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Maddrax - Folge 272

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah
  4. Dieser Hunger nach Leben
  5. Leserseite
  6. Zeittafel
  7. Cartoon
  8. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde. In der Folge verschiebt sich die Erdachse und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler – zur Erde gelangt sind und schuld an der veränderten Flora und Fauna sind. Nach langen Kämpfen mit den Daa’muren und Matts „Abstecher“ zum Mars entpuppt sich der Wandler als lebendes Wesen, das jetzt erwacht, sein Dienervolk in die Schranken weist und weiterzieht. Es flieht vor einem kosmischen Jäger, dem Streiter, der bereits seine Spur zur Erde aufgenommen hat!

Menschen versteinern durch eine unbekannte Macht. Auch Matts Staffelkameradin Jennifer Jensen und deren Freund Pieroo werden in Irland zu Stein, und Jennys und Matts gemeinsame Tochter Ann verschwindet. Auf der Suche nach ihr erkrankt Aruula, und als befreundete Marsianer auftauchen, willigt Matt ein, dass diese die Suche fortführen. Auf dem Mars will er die Regierung dort für den Kampf gegen den Streiter gewinnen.

Der Daa’mure Grao ahnt nicht, dass Drax die Erde verlassen hat. Auf der Suche nach ihm kommt er in Aruulas Heimat, die 13 Inseln – wo er eine Läuterung erfährt. Der kleinwüchsige Sepp Nüssli trifft unterdessen in einer Hafenstadt auf ein Geisterschiff, dessen schattenhafte Besatzung alle Einwohner versteinert. Im Kiel des Schiffes steckt ein transparenter Stein mit rot pulsierendem Kern, der einst mit einem Transportflieger des 3. Reichs in den Zeitstrahl geriet.

Zurück vom Mars – wo ein Ureinwohner, ein fast vier Milliarden Jahre alter Hydree, aus einer Zeitblase durch den Strahl zur Erde fliehen konnte – landen Matt und Aruula im Mittelmeer. Eine Kontaktaufnahme mit Mondstation und Shuttle scheitert. Mischwesen aus Hydriten und Menschen setzen sie an der Küste Italiens an Land, wo sie einer Andronenreiter-Sippe gegen einen machtgierigen Grafen in der Nähe von Rom beistehen.

In Rooma treffen sie ihren alten Freund Moss wieder, der gegen die Meffia und deren Handel mit mutierten Früchten kämpft – und gegen seinen dunklen Bruder, seinen persönlichen Dämon. Aruula trifft auf Tumaara von den 13 Inseln, die nach schwerer Schuld aus der gemeinsamen Heimat geflohen ist. Nach dem Sieg über den dunklen Bruder wollen die Gefährten sie nach Hause begleiten – mit einem Umweg über Monacco, von wo die Früchte stammen. Zwar werden die Gärten vernichtet, doch ein Mitglied des Untergrunds setzt Matt und Aruula für sein Ziel ein, an die Samen der Früchte zu gelangen …

Dieser Hunger nach Leben

von Christian Schwarz

Deutsches Reich, Dezember 1944

Maria Weiß rieb sich die klammen Hände. Sie starrte über die Baracken, die sich in die tief verschneite Landschaft duckten, hinüber zur Flakstellung, an der ein SS-Mann drei noch nicht einmal sechzehnjährige Jungen einwies.

Nicht weit von ihr vibrierte das Bohrgestänge. Ratternd brachte der Bohrer auf der Suche nach Erdöl immer neues Gestein aus der Tiefe.

Plötzlich kam Unruhe in die Arbeiter, die das Gerät bedienten. Einer winkte aufgeregt. Die Geologin ging hinüber – und erstarrte. Inmitten des ausgeworfenen Gesteins lag ein faustgroßer, dunkelrot glühender Brocken! „Was um Himmels willen ist das?“, flüsterte sie. Gleich darauf war Maria Weiß tot.

