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Maddrax - Folge 258

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah
  4. Chronik des Verderbens
  5. Leserseite
  6. Zeittafel
  7. Roman im Roman
  8. Cartoon
  9. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde. In der Folge verschiebt sich die Erdachse und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler – zur Erde gelangt sind und schuld an der veränderten Flora und Fauna sind. Nach langen Kämpfen mit den Daa’muren und Matts „Abstecher“ zum Mars entpuppt sich der Wandler als lebendes Wesen, das jetzt erwacht, sein Dienervolk in die Schranken weist und weiterzieht. Es flieht vor einem kosmischen Jäger, dem Streiter, der bereits seine Spur zur Erde aufgenommen hat!

Nach dem Tod ihres Sohnes Daa’tan kehren Matthew Drax und Aruula zusammen mit dem Neo-Barbaren Rulfan nach Europa zurück, wo sie in London nach den britischen Communities sehen wollen. Doch in der Titanglaskuppel neben den Parlamentsgebäuden hausen Taratzen, denen sie beinahe zum Opfer fallen. Während Barbaren Matt und Aruula retten, wird ihr Gleiter von einem fliegenden Panzer zerstört und Rulfan entführt!

Im Dorf der „Lords“ erfahren die Freunde, dass die Taratzen unter ihrem König Hrrney und der Hexe Traysi zu neuer Größe gefunden haben. Die hier noch lebenden Technos, die „Demokraten“, bezeichnen Rulfans Vater Sir Leonard Gabriel als Tyrannen, der sich mit den anderen auf die Kanalinsel Guernsey abgesetzt hat. Sie stellen Matt und Aruula das Ultimatum, ihn gegen Rulfan auszutauschen. Die beiden machen sich auf den Weg – während Hrrney den Demokraten Rulfan abjagt, um an die Techno-Waffen im Bunker zu kommen.

Auf Guernsey finden Matt und Aruula alle Technos versteinert vor und erfahren von körperlosen „Schatten“, die das Dorf überfallen haben. Zurück in Britana, stößt Rulfan zu ihnen, der sich mit Traysis Hilfe befreien konnte. Sie brechen auf, um nach Matts Tochter Ann und deren Mutter Jenny zu suchen, die mit dem Barbaren Pieroo nordwärts gezogen sein sollen. Bei einer Wetteranlage treffen sie auf eine Barbarenhorde, die die Gefährten verfolgt, als sie weiter nordwärts reiten. Rettung kommt vom Weltrat-Linguisten Jed Stuart, der seit Jahren in Schottland lebt und die Stämme eint. Er hat von einer Frau in Corkaich, Irland gehört, bei der es sich um Jenny handeln könnte. Die Gefährten helfen ihm gegen die Barbaren, und Rulfan bleibt, als Matt und Aruula weiterreisen. Doch wie groß ist der Schock, als sie die Bewohner von Corkaich ebenfalls versteinert vorfinden! Jenny und Pieroo sind tot – Ann aber ist spurlos verschwunden …

Chronik des Verderbens

von Michelle Stern

Gilam’esh’gad, 12. Dezember 2525

Schillernde Langflossen stoben auseinander. Ihre feinen Sinne hatten eine Bedrohung wahrgenommen. Die junge Hydritin presste ihr Kind fest an sich. Ängstlich sah sie zum Höhlendach der unterseeischen Stadt, an dem sich die lumineszierenden Pflanzen verdunkelten. Die Nacht erwachte in Gilam’esh’gad – und mit ihr die Jäger der Tiefe!

„Nein“, klackerte die Verwachsene flüsternd. Sie beschleunigte ihre Schwimmzüge. Doch dann hörte sie ein Rauschen, umspülten Wellen ihren Körper. Sie wirbelte herum.

Vor ihr stieß der Krake aus dem Zwielicht der Dämmerung. Bösartige Augen blitzten. Acht kräftige Tentakel zuckten vor und packten sich die Beute …

Der bionetische Handscheinwerfer ergänzte das schwächer werdende Licht der Leuchtmikroben am Höhlendach. Pozai’don II. hob die Flossenhand und beleuchtete den schmalen Weg, über dem er gemächlich schwamm. Die Straßen in Gilam’esh’gad dienten hauptsächlich der Orientierung und der Kanalisierung des Verkehrs. Er hatte das Ende der Sternkorallengasse fast erreicht. Links und rechts wogten glitzernde Polypen in den Wellen, wie ein Meer aus sternförmigen Blütenköpfen, die ihn freundlich grüßten. Ein kleiner Krebs kreuzte seinen Weg und stakste eilig davon.

