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Maddrax - Folge 257

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah
  4. Die Spur der Schatten
  5. Leserseite
  6. Zeittafel
  7. Roman im Roman
  8. Die MADDRAX-Galerie
  9. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde. In der Folge verschiebt sich die Erdachse und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler – zur Erde gelangt sind und schuld an der veränderten Flora und Fauna sind. Nach langen Kämpfen mit den Daa’muren und Matts „Abstecher“ zum Mars entpuppt sich der Wandler als lebendes Wesen, das jetzt erwacht, sein Dienervolk in die Schranken weist und weiterzieht. Es flieht vor einem kosmischen Jäger, dem Streiter, der bereits seine Spur zur Erde aufgenommen hat!

Nach dem Tod ihres Sohnes Daa’tan kehren Matthew Drax und Aruula zusammen mit dem Neo-Barbaren Rulfan nach Europa zurück, wo sie in London nach den britischen Communities sehen wollen. Doch in der Titanglaskuppel neben den Parlamentsgebäuden hausen Taratzen, denen sie beinahe zum Opfer fallen. Während Barbaren Matt und Aruula retten, wird ihr Gleiter von einem fliegenden Panzer zerstört und Rulfan entführt!

Im Dorf der „Lords“ erfahren die Freunde, dass die Taratzen unter ihrem König Hrrney und der Hexe Traysi zu neuer Größe gefunden haben. Die hier noch lebenden Technos, die „Demokraten“, bezeichnen Rulfans Vater Sir Leonard Gabriel als Tyrannen, der sich mit den anderen Bunkermenschen auf die Kanalinsel Guernsey abgesetzt hat. Sie stellen Matt und Aruula das Ultimatum, Gabriel gegen Rulfan auszutauschen. Die beiden machen sich auf den Weg – während Hrrney den Demokraten Rulfan abjagt, um an die Techno-Waffen im Bunker zu kommen.

Auf Guernsey finden Matt und Aruula alle Technos versteinert vor und erfahren von körperlosen „Schatten“, die das Dorf überfallen haben. Zurück in Britana, stößt Rulfan zu ihnen, der sich mit Traysis Hilfe befreien konnte. Sie brechen auf, um nach Matts Tochter Ann und deren Mutter Jenny zu suchen, die mit dem Barbaren Pieroo nordwärts gezogen sein sollen. Bei einer Wetteranlage, mit der Traysis Schwester Gwaysi die Menschen terrorisiert, treffen sie auf eine Barbarenhorde, die die Anlage überfällt und die Gefährten verfolgt, als sie weiter nach Norden reiten. Rettung kommt vom Weltrat-Linguisten Jed Stuart, der seit Jahren in Schottland lebt und dort als neuer König die Stämme eint. Er hat von einer Frau in Corkaich, Irland gehört, bei der es sich um Jenny handeln könnte. Die Gefährten helfen ihm gegen die Barbaren, und Rulfan bleibt auf einer Burg, die Jed ihm schenkt, als Matt und Aruula weiterreisen.

Die Spur der Schatten

von Jo Zybell

Schottland, 18. Oktober 2521, 0:25 Uhr

Sie kamen aus der Community Leeds. Seit dem frühen Abend war ein Stoßdämpfer gebrochen und sie wurden mächtig durchgeschüttelt im Cockpit ihres überdachten Buggys. „Du fährst wie eine Taratze!“ Robin Fletscher fluchte, weil sein Fahrer schon wieder durch ein Bachbett pflügte.

Trotz der Finsternis hatten sie nicht Halt gemacht; die Zeit lief ihnen davon. Zwei starke Scheinwerfer auf dem Dach tauchten den Weg in gleißende Helligkeit.

Sie wollten zur Community London, um sich der Allianz im bevorstehenden Kampf gegen außerirdische Invasoren am fernen Kratersee anzuschließen. Jetzt kämpften sie gegen gebrochene Stoßdämpfer und unwegsames Waldgelände. Und das war erst der Anfang – plötzlich kippte der Buggy zur Seite weg und rutschte in eine Grube.

„Wann wirst du lernen, wie ein Mensch zu fahren?!“ Robin Fletscher war außer sich. Er war nach links auf seinen Fahrer gestürzt. „Warum lässt man Grobmotoriker wie dich überhaupt hinters Steuer?!“ George Buck erwiderte nichts, rieb sich nur die linke Schläfe – er war mit dem Schädel gegen die Seitenscheibe geprallt.

