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Maddrax - Folge 267

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah
  4. Die Götter des Olymp
  5. Leserseite
  6. Zeittafel
  7. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde. In der Folge verschiebt sich die Erdachse und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler – zur Erde gelangt sind und schuld an der veränderten Flora und Fauna sind. Nach langen Kämpfen mit den Daa’muren und Matts „Abstecher“ zum Mars entpuppt sich der Wandler als lebendes Wesen, das jetzt erwacht, sein Dienervolk in die Schranken weist und weiterzieht. Es flieht vor einem kosmischen Jäger, dem Streiter, der bereits seine Spur zur Erde aufgenommen hat!

Im postapokalyptischen Europa versteinern Menschen durch eine unbekannte Macht, die man die „Schatten“ nennt. Matt und Aruula machen in Irland eine schreckliche Entdeckung: Auch Matts Staffelkameradin Jennifer Jensen und deren Freund Pieroo, die hier lebten, wurden zu Stein, und Jennys und Matts gemeinsame Tochter Ann ist verschwunden. Matt und Aruula machen sich auf die Suche nach ihr. Als nach Wochen Aruula schwer erkrankt, werden sie von zwei marsianischen Freunden geortet. Matt Drax sieht in der Marsregierung einen potenziellen Verbündeten gegen den Streiter und will zusammen mit Aruula zum Mars fliegen, während die Marsianer auf der Mondstation die Suche nach Ann fortsetzen.

Der Daa’mure Grao, der den Endkampf in Afra überlebt hat, ahnt nicht, dass „Mefju’drex“ die Erde verlassen hat. Als der Todesrochen Thgáan ihn birgt, macht er sich auf die Suche nach Drax. Sein erstes Ziel ist Aruulas Heimat, die 13 Inseln – wo er eine unverhoffte Läuterung erfährt.

Der kleinwüchsige Sepp Nüssli trifft unterdessen in einer Hafenstadt am Nordmeer auf eine geisterhafte Karavelle, deren Besatzung aus schattenhaften Gestalten besteht und alle Einwohner versteinert. Im Kiel des Schiffes steckt ein transparenter Stein mit rot pulsierendem Kern, der einst mit einem Transportflieger des 3. Reichs in den Zeitstrahl geriet.

Auf dem Mars angekommen, setzt man Aruula einen „Telepathieblocker“ ein. Wütend legt sie sich mit Chandra an, Matts verflossener Liebschaft. Während Matt die Marsianer über den Streiter informiert, benutzt sie Hi’schi, um Chandra eine Falle zu stellen. Dabei kommt der Mutant ums Leben, getötet von einer „Blaupause“, die ein junger Geistwanderer unter Missachtung des letzten Tabus aus dem Zeitstrahl geholt hat und die nach Lebensenergie giert, um sich in unserer Welt zu halten. Matt kann die junge Frau stoppen, wird dabei aber von ihr berührt.

Die Götter des Olymp

von Oliver Fröhlich

Die Frau, die einige Meter vor Chandra auf dem felsigen Boden lag, krümmte sich vor Schmerz. Entsetzen spiegelte sich in ihren Augen, verzerrte das sonst hübsche Gesicht zu einer Grimasse der Furcht. Sie japste, keuchte, schnappte nach Sauerstoff, doch den konnte die dünne Luft nicht bieten. Ihr flehentlicher Blick irrlichterte umher, traf Chandra, glitt an ihr vorbei, traf sie erneut. Die Lippen formten Worte, aber nur ein Krächzen drang hervor. Dennoch wusste Chandra, was die Erdenfrau zu sagen versuchte: „Bitte – hilf mir!“

Dann senkte sich die Flügeltür herab und verbarg die Leiden der Erstickenden vor Chandras Blicken. Mit wütender Miene startete die Marsianerin den Antrieb des Gleiters und flog davon. Aruula jedoch blieb in sechzehn Kilometern Höhe zurück.

