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Mach Das Beste Aus Dir Für Dich Und Fndere !

Friedrich Hinkel

MACH DAS BESTE AUS DIR
FÜR DICH UND ANDERE !

Wegweiser für ein
erfülltes und erfolgreiches Leben

MACH DAS BESTE AUS DIR
FÜR DICH UND ANDERE

Für

Ulrike

Carsten

Giuliana

Maria

und

Nely

Inhalt

Einleitung

Erster Teil: LEITZIELE

A. Der Wert und das Wohl des Menschen als Leitziele der Selbstverwirklichung

B. Psychologische und ethische Seite der Leitziele

I. Psychologische Seite

II. Ethische Seite

III. Folgerungen für die Selbstverwirklichung

C. Praktische Bedeutung der Leitziele

D. Zugrunde liegendes Menschenbild

Zweiter Teil: AUFGABEN

A. Eigenwert- und Eigenwohlauftrag

I. Eigenwertauftrag: Seinen Wert erkennen, achten und entfalten

1. Aspekte des Eigenwerts

a) Wert als Mensch: Humanwert

b) Wert als Individuum: Individualwert

c) Wert als geistiges Wesen: Spiritualwert

d) Wert als soziales Wesen: Sozialwert

e) Ergebnis

2. Erkennen

3. Achten

4. Entfalten

II. Eigenwohlauftrag: Für sein Wohl sorgen

1. Allgemeines zur Sorge für das Eigenwohl

2. Für sein Grundstimmungswohl sorgen

a) Grundstimmungswohlfaktoren anwenden b) Negative Einstellungen und Verhaltensweisen vermeiden und beseitigen

c) Auf geistige Ernährung und Entspannung achten

3. Für sein körperliches Wohl sorgen

a) Positive Einstellung und Verhalten gegenüber dem Körper

b) Positive Einstellung und Verhalten gegenüber der Krankheit

c) Positive Einstellung und Verhalten gegenüber dem Alter

4. Für sein Arbeitswohl sorgen

a) Möglichst eine Arbeit ausführen, die den eigenen Fähigkeiten und Interessen entspricht und Freude macht

