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Maddrax - Folge 276

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah
  4. Die Wandlung
  5. Leserseite
  6. Zeittafel
  7. Die MADDRAX-Galerie
  8. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde. In der Folge verschiebt sich die Erdachse und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler – zur Erde gelangt sind und schuld an der veränderten Flora und Fauna sind. Nach langen Kämpfen mit den Daa’muren und Matts „Abstecher“ zum Mars entpuppt sich der Wandler als lebendes Wesen, das jetzt erwacht, sein Dienervolk in die Schranken weist und weiterzieht. Es flieht vor einem kosmischen Jäger, dem Streiter, der bereits seine Spur zur Erde aufgenommen hat!

Menschen versteinern durch eine unbekannte Macht. Auch Matts Staffelkameradin Jennifer Jensen und deren Freund Pieroo werden in Irland zu Stein, und Jennys und Matts gemeinsame Tochter Ann verschwindet. Auf der Suche nach ihr erkrankt Aruula, und als befreundete Marsianer auftauchen, willigt Matt ein, dass diese die Suche fortführen. Auf dem Mars will er die Regierung dort für den Kampf gegen den Streiter gewinnen.

Der Daa’mure Grao ahnt nicht, dass Drax die Erde verlassen hat. Auf der Suche nach ihm kommt er in Aruulas Heimat, die 13 Inseln – wo er eine Läuterung erfährt. Der kleinwüchsige Sepp Nüssli trifft unterdessen in einer Hafenstadt auf ein Geisterschiff, dessen schattenhafte Besatzung alle Einwohner versteinert. Im Kiel des Schiffes steckt ein von Harz ummanteltes Steinwesen, das einst in den Zeitstrahl geriet und sich dort von Tachyonen ernährte, bis es mit der Blaupause einer Karavelle kollidierte und, halbstofflich geworden, aus dem Strahl fiel. Seitdem absorbiert es Lebensenergie, um wieder an Substanz zu gewinnen.

Zurück vom Mars – wo ein fast vier Mrd. Jahre alter Hydree aus einer Zeitblase durch den Strahl zur Erde fliehen konnte – landen Matt und Aruula im Mittelmeer. Eine Kontaktaufnahme mit der Mondstation scheitert. Mischwesen aus Hydriten und Menschen setzen sie an der Küste Italiens an Land, wo sie Andronenreitern gegen einen machtgierigen Grafen in der Nähe von Rom beistehen.

In Rooma treffen sie ihren alten Freund Moss wieder, der gegen die Meffia und deren Handel mit mutierten Früchten kämpft – und gegen seinen dunklen Bruder, seinen persönlichen Dämon. Aruula trifft auf Tumaara von den 13 Inseln, die nach schwerer Schuld aus der gemeinsamen Heimat geflohen ist. Nach dem Sieg über den dunklen Bruder wollen die Gefährten sie nach Hause begleiten – mit einem Umweg über Monacco, wo sie die Gärten vernichten, aus denen die mutierten Früchte stammen.

Die Wandlung

von Michelle Stern

Ludmeela schrie, als der Schatten der Eisbestie auf sie fiel. Sie versuchte auf dem rutschigen Schnee fortzukriechen, hin zu der nahen Brabeelenhecke. Über ihr ragte der Izeekepir auf. Sein Fell war schmutzig gelb, die bösartigen roten Augen fixierten sein Opfer. Ludmeelas kleiner Körper zitterte. Sie sah sich suchend um. Wo war Tumaara?

Der Izeekepir stürzte sich auf sie. Sein mächtiger Kopf ruckte vor. Das Maul, gespickt mit messerscharfen Zähnen, öffnete sich. Heißer Verwesungsgeruch schlug ihr entgegen. Ludmeela riss die Hände hoch. Ihre Welt ertrank in rotem Schmerz.

15 Jahre später

Die weiße Gerfalkin saß unruhig auf dem mit Leder überzogenen Armstumpf ihrer Herrin. Immer wieder ruckte das stolze Tier den Kopf mit der Haube nach links und rechts.

Bahafaa konnte den Blick nicht von dem Falken und seiner Besitzerin lassen. Sie schritt neben Ludmeela über die weite Grasebene und bewunderte die Selbstverständlichkeit, mit der ihre Begleiterin das schwere Tier auf dem Arm trug.

„Sie ist unruhig“, sagte Ludmeela leise. „Sie wird froh sein, wenn ich sie endlich werfe.“

Beide Frauen blickten wachsam nach vorn, wo ein rotbrauner Daakil den Boden absuchte.