Dreizehn Stunden vorher

Im Sitzungsraum des Senders Elysium News Transmitter roch es muffig und verbraucht. Wie bei jeder Redaktionskonferenz nach sechzig Minuten.

Alle vier Wände waren verglast und boten einen atemberaubenden Blick auf die Spindelhäuser der Stadt, die majestätischen Luftschiffe, die darüber ihre Kreise zogen, und in der Ferne auf den viele Kilometer hohen Elysium Mons. Das Panorama verlor selbst dann nichts von seiner Erhabenheit, wenn man wusste, dass es nicht echt war. Tatsächlich lag der Sitzungsraum im Inneren des Sendergebäudes und besaß keine Außenwand. Befanden sich die Fenster zu den Redaktionsfluren im Transparentmodus, stellten die gelegentlich vorbeihuschenden hübschen Moderatorinnen die einzige Sehenswürdigkeit dar.

Nach dem Tod des früheren Senderchefs Carter Loy Tsuyoshi hatte dessen über mehrere Ecken entfernter Verwandter Roald Jordan Tsuyoshi die Geschicke von ENT in die Hand genommen. Eine seiner ersten Amtshandlungen hatte darin bestanden, die weniger hübschen Moderatorinnen hinter die Kameras, in Büros oder ins Archiv zu verbannen.

Nachrichten über eine mit Erdbarbaren sympathisierende Regierung, über jugendliche Wurzelfresser, die immer mehr in die Städte drängten und auf den Straßen für ihre angeblichen Rechte protestierten, Nachrichten über eine Präsidentin, die solches Verhalten nicht nur tolerierte, sondern diejenigen anprangerte, die es wagten, dagegen aufzubegehren – mit all diesen Dingen musste Roald Jordan Tsuyoshi den Marsianern genug zumuten. Hatten sie dann nicht wenigstens ein Anrecht darauf, sie aus dem Mund eines schönen Gesichts zu erfahren?

Im Augenblick befanden sich die Fenster jedoch im Aussichtsmodus, der den Anwesenden nicht nur ein herrliches Panorama vorgaukelte, sondern sie auch noch vor neugierigen Blicken von draußen schützte.

RJT lehnte sich in seinem Sessel zurück und versuchte, der Konferenz zu folgen. RJT – so nannten ihn manche seiner Angestellten, wenn sie sich unbeobachtet fühlten. Natürlich wusste er dennoch davon, denn beim Elysium News Transmitter gab es genügend Anhänger der Organisation ProMars, deren Gründervater er war. Nun ja, einer der Gründerväter, um der Wahrheit die Ehre zu geben. Wenn auch einer der wichtigsten.

»Die Einschaltquoten sind besorgniserregend!« Die Chefredakteurin Sendara Kirin Angelis stand von ihrem Platz auf der anderen Seite des langen Tischs auf und fünfzehn Augenpaare ruckten zu ihr herum. Sie vergrub einen Knopf auf einer kleinen Konsole unter ihrem Daumen. Sicherlich hätte ein kurzes Antippen auch gereicht, um das Bild des Elysium Mons aus dem Pseudopanorama zu verscheuchen und durch eine Grafik zu ersetzen, aber Tsuyoshi glaubte, in der übertriebenen Bewegung einen Gradmesser ihrer schlechten Laune zu erkennen.

Das Schaubild zeigte einen in zwei Segmente unterteilten Kreis.

Sendara Kirin Angelis betrachtete für einen Augenblick das Diagramm, dann zerrte sie an dem hüftlangen weißen Zopf, zu dem sie ihre Haare geflochten hatte. Ein weiteres Zeichen ihrer Unzufriedenheit. Oder fürchtete sie RJTs Reaktion auf die Grafik? Natürlich brauchte sie sich in dieser Hinsicht keine Sorgen machen. Bereits unter seinem glücklosen Vorgänger Carter Loy hatte sie den Posten der Chefredakteurin bekleidet, und schon er hatte große Stücke auf sie gehalten. Roald Jordan wusste, dass sie den Zielen von ProMars und ihm treu ergeben war. Dennoch zeichnete sie, solange er keinen Einfluss darauf nahm, für die Programmgestaltung verantwortlich – und somit für die Quoten!

