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Maddrax - Folge 262

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah
  4. Route 66
  5. Leserseite
  6. Zeittafel
  7. Roman im Roman
  8. Cartoon
  9. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde. In der Folge verschiebt sich die Erdachse und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler – zur Erde gelangt sind und schuld an der veränderten Flora und Fauna sind. Nach langen Kämpfen mit den Daa’muren und Matts „Abstecher“ zum Mars entpuppt sich der Wandler als lebendes Wesen, das jetzt erwacht, sein Dienervolk in die Schranken weist und weiterzieht. Es flieht vor einem kosmischen Jäger, dem Streiter, der bereits seine Spur zur Erde aufgenommen hat!

Rätselhafte Todesfälle ereignen sich im postapokalyptischen Euree: Menschen versteinern durch eine unbekannte Macht, die man die „Schatten“ nennt. Schon zwei Mal sind Matt und Aruula auf Versteinerte gestoßen, bevor sie auch im Dorf Corkaich auf der irischen Insel diese schrecklich Entdeckung machen müssen. Besonders tragisch: Hier lebten Matts Staffelkameradin Jennifer Jensen und ihre gemeinsame Tochter Ann sowie sein Freund Pieroo. Der Barbarenhäuptling und Jenny sind versteinert, von Ann fehlt jede Spur. Matt und Aruula machen sich auf die Suche nach ihr.

Als nach erfolglosen Wochen Aruula schwer erkrankt, werden sie zum Glück von zwei Freunden geortet und mit einem Shuttle abgeholt: von Clarice Braxton und Vogler, zwei Marsianern und Nachfahren der ersten irdischen Marsexpedition, die Matthews Tachyonenstrahlung angepeilt haben. Matt Drax sieht in der Marsregierung einen potenziellen Verbündeten gegen den Streiter und willigt ein, zusammen mit Aruula zum Mars fliegen, während eine Crew der Mondbesatzung unter Tartus Marvin Gonzales die Suche nach Ann fortsetzen will. An Bord der CARTER IV, die dank neuer Antriebe und günstiger Planetenkonstellation die Reise in nur drei Monaten absolvieren will, ist – betäubt – auch ein Mutant, der auf einer philippinischen Insel entdeckt wurde und der in den Augen anderer jede Wunschgestalt annehmen kann.

Währenddessen holt Matts Freund Rulfan, der in Schottland geblieben ist, um dort sesshaft zu werden, die Vergangenheit ein: Seit fünf Jahren schon ist eine als Mordwaffe ausgebildete junge Frau auf seiner Fährte, die in ihm einen Engel – einen Aynjel – sieht und sich ihm unterwerfen will. Daran hat Rulfan, frisch verliebt in die Tochter des Verwalters seiner Burg, jedoch kein Interesse. Es kommt zu dramatischen Ereignissen, in denen Ninian mörderisch wütet, bis sie ihren Irrtum erkennt und wieder verschwindet.

Route 66

von Michelle Stern

Motherroad

Straße der Sehnsucht

Stetig voran

Nach Westen, nach Westen

auf staubiger Bahn

Du folgst dem Asphalt

Folgst der Sonne

Die Hitze verschlingt Dich

Weißt Du noch

was Du träumtest?

Kennst Du noch Dein Ziel?

Oder ist die Straße selbst

Dein Ziel geworden?

Route 66

Matthew Drax bremste ab und brachte den breiten Jeep Chevrolet zum Stehen. Endlich hatten sie das Motel erreicht. Liz Harper seufzte erleichtert auf dem Beifahrersitz. Matt betrachtete seine Freundin, die ins Hohlkreuz ging und sich streckte. Verschwitzte blonde Haarsträhnen klebten an ihrer Stirn. Ihre Augen leuchteten wie Sterne, als sie sich umwandte und ihn ansah.