Bahafaa wusste, dass der Daakil aus Mitteleuree stammte. Ihr Freund Grao, der seit einigen Monden in seiner Tarnung auf den Dreizehn Inseln lebte, hatte den Daakil für Bahafaas neue Freundin besorgen lassen.

Grao’sil’aana, der kein Mensch war, sondern ein Echsenwesen von einem anderen Planeten, ein Daa’mure und Gestaltwandler, wie er Bahafaa erzählt hatte. Er hatte die Form des Händlers Hermon angekommen, nachdem er diesen töten musste.1) Denn auch Hermon war ein Daa’mure gewesen, hatte jedoch im Gegensatz zu Grao böse Absichten gehabt und die Kriegerinnen der Dreizehn Inseln mit eigens herangezogenen Lischetten kontrolliert. Erst mit Graos Hilfe war es gelungen, den Bann zu brechen. Bahafaa war froh, dass sich dank der Beeinflussung durch die Lischetten keine der Kriegerinnen an das Geschehene erinnern konnte.

„Aufpassen jetzt!“, zischte Ludmeela und schreckte Bahafaa damit aus ihren Gedanken.

Sie konzentrierte sich erneut auf den Daakil, der offensichtlich eine Spur aufgenommen hatte. Sein rotes Rückenfell war leicht gesträubt und der lange Schwanz peitschte unruhig hin und her. Das Tier sah aus wie ein winziger Lupa mit langen herunterhängenden Ohren. Wer in seine schwarzen Knopfaugen sah, konnte nur mit Mühe an das scharfe Gebiss glauben, das sich zwischen den Lefzen verbarg.

Ludmeela löste die Lederhaube vom Kopf des Gerfalken. Der Vogel stieß einen Schrei aus, der nach reiner Freude klang. Für einen Moment konnte Bahafaa die dunkelbraunen Vogelaugen sehen, die von einem gelben Ring umschlossen wurden. Dann warf Ludmeela die Falkin hoch in die Luft.

Das Tier wurde vom Armstumpf katapultiert, entfaltete die weißen Flügel mit den schwarzen Spitzen und stieß einen weiteren Schrei aus. Bald schon stand der Gerfalke gut zwei Speerwürfe über ihnen in der Luft.

Bahafaa war, als könne sie die fiebrige Erregung fühlen, die das Tier erfasste. Sie blickte in Ludmeelas Gesicht und erkannte, dass diese in einer Trance versunken war, die ihr half, sich noch enger mit der Falkin zu verbinden.

Ludmeela hatte erzählt, dass es ihr an manchen Tagen sogar gelang, über die Augen der Falkin zu sehen. Zwar konnte sie keine Menschen belauschen wie andere Kriegerinnen der Dreizehn Inseln, aber zu den Gerfalken hatte sie ein ganz besonderes Verhältnis.

Der Daakil stand vor, zeigte das Wild an – ein Rudel Gerule, das sich in einer Brabeelenhecke versteckt hatte und nun daraus hervorschoss. Die langen Hinterläufe der Gerule spannten sich zu weiten Sprüngen. Sie flohen über die Ebene.

Die Gerfalkin stieß einen triumphierenden Schrei aus, legte die Flügel eng an den Körper und stieß hinab.

Bahafaa hielt den Atem an. Das Tier war schneller als jedes Schiff, das sie in den Wellen gesehen hatte. Es rauschte in die Tiefe wie ein Stein und wurde zu einem weißen Blitz, der sich vor dem wolkenschweren Himmel abzeichnete. Mit unverminderter Geschwindigkeit erreichte es den Boden und breitete seine Schwingen aus.

Bahafaa konnte nicht sehen, was der Falke tat, dafür war er zu schnell. Aber sie wusste, dass er seine Beute – einen Gerul, der hinter dem Rudel zurückgeblieben war – mit einer Klaue an der Wirbelsäule packte. Mit der anderen Vogelklaue hielt er den Kopf des Geruls, um sich vor den scharfen Zähnen des Fleischfressers zu schützen, bis er das Rückgrat seiner Beute durchtrennt hatte.

„Ja!“ Ludmeela stieß einen Freudenruf aus. Ihre blonden Haare wurden im Wind aufgewirbelt und ließen sie wie eine der alten Königinnen aussehen. Sie lächelte Bahafaa an. „Wendoo ist uns wohlgesonnen. Das war ein schnelles Jagdglück.“

Bahafaa fühlte Stolz und Glück in sich, eine solche Freundin gefunden zu haben. Während der Gerfalke die tote Jagdbeute zu seiner Herrin brachte, musste sie an die langen Jahre zurückdenken, in denen sie einsam gewesen war.