Peter Hahn saß am warmen Ofen, die Füße auf den Schreibtisch gelegt, und blätterte in der neuesten Ausgabe des „Stürmers“1). Der drahtige, mittelgroße Endvierziger in Uniform grinste geringschätzig. Wie immer wurden die neuesten Erfolge der großdeutschen Truppen beschworen und mit abstoßenden Karikaturen die jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung an den Pranger gestellt. Als ob es momentan keine anderen Sorgen gäbe!

Im Gegensatz zur Reichsführung hatte Hahn längst begriffen, dass der Krieg verloren war. Das Tausendjährige Reich lag in den letzten Zügen – nach noch nicht einmal einem Dutzend Jahren! Auch die beste Propaganda würde das Blatt nicht mehr wenden. Und erst recht nicht, was da draußen vor sich ging. Öl sollten sie finden, um die zunehmenden Engpässe in der Versorgung der Panzer und Flugzeuge zu beheben. Er blickte zum Fenster hinaus auf den Bohrturm, der wie ein riesiges Skelett in der weißen Einöde stand.

So wirst du auch bald dastehen, mein geliebtes Deutschland …

Hahn beobachtete die Häftlinge, die den Bohrturm bedienten. Von den SS-Wachen sah er nichts, die saßen schön warm wie er selbst in der Wachbaracke. Sollten sie ruhig; es interessierte ihn nicht. Bald würde die Welt ohnehin eine andere sein.

Hahn gehörte der legendären Abwehr-Sondertruppe „Brandenburg“ an, die zahlreiche Sabotage-Operationen hinter den feindlichen Linien durchgeführt hatte. Er war auch in Rumänien dabei gewesen, als die Brandenburger den französischen Ingenieur Leon Wenger, der die fürs Deutsche Reich überlebenswichtigen rumänischen Ölfelder sabotierte, ausgeschaltet hatten.

Und was hat es schlussendlich genützt? Nichts, gar nichts. Die Rumänen sind zum Feind übergelaufen, die Ölfelder sind weg und der Führer hat sich am großen Ölspender Kaukasus die Zähne ausgebissen. Na toll. Und jetzt veranstalten wir diesen Kram hier. Bloß weil dieser Mistkerl Kraft wieder eine seiner Visionen hatte. Pah …

Tatsächlich sah es schlimm aus mit der Öl- und Benzinversorgung im deutschen Vaterland. Die ausländischen Felder waren verloren, die deutschen Hydrierwerke wurden immer wieder bombardiert und produzierten kaum noch synthetischen Treibstoff. Und die Gewinnung von genügend Öl aus Ölschiefer war ein aussichtsloses Unterfangen, da ganze fünfzig Tonnen Schiefer für eine Tonne Öl verschwelt werden mussten.

Kein Wunder, dass Himmler sofort auf die Vision seines „Sehers“ Paul Kraft angesprungen war, der riesige Erdölmengen in diesem Teil des Deutschen Reichs „erspürt“ hatte. Und nun waren sie hier, um mit Probebohrungen die Richtigkeit dieser Vision zu dokumentieren. Hahn, den das Wehrwirtschafts- und Rüstungsamt mit der Leitung des Unternehmens betraut hatte – „Sie haben sich ja schon in Rumänien mehr als bewährt, mein lieber Hahn!“ – war sicher, dass nichts dabei herauskam.

Und selbst wenn. Dann haben wir noch lange nicht das klopffeste Hundertoktanbenzin, das unsere letzten paar Flugzeuge konkurrenzfähig machen könnte. Und die Amis und Tommys sind schneller über uns, als wir Muh sagen können, wenn wir was finden. Dann knallt’s hier gewaltig. Wir sind einfach am Arsch. Schluss, Ende, so sieht’s aus …

Unter dem Bohrturm entstand hektische Bewegung. Peter Hahn kniff die Augen zusammen. Was war da los? Waren die Bohrungen wider Erwarten doch erfolgreich? Zumindest sah er keine Erdölfontäne. Dafür die hübsche, überaus emanzipierte Geologin Maria Weiß, die ihn nächtens wärmte. Ihre grüne Fellmütze war deutlich zu erkennen, als sie zum Bohrturm stapfte.