„Taratzenschiss, verdammter!“ Fletscher überprüfte den Sitz des Serumsbeutels auf seiner Brust, dann blickte er nach rechts. Die Scheinwerfer rissen Buschwerk, Baumstämme und bunte Baumkronen aus der Dunkelheit. Der Buggy hing mit der linken Seite in der Grube, die breiten Räder auf der rechten Seite drehten sich knapp über dem Rand im Unterholz. Der Motor lief noch, wenigstens das.

„Wir müssen raus!“ Fletscher bearbeitete die Türverriegelung. „Wir müssen das Schlepptau an einem Baumstamm befestigen und uns mit der Motorwinde rausziehen!“ Die rechte Flügeltür sprang auf. Fletscher stemmte sich aus dem Sitz, zog sich am Türrahmen aus dem Cockpit.

„Vorsicht“, sagte Buck heiser.

„Warum ‚Vorsicht‘?“ Fletscher blickte zurück und musterte seinen Fahrer misstrauisch.

„Vielleicht ist es ja eine Falle.“

„Red keinen Schwachsinn, Georgieboy …“ Fletscher verstummte. Er betrachtete die merkwürdig glatte Wand vor dem Bug des Buggys. Seine Augen wurden schmal.

„Das Bruchholz …“ Buck flüsterte plötzlich. „Es ließ mir praktisch keine andere Möglichkeit, als diesen Weg zu nehmen …“

Fletscher, ein hagerer Zweimetermann, ließ sich zurück in seinen Sitz fallen. Seine bleiche Miene war jetzt hart und kantig, an seiner Schläfe und auf seinem Kahlkopf schwollen Venengeflechte. „Wilde, meinst du?“ Ein kaltes Grinsen zog seinen schmalen Mund in die Breite und verengte seine Lider noch mehr. „Nicht schlecht eigentlich, oder, Georgieboy?“ Er griff hinter sich, zog sein schwarzes LP-Gewehr1) aus der Halterung auf der Gepäckkiste. „Dann kommen wir ja noch schneller zu einem Kampfeinsatz, als wir gehofft haben.“ Zärtlich strich er über seine Waffe und aktivierte sie. „Und mein schwarzer Liebling auch.“ Sein Fahrer schnitt eine eher betretene Miene. „Komm schon, Georgieboy!“ Grinsend stieß ihm Fletscher den Ellenbogen in die Rippen. „Ein bisschen mehr Konfliktfreude könnte dir nicht schaden, wenn du gegen Außerirdische in den Krieg ziehen willst!“

Buck seufzte, langte ebenfalls nach hinten und schnappte sich sein Gewehr. „Ich wollte in keinen Krieg ziehen, Robin, das weißt du ganz genau!“

„Jetzt ziehst du aber trotzdem in den Krieg und solltest dankbar sein für eine kleine Übungseinheit!“ Fletscher berührte das Tastfeld für die versenkbare Frontscheibe, die summend herab fuhr.

Ein EWAT der Community Salisbury, der in Schottland operierte, hatte die Community Leeds per Funk über die Verhältnisse am Kratersee informiert. Und dass sich die Truppen bereits zwei Tage darauf von London aus in Marsch setzen würden.

Keine Stunde später und noch bevor das Octaviat überhaupt zu einer Sitzung zusammengetreten war, hatte Robin Fletscher sich freiwillig gemeldet. Das Octaviat hatte dann nur einen Tag für die Entscheidung gebraucht und einstimmig beschlossen, seinem kampferprobten Major, Waffentechniker und Nahkampfspezialisten Robin Fletscher den Auftrag zu erteilen, nach London zu fahren und die Community Leeds in der Allianz gegen die Daa’muren zu vertreten.

Es gab niemanden in Leeds, der bei der Abschiedszeremonie seinetwegen geweint hatte.

Den Ingenieur und Konstrukteur George Buck – wegen wiederholter, ungesetzlicher Paarung erst kürzlich vom Captain zum Sergeant degradiert – kommandierte man aus disziplinarischen Gründen zu Fletschers Zweimanneinheit. Eine Menge Mädchen hatten Tränen in den Augen, als der Prime von Leeds ein paar Abschiedsworte an ihn richtete. Gerechterweise muss man noch hinzufügen, dass Buck der Einzige in Leeds war, der einen Buggy in seine 3912 Einzelteile zerlegen und anschließend wieder zusammenschrauben konnte.