Erst durch Grao hatte sie erkannt, warum keine der anderen Kriegerinnen der Dreizehn Inseln sie um sich haben wollte: Es hatte an ihrer unerkannten Gabe gelegen. Bahafaa konnte nicht lauschen, sondern strahlte ihre Gefühle nach außen ab! Jeder negative Gedanke kam in Form einer ablehnenden Reaktion zu ihr zurück. Und je weiter ihr Ärger über die Ablehnung der anderen wuchs, desto schlimmer wurde es – ein Teufelskreis.

In den letzten Monaten hatte sie gelernt, freundliche Gedanken zuzulassen, und war so nicht nur zu einem akzeptierten Mitglied der Gemeinschaft geworden, sie hatte auch Ludmeela besser kennengelernt.

Ludmeela hängte den toten Gerul mit zusammengebundenen Hinterläufen um ihre Schulter und ließ die Gerfalkin auf ihrem Armstumpf landen. „Das hast du gut gemacht, Kora, braves Mädchen.“ Ihre unverletzte Rechte strich der Falkin über die Kopffedern und der Vogel schmiegte sich vertrauensvoll an sie. „Du wirst ein Stück der Beute abbekommen.“

Die Falkin hüpfte auf und nieder und wollte offensichtlich wieder in die Luft geworfen werden. Ludmeela tat ihr den Gefallen. Dann tätschelte sie das schwarzbraune Fell des Geruls. „Gerulbraten mit Tofanen in Wakudamilchrahm und Honigsoße. Das wird ein Festessen“, sagte sie vergnügt. Ihre blassblauen Augen leuchteten im düster werdenden Licht.

„Wir sollten uns beeilen.“ Bahafaa sah besorgt zum Himmel. „Es riecht nach Regen. Draußen auf dem Meer tobt ein Sturm, und er kommt rasch näher. Siehst du die Wolkenfront dort hinten?“

Ludmeela nickte. Sie verstummte und schloss die Augen. Ihr Gesichtsausdruck erstarrte.

„Was ist?“, fragte Bahafaa besorgt. Zugleich versuchte sie ihre Sorge nicht übermächtig werden zu lassen, damit sich das Gefühl nicht zu stark auf Ludmeela übertrug.

„Kora hat etwas gesehen, das ihr Angst macht.“

„Vermutlich den Sturm“, mutmaßte Bahafaa.

Die Gerfalkin kehrte zurück und landete auf Ludmeelas Stumpf. Sie reckte den Kopf und sah ihre Herrin aus dunklen Augen an. Bahafaa wünschte sich ungeduldig, sie könne sehen, welche Gedankenbilder die beiden austauschten.

„Es ist nicht der Sturm.“ Ludmeelas Lider verengten sich sorgenvoll. „Es kommt etwas auf die Insel zu. Zwei fremde Tiere, groß genug, um zu einer Gefahr zu werden. Vermutlich Flugandronen vom Festland. Leider war das Bild verschwommen, aber ich glaube, sie tragen Menschen.“

Bahafaa schluckte nervös. Die Inseln waren immer wieder von den Nordmännern angegriffen worden. Leid, Blut und Tränen hatten diese Angriffe und Besatzungen gebracht, die aus freien Menschen Sklaven machten. Waren die beiden fremden Tiere nur die Vorhut einer weiteren Invasionstruppe? „Wir müssen Königin Lusaana und die anderen warnen.“

Ludmeela nickte und pfiff den Daakil zu sich. „Lass uns zum Dorf zurückkehren.“ Sie warf den weißen Falken erneut in die Luft und lief voraus. Bahafaa folgte ihr so schnell sie konnte. Sie hatte Mühe, ihre Angst zu beherrschen.

„Festhalten!“ Matthew Drax klammerte sich am Sattelknauf seiner Androne fest und presste die Beine eng an den vibrierenden Körper. Das hohe Sirren der Andronenflügel wurde noch heller, als das Tier verzweifelt versuchte, sich in einer Windböe zu halten.

„Merdu!“, fluchte Aruula hinter ihm.

Matts Gesichtsausdruck war grimmig, als er die schwarze Wolkenfront vor ihnen betrachtete, die nichts Gutes verhieß. Es roch nach Regen. Sie hatten die Küste des Festlands weit hinter sich gelassen; für eine Umkehr war es zu spät. Zwar waren die Andronen aus Saadina erstklassige Tiere, doch so ausdauernd, die Strecke gleich doppelt zu fliegen, waren sie nicht. Und wenn ihre Flügel nass wurden, wäre auch ihre Flugtauglichkeit gefährdet.