Maria verschwand im Pulk der Arbeiter. Gleich darauf wurde die Hektik noch größer. Die Männer spritzten auseinander. Einige winkten, woraufhin die Wachen mit Sturmgewehren aus der Baracke stürmten. Hahn erhob sich ebenfalls, schlüpfte in seinen Mantel und trat in die Kälte hinaus. Er hörte laute, panische Schreie und hastete zum Bohrturm hinüber. Als die Wachen und Arbeiter ihn kommen sahen, hielten sie inne.

Was war das für ein seltsames rotes Pulsieren, das er zwischen ihren Körpern hindurch sah?

Ein paar der Arbeiter traten zur Seite und ließen ihn passieren. Hahn konnte die blanke Angst in ihren ausgemergelten Gesichtern erkennen. Als er das Zentrum der kleinen Menschenansammlung erreichte, prallte er zurück. Er spürte sein Herz plötzlich hoch oben im Hals schlagen.

„Was … ist das?“, fragte er leise. Die Verwirrung ließ ihn seinen sonst so forschen Herrenmenschen-Ton vergessen. Diese steinerne Statue, die neben einem unheimlichen, rot pulsierenden Brocken kniete – wo kam sie her, und warum sah sie wie Maria Weiß aus? Sie trug die Kleidung, die Maria eben noch getragen hatte. Nur die grüne Fellmütze lag neben ihr im Schnee.

Hahn ging in die Knie und berührte die Maria-Statue an der Wange. Sie war kalt wie Eis. In ihren erstarrten, unglaublich fein gemeißelten Zügen erkannte er einen überaus erstaunten Ausdruck. Unwillkürlich wanderte seine Hand in Richtung des rot pulsierenden Steinbrockens.

„Nein!“

Peter Hahn hielt inne und erhob sich geschmeidig. Er starrte den Rufer, einen Arbeiter, an.

„Nicht anfassen, Herr Major“, murmelte der Mann. „Wir haben … das Ding da … aus der Erde geholt. Frau Weiß hat es nur berührt, da … da ist sie … sofort zu Stein erstarrt!“

Hahn starrte den Arbeiter an. Hätte er nicht den Beweis für diese ganz und gar unglaubliche Geschichte vor sich gesehen, er hätte den Kerl dafür über den Haufen geknallt.

Hahn fing sich rasch wieder. Schnell und präzise zu reagieren war immer schon einer seiner Vorzüge gewesen. „Niemand berührt den roten Steinbrocken!“, herrschte er die Arbeiter an. „Übergießt ihn mit Acrylharz!“

„Jawohl, Herr Major.“ Im Laufschritt bewegten sich zwei Arbeiter auf eine Baracke zu. Dort lagerten größere Mengen des Acrylharzes, das zur Gebäudeabdichtung verwendet wurde. Mit Angst in den Augen ließ der Mann, der Hahn gewarnt hatte, das zähflüssige Harz aus dem Kanister über den Brocken laufen.

Der Major hielt den Atem an. Für einen Moment fürchtete er, der seltsame Stein würde sich wehren, irgendwelche Strahlen verschießen, explodieren … was auch immer. Aber nichts geschah. Das Harz umfloss den Stein und verhärtete sofort. Es bildete einen bräunlich-transparenten Mantel, durch den das rote Pulsieren noch immer gut sichtbar war.

„Übergießt auch die Unterseite!“, blaffte Hahn. „Los – dreh den Stein um!“

Der Arbeiter starrte den Major mit großen Augen an. Er schluckte ein paar Mal hektisch.

„Mach schon.“ Hahn legte die Hand auf den Griff seiner Pistole.

Der Arbeiter begann zu zittern. Seine Lippen bewegten sich lautlos, als er das Vaterunser betete. Langsam beugte er sich nach vorne. Seine Hand zuckte unkontrolliert, als er sie dem Stein näherte. Dann zog er sie wieder zurück.

Hahn stieß ihn. Mit einem schrillen Schrei taumelte der Mann – und fiel über den Stein!