„Auf in den Kampf, Georgieboy!“ Das Gewehr in beiden Händen, kletterte Fletscher auf den Bug des Buggys. „Halt mir den Rücken frei!“ Während George Buck einen der beiden Scheinwerfer zum Heck hin drehte, sprang Fletscher vom linken Vorderrad über die Kante der Fallgrube und rollte sich im Unterholz ab. Die Waffe im Anschlag, hob er den Kopf und spähte durch das Geäst einer entwurzelten Eiche.

Obwohl der Lichtkegel auf die Baumwipfel gerichtet war, sah er in dessen Widerschein die Waldwilden sofort: Zu dritt und im Laufschritt näherten sie sich der Fallgrube. Sie waren mit Spießen und kurzen breiten Schwertklingen bewaffnet.

Fletscher hörte ein helles Zischen hinter sich und fuhr herum: Buck hing zwischen Heck und hinterer Kante der Fallgrube und hatte das Laserfeuer auf fünf halbnackte Barbaren eröffnet, die über den Pfad heranstürmten, auf dem der Buggy in die Falle gefahren war. Schon wälzten sich zwei der fünf jämmerlich schreiend in den Flammen. Ihr Körperhaar und ihre Lendenschurze brannten.

„Yeah!“, brüllte Fletscher, zielte auf die drei Wilden, die von vorn angriffen, und jagte ihnen drei Laserkaskaden entgegen. Auf Anhieb traf er alle drei, denn die barbarischen Jäger boten ein dankbares Ziel: Die Wirkung von Bucks Waffe und das Geschrei ihrer getroffenen Gefährten hatten sie derart erschüttert, dass sie wie erstarrt im Unterholz standen. Tödlich getroffen schlugen sie im Gestrüpp auf. Einer stöhnte noch kurz, dann war Ruhe.

Fletscher warf sich herum. Auch hinter ihm schrie jetzt keiner mehr – die beiden von Buck getroffenen Barbaren waren tot, die anderen drei standen breitbeinig im vollen Scheinwerferlicht zehn Schritte vor Buck und ließen Schwerter und Spieße sinken. George Buck selbst rührte sich nicht.

„Nix Feuer!“ Die drei Barbaren ließen ihre Waffen fallen und hoben die Arme. „Nix mehr schießen!“ Einer sank sogar in die Knie und faltete wie flehend die Hände.

„Bist du in Ordnung, Georgieboy?“ Den Lauf seines Laser-Phasen-Gewehrs auf die drei Waldbarbaren gerichtet, stapfte Fletscher an den aus der Grube ragenden Rädern des Buggys vorbei. Er schätzte, dass die Barbaren die Fallgrube eigentlich für nachtaktives Großwild gegraben hatten. Purer Zufall wahrscheinlich, dass sie sich nun einer für sie lebensgefährlichen Beute gegenüber sahen. Selbst schuld. „Hey, Georgie, was liegst du da rum? Steh endlich auf!“ Der Sergeant reagierte nicht. „Steh schon auf, Georgie! Eine kleine Asientournee wartet auf uns!“

In diesem Moment erloschen die Scheinwerfer! Und auch das Brummen des Motors erstarb.

„Verflucht!“, zischte Fletscher. Eigentlich hätte das Licht weiterhin brennen müssen; der Motor unterstützte lediglich das Aufladen der Akkumulatoren.

Nun beleuchteten nur noch die flackernden Flammen der beiden brennenden Barbaren die Szenerie. Fletscher hob das LP-Gewehr weiter an und drohte damit. „Bleibt, wo ihr seid!“

Aber die Jäger schienen die veränderte Situation eh nicht ausnutzen zu wollen. „Nix mehr Feuerspeer!“, jammerte einer von ihnen. „Bitte …!“ Inzwischen knieten alle drei im Unterholz. Man verstand sie schlecht, doch ihr Idiom war eindeutig eine Abart des Englischen.

