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Maddrax - Folge 254

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah
  4. Das Nest
  5. Leserseite
  6. Zeittafel
  7. Roman im Roman
  8. Cartoon
  9. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde. In der Folge verschiebt sich die Erdachse und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler – zur Erde gelangt sind und schuld an der veränderten Flora und Fauna sind. Nach langen Kämpfen mit den Daa‘muren und Matts „Abstecher“ zum Mars entpuppt sich der Wandler als lebendes Wesen, das jetzt erwacht, sein Dienervolk in die Schranken weist und weiterzieht. Es flieht vor einem kosmischen Jäger, dem Streiter, der bereits seine Spur zur Erde aufgenommen hat!

Nach dem Tod ihres gemeinsamen Sohnes Daa‘tan in Afrika kehren Matthew Drax und Aruula zusammen mit dem Neo-Barbaren Rulfan und dessen Lupa Chira in einem Gleiter nach Europa zurück, wo sie in London nach den britischen Communities und Rulfans Vater Sir Leonard Gabriel sehen wollen.

Doch in der Titanglaskuppel neben den Parlamentsgebäuden hausen Taratzen, denen sie beinahe zum Opfer fallen. Während Barbaren Matt und Aruula retten, wird der Gleiter von einem fliegenden Panzer, einem EWAT zerstört und Rulfan entführt! Im Dorf der „Lords“ erfahren die Freunde, dass die Taratzen unter ihrem König Hrrney und der Hexe Traysi zu neuer Größe gefunden haben. Die hier noch lebenden Technos, die „Demokraten“, bezeichnen Sir Leonard als Tyrannen, der sich mit den anderen Bunkermenschen auf die Kanalinsel Guernsey abgesetzt und sich dort mit Blut saufenden Nosfera verbündet hat. Durch Rulfan wollen sie ihn in die Hände bekommen. Sein Fluchtversuch schlägt fehl; dabei wird die Kuppel gesprengt und die meisten Taratzen finden den Tod.

Die Demokraten stellen Matt und Aruula das Ultimatum, Gabriel binnen hundert Tagen gegen Rulfan auszutauschen. Die beiden machen sich auf den Weg – während Hrrney blutige Rache schwört. Um an die Techno-Waffen im Bunker zu kommen, jagt er Rulfan den Demokraten ab.

Als Matt und Aruula auf Guernsey eintreffen – Chira lassen sie in der Obhut eines Fischers an der britanischen Küste zurück -, stoßen sie auf die versteinerten Körper von Sir Leonard und seinen Technos und geraten an den Häuptling des Nachbardorfes, der eine „Medusa“ dafür verantwortlich macht. Es ist jedoch die wahnsinnig gewordene, ehemalige Queen Victoria! Um herauszufinden, was geschehen ist, taucht Aruula in ihren Geist ein und erfährt, dass geheimnisvolle Schatten das Dorf überfallen und alle Menschen versteinert haben. Einer von ihnen hat Victoria berührt, und so stirbt auch sie ...

Das Nest

von Michelle Stern

London, Distrikt Southwark, September 2525

Ein Schatten fiel auf Traysi. Erschrocken wälzte sie sich am Ufer der Themse liegend herum. Ein fünf Meter großer, mit schwarzbraunen Schuppen bedeckter Körper stürzte auf sie herab. Der Riesenvogel stieß einen schrillen Schrei aus und hackte mit dem gekrümmten, scharfkantigen Schnabel nach ihr.

Ein Eluu! Für eine Flucht war es zu spät. Verzweifelt versuchte Traysi ihr Gesicht zu schützen. Ob sie noch wie eine Taratze roch oder ob der Eluu in seinem Hunger einfach nicht wählerisch war: Sie wusste nur, dass ihr Leben jetzt und hier vorüber war. Mit der Zukunftssicht, die sie seit Wochen quälte, sah sie ihr Schicksal voraus: Der Eluu rammte seinen Schnabel in ihren Bauch und machte ihrem Dasein ein Ende …

Die junge Frau, die Lords und Taratzen „Hexe“ nannten, wimmerte und riss instinktiv die Arme hinab vor ihren Bauch. Der Kopf der mutierten Rieseneule, die gerade zustoßen wollte, zuckte hoch, hin zu dem feuchten Schimmer in ihrem Gesicht. Blitzschnell hackte sie zu, und obwohl Traysi auch diese Bewegungen voraussah, konnte sie nichts mehr dagegen unternehmen.