„Da hat aber ein Gott verdammt schlechte Laune!“, brüllte Tumaara gegen den aufkommenden Sturmwind an. „Ich hoffe, das ist kein schlechtes Omen für meine Ankunft!“

Die Kriegerin saß allein auf ihrer Flugandrone, vor dem Gepäck, das links und rechts in Satteltaschen verteilt war. Ihr Begleiter Manoloo war in Monacco ums Leben gekommen, und sie hatte seine Androne übernommen.

„Orguudoo, wird das kalt!“, sagte Aruula zitternd.

Matt stimmte ihr zu. Unter den schwarzen Wolken schien Polarluft zu strömen, die eine eisige Kälte verbreitete. Vor sich erkannte er immer mehr Einzelheiten: eine undurchdringliche Front aus Regen, Schnee und Hagelkörnern. Die Aussicht, darin einzutauchen, war alles andere als verlockend.

„Wir müssen landen!“, schrie Tumaara, die ihre Androne kaum mehr unter Kontrolle halten konnte. Das Tier wich instinktiv vor der Gefahr zurück.

Matt wies auf die Inseln, die in erreichbarer Nähe vor ihnen lagen. Bleich leuchteten die Klippen in der Schwärze. Es waren nur wenige hundert Meter, die sie überbrücken mussten. „Wir schaffen es! Aruula, welche Insel ist es?“

„Die mittlere! Die wie eine Speerspitze aussieht!“

Matt nickte und packte das Zaumzeug fester. Hoffentlich versagte die kombinierte Tracheen-Lungenatmung der Andronen in der kalten Luft nicht. Ganz zu schweigen von den Hagelkörnern, die die Flughäute wie Geschosse durchschlagen konnten.

„Das ist Wahnsinn“, hörte er Tumaara rufen.

Sie hatten keine andere Wahl und richteten die Andronen gegen den Wind aus. Das Unwetter zog ihnen frontal entgegen. Durch die schwarze Front hindurch sahen sie den rettenden Strand, der in fast greifbarer Nähe schimmerte.

„Schneller!“, drängte Aruula.

Sie tauchten ein in die drohende Wand. Es fühlte sich an, als würde eine unsichtbare Faust sie packen und herumwirbeln. Die Riesenameise gab gepeinigte Zirptöne von sich. Regen und Hagel schlugen auf ihre Flügelpaare. Sie flatterte wild und bäumte sich auf. Ihre Atmung klang gequält.

Neben ihnen verblassten die Umrisse von Tumaara und ihrem Flugtier in der Finsternis. Man konnte kaum mehr die Hand vor Augen sehen. Der Regen schlug ungehindert auf ihre Körper und ihre Gesichter. Innerhalb weniger Sekunden waren sie so nass, als seien sie in das Binnenmeer unter ihnen gesprungen.

„Nur noch ein kurzes Stück!“, sprach Matt sich und seiner Gefährtin Mut zu. Das rettende Land lag vierhundert Meter vor ihnen, doch durch den Sturm schien es in unerreichbare Ferne gerückt.

Die Androne sackte tiefer, dem Meer unaufhaltsam entgegen. Matt erschauderte bei dem Gedanken an die eiskalten Fluten unter ihnen. Er riss an den Zügeln und verlangte der Flugandrone alles ab. Dabei versuchte er das gequälte Sirren der Flügelpaare zu ignorieren, das in seinen Ohren dröhnte und sich mit dem Brüllen des Sturms verband.

Die Androne bockte noch stärker. Ein Windstoß erfasste sie und schleuderte sie mehrere Meter durch die Luft. Aruula keuchte hinter ihm auf und krallte ihre Hände fester um seine Taille. Die Androne schaffte es nicht, sich zu fangen. Weitere Windböen rissen an ihr, sie zog ihre Flügel zusammen.

„Nein!“ Matt schlug ihr zwischen den Fühlern auf den breiten Insektenkopf. „Nicht aufgeben!“ Die Insel lag in greifbarer Nähe, nur noch etwa zweihundertfünfzig Meter entfernt.

Das Tier reagierte nicht auf Matts Befehle. Während er von Tumaara keine Spur mehr entdecken konnte, wurde die Androne zum Spielball des Sturms. Eine weitere Böe brachte sie so sehr in Schräglage, dass sie sich überschlug. Aruula schrie auf und verlor den Halt. Matt, dessen Füße in Sattelschlaufen steckten, packte mit der Rechten ihr Handgelenk und hielt sie. Ihre Beine baumelten wenige Meter über der schäumenden See.

Die Androne fing sich und breitete die Flügel aus. Matt wollte Aruula zu sich ziehen, doch der unruhige Flug machte es unmöglich. Er drohte selbst den Halt zu verlieren und musste sich mit der Linken am Sattelrand festhalten.