Neben dem Kopf des reglosen Buck blieb Fletscher stehen. Der lag auf der Seite und seine im Flammenschein glänzenden Augen starrten starr an Fletschers Stiefelspitze vorbei. Seine Rechte umklammerte noch den Kolben des LP-Gewehrs. Das Oberteil seines Kampfanzuges war blutgetränkt an der Seite. Er lag auf einem Speer, dessen Schaft unter seiner linken Schulter hervorragte. Vermutlich hatte der Speer ihm das Herz durchbohrt, kaum dass er sich am Rand der Fallgrube gezeigt hatte, und vermutlich hatte er sterbend das Feuer eröffnet. Vielleicht schon halb bewusstlos, vielleicht sogar aus Versehen.

„Shit!“ Fletscher zog den Rotz hoch und spuckte aus. Er hob das Laser-Phasen-Gewehr und zielte auf den ersten der drei Waldwilden. Der Major war entschlossen, sie alle drei zu töten.

„Nix schießen! Bitte, bitte …!“ Mit dem Gesicht voran warfen die Jäger sich in den Dreck und verschränkten die Arme über ihren Köpfen. Sie heulten und jammerten.

Vergeblich – Robin Fletscher war ein harter Mann. Nicht einmal ein Communitymitglied hätte er in einer solchen Situation geschont; und Barbaren glichen in seinen Augen eher gefräßigen Taratzen. So war Fletscher eben. Er drückte ab.

Nichts tat sich.

Er drückte erneut auf den Auslöser. Wieder nichts.

Er schielte auf das Display an der kleinen Kugel über dem Kolben der Waffe – die LED-Leuchten dort waren erloschen. Der Mikro-Reaktor in der schwarzen Kugel lieferte keine Energie mehr, war genauso tot wie die Scheinwerfer und der Motor!

Und wie er selbst in wenigen Sekunden. Denn die halbnackten Jäger richteten sich nacheinander auf …

24. November 2525

Früh am Morgen war es noch, und die obligatorischen Nebelschwaden verhüllten die Burg und die Welt ringsum. Der Dunst reichte den Pferdemutanten teilweise bis zu den Nüstern, als die kleine Gruppe kurz vor Sonnenaufgang die Zugbrücke überquerte und den Reitweg nahm, der direkt nach Norden in die Wälder führte. Die Bäume, knapp hundert Meter entfernt, ragten aus dem Nebelmeer hervor wie eine gezahnte Klippe.

Matthew Drax sog tief die kühle feuchte Luft ein. Rulfan auf dem schwarzen Pferdemutanten neben ihm – Horseys nannte man die schuppigen und teilweise sogar gehörnten Reittiere – hatte noch kein Wort gesprochen seit dem Frühstück. Genau wie er. Chira hatte Matt schon seit Tagen nicht mehr gesehen; sie trieb sich immer öfter und länger mit dem Luparudel in den Wäldern herum.

Die Frauen hielten ihre Tiere an, die beiden Reiter der Vorhut ebenfalls. Die in weißen Pelz gehüllte Nimuee, die neben Aruula ritt, wandte sich um und winkte zurück zur Burg. Auch Matt drehte sich im Sattel. Auf der Wehrmauer über dem Burgtor standen drei Männer in langen schwarzen Mänteln: Jed Stuart, sein Heiler Cris Crump und Jeds Vertrauter und Leibgardist Patric Pancis.

Matt Drax grüßte flüchtig zurück und Rulfan reckte den Daumen hoch. Für Matt und Aruula war es ein Abschied auf längere Zeit, während Rulfan im Land blieb, auf seiner eigenen kleinen Burg, die Jed ihm überlassen hatte und zu der sie jetzt unterwegs waren. In den letzten Tagen hatten sie gemeinsam geholfen, erste notwendige Arbeiten an dem Gemäuer durchzuführen, bis Jed Hilfskräfte organisiert hatte, die sich weiter darum kümmerten.

Gestern Abend dann hatte Jed Stuart zu einem Festbankett geladen, um sich von Matt und Aruula gebührend zu verabschieden. Schließlich war es auch ihnen zu verdanken, dass er die Gefangennahme durch seinen Erzfeind Luther lebend überstanden hatte.2) Und dass es gesundheitlich mit ihm berauf ging: Seit er sich der Behandlung eines holografischen Doktors anvertraute – das medizinische Unterprogramm eines Schleusenbutlers aus einem havarierten EWAT – hatte er keinen weiteren schizophrenen Anfall mehr erlitten. Rulfan würde ein Auge darauf haben, dass Jed die Sitzungen fortsetzte.

