Logo weiterlesen.de
Lottes Bunter Lebensherbst

Gabi Ebermann, geboren 1965, verheiratet.

Sie lebt gemeinsam mit ihrem Mann Wolfgang
in ihrer Lieblingsstadt Wien.

„Ich bin alt genug, um es besser zu wissen,
aber jung genug, um es trotzdem zu tun.“

Genießt jeden Moment!

Vorwort

Willkommen zurück in Lottes Leben. Ich freue mich, dass ihr wieder dabei seid und wissen wollt, wie es weitergeht.

Falls ihr erst jetzt hergefunden habt, könnt ihr Lotte in meinem ersten Buch „Lottes Liste“ näher kennenlernen.

Diese kurze Zusammenfassung kann euch aber ein wenig darüber hinweghelfen:

Lotte ist geschieden und lebt im Seniorenheim. Sie ist lebenshungrig und hat noch eine lange Liste von Wünschen an ihr Dasein. Ihr innigster war es, ihre Tochter wiederzusehen. Leider liegt zwischen ihnen fast die halbe Welt, denn Lisa lebt mit ihrem Mann Jim und den Kindern William und Aaron in Australien. Doch dann lernte Lotte überraschend Miki kennen. Der junge Mann kümmerte sich rührend um sie und es entstand eine enge Freundschaft zwischen dem ungleichen Paar. Miki half beim Ordnen ihrer „Liste“ und gemeinsam wagten sie sich an die Verwirklichung von Lottes kleinen und großen Träumen. Während der gemeinsamen Zeit gewann Miki, der selbst ein Geheimnis mit sich trug, wieder seinen Glauben an sich selbst zurück. Er lernte, seine Andersartigkeit anzunehmen und fand durch Lottes Vermittlung wieder den Weg zu seinem Vater Ludwig zurück. Letztlich heiratete er seine große Liebe Tom.

Lotte verschmolz währenddessen mit ihren Freunden Hilde, Hans, Klara und deren Hund Ben, Leopold, Mikis Opa, und nicht zuletzt Julia, der jungen Angestellten im Seniorenheim, zu einer großen Einheit. Sie stand wieder mitten im Leben und schaffte es sogar, Hans und Hilde zu inspirieren und wieder Spaß am Leben zu haben. Und sie war auch selbst dazu bereit, ihren verrücktesten Wunsch zu verwirklichen. Ein Tattoo mit fast achtzig Jahren – das machte ihr so schnell keiner nach. Sie scherte sich nicht mehr darum, was andere von ihr denken könnten, fühlte sich unbeschwert und glücklich. Die Freundschaft zu Miki hatte Lotte gezeigt, dass das Alter nicht automatisch Grenzen setzt.

Wer glücklich sein will, braucht Mut! Lotte war bereit, neue Brücken zu bauen und alte Pfade zu verlassen!

Seither sind fast drei Jahre vergangen, in denen viel passiert ist, ……

Ich wünsche euch viel Spaß auf Lottes Wegen, herzlichst,

eure Gabi Ebermann

1

Lotte saß im Lehnstuhl, auf ihrem Schoß Alexander mit einem Bilderbuch in der Hand. Der kleine Sohnemann von Miki und Tom liebte „Buch schauen“ mit Oma Lotte über alles. Das Exemplar zum Streicheln und Hören, das gerade an der Reihe war, mochte er besonders gerne. Es war meistens das letzte, das Alexander aus seiner Bücherkiste hervorholte. Lotte musste eines nach dem anderen vorlesen, immer in der gewohnten Abfolge. Wenn Alexander dann müde wurde, kam das Streichelbuch dran. Nachdem die Fellbäuchlein aller Tiere gestreichelt waren und den dazugehörigen Ton von sich gegeben hatten, ballte er seine kleine Faust, streckte den Zeigefinger aus, rutschte zu Oma Lottes Handgelenk hinüber und zeichnete immer und immer wieder ihr Tattoo nach, bis sein Fäustchen sanft liegen blieb und er tief und fest schlief. Lotte wusste genau, dass es ihrem Enkelsohn Aaron nichts ausmachte, dass er sein „A“ auf ihrem Tattoo mittlerweile mit Alexander teilen musste. Sie liebte auch diesen kleinen Kerl wie ihr eigenes Fleisch und Blut.

