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Wo Träume wahr werden: Lustvolle Fantasien

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Alle Rechte, einschließlich das der vollständigen oder auszugsweisen Vervielfältigung, des Ab- oder Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten und bedürfen in jedem Fall der Zustimmung des Verlages.

Der Preis dieses Bandes versteht sich einschließlich der gesetzlichen Mehrwertsteuer.

Janelle Denison

Wo Träume wahr werden: Lustvolle Fantasien

Aus dem Amerikanischen von Christian Trautmann

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PROLOG

„Hier ist die Werbeanzeige für die diesjährige Wohltätigkeitsaktion auf Wild Fantasy, die Sie sich noch einmal ansehen wollten.“

Lächelnd nahm Merrilee Schaefer-Weston die Unterlagen von ihrer Assistentin entgegen. „Sehr gut. Danke, Danielle.“

Die Augen der jungen Frau leuchteten begeistert. „Wenn die früheren Jahre ein Anhaltspunkt sind, wird diese Veranstaltung ein voller Erfolg.“

Merrilee nickte. Sie war ebenso optimistisch. „Das hoffe ich.“

Danielle verließ das Büro, um sich anderen Aufgaben zu widmen, und Merrilee lehnte sich zurück, um die Überschrift der Anzeige zu lesen: Wild Fantasy. Wo alles geht und alles möglich ist.

Einschließlich der Liebe, dachte Merrilee. Ja, die ganz besonders.

Vor drei Jahren hatte sie festgestellt, dass sie aufgrund des enormen Erfolges ihrer Ferienanlagen – Fantasies Inc. – und der Erbschaft, die ihr Mann ihr hinterlassen hatte, über mehr Geld verfügte, als sie ausgeben konnte. Folglich hatte sie sich entschlossen, auf einer ihrer Urlaubsinseln etwas anderes auszuprobieren: einen Urlaub, der nicht nur ihren Gästen zugutekommen würde, sondern auch dem Leben anderer Menschen. Daraus entstand die Idee eines Wettkampfes für wohltätige Zwecke. Von den vier Inselrefugien, die sie besaß, schien ihr Wild Fantasy der perfekte Ort dafür zu sein.

Die Regeln waren einfach und klar. Singles taten sich zu Paaren zusammen, um eine Woche lang abenteuerliche Spiele zu absolvieren mit dem Ziel, Punkte zu sammeln und am Ende Geldpreise zugunsten einer bestimmten Wohltätigkeitsorganisation zu gewinnen. Zwar ging es vorrangig darum, sich zu amüsieren und mit seinem Partner auseinanderzusetzen, doch wuchs mit jedem gewonnenen Wettkampf der Schwierigkeitsgrad der Aufgaben. Beide Partner mussten daher zum Erreichen der Ziele zusammenarbeiten, oder sie hatten keine Chance.

Während des Wettkampfs entdeckten die meisten Leute ganz neue Seiten an sich. Körperliche Kräfte, auf die sie bisher nie angewiesen waren, und die innere Kraft, emotionale Schwächen zu überwinden.

Merrilees größte Hoffnung war, dass jeder ihrer Gäste die Insel mit neuem Respekt vor seinen eigenen individuellen Fähigkeiten und einem gewissen Stolz für das im Wettbewerb Erreichte verließ. Außerdem wünschte sie sich, dass ihre Gäste eine engere Verbindung zu ihrem Teampartner aufbauten. Manchmal wurde Liebe daraus, manchmal gingen die Paare auch nach den Wettkämpfen als gute Freunde auseinander.

Merrilee hatte viele Briefe erhalten von den Gästen, die an der Wild-Fantasy-Wohltätigkeitswoche teilgenommen hatten, in denen sie ihr nicht nur für ihre Großzügigkeit dankten, sondern auch dafür, dass sie jemand Besonderes in ihr Leben gebracht hatte. Seelenverwandte hatten sich kennengelernt und wollten auch nach dem Urlaub zusammenbleiben.

Merrilee seufzte. Sie wusste genau, wie es war, sich mit jemandem verbunden zu fühlen, der ein Teil der eigenen Seele war. Für sie war das Charlie Miller gewesen, der Mann, der ihr Herz erobert hatte und dann in Vietnam gestorben war, ehe sie ein gemeinsames Leben beginnen konnten. Der persönliche Verlust hatte eine tiefe Leere in ihr hinterlassen, die auch ihre Ehe mit Oliver Weston nicht hatte ausfüllen können.

