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Maddrax - Folge 271

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah
  4. Früchte des Zorns
  5. Leserseite
  6. Zeittafel
  7. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde. In der Folge verschiebt sich die Erdachse und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler – zur Erde gelangt sind und schuld an der veränderten Flora und Fauna sind. Nach langen Kämpfen mit den Daa’muren und Matts „Abstecher“ zum Mars entpuppt sich der Wandler als lebendes Wesen, das jetzt erwacht, sein Dienervolk in die Schranken weist und weiterzieht. Es flieht vor einem kosmischen Jäger, dem Streiter, der bereits seine Spur zur Erde aufgenommen hat!

Menschen versteinern durch eine unbekannte Macht. Auch Matts Staffelkameradin Jennifer Jensen und deren Freund Pieroo werden in Irland zu Stein, und Jennys und Matts gemeinsame Tochter Ann verschwindet. Auf der Suche nach ihr erkrankt Aruula, und als befreundete Marsianer auftauchen, willigt Matt ein, dass diese die Suche fortführen. Auf dem Mars will er die Regierung dort für den Kampf gegen den Streiter gewinnen.

Der Daa’mure Grao ahnt nicht, dass Drax die Erde verlassen hat. Auf der Suche nach ihm kommt er in Aruulas Heimat, die 13 Inseln – wo er eine Läuterung erfährt. Der kleinwüchsige Sepp Nüssli trifft unterdessen in einer Hafenstadt auf ein Geisterschiff, dessen schattenhafte Besatzung alle Einwohner versteinert. Im Kiel des Schiffes steckt ein transparenter Stein mit rot pulsierendem Kern, der einst mit einem Transportflieger des 3. Reichs in den Zeitstrahl geriet.

Zurück vom Mars – wo ein Ureinwohner, ein fast vier Milliarden Jahre alter Hydree, aus einer Zeitblase durch den Strahl zur Erde fliehen konnte – landen Matt und Aruula im Mittelmeer. Eine Kontaktaufnahme mit Mondstation und Shuttle scheitert. Zusammen mit Mischwesen aus Hydriten und Menschen setzen sie mit einer Yacht Kurs auf Irland, wo Matt die Suche nach Ann fortsetzen will, doch sie werden nach Italien verschlagen, wo sie einer Andronenreiter-Sippe gegen einen machtgierigen Grafen in der Nähe von Rom beistehen.

In Rooma treffen sie ihren alten Freund Moss wieder, der gegen die Meffia und deren Handel mit mutierten Früchten kämpft – und gegen seinen dunklen Bruder, seinen persönlichen Dämon. Aruula trifft auf Tumaara von den 13 Inseln, die nach schwerer Schuld aus der gemeinsamen Heimat geflohen ist. Nach dem Sieg über den dunklen Bruder wollen die Gefährten Tumaara nach Hause begleiten …

Früchte des Zorns

von Michael M. Thurner

Die ganze Stadt war auf den Beinen. Wie immer, wenn sie einen ihrer Auftritte ankündigte. Der Maareschall ließ seine Peitsche durch die Luft schnalzen und über die Rücken der Sklaven tanzen. Laute Schreie hallten von den Häuserfronten wider; die Oberschicht ergötzte sich von ihren Balkonen herab am Leid der armseligen Gestalten. Dann kamen die Wakuda-Meister in ihren teuren Wagen, die von gebändigten Sebezaans gezogen wurden, dahinter die Karabiiners in ihren bunten Uniformen.