Seine beiden Väter waren heute ein wenig von der Rolle. Sie hatten Lotte außertourlich gebeten, Alexander vom Kindergarten abzuholen. Miki klang ganz aufgeregt, als er anrief, stotterte irgendetwas von unvorhergesehenen Ereignissen und Familienrat zusammenrufen. Lotte zögerte nicht lange, denn wann immer ihre Familie sie brauchte, stand sie zur Verfügung. Und die drei zählten ganz zweifelsohne längst zu ihrer Familie. Sie hatte sie mit Herz und Seele adoptiert. Schließlich war es Miki gewesen, der vor drei Jahren ihrem Leben eine so wunderschöne Wende gegeben hatte. Wie mit einem Katapult war sie aus ihrer Einsamkeit mitten ins Leben zurückbefördert worden. Seither war unglaublich viel geschehen.

Jetzt aber, da sie Miki und Tom so kopflos durch die Wohnung huschen sah, machte sie sich ernsthafte Sorgen und fragte sich, was denn passiert sein konnte. Bei den beiden handelte es sich normalerweise um ganz ruhige, besonnene, junge Männer, die sich durch nichts aus der Ruhe bringen ließen. Lotte wusste nur so viel, dass Toms Eltern und seine Schwestern erwartet wurden, genauso wie Mikis Vater Ludwig.

Vorher wollten die beiden nicht mit der Sprache herausrücken. Sie tuschelten miteinander, hatten rote Köpfe, verstrubbeltes Haar und waren merklich aufgewühlt. Lotte bekam es mit der Angst zu tun. Hoffentlich war nicht einer der beiden etwa ernsthaft krank, oder Toms Bäckerei in Schwierigkeiten geraten, möglicherweise hatte auch Miki seinen Job verloren, oder aber, und Lotte konnte nur mit Schaudern daran denken, vielleicht würden sie sogar Alexander wieder verlieren. Nein, das durfte einfach nicht geschehen.

Sie drückte den Kleinen ein wenig fester an sich und schnupperte genüsslich an seinen Haaren, die in ihrer Nase kitzelten. Seine Bäckchen waren erhitzt und die Wärme, die er ausstrahlte, kroch Lotte unter die Haut und breitete sich vom Kopf bis zu den Zehenspitzen aus. Sie wiegte das Kind ganz sanft und sie waren eins. Lotte liebte es, wenn er auf ihrem Schoß einschlief. Wenn sie so dasaß, dachte sie nicht selten daran zurück, wie alles begann.

Miki und Lotte hatten sich vor knapp drei Jahren durch Zufall kennengelernt. Miki war im wahrsten Sinne des Wortes über sie gestolpert. Daraus hatte sich eine großartige Freundschaft entwickelt. Er war vom Lehrmeister in Sachen Computer zum Freund und schließlich wie zum eigenen Sohn für sie geworden. Sie hatten sich gegenseitig viel zu verdanken. Miki war es gelungen, Lotte aus ihrem Alltagseinerlei zu reißen und ihr dabei zu helfen, den größten Traum ihres Lebens zu verwirklichen: einen Besuch bei ihrer Tochter in Australien. Jahrelang hatte sie mit ihrer Flugangst gekämpft, bevor die Freundschaft zu Miki und seinem Freund Tom alles veränderte. Lotte hatte wieder begonnen, an sich selbst und das Leben zu glauben und damit auch ihrer irrationalen Angst vor dem Fliegen den Kampf angesagt.

Sie konnte sich noch an fast jedes Detail ihrer Reise erinnern, als wäre es gestern gewesen. „Weißt du, kleiner Mann“, murmelte sie leise, um Alexander nicht zu wecken, „ohne deine Papis wäre ich jetzt eine einsame, störrische Alte, die ihr Schicksal betrauern würde“. Lotte hatte ein zufriedenes Lächeln auf den Lippen, sie blickte in die Ferne.