Die Erinnerung an Charlie Miller lenkte ihre Gedanken auf C.J. Miller, den neuen Piloten von Fantasies, Inc., den sie kaum je zu Gesicht bekam. Dieser Mann weckte ein Verlangen in ihr, das sie seit unzähligen Jahren nicht mehr empfunden hatte. Gedankenverloren berührte sie die Kette mit dem herzförmigen Rubin, ein Geschenk eines heimlichen Verehrers, den sie ebenso wenig zu sehen bekam wie C.J. Miller.

Wild Fantasy. Wo alles geht und alles möglich ist.

Der Slogan ging Merrilee durch den Kopf und spornte ihre Fantasie an. Vielleicht war es für sie an der Zeit, herauszufinden, was möglich war und wer C.J. Miller eigentlich war.

Aufgeregt gab sie per Unterschrift ihre Zustimmung zu der Anzeige und heftete eine Notiz für Danielle daran, deren Wortlaut sie auch zu ihrem Motto machte: Lasst die Fantasie beginnen.

1. KAPITEL

Er würde die wilde honigblonde Mähne und den fantastischen Körper überall wiedererkennen.

Mitch Lassiter beobachtete die langbeinige Schönheit, die der Hostess durch den gut besuchten Restaurantbereich des Country Clubs folgte, wo er mit seiner Mutter zum Lunch verabredet war. In ihrem korallenroten Kleid, das ihre Bräune und ihre schlanke, athletische Figur hervorhob, zog sie mühelos die Aufmerksamkeit aller Männer auf sich.

Ihr Gang war selbstbewusst, ihr Hüftschwung von natürlicher Anmut. Sie quittierte die anerkennenden Blicke mit einem freundlichen Lächeln. Doch trotz ihrer Freundlichkeit und Wärme hatte sie etwas Unnahbares an sich, sodass Mitch sich immer wieder fragte, wie ihr wahres Gesicht hinter ihrer gelassenen, selbstbewussten Fassade aussah.

Nicole Britton. Unerschrocken und temperamentvoll, sexy wie die Sünde und mit einem enormen Ehrgeiz gesegnet. Mitch kannte sie, seit sich ihre Mütter vor sieben Jahren miteinander angefreundet hatten. Die Zielstrebigkeit, mit der sie ihre Ziele verfolgte, war ihm vor ein paar Jahren bei einem Familienfest aufgefallen, als sie ihn zu einer Partie Billard aufgefordert hatte. Für sie hatte nur der Sieg gezählt. Sie hatte energisch, aber beherrscht gespielt. Und sie hatte ihn abgelenkt, indem sie mit ihm flirtete. Am Ende hatte sie drei Mal hintereinander gewonnen.

Trotz seiner Niederlage war es einer der schönsten Abende seit Langem gewesen. Sein Autohandel und seine Verpflichtungen gegenüber der Familie hatten ihn seit dem Tod seines Vaters ganz in Anspruch genommen, sodass ihm keine Zeit für Vergnügungen oder gar eine Liebesbeziehung geblieben war. An jenem Abend aber hätte er beinah der unleugbaren Anziehung zwischen ihnen nachgegeben und Nicole um eine Verabredung gebeten. Aber dann war ihm aufgefallen, dass ihre Mütter sie ein wenig zu interessiert beobachteten. Es wäre ein Fehler gewesen, sie glauben zu lassen, die Bekanntschaft zwischen ihm und Nicole könnte zu etwas Ernstem und Dauerhaftem führen.

Damals war Mitch nicht auf der Suche nach einer festen Bindung gewesen. Nicole ebenfalls nicht. Ihre unbekümmerte, unverbindliche Art nach dem Ende ihrer Beziehung mit einem aufstrebenden Mitglied des Stadtrats ein Jahr zuvor deutete zumindest nicht darauf hin. Im Bruchteil einer Sekunde war ihm klar geworden, welche Belastung es für die Freundschaft ihrer Mütter darstellen würde, wenn es zwischen ihm und Nicole nicht klappte. Hinzu kamen die Erwartungen, die man im Fall einer Beziehung in sie setzen würde. Nach diesen Überlegungen war er zu dem Entschluss gekommen, sich mit einem lockeren, freundschaftlichen Verhältnis zu ihr zu begnügen.