b) Sich positiv auf seine Arbeit einstellen

c) Grenzen der Arbeit und des Leistungsstrebens beachten

5. Für sein materielles Wohl sorgen

a) Für einen Grundbestand an materiellen Gütern sorgen

b) Weitere materielle Ziele: In guten Wohnverhältnissen leben etc

c) Grenzen des materiellen Wohlstandsstrebens beachten

6. Für sein geistiges Wohl sorgen: Seine Wissens-, Kultur-, Wert- und Sinnziele verfolgen

7. Für sein soziales Wohl sorgen

a) Seine sozialen Ziele verfolgen

b) Wert und Wohl der Mitmenschen, Gemeinschaft und Umwelt beachten

III. Bedeutung des Eigenwert- und Eigenwohlauftrags

B. Nächstenwert- und Nächstenwohlauftrag

I. Nächstenwertauftrag: Den Wert des Nächsten erkennen und achten

1. Wert des Mitmenschen

2. Erkennen

3. Achten

II. Nächstenwohlauftrag: Das Wohl des Nächsten in zumutbarer Weise fördern

1. Wohl des Mitmenschen

2. Fördern

III. Bedeutung des Nächstenwert- und Nächstenwohlauftrags

C. Gemeinschaftswert- und Gemeinschaftswohlauftrag

I. Gemeinschaftswertauftrag: Den Wert der Gemeinschaft erkennen und achten

1. Wert der Gemeinschaft

2. Erkennen und achten

II. Gemeinschaftswohlauftrag: Das Wohl der Gemeinschaft in zumutbarer Weise fördern

1. Wohl der Gemeinschaft

2. Fördern

III. Bedeutung des Gemeinschaftswert- und Gemeinschaftswohlauftrags

D. Umweltwert- und Umweltwohlauftrag

I. Umweltwertauftrag: Den Wert der Umwelt erkennen und achten

1. Wert der Umwelt

2. Erkennen und achten

II. Umweltwohlauftrag: Das Wohl der Umwelt in zumutbarer Weise fördern

E. Zusammenschau der Aufgaben

I. Ziele des Menschenwertauftrags

II. Ziele des Menschenwohlauftrags

III. Formulierungen aus der Literatur

IV. Abstimmung der Aufgaben

1. Abstimmungsprobleme, Abstimmungskriterien

2. Abstimmungsprobleme innerhalb eines Auftragsbereichs

3. Abstimmungsprobleme zwischen Auftragsbereichen

Dritter Teil: MITTEL

A. Kräfte

I. Geistig-seelische Kräfte

1. Denken

2. Fühlen

3. Vorstellen

4. Wollen

5. Erwarten

6. Macht der geistig-seelischen Kräfte und deren Anwendung

II. Intuitive Kräfte

III. Körperliche Kräfte

IV. Soziale Kräfte

V. Wirtschaftliche Kräfte

B. Lebensverhältnisse

I. Das Leben annehmen und das Beste daraus machen

II. Die Probleme des Lebens lösen

1. Problem präzisieren

2. Auf die Problemlösung einstellen

3. Ursachen des Problems ermitteln

4. Ursachen des Problems beseitigen

III. Die Freuden des Lebens genießen

C. Lebenszeit

I. Bedeutung der Zeit

II. Verwendung der Zeit

1. Was ist zu tun?

2. Was soll ich selbst tun?

3. Wie soll ich es tun?

4. Wann soll ich es tun?

5. Wie lange soll ich es tun?

D. Wertmaßstäbe

I. Zweck, Voraussetzungen und Anwendung von Wertmaßstäben

II. Grundwerte

1. Freiheit

2. Verantwortlichkeit

3. Wahrhaftigkeit

4. Frieden

5. Toleranz

6. Menschenliebe

III. Ausführungswerte

1. Zielstrebigkeit

2. Konzentration

3. Selbstbeherrschung

4. Leistungswille und Leistungseinsatz

5. Gründlichkeit und Fleiß

6. Mut

7. Ausdauer und Geduld

8. Gelassenheit

Vierter Teil: VERFAHREN

A. Aufstellung des Gesamtplans

I. Zum Inhalt des Gesamtplans

II. Zielauswahlverfahren

1. Auswahl der Zieloptionen

2. Analyse der Zieloptionen

3. Bewertung der Analyseergebnisse

4. Auswahlentscheidung

III. Überprüfung und Anpassung des Gesamtplans

B. Aufstellung und Ausführung des Tagesplans

I. Grundeinstellung

1. Einstellung auf den Tag

2. Einstellung auf eine positive Grundstimmung

3. Einstellung auf die Selbstverwirklichung

II. Auswahl der Tagesziele

III. Einstellung auf die Tagesziele

1. Ziel präzisieren

2. Ziel visualisieren

3. Ziel emotionalisieren

4. Ziel wollen

5. An den Zielerfolg glauben

6. Zielerfolg vorwegnehmen

IV. Ausführung der Tagesziele

1. Zielausführungsverfahren

2. Weg- und Zielanpassungsverfahren

Schlusswort

Tabellen

Anmerkungen

Literaturverzeichnis

Sachregister

Einleitung

Wir müssen im Leben ständig Entscheidungen treffen. Sehr oft geht es dabei um zwei Fragen: Was will ich? und Wie kann ich es erreichen? Um nicht Spielball unserer Umweltverhältnisse und Stimmungsschwankungen, sondern Herr des Geschehens zu sein, brauchen wir für die Beantwortung dieser Fragen einen Wegweiser, der uns die großen Lebensziele und den Weg dorthin zeigt. Dies gilt besonders in unserer schnelllebigen Zeit mit ihren ständig wechselnden Situationen und Optionen, Versuchungen, Verunsicherungen und Gefahren sowie der Informationsflut, die täglich auf uns einströmt. Wir müssen den Überblick behalten.

Wir dürfen neben unseren Tages-, Wochen-, Monats- und etwaigen Jahreszielen vor allem unsere großen Lebensziele und Aufgaben – aus denen unsere täglichen Ziele und Aufgaben ja erst ihren tieferen Sinn erhalten – sowie die für die Ausführung der Aufgaben verfügbaren Mittel und Verfahren nicht aus den Augen verlieren. Je mehr Klarheit wir hierüber haben, desto gefestigter stehen wir im Leben und desto besser werden wir unsere Ziele erreichen.

Es besteht Anlass für die Befürchtung, dass es vielen Menschen an einem solchen Wegweiser mangelt. Die Feststellung eines Autors, dass die meisten Menschen einen vierzehntägigen Urlaub sorgfältiger planen als ihr Leben, erschreckt und stimmt nachdenklich, auch wenn das hoffentlich in diesem Ausmaß nicht zutrifft. Jeder muss sich selbst fragen, wie es bei ihm mit der detaillierten Lebensplanung bestellt ist und was er auf die Frage nach seinen Lebenszielen und dem Weg dorthin antworten würde.

Auf jeden Fall ist das Leben zu wertvoll, um es, wie so oft, ziel- und planlos mit Nebensächlichkeiten und Nichtigkeiten zu füllen. Hier gilt es, Abhilfe zu schaffen, indem man sich intensiv um die Ausarbeitung und Anwendung seines Lebenswegweisers kümmert. Was für die sorgfältige Planung einer Urlaubsreise spricht, spricht erst recht für die sorgfältige Planung der Lebensreise. Jedes Mal steht nur ein begrenzter Zeitraum für die Realisierung des Vorhabens zur Verfügung, den es bestmöglich zu nutzen gilt.

Doch welche Richtung sollen wir einschlagen? Was wollen wir aus unserem Leben machen? Welche Ziele wollen wir verfolgen und wie können wir sie am besten erreichen, damit wir am Ende auf ein möglichst erfülltes Leben zurückblicken können?

So unterschiedlich die Antworten hierauf im Einzelnen auch lauten werden, so dürfte doch zumindest in unserer westlichen Welt darüber Übereinstimmung bestehen, dass zu einem wünschenswerten Leben Selbstbestimmung und Selbstentfaltung gehören und nicht Fremdbestimmung und Selbstverleugnung. Auf dieser Grundlage lautet die Antwort auf die vorstehenden Fragen häufig: Sei du selbst. Verwirkliche dich. Folgt man dieser Auffassung und sieht in der Selbstverwirklichung eine herausragende Lebensaufgabe – wovon im Folgenden ausgegangen wird –, führt dies dazu, dass ein Wegweiser für das Leben zugleich ein Wegweiser für die Selbstverwirklichung sein muss.