Wie im Zeitraffer sah sie die letzten drei Jahre an sich vorbeiziehen. Sie waren einfach unglaublich gewesen, aufregend und schön.

2

Lotte saß im Flieger. Sie hatte nicht die geringste Ahnung, was in den vergangenen Stunden vor sich gegangen war. Die letzte klare Erinnerung galt der Hochzeit von Miki und Tom und dem Moment, an dem sie an der Reling des Schiffes stand und mit aller Macht versuchte, an das zu glauben, was vor ihr lag. Sie war dabei von einer beklemmenden Schwäche geängstigt worden, das wusste sie noch, den Rest hatte ihr Bewusstsein verschluckt.

Die Heimfahrt nach der Trauung, die letzte Nacht im Heim, Julia, die mit ihr zum Flughafen gefahren war, das Einchecken, die Sicherheitskontrollen, bis hin zum Platznehmen im Flieger, das alles hatte sie wie in Trance erlebt. Sie wusste nicht einmal, ob es real war oder nur ein Traum. Sie schwebte in so einer Art Zwischenwelt, als würde sie neben ihrem Körper stehen und sich selbst aus der Ferne zusehen. Lotte vermutete daher, dass es sich tatsächlich nur um eine Fantasievorstellung handelte.

Miki und Tom neben ihr fühlten sich jedoch durchwegs real an. Sie hatten sie in ihre Mitte genommen und hielten ihre Hände. Lotte blickte durch das kleine Fenster und sah dem emsigen Treiben rund um den Flieger zu. Gerade wurden die Koffer unter ihnen verstaut. Es geschah alles ganz zügig, ohne jede Hektik. Es handelte sich um alltägliche Handgriffe für die Flughafenmitarbeiter.

Im Flugzeug selbst herrschte eine spürbare Unruhe. Die Menschen drängelten zu ihren Sitzreihen und verstauten das Handgepäck über ihren Köpfen. Wie gut, dass Lotte das schon aus sicherer Entfernung beobachten konnte, denn sie hatten den Flieger fast als erste Gäste betreten und ihre Plätze längst eingenommen. Lottes Blick war zwar auf das Geschehen gerichtet, ihr Kopf fühlte sich aber leer an, sie konnte das alles nicht richtig aufnehmen. Vielleicht hatte sie doch zu viele von den Beruhigungstropfen genommen?

Egal, sie fühlte sich verlangsamt und das war vielleicht gut so. Sie saß ganz still da und versuchte, sich zu besinnen. Ihre Freundin Klara hatte ihr eingebläut, sich in der ersten Phase des Fluges nur auf das Atmen zu konzentrieren. Sie wollte gleich damit beginnen: tief ein- und ausatmen. Es funktionierte, in Lotte breitete sich eine angenehme Ruhe aus. Sie war so müde.

Miki rüttelte sie sanft. „Aufwachen, meine Liebe!“, Lotte rekelte sich und wusste im ersten Moment gar nicht, wo sie sich befand. Als sie bemerkte, dass sie bereits in Dubai gelandet waren, war sie fassungslos. Da hatte sie sich ein ganzes Leben lang vor dem Fliegen gefürchtet und dann schlicht und einfach alles verschlafen. Das konnte doch nicht möglich sein, den ganzen vermeintlich so schrecklichen Sinkflug hatte sie einfach nicht mitbekommen. Kein Ohrensausen, keine Panik und schon gar kein Sturzflug. Ihr immer wiederkehrender Albtraum war eine einzige Farce gewesen.