Diese Entscheidung hatte ihn jedoch nicht davon abgehalten, sie zu begehren. Und es hatte Nicoles Neigung nicht gebremst, mit ihm zu flirten und ihn zu necken, wann immer sie zusammen waren – was die sexuelle Spannung zwischen ihnen noch erhöhte.

Mitch verdrängte gerade diese Gedanken, als Nicole den Kopf in seine Richtung drehte, wodurch ihre schulterlangen, seidig schimmernden Haare in Bewegung gerieten. Mit ihren lebhaften grünen Augen suchte sie den Raum ab und hielt abrupt inne, als sie ihn entdeckte, nur Sekunden, bevor die Hostess vor seinem Tisch stehen blieb.

Ein erstauntes Lächeln erschien auf ihrem Gesicht. „Nanu, du hier, Mitch?“

Er erwiderte das Lächeln und fühlte schon wieder das erotische Knistern zwischen ihnen, das sofort entstand, sobald sie sich trafen. „Schön, dich wieder zu sehen, Nicole.“

Es war wirklich schön. Sie sah nicht nur umwerfend sexy aus, sondern duftete auch betörend nach Aprikosen.

Mitch hatte Mühe, seine Aufmerksamkeit auf die Hostess zu richten. „Ich bin hier mit meiner Mutter zum Lunch verabredet, Heather. Ich fürchte, Sie haben Miss Britton zum falschen Tisch geführt.“

„Oh nein, Mr Lassiter.“ Die junge Frau legte eine weitere Speisekarte auf den Tisch. „Ihre Mutter und Mrs Britton haben einen gemeinsamen Tisch bestellt und mich gebeten, Sie beide schon hinzuführen, falls Sie vor ihnen da sind.“

Mitch schaute Heather nach, die in den vorderen Teil des Restaurants zurückging. „Das ist ja interessant“, murmelte er und richtete den Blick auf seine Tischgenossin.

Nicole wirkte ebenso perplex wie Mitch, nahm jedoch neben ihm Platz. „Das kann man wohl sagen. Eigentlich war ich mit meiner Mutter zum Lunch verabredet.“ Sie hängte ihre Handtasche über die Stuhllehne. „Sie hat mich heute Morgen angerufen und gesagt, sie müsste etwas Wichtiges mit mir besprechen.“

„Das Gleiche hat meine Mutter auch zu mir gesagt“, entgegnete er. „Ich kann mir nicht vorstellen, was die beiden im Schilde führen.“

Ein freches Funkeln trat in ihre Augen, während sie die Stimme zu einem heiseren, Flüstern senkte, das nur für seine Ohren bestimmt war. „Wir beide allein, das wäre es doch viel vergnüglicher, findest du nicht?“

Es durchströmte ihn heiß bei ihren Worten, und obwohl er wusste, dass sie wie üblich nur mit ihm herumflachste, ging er darauf ein. „Oh, ganz sicher. Was hältst du davon, wenn wir uns zur Hintertür hinausschleichen und unseren Hunger irgendwo stillen, wo wir ungestört sind?“

„Hm.“ Sie legte die Hand unters Kinn und tat, als dächte sie ernsthaft über seinen Vorschlag nach. „Das klingt verlockend. Allerdings glaube ich nicht, dass unsere Mütter über den Klatsch erfreut sein würden, den wir damit zweifellos auslösen würden.“

Er lachte. „Dein rebellischer Ruf eilt dir voraus, Nicole. Normalerweise schreckst du doch nicht vor Dingen zurück, die für Klatsch und Spekulationen sorgen.“

„Wer? Ich?“, rief sie unschuldig und befeuchtete sich die Lippen mit der Zunge, sodass Mitch sich unwillkürlich vorstellte, sie zu küssen. „Wie kommst du denn darauf?“

Er lehnte sich zurück und verschränkte die Arme vor der breiten Brust. „Na, mal sehen. Wie war es zum Beispiel vor drei Jahren, als du dich rundheraus geweigert hast, das äußerst großzügige Angebot deines Vaters anzunehmen, dich als Rezeptionistin in seiner Arztpraxis anzustellen?“

Sie verdrehte die Augen. „Du liebe Zeit! Dieses äußerst großzügige Angebot war der Versuch meiner Eltern, ein nettes, normales Mädchen aus mir zu machen, in einem netten, traditionellen Beruf, der für jemanden geeignet ist, der sanftmütiger und liebenswürdiger ist als ich.“ Sie schüttelte sich.