»Ich dachte schon, wir kommen nie an.«

Matt grinste jungenhaft. »Aber da sind wir, und das noch vor der Dunkelheit.«

Tatsächlich brach die Dämmerung gerade erst herein. Die Strahlen der sinkenden Sonne lagen auf dem imposanten 60er-Jahre-Motel vor ihnen, und beleuchteten einen Parkplatz mit einer Reihe abgestellter Motorräder.

Matt betrachtete das Motel, das als eines der Highlights auf der historischen Route 66 galt. Ein riesiges Schild, mit dem bereits vertrauten Route-66-Zeichen, wies es als »Deluxe Inn Motel« aus. Ein Stück hinter dem Hauptgebäude ragte die gigantische Reklame eines Burgerrestaurants auf. Endlich würde er etwas zu essen bekommen! Nach der langen Fahrt über die heißen, staubigen Straßen von Arizona freute er sich auf ein Stück gebratenes Fleisch, und wenn es nur die Form einer schmackhaften Frikadelle hatte.

Er öffnete die Tür, stieg aus und streckte sich. Seine Muskeln fühlten sich steif an von der langen Fahrt. Seine Kehle war ausgedörrt. Er hatte das Gefühl, einen ganzen Kasten Bier allein trinken zu können.

Liz Harper stieg ebenfalls aus und holte ihre Handtasche aus dem Kofferraum des geräumigen alten Wagens. Der lindgrüne Jeep Chevrolet war ihr ganzer Stolz. Sie hatte ihn von ihren Eltern zum Eintritt in die Columbia University in New York City geschenkt bekommen.

Matt warf den Kofferraum zu und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. »Auf zum Essenfassen! Den ganzen Kram können wir später noch holen.«

Liz lächelte. »Meinetwegen. Du siehst aus, als würdest du gleich verhungern.«

Sie gingen zielstrebig über den Parkplatz in Richtung des Burgerrestaurants. Matt betrachtete die Harley Davidsons, die an der linken Seite des Platzes sauber aufgereiht waren. Es brannte ihm in den Fingern, auch einmal ein solches Prachtstück anzuwerfen und Gas zu geben. Er hatte bereits die Maschine eines Kumpels in Riverside gefahren. Allerdings hatte er damals fast einen Sturz hingelegt. Ob es möglich war, nach dem Studium einen Motorradführerschein zu machen?

Die Maschinen glänzten im Licht, lockten ihn mit Freiheit und Abenteuer. Der Anblick lenkte ihn von der Gruppe junger Männer ab, die lautstark in eine Auseinandersetzung vertieft waren. Liz stieß Matt mit dem Ellbogen in die Seite.

Er blickte zu den neun Bikern hinüber. Sie trugen typische Lederkleidung und hatten die unmöglichsten Frisuren. Zwei der Jungs standen in einem Ring der übrigen Meute. Sie schubsten einander und beleidigten sich lautstark.

Liz suchte Abstand zu der Gruppe. »Lass uns schneller gehen«, sagte die Kunststudentin leise.

Matt nickte und wollte eben mit Liz an der Gruppe vorbeiziehen, als einer der umstehenden Biker sie entdeckte. Er drehte sich zu ihnen herum und grinste Ärger verheißend. Sein Blick wanderte über Liz’ dünnes weißes Sommerkleid.

»Hey, wen haben wir denn da! Marilyn Monroe persönlich, wenn ich nich irre!«

»Lass sie in Ruhe!«, rutschte es Matt heraus. Er hätte sich am liebsten auf die Zunge gebissen, als er Liz’ gehetzten Blick sah. Es wäre besser gewesen, wortlos zu verschwinden. Aber er wollte nicht zulassen, dass seine Freundin von diesem Penner angemacht wurde. Die Frisur des Biker-Subjekts war sogar noch schlimmer als die seiner Kumpanen. Er trug eine Seite des Schädels komplett rasiert, und die andere – genau ab dem Scheitel – lang bis zu den Schultern. Die Haare waren ungepflegt und boten einen traurigen Anblick. Auf der rasierten Schädelseite war ein billiges Tattoo von einem Krokodil verewigt. Oder sollte es ein flügelloser Drache sein?