Der zweite Teil des Fluges, von Dubai nach Sydney, gestaltete sich nicht ganz so einfach, Lotte war beim Start sehr angespannt und hatte schweißnasse Hände. Diesmal wollte sich auch kein gnädiger Schlaf einstellen. Miki erklärte Lotte das Entertainmentprogramm im Flieger. Er schlug vor, sie sollte sich vorstellen, sie wäre im Kino. Er stöpselte ihre Ohren mit kleinen Kopfhörern zu und startete eine Staffel der „Big Bang Theory“. Er wusste, dass Lotte diese Serie mochte. Und tatsächlich konnte sie sich ein wenig entspannen und den Gedanken, wirklich in einem großen abgedunkelten Saal vor einer riesigen Leinwand zu sitzen, ein bisschen genießen. Sie wusste gar nicht, wann sie zuletzt in einem Kino gewesen war und versuchte, nicht daran zu denken, dass sie sich tausende Kilometer über der Erde befand. Ihre angeschwollenen Beine und der Druck in den Ohren ließen diesbezüglich aber kaum einen Zweifel aufkommen. Sie konnte nichts essen, nur zum Trinken zwang sie sich, schließlich wollte sie ihren beiden Begleitern nicht noch mehr Scherereien machen. Sie nickte dann doch noch ein, döste kurz vor sich hin, nur um erschreckt wieder hochzufahren. Zur Ablenkung betrachtete sie die endlosen Wolkentürme, die an dem kleinen Fenster vorbeizogen. Schafe, ein Haifisch und ein Segelboot. Sie versuchte sich darauf zu konzentrieren, in welchen Formationen die Gebilde am Himmel scheinbar schwerelos an ihr vorbeitanzten. Die Wolken sahen wie flauschige Knäuel aus, wie kleine Häschen, die sich aneinander kuschelten. Dann hatte sie wieder das Gefühl, als würde sie Federn sehen, die sich zu sanften Flügeln formierten. Ob Theo und Johanna sie wohl begleiteten auf ihrer langen Reise? Diese Vorstellung gefiel Lotte sehr gut und mit einem Mal fühlte sie sich sicher und behütet. Zudem wirkte das Naturschauspiel so dicht vor ihrer Nase beruhigend auf sie.

Der Flug dauerte eine kleine Ewigkeit, doch Lotte wusste, mit jeder Minute kam sie ihrer Familie ein Stück näher. Ihr Herzrasen schob sie auf die Vorfreude.

Diesmal bekam sie den Landeanflug uneingeschränkt mit. Das Ohrensausen verstärkte sich, ihre Hände waren zu Fäusten zusammengeballt und ihre Augen hingen weiter unruhig am Fenster. Es war bereits dunkel draußen. Die bunten Lichter der Stadt unter ihnen wurden größer und größer. Das Rumpeln der ausfahrenden Räder und das Aufheulen der Triebwerke brachten ihren Puls zum Rasen, das Adrenalin schoss ihr in alle Poren, ihre Hände waren klatschnass. Bitte lass jetzt nichts mehr schiefgehen. Ein weiteres Poltern und dann war das Flugzeug auch schon sicher auf dem Boden gelandet. Es fuhr noch endlos dahin, aber sie hatten Sydney tatsächlich erreicht. Endlich! Sie war ihrer Familie schon ganz nahe, das spürte sie. Das Flugzeug rollte aus und Lottes Anspannung begann augenblicklich einer ungeheuren Seligkeit zu weichen. Eine Träne lief über ihre Wange. Sie fühlte sich wie erschlagen und ihre Beine waren steif, aber sie spürte zugleich unermessliches Glück in sich aufsteigen.

In wenigen Minuten würde sie ihre Tochter und ihre Enkel in die Arme nehmen. Diese Vorstellung war unbeschreiblich schön. Lotte konnte es kaum erwarten, bis sie alle Koffer vom Laufband genommen hatten und endlich Richtung Ausgang gingen. Sie fühlte sich wieder wie in Trance, ihre Hände waren noch immer verschwitzt und ihre Wangen von den Strapazen und der Aufregung ganz rot. Sie vermochte nur noch an Lisa und die Kinder zu denken.