Nichts geschah. Das Harz schützte ihn! Wimmernd rollte sich der Unglückliche herunter und blieb seitlich verkrümmt im Schnee liegen. Eine Wache versetzte ihm ein paar brutale Fußtritte. Schneewolken stoben hoch.

Eine Viertelstunde später war der rot leuchtende Steinbrocken komplett in das Kunstharz eingeschlossen. Hahn informierte seinen obersten Vorgesetzten, Geheimdienstchef Wilhelm Canaris. Der wiederum setzte sich mit dem „Ahnenerbe“ in Verbindung.

So kam es, dass Hahn bald darauf den Reichsführer SS, Heinrich Himmler, höchstpersönlich am Telefon hatte. Er bekam Anweisung, den Stein und die versteinerte Frau so schnell wie möglich nach Berlin zu transportieren. Noch am selben Abend startete ein ziviler Lkw ohne äußerlichen Begleitschutz in Richtung Reichshauptstadt. Unauffälligkeit hieß die Devise in diesen schlimmen Zeiten.

Paderborn / Wewelsburg, Nordrhein-Westfalen, Januar 1945

Paul Kraft saß beim Frühstück und schaute zum Fenster hinaus. Der Schnee rieselte leise auf die schmale Straße vor dem kleinen Häuschen in der fast leeren Paderborner Innenstadt. Dass sich seine ansonsten sprichwörtlich gute Laune in den letzten Tagen arg in Grenzen hielt, hatte nur zum Teil mit dem Sauwetter zu tun, denn Kraft hasste Schnee. Vielmehr nervte ihn Heinrich Himmler fast täglich mit neuen Anfragen. Natürlich. Dem Alten ging längst der Arsch auf Grundeis, denn der Krieg ging langsam aber sicher verloren.

„Kraft, prüfen Sie nach, wie die Gefechte an der Ostfront ausgehen. – Kraft, seien Sie so nett, nachzuprüfen, ob wir den Iwan zurückschlagen können. – Kraft, ich brauche eine baldmöglichste Aussage darüber, mit welchen Waffen der Krieg doch noch zu gewinnen ist. Prüfen Sie das.“

Mit „prüfen“ meinte Himmler Krafts Gabe der Hellseherei. Seit über sechs Jahren arbeitete der Reichsführer SS nun eng mit dem einstigen Metzger zusammen, der schon früh seine Fähigkeiten als Medium entdeckt hatte. Seine Vorhersagen trafen zu über achtzig Prozent derart präzise ein, dass er innerhalb kurzer Zeit eine Berühmtheit im gesamten Großdeutschen Reich geworden war. Selbst der berühmte Eric Jan Hanussen hatte 1930 um Krafts Freundschaft gebuhlt. Gerade mal ein halbes Jahr hatte es gedauert, bis Kraft Hanussen als reinen Scharlatan entlarvt und sich wieder von ihm getrennt hatte. Hanussen war längst tot, 1933 von der SS umgebracht, weil er Jude gewesen war. Da hatte ihm all seine Nähe zu den Nazis nicht geholfen.

Immerhin war es Hanussens Verdienst, Paul Kraft mit dem abgedrehten Weisthor bekannt gemacht zu haben. Weisthor hieß in Wirklichkeit Karl Maria Wiligut und war Himmlers engster Vertrauter gewesen, sein okkulter Einflüsterer und Astrologe. Auch dieser Verrückte war längst weg vom Fenster, denn wegen seiner Medikamenten- und Alkoholsucht war er nicht mehr in der SS zu halten gewesen.

Aber er, Paul Kraft, war immer noch da. Denn im Gegensatz zu all diesen Bescheuerten war er ein echtes Medium. Es gelang ihm immer wieder, Kontakt zu einer übergeordneten Ebene herzustellen, aus der ihm die gewünschten Bilder zuflossen. Aber auf Zuruf funktionierte das nicht – auch wenn Himmler das gerne gehabt hätte. Kraft brauchte mindestens sechs Wochen Pause zwischen den einzelnen Seancen, sonst konnte er den Kontakt in die Überwelt nicht wieder herstellen; zumindest bekam er verfälschte Ergebnisse.