Pozai’don näherte sich mit ruhigen Schwimmzügen einem der Randgebiete der unterseeischen Stadt. An seiner Seite trieb ein Schockstab, den er an seinem Gürtel über dem Lendenschurz befestigt hatte. Er wusste um die Gefahren der Abenddämmerung, doch er ließ es sich nicht nehmen, jeden Abend durch die dunkler werdende Höhle des Stadtbereiches zu schwimmen. Das war ihm in der letzten Rotation zur Gewohnheit geworden.

Es ist meine Stadt. Mein Gilam’esh’gad! Der Hydrit mit dem verwachsenen Körper sog das salzige Wasser genussvoll zwischen die Kiemen. Alles hier schmeckte heilig, seitdem die Stadt aus ihrer langen Dunkelheit erwacht war. Gilam’esh’gad lag tagsüber in hellem Licht, und auch nachts wurde es nicht mehr völlig dunkel. Überall gab es Quellen für zusätzliche künstliche Beleuchtung. Seitdem das Magmakraftwerk wieder in Betrieb genommen war, flossen Wärme und Energie im Überfluss. Die durch die Seuche nachhaltig geschädigten Hydriten hatten die Krankenstation bereits verlassen und wurden nur noch ambulant je nach dem Grad ihrer Beeinträchtigungen behandelt. Viele von ihnen halfen bereits mit, die Stadt wieder herzurichten.

Wir haben hart gearbeitet. Zufrieden betrachtete Pozai’don im Vorüberschwimmen die bunten Korallen und die zahlreichen Pflanzen, die gestutzt und von Algenbefall befreit worden waren. Wie alle Quergassen war dieser Bereich eine Wohnsiedlung. Auch wenn der Großteil der in sich gewendeten Muschelhäuser leer stand und einige der Häuser hässliche Risse in ihren perlmuttfarbenen Kalkwänden hatten, erschien die Stadt Pozai’don schön.

In all den Jahren hatte er die Hoffnung fast aufgegeben, dass Rettung möglich sei. Selbst als er den Lungenatmer Maddrax damit beauftragt hatte, die „Seele der Stadt aus dem Dunkel zu holen“, hatte er nicht wirklich daran geglaubt, dass der Fremde es schaffen würde.1) Doch der blonde Mann hatte nicht nur die Aufgabe mit Bravour gemeistert, das Magmakraftwerk wieder zum Laufen zu bringen und der Stadt ihre Technik zurück zu gegeben, sondern darüber hinaus auch die verschollenen Hydriten der Stadt aus der Abraumhöhle, in der sie sich verborgen hielten, zurück in den Stadtkern geführt.

„Hilfe!“ Das verzweifelte Klackern mischte sich mit den hellen Schreien eines Junghydriten. Pozai’don hörte es von der Perlmuttallee her, keine zehn Schwimmstöße entfernt. Er verließ die Gasse und schwamm zwischen zwei zerfallenen Muschelhäusern hindurch. Sein Herz schlug heftig, pumpten Energie durch seinen Körper. Seine freie Hand nestelte an der Gürtelhalterung des Schockstabs. Geschickt löste er den zusammen geschobenen Stab in der Bewegung und fuhr ihn aus.

„Ich komme! Halte durch!“, rief er laut. Er kannte die Stimme. Noch ehe er die Hydritin sah, erschien ihr Gesicht vor seinem inneren Auge: Tel’mar, die gerade erst ein Kind geboren hatte.

Pozai’don schoss über die Korallenablagerung, ein winziges Riff, einer Hecke aus Stein gleich, die ihm die Sicht versperrte. Er trat mit seinen schuppenbesetzten Füßen nach der Ablagerung, um sich zusätzlichen Schwung zu holen. Wie ein Pfeil stieß er durch das Wasser, katapultierte sich auf die Fischfrau in den Armen des Kraken zu und riss den ein Meter langen Schockstab hoch.