Miki und Tom wichen nicht von ihrer Seite, um sie im Gewühl der durcheinanderlaufenden Ankömmlinge nicht zu verlieren. Als sie schließlich in die Ankunftshalle strömten, sah sie gleich das große Transparent. „Willkommen Oma Lotte“ stand dort in riesigen Lettern. Es war mit vier großen roten Herzen verziert. Sie sah zuerst die beiden Jungs, die es hielten. Aaron und William. Ihr Herz machte Luftsprünge und vor lauter Glückseligkeit wurde es ihr ganz warm. Wie groß sie schon waren, ihre „Babys“. Als sie dann Lisa erblickte, weinte sie vor Freude. Die Tränen kullerten unaufhörlich über ihre Wangen. Diesen Moment würde sie nie wieder im Leben vergessen. Es war unglaublich und Lotte war unendlich dankbar. Sie lief los so schnell es ihre zittrigen geschwollenen Beine zuließen. Miki und Tom ließ sie einfach samt den Koffern stehen. Alles rund um sie versank. Sie hatte nur noch Augen für ihre geliebte Tochter und die beiden Buben.

3

Alexander lächelte im Schlaf, gluckste, rollte sich auf die andere Seite und schlief friedlich weiter. Er hatte Lotte aus ihrem Tagtraum gerissen.

Die Wohnung lag ganz still da, Miki und Tom waren nicht zu sehen. Es hatte bereits zu dämmern begonnen.

Lotte war in solchen Dingen geduldig genug. Sie konnte warten. Die angekündigten „unvorhergesehenen Ereignisse“ würden nicht verloren gehen. Sie hoffte nur inständig, dass keine Katastrophe ihrer aller Glück jäh zerstören würde. Wie glücklich sich doch alles gefügt hatte in den letzten Jahren, sie wollte einfach nichts davon hergeben. Vielleicht war ja alles halb so schlimm, sie wollte nicht wirklich an einen Unglücksfall glauben.

Lotte schloss die Augen und nickte selbst ein wenig ein. Sie fand Anschluss an ihren Tagtraum, in dem sie Lisa in ihren Armen hielt und wiegte wie ein kleines Kind. Sie hielten sich endlos lange fest, und als Lottes Knie aufgehört hatten zu zittern, spürte sie, wie sich innerer Frieden in ihr breitmachte. Sie drückte ihre Tochter weiter ganz fest an sich, atmete ihren vertrauten Duft ein, strich immer wieder durch ihr Haar und stammelte unentwegt „Ich liebe dich“. Wie hatte sie das vermisst! Wie hatte sie es um Himmelswillen nur all die Jahre ohne ihre Familie ausgehalten. Sie musste wirklich verrückt gewesen sein.

Als sie sich endlich voneinander trennen konnten, waren ihrer beiden Augen von den Glückstränen stark gerötet. Die Zeit schien für die Dauer der Umarmung stehen geblieben zu sein. Für einen kurzen Augenblick hatte die Welt aufgehört, sich zu drehen.

Wie durch einen Schleier nahm sie nun auch ihre beiden Enkel wahr und zog sie, zum ersten Mal in ihrem Leben, in die Arme. Sie waren beide schon größer, als Lotte es erwartet hatte. William, mit seinem roten Schopf und dem zarten, sommersprossigen Gesicht, wirkte mit seinen zehn Jahren schon fast jugendlich. Aaron sah man gleich an, dass er der Clown in der Familie war, er grinste übers ganze Gesicht und zappelte vor Freude. Dann kam noch Lisas Ehemann Jim an die Reihe, er hatte bereits graues Haar und tiefe Falten im Gesicht. Er wirkte müder, als Lotte selbst es war. Dass das schon ein Spiegelbild ihrer familiären Misere sein sollte, konnte Lotte freilich nicht erahnen.

Damals und in den Wochen ihres Besuchs schien noch alles eitel Wonne zu sein. Jedenfalls hatten sich die beiden, wobei die Initiative wohl von ihrer Tochter ausgegangen war, eisern vorgenommen, Lotte eine heile Welt vorzugaukeln. Lisas zeitweilige Wehmut schrieb Lotte damals dem Umstand zu, dass sie sich bald wieder trennen würden müssen. Jim selbst spielte den galanten Schwiegersohn.

Sie unternahmen viel, luden die Nachbarn zum Grillen ein, besuchten gemeinsam die Oper, gönnten sich wie früher einen Mutter-Tochter-Tag und gingen mit den Kindern in den Zoo und zum Surfen. Lotte half im Haushalt mit und bekochte ihre Lieben nach Herzenslust. William und Aaron hätten sich in dieser Zeit am liebsten jeden Tag von Grannys Kaiserschmarren und Wiener Schnitzeln ernährt und auch ihr Apfelstrudel stand hoch im Kurs. Lisa lachte oft und meinte, wenn Granny noch lange bliebe, würden sie bald aus allen Nähten platzen.