Schließlich sie. Die Arme ein Stückchen angehoben, die Menschenmassen ringsum zum Jubel auffordernd. Jedermann stimmte in die Hochrufe ein. Die Grazie nicht mit aller Begeisterung zu ehren, bedeutete Hochverrat. Und Hochverrat war eine schlimme Sache in Monacco …

Matthew Drax gab sich alle Mühe, die Androne so ruhig wie möglich in der Luft zu halten und sie durch die thermischen Turbulenzen jenes Berg- und Hügellandes zu lenken, das einstmals der Ligurische Apennin genannt worden war. Mittlerweile hatte er sich einiges Geschick im Umgang mit dem Tier angeeignet; dennoch würde er niemals jenes Feingefühl erringen, das Manoloo zeigte. Der Saade war ihm ein Stück voraus. Mit unnachahmlicher Eleganz glitt sein Tier über sanfte Bergkuppen hinweg, wich vereinzelt hochragenden Kiefern aus, fädelte in neue, günstigere Windströmungen ein, bewegte die so feinfühligen Flügel mit einer ganz besonderen Mischung aus Kraft und Anmut.

Matts Tier hingegen verhielt sich … bockig. Es beugte sich unwillig seinen Befehlen, und wo sich die von Manoloo geführte Flugandrone den thermischen Bedingungen anpasste, hüpfte seine wie ein flacher Stein über die Wasseroberfläche. Mehrfach hatte Aruula, die hinter ihm saß, schon in die Zügel gegriffen und den Flug korrigiert.

Es half ja nichts: Er musste es irgendwann lernen. So wie Aruula inzwischen recht geübt war im Umgang mit Jeeps, Motorrädern und anderen vorapokalyptischen Gefährten.

Hügel reihte sich an Hügel. Wildes Land, in dem kaum noch Spuren der ehemals dichten Besiedlung zu erkennen waren, breitete sich unter ihnen aus. Da und dort zeigten sich karge Weideflächen, die von wenigen Wakudas genutzt wurden. Alle paar Kilometer machten sie schäbige Hütten aus, die sich gegen bizarre Felsformationen schmiegten oder unter die Wipfel blassgrüner Nadelbäume duckten.

Kein Mensch ließ sich blicken. Jene, die es wagten, in dieser Einöde zu siedeln, taten gut daran, jedermann zu misstrauen, der die Hilfe von Flugandronen beanspruchte. Matt hatte sich erzählen lassen, dass dies hier ein bevorzugtes „Jagdgebiet“ von Sklavenhändlern war.

Ein Fluss glitzerte silbern unter ihm. Er mäanderte durch das Land, um an einer zerstörten Wehr Dutzende Meter tief abzustürzen und dahinter einen fast kreisrunden dunklen See zu bilden. Die Stahlträger einer zum Skelett bloßgestellten Fabrikhalle ragten mahnend am Ufer auf. Tonnenschwere Betonklumpen, überwachsen und kaum noch als solche erkennbar, waren wie überdimensionierte Murmeln von weiter oben herabgerollt. Womöglich waren sie einstmals Bestandteil einer Brücke oder das Fundament einer Straße gewesen, die diesen Teil der Apenninen überwunden hatte.

Rasch waren sie vorbei an den Ruinen, rasch wechselten die Eindrücke. Kaum blieb Matt Zeit, sich mit den vielfältigen Umwälzungen der großen Katastrophe vor über fünfhundert Jahren zu beschäftigen.

Keine Zeit für Sentimentalitäten!, ermahnte er sich. Konzentrier dich auf die Aufgabe, die vor dir liegt: Die Lieferanten der mutierten Früchte ausfindig zu machen und ihnen Moss’ Depesche zu übergeben.

Als gespaltene Persönlichkeit hatte Moss, der Herrscher von Rooma, es selbst zu verantworten, dass die Mafia zu neuer Blüte gekommen war.1) Matt schüttelte unwillkürlich den Kopf. Namen und Begrifflichkeiten mochten sich ändern; aus Monaco war Monacco geworden, aus Italien Ittalya, doch der Menschenschlag und die Strukturen in diesem uralten Kulturland waren dieselben geblieben – auch die des organisierten Verbrechens.

Nun, da mit Aruulas Hilfe sein dunkler Bruder vernichtet war, wollte Moss die Lieferungen mutierter Früchte stoppen. Ihr Ursprung lag im ehemaligen Fürstentum Monaco. Die Meffia hatte einen hochprofitablen Handel mit dem Obst hochgezogen. Mit Androhung der Todesstrafe verbot Moss nun die Einfuhr.