„Verschwinde, du elende Missgeburt!“

Der Krake hatte fünf Arme um den Leib der Hydritin und den des Kindes geschlungen. Der kleine Hydrit verfärbte sich hellgrün, wurde immer blasser. Seine Schreie erstickten. Pozai’don feuerte mit niedrigster Einstellung auf den sackartigen Körper der Kreatur. Das Wasser zischte und kräuselte sich. Ein heller Lichtbogen entstand. Er war so schwach konzentriert, dass er nur die Oberfläche des Kraken traf und weder die Hydritin noch ihren Sohn gefährdete.

Das Meeresungeheuer stieß ein zorniges Gurgeln aus. Die kleinen, weißumrandeten Augen des achtarmigen Tieres verengten sich hasserfüllt. Einer seiner Arme löste sich und schnellte in Pozai’dons Richtung.

Der Hydrit wich zurück, erkannte aber zu spät, dass der Angriff nicht seinem Körper galt. Gedankenschnell umwand der Krake den Schockstab und zog daran. Der Stab wurde aus Pozai’dons Hand gerissen und trieb dem Grund entgegen. Der Quan’rill stieß ein fluchendes Klackern aus. Schon schoss ein zweiter Arm heran, während die Hydritin verzweifelt versuchte, den Druck vom Körper ihres Kindes zu nehmen, und ihre Arme gegen den fesselnden Griff des Kraken stemmte.

Pozai’don wich dem heranpeitschenden Arm aus, tauchte ab und schwamm hinter dem Schockstab her. Er streckte die Hand aus, bekam das dünne Ende des ausgezogenen Stabes zu fassen. Gleichzeitig spürte er einen der Tentakel an seinem Fußgelenk! Der Krake riss ihn herum. Pozai’don versuchte hastig das Ziel anzupeilen. Wenn er nur eines der neun Hirne des Tieres treffen könnte! Oder eines der drei Herzen! Irgendetwas, was dem Kraken wirklich wehtat und ihn zwang, das Weite zu suchen!

Aber er musste dicht genug herankommen. Zwar war der elektrische Ausstoß seiner Waffe durch eine dünne Schicht aus destilliertem Wasser abgeschirmt und würde sich nicht weit im Meerwasser verzweigen, aber die Hydritin war einfach zu nah am Kraken! Er durfte keine zu hohe Einstellung wählen.

„Schieß!“, rief die Hydritin im Arm des Kraken verzweifelt. „Schieß endlich, Wächter!“

Pozai’don spürte einen zweiten Tentakel, der sich um seinen Leib schlang. Er war jetzt nah genug heran, um auf jeden Fall zu treffen. Er legte den langen Schockstab dicht über einem der Krakenarme an, dort wo das Hirn des Armes sitzen musste, und löste ihn aus.

Eine kurze elektrische Brücke bildete sich, das Wasser zischte und brodelte erneut. Ein dünner Blitz fuhr in den Körper des Kraken, der die Hydritin und das Kind tatsächlich losließ und zurückzuckte. Seine dunkle Farbe veränderte sich, wurde zu einem helleren Rotbraun. Nervöse Farbenspiele in Beige zuckten darüber. Der Krake zitterte am ganzen Leib in Krämpfen. Er schlug mit den Tentakeln unkontrolliert um sich.

Auch Tel’mars Körper zuckte leicht. Glücklicherweise war die Schuppenhaut der Hydriten weniger leitfähig als das weiche Gewebe des Kraken.

Pozai’don schwamm zu der Hydritin und schoss dabei erneut. Der Krake floh. Er schraubte sich in die Höhe, den Kopf voran. Pozai’don kannte sein Ziel: Das Tier wollte zur Abraumhöhle neben der Stadt. Von dort aus jagte es seit einigen Wochen und griff vor allem die Stadtbewohner an. Als sei es von einem tiefen Hass auf alle Hydriten durchdrungen.

„Ast’ok!“ Tel’mars Klackern erstickte. Das Kind sah bleich aus, die lidlosen Augen waren starr. Doch die Kiemenblätter an seinem hinteren Halsbereich hoben und senkten sich noch, wenn auch nur schwach.

„Zur Krankenstation! Kannst du schwimmen?“ Pozai’don ergriff ihren Arm.

Tel’mars Flossenkamm verfärbte sich leicht, ein Zeichen ihrer Zustimmung. Vermutlich spürt sie gar nicht, wie sehr die Umklammerung des Kraken ihr zugesetzt hat, dachte Pozai’don. Sie ist viel zu beschäftigt mit dem kleinen Ast’ok.