Weil Himmler momentan aber noch weniger als sonst mit sich spaßen ließ und unbedingt Positives hören wollte, fütterte ihn Kraft mit erfundenen Aussagen, die er allerdings zuvor auf Grund von Wochenschauberichten und Gerüchten hochgerechnet hatte. Es blieb trotzdem ein gefährliches Spiel, aber Kraft spielte auf Zeit. Er wusste nur zu genau, wann der Krieg enden würde und wer dann die Nase vorn hatte. Eigentlich alle anderen – und Deutschland würde der große Verlierer sein. Vielleicht auch er, das wusste er nicht so genau. Deswegen war er wild entschlossen, die Privilegien, die ihm seine Mitgliedschaft in Himmlers „Studiengesellschaft für Geistesurgeschichte Deutsches Ahnenerbe e.V.“ einbrachte, bis zum Schluss zu genießen. Da sich das Ahnenerbe hauptsächlich mit Hexenforschung und anderen okkulten Themen beschäftigte, war er der richtige Mann am richtigen Ort, der unumschränkte Superstar sozusagen. Kein anderer hätte die Erlaubnis bekommen, sich ständig in seiner Heimatstadt aufhalten zu dürfen, wenn er so dringend in Berlin gebraucht wurde.

Das Telefon klingelte. Heinz Scheuermann war dran. Kraft kannte den Standartenjunker schon von klein auf.

„Morgen, Paul. Hab ich dich aus dem Bett geworfen?“

„Als ob man bei dem ständigen Sirenengeheul überhaupt noch ein Auge zutun könnte. Nein, schon recht, Heinz. Willst du mich in den Kraftsportraum abholen? Meine Muskeln haben ganz schön abgebaut in letzter Zeit. Da ist nicht mehr viel ›Zäh wie Leder, hart wie Kruppstahl‹ übrig.“

Scheuermann lachte. „Mit Krafttraining wird das heute nichts. Himmler will dich sehen, und zwar umgehend. Du sollst auf die Wewelsburg hochkommen.“

„In euer Heiligtum? Das ist ja eine ganz besondere Ehre. Was will der Alte denn von mir?“

„Du bist der Hellseher, nicht ich. – Nein, keine Ahnung. Komm einfach, dann wirst du’s erfahren.“

„Bin schon unterwegs.“ Paul Kraft frühstückte zu Ende, warf sich in seinen Anzug und stieg dann in seinen spiegelblank geputzten Horch. Er fuhr durchs Almetal. Hoch oben auf einem Felsen, im Schneegestöber nur unzureichend zu sehen, lag die sagenumwobene Wewelsburg, die angeblich aus der Zeit Heinrichs I., des deutschen Reichsgründers, stammte. Himmler hatte sie 1934 vom Landkreis Büren gepachtet und zur SS-Ordensburg umfunktioniert. Nun fungierte sie als repräsentative und ideologische Zentrale des SS-Ordens.

Diese ganzen Details wusste Kraft von Scheuermann, der im Stab Himmlers auf der Wewelsburg Dienst tat. Nachdem er zwei Kontrollen auf der Zufahrt zur Burg passiert hatte, fuhr er über die Brücke des Nordflügels in die Burganlage, die als einzige in Deutschland dreieckig angelegt war.

Trotz des Schnees arbeiteten Leute im Hof und an den Fassaden. Zwei SS-Männer salutierten stramm und geleiteten Kraft zum Nordturm.

Kurze Zeit später stand er im Obergruppenführersaal. Da ihn Himmler warten ließ, betrachtete der schmale kleine Mann mit dem spitzen Gesicht das großflächige runde Ornament, das in den Marmorfußboden eingelassen worden war. Im Mittelpunkt des Mosaiks befand sich eine goldene Scheibe.

„Schön, nicht?“ Heinrich Himmler war unbemerkt in den Raum getreten.