Und weiter ging es. Auf Nimuees Befehl trieb die Vorhut ihre Pferde an und fiel in einen leichten Trab. Die beiden Krieger schwiegen, so wie auch die Nachhut hinter Matt und Rulfan. Nur die beiden Frauen hatten sich allerhand zu erzählen. Matt Drax würde nie begreifen, wie man schon vor Sonnenaufgang so gesprächig sein konnte. Bald erreichten sie den Wald; hier herrschte noch düsteres Halbdunkel.

Dass vier Krieger und Nimuee die Freunde eskortieren, lag an den versprengten Barbaren aus Luthers Truppe, von denen immer noch welche in den Wäldern vermutet wurden. Auch wenn Luther tot und sein Vorhaben, Jed zu stürzen, damit gescheitert war, konnte man nicht vorsichtig genug sein. Anderntags würde der Begleitschutz nach Stuart Castle zurückkehren.

Matts Gedanken wanderten wieder zu seiner Tochter Ann und deren Mutter Jennifer Jensen. So wie er in den letzten Tagen und Wochen häufig an sie gedacht hatte, und an seinen Freund Pieroo, mit dem die beiden losgezogen waren, angeblich nach Norden, um eine neue Heimat zu finden.

Nun endlich wussten Aruula und er, wo sie suchen mussten. Jed hatte von einer Frau im irischen Corkaich gehört, auf die Jennys Beschreibung passte. Das war wenig mehr als ein Katzensprung, wenn man bedachte, welche Entfernungen Matt zurückgelegt hatte, seit er die beiden das letzte Mal gesehen hatte: zum Planeten Mars, in den fernen Osten, nach Australien und Afrika und von dort zurück nach Europa.

Undurchdringlich wie ein Urwald war der Mischwald, durch den sie ritten. Im dichten Unterholz lagen entwurzelte Bäume und hier und da abgestorbene Stämme, die Sturmwind oder Schneelast niedergerissen hatten. Hecken, umgekippte Wurzelstrünke und dorniges Buschwerk versperrten schon nach wenigen Schritten den Blick in den Wald hinein. Wildpfade kreuzten hier und da den Reitweg. Manchmal ritten sie an gefällten Baumstämmen vorbei, die sorgfältig am Wegrand gestapelt waren; doch sonst sah man kaum Spuren menschlicher Bewirtschaftung in dieser wilden Gegend.

Sie erreichten eine Kreuzung und bogen in einen schmaleren Weg nach Westen ein. Ab diesem Weg bis hinauf ins nordwestliche Weideland gehörte der Wald künftig Rulfan. Samt dem Wild darin, den Bodenschätzen, den Früchten und der Burg, zu der sie an diesem Morgen ritten.

Herr einer großen und stark bewaldeten Bergregion war Rulfan nun, und fest entschlossen, die alte Burg in deren Zentrum weiter zu restaurieren und auszubauen. Jagen, fischen, Holz fällen und mit den schönen Töchtern der Jäger ausreiten – so stellte Rulfan sich allen Ernstes seine Zukunft vor: Als ungekrönter König eines kleinen wilden Reiches.

Auch für Aruula und Matt hielt Jed Stuart eigenen Grund und Boden bereit: Das liebliche Hügelland, das sich im Nordwesten an dieses Waldgebiet anschloss, sollte der Lohn für ihre Waffenhilfe sein. Matt hatte bereits eingewilligt, das großzügige Geschenk anzunehmen, sobald sie aus Irland zurück waren. Aruula freute sich wie ein kleines Mädchen darüber. Selten hatte Matt Drax seine Geliebte derart ausgelassen und vergnügt erlebt, wie an dem Abend vor fünf Tagen, als er ihr versprochen hatte, sich hier niederzulassen.

Der Mann aus der Vergangenheit dachte mit gemischten Gefühlen daran zurück. Einerseits hatte er Aruula, die schon seit Jahren von einem eigenen Refugium träumte, in dem sie eine Familie gründen konnten, nicht länger hinhalten wollen. Andererseits gab es in der Welt noch so vieles zu erledigen. Waashton, Gilam’esh’gad, El’ay, Coellen, Moska … über den ganzen Erdball verteilt gab es Freunde, Feinde und Krisenherde. Die aber alle verblassten gegen die Gefahr, die sich aus dem All der Erde näherte: dem Streiter, der von einem seiner „Spürhunde“ gerufen worden war und den Planeten nicht ungeschoren lassen würde, wenn er seine Jagdbeute hier nicht fand.

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