Er half der Hydritin mit einem Arm, während er in der anderen Hand wachsam den Schockstab hielt. Seine Blicke wanderten in Richtung der Abraumhöhle. Kraken waren nachtragend.

Das ist schon der vierte Angriff. Verfluchtes Vieh! Zu schade, dass ich es nicht töten konnte. Aber ich bekomme schon meine Gelegenheit. Je früher, desto besser.

„Wo machen wir als nächstes weiter? Bei den Hornkammkorallen oder bei den Blauseegras-Stauden?“ Der junge Hydrit, dessen Rücken seltsam verkrümmt war, sah freudestrahlend zu Vogler auf.

Der Marsianer ertappte sich dabei, dass er in den letzten Minuten gar nicht gearbeitet hatte. Mit dem kugelförmigen Sprühgerät in der Hand, das er selbst entwickelt hatte, stand er in einer Kolonie von dunkelroten Seegraspflanzen mit kelchartigen Blütenköpfen. Er starrte nachdenklich auf einen violettgelben Clownfisch, eine Züchtung der alten Hydriten von Gilam’esh’gad.

Wie lange war es her, dass er gemeinsam mit Clarice Braxton und Matthew Drax den Mars verlassen hatte? Er hatte sich freiwillig für die Teilnahme an dieser Expedition gemeldet. Sein Meister Windtänzer hatte ihm vorausgesagt, dass er eine wichtige Aufgabe vor sich habe, die für die gesamte Menschheit von Bedeutung sei. Deshalb hatte er den Mars hinter sich gelassen. Er und Clarice waren auf der Erde von Matt getrennt worden, hatten aber in dem Fischmenschen Quart’ol einen neuen Verbündeten und Freund gefunden.

Zusammen mit Quart’ol waren sie aufgebrochen, die Stadt Gilam’esh’gad zu besuchen. Damals hatten sie nicht gewusst, dass dort noch immer Hydriten im Verborgenen lebten. Die Stadt galt als tot, ihre Lage war geheim. Angeblich war sie seit Hydritengedenken verlassen.

Auch das war ein Grund, warum die kleine Gruppe ursprünglich hierher aufgebrochen war: Quart’ol musste sich vor dem Gilam’esh-Bund verstecken. Die geheime Organisation, die sich als Wächter über die Chronik der Hydriten verstand, trachtete nach seinem Leben, seitdem der Hydrit gefährliches Wissen erlangt hatte. Zum Beispiel, dass die Urhydriten, die Hydree, vom Mars stammten und somit auf der Erde nur zu Gast waren. Und dass sie in der Vergangenheit keineswegs die friedlichen, klugen Geschöpfe gewesen waren, als die sie sich heute gaben; im Gegenteil. Damals – vor Tausenden von Jahren – waren Waffen von ihnen entwickelt und gegen die eigenen Brüder angewendet worden, gegen die sich die Atombomben der angeblich barbarischen Menschen harmlos ausnahmen. Die Opfer, die fünf schreckliche Kriege gefordert hatten, gingen in die Hunderttausende.

Dieses Wissen hatten lange Zeit außer Quart’ol und Matthew Drax nur die dreizehn Mitglieder des Bundes besessen, und die hielten es sorgsam unter Verschluss. Inzwischen wussten auch Vogler, Clarice, der Seher Yann Haggard und die Hydritin E’fah Bescheid; Gilam’esh und Pozai’don II. sowieso.

Sollte diese Chronik außerhalb Gilam’esh’gads publik werden, so befürchtete der Bund, würde die Erkenntnis das Volk der Hydriten ins Verderben stürzen. Schon heute waren die Anhänger des Kriegsherren Mar’os ein Problem. Durch den Verzehr von Fisch und Fleisch hatten die Mar’osianer ihre Emotionen und Aggressionen nicht mehr unter Kontrolle. Sie wurden verbannt und führten fernab der leuchtenden Städte ein Schattendasein. Sollten sie durch die Offenlegung der hydritischen Geschichte Zulauf finden, wäre diese neuerliche Apotheose von Mar’os nur aufzuhalten, indem die Anhänger des Friedensherrschers Ei’don und des Propheten Gilam’esh erneut die alten Waffen gegen sie einsetzten.

