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Lukas - Ein Hase holt tief Luft und traut sich was

Inhalt

Wie alles beginnt

Was passiert, wenn Lukas sich was traut

Woran Lukas seine Aufregung bemerkt

Wenn Lukas die Luft wegbleibt

Was Lukas über Angst lernt

Was Freunde auszeichnet

Warum auch Starke Angst haben

Wer seine Furcht versteckt

Wie Lukas seine Scheu vergisst

Wenn andere rücksichtslos sind

Wie Lukas ins Abenteuer stolpert

Wenn Lukas den ersten Schritt macht

Was Lukas jetzt weiß

Wie Lukas sich neue Ziele setzt

Was für Lukas zählt

Mach es wie Lukas

Dank

Das ist die Geschichte von Lukas.

Lukas ist ein Hase, genauer gesagt ein Lufthase.

Wie alle Hasen, sind auch Lufthasen vorsichtig und suchen schnell das Weite, wenn sie eine Gefahr wittern.

Du hast noch nie von einem Lufthasen gehört?

Das ist nicht verwunderlich, denn Lufthasen haben eine besondere Angewohnheit. Wenn sie sich fürchten, werden sie blitzschnell unsichtbar.

Deshalb darfst du Lufthasen nicht mit Angsthasen verwechseln. Angsthasen kannst du schließlich weghoppeln sehen oder in ihren Verstecken beobachten.

Lufthasen haben noch eine weitere Besonderheit.

Sie wissen nicht, dass sie Lufthasen sind. Sie glauben, sie sind Angsthasen, aber das stimmt nicht. Lufthasen vergessen nur manchmal richtig Luft zu holen.

Aber ich will nicht zu viel verraten - beginnen wir die Geschichte von vorne.

Erstaunt reibt sich Lukas die Augen und atmet tief aus. Er tastet mit der Pfote nach seinen langen Ohren, fühlt seine Barthaare, das weiche Bauchfell und spürt, wie sein kleines Hasenherz aufgeregt schlägt. Ja, er ist tatsächlich am Leben.

Sollten ihn die Füchse wirklich übersehen haben?

Noch vor ein paar Minuten hatte Lukas mit seinen Geschwistern auf einer Wiese im Wald gesessen und mit der Mutter den saftigen Klee gefressen, als sie von dem leisen Knacken eines Zweiges aufgeschreckt wurden.

„Kinder, seid vorsichtig und achtsam, wenn ein Fuchs in der Nähe ist. Füchse sind schnelle und geschickte Jäger. Wenn wir nicht aufpassen, werden sie uns fangen“, hatte die Mutter ihre Hasenkinder stets gewarnt.

Und plötzlich waren sie da. Ein Rudel Füchse, die mit großen Sprüngen auf die Lichtung stürmten und ihre scharfen Zähne zeigten.

Das letzte, an das Lukas sich erinnert, bevor er starr vor Angst seine Augen schließt, ist das erschrockene Gesicht seiner Mutter.

Kurz darauf laufen sie aufgeregt in alle Himmelsrichtungen auseinander, um Schutz im Dickicht des Waldes zu suchen.

Lukas jedoch kann sich nicht bewegen. Er bleibt einfach sitzen, hält die Luft an und rührt sich nicht von der Stelle.

Lukas ist das jüngste von fünf Hasenkindern. Er hat schneeweißes Fell und hellblaue Augen mit langen rosafarbenen Wimpern.

Er sieht anders aus als seine Geschwister, die braune Augen und viele kleine braune Flecken in ihrem hellgrauen Fell haben.

Lukas hat lange schmale Hinterbeine, eine kleine rosafarbene Nase und zwei imposante Ohren mit lustigen Haarbüscheln an den Spitzen.

Wenn Lukas aufgeregt ist, leuchten die Innenseiten seiner Ohren hellrot und verraten seine Hasenangst.

Verschämt drückt er seine Ohren dann fest an seine flauschigen Wangen oder lässt sie mutlos hängen.

Wie gerne wäre er so mutig wie seine Geschwister, die neugierig herumhoppeln und jeden Tag etwas Neues entdecken.

„Lukas, komm schon“, rufen seine Brüder, wenn sie mit kurzem Anlauf über einen Bach springen.