Oma Lotte sah zum ersten Mal im Leben ein Känguru in freier Wildbahn und einen Koalabären samt Baby aus nächster Nähe. Sie erlebte eine scheinbar so unbeschwerte Zeit, dass sie sich, trotz aller Verwicklungen der darauffolgenden Monate, gerne daran zurückerinnerte. Sie hätte ewig im Verband ihrer Familie weiterleben können, doch ihre Heimat wollte Lotte auch nicht aufgeben, schon allein die sprachliche Barriere schränkte sie unglaublich ein. Ihr englischer Wortschatz, auf den sie immer so stolz gewesen war, schmolz hier zu ein paar hilflosen Brocken und viel mehr als ein „How do you do?“, „Thanks“ oder „Nice weather today“ fiel ihr selten ein. Die Antwort darauf verstand sie dann schon meistens nicht mehr. Ohne ihre kleinen Dolmetscher hätte sie sich im australischen Manly nicht zurechtgefunden.

Dass schon kurze Zeit später alles anders kommen sollte und sich für Lotte trotz aller Sorgen letztlich alles zum Guten wenden würde, stand damals noch in den Sternen.

Alexander räkelte sich, streckte seine Ärmchen und gähnte ausgiebig. Er setzte sich auf und mit einem Ruck war auch Lotte wach. Der Kleine kletterte von ihrem Schoss und holte Fips – ein Schmusetuch mit Häschenkopf, ohne das gar nichts ging. Es wies daher auch bereits erhebliche Spuren von Alexanders übergroßer Zuneigung auf, was jedoch seiner enormen Liebe keinen Abbruch tat. Im Gegenteil: die vorsorglich gekaufte Kopie von Fips wurde nur in Zeiten höchster Not akzeptiert, nämlich dann, wenn Fips, trotz erheblichen Protestes des kleinen Mannes, ab und zu einmal in die Waschmaschine musste. Tom und Miki fanden es manchmal fast peinlich, wenn Fips zu großen Terminen mitgenommen werden musste, aber Alexanders Beharrlichkeit war diesbezüglich nicht beizukommen. Das nicht ganz stadtfeine Schmusetuch war einfach immer und überall dabei. Tom scherzte manchmal, dass ihnen das Jugendamt Alexander wegen Fips irgendwann noch einmal wegnehmen würde.

Lotte, Alexander und Fips suchten jetzt die anderen. Der Familienrat tagte schon im Esszimmer. Als Lotte dazu stieß, hörte sie gerade noch, wie Miki sagte, er wüsste jetzt, wie man sich fühlte, wenn man ungewollt schwanger geworden sei. Schwanger? Lotte verstand gar nichts. Wer war denn schwanger? Eine von Toms Schwestern? Aber das wäre doch ganz und gar nicht schrecklich. Warum ungewollt? Sie standen ja beide in glücklichen Beziehungen. Das konnte es eigentlich nicht sein. Wer dann?

Lotte setzte sich. Alexander war auf Papa Toms Schoß geklettert und verlangte lautstark nach Saft. Mikipaps stand auf und brachte ihm einen Becher mit Wasser. Die Stimmung schien angespannt. Toms Mutter wirkte ganz aufgewühlt. Irgendjemand sollte Lotte jetzt einweihen, sie war verwirrt und hatte Sorgenfalten im Gesicht. Alle redeten wild durcheinander. Dass es jetzt so gar nicht passte, dass sie doch immer nur eines gewollt hatten, dass sie fürchteten, ihnen nicht genug bieten zu können, dass es einfach zu früh dafür war und dass sie nicht wussten, wie sie das trotz Arbeit hinbekommen sollten. Was? Bitte was?