Ob das allein etwas nutzte, würde sich zeigen müssen. Matt und Aruula hatten es lediglich auf sich genommen, auf ihrem Weg zu den Dreizehn Inseln in Monacco Station zu machen und das Schreiben zu übergeben. Alles Weitere interessierte sie nicht.

Ich habe die Suche nach Ann lange genug ausgesetzt, dachte Matt unbehaglich. Auch der Umweg über Aruulas Heimat hält uns weiter auf. Ihm brannten die Zeit und die Ungewissheit unter den Nägeln, seit der Kontakt zu der marsianischen Suchmannschaft abgerissen war. Irgendetwas musste in Irland passiert sein – und es galt herauszufinden, was. Würde er seine Tochter jemals wiedersehen, nachdem ihre Mutter Jenny und deren Lebensgefährte von den Schatten versteinert wurden?

Matt löste sich mühsam aus seinen düsteren Gedanken und warf Manoloo einen Blick zu. Er wusste nicht, ob er lachen oder weinen sollte, wenn er an seinen Begleiter dachte. Der Bursche baggerte Aruula bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit einer Aufdringlichkeit an, die an den machismo der früheren Papagalli gemahnte. Wenigstens verhielt er sich gegenüber Tumaara – der zweiten Frau in ihrer kleinen Gruppe, die hinter ihm im Sattel seiner Androne saß – gesittet. Vermutlich aber auch nur, weil er sich Aruula als Opfer auserkoren hatte.

Stunden vergingen. Die Gegend änderte sich, das Land wurde flacher und grüner … und die Androne blieb so bockig und unberechenbar wie in den Morgenstunden, da sie gestartet waren. Im Norden wusste Matt die Po-Ebene, und dahinter falteten sich die ersten Ausläufer der Alpen hoch. Er vermutete, dass sie bald das Umfeld der ehemaligen Großstadt Genua erreichen würden.

„Allmählich spüre ich meine Kehrseite nicht mehr“, beschwerte sich Aruula und drängte sich eng an ihn. „Außerdem wird es dunkel. Wir sollten uns einen Platz fürs Nachtlager suchen.“

„Du hast recht“, sagte Matt. Er pfiff laut zwischen den Fingern. Manoloo, der über ein ausgezeichnetes Gehör verfügte, reagierte augenblicklich, zwang seine Androne in eine enge Kurve und kam so dicht wie möglich an Matts Tier heran. Tumaara, ehemalige Arenameisterin aus Rooma und wie Aruula eine Frau von den Dreizehn Inseln, hockte erschöpft vom langen Flug hinter dem Saaden.

„Es reicht für heute!“, rief Matt Manoloo zu. „Wir gehen runter und suchen uns einen geeigneten Platz zum Übernachten.

„Nicht gut!“, antwortete der Jüngere, gegen den Wind anschreiend. „Dies ist wildes Land. In meiner Heimat erzählt man sich Geschichten über grässliche Gestalten, die hier hausen. Verseuchte Taratzen, Fantaghule, Juvultren …“

„Was schlägst du vor?“ Matt tat gut daran, den Worten seines Begleiters Glauben zu schenken. Während all der Jahre, die er mittlerweile auf dieser zerstörten und geplagten Erde des 26. Jahrhunderts verbracht hatte, hatten sich die Instinkte der so genannten „Barbaren“ immer wieder als überlebenswichtig erwiesen.