In diesen Momenten tobt sein kleines Herz und Lukas nimmt all seinen Mut zusammen. Doch kaum will er zum Sprung ansetzen, spürt er, wie ihm die Luft wegbleibt.

Ängstlich läuft er dann zu seiner Mutter in den Hasenbau und vergräbt seine roten Ohren in ihrem Schoß. Tränen fließen in ihr weiches Fell, wenn Lukas hört, wie sie über ihn lachen.

Er würde gerne etwas erwidern, doch dafür fehlen ihm die Worte, ebenso wie der Mut, sie auszusprechen.

Nur einmal im Winter, der erste Schnee war in der Nacht gefallen, konnte Lukas alle überraschen. Beim Verstecken gewann er mühelos jedes Spiel.

„Dein Fell ist so weiß, dass wir dich im Schnee nicht erkennen“, staunten die anderen Hasenkinder und Lukas freute sich.

Jetzt ist er allein.

Lukas dreht seinen Kopf in alle Richtungen. Er kann niemanden erblicken.

Langsam richtet er sich auf und hoppelt mit kleinen Schritten in den Wald. Dort ist es dunkel und er findet sich nur schwer zurecht. Vorsichtig tastet er sich Meter um Meter voran.

Wo ist der Weg nach Hause?

Lukas läuft weiter in den Wald hinein, als er plötzlich leise Musik und bunte Lichtblitze bemerkt.

Noch ein paar Meter und er hat den Rand des Waldes erreicht.

Unmittelbar steht er auf einer kleinen Anhöhe und blickt auf eine Wiese, die wenige Meter entfernt ist.

Bunte Wohnwagen stehen dort im Kreis um ein großes Zelt, das von hunderten Lichtern hell erleuchtet ist.

Hoch oben auf dem Zeltdach weht eine Fahne im Wind.

Ein paar Ponys, die von einem kleinen Gatter aus metallenen Gitterstäben umgeben sind, und zwei Lamas grasen ruhig vor dem Zelt.

Ein Zirkus!

Wovor bist du schon mal weggelaufen?

Was passiert, wenn Lukas sich was traut

„Ein Zirkus, wie aufregend“, denkt Lukas. Seine Mutter hatte ihm erzählt, dass im Zirkus viele Tiere leben, denen Menschen Kunststücke beigebracht haben.

Und von Zauberern hatte die Mutter gesprochen. Große Männer mit weiten Umhängen und einem Zauberstab, mit dem sie Gegenstände verschwinden lassen. Lukas erinnert sich an ihre Geschichten von lustigen Clowns und Trapez-Akrobaten, die in schwindelerregender Höhe ihre Kunst vollführen.

Noch zögert er. Soll er hinunter hoppeln und nachschauen, ob sich seine Mutter unter einem der Wagen versteckt? Was, wenn ihn jemand entdecken und fangen würde? Soll er besser in den Wald zurücklaufen und den Weg nach Hause suchen?

Nein, für eine Rückkehr ist Lukas zu erschöpft. Er beschließt, in Richtung der Wohnwagen zu laufen und dort einen Unterschlupf bis zum nächsten Morgen zu finden.

Die untergehende Sonne scheint sanft auf sein weißes Rückenfell, als Lukas den Abhang hinunter hoppelt.

Wenig später erreicht er die große Wiese. Sie ist von Rinnen und Furchen gezeichnet, die die dicken Reifen der Wohnwagen gezogen haben.

Sein Magen beginnt vor Hunger laut zu knurren.

Schnell hat er den ersten Wohnwagen erreicht. Der Duft von gebrannten Mandeln umweht seine Nase und die Musik wird lauter. Lukas hört Menschenstimmen, das Brüllen von Tieren und Händeklatschen - die Zirkusvorstellung läuft.

Als er einen letzten Hoppler in Richtung des Wagens macht, packt ihn plötzlich eine Hand am Genick und zieht ihn blitzschnell in die Höhe.

„Nanu, wen haben wir denn da?“

Lukas blickt in die großen grünen Augen eines kleinen Mädchens mit dunklen Haaren, die sie zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden hat. Ein paar kurze Strähnen, die sich lustig auf ihrer Stirn und um ihre Ohren kräuseln, fallen ihr ins Gesicht.