„Worum geht es hier eigentlich?“, platzte Lotte schließlich mit ihrer Frage lautstark in die allgemeine Ratlosigkeit der Anwesenden hinein. Für einen kurzen Augenblick verstummten alle, dann holte Miki tief Luft und klärte Lotte auf. Es war ihm nicht bewusst gewesen, dass sie ja noch gar nicht Bescheid wusste. Alexander sollte ein Geschwisterchen bekommen! Lottes Verwirrung wurde immer größer. Wie sollte das denn nun bitteschön vor sich gehen?

Sie erinnert sich an die Zeit damals zurück, als Alexander überraschend schnell zu Miki und Tom kam. Einige Wochen nach ihrer Australienreise hatten sich die beiden entschlossen, den Kurs für Pflegeeltern zu besuchen. Sie wollten sich damals zwar noch Zeit lassen mit ihrer Entscheidung, einem Kind ein neues Zuhause zu geben, aber sie planten, rechtzeitig die Voraussetzungen dafür zu schaffen. Also besuchten sie an den Wochenenden die entsprechenden Schulungen und ließen sich vom Jugendamt auf Herz und Nieren prüfen. Es war ja auch nicht ganz alltäglich, dass sich ein homosexuelles Paar um ein Kind bewarb. Und als dann endlich alle Ampeln auf Grün standen, ging es Schlag auf Schlag. Vielleicht im ersten Moment sogar zu schnell. Miki hatte gerade erst vor zwei Monaten seine neue Arbeitsstelle angetreten und Tom war in seiner Bäckerei unabkömmlich. Auch damals gab es einen großen Familienrat bei dem sie übereinkamen, dem kleinen Alexander ein gutes Zuhause bieten zu können. Mikis Chef, selbst Vater von vier Kindern, zeigte sich sehr verständnisvoll. So durfte Miki damals einen Großteil seiner Arbeit per Homeoffice abwickeln und Tom fand einen zuverlässigen Angestellten, der ihm nachmittags den Rücken freihielt. Mit Hilfe von Toms Eltern und Schwestern, mit Opa Ludwig und nicht zuletzt dank Lottes Beistand, lief dann alles wie am Schnürchen. Mittlerweile ging Alexander in den Kindergarten und Miki wieder in sein Büro. Sie hatten einen eingespielten Alltag und der kleine Alexander war wirklich ein zuckersüßes, kluges Kerlchen. Ein unkomplizierter herziger Geselle, den alle liebten. Der Star der Familie.

Und jetzt bekam Alexanders Mutter erneut ein Baby! Das Jugendamt war an sie herangetreten und hatte ihnen das Vorrecht auf das Geschwisterchen zugesagt.

Das stellte ihr kleines, eingespieltes Team auf die Probe.

Alexanders Mutter war ein junges Ding, das wenig Glück im Leben hatte, keine Ausbildung, kein Elternhaus, das hinter ihr stand, falsche Freunde und leider auch Kontakt mit Drogen. Sie war der Verantwortung, die das Leben, oder gar das Leben mit einem Kind, mit sich brachte, nicht gewachsen. Alexander war ihr schlicht und einfach egal. Sie war damals froh, den kleinen Kerl so schnell wie möglich los zu werden. Sie hatte auch später kein Interesse an ihrem Sohn. Am Anfang hatten Miki und Tom mit Nachdruck versucht, den Kontakt aufrecht zu halten, denn sie wollten Alexander nicht die Mutter nehmen. Nachdem aber jeder dieser Besuche mit fast feindseliger Abneigung dem Kleinen gegenüber endete, waren auch die beiden bald davon überzeugt, dass Alexander ohne diese Begegnungen besser fuhr.

Und jetzt das! Wie aus heiterem Himmel ein zweites Kind. Miki und Tom fanden es beunruhigend, nicht zu wissen, wie viele Geschwister denn Alexander noch bekommen würde. Sie konnten und wollten doch nicht alle aufnehmen. Alexanders Mutter war jetzt gerade einmal neunzehn Jahre jung und bekam schon das zweite Kind. Sie zeigten sich auch besorgt hinsichtlich des Lebenswandels der jungen Frau. Würde das neue Baby auch gesund sein? Mit Alexander hatten sie ihr großes Glück gefunden und Angst es herauszufordern. Aber das ging wohl allen Eltern so, dass sie sich nicht vorstellen konnten, ein zweites Kind wäre auch nur annähernd so perfekt und liebenswert wie das kleine Wesen, das ihre Herzen bereits im Sturm erobert hatte. Selbst dann, wenn das ganze Drumherum harmonisch und gewollt verlief.