Der Biker kam mit schweren Schritten auf Matt Drax zu. Seine fahlen blauen Augen hätten gut aussehen können, wenn sie nicht so starr in seinem Gesicht gesessen hätten. Matt musste unwillkürlich an ein Reptil denken. Der Fremde blieb zwei Schritte vor ihm stehen und taxierte ihn verächtlich.

»Highschoolausflug, was?«, spottete der vielleicht Dreißigjährige. »Hast von Daddy das erste Auto bekommen und machst jetzt auf große Romanze, was, Milchfresse?«

Liz wollte Matt weiterziehen, doch der blieb wie angewurzelt stehen. »Was geht es dich an?«

»Mich geht die Kleine hier was an.« Der Fremde kam so nah, dass Matt den Gestank von Knoblauch, Schweiß und Schnaps riechen konnte. »So ’ne Schönheit sollte nich mit ’nem Versager wie dir unterwegs sein.«

Matt schaffte es, sich abzuwenden. Er hatte nicht vor, sich von diesem Loser provozieren zu lassen. Wahrscheinlich hatte der Typ weder einen Job, noch das nötige Selbstwertgefühl. Er war es nicht wert. »Einen schönen Tag noch«, sagte Matt brüsk. Er nahm Liz in den Arm und ging weiter.

Eine Hand packte sein dünnes grünes Shirt über seiner Schulter.

»Nich so hastig, Sportsfreund! Du warst doch sicher der kleine Quarterback deiner Highschool. Ein Kandidat für den Schulsprecher. Und das da ist die Ballkönigin. Und ich, mein Freund, habe jetzt Lust zu tanzen!« Er drückte Matt mit einem harten Stoß lachend zur Seite und packte Liz am Handgelenk.

Matt sah vor Zorn rote Punkte vor Augen. Es gelang ihm, sich zu fangen, ohne zu Boden zu stürzen.

Der Biker zog die kreischende Liz an sich, die mit flachen Händen auf seine Lederjacke einschlug.

Matt machte zwei schnelle Schritte. Ehe er sich besann, zuckte seine Faust vor, als habe er zu kämpfen gelernt. Seine geballten Finger krachten von der Seite in das Gesicht des Bikers. Er traf ihn am Kinn. Der Mann ließ Liz los. Zum ersten Mal kam Leben in seine Augen – ein Ausdruck von Erstaunen zeigte sich darin. Dann taumelte er und sackte zu Boden. Langgestreckt blieb er liegen und rührte sich nicht mehr.

Neben dem Rauschen des Blutes in seinen Ohren hörte Matt, dass es hinter ihnen beunruhigend still geworden war. Er sah zu der Gruppe der Biker zurück. Sie hatten die Prügelei eingestellt. Alle acht blickten nun auf Matt. In ihren Augen sprühte Zorn.

»Die Bleichfresse hat Dave umgehauen!«, sagte ein Kleinerer von ihnen, der eine tiefbraune Hautfarbe und mexikanische Züge hatte. Seine öligen schwarzen Haare waren in der Mitte des Kopfes toupiert.

»Du suchst wohl Ärger, was, Kleiner?« Ein muskelbepackter Hüne schob sich vor. Seine Haut war noch bleicher und teigiger als die des bewusstlosen Dave. Die Poren waren grob wie eine Kraterlandschaft. Er trug die blonden Haare im Bürstenschnitt. An den Seiten waren zwei Totenschädel einrasiert.

»Schnappen wir ihn uns!«, kreischte ein dünner Biker mit langen roten Dreadlocks.

Matt brach der Schweiß aus. Er stellte sich schützend vor Liz und wartete darauf, dass der Hüne mit der bleichen Haut sich auf ihn stürzte. Zu allem Überfluss kam auch Dave wieder zu sich. Seine Unterlippe blutete stark, als er sich langsam aufrappelte. Seine Hände ballten sich zu Fäusten.