Der Schmerz explodierte in ihr. Sie schrie laut und schrill, schlug wild um sich, fühlte das Blut, das aus ihrer linken Augenhöhle floss. Niemals hatte sie solche Pein erleiden müssen!

Nein! Zurück mit dir! Zurück!

Ihr Geist brüllte – und der Eluu brach den Angriff ab und flatterte auf, als hätte er es gehört!

Doch das bekam Traysi in den ersten Momenten gar nicht mit. Noch immer wand sie sich in unsagbarer Qual am Boden, starrte blind in den Himmel, schlug um sich und brüllte sich die Seele aus dem Leib.

Erst als ihre Arme auf keinen Widerstand trafen, sickerte allmählich in ihren Verstand ein, dass der Fressfeind der Taratzen sie nicht länger bedrängte. Begriff sie, dass es ein schieres Wunder war, noch am Leben zu sein.

Ihre Arme kamen zur Ruhe, der Schmerz aber blieb. Und die Dunkelheit. Und damit auch die doppelte Sicht, die sie in den letzten Wochen beinahe in den Wahnsinn getrieben hatten.

Seit sie unter den Trümmern der Glaskuppel neben den Parlamentsgebäuden verschüttet worden war, hatte sich ihr bis dahin bequemes Leben an der Seite des Taratzenkönigs in eine Hölle verwandelt.1) Ihre rechte Hand war zertrümmert und das rechte Auge schwer geschädigt worden. Es hatte seine Sehkraft eingebüßt … nicht aber die Zukunftssicht, die allen Lords, wie sich die hiesigen Barbarenstämme nannten, zueigen war: Bei Gefahr sahen sie zwei Lidschläge weit voraus, was geschehen würde. Das befähigte sie, im Kampf zu reagieren, noch bevor der Gegner den Angriff führte.

Der seherische Blick von Traysis rechtem Auge ging nach der Verletzung nun aber ganze zwei Sekunden voraus – und das nicht nur bei Gefahr, sondern unentwegt! Weil der Sehnerv durchtrennt war, nahm sie das Bild mit dem unverletzten linken Auge wahr – zusätzlich zu dessen ganz normaler Sicht. So überlagerten sich die Bilder ständig, was kaum zu ertragen war.

Darunter litt auch ihre geistige Macht, die sie über Tiere erlangen konnte. Schon früh hatte sie erkannt, dass sie und ihre Zwillingsschwester Gwaysi die Fähigkeit besaßen, in andere Köpfe hinein zu lauschen und andere Lebewesen zu beeinflussen. Anders hätte sie unter den Taratzen keinen Tag überleben können. Dass sie jetzt hier schwer verletzt am Ufer der Themse lag, war die Folge ihrer zunehmenden geistigen Verwirrung. Sie hatte Hrrney nicht länger kontrollieren können, und schließlich hatte er sich gegen sie gewandt.

Schluchzend zog die Hexe, wie die Lords sie wegen dieser Gabe nannten – und weshalb sie aus dem Dorf verbannt worden war – ihren Körper zusammen, in Erwartung des nächsten Schnabelhiebs, der ihren Hals oder den weichen Bauch treffen und ihr Leben beenden würde.

Doch der Tod kam nicht.

Worauf wartet dieses Ungeheuer?

Der Eluu war noch immer da. Traysi konnte ihn hören. Sie fühlte den Wind, den seine flatternden Flügel verursachten. Sehen konnte sie nichts mehr. Dieser Sinn war endgültig zerstört.

Warum griff er sie nicht an? Hatte sie geistige Macht über das Tier? War ihre alte Gabe mit dem Verlust ihres Augenlichts zurückgekehrt? Wenn sie doch nur klarer denken könnte! Der Schmerz machte sie rasend.

Sie griff geistig nach dem Eluu, versuchte den Riesenvogel zu finden – und tatsächlich war er mit ihr verbunden! Ein schwaches, verzerrtes Bild baute sich vor ihrem inneren Auge auf. Es war entsetzlich hell und sonderbar verschoben. Ständig wischte etwas hindurch, das ihre Umgebung zittern ließ. Und dann … sah sie sich selbst, blutbesudelt, auf beiden Augen blind, am Boden zuckend!

Traysi schrie auf. Wie war das möglich? War sie doch nicht blind? Aber warum sah sie sich selbst?

Nur allmählich begriff die verzweifelte Frau, dass sie durch die Augen des unterworfenen Riesenvogels sah. Ihr Geist hatte sich mit dem der Rieseneule verbunden – und mit deren Blick. Gleichzeitig spürte sie, dass der Eluu auf ihre Befehle wartete.