„Und da du kein nettes, normales Mädchen bist, hast du dir stattdessen einen Geschäftspartner gesucht und alle mit der Gründung deines eigenen Unternehmens für Sportbegeisterte geschockt.“ Auch ihren damaligen Freund, das Mitglied des Stadtrates. „All Seasons Outdoor Adventures, heißt es nicht so?“

Nach allem, was er wusste, stellten sie und ihr Partner, Guy Jacobs, nicht nur Abenteuer-Urlaube zusammen, sondern arbeiteten außerdem noch als Führer bei Wanderungen, Klettertouren, Wildwasserfahrten und sonstigen waghalsigen Unternehmungen.

„Ja, das stimmt alles.“ Sie hob das Kinn. „Das Unternehmen ist sehr erfolgreich. Nicht, dass mein Vater diesen Erfolg jemals zur Kenntnis genommen hätte.“

Aus irgendeinem Grund war ihr die Anerkennung ihres Vaters offenbar wichtig, auch wenn sie so tat, als sei das nicht der Fall. Der schmerzliche Unterton war kaum zu merken, aber er war da. Das konnte auch ihr gleichgültiges Schulterzucken nicht überspielen. Offensichtlich verbarg sich hinter ihrer glatten Fassade eine sehr verletzliche Persönlichkeit.

„Ich kann mir dich ebenfalls nicht als Rezeptionistin vorstellen“, sagte Mitch.

„Danke.“ Sie strahlte, als hätte er ihr ein großes Kompliment gemacht. Rasch trank sie einen Schluck Wasser. „Du kennst mich besser, als ich dir zugetraut hätte.“

Und er wollte sie unbedingt noch besser kennenlernen.

Nicole beugte sich überraschend vor und legte ihre Hand auf seine. Sofort beschleunigte sich Mitchs Puls, und ihre weichen Fingerspitzen, kühl vom Wasserglas, das sie gerade berührt hatte, verursachten ein Prickeln auf seiner Haut.

Ihr sinnlicher Mund verzog sich zu einem mutwilligen Lächeln. „Wollen wir jetzt wie Liebende Hand in Hand aus diesem spießigen Country Club verschwinden und unsere Mütter ihre eigenen Schlüsse ziehen lassen?“ Sie zog ihre perfekt geschwungenen Brauen hoch. „Das könnte sehr amüsant sein.“

Mitch zwinkerte ihr zu. „Ich bin überzeugt, du könntest einen Heiligen zur Sünde verleiten. Wenn unsere Mütter nicht in diesem Augenblick in unsere Richtung kämen, würde ich dich beim Wort nehmen und herausfinden, wie weit du dein Spielchen wohl treiben würdest.“

Bei der Erwähnung ihrer Mütter zog sie ihre Hand zurück und seufzte bedauernd. „Ich fürchte, darauf werden wir verzichten müssen.“

Er grinste vielsagend. „Diesmal jedenfalls.“

Nicole studierte ihre Speisekarte, war jedoch unfähig, sich zu konzentrieren. Während ihre Mutter und Joyce Lassiter über den fantastischen Schlussverkauf bei Bloomingdales heute Morgen plauderten, der auch der Grund war, weshalb sie sich verspätet hatten, drehten sich Nicoles Gedanken um aufregendere Dinge. Wie zum Beispiel um den anziehenden Mann neben ihr und die verräterische Reaktion ihres Körpers auf seine Berührung.

Sie atmete tief durch, was jedoch nicht half, ihre Erregung zu dämpfen. Mitch Lassiter gelang es stets, sie aus der Fassung zu bringen und auf eine Art zu beunruhigen, wie es noch keinem Mann vor ihm gelungen war. Er besaß die Fähigkeit, sie mit einem einzigen Blick zu erregen, einem charmanten Lächeln oder einfach nur mit seiner tiefen, klangvollen Stimme. Nicht, dass sie ihm dieses Geheimnis jemals anvertrauen würde.