Doch was heißt Selbstverwirklichung? Welche Ziele sollen wir bei der Selbstverwirklichung verfolgen und wie sollen wir dabei vorgehen? Das Buch will bei der Beantwortung dieser Fragen helfen. Es verfolgt ein inhaltliches, ein methodisches und ein praktisches Anliegen.

Das inhaltliche Anliegen betrifft das Was und Warum, nämlich die Frage, welche Leitziele aus welchem Grund mit der Selbstverwirklichung verfolgt werden sollen und welche Aufgaben sich hieraus für den Einzelnen ergeben. Die gesuchten Leitziele sollen dabei so allgemein gehalten sein, dass sie für alle Menschen – Gläubige wie Ungläubige – gelten können.

Das methodische Anliegen betrifft das Wie, das heißt die Frage, welche Mittel und Verfahren für die Ausführung der Aufgaben zur Verfügung stehen.

Fasst man beide Anliegen zusammen, geht es darum, die Leitziele, Aufgaben, Mittel und Verfahren der Selbstverwirklichung ausführlich zu beschreiben. Zwischen diesen vier Gegenständen besteht ein enger sachlicher, logischer und insoweit systematischer Zusammenhang. An der Spitze stehen die Leitziele der Selbstverwirklichung, aus ihnen folgen die Aufgaben der Selbstverwirklichung und aus diesen wiederum ergeben sich die Mittel und Verfahren, die für die Ausführung der Aufgaben benötigt werden.

Das praktische Anliegen schließlich betrifft das Wozu: Welchen Zweck soll der Wegweiser erfüllen? Er soll dem Leser die für seine Lebensgestaltung nötige Orientierung und Sicherheit geben und auf diese Weise auch dessen inneren und äußeren Frieden sowie den sozialen Frieden insgesamt fördern. Selbstverwirklichung ist eine Tag für Tag, das ganze Leben andauernde Aufgabe des Menschen. Der Wegweiser muss deshalb der täglichen Praxis dienen. Zu diesem Zweck wird bei den Ausführungen eingehend auf die bei der Selbstverwirklichung im täglichen Leben auftretenden Bedürfnisse und Aufgaben des Menschen sowie die zu ihrer Lösung verfügbaren Mittel und Verfahren eingegangen.

Der vorgestellte Wegweiser versteht sich wegen seines systematischen Aufbaus und hohen Praxisbezugs als ein kompaktes, klar gegliedertes und an den Bedürfnissen der Praxis orientiertes Werkzeug für die Lebensgestaltung, auf das bei Bedarf jederzeit und unabhängig von anderen Personen wie auf eine Landkarte, die man bei sich führt, zurückgegriffen werden kann.

Im Hinblick auf diesen umfassenden systematischen und praktischen Ansatz, die zentrale Bedeutung der Selbstverwirklichung für die Lebensführung und den zeitlichen, sich über das ganze Leben erstreckenden Umfang der Selbstverwirklichungsaufgabe ist der vorliegende Wegweiser nicht nur ein Wegweiser für die Selbstverwirklichung, sondern auch ein Wegweiser für das Leben.

Der Wegweiser besteht aus vier Teilen:

• Im 1. Teil werden die Leitziele für das Leben präzisiert.

• Im 2. Teil werden die Aufgaben, die sich aus den Leitzielen ergeben, erläutert.

• Im 3. Teil werden die für die Ausführung der Aufgaben verfügbaren Mittel beschrieben.

• Im 4. Teil wird das bei der Ausführung der Aufgaben anzuwendende Verfahren behandelt.

In allen vier Teilen wird zum Zweck der Transparenz und Orientierung auf eine detaillierte Gliederung des Stoffes Wert gelegt. Bei den Ausführungen wird überwiegend die Wir-Form verwandt, weil der Verfasser die Selbstverwirklichung als eine Aufgabe betrachtet, die alle Menschen in gleichem Maße betrifft, also ihn selbst genauso wie jeden Leser dieses Buches, und er sich insoweit mit jedem Leser verbunden fühlt.

Auf den Hauptteil folgen das Schlusswort und fünf Tabellen, die wesentliche Teile des Hauptteils stark verkürzt wiedergeben. Das Buch endet mit dem Anmerkungsteil, dem Literaturverzeichnis und dem Sachregister.

Erster Teil: LEITZIELE

A. Der Wert und das Wohl des Menschen als Leitziele der Selbstverwirklichung

Die Frage, welche Ziele mit der Selbstverwirklichung verfolgt werden sollen, hängt von der Auslegung des Begriffs der Selbstverwirklichung ab.

Eine erste Auslegungsmöglichkeit besteht darin, Selbstverwirklichung im Sinne von selbst tun, selbst ausführen zu verstehen. Die Vorsilbe Selbst bezeichnet hierbei die Person des Ausführenden. Bei dieser Auslegung kommt es entscheidend darauf an, dass das Ziel und der Weg selbstbestimmt und nicht fremdbestimmt gewählt und ausgeführt werden.

Eine zweite Möglichkeit der Auslegung besteht darin, Selbstverwirklichung im Sinne von Verwirklichung des Selbst zu verstehen. Hier bezeichnet die Silbe Selbst nicht die Person des Ausführenden, sondern den Gegenstand der Ausführung. Dieser Gegenstand kann unterschiedlicher Art sein. So kann damit nur das Potenzial (an Fähigkeiten und Möglichkeiten) des Einzelnen gemeint sein oder nur sein Wohl oder nur sein Wert (im umfassenden Sinne, einschließlich seines Potenzials) oder sein Wert und sein Wohl.