„Zur Küste!“, rief Manoloo. „Dort gibt es geschützte Verbindungswege, die von bewaffneten Reittrupps der großen Städte gesichert werden!“

Matt zögerte. Er hatte keine Lust, sich mit irgendwelchen selbsternannten Ordnungshütern auseinanderzusetzen. Es erschien ihm weitaus vernünftiger, einen stillen Winkel zu finden, um dort die Nacht zu verbringen. Der Mensch war das wildeste und unberechenbarste Raubtier von allen, vor allem in diesem schrecklichen Zeitalter … „Dann zur Küste!“, gab er dann aber doch nach. „Du übernimmst die Führung! Such uns ein einsames Plätzchen, wo wir unter uns sind!“

Manoloo gab Handzeichen, dass er verstanden hatte, und brachte seine Androne mit wenigen, kaum erkennbaren Befehlen dazu, Tempo aufnehmen und den Kurs zu ändern.

„Es kann nicht mehr lange dauern“, rief Matt Aruula über die Schulter zu. „Ein halbes Stündchen noch, vielleicht.“

„Wahnsinniger! In einer halben Stunde bin ich tot!“

Matt duckte sich tiefer in den Wind und verkniff sich ein Grinsen. Der wunde Punkt der sonst so duldsamen Aruula war ihr Hintern, im wahrsten Sinne des Wortes.

Es dämmerte, als Manoloo seine Flugandrone zu Boden lenkte. In einer kleinen, halbkreisförmigen und von Felsen gesäumten Bucht schipperten ein halbes Dutzend Fischerboote im sanften Wellengang. Am östlichen Ende ragten die Mauern eines halb verfallenen, vielleicht tausend Jahre alten Kastells in die Höhe. Auf Wegen, die sich parallel zum sandigen Uferstreifen dahinzogen, marschierten mehrere Gruppen von Menschen auf ein hell erleuchtetes Ziel zu.

„Eine Osteriaa!“, rief Manoloo begeistert. „Warmes Essen! Viino! Strohbetten!“ Er zupfte an den Zügeln seiner Flugandrone und glitt vorneweg, auf das schilfgedeckte Gebäude zu.

„Nein, warte!“, rief ihm Matt hinterher. Hatte er dem Andronenreiter nicht befohlen, abseits menschlicher Behausungen zu landen?

Doch Manoloo kümmerte sich nicht um Matts Ruf. Wollte oder konnte er nicht hören? Er ging tiefer, nutzte einen schmalen Sandstreifen an der Rückseite des langgezogenen Gebäudes als Landebahn und ließ seine Flugandrone mit bemerkenswertem Geschick auf dem Erdboden aufsetzen.

Matt fluchte und wollte es dem Saaden gleichtun. Er zupfte und zerrte an den Zügeln, gab Schenkeldruck, hieb dem Tier gegen die Chitinpanzerung. Die Androne berührte den Boden, wollte neuerlich an Höhe gewinnen, ließ sich nur mit Gewalt davon abhalten, schlidderte meterweit über dem Boden dahin – und blieb schließlich ruckartig inmitten einer hoch aufstiebenden Sandwolke stehen. Matt wurde nach vorne geschleudert, über das Reittier hinweg. Trotz verzweifelter Versuche, sich an Zügel und Sattel festzuhalten. Er landete kopfüber in einer Düne. Der Sand scheuerte ihm über Hals und Gesicht, verfing sich in Augen, Nasenlöchern und Mund. Wie ein Sack blieb er liegen; kraftlos, atemlos.

„Du bist – pftui! – ein miserabler Reiter!“, hörte er Aruulas erboste Stimme. „Ich überlege mir ernsthaft, für die nächste Etappe bei Manoloo aufzusteigen.“

Matt hob den Kopf. Aruula lag dicht neben ihm, alle Viere von sich gestreckt. „Damit er dich den ganzen Flug über betatschen kann?“, fragte er, wütend über sich selbst, und rappelte sich mühsam hoch. Der Sand klebte zwischen seinen Haaren, rieselte über den Nacken unter den Einteiler, sammelte sich in seinen Schuhen. „Okay, mach, was du willst. Meinen Segen hast du!“

„Ich sagte dir doch, du sollst nicht so stark an den Zügen ziehen!“, hörte er die amüsierte Stimme Manoloos. „Du hast ab-so-lut kein Gefühl in deinen Händen. Ich frage mich, was Aruula an dir findet …“

Matt tat einen raschen Schritt auf den Jüngeren zu. Die Wut über sein eigenes Missgeschick fand ein neues Ventil. Er packte Manoloo am Hemd und stemmte ihn mit einem Ruck in die Höhe. „Jetzt hör mir gut zu: Ich bin deine dummen Kommentare und deinen Ungehorsam leid! Ich sagte, dass du einen Platz suchen sollst, an dem wir unter uns sind! Weder du noch ich kennen den hiesigen Menschenschlag!“ Er stieß Manoloo heftig von sich.

„Aber …“

„Kein Aber! Mit deinen Eigenmächtigkeiten bringst du uns in Gefahr, kapierst du das nicht?!“

Manoloo kämpfte mit sich. Er wollte aufbegehren und gegen den Älteren angehen. Erst nach einigen tiefen Atemzügen brachte er ein sprödes: „Tut mir leid!“ hervor.

Du darfst nicht zu hart mit ihm ins Gericht gehen!, sagte sich Matt. Er hat Flausen im Kopf – und ist unglücklich verliebt.

Also schön“, sagte er leise. „Wir haben genug Aufmerksamkeit erregt. Die Gäste der Osteriaa beobachten uns bereits.“ Er deutete auf eine größer werdende Menge interessierter Gaffer. „Wir kümmern uns um die Flugandronen und besorgen uns anschließend etwas Essbares. Und wir tun so, als wären wir die allerbesten Freunde. Verstanden?“

„Verstanden.“ Manoloo nickte und rang sich ein schiefes Grinsen ab, bevor er Tumaara von seinem Reittier hob und es anschließend absattelte.

Matt kümmerte sich um die andere Flugandrone. Das Biest war ein paar Schritte zur Seite gewichen und stand nun regungslos und irgendwie lauernd da. Als könnte es Matts Unsicherheit spüren und wartete nur darauf, ihm einen weiteren Streich zu spielen.

Aruula trat zu ihm. Leise sagte sie: „Das war fast zu viel für den Kleinen.“

„Ganz im Gegenteil.“ Matt griff in die lose hängenden Zügel und begann die Lederteile zu sortieren. „Ich hätte ihn noch weitaus härter hernehmen sollen. Mit seinem Verhalten gefährdet er nicht nur sich selbst, sondern auch uns. Ich hoffe, er lernt seine Lektion.“

„Das wird er“, versicherte ihm Aruula. „Und wenn nicht, dann heize ich ihm ein.“ Sie zwinkerte Matt zu. „Ein böser Blick von mir schmerzt ihn mehr als die schlimmste Tracht Prügel.“

Die Flugandrone verhielt sich wider Erwarten ruhig. Bereits nach wenigen Minuten war sie sicher versorgt und gefüttert. Matt nahm Moss’ Depesche an sich und verstaute sie in einer Beintasche seiner Kombination aus marsianischer Spinnenseide.

Ein schmächtiger Knabe, der aus dem Halbdunkel einer verfallenen Nebenhütte der Osteriaa gekrochen kam, bot sich an, auf beide Tiere aufzupassen. Matt musterte ihn. Er wirkte verhärmt und müde, aber nicht falsch. Matt warf ihm eine Münze zu. Der Junge fing sie mit glänzenden Augen auf, murmelte mehrere Dankeschöns und führte die Andronen vom Strand weg zu einem schmalen Grünstreifen. Ein gutes Dutzend weiterer Flugtiere wartete dort bereits auf die Artgenossen. Manche von ihnen waren mit schweren Säcken beladen, andere dienten zum Personentransport.

„Mal sehen, was die heimische Küche zu bieten hat“, sagte Matt zu seinen Begleitern. Er streckte seine Nase in den Wind. Verführerische Düfte zogen vorüber.