»Jetzt bist du fällig, Muttersöhnchen!«

Liz drängte sich dicht an ihn. Matt spürte, dass sie zitterte. Dave kam auf ihn zu wie ein zorniger Stier.

In diesem Moment sah Matt eine Bewegung hinter der Gruppe. Vom Motel her näherten sich fünf Männer. Einer hielt eine Pumpgun in den Händen.

»Weg da, Gesindel!«, kreischte eine hohe Männerstimme.

Dave blieb stehen. Die Biker fuhren herum. Der Rothaarige zischte: »Das ist Mad Jett! Hauen wir besser ab!«

Dave sah Matt hasserfüllt an. »Wir sehen uns noch, Milchfresse!« Er zeigte ihm den Mittelfinger und drehte sich auf dem Absatz der schweren Stiefel um. Ehe Matt sein Glück fassen konnte, waren die Biker auf dem Weg zu ihren Maschinen. Erste Motoren sprangen an.

»Ja, haut bloß ab!«, kreischte der kahlköpfige Weiße mit der hohen Stimme und der Pumpgun. »Ihr habt hier Hausverbot!« Er kam auf Matt und Liz zu. »Alles in Ordnung, Junge? Diese Rowdys haben euch nichts getan?«

Matt und Liz schüttelten die Köpfe. Hinter ihnen fuhren die Biker davon. Matt bot dem Kahlköpfigen die Hand. »Ihr seid gerade richtig gekommen! Danke.«

Der Mann nahm die dargebotene Hand nicht. Er murmelte etwas Unverständliches, drehte auf dem Absatz seiner braunen Stiefel um und marschierte zurück zum Motel. Zwei der Männer folgten ihm. Matt sah ihnen verblüfft nach.

»Ich … Hab ich etwas Falsches gesagt?«

»Nein, Junge, alles okay. Er ist ein wenig sonderbar«, meinte der schwarze Hüne neben ihm schulterzuckend. Er und ein blonder Mann waren stehen geblieben. »Man nennt ihn auch Mad Jett. Der Besitzer des Motels.« Er wies auf sich und den Mann an seiner Seite. »Wir sind Trucker.« Der schwarze Hüne grinste breit. »Ich heiße Terence Orville Bucker, für meine Freunde T.O., und dieser Blondschopf ist Rocky Robson.«

Sein Kompagnon, der einen hellen Stetson trug, hob die Hand. »Howdy!«, sagte er im breitesten Texas-Slang. »Wir fahren das hübsche Baby da hinten.« Er wies auf einen feuerroten Kenworth W 900 Conventional ohne Auflieger, der einige Meter entfernt auf der rechten Parkplatzseite stand. Seitlich des Kühlers prangte ein Gemälde, das Matt auf die Entfernung nicht erkennen konnte.

»Macht euch keinen Stress«, fuhr Bucker fort. »Diese Biker haben ’ne große Klappe, aber wenn’s hart auf hart kommt, sind sie so klein mit Helm.« Er hielt Daumen und Zeigefinger dicht zusammen.

»Danke«, sagte nun auch Liz. Matt bemerkte, dass sie blass geworden war. Das schien auch den beiden Männern aufzufallen.

Der blonde Mann bot ihr galant den Arm. »Kommen Sie, Lady, Sie brauchen was Ordentliches zwischen die Kauleisten nach dem Schreck.«

Liz sah Matt zögernd an, hakte sich dann mit einem zarten Lächeln bei dem sportlichen Mann ein. Gemeinsam gingen sie zum Burgerrestaurant.

Als Matt und Liz später im Motel eingecheckt hatten und auf ihrem Zimmer waren, konnte Matt den Vorfall mit den Bikern noch immer nicht vergessen. Daves zorniges Gesicht mit den starren hellblauen Augen wollte einfach nicht aus seiner Erinnerung weichen.