Schlimm genug, dass sie sich überhaupt um Einschaltquoten kümmern mussten. Bis vor einem Jahr war das noch anders gewesen. Da hatte es neben ENT nur den Sender Mars-Pictures gegeben, der mit seinem Schwerpunkt auf Kultur und Unterhaltung keine Konkurrenz für den Nachrichtensender darstellte. Doch dann hatten einige Mitglieder des Hauses Braxton EEI gegründet, Elysium Entertainment & Info.

»Mars-Pictures ist in dieser Grafik wie immer nicht enthalten. Sie sehen hier die Quoten unserer Abendsendung Mars aktuell. Bei der Konkurr … beim Mitbewerber EEI lief gleichzeitig eine Gesprächsrunde über die Rechte des Waldvolkes, eine Diskussion zwischen Marsianern und Waldleuten. EEI erreichte damit einen Zuschaueranteil von beinahe zwanzig Prozent!« Sendara ließ sich auf ihren Stuhl sinken. „Zwanzig Prozent!“

Der Redakteur für den Bereich Klatsch und Tratsch meldete sich zu Wort. Er hatte zurückweichendes graues Haar. Die rötlichen Pigmentflecke auf seinem Gesicht konzentrierten sich auf die Nase. „Entschuldigen Sie, aber ich verstehe nicht ganz. Warum halten Sie diese Zahlen für besorgniserregend?“

Roald Jordan Tsuyoshi konnte sich nicht an den Namen des Redakteurs erinnern, was ein Zeichen dafür war, dass Rotnase nicht ProMars angehörte. Das bewies er auch durch seine nächsten Worte.

»Die Rechte des Waldvolkes erscheinen mir als ein so wichtiges Thema, dass es mich wundert, dass die Quote für EEI nicht noch höher war.“

Sendara Kirin Angelis öffnete den Mund zu einer Erwiderung, da ergriff RJT das Wort.

»Sie müssen den Blick fürs Ganze bewahren! Vor einem halben Jahr lag EEI bei unter zehn Prozent. Jetzt haben sie verdoppelt! Und womit? Mit Talkshows, oberflächlichen Reportagen und reißerischen Nachrichten. Mit verdummenden Spielshows. Und was heißt hier: wichtiges Thema? Wir sprechen von den Waldleuten! Von …“, RJT biss sich auf die Lippe; beinahe hätte er lästigem Gesindel gesagt, „… von Lebewesen, die aus einer genetischen Vermischung mit Käfern hervorgegangen sind!“ Er machte eine Pause, die die Wirkung seiner Worte verstärken sollte. „Halten Sie die Rechte dieser Halbkäfer wirklich für ein wichtigeres Thema als die der Marsianer?“

»Nun ja, sicherlich …“

»Halten Sie den Mund, Mann! Das war eine rhetorische Frage! Wenn wir nicht wollen, dass EEI im nächsten Jahr vierzig Prozent erreicht und uns irgendwann überflügelt, müssen wir reagieren! Und zwar umgehend. Also hören Sie gefälligst zu, wenn Ihre Chefredakteurin etwas sagt.“

Rotnase senkte den Blick. „Natürlich. Entschuldigen Sie.“

Sendara sah ihn kurz an und RJT erkannte Dankbarkeit in ihren Augen. Zugleich lag aber auch eine Prise Das-hätte-ich-auch-alleine-geschafft darin.

Roald lächelte ihr zu und überließ ihr die Arena.