Kraft nahm Haltung an und salutierte. „Ja, ein wunderbares Mosaik. Guten Morgen, mein Reichsführer. Was kann ich heute für Sie tun?“

Himmler, in schwarzer SS-Uniform und mit frischem Haarschnitt, der nur noch einen schmalen Deckel auf dem Kopf beließ, nahm die Brille ab und lächelte. „Ja, mein lieber Kraft, dieses Sonnenrad, das Weisthor entworfen hat, ist das Symbol unserer neuen, germanischen Religion, die wir nach dem Endsieg einführen werden. – Aber deswegen sind Sie nicht hier. Darf ich Sie ins Nebenzimmer bitten, Kraft?“

„Aber natürlich.“ Paul Kraft wusste nicht, warum ihn plötzlich eine starke innere Unruhe erfüllte.

Vor dem Nebenraum ragte die kniende Steinstatue einer Frau auf. Kraft musterte sie kurz. Sie war wunderbar. Der Künstler hatte jedes noch so winzige Detail herausgearbeitet. Aber warum um alles in der Welt hatte man ihr Winterkleidung angezogen?

„Gefällt sie Ihnen, Kraft?“ Himmler schaute ihn gespannt an.

„Sehr. Wer hat sie geschaffen?“

„Sagen wir … ein unbekannter Künstler.“ Der Reichsführer SS grinste seltsam, was Krafts Unruhe nur verstärkte.

Als das Medium hinter Himmler einen kleinen, holzgetäfelten Raum betrat, sah es fünf SS-Chargen um einen Tisch stehen. Darauf lag etwas, das mit einem dicken Tuch abgedeckt war.

„Sie erinnern sich, dass Sie uns im Herzen des Reichs große Ölfunde prophezeit haben, mit deren Hilfe wir den Krieg gewinnen werden?“, fragte Himmler freundlich.

Nun wusste Kraft, warum er so unruhig war. Das roch nach mächtigem Ärger. Denn dies war eine seiner völlig frei erfundenen „Prophezeiungen“ gewesen. In den Augen Himmlers suchte Kraft nach Hohn oder Wut … aber da war tatsächlich nichts außer Bewunderung.

„Sind Sie bereits auf das Öl gestoßen?“, fragte Kraft lahm.

„Nein, noch nicht. Dafür aber auf etwas, das in der Tat kriegsentscheidend sein kann!“ Mit diesen Worten zog Himmler das Tuch von dem Gegenstand auf dem Tisch.

Paul Kraft starrte ungläubig auf den bernsteinfarbenen, halb transparenten Brocken, in dessen Zentrum ein dunkelroter Kern pulsierte, fast wie ein Herz. Es lief ihm eiskalt über den Rücken. „Was … um alles in der Welt ist denn das?“

„Das eben wollen wir von Ihnen wissen, Kraft. Dieses … Ding wurde vor einigen Wochen aus dem Boden des von Ihnen benannten Areals geholt. Als eine Geologin es berührte, versteinerte sie sofort.“

Kraft wurde schlagartig bleich. In diesem Moment wurde ihm klar, was da draußen vor der Tür stand.

„Ich … ich …“, stotterte er. „Das kann doch nicht sein. Ich meine, da steht doch Batumi, Rumänien drauf.“ Er wies auf den eingebrannten Stempel, der das Fundstück bürokratisch korrekt als Eigentum der Nazis auswies.

„Ein kleiner Trick, mein Lieber, um den Fundort zu verschleiern. Das Ganze ist natürlich eine geheime Kommandosache und unterliegt der allerhöchsten Geheimhaltung. Nun, der leuchtende Stein wurde in Harz gegossen, was ihn anscheinend ungefährlich macht, und ins Reichssicherheitshauptamt und danach zum Ahnenerbe gebracht. Dort blieb er bedauerlicherweise einige Wochen liegen, weil mich dringende Angelegenheiten im Osten festhielten. Kurzum: Wir vermuten, dass es sich bei diesem Stein um eine okkulte Reliquie handelt, vielleicht sogar um eine Art überirdische Intelligenz.

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