Bring mich von hier weg, befahl sie ihm. Bring mich in Sicherheit und pass auf mich auf, als wäre ich deine Brut.

Die Klauen des Tieres schlossen sich um ihren Körper und rissen sie in die Luft. Gleichzeitig sah Traysi aus der bizarren Eluusicht, wie das Land unter ihr kleiner wurde. Die Grünanlage entfernte sich rasch, das turmhohe Gebäude daneben wurde zu einem kleinen Strich unter dem grauen Wolkendach. Traysi hätte gelacht, wenn nicht der Schmerz so entsetzlich in ihr gewütet hätte.

Es ist eine Fügung! Eine Fügung der Götter! Traysis Gedanken verwirrten sich. Sie tauchte ein in rot glühende Fieberträume. Nur einmal noch kämpfte ihr Geist sich empor, erkannte sie, was sie verloren und gewonnen hatte: Durch den Verlust des Auges endete die Doppelsicht, die ihr die Zukunft gezeigt hatte, und ihre alte Gabe war mit neuer Kraft zurückgekehrt. Sie mochte ein blinder Krüppel sein, aber sie war mächtig!

Hrrney … das alles ist deine Schuld! Wenn ich überlebe, wirst du bluten!

Dann ließ sie erschöpft die Ohnmacht zu, die ihre Gedanken auslöschte. Ihr letzter Gedanke galt dem König der Taratzen, der sie so schmählich getäuscht und betrogen hatte.

Südküste Englands, Oktober 2525

Sie begruben Victoria Windsor, die ehemalige Queen Britanas, am Ufer des Kanals. Matt hatte mit einer der Ruderbänke des maroden Bootes ein Loch ausgehoben, Aruula hatte Steine gesammelt, um die Grabstätte vor Tieren zu schützen.

Als ob irgendein Tier die Queen in diesem Zustand fressen könnte. Matt schauderte. Die einstige Königin der Community London war zu Stein erstarrt. Es war kein schwerer Stein, doch er war fest und ließ sich nur mit viel Mühe brechen. Der Commander berührte in seiner Hosentasche den Finger von Sir Leonard Gabriel mit dem Siegelring des Prime, den er dem Toten abgebrochen hatte.

Rulfans Vater war auf dieselbe Weise gestorben wie Lady Victoria. Matt und Aruula konnten sich noch immer nicht erklären, was genau eigentlich mit den beiden – und all den Menschen, die in dem Dorf auf Guernsey gelebt hatten – geschehen war.

Zumindest schien es ein Tod ohne große Schmerzen zu sein. Matt erinnerte sich daran, wie die ehemalige Queen während der Überfahrt immer stiller geworden war. Die Versteinerung war zunächst nur an der linken Schulter aufgetreten, hatte sich dann aber rasch ausgedehnt.

Irgendwann hatte sie das Herz erreicht, doch Victoria hatte nicht einmal geschrien. In Lethargie war sie gegangen, und wer wusste schon, wie es in ihrem Körper zu diesem Zeitpunkt bereits ausgesehen hatte.

Der Mann aus der Vergangenheit schloss die Augen. Aruula berührte seinen Arm.

„Wieder stehen wir an einem Grab“, sagte sie leise, und Matt verstand sofort, was in ihr vorging. Er sah das Bild von Daa’tans letzter Ruhestätte vor sich.

Er hatte das Gefühl, dass Aruula allmählich besser mit Daa’tans Tod umgehen konnte. Sie achtete wieder mehr auf ihre Umwelt und wirkte ausgeglichener. Natürlich würde es noch länger dauern, bis sie wirklich über das Unglück hinweggekommen war. Matt nahm sie in den Arm, und die Barbarin ließ es schweigend zu. Ihre Stimme war dunkel und voller Sorge.

„Wenn wir nur wüssten, was das für ein Zauber ist, der die Menschen befällt …“

„Es ist kein Zauber. Es muss eine unbekannte chemische oder organische Reaktion sein.“ Alles was sie wussten, war, dass irgendwelche nebulösen Gestalten das Dorf überfallen und alle Bewohner darin versteinert hatten.

„Krankheit, Zauber, das Wirken Orguudoos …“ Die schöne Barbarin verstummte und strich sich ihre schwarzen Haare zurück. „Es ist bösartig, Maddrax. Durch und durch falsch.“

Er nickte und hielt sie noch fester. Eine Weile standen sie schweigend vor dem mit Steinen bedeckten Grab. Es gab keinen Grabstein mit Gravur, nicht einmal eine Kerze. Hier lag eine Königin, doch niemand würde das jemals erfahren.