Sie umrundeten die Osteriaa und ignorierten den von dünnen Schnüren verdeckten Eingang an der Breitseite. Ein rostiges Schild baumelte davor im Wind. „Osteriaa Rapallo“ stand darauf mit krakeliger Schrift geschrieben.

An der dem Meer zugewandten Front staken Fackeln im Sand. Sie verbreiteten flackerndes Licht, das die Gesichter der Menschen ringsum mal schwach, dann wieder deutlich nachzeichnete.

Auf einer Leine hingen Fische und anderes Meeresgetier in unterschiedlichen Größen und Farben. Ein grobschlächtiger Kerl tönte mit voller Stimme und pries seine Waren den Gästen an. Mehr als ein Dutzend Frauen und Männer hatten sich rings um einen Steinherd versammelt. Sie stritten lautstark und heftig gestikulierend um die besten Stücke des Angebots; ihr gutturaler Dialekt erlaubte es Matt kaum, der Unterhaltung zu folgen.

„Ich kümmere mich ums Essen“, sagte Manoloo bestimmt. Er zwängte sich in die Menge und beteiligte sich am Gestreite und Gezetere, das immer heftiger wurde.

„Das endet mit Mord und Totschlag“, sagte Aruula. Nervös tastete sie über den Griff ihres Schwertes, das sie wie gewohnt in der Rückenkralle trug.

„Keine Sorge.“ Tumaara, die Schwester von den Dreizehn Inseln, legte ihr eine Hand auf die Schulter. „Das ist die Art dieses Menschenschlags.“

Matt zog die beiden Frauen zu einem wackeligen Tisch, der etwas abseits des Geschehens stand. Eine Frau, aufgedunsen und mürrisch wirkend, brachte ungefragt mehrere Tassen und eine Karaffe mit verdünntem Viino, um gleich darauf wieder das Weite zu suchen.

Matt setzte sich neben Aruula; so, dass er über die ruhige See blicken konnte. Der Streit ums Essen schien kein Ende zu nehmen. Doch die Stimmen gerieten immer weiter in den Hintergrund. Sie wurden zu einem Murmeln, das bald einen Teil dieser fast kitschig wirkenden Kulisse bildete.

„Es ist schön hier“, sagte Aruula. Sie packte einen Tiegel aus ihrem Ledersack und begann sich die geröteten Oberschenkel mit kreisenden Bewegungen einzucremen. Der ungeliebte Spinnenseidenanzug, den sie seit ihrer Stippvisite auf dem Mars getragen hatte, war seit dem Abschied von Rooma in einem Reisebeutel verpackt. Noone hatte ihr geholfen, auf einem Markt angemessene Kleidung zu finden, in der sie sich wohlfühlte. Leider schützte der Felltanga kaum vor der Reibung des ledernen Andronensattels.

„Unsere Nachbarn sind derselben Meinung.“ Matt deutete in Richtung mehrerer fettleibiger Männer. Sie betrachteten die Barbarin mit weit aufgerissenen Augen.

„Und?“, fauchte Aruula in Richtung des Trupps. „Habt ihr niemals zuvor einen Frauenhintern gesehen?“

Die Männer zuckten zusammen, drehten sich wie auf Kommando um und zogen ihre Köpfe ein. Matt grinste. Er wusste aus Erfahrung, dass mit seiner Begleiterin nicht immer gut Kirschen essen war.

Der Kampf um die besten Fische hatte mittlerweile ein Ende gefunden. Einige der Hauptdarsteller zogen zufrieden von dannen und besetzten nach und nach die wackligen Tische. Manoloo kam ebenfalls mit breiter Brust heranstolziert. Er zwinkerte Aruula vergnügt zu, bevor er sich an Matt wandte: „Wir haben es mit unzivilisierten Fischern zu tun“, sagte er, „aber die Qualität der Fische ist ausgezeichnet. Ich habe uns eine gezackte Goldbrasse gesichert. Der Wirt wird sie in einer Öl- und Salzlache baden und anschließend über offenem Feuer braten.“

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