In der nächsten Sekunde ärgerte er sich über sich selbst. Er hätte sich nicht dazu hinreißen lassen dürfen, die Baumhocker „Halbkäfer“ zu nennen, auch wenn sie natürlich genau das waren. Wenn es nach ihm ginge, könnte der Mars gut auf sie verzichten. Und auf die Erdbarbaren natürlich! Auch wenn sie gemeinsame Vorfahren besaßen, waren die Menschen auf ihrer unzivilisierten Erde besser aufgehoben als auf dem Roten Planeten. Wie hätte es ihnen denn gefallen, plötzlich unfreiwilligen Kontakt mit den Neandertalern pflegen zu müssen? Gar nicht! Na also!

Was das Problem der Laubkauer anging, hatte sein Vorgänger Carter Loy Tsuyoshi bereits etwas unternehmen wollen. Er hatte versucht, die Loyalität der Baummenschen und große Teile des Waldes zu gewinnen, indem er ihnen das Heilmittel gegen einen krankmachenden Pilz versprach, den er selbst absichtlich freigesetzt hatte. Eine hübsche kleine Erpressung, die allerdings fürchterlich in die Hose gegangen war, weil das Heilmittel nicht gewirkt hatte. In der Folge hatten erst viele Waldmenschen ihr Leben an die Seuche und schließlich Carter Loy seines an einen rachsüchtigen Baummann verloren.1)

Schade drum! Carter Loys Plan war gut gewesen. Aber inzwischen zeichnete sich am Horizont eine andere Lösung für das Wurzelfresserproblem ab. Wenn er trotz der lästigen Einmischung der Regierung erst einmal das Fundstück am Olympus Mons freigelegt und zuForschungszwecken“ nach Elysium gebracht hatte, würden sich die Halbkäfer unwohl genug fühlen, um freiwillig die Stadt zu verlassen und auf ihre Bäume zurückzukriechen.

Ein Vibrieren am Handgelenk riss ihn aus den Gedanken. Sein PAC, der persönliche Armbandcomputer, meldete ihm einen Anruf. Er warf einen Blick auf das Gerät und verkniff sich einen Fluch. Cerric Khawing sollte ihn doch nur in dringenden Notfällen außerhalb der vereinbarten Zeiten kontaktieren. Entweder hielt sich der Baustellenleiter am Olympus Mons nicht an ihre Vereinbarung oder es lag tatsächlich ein Notfall vor. Er wusste nicht, welche der beiden Möglichkeiten ihm weniger behagte.

»Entschuldigen Sie mich bitte.“ Er ignorierte den aufgebrachten Blick des Sportredakteurs, den er offenbar in seinem Vortrag gestört hatte, stand auf und ging zur Tür. Mit einem letzten huldvollen Nicken zu den versammelten Redakteuren riss er die Tür auf – und ein vielleicht zwölf Marsjahre alter Rotschopf mit überraschter Miene stürzte ihm entgegen. In den Händen hielt er ein Tablett mit Getränken. Roald Jordan Tsuyoshi konnte sich noch ausmalen, wie der Rothaarige mit dem Ellbogen versucht hatte, die Tür zu öffnen, als sich schon eine Tasse Zuckerblütentee über sein Hemd ergoss.

»Oh, das tut …“ Als der Rotschopf erkannte, wessen Kleidung er mit der purpurnen Flüssigkeit ruiniert hatte, wich die Überraschung purem Entsetzen.

RJT schenkte seinem Gegenüber ein Lächeln, das auf dem Weg zu den Augen gefror. „Wie heißen Sie?“, fragte er mit leiser Stimme.

»Alix Nugamm, Herr Tsuyoshi.“

»Na schön, Alix Nugamm! In zwei Stunden will ich Sie in meinem Büro sehen.“

Ohne eine Antwort abzuwarten, drängte er sich an dem verdatterten Laufburschen vorbei, eilte den Flur entlang und schlüpfte in seine Räumlichkeiten.

Ein prunkvolles Zimmer erwartete ihn. Der große Schreibtisch, die komfortablen Sitzmöbel und die riesigen Bildschirme an der Wand zeigten, welche Stellung der Büroinhaber bekleidete. Der Ausblick auf Elysium war echt und keine Mogelpackung wie im Konferenzraum.