Ihr Privatleben war genau so, wie sie es haben wollte, frei von den Einschränkungen und den komplizierten Emotionen, mit denen sie den Großteil ihrer Kindheit und Jugend zu kämpfen gehabt hatte. Das einzig Frustrierende war die Tatsache, dass ihre Eltern sie ständig mit ihrem jüngeren Bruder verglichen. Robert, der daran arbeitete, ein erfolgreicher Orthopäde zu werden, hatte vor Kurzem geheiratet – natürlich ein „nettes, normales Mädchen“ – und würde demnächst Vater werden. Da Nicole die Ältere war und die einzige Tochter, drängten ihre Eltern sie seit Jahren, zu heiraten. Wenn es nach ihnen gegangen wäre, hätten sie sich für ihren Exfreund, Jonathan Gaines, entschieden. Als reicher Abgeordneter mit gesellschaftlichen Verbindungen war Jonathan exakt die Art von Mann, den ihre Eltern zu gern zum Schwiegersohn gehabt hätten.

Unglücklicherweise hatte Nicoles Meinung in dieser Sache keine große Rolle gespielt. Während ihre Beziehung zu Jonathan eher angenehm als aufregend gewesen war und sie seine Gesellschaft und seine Intelligenz geschätzt hatte, hatte er seinerseits bestimmte Erwartungen an sie gehabt. Erwartungen, die sie nicht erfüllen konnte. Wie alle anderen in ihrer Familie hatte er weder ihre Unternehmensgründung noch ihre Ideale gebilligt. Er nahm es ihr übel, dass sie einen großen Teil ihrer Zeit in All Seasons Outdoor Adventure investierte. Die Trennung hatte sie einerseits zwar erleichtert, ihr andererseits aber auch schmerzlich vor Augen geführt, dass Männer ihre Selbstständigkeit und ihren Ehrgeiz einschüchternd fanden.

Zusätzlich hatte sie mit dem Erstaunen ihrer Eltern über die Trennung von Jonathan zurechtkommen müssen. Besonders ihr Vater war enttäuscht gewesen. Er warf ihr vor, eine vielversprechende Zukunft für etwas sausen zu lassen, was er als „Männersache“ bezeichnete. Die Trennung war für ihn nur eine weitere Enttäuschung in einer langen Reihe ähnlicher Vorkommnisse.

Doch trotz ihrer Vergangenheit und tieferer, unbefriedigter Sehnsüchte würde sie für niemanden ihre schwer erkämpfte Unabhängigkeit aufgeben. Nicht einmal für Mitch. Gegen ein bisschen Flirten war nichts einzuwenden, und solange ihre Begegnungen mit Mitch nicht über harmlose Neckereien hinausgingen, würde sie sich auch dabei wohlfühlen.

Von diesem Gedanken beruhigt, entschied sie sich für ein Sandwich und einen Eistee. Dann legte sie ihre Speisekarte auf den Tisch und wartete auf den Kellner. Alle vier bestellten, und nachdem der Kellner zum nächsten Tisch gegangen war, nahm Nicole ihre Leinenserviette, breitete sie auf ihrem Schoß aus und wandte sich an die beiden Mütter.

„Was war denn nun so wichtig, dass wir vier uns zum Lunch treffen mussten?“, fragte sie.

Die älteren Frauen tauschten einen aufgeregten Blick. Rhea sprach als Erste. „Wir haben euch beide heute hierher bestellt, um euch um eure Hilfe für unsere Aktion zur Früherkennung von Brustkrebs zu bitten.“

Mitch richtete sich sofort besorgt auf. „Ist alles in Ordnung mit dir, Mom?“

Nicole wartete ebenso gespannt auf Joyce’ Antwort, denn bei Mitchs Mutter war vor sieben Jahren Brustkrebs diagnostiziert worden. Obwohl sie die Krankheit überstanden hatte, bestand immer die Möglichkeit des Wiederauftretens. Nicole wusste das alles nur zu gut, da die Schwester ihrer Mutter, Andrea, an der Krankheit gestorben war. Ihre Mutter und Joyce hatten zur gleichen Zeit eine Selbsthilfegruppe besucht und waren seither die besten Freundinnen. In ihrer Freizeit, über die beide reichlich verfügten, sammelten sie Geld für den wohltätigen Zweck, der ihnen am meisten am Herzen lag.