»Ob die uns verfolgen und uns auflauern?«

Liz schmiegte sich an ihn und sah verlangend auf das King-Size-Bett in ihrem gemütlichen 60er-Jahre_Zimmer. »Vergiss diese Idioten, Schatz. Wir fahren morgen weiter und sehen sie nie wieder.«

Matt war sich da nicht so sicher. Da sie die Route 66 entlang fuhren, waren sie leicht zu verfolgen.

Liz presste ihren warmen Körper an seinen. »Es war beeindruckend, wie du mich verteidigt hast, mein Held.« Ihre Lippen waren an seinem Ohr. Sie roch süß, nach Jasmin und Rose. Irgendein Parfüm, das seine Sinne benebelte. Ihre Stimme war tief und rauchig. »Lass mich auf meine Art danke sagen.« Sie zog ihn zum Bett.

Matt ließ es sich willig gefallen. Er wusste, dass nichts und niemand auf der Welt ihn und Liz jemals trennen würde.

März 2526, CARTER IV, Messe

»Wie ein Affe im Käfig«, murmelte der hochgewachsene Marsianer mit der Pigmentzeichnung im Gesicht. Die restliche Pigmentierung sah man nicht, denn er trug einen silbrigen Ganzkörperanzug. Er sah zu Matthew Drax herüber, der vor einem Panoramafenster aus marsianischem Stahlglas auf und ab ging.

Matt drehte sich nicht zu dem Sprecher um, obwohl er den Kommentar sehr wohl gehört hatte. Er seufzte leise. Die Vorurteile der Marsianer ihm und Aruula gegenüber würden wohl nie ein Ende finden. In gewisser Weise war das verständlich. Die Erde war ein dunkler Ort voller Barbaren, Mutationen und Gefahren geworden. Aber er hatte immer versucht, in diese Dunkelheit zumindest einen Funken Licht zu bringen.

Hör nicht auf diesen Idioten. Er blieb stehen und sah aus dem Fenster. Das Weltall glitt an ihm vorbei. Tiefe Schwärze und weit entfernte Sterne. Wie Diamantsplitter auf einem schwarzen Tuch. Obwohl der Anblick ihn immer wieder aufs Neue faszinierte, konnte er ihm doch keine innere Ruhe geben.

Zwei Monate waren sie nun schon unterwegs. Zwei entsetzlich lange Monate. Matt kannte das marsianische Raumschiff mit seiner Messe, der Steuerkanzel, dem Reaktor, dem Aufenthalts- und Besprechungsraum, den Frachträumen, dem Sport-, Unterhaltungs- und Laborbereich und den Kabinen inzwischen mindestens genauso gut wie sein damaliges Zuhause in Riverside.

Zuerst war er fasziniert von der Technik gewesen. Von der neuen Schiffsgeneration der Marsianer. Die CARTER IV war durch ein erneuertes Schubsystem mit innovativen Antriebsdüsen und einem verbesserten Ionenantrieb schneller als alle Schiffe vor ihr. MOVEGONZ TECHNOLOGY hatte sich mit der Erfindung des Power Hibes im Schub-Antriebssystem selbst übertroffen. Es war ihnen unter anderem gelungen, die G-Kräfte, die bei der Startbeschleunigung auf die Besatzung wirkten, im Inneren erträglich zu halten und zugleich die äußeren Kräfte zu potenzieren. Das neue Raumschiff war ein absolutes Highlight. Im Gegensatz zu früheren Generationen bot es mehr Platz und konnte bis zu fünfzehn Passagiere aufnehmen.

Trotzdem fühlte sich Matt inzwischen tatsächlich wie ein eingesperrtes Tier. Zusätzlich belastete ihn der geringe Sauerstoffanteil in der Luft. Die Marsianer benötigten aufgrund ihrer Jahrhunderte langen Anpassung an die dünne Marsatmosphäre weniger Sauerstoff. Obwohl man Vogler und Clarice zuliebe, die drei Jahre auf der Erde verbracht hatten, den Sauerstoffanteil der Luft etwas erhöht hatte, lag er doch deutlich unter den gewohnten Verhältnissen. Besonders nach starker körperlicher Anstrengung musste Matt zur Sauerstoffmaske greifen. Aber zumindest waren in seiner und Aruulas Kabine die Bedingungen angepasst.