Auf den Monitoren liefen rund um die Uhr die Programme der drei marsianischen Fernsehsender. Schließlich musste man auf dem Laufenden bleiben, was die Kollegen anboten. MP erfreute seine Zuschauer mit einer Literatursendung, die ihnen das neueste 3-D-Buch des Autors Frank Treasuring Braxton näherbrachte. Ein Abenteuerroman über die Rückkehr zur Erde. So etwas brauchte kein vernunftbegabter Marsianer! EEI hingegen verblödete das Volk wieder einmal mit einer Spielshow, an der sogar Waldleute teilnehmen durften!

Roald Jordan Tsuyoshi schüttelte den Kopf und warf sich in den Bürostuhl hinter dem Schreibtisch. Der PAC vibrierte noch immer. Wenn Cerric Khawing sich so hartnäckig zeigte, handelte es sich vermutlich wirklich um einen Notfall. Bevor RJT das Gespräch annahm, betrachtete er erneut den riesigen Fleck auf seinem Hemd. Wenigstens tranken die meisten Marsianer Zuckerblütentee nur lauwarm, sonst hätte er sich noch Verbrühungen zugezogen.

Mit dem rechten Zeigefinger hieb er auf das Display des PAC. „Was wollen Sie, Khawing?“

Die Stimme des Ausgrabungsleiters am Olympus Mons dröhnte blechern aus dem Armbandcomputer. Ob es daran lag, dass sie auf einer verschlüsselten Frequenz über ein Funkrelais zu ihm kam, oder daran, dass ein Zerhacker ein Mithören unmöglich machte, wusste RJT nicht. Es interessierte ihn auch nicht sonderlich.

»Es tut mir leid, Sie stören zu müssen, Herr Tsuyoshi. Ich weiß, dass ich außerhalb der vereinbarten Zeiten …“

»Hören Sie mit dem Gefasel auf und sagen Sie mir, was los ist!“

»Wir haben hier eine … Situation. Die Lage spitzt sich zu.“ Khawing machte eine kurze Pause. „Er verlangt, den Erdenmann Drax zu sehen.“

Obwohl Khawing keinen Namen nannte, wusste RJT sofort, von wem sein Ausgrabungsleiter sprach. Hitze stieg ihm in die Wangen. „Er verlangt was? Auf keinen Fall können wir das zulassen! Einen Erdbarbaren in Mars-Angelegenheiten einweihen? Ich denke nicht im Traum daran, seinem … seinem Wunsch nachzukommen.“

Schon vor über einem Tag waren Überlegungen aufgekommen, Drax um Hilfe zu bitten. Aber da Tsuyoshi einen Mehrheitsanteil an der Bergbaugesellschaft besaß, die die Ausgrabung durchführte, konnte er das verhindern. Die von ProMars in die Regierung eingeschleusten Mittelsmänner waren ihm dabei nur allzu behilflich.

»Ich habe es einmal unterbunden und ich werde es wieder unterbinden.“

»Ich fürchte, dazu ist es zu spät. Seit wir die Sphäre gefunden haben, schleicht hier andauernd ein Vertreter der Regierung herum, wie Sie wissen. Gestern hatten wir noch Glück, dass er zu einer Versammlung oder wohin auch immer musste.“ Khawing stockte und Roald merkte, wie schwer ihm die nächsten Worte fielen. „Mir blieb keine Zeit mehr, mich mit Ihnen abzustimmen. Der Regierungsbeauftragte hat bereits die Präsidentin informiert. Wir können es nicht mehr ändern. Drax wird in zwei bis drei Stunden hier eintreffen.“

Für einen Augenblick verschlug es RJT die Sprache. „Dann achten Sie mit unseren Jungs wenigstens darauf, dass er sich nicht in Dinge einmischt, die ihn nichts angehen. Ich verlasse mich auf Sie!“

Mit einem unwirschen Tastendruck unterbrach er die Verbindung. Sein Blick ging starr auf den Bildschirm, der das eigene Programm zeigte. Das Zeigefingerstakkato auf der Tischplatte vermochte seine Wut nur unzureichend zu kanalisieren.