„Mir geht es ausgezeichnet, Mitch“, versicherte sie mit einem strahlenden Lächeln. Mitchs Erleichterung war beinah fühlbar. „Diese Bitte kommt nicht von mir persönlich, sondern von unserer Organisation.“

Als der Kellner ihre Drinks brachte, lehnte Mitch sich wieder zurück. „Du weißt, dass ich alles tun werde, um einen guten Zweck, der dir so sehr am Herzen liegt, zu unterstützen.“

Joyce’ Gesicht spiegelte mütterliche Zuneigung wider. Für eine Frau Ende Fünfzig, die schon viele Höhen und Tiefen erlebt hatte – nicht nur die Krebserkrankung, sondern auch den Tod ihres Mannes – sah sie immer noch lebenssprühend und schön aus. „Ich wusste, dass ich auf dich zählen kann, mein Lieber.“ Sie tätschelte ihrem Sohn die Hand.

„Du weißt, dass für mich das Gleiche gilt, Mom.“ Nicole presste eine Zitronenscheibe aus und gab den Saft in ihren Eistee. „Was brauchst du? Eine Spende von All Seasons? Oder soll ich eine bestimmte Veranstaltung sponsern?“

„Das Angebot weiß ich zu schätzen“, sagte Rhea und nippte vorsichtig an ihrem Kräutertee. „Aber hier geht es um etwas, was ihr beide für die Organisation tun sollt.“

Nicole und Mitch sahen sich erstaunt an.

„Könntet ihr uns dazu Genaueres sagen?“, fragte Mitch.

„Selbstverständlich.“ Joyce tupfte sich den Mund mit ihrer Serviette ab. „Rhea und ich sind auf eine Anzeige in der Denver Post gestoßen, in der ein Wettkampf zugunsten von wohltätigen Zwecken vorgestellt wird, und wir dachten sofort, wie toll es wäre, wenn ihr beide unsere Organisation repräsentieren würdet.“

„Und weiter?“, fragte Mitch misstrauisch.

Rhea spießte mit ihrer Gabel eine Tomate in ihrem Salat auf und fuhr an Joyce’ Stelle fort: „Es gibt da diese Urlaubsinsel an der Südküste von Florida. Sie heißt Wild Fantasy, und dort findet jedes Jahr ein Wettkampf statt. Der Hauptgewinn sind hunderttausend Dollar, die von den Siegern für eine Organisation oder einen guten Zweck ihrer Wahl gespendet werden.“

„Und ihr wollt, dass wir da mitmachen?“, meinte Mitch.

Joyce nickte begeistert. „Exakt. Die Teilnehmer müssen Singles sein und in verschiedenen Wettkämpfen gegeneinander antreten. Die besten drei Teams erhalten einen Geldpreis.“

„Hört sich an, als sei das was für mich“, gab Nicole zu, bereits fasziniert von der Idee. „Und ich erfülle beide Voraussetzungen.“

Mitch warf ihr einen amüsierten Blick zu. „Stimmt, du bist Single und liebst Wettkämpfe.“

Sie grinste. „Und ich bin stolz auf beides, wie ich hinzufügen möchte.“

„Ihr seid beide bestens qualifiziert. Wenn ihr mitmacht, haben wir sehr gute Chancen, das Geld für die Aktion zur Förderung der Früherkennung von Brustkrebs zu gewinnen.“ Joyce nahm sich ein Brötchen aus dem Brotkorb, brach es auf und bestrich beide Hälften mit Butter. „Aber es handelt sich nicht nur um einen Wettbewerb und eine Wohltätigkeitsveranstaltung. Es ist außerdem eine Pauschalreise. Ihr zwei werdet euch also in jedem Fall amüsieren.“

Mitch hielt, die Gabel voll Pasta, auf halbem Weg zum Mund inne und starrte seine Mutter an. „Würdest du mir bitte erklären, was das mit der Pauschalreise zu bedeuten hat?“

