach Roalds Tod nach Alix’ Willen gegangen wäre, hätte er sich nicht einmal mit Chandra unterhalten. Aber sie hatte darauf bestanden, den Mann kennenzulernen, der ihr das Leben gerettet hatte. Nach langem Bitten und Betteln hatte er dann schließlich zugestimmt. Seiner Miene nach zu schließen, bereute er es inzwischen schon wieder.

„Also, was führt Sie zu mir?“

„Obwohl Sie sich bei ENT als Laufbursche eingeschlichen haben, ist es Ihnen gelungen, Zugriff auf die Rechner der Chefredakteurin und des Senderchefs zu erlangen und dadurch an alle notwendigen Informationen zu kommen.“

„Ich weiß, ich war dabei.“

„Was ist das für ein Gefühl, RJT das Handwerk gelegt zu haben?“

„Das Gefühl eines erledigten Auftrags eben. Warum fragen Sie?“

„Ist das wirklich alles? Wie stehen Sie zu ProMars, Alix?“

Er verzog das Gesicht noch angewiderter als bei seinem giftgrünen Katerfrühstück. „Na schön, wenn Sie es unbedingt wissen wollen: Ich verabscheue diese Typen! Ihre zweischneidige Moral, ihre Verlogenheit. Ich halte sie für gefährlich. Und es war mir eine Genugtuung, ihnen ins Handwerk zu pfuschen.“

Chandra lächelte und lehnte sich zurück. „Das wollte ich hören. Haben Sie Lust auf eine zweite Runde?“

„Die wie aussehen sollte?“

„Ich würde Sie gerne beauftragen, sich bei ProMars einzuschleichen und dort nach Material zu suchen, mit dem wir der Organisation den Garaus machen können. Beweise für ihre Beteiligung an Verbrechen. Unterlagen, was sie als Nächstes planen. Dank Ihrer Zurückhaltung weiß nur eine Handvoll Menschen davon, dass ProMars die letzte Schlappe Ihnen zu verdanken hat. Aus den Daten, die Sie vom Rechner der Chefredakteurin – wie hieß sie noch gleich?“

„Sendara Kirin Angelis.“

„Richtig. Aus den Daten, die Sie von ihrem Rechner gezogen haben, kennen Sie doch einige Namen von ProMars-Mitgliedern. Das ist Ihre Eintrittskarte in diesen illustren Verein.“

Alix stellte das Glas, in dem eine grünliche Kruste klebte, auf den Tisch und setzte sich in den Sessel gegenüber Chandra. Dass seine Augen inzwischen fast Normalgröße erreicht hatten, zeigte ihr sein Interesse. Dennoch hatte er noch Vorbehalte. „All diese Namen habe ich dem Sicherheitsmagistrat übergeben.“

„Ich weiß. Bitte behalten Sie das für sich, aber wie ich aus sicherer Quelle erfahren habe, wird niemand all diese Leute behelligen. Über die bloße Mitgliedschaft hinaus ist ihnen nichts nachzuweisen. Und da man nicht den Eindruck einer Hexenjagd erwecken will, lässt man sie in Ruhe.“

„Hexenjagd?“

„Ein alter irdischer Ausdruck.“

„Verstehe. Trotzdem habe ich Bedenken. Sendara Kirin Angelis kennt mich. Sie könnte mich auffliegen lassen.“

„Die sitzt im Gefängnis. Und angesichts der brisanten Daten, die Sie auf ihrem Rechner gefunden haben, wird das Tribunal sie noch für eine ganze Weile wegsperren.“

Der Ermittler nagte für einige Sekunden an seiner Unterlippe. Dann stand er auf und streckte sich. Von den Nachwirkungen einer alkoholreichen Nacht war nichts mehr zu sehen. Das Jagdfieber hatte ihn gepackt. „Na gut, ich mach’s. Wann soll ich anfangen?“

Auch Chandra erhob sich und reichte ihm die Hand. „Wie wäre es mit – jetzt?“

Blut.

Überall klebte Blut. Auf den Monitoren, den Sensoren, den Sesseln. An den Wänden, ja, sogar an der Decke. Und er war schuld daran!

Er hob die Hände, betrachtete seine Finger. Auch sie glänzten rot und feucht. Schrien ihm Vorwürfe entgegen.

Du warst es! Du hast sie alle getötet!

Ja, das hatte er. Doch wo waren die Leichen? Warum sah er nur das Blut, aber keine Toten? Hatte er sie nach draußen geschafft? Vor die Mondstation? Doch wieso hätte er das tun sollen?

Er blickte an sich hinab und stellte fest, dass er bis auf eine Pyjamahose nackt war.

Den ersten Teil seiner Aufgabe hatte er erfüllt. Was blieb ihm nun noch zu tun?

„Das hast du gut gemacht“, sagte eine tiefe Stimme hinter ihm.

Er fuhr herum, wäre auf dem Blutfilm beinahe weggerutscht und starrte in das steinerne Gesicht eines alten Mannes. Alles an ihm war rot. Die Haare, die Haut, die Augen. Er roch sogar rot.

„Ich wollte das nicht tun!“ Er wischte die blutigen Hände an der Pyjamahose ab und sah den Roten bittend an.

„Ich weiß. Dennoch hast du es getan. Ich bin sehr stolz auf dich.“

„Wer bist du?“

„Erkennst du deinen Vater nicht?“

„Meinen … meinen Vater?“

...

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Maddrax - Folge 274" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen