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MILIAN

Über die Autorin:

Gabriela Lürßen, wurde in Hamburg geboren und wuchs in Hamburg und Schleswig-Holstein auf. Sie studierte Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftspsychologie und arbeitet als freiberufliche Beraterin und Dozentin. Sie lebt mit Mann und Katzen in Hamburg.

1

Linda und Bjarne

Es war ein ganz normaler Wintertag im Dezember. Aber was hieß schon normal? War normal mit Schnee, glatten Straßen und spielenden Kindern? Oder waren mittlerweile fünfzehn Grad und Nieselregen normal? Na, war jetzt auch egal. Es ging ja nicht um die Auswirkungen des Klimawandels.

Linda und Bjarne hatten Mitte dieses Monats eine gemeinsame Wohnung bezogen. Die beiden kannten sich aber schon länger. Wie lange, das wussten sie auch nicht ganz genau. Wahrscheinlich schon fast ihr ganzes Leben. Sie waren in der gleichen Gegend dieser Stadt aufgewachsen. Möglicherweise hatten sie schon zusammen in derselben Sandkiste gesessen und gespielt. Aber das war einmal. Jahre später waren sie sich bei einer gemeinsamen Fortbildung begegnet oder eben wieder begegnet. Und wie das denn so gewesen war, hatten Linda und Bjarne ein wenig zusammen gelernt. Sie hatten sich dabei zunehmend gut verstanden und irgendwann dann auch verliebt. Es war nur eine Frage der Zeit gewesen, wann das Thema einer gemeinsamen Wohnung aufkommen würde.

Linda hatte nie so spießig leben wollen. So mit Mann und womöglich noch Kindern und dem obligatorischen Hund. Bjarne hatte es aber komischerweise geschafft, dass Linda mit ihm auf Wohnungssuche gegangen war.

Und jetzt, gut zwei Jahre nach dem richtigen Kennenlernen, hatten sie gerade vor zwei Wochen den Mietvertrag unterschrieben und waren nun offiziell seit sieben Tagen Mieter ihrer ersten gemeinsamen Wohnung. Das fühlte sich noch sehr leer, aber richtig gut an. Obwohl – ein wenig mulmig war Linda schon. Wo man jetzt für alles selbst verantwortlich war.

Wie meldete man sich beim
Energieversorger an oder kurz,
wo bekamen sie den Strom her?
Was musste gemacht werden, damit auch
zukünftig Wasser aus der Leitung kam?
Und wie war das mit der Müllabfuhr?
Waren sie jetzt erwachsen?

Linda und Bjarne hatten drei Zimmer, Küche und Badezimmer mit Fenster. Für den Anfang schon ziemlich gut. Und ganz wichtig – sie hatten eine Terrasse. Was wollten sie mehr – nichts! Zumindest in diesem Moment.

In der Wohnung musste noch einiges renoviert werden. Und wie das nun mal so war, wollten die Eltern von Linda und Bjarne sie dabei unterstützen. Sie hatten also mit ihrer Hilfe gedroht. Für Eltern blieben Kinder häufig Kinder, egal wie alt sie waren. War zumindest bei Lindas Eltern so. Nicht dass sie ständig auf der Matte standen und sich in alles einmischten. Nein, so machten sie das nicht. Ihre Eltern waren immer da gewesen, wenn sie sie gebraucht hatte. Früher hatte ein lauter Ruf aus dem Kinderzimmer ausgereicht, damit ihre Mutter oder ihr Vater zu ihr kam, um die abendliche dicke Spinne aus ihrem Zimmer zu entfernen. Später genügte ein Anruf und sie waren gekommen und hatten geholfen, wie und wo sie nur konnten. Manche Kinder mochten das vielleicht nicht. Linda fand das gut.

Linda und Bjarne feierten Weihnachten mit ihren Eltern. So richtig schön klassisch – oder spießig. Einen Tag bei Bjarnes Eltern, den anderen Tag bei Lindas. Die Eltern wussten ja, dass Linda und Bjarne seit Kurzem gemeinsam eine Wohnung gemietet hatten.

Sie verabredeten sich für den 27. Dezember, also den Tag nach Weihnachten, mit ihren Eltern in ihrer neuen Wohnung zum Renovieren.

2

Der Tag eins

Es war morgens am 27. Dezember. Linda und Bjarne waren am Frühstücken. Es war der siebte Tag in ihrer Wohnung. Es gab Käse und Salat für Bjarne. Linda mochte auch Käse und Salat, aber nicht morgens. Da konnte sie Bjarne nun überhaupt nicht verstehen. Fettige Mayonnaise am Morgen, grausiger ging es für sie kaum noch. Linda war eher die Süße. Sie bevorzugte Marmelade und Honig. Die Marmelade war natürlich von ihrer Mutter. Die machte diese leckere Marmelade immer aus eigenen Früchten selbst. Auch ein Erwachsener brauchte ein Zuhausegefühl.

Ihre Eltern wollten oder besser sollten gegen 11.00 Uhr kommen. Das hatten Linda und Bjarne extra so geplant, damit sie nach den anstrengenden Weihnachtstagen mal ausschlafen, zumindest halb ausschlafen, konnten.

Bjarnes, aber auch Lindas Eltern waren eigentlich Frühaufsteher. Bjarnes Eltern waren noch berufstätig. Das hieß, bei ihnen klingelte wochentags immer so gegen 5.00 Uhr oder 5.30 Uhr der Wecker. Lindas Eltern waren bereits Rentner. Als Rentner hatte man ja immer so viel zu tun, deshalb wurden ihre Eltern meistens auch so früh wach, hatte ihre Mutter ihr mal vor einiger Zeit gesagt.

Es war 9.30 Uhr und es klingelte.

„Bjarne, machst du mal bitte auf. Ich habe noch nasse Haare“, sagte Linda.

„Ich geh‘ schon. Erwartest du ein Paket?“, fragte Bjarne und drückte dabei auf den Türöffner, der sich neben der Wohnungstür befand.

„Nein.“

Ein Paket erwarteten sie nicht. Und für den Weihnachtsmann wäre es auch schon ein paar Tage zu spät. Also wer konnte das sein?, fragte sich Linda.

Bjarne machte die Wohnungstür auf. Vor der Tür standen seine Eltern. Richtig schön aufgehübscht, mit alten Hosen und so. Na, das konnte ja heiter werden. Bjarnes Eltern meinten, sie wären ja sowieso wach und da wären sie einfach losgefahren.

Nein, natürlich störten sie nicht.
Ja, natürlich frühstückten sie in Ruhe
zu Ende.
Ja, natürlich sagten sie ihnen auch,
was sie jetzt schon mal machen könnten.
Eltern waren was Wunderbares!

Kaum saßen sie also wieder am Frühstückstisch, klingelte es erneut. Sie erwarteten noch immer kein Paket.

„Wer kommt denn jetzt schon wieder?“, fragte Bjarne mit leicht gereiztem Ton.

„Keine Ahnung. Ich mache die Tür schon auf“, sagte Linda, als sie mit noch leicht feuchten Haaren zur Tür ging. Sie drückte den Summer. Hörte, wie die Tür unten im Treppenhaus aufging. Und was vernahmen ihre Ohren jetzt? Die Stimme ihres Vaters, die so was sagte wie, dass das ein schönes Treppenhaus sei. Das war Linda noch gar nicht aufgefallen. Schnell schaute sie sich die Fliesenfarbe im Treppenhaus an. Sie wollte ja mitreden können, wenn ihr Vater vom Treppenhaus sprach.

Linda begrüßte ihre Eltern. Bjarne frühstückte und hatte auch ein Auge bei seinen Eltern, die frei in der Wohnung umherliefen. Die musste man ja immer ein wenig unter Kontrolle haben, das wusste Bjarne aus langjähriger Erfahrung. Bjarne konnte sich noch erinnern, wie seine Mutter sein Kinderzimmer mal ganz heimlich tapeziert hatte. Er war damals morgens zur Schule gegangen. Sein Zimmer war mit den üblichen Postern aus den einschlägigen Jugendzeitschriften dekoriert. Als er gegen Nachmittag aus der Schule gekommen war und in sein Zimmer geschaut hatte, hatte er einen riesigen Schreck bekommen. Seine Mutter hatte das Zimmer mit einer hellblauen Tapete tapeziert. Die hellblaue Tapete wäre ja noch nicht so schlimm gewesen, aber auf dieser Tapete waren kleine Polizeiautos abgebildet. Als Bjarne das Linda vor einiger Zeit erzählte, hatte Linda gedacht, Bjarne wäre zu dem Zeitpunkt noch ein kleiner Junge gewesen. So war es aber nicht. Bjarne war schon sechzehn Jahre alt gewesen und kurz davor, seinen Ausbildungsvertrag zu unterschreiben. Diese Geschichte war in Bjarnes Gedächtnis eingebrannt. Deshalb mussten Eltern regelmäßig kontrolliert und beaufsichtigt werden, wenn sie Freigang in seiner Wohnung, oder wo auch immer, hatten. Aber dafür extra Kameras in der ganzen Wohnung anzubringen, wäre auch zu aufwendig. Aber jetzt zu Lindas Eltern.

Ja, sie hatten einen Zug früher genommen,
weil sie ja schon wach waren.
Nein, sie ließen sich beim Frühstücken
nicht stören.
Ja, natürlich zeigten sie auch Lindas
Eltern, was sie machen könnten.

Lindas Vater bemerkte als Erster die fremden Stimmen in der Wohnung. Bjarne stellte seinen Eltern Lindas Eltern vor. Merkwürdiges Gefühl, Linda und Bjarne kannten sich nun schon ein paar Jahre. Aber ihre Eltern waren sich noch nie begegnet. Aber jetzt.

„Ich bin der Erich“, sagte Lindas Vater zu Bjarnes Mutter. Sie guckte ihn nur an.

„Wir können uns doch gleich duzen“, sagte er dann noch.

„Ich heiße Ute“, erwiderte Bjarnes Mutter lächelnd.

Lindas Vater war immer schon sehr schnell mit dem Duzen gewesen. Na ja, jetzt, wo man ein gemeinsames Renovierungsobjekt hatte, war das wohl auch o. k. Handwerker duzten sich eben.

Anders sah es bei Lindas Mutter und Bjarnes Vater aus. Ihre Mutter war immer sehr distanziert. Nein, nicht kaltherzig. Das nun überhaupt nicht. Sie war eben eine echte Norddeutsche. Eine echte Norddeutsche war nicht so einfach zu gewinnen. Sie kam ja auch eher aus der Generation, in der man nicht jeden gleich duzt.

Bjarnes Vater, ein ganz ruhiger Vertreter des männlichen Geschlechts, gab ihrer Mutter die Hand. Beide nannten ihre Vornamen, Magda und Jörg. Das war es. So ein kleines scheues Lächeln huschte noch kurz über ihre Gesichter. Wie zwei Teenager beim ersten Date. O. k., erstes Date stimmte. Aber Teenager?

Sie wiesen ihre Eltern in die zu verrichtenden Tätigkeiten ein. Da sich Lindas Vater und Bjarnes Mutter so gut verstanden, beschlossen sie, dass diese beiden ein Team bilden sollten. Das zweite Team waren somit Magda und Jörg. Gut, das war dann schon mal schmerzfrei erledigt.

Lindas Vater und Bjarnes Mutter unterhielten sich angeregt. Linda und Bjarne hörten ein ununterbrochenes Geplapper aus dem Zimmer. Aus dem anderen Zimmer hörten sie nichts. Schwiegen sich ihre Erzeuger etwa an? Linda und Bjarne schauten vorsichtig um die Ecke. Magda und Jörg waren ganz versunken in ihre Arbeit. Sie waren eben nicht die Dauerredner. Auch die stille Kommunikation war eine Art, sich miteinander zu unterhalten. War ja auch richtig, dass sie konzentriert arbeiteten, denn ihre Vorfahren und Produzenten waren ja auch nicht zum Reden hier, sondern zum Arbeiten, dachten sich Linda und Bjarne.

Linda und Bjarne gingen als Auftraggeber durch die Zimmer und sahen, dass gut gearbeitet wurde. Farbe nach links, Nagel und Regal nach rechts und so weiter. Man hatte erstaunlich viel Zeit, wenn man die Eltern sinnvoll einsetzte.

„Wollt ihr noch einen Kaffee oder ein Brötchen?“, fragte Bjarne die Eltern.

„Nein, danke. Wir haben schon gefrühstückt“, antwortete Lindas Mutter.

„Ute, Bjarne fragt, ob wir Kaffee wollen?“, fragte Jörg seine Frau.

„Nein“, lautete ihre Antwort.

„Du hast ja lustige Eltern“, sagte Linda leise zu Bjarne in der Küche, „dein Vater muss erst deine Mutter fragen, ob sie Kaffee wollen. Und wenn deine Mutter Nein sagt, dann bekommt dein Vater auch keinen Kaffee.“

„Tja, so sind sie halt.“

Sie deckten den Frühstückstisch ab.

Ihre Eltern zeigten diese hervorragenden Renovierungsleistungen den ganzen Tag. Linda und Bjarne hatten dadurch die Gelegenheit, sich die Gegend und die Nachbarn ein bisschen genauer anzuschauen.

Sie schauten gelegentlich mal aus den Fenstern und erkannten, dass hier nicht viele Autos fuhren. War ja auch so etwas Ähnliches wie eine Sackgasse.

Wenn sie durch die Terrassentür blickten, sah alles noch so weihnachtlich und friedlich aus. Linda und Bjarne fragten sich, ob man jetzt eigentlich renovieren konnte oder besser durfte, wo doch so viele Menschen freihatten und ausschlafen wollten. Es schienen auch viele Nachbarn im Urlaub zu sein oder Urlaub zu haben. Das Leben war irgendwie langsamer und bedächtiger zwischen Weihnachten und Silvester. Außer natürlich bei ihren Eltern, die waren so richtig schön am Arbeiten. Immer noch. Gut so!

Bjarne fühlte sich sichtlich wohl in seinem Aufpasser- und Delegierjob. Job konnte man das eigentlich nicht nennen. Für Bjarne schien diese Tätigkeit eine Berufung zu sein. Er ging, die Hände auf dem Rücken verschränkt, durch die Zimmer. Bjarne hatte diese verschränkte Art zu gehen auch immer im Supermarkt. Draußen auf dem Parkplatz oder auf dem Weg zum Supermarkt wedelte er noch immer mit allem herum, womit er so wedeln konnte. Aber kaum betrat er einen Laden, hatten seine Hände den Drang, sich auf den Rücken zu verschränken. Musste chronisch sein, dachte sich Linda. Wenn sie mal viel Zeit hätte, dann würde sie sich mit diesem Phänomen mal näher beschäftigen.

Um die Mittagszeit war Bjarne im Wohnzimmer. Er wollte gerade den Plastiktisch decken. Auch bei umfangreichen Renovierungsarbeiten sollte nicht auf das übliche Drei-Gänge-Menü verzichtet werden. Linda hatte das Menü heute Morgen unter größten Anstrengungen kreiert. Und das unter der erschwerten Bedingung, dass sie nicht richtig frühstücken konnte. Sie gab Bjarne nun also die Menü-Unterlagen für das Wohnzimmer. Er bekam von ihr eine Plastiktischdecke, Pappteller und hygienisch sauberes Plastikbesteck. Auf diese Menü-Unterlagen kam dann das Drei-Gänge-Menü. Es bestand aus Kartoffelsalat, erster Gang, Würstchen, zweiter Gang, und Brot, logisch, dem dritten Gang.

Linda rief Bjarnes und ihre Eltern, dass das Essen fertig sei. Bjarne ging zur Terrassentür, statt sich an den Tisch zu setzen. Aber vielleicht hörte er draußen mal wieder was. Möglicherweise war es das letzte Blatt, das vom Baum gefallen war. Na ja, irgendwas in dieser Richtung würde es wohl sein. Er war ja immer so neugierig.

„Da ist ein großes Tier“, sagte Bjarne, als er an der Terrassentür stand.

Nun wusste Linda ja, dass Bjarne gern mal ein wenig übertrieb. Sie ging also davon aus, dass er einen Vogel oder eine Krabbelameise sah. Sie lief zu ihm, um sich dieses Tier anzusehen. Und was sah sie? Dieses große Tier war keine Taube und auch kein anderer Vogel und erst recht nichts Kriechendes. Es war auch kein dicker Käfer. Nein, es war nichts, was fliegt oder krabbelt. Es war ein Kater. Oder doch eine Katze?

Linda und Bjarne riefen gemeinsam lautstark nach ihren strebsamen Eltern. Sie kamen neugierig angerannt und wollen ebenfalls das große Tier sehen. Und so standen sie jetzt alle an der Terrassentür und schauten hinaus. Sie sahen sich alle das große Tier an. Sie schauten so, als hätten sie noch nie eine Katze gesehen. So war es natürlich nicht. Aber sie erwarteten hier und heute und auf dieser Terrasse einfach keine Katze. Und schon gar nicht so eine große Katze – oder doch einen Kater?

Dieser Kater – sie gingen alle davon aus, dass es ein Kater war – sah aus wie ein kleiner Tiger. Sein braunes Fell wies die Maserung eines Tigers auf. Er hatte grüne Augen. Es schauten nun also zwölf blaue, braune und grüne Augen, verteilt auf sechs Menschen, von der einen Seite der Terrassentür auf zwei grüne Augen auf der anderen Seite der Terrassentür.

Einen Moment, wer schaute hier eigentlich wen an? Ihnen gingen tausend Fragen durch den Kopf. Dass Katzen und auch Kater sowie Hunde mal auf Terrassen saßen, das wusste man ja.

Aber was machte dieses Tier auf
ihrer Terrasse?
Wem gehörte dieses Fell mit Augen?
Nein, ein Halsband trug er nicht.
Er sah aber sehr gepflegt aus.
Ein reiner Straßentiger schien er
nicht zu sein.
Aber wo wohnte er?

Ihre Nachbarn kannten Linda und Bjarne noch nicht so gut, um zu wissen, ob der Kater zu ihnen gehörte. War ihnen in diesem Moment auch egal.

Damals wussten sie noch nicht, wie dieses Tier ihr Leben verändern würde.

Kurze Zeit später saßen sie an dem kunstvoll und liebevoll gedeckten Tisch. Waren ja wahnsinnig gemütlich, solche Renovierungsunterbrechungsfütterungen.

Sie servierten ihren arbeitenden Mitmenschen auch noch Wasser und Saft. Alkohol in der Arbeitszeit, nein, das führten sie gar nicht erst ein. Sie unterhielten sich über den Kater, die Tapeten und was sonst noch so anlag.

Linda schien es, als hätten die anderen fünf Mitesser den Kater schon wieder vergessen. Sie machte sich jedoch so ihre Gedanken, wo er wohl herkam und ob er genügend zu essen hatte. Ihre Gedanken schwebten über den Wasserdampf des Würstchentopfes hinweg.

Sie kehrten zurück zu ihren Arbeiten. Ein Nagel links in die Wand, eine Schraube rechts in den Schrank, und dabei behielten sie immer schön die Eltern im Auge. Ihre Eltern machten das echt gut. Sie verzichteten auf unnötige Pausen, zögerten Toilettengänge so lange wie möglich hinaus und waren auch sonst ganz gut dabei. Linda musste allerdings sagen, dass Bjarnes Mutter und ihr Vater ein wenig zu viel redeten. Das hatte sie ja schon vor dem Mittagessen bemerkt. Linda und Bjarne würden später das Ergebnis begutachten und dann ihre Schlüsse daraus ziehen. Vielleicht sollten sie zukünftig ihre Eltern in den Erzeugerkombinationen einsetzen. Alte Eheleute hatten sich doch weniger zu sagen, oder stimmte das gar nicht? Da hieß es jetzt nur, dass sie abwarten mussten. Hier würden sie, wenn es gar nicht anders ginge, mit den genannten Menschenversuchen arbeiten müssen.

Natürlich hatte Linda in der Zwischenzeit den obligatorischen Butterkuchen gekauft. Linda hatte bereits in der letzten Woche einige Bäckereien und Konditoreien in der Gegend ausfindig gemacht. Von der einfachen Bäckerei bis zur hochpreisigen Konditorei war hier alles zu finden. Das war beruhigend, denn Linda liebte es, guten Kuchen zu essen.

Sie schnitt den gekauften Kuchen nun in einige Stücke, denn auch ältere Arbeitnehmer mussten mal was Süßes essen.

Ihre strebsamen Eltern und sie selbst aßen den Kuchen und tranken eine Tasse Kaffee dazu. Vielleicht auch zwei. Aber dann ein wenig zügiger bitte. Bjarnes Mutter hatte diesen Kaffee in einer Thermoskanne mitgebracht. Sie murmelte so was wie, dass die Kinder doch bestimmt noch keine Kaffeemaschine hätten. Sie sagte das so leise zu Lindas Eltern, dass Linda und Bjarne es wohl nicht hören sollten. Sie hörten es aber. Es war doch wirklich schön, dass man sich so um sie kümmerte.

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