Als ein leichter Nieselregen einsetzte, legte Matt seine Hand auf Aruulas Unterarm. Seine Gefährtin verstand ihn ohne Worte. Sie gingen zum Boot zurück und schoben es gemeinsam wieder ins Wasser. Es war nicht mehr weit bis zu dem Fischer, bei dem sie Chira, Rulfans Lupa, zurückgelassen hatten. Sie hatten Victoria nicht dort beerdigen wollen, um Meikel und seine Frau nicht unnötig zu ängstigen.

Eine halbe Stunde später erreichten sie den Steg nahe dem allein stehenden Haus. Das Boot des Fischers lag vertäut an der Anlegestelle.

Matt spürte jeden einzelnen Armmuskel nach der ungewohnten Anstrengung der letzten Tage. Es wurde bereits dunkel, und er war müde. „Vielleicht können wir hier übernachten, ehe wir nach London weiterreisen“, schlug er vor.

Aruula nickte. „Wir brauchen auch neuen Proviant.“

Matt musste schmerzlich an den leeren Kombacter denken, den er in einem der X-Quads vergessen hatte. Ob der Fischer ihm die hydritische Waffe zurückgeben würde? Er und Aruula hatten mit den X-Quads die Überfahrt nach Guernsey bezahlt.

Sie vertäuten das Boot neben dem Fischerboot am Anlegesteg. Seite an Seite gingen sie den steilen Serpentinenweg hinauf, der zum Haus der Fischerfamilie führte. Stacheldraht umgab das Gelände und schützte es vor Wisaaun, Taratzen und anderen Angreifern. Umso überraschter war Matt, als er das Tor im Zaun in der Abenddämmerung unverschlossen vorfand.

„Meikel?“, rief er zu dem weißgrauen Haus hinüber, dessen Wände im Licht der untergehenden Sonne rot aufleuchteten.

Aruula runzelte die Stirn. „Warum antwortet er nicht?“

In diesem Moment ertönte heiseres Kläffen. Chira rannte vom Haus her auf die beiden Ankömmlinge zu. Sie sprang an Matthew hoch, der Mühe hatte, auf den Beinen zu bleiben.

„Chira!“ Erleichtert kraulte Matt das dichte schwarze Fell der Lupa. „Hast du gut aufgepasst, ja?“

Aruula sah sich misstrauisch um. „Ich habe kein gutes Gefühl, Maddrax. Warum lassen sie das Tor unverschlossen und kommen nicht heraus?“

„Gehen wir nachsehen.“ Matt streichelte Chira, die sich immer wieder an ihn drängte und kläffte, als wäre sie ein friedliebender Schoßhund und kein gefährliches Raubtier.

Sie liefen zum Haus hinüber. Matt bemerkte mehrere geräucherte Fische, die an einer Leine hingen. Sie waren von Insekten und Vögeln angefressen, große Stücke Fleisch waren herausgehackt.

„Sieht so aus, als hätte Enna die Fische draußen vergessen.“ Er sah sich ebenso unbehaglich um wie Aruula. Etwas stimmte hier nicht.

An der schweren Eingangstür rief Matt noch einmal den Namen des Fischers. Keine Antwort. Er drückte die Klinke herab und fand den Eingang unverschlossen. Im Halbdunkel trat er in das stille Haus. Wieder riefen er und Aruula nach den Eheleuten. Wieder kam ihnen nur Schweigen entgegen. Sie durchsuchten alle Zimmer im Erdgeschoss. Vom Fischer und seiner Frau fanden sie keine Spur. Ein Fenster in der Wohnstube war zerbrochen, aber es lagen nur wenige Splitter am Boden; etwas hatte die Scheibe von innen nach außen gedrückt.

„Ob sie zu einer anderen Familie gegangen sind?“ Aruulas Hand lag schon seit geraumer Zeit auf dem Griff ihres Schwertes.

„Wenn, dann sind sie vor irgendetwas geflohen. Denk an die zurückgelassenen Fische.“

Chira benahm sich sonderbar. Sie drückte sich eng an Maddrax und knurrte leise. Ihre Rute war eingezogen.

Durch das zerbrochene Fenster hörten sie das Rauschen des Meeres. Das Grundstück lag am Fuß eines Felshanges. Ein natürlicher Schutz, denn der harte Felsboden machte es Mols und anderen mutierten Erdräubern unmöglich, sich durchzugraben.