Joyce winkte ab, als seien die Details nicht wichtig. „Wild Fantasy erfüllt in erster Linie die Fantasien seiner Gäste“, erklärte sie. „Und da Fantasies, Inc. die Veranstaltung sponsert, kommen alle Teilnehmer in den Genuss der üblichen Annehmlichkeiten, die die Insel Urlaubern zu bieten hat. Laut Broschüre und den Informationen, die Rhea und ich vom Reisebüro erhalten haben, ist dieser Ort geradezu ein Paradies.“

Ein Ferienparadies, das die Erfüllung der geheimsten Wünsche der Gäste versprach, das klang toll. Nicoles Fantasie arbeitete bereits auf Hochtouren. Auf keinen Fall wollte sie sich die Gelegenheit entgehen lassen, eine Woche Spaß, Sonne und Entspannung pur zu genießen … und Wettkämpfe – welcher Art auch immer – mit Mitch. „Ich finde, das hört sich großartig an“, verkündete sie. „Ich habe seit über einem Jahr keinen Urlaub mehr gemacht und kann sicher mit Guy absprechen, dass mich jemand in der Zeit vertritt.“ Sie sah fragend zu Mitch. Doch er schwieg nur nachdenklich.

Rhea nahm zwei Mappen aus ihrer Ledertasche und reichte sie Mitch und Nicole. „Da nur eine begrenzte Anzahl an Singles für die Wettkämpfe zugelassen sind und wir sichergehen wollten, dass ihr diese Gelegenheit nicht verpasst, haben wir uns die Freiheit genommen, für euch beide zu buchen. In den Mappen befinden sich Fragebögen und Anmeldungen, die ihr beide ausfüllen müsst, bevor ihr auf die Insel fliegt.“

Nicole blätterte die farbige Broschüre durch, fasziniert von all den Dingen, die die Insel zu bieten hatte. Dann stieß sie auf den Fragebogen, aus dem ihr der verlockende Slogan Wo alles geht und alles möglich ist ebenso ins Auge sprang wie die intime Frage Wie lautet Ihre Fantasie?

Nicole biss sich auf die Unterlippe und überlegte. Wenn es um sündige, erotische Fantasien ging, dann entsprach der attraktive Mann neben ihr genau ihren Vorstellungen. Mitch Lassiter war seit Jahren ein Teil ihrer geheimen Träume.

Doch abgesehen von ihrer erotischen Lieblingsfantasie gab es einen sehnsüchtigen tiefen Wunsch, den sie seit ihrer Kindheit hatte. Plötzlich befiel sie eine Unsicherheit, die sie seit Jahren überwunden zu haben glaubte, nachdem sie erkannt hatte, dass sie niemals den Erwartungen ihres Vaters entsprechen würde, während ihrem Bruder Robert das mühelos gelang. Schließlich hatte sie es aufgegeben, es ihrem Vater recht machen zu wollen, und stattdessen nach ihren eigenen Vorstellungen und Regeln gelebt. Dennoch war da noch jenes verunsicherte Mädchen in der nach außen hin starken, selbstbewussten Frau, das sich Anerkennung wünschte, statt immer nur kritisiert zu werden. Wenigstens ein einziges Mal.

Ob sie gewann oder verlor – nur einmal wollte sie dafür geschätzt werden, wer sie war, nicht für das, was sie erreicht hatte. Das war ihre Fantasie.

Dieser Wunsch war ganz einfach und doch so vage, dass sie fast unmöglich zu verwirklichen war. Das hielt sie trotzdem nicht davon ab, sie niederzuschreiben – nur für sich, ohne dass jemand anderes davon erfuhr.

Sie klappte die Mappe zu und begegnete dem erwartungsvollen Blick ihrer Mutter. „Ich bin bereit für Wild Fantasy.“ Lächelnd wandte sie sich an Mitch. „Und wie steht es mit dir?“

Er schüttelte bedauernd den Kopf. „Mom, ich weiß ja, wie wichtig euch das ist, aber ich kann meine Arbeit nicht einfach für eine Woche unterbrechen.“

„Natürlich kannst du das“, widersprach sie und legte ihre Gabel auf den Teller. „Ich habe bereits mit deinem Bruder gesprochen. Er kümmert sich gern eine Woche um alles.“

Mitch zog die Brauen zusammen.

„Mach nicht so ein finsteres Gesicht“, meinte seine Mutter sanft tadelnd. „Ich weiß, dass du es nicht magst, wenn ich mich in deine Arbeit einmische.

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