An die niedrige Schwerkraft hatte er sich bereits bei seinem ersten Aufenthalt auf dem Mars gewöhnen können. Am Anfang der Reise war es durchaus belustigend gewesen, Aruulas Flüche durch die Gänge hallen zu hören, wenn sie sich in der Heftigkeit ihrer Bewegung verschätzt hatte. Zum Glück hatte sie sich nie mehr als einen blauen Fleck zugezogen.

Die Kriegerin vom Volk der Dreizehn Inseln hatte sich zwar gut an die veränderten Bedingungen gewöhnt, und auch von ihrer Blinddarmoperation auf dem Mond hatte sie sich bestens erholt1), aber richtig heimisch würde sie sich in diesem Schiff nie fühlen.

Wenn die Marsianer wenigstens nicht diese Vorurteile gehabt hätten. Die meisten mieden Matt. Es lag nicht nur an seiner in ihren Augen barbarischen Heimat, sondern auch an den vergangenen Ereignissen. Bei seinem letzten Aufenthalt auf dem Mars war er an großen Umwälzungen beteiligt gewesen. Viele Einwohner gaben ihm die Schuld für das Zusammenbrechen eines auf tönernen Füßen aufgebauten Systems, in dem sich nicht mal Städter und Waldleute grün waren. Selbst die Marsianer der Mondstation, die ihm zunächst freundlich oder wenigstens neutral begegnet waren, hielten inzwischen höflichen Abstand, um sich bei ihren Kollegen nicht unbeliebt zu machen. In diesem begrenzten Lebensraum passten sie sich lieber an, ehe sie selbst das Zentrum von Spott und Angriffen wurden.

Als ob ich nicht schon genug Sorgen hätte, dachte Matt. Wobei er nicht einmal sagen konnte, was seine größte Sorge war: die um seine verschollene Tochter Ann, oder die um den Streiter, der bei seiner Ankunft das ganze Sonnensystem bedrohen würde.

Matts Finger ballten sich zu Fäusten, während sein Blick ins Weltall starr wurde. Noch immer gab es keine Neuigkeiten vom Suchtrupp.

Er hatte Anns Mutter Jennifer Jensen, seine alte Staffelkameradin, in einem kleinen Dorf an der Südküste Irlands gefunden. Versteinert, wie der Rest der Dorfbevölkerung auch. Und er hatte noch immer nicht den Hauch einer Ahnung, wie diese rätselhaften und unheimlichen Versteinerungen zustande kamen. Was steckte hinter dem todbringenden Phänomen, das man die »Schatten« nannte? Konnte es aufgehalten werden?

Jedenfalls kann ich es nicht aufhalten, solange ich auf dem Mars bin. Aber es geht nicht anders. Wenn ich dort keine Verbündeten finde, wo dann?

Matt drehte sich vom Fenster weg und blickte durch den silbrig blitzenden Speiseraum. Alles hier war schmal und hoch. Selbst die einzige Pflanze des Raumes, eine rotfiedrige Blatt-Staude, wirkte künstlich in die Länge gezogen. Wie die Marsianer war sie aufgrund der geringeren Schwerkraft auf dem Mars größer und leichter als die Pflanzen und Menschen der Erde.

Er entdeckte Clarice Braxton an einem der hinteren Tische und ging zu ihr hinüber. »Hast du Neuigkeiten von Ann?«, fragte er, noch ehe er sich gesetzt hatte.

Clarice schüttelte bedauernd den Kopf. Ihre blaugrünen Augen blickten freundlich auf ihn herab. »Nein, tut mir leid, noch immer nichts.« Sie strich sich eine rote Haarsträhne aus dem mit Pigmentstreifen überzogenen Gesicht.

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