Chiras Nackenfell sträubte sich, als sie mit pirschenden Schritten auf eine unauffällige braune Holztür zuging. Ein Abstellraum?

Matt zog seinen Driller, überholte Chira, riss die massive Tür auf und sicherte. Gähnende Schwärze. Es roch modrig, nach Schimmel und Staub.

„Eine Kellertreppe.“

Aruula zog das Schwert und sah sich nach allen Seiten um. „Hier oben scheint niemand zu sein. Sehen wir nach, was dort unten ist.“

Matt nickte. Entschlossen ging er die knarrenden Holzstufen hinab. Die Treppe machte eine enge Wendung. Das Licht, das von oben einfiel, wurde rasch schwächer.

„Wir könnten eine Fackel gebrauchen.“

„Ich hole eine.“

Aruula verschwand, während Chira hinter Matt knurrend auf der Treppe stand. Der Mann aus der Vergangenheit versuchte die Schatten mit Blicken zu durchdringen. Sein Herz schlug heftig. Er hielt den Driller vor sich wie einen schützenden Schild.

Vor ihm lag ein großer Raum. Alte Möbelstücke schienen in seiner Nähe zu stehen. Er sah eckige Konturen, die noch dunkler waren als die Schatten ringsum.

Aruula kam nur wenige Minuten später mit einer brennenden Fackel zurück. Chira ließ sie dicht an die Wand gedrückt vorbei. Die Lupa schien keinen weiteren Schritt in den Raum machen zu wollen. Ihr Nackenfell war gesträubt.

„Unheimlich“, flüsterte Matt.

Die Barbarin hob die Fackel und beleuchtete den Raum.

Matt erkannte neben einigen alten Regalen und einem klobigen Schrank zwei Gebilde am Ende des Raumes, die wie mannshohe Bäume mit ausgestreckten Ästen wirkten.

„Leuchte mal da rüber.“ Er wies auf die Gebilde.

Aruula ging neben ihm auf die Umrisse zu, das Schwert ruhig in der rechten Hand.

Matt stieß ein Keuchen aus.

„Bei Wudan!“, brachte Aruula hervor.

Vor ihnen standen der Fischer Meikel und seine Frau Enna. Beide waren in der Bewegung erstarrt. Versteinert!

„Wie auf Guernsey.“ Matts Stimme knarrte wie brüchiges Leder. „Verdammt, was passiert hier?“

„Werden wir von einem Fluch verfolgt?“, fragte Aruula heiser.

Matt wusste keine Antwort darauf. Er senkte den Driller, nahm ihr die Fackel ab und betrachtete das versteinerte Paar genauer. Der Gesichtsausdruck des Fischers zeigte namenlosen Schrecken, während Enna die Fäuste trotzig geballt hatte, als wolle sie kämpfen. Auch auf ihrem Gesicht lagen Entsetzen und Schmerz.

Matt musste an den Finger von Sir Leonard denken, den er abgebrochen hatte und in seiner Beintasche trug, und an die Queen, die sie am Strand beerdigt hatten.

„Lass uns gehen“, sagte Aruula. Der enge, zugestellte Kellerraum und die versteinerten Leichen darin setzten ihr zu. „Es ist ein Fluch Orguudoos. Ich will nicht, dass er auch uns trifft!“

Matt entgegnete nichts darauf. Nach wie vor glaubte er nicht an Sagengestalten und Flüche. Aber solange er keine Erklärung für die Versteinerungen hatte, war es nicht falsch, alles in Betracht zu ziehen.

Sie verließen den Keller und schlossen die Tür. Beide waren sich einig, dass sie nicht in diesem Haus übernachten wollten.

Im Schuppen fanden sie ihre X-Quads. Die Ladeanzeige der Trilithiumzellen stand auf gut fünfzig Prozent. Matt prüfte das Ablagefach und fand seinen leeren Kombacter und ein Binokular.

Sie packten alles Nötige zusammen, brachen so schnell wie möglich auf und suchten sich eine verfallene Ruine, in der sie die Nacht verbrachten.

„Wenn Chira nur reden könnte“, sagte Matt am Feuer. „Ob sie die Verursacher gesehen hat?“

Aruula starrte düster in die Flammen. „Was immer es ist – es folgt uns.“

Matt schüttelte den Kopf. „Nein – es ist uns voraus. Aber warum trifft es Menschen, ...

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