Vogler dachte an den Mars, die ursprüngliche Heimat der Hydriten. Als seine und Clarices Vorfahren dort vor über fünfhundert Jahren nach einer gescheiterten NASA-Mission Fuß gefasst hatten2), ahnten sie noch nichts von dem Volk, das hier vor dreieinhalb Milliarden Jahren gelebt hatte. Unter vielen Entbehrungen und Opfern hatten die Menschen das Terraforming in Gang gebracht und erste Kolonien errichtet, die im Laufe der Jahrhunderte zu einem komplizierten System von Stadt-Clans und Waldbewohnern gewachsen waren. Dabei hatte man Artefakte und Inschriften gefunden, die jedoch niemand entziffern konnte – bis Matthew Drax, des Hydritischen mächtig, auf den Mars kam.

Es war nicht dieses System, das Vogler als Angehöriger der Waldleute vermisste. Es waren auch nicht die zahlreichen Sippenmitglieder, die er auf dem Mars zurücklassen musste. Obwohl er sie allesamt liebte und ehrte, konnte er doch ohne sie leben. Er vertraute darauf, dass der große Vater Mars auf sie achtete.

Es ist der Wald, dachte er sehnsüchtig. Ich möchte endlich wieder einen Vogel sehen und die Stimmen der Bäume hören.

Er sah sich selbst zwischen marsianischen Ginkos, Flaschenmelonen- und Weißholzbäumen stehen. Moosbewachsene Felsbrocken türmten sich auf, bildeten skurrile Formationen, besprüht von den Fontänen eines kleinen, fast zu Nebel aufgelösten Wasserfalls. Der Boden war von einem weichen Teppich aus blühendem Moos, Schachtelhalmen und Wollgras bedeckt. Es roch so herrlich. So würde es hier, in diesem salzigen, unterseeischen Reich des Pazifik niemals riechen: nach Heimat.

„Vog’ler?“, fragte der junge Hydrit. Nach Menschenberechnungen war Dra’nis kaum zehn Jahre alt. Er war unglaublich gelehrig und half von allen Kindern am fleißigsten bei der Pflege und Neubepflanzung des Parks im Naherholungsgebiet der Stadt mit.

„Bei den Blauseegras-Stauden. Zumindest die sollten wir noch schaffen.“ Vogler lächelte und legte dem Jungen seine lange Hand auf den schiefen Rücken. „Ich danke dir, dass du mir noch hilfst, obwohl es so spät ist.“

„Natürlich helfe ich! Diese Palleas-Schnecken sind die Beulenpest!“

„Sie sind auch nur Lebewesen, Dra’nis. Geschöpfe, die nach ihrem Glück trachten.“

„Aber sie machen alles kaputt!“ Dra’nis sah den Marsbewohner mit großen Augen an. Durch das in den Helm integrierte Mikrofon hörte Vogler, was der Junge sagte. Umgekehrt wurden seine Worte per bionetischem Lautsprecher nach außen getragen. Darüber hinaus waren die Helme per Funk mit der Zentrale verbunden. Die bionetische Technik, die ein Funken auf sehr niedriger Frequenz erlaubte, wurde durch zahlreiche zusätzliche Relaisstationen innerhalb der Stadt unterstützt, die seit der Inbetriebnahme des Magmakraftwerks wieder arbeiteten.

Vogler, Clarice und Yann beherrschten die Sprache der Hydriten inzwischen perfekt. Ein halbes Jahr, nachdem sie mit Quart’ol nach Gilam’esh’gad gekommen waren, war auch Matthew Drax zu ihnen gestoßen. Ihn begleitete Yann Haggard, in dem gleich zwei hydritische Geister wohnten: der legendäre Gilam’esh und E’fah, eine uralte Hydritin, die einst als Nefertari über Ägypten geherrscht hatte. Eines war beiden gemein: Sie besaßen keinen eigenen Körper mehr. Yann bot ihnen die Möglichkeit, nach Gilam’esh’gad zu kommen, um sich neue Klonkörper zu züchten.

Er tat es freiwillig, denn dafür nahmen sie dem Seher die Schmerzen: Yann litt unter einem Hirntumor, der hier durch die überlegene Technik der Hydriten bekämpft werden konnte. Die Behandlung war inzwischen fast abgeschlossen. E’fah und Gilam’esh hatten seinen Körper bereits verlassen. Die Geistwanderer waren vorläufig in die Kinderkörper eilig gezüchteter Klone umgezogen, während ihre endgültigen Hüllen in Ruhe heranreiften und mittlerweile das Teenageralter erreicht hatten.

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