Was bildete sich Maya Tsuyoshi eigentlich ein? Sie gehörte dem gleichen Haus wie RJT an. Das war aber auch das Einzige, was für sie sprach. War ihr und der Bande von Ignoranten an ihrer Seite der Mars überhaupt etwas wert? Betrachteten sie ihn als Heimat? Oder stellten sie sich mit den Erdbarbaren deshalb so gut, weil sie sich selbst noch als Abkömmlinge des Blauen Planeten ansahen?

Eines stand für Roald Jordan Tsuyoshi unumstößlich fest: Solange Maya Präsidentin spielte, solange sie den Halbkäfern Zugang zu den Städten gewährte und solange dieser unsägliche Expressweg zur Erde existierte, würden die Marsianer immer unter ihren Möglichkeiten bleiben. Es musste etwas geschehen. Und zwar bald!

Sein Finger kam zur Ruhe. Mit einem Ruck stemmte sich der Senderchef aus dem Stuhl und ging zu dem Bildschirm, der das Programm von EEI zeigte. Er war mannshoch, in die Wand integriert – und verbarg einen begehbaren Tresor.

RJT klappte den Monitor zur Seite und betrat den geheimen Raum dahinter. Vor einem kniehohen Podest blieb er stehen und betrachtete seine Errungenschaft: die versteinerte Leiche eines Hydree – eines Ureinwohners des Mars, über dreieinhalb Milliarden Jahre alt. Mit zittrigen Fingern strich er dem knapp anderthalb Meter großen Fossil über den Schädelkamm.

»Wenigstens dich konnte ich vor den Augen der Regierung retten. Ich glaube, dass sich bald eine Gelegenheit ergeben wird, etwas zu bewegen. Und du wirst mir dabei helfen!“

Matthew Drax starrte auf drei Marsianer und zwei junge Männer des Waldvolks, die darüber diskutierten, ob die Baummenschen nicht wie die anderen Marsbewohner Anspruch auf eine Grundversorgung haben müssten, wenn sie sich am städtischen Leben beteiligten.

Nein, korrigierte sich Matt. Sie diskutieren nicht. Die Marsianer schreien die Waldleute an und die lassen es verschreckt über sich ergehen. Und mittendrin steht eine arrogante Schnepfe, die mit provokanten Fragen rechtzeitig Öl ins Feuer gießt, bevor es erlöschen kann.

Er schaltete den Bildschirm an der Wand seines Krankenzimmers ab. „Das Programm auf dem Mars ist auch nicht besser als das auf der Erde.“ Nach einem Augenblick des Nachdenkens fügte er hinzu: „Vor fünfhundert Jahren.“

»Das braucht dich ja nicht mehr zu kümmern.“ Chandra grinste ihn an. „Schließlich wirst du gleich entlassen. Und dann geht es zurück zur Erde.“

Matt schenkte dem Bett, in dem er den gestrigen Tag verbracht hatte, einen letzten Blick. Noch immer fühlte er sich schwach. Aber er war sich nicht sicher, ob das am Muskelabbau während des dreimonatigen Fluges hierher lag – oder an seiner Begegnung mit der Seelenlosen.2)

Ein junger, unerfahrener Weltenwanderer hatte das größte Tabu seiner Zunft gebrochen und die Blaupause einer Frau aus dem Zeitstrahl geholt. Außerhalb des Strahls verwandelte sie sich zwar in einen Menschen aus Fleisch und Blut, doch um sich in der Realität zu halten, benötigte sie laufend eine Kräfteauffrischung. Und die erhielt sie, indem sie anderen die Lebenskraft entzog. Auch Matt zählte zu ihren Opfern und wäre wie die anderen an plötzlicher Mumifizierung gestorben, hätte ihn nicht – wie man inzwischen herausgefunden hatte – das Tachyonenfeld geschützt, das ...

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