Lukas spürt, wie sein Herz hektisch klopft und ihm die Luft zum Atmen wegbleibt. Platsch – unsanft fällt er auf den Boden.

Regungslos liegt Lukas da und hält die Luft an.

Die Kleine schaut erstaunt auf ihre Hände und schüttelt stumm den Kopf. Dann dreht sie sich langsam im Kreis und blickt konzentriert auf die Erde. Sie bückt sich zum Boden und tastet vorsichtig über die Grashalme.

„Clara, was tust du da? Kind, komm wieder herein, draußen wird es zu kalt für dich“, ertönt eine tiefe Stimme aus dem Inneren des Wohnwagens.

„Gleich Papa, ich dachte, ich hätte einen Hasen gefangen. Ich hatte ihn schon in der Hand und habe ihn deutlich gesehen. Es war ein weißer kleiner Hase. Ich habe ihn gepackt, wie du es mir gezeigt hast, und jetzt ist er verschwunden. Eigenartig, als hätte er sich in meiner Hand in Luft aufgelöst. Wie kann das sein?“, ruft das Mädchen, ohne vom Boden aufzublicken.

„Clarissa, bitte hör mit diesen Spielereien auf! Es ist spät und ich möchte keine Geschichten von einem Hasen hören, der nur in deiner Fantasie existiert.“

Das Mädchen richtet sich auf. Sie weiß, wenn ihr Vater sie Clarissa nennt, was er selten tut, wird er gleich wütend werden.

„Papa, bitte glaube mir, ich habe einen Hasen in meiner Hand gehalten.

Jetzt ist er weg. Ich verstehe das nicht.“

Als sich die Tür des Wohnwagens öffnet, kommen zwei schwarze Stiefel zum Vorschein, in denen eine dunkle Hose steckt. Über die Hose ragt ein dicker Bauch, der die Samtweste, an der eine Reihe goldener Knöpfe prangen, zu sprengen droht.

Nun steht auch der Rest des Körpers im Freien. Lukas erblickt einen Mann mit schwarzen Locken und einem eindrucksvollen Schnurrbart, dessen Enden zu zwei schmalen Zöpfen gezwirbelt sind.

„Also schön, wo ist dein Hase?“, fragt der Mann und stemmt die kräftigen Arme auf seine Hüfte.

Das Mädchen schaut ihn enttäuscht an.

Sie ist ein dünnes Wesen, das ein rotes Kleid mit weißem Blümchenmuster trägt. Der Kragen ihres Kleides ist verrutscht, genau wie einer ihrer Kniestrümpfe, der schief an ihrem Bein hängt.

„Ich weiß es nicht. Er ist fort.“

„Clara, wir schauen morgen, ob wir deinen Hasen finden. Es ist spät und du gehörst ins Bett. Die Vorführung ist gleich vorbei und ich muss ins Zelt, um unser Publikum zu verabschieden.“

„Geh nur Papa, ich kann allein ins Bett gehen, immerhin bin ich schon fast sieben Jahre alt“, antwortet das Mädchen und umarmt den dicken Bauch ihres Vaters.

Daraufhin hebt er das Kind mit Schwung in die Höhe und drückte es an seine Wangen. Sie gibt ihm einen flüchtigen Kuss und dreht die Enden seines Schnurrbarts vergnügt zwischen ihren Fingern, bevor er sie sanft auf den Boden stellt.

„Ich verlasse mich auf dich“, ruft er, bevor er mit schnellen Schritten in Richtung des Zirkuszeltes geht. Im Laufen zieht er seine Weste glatt, die über seinen Bauch gerutscht ist. Das Mädchen winkt ihm kurz nach.

Entschlossen dreht sie sich daraufhin um, geht ein paar Schritte hinter den Wohnwagen und flüstert in die Luft: „he, kleiner Hase, wo bist du? Ich weiß, dass du da bist.“

Lukas fühlt, wie sein Herz ruhiger schlägt und atmet tief aus.

„Da bist du ja“, ruft die Kleine erstaunt und bückt sich zu Lukas herunter. „Wie hast du das gemacht, dass du plötzlich verschwunden bist?“

Lukas kräuselt seine rosafarbene Nase und stammelt: „ich habe nichts gemacht.

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