Die Androne schien sich durch ihre Last bedroht zu fühlen. Erneut bockte sie, um die unliebsamen Reiter loszuwerden. Einer ihrer Fühler peitschte über Matts Gesicht und Hals und hinterließ ein heißes Brennen. Er schien sich in irgendetwas verhakt zu haben, denn die Androne begann sich im Sturm im Kreis zu drehen. Verzweifelt versuchte sie ihren Fühler zu befreien.

Matt spürte den Zug einer dünnen Kette am Hals. Der Speicherkristall mit Aikos Bewusstseinskopie! Oft vergaß er, dass er ihn immer noch bei sich trug. Er fühlte die Kette reißen, konnte aber nicht nach ihr greifen. Wenn er eine Hand löste, würde entweder Aruula oder er selbst abstürzen.

Er blickte zu dem Fühler der Androne. Die Kette hatte sich locker darum gewickelt und rutschte langsam aber sicher daran herab.

„Aruula! Der Kristall! Fang die Kette!“

Seine Gefährtin sah zu ihm auf. Sie schien nicht zu verstehen, was er meinte. Erst als die Kette ganz vom Fühler rutschte und nach unten fiel, reagierte sie. In einem schnellen Reflex packte die Kette samt dem Speicherkristall. Fast gleichzeitig stabilisierte sich der Flug der Androne, und es gelang Matt, Aruula wieder zu sich heraufzuziehen.

Die Androne beruhigte sich allmählich. Zumindest versuchte sie nicht weiter, Matt und Aruula abzuwerfen. Sie musste das rettende Land vor sich entdeckt haben, das nur noch einen Speerwurf entfernt lag. Mit einem hohen Sirren warf sie sich gegen den Sturm, und obwohl es unmöglich schien, erreichte sie im Tiefflug den Strand. Dort sackte sie auf dem Boden in sich zusammen und fiel zuckend auf die Seite. Matt und Aruula konnten gerade noch rechtzeitig abspringen.

Die Androne zitterte am ganzen Leib, ihre Flügel flatterten unkontrolliert. Matt tätschelte dem Tier beruhigend den Kopf. Er atmete erleichtert aus. Sie hatten es geschafft.

„Kannst du Tumaara sehen?“ Noch immer umbrauste sie der Sturm mit unverminderter Stärke, und Matt blickte sich nach einem sicheren Unterschlupf um. Er versuchte, die erschöpfte Androne auf die Beine zu ziehen. Aus einer Tasche holte er einen aufgeweichten Zuckerklumpen, den das Tier nach einigem Zögern annahm.

„Da hinten ist sie!“ Aruula wies auf einen fernen Schatten, der hundert Meter links von ihnen auf dem Strand im Regen stand. „Sie winkt uns! Ich glaube, in den Felsen hinter ihr finden wir Schutz!“

Matt zog die Androne auf die Beine. Das Tier folgte ihm nur widerwillig. Die Mandibeln waren noch mit dem Zucker beschäftigt.

„Dann nichts wie hin.“ Er überprüfte, ob Driller und Kombacter sicher in ihren Halterungen steckten, und stapfte entschlossen los.

Nur wenige Minuten später drängten sie sich neben Tumaara unter ein überkargendes Felsdach.

Am Himmel war ein rötlicher Streifen zu sehen, der Sturm zog rasch weiter. Schon setzte der Hagel aus und weicher Regen benetzte den Strand und die wenigen Büsche und Bäume.

Tumaaras Stimme war leise. „Ich bin an diesem Ort offenbar nicht willkommen. Die Götter weisen mich ab.“

Matt sah, wie Aruulas Augen ärgerlich aufblitzten. „Das ist Unsinn! Du hast deine Strafe bereits verbüßt, indem du freiwillig viele Jahre in selbstgewählter Verbannung verbracht hast. Vertraue auf Wudan und deine Schwestern. Sie werden dir eine Gelegenheit geben, deinen Platz auf den Inseln zu finden.“

Tumaara sah aus, als würde sie am liebsten postwendend nach Rooma zurückfliegen. Matt presste die Lippen hart aufeinander. Es war nicht seine Idee gewesen, die Kriegerin nach Hause zu begleiten. Wenn es nach ihm ginge, würden sie sich schon viel weiter westlich befinden, auf der Suche nach seiner verschollenen Tochter in Irland.

Trotzdem verstand er Tumaaras Zweifel. Sie hatte als junge Kriegerin den Auftrag erhalten, ein Kind namens Ludmeela auszubilden und zu beschützen.

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