Eine dritte Auslegungsmöglichkeit besteht in der Kombination der beiden vorgenannten Möglichkeiten, das heißt, der Begriff der Selbstverwirklichung wird in dem Sinne verwandt, dass er sowohl Auskunft über den Ausführenden als auch über den Gegenstand der Verwirklichung gibt, wobei bezüglich des Gegenstandes wie vorstehend beschrieben unterschieden werden kann.

Der Begriff der Selbstverwirklichung, um den es hier geht, entspricht dieser dritten Auslegungsmöglichkeit. Er beinhaltet also sowohl eine Aussage über die Person des Ausführenden (jeder muss es selbst tun) als auch über den Gegenstand der Verwirklichung, wobei der Gegenstand weit gefasst wird: Er umfasst den Wert und das Wohl des Menschen. Beide, der Wert des Menschen und das Wohl des Menschen, werden im Folgenden wegen ihrer grundlegenden Bedeutung für die Selbstverwirklichung als Leitziele der Selbstverwirklichung bezeichnet. Grundlage hierfür ist die Annahme und Überzeugung, dass jeder Mensch einen besonderen Wert darstellt und nach Wohlbefinden strebt und dass es bei der Selbstverwirklichung um die Achtung und Entfaltung des Menschenwerts und die Förderung des Menschenwohls geht.

B. Psychologische und ethische Seite der Leitziele

I. Psychologische Seite

Die psychologische Seite des Menschenwerts als Leitziel der Selbstverwirklichung betrifft die wesentlichen Eigenschaften und Fähigkeiten des Menschen, die ihn typischerweise von den anderen Lebewesen unterscheiden. Dies sind gegenüber den Tieren und Pflanzen seine Vernunft-, Moral- und Selbstbestimmungsfähigkeit, gegenüber den anderen Menschen seine Individualität, die sich in seinem Wollen, Können und Tun zeigt. Hier stellen sich etwa folgende Fragen: Welche besonderen Ziele verfolgt der Einzelne? Welche besonderen Eigenschaften, Talente und Fähigkeiten hat er, die ihn gegenüber anderen Menschen hervorheben? Wie geht er bei der Verfolgung seiner Ziele und der Anwendung seiner Fähigkeiten vor?

Die psychologische Seite des Menschenwohls als Leitziel der Selbstverwirklichung betrifft Fragen wie:

• Wann fühlt sich der Mensch wohl?

• Was gehört zu seinem Wohlsein?

• Welche Bedürfnisse, Interessen und Wünsche tragen zu seinem Wohlbefinden bei?

• Was kann er für sein Wohlbefinden tun?

II. Ethische Seite

Während es bei der psychologischen Seite der Selbstverwirklichung um das Sein, die wertungsfreie Feststellung geht, was ist, geht es bei der ethischen Seite um die Bewertung des Seins und damit um das Sollen. Warum soll ich die Leitziele verfolgen? Was macht ihren besonderen Wert aus?

Der besondere Wert des Menschen beruht auf der Sonderstellung, die jeder Mensch hat. Er ist ein Mensch, wie jeder andere Mensch. Er ist aber auch ein Individuum, wie kein anderer Mensch. Als Mensch hebt er sich von den niederen Lebewesen, wie den Tieren, im Wesentlichen durch seine Vernunft-, Moral- und Selbstbestimmungsfähigkeiten ab, die ihn in die Lage versetzen, über das Tierisch-Triebhafte und -Egoistische hinauszuwachsen und zu einer geistig-sittlichen und auch altruistischen Lebensführung zu gelangen. Als Individuum unterscheidet er sich von den anderen Menschen durch seine Individualität und damit Einmaligkeit im Sein, Wollen, Können und Tun. Jeder Mensch hat seine eigenen Fähigkeiten und Wünsche und setzt diese ganz verschieden um. Diese Sonderstellung jedes Einzelnen als Mensch und als Individuum macht seinen besonderen Wert gegenüber allen anderen Lebewesen aus. Sie beinhaltet zugleich den Auftrag, sich gemäß diesem Wert menschenwürdig zu verhalten. Hoffmeister führt hierzu aus: »Die Eigenschaften, die den Menschen ausmachen, sind ihm nicht nur von der Natur gegeben, sondern zugleich aufgegeben; sie verpflichten ihn dazu, dies wesentlich Menschliche als den Sinn und Zweck des Menschseins zu erkennen und bewusst zu bilden.«1 Das heißt zweierlei: Der Mensch soll seinen Wert erkennen, achten und unter Anwendung seiner Vernunft-, Moral- und Selbstbestimmungsfähigkeit entfalten und alles dafür Erforderliche und Zweckmäßige tun.2 Er soll wegen der Gleichheit der Menschen an Wert und Menschenrechten aber auch den Wert jedes Mitmenschen erkennen und achten.3

Im christlichen Denken wird der besondere Wert des Menschen nebst den sich daraus ergebenden Folgen mit der Gottesebenbildlichkeit des Menschen begründet. So heißt es im Alten Testament, Erstes Buch Mose 1,27: »Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn.« Ist der Mensch ein Ebenbild Gottes, dem Höchstwert des christlichen Glaubens, so hat er auch Anteil an dessen Wert und ist insoweit auch der höchste Wert auf Erden.4

Die Wertigkeit des Menschenwohls als Leitziel der Selbstverwirklichung ergibt sich bereits aus dem besonderen Wert des Menschen. Es wäre widersinnig, dem Menschen einen hohen Wert zuzusprechen, das Wohl des Menschen aber nicht als einen vom Menschen zu verfolgenden Wert, sondern als Nichtwert oder gar Unwert anzusehen. Insoweit kann das Menschenwohl auch als ein Annexwert des Menschenwerts bezeichnet werden. Dies entspricht auch der Natur des Menschen, nämlich seinem Streben nach Wohlbefinden. Jeder möchte Zeit seines Lebens zufrieden und glücklich sein. Der Dalai Lama stellt hierzu fest: »Je mehr ich von der Welt sehe, umso deutlicher wird mir, daß (sic) wir uns alle nach Glück sehnen und Leid vermeiden wollen (…). Es entspricht unserer Natur. Und darum braucht es keine Rechtfertigung.«5

Darüber hinaus ergibt sich der Wert des Menschenwohls auch aus dem Auftrag des Menschen, seinen Wert zu entfalten und alles hierfür Erforderliche und Zweckmäßige zu tun. Dazu zählt einmal die Aufgabe, für sein Wohl zu sorgen,6 denn der Erfolg der Wertentfaltung hängt nicht unwesentlich vom Wohlbefinden des Einzelnen ab. Hierzu zählt aber auch die Aufgabe, über sein Ego hinauszuwachsen und im Rahmen seiner Fähigkeiten und Möglichkeiten auch das Wohl anderer zu fördern.7 Für die Christen ergibt sich die Aufgabe, für das eigene Wohl und das Wohl der anderen zu sorgen, auch aus dem zentralen biblischen Gebot der Selbst- und Nächstenliebe: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.8

Abschließend lässt sich feststellen: Das Wohlbefinden gehört nach alledem zur Wertentfaltung des Menschen. Umgekehrt gehört aber auch die Wertentfaltung zum Wohlbefinden des Menschen, denn erst durch die Wertausrichtung erhält das Wohlbefinden seinen eigentlichen Wert. Beide Werte gehören also zusammen. Sie erhalten erst in ihrer Verbundenheit ihren vollen Wert als Leitziele der Selbstverwirklichung.

III. Folgerungen für die Selbstverwirklichung

Die Selbstverwirklichung muss beiden Seiten ihrer Leitziele gerecht werden, der psychologischen Seite genauso wie der ethischen. Es genügt also nicht, nur das zu verwirklichen, was man will und/oder kann oder was man soll. Bei der Selbstverwirklichung im hier verstandenen Sinne sind vielmehr sowohl das Sein, insbesondere das Wollen und Können, als auch das Sollen zu berücksichtigen. Individuelles Wollen und Können und generelles Sollen müssen somit im Einzelfall mithilfe von Vernunft, Gewissen und universellen Wertmaßstäben zur bestmöglichen Lösung verbunden werden.

Im Einzelnen ergeben sich aus der Wertigkeit des Menschen und seines Wohls für jeden folgende Aufgaben im Verhältnis zu sich selbst (dem Eigenbereich), im Verhältnis zum Mitmenschen (dem Nächstenbereich), im Verhältnis zur Gemeinschaft (dem Gemeinschaftsbereich) und im Verhältnis zur Umwelt (dem Umweltbereich):

• Im Eigenbereich hat jeder seinen Wert als Mensch und als Individuum zu erkennen, zu achten und in Ausübung seiner Vernunft-, Moral- und Selbstbestimmungsfähigkeit zu entfalten. Daneben hat er im Hinblick auf die Bedeutung des Wohlbefindens für seine Wertentfaltung auch für sein Wohl zu sorgen (Eigenwert- und Eigenwohlauftrag).

• Im Nächstenbereich hat er die Aufgabe, den Wert des Mitmenschen zu erkennen, zu achten und dessen Wohl in zumutbarer Weise zu fördern (Nächstenwert- und Nächstenwohlauftrag). Der Begriff des Nächsten wird hier und im weiteren Verlauf des Buches in Anlehnung an den Begriff der Nächstenliebe in einem weiten, jeden Mitmenschen umfassenden Sinn verstanden und nicht im Sinne eines besonders nahestehenden Menschen. Für die Aufgabe, den Wert jedes Mitmenschen zu achten - nicht jedoch zu entfalten, denn dies kann jeder nur für sich allein - spricht, dass alle Menschen in ihrem Menschsein gleichwertig und an Menschenrechten gleichberechtigt sind. Ein jeder kann seinen Wert nur dann ungestört entfalten, wenn auch jeder die Aufgabe hat, den Wert jedes anderen zu achten. Die Achtung im hier verstandenen Sinn besteht in einem Unterlassen und Dulden. Dem Mitmenschen soll kein Leid und Schaden zugefügt werden und seine Andersartigkeit im Sein, Wollen, Können und Tun soll geduldet werden, soweit dem nicht Rechte anderer entgegenstehen.

    Aus der Wertigkeit jedes Mitmenschen und der Aufgabe, bei der Selbstverwirklichung über sein Ego hinauszugehen und zu einer altruistischen Lebensführung zu gelangen, folgt richtigerweise aber noch ein Weiteres für den Menschen: Er soll den Wert und das Wohl des Mitmenschen nicht nur passiv dulden, sondern in zumutbarer Weise – das heißt im Rahmen seiner Fähigkeiten und Möglichkeiten sowie unter Berücksichtigung seiner übrigen Aufgaben – auch aktiv fördern, zum Beispiel in Form von angemessenem Mitgefühl und verdienter Anerkennung.9

• Im Gemeinschaftsbereich soll jeder den Wert der Gemeinschaft erkennen und achten und deren Wohl in zumutbarer Weise fördern (Gemeinschaftswert- und Gemeinschaftswohlauftrag).

• Im Umweltbereich soll er den Wert der Umwelt erkennen und achten und deren Wohl in zumutbarer Weise fördern (Umweltwert- und Umweltwohlauftrag).

Die Aufgaben im Gemeinschafts- und Umweltbereich beziehen sich zwar unmittelbar auf die Gemeinschaft beziehungsweise Umwelt, mittelbar jedoch auch auf die Menschen, für die die Gemeinschaft und Umwelt da sind und deren Existenzgrundlage bilden; denn hinter jeder Gemeinschaft stehen Menschen, für die sie ihrem Zweck nach sorgt, und ohne Gemeinschaft und gewisse Umweltbedingungen können wir uns nicht frei entfalten.

Ohne Achtung des Wertes der Gemeinschaft und der Umwelt und ohne Förderung des Gemeinschaftswohls und des Umweltwohls wäre die Förderung des eigenen und des fremden Wohls höchst unvollständig und die Entfaltung des eigenen Wertes nur in stark eingeschränktem Umfang (im Extremfall gar nicht) möglich. Die Achtung der Gemeinschaft und Umwelt und die Förderung von deren Wohl beinhalten also mittelbar auch eine Achtung des Menschenwerts und die Förderung des Menschenwohls und gehören damit eigentlich schon zur Achtung des Eigenwerts und Nächstenwerts beziehungsweise zur Förderung des Eigenwohls und des Nächstenwohls. Wegen ihrer besonderen Bedeutung für die Menschen werden die Achtung und Förderung der Gemeinschaft und der Umwelt hier jedoch als eigenständige Aufgaben behandelt. Auf diese Weise soll vermieden werden, dass der Wert und das Wohl der Gemeinschaft und der Umwelt aus dem Blickfeld geraten, was bei ihrer Behandlung als bloßer Teil des Eigen- und Nächstenwerts oder des Eigen- und Nächstenwohls sehr leicht der Fall sein kann.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass es bei der Selbstverwirklichung im hier verstandenen Sinne unmittelbar oder mittelbar stets um den Wert und das Wohl des Menschen geht. Jeder soll, was im zweiten Teil noch eingehend erläutert wird, seinen Wert erkennen, achten und entfalten und für sein Wohl sorgen. Jeder soll aber auch den Wert des Mitmenschen, der Gemeinschaft und der Umwelt erkennen und achten und deren Wohl in zumutbarer Weise fördern. Auf diese Weise soll – unabhängig von jeglicher Unterscheidung der Menschen nach Hautfarbe, Geschlecht, sozialer Stellung, kultureller, politischer oder religiöser Herkunft oder Überzeugung – der Gleichheit der Menschen an Wert und Menschenrechten und der Bedeutung der Gemeinschaft und Umwelt als ihrer Existenzgrundlage gebührend Rechnung getragen werden. Selbstverwirklichung in diesem Sinne hat also nichts mit rücksichtslosem Egoismus zu tun, sondern ist vielmehr eine Art Synthese von Egoismus und Altruismus aus individueller und sozialer Verantwortung.10

C. Praktische Bedeutung der Leitziele

Bedeutung für den Einzelnen

Die Leitziele sind für jeden Einzelnen bedeutsam, weil sie seinem natürlichen Streben nach Selbstentfaltung, Wohlbefinden und Gemeinschaft mit anderen Menschen entsprechen. Sie geben ihm das Recht auf Achtung und Förderung seines Werts und Wohls durch die anderen. Andererseits halten sie ihn dazu an, ein seinen geistigen, sittlichen und sozialen Fähigkeiten und Möglichkeiten entsprechend würdiges Leben zu führen, indem er seinen besonderen Wert erkennt, achtet und entfaltet und für sein Wohl sorgt und auch den Wert jedes Mitmenschen, der Gemeinschaft und der Umwelt erkennt und achtet und deren Wohl in zumutbarer Weise fördert.

Bedeutung für die Gemeinschaft

Auch für jede Gemeinschaft – angefangen bei der Partnerschaft über die Familie, die Formen der Interessengemeinschaften bis zur staatlichen und überstaatlichen Gemeinschaft – hat die Bestimmung des Menschenwerts und des Menschenwohls als Leitziele der Selbstverwirklichung eine große Bedeutung. Zum einen kommt es jeder Gemeinschaft vielfach zugute, wenn der Einzelne seinen besonderen Wert erkennt, achtet und entfaltet sowie für sein Wohl sorgt und außerdem den Wert des Mitmenschen, der Gemeinschaft und der Umwelt achtet und deren Wohl seinen Möglichkeiten entsprechend fördert. Zum anderen enthalten die Leitziele aber auch die Aufforderung an jede Gemeinschaft, ihrerseits den besonderen Wert jedes Menschen zu erkennen und zu achten und dessen Wohl im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu fördern.

Die Leitziele für den Einzelnen sind also auch Leitziele für die Gemeinschaft. Dies gilt besonders für die staatliche Gemeinschaft und hier vor allem für die Bildungspolitik (Vorschul-, Schul-, Lehrer- und Erwachsenenbildung). Wir brauchen nicht nur eine Kultur der Freiheit, wie sie Di Fabio in seinem gleichnamigen Buch fordert, sondern vor allem eine Kultur der Menschenwürde, in der dem Wert und Wohl eines jeden Menschen eine herausragende Stellung zukommt.

Hieran zu arbeiten ist nicht nur Aufgabe jedes Einzelnen, sondern auch der Gesellschaft und damit der Politik. Erkenntnisse des Wissens und der Weisheit, die mühselig über Jahrtausende angesammelt wurden, müssen nicht von jedem immer wieder neu entdeckt werden.

Für die in unseren Ausbildungswegen vorgesehene Wissensvermittlung ist das selbstverständlich. Sie wird von Generation zu Generation von dafür ausgebildeten Lehrkräften in systematisch aufbereiteter Form geleistet.

Für die Vermittlung von Weisheit und Lebenskunst ist dies leider nicht der Fall. Hier lässt die Gesellschaft den Einzelnen weitgehend im Stich. Die Familie, so wichtig sie auch für die Persönlichkeitsbildung des Einzelnen ist, kann diese Aufgabe in der Regel nicht ausreichend erfüllen. Keiner käme auf die Idee, die Schulpflicht abzuschaffen und die herkömmliche Wissensvermittlung allein dem Elternhaus zu überlassen. Bei der Vermittlung von Lebenskunst sieht es dagegen anders aus. Der Staat versagt sich hier dem Einzelnen weitgehend. Ein Schulfach Lebensweisheit oder Lebenskunst gibt es nicht. Das Schulfach Religion streift diesen Bereich, hat aber letztlich eine andere Zielrichtung und differenziert je nach Glaubensvorstellung, statt zu verbinden. Ebenso kann in dem Schulfach Philosophie oder Ethik, soweit es überhaupt angeboten wird, wegen seines Umfangs und der hierfür vorgesehenen geringen Zeit nicht genügend spezifiziert auf diese Thematik eingegangen werden. Solange das so bleibt, geht es in der Politik nicht um Ursachenbehandlung, sondern um die viel kostenintensivere und oft unzulängliche Symptombehandlung, wie zum Beispiel in der Arbeits-, Sozial-, Sicherheits- und Kriminalpolitik.

Wir brauchen Menschen, die sich ihres Werts und des Werts jedes anderen Menschen sowie des Werts der Gemeinschaft und der Umwelt bewusst sind und sich eigenverantwortlich für ihr Wohl und das Wohl der Mitmenschen, der Gemeinschaft und der Umwelt einsetzen. Hierfür müssen wir an der Wurzel, also bei der Jugend, anfangen und ihr das über Jahrtausende angesammelte Wissen an Lebenskunst und Weisheit systematisch aufbereitet durch hierfür ausgebildete Fachkräfte vermitteln, dieses Wissen ständig verbessern und weiterentwickeln und wie bei der herkömmlichen Wissensvermittlung von Generation zu Generation weitergeben. Dies ist eine grundlegende Aufgabe der staatlichen Gemeinschaft, die sich aus ihrer allgemeinen Achtungs- und Förderungspflicht gegenüber den Menschen ergibt.

Bedeutung für die multikulturelle Gesellschaft

Die große praktische Bedeutung des Menschenwerts und des Menschenwohls als Leitziele der Selbstverwirklichung zeigt sich schließlich auch im Hinblick auf die Globalisierung und das damit verbundene Phänomen der multikulturellen Gesellschaft.

Die multikulturelle Gesellschaft braucht eine Wertebasis, die unabhängig von den kulturellen und religiösen Unterschieden der zu ihr gehörenden gesellschaftlichen Gruppen ist und von allen redlich denkenden Mitgliedern der Gesellschaft auch angenommen werden kann. Als solcher, die berechtigten Interessen jedes Einzelnen als auch der Gesellschaft berücksichtigender Maßstab bietet sich vor allem der Gesichtspunkt der Gleichheit aller Menschen an Wert und Rechten an – Gleichwertigkeit im Menschsein und Gleichberechtigung an Menschenrechten – mit dem sich daraus ergebenden Gebot der Achtung und Förderung des Wertes und Wohles jedes Menschen.

Schenkt jeder sowohl dem eigenen Wert und Wohl als auch dem Wert und Wohl jedes Mitmenschen die gebotene Achtung und Förderung, so ist dies ein hervorragendes Mittel für die Selbstentfaltung und Steigerung des Eigenwohls und für die Förderung des sozialen Friedens. Es ist damit zugleich das beste Mittel gegen einen Mangel an Selbstwertgefühl und Eigenverantwortung, gegen ein Defizit an Gemeinschaftssinn und Sozialverantwortlichkeit und auch gegen Intoleranz, Rassismus, Fanatismus, Terrorismus, Unterdrückung, Krieg, Ausbeutung und soziale Gleichgültigkeit. Der Dalai Lama fordert deshalb: »Was wir heute brauchen, ist eine ethische Grundlage, die sich nicht auf Glaubenssysteme bezieht und daher sowohl für religiöse als auch für nichtreligiöse Menschen annehmbar ist: eine säkulare Ethik.«11 An einer anderen Stelle nennt er diese Ethik, die über alle religiösen und kulturellen Eigenheiten hinaus geht, auf universellen menschlichen Prinzipien beruht und in der sich alle Menschen wiederfinden können, eine »humanistische Ethik.«12 Will man noch stärker auf den Inhalt dieser Ethik abstellen, so könnte man sie auch als Ethik der Menschenwürde13 oder Ethik des Menschenwerts und Menschenwohls bezeichnen.

In die gleiche Richtung wie die Forderung des Dalai Lama gehen die Ausführungen von Huber zu dem Verhältnis von Ethik und Politik. Danach hat der Staat die Aufgabe, unterschiedlichen religiösen und weltanschaulichen Positionen seiner Bürger gerecht zu werden, was jedoch nur möglich ist, wenn die verschiedenen Positionen einen gemeinsamen Bezugspunkt haben. Als diesen zentralen Wert, so stellt Huber fest, würden mit wachsender Deutlichkeit die allen Menschen zukommende Menschenwürde und die aus ihr folgende Gleichheit der Verschiedenen anerkannt.14

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass sich der Wert und das damit eng verbundene Wohl des Menschen wegen ihrer großen praktischen Bedeutung für den Einzelnen, die Gemeinschaft und die multikulturelle Gesellschaft sehr gut als Leitziele der Selbstverwirklichung eignen.15

D. Zugrunde liegendes Menschenbild

Den beiden Leitzielen liegt ein Menschenbild zugrunde, das man als ein humanistisches Menschenbild bezeichnen kann.

Charakteristisch für dieses Menschenbild ist der Vorrang des Menschen. Im Zentrum der Betrachtung steht der Mensch mit seinem Wert und Wohl. Dies ist der Gegenstand und das Ziel der Selbstverwirklichung. Hierzu gehören der eigene Wert und das eigene Wohl, aber auch der Wert und das Wohl jedes Mitmenschen und wegen ihrer Bedeutung für die Menschen auch der Wert und das Wohl der Gemeinschaft und Umwelt. Die Selbstverwirklichung soll also dem Menschen und der Menschheit in umfassender Weise dienen. Das Leben wird hierbei nicht nur als ein Recht, sondern auch als eine Aufgabe, die der Mensch erfüllen soll, angesehen.16 Die Freiheit des Einzelnen findet beim humanistischen Menschenbild seine immanente Grenze im Wert und der Freiheit jedes anderen.

Dieses Menschenbild unterscheidet sich wesentlich von einem individualistischen und einem sozialistischen Menschenbild. Beim individualistischen (oder egozentrischen) Menschenbild steht das Ich mit seinem Wert und Wohl im Zentrum der Betrachtung. Ziel und Gegenstand der Selbstverwirklichung sind der Eigenwert und das Eigenwohl des Einzelnen. Der Wert und das Wohl des Mitmenschen sowie der Gemeinschaft und Umwelt werden hier nur in dem engen Rahmen beachtet, in dem der Einzelne dies zu seinem eigenen Nutzen für opportun oder notwendig hält. Beim sozialistischen (oder soziozentrischen) Menschenbild hat nicht jeder Mensch oder das einzelne Individuum, sondern die Gemeinschaft Vorrang. Im Zentrum steht das Kollektiv mit seinen Interessen und Bedürfnissen, zum Beispiel die Familie, die Kultur- oder Religionsgemeinschaft, der Stamm, der Staat oder die Nation. Die Gemeinschaft gibt dem Einzelnen in Form von Traditionen, Normen und Gesetzen wesentliche Ziele für seine Lebensgestaltung vor (zum Teil auch hinsichtlich der Wahl des Berufs und Ehepartners oder der Zahl und Erziehung der Kinder) und überwacht deren Einhaltung über ein differenziertes Sanktionssystem bis hin zum Ausschluss aus der Gemeinschaft. Gegenstand und Ziel der Selbstverwirklichung sind der Wert und das Wohl der Gemeinschaft. Die Selbstverwirklichung steht im Dienst der Gemeinschaft. Grund für die Begrenzung der individuellen Freiheit ist nicht der Schutz der individuellen Freiheit der anderen, sondern die Sicherung der Interessen der Gemeinschaft. Das Gemeinwohl geht dem Eigenwohl vor.17

Zweiter Teil: AUFGABEN

Im vorhergehenden Teil wurden der Wert und das Wohl des Menschen als die wesentlichen Leitziele der Selbstverwirklichung herausgestellt. Zugleich wurde auf die sich hieraus ergebenden Aufgaben des Menschen hingewiesen: Er soll seinen Wert erkennen, achten, entfalten und für sein Wohl sorgen (Eigenwert- und Eigenwohlauftrag). Er soll weiter den Wert des Mitmenschen erkennen und achten und dessen Wohl in zumutbarer Weise fördern (Nächstenwert- und Nächstenwohlauftrag). Er soll ferner den Wert der Gemeinschaft erkennen und achten und deren Wohl in zumutbarer Weise fördern (Gemeinschaftswert- und Gemeinschaftswohlauftrag). Er soll letztlich den Wert der Umwelt erkennen und achten und deren Wohl in zumutbarer Weise fördern (Umweltwert- und Umweltwohlauftrag).

Diese vier Aufgaben der Selbstverwirklichung sind die großen Aufgaben, die das Leben uns stellt.

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