Lotte begriff jetzt endlich, was hier vor sich ging. Ein Geschwisterchen für Alexander. Aber das wäre ja großartig! Sie verstand die allgemeine Aufregung ganz und gar nicht. „Das schaffen wir doch!“, platzte sie mit ihrer Meinung heraus. Kaum hatte sie es laut ausgesprochen, wurde ihr klar, dass sie vielleicht bald am allerwenigstens dazu beitragen konnte. Immerhin war Lotte mittlerweile fast achtzig Jahre alt. Sie hatte zwar das unglaubliche Glück, um ein gutes Jahrzehnt jünger zu wirken und sich auch so zu fühlen, aber die Jahre waren nicht wegzuleugnen.

Ihr zuversichtlicher Ausruf schien den Familienrat dennoch wachzurütteln. Schlagartig wusste jeder etwas Positives beizutragen. Als Alexander, der sich bisher nur mit seinem Wasserbecher beschäftigt hatte, dann plötzlich und ganz unerwartet fragend das Wort „Baby?“ daher brabbelte, waren seine beiden Papis zutiefst gerührt. Konnten sie ihm denn wirklich ein echtes Schwesterchen oder Brüderchen verwehren? Es war doch ein Stück seiner Wurzeln, ein Schicksalsgefährte. Es würde für Alexander ohnedies einmal schwer genug sein, zu verstehen, warum sich seine Mama gegen ihn entschieden hatte. Wollten sie ihm dann wirklich noch erklären müssen, sie hätten aus Bequemlichkeit und Angst die Aufnahme seines Geschwisterchens verweigert? Allein schon dieser Gedanke ließ kein „Nein“ gegenüber dem neuen Erdenbürger zu. Das Leben ist eben nun einmal kein Kinderspiel und sie machten sich vielleicht einfach nur zu viele Gedanken. Es würde sich schon alles fügen. Sie hatten A gesagt, jetzt mussten sie wohl auch B sagen.

Es waren längst noch nicht alle Zweifel aus ihren Köpfen beseitigt, doch im Moment fühlte es sich so an, als könnten sie es mit vereinten Kräften ein zweites Mal schaffen. Sie hatten sich schon vor Alexander viele Gedanken darüber gemacht, wie es sein würde, ein Kind in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft großzuziehen.

Sie wollten sich nicht verstecken und es war ihnen klar, dass es da und dort zu Anfeindungen kommen würde. Ihre Liebe und Fürsorge für das Kind mussten so stark sein, dass jegliche Hänselei an ihm abprallen würde. Miki und Tom waren sich im Klaren darüber, dass es sich dabei um keine einfache Aufgabe handelte. Sie waren aber auch klug genug, zu wissen, dass es tausend weitere Gründe gab, die für andere Anlass genug sein konnten, jemanden auszugrenzen. Ein ärmliches Elternhaus, rote Haare, Übergewicht, oder gar nur eine Brille auf der sommersprossigen Nase. Wer nicht cool war, wurde gemobbt, das war schon immer so. Alexander würde cooler als cool sein, das mussten sie einfach hinbekommen. Seine gewinnende Art würde alle über den „Makel“ seiner Eltern hinwegsehen lassen.

Ein Vorgeschmack auf derartige Anfeindungen bekamen sie damals gleich beim Erstkontakt mit Alexander zu spüren. Die Krisenpflegemutter, in deren Obhut sich der Kleine vorübergehend befunden hatte, war nicht gerade entzückt, ihren Schützling zwei Schwulen überlassen zu müssen und machte auch keinerlei Hehl daraus. Sie war schon jahrzehntelang Mama auf Zeit und kämpfte für die ihr anvertrauten Kleinen wie eine Löwin. Zwei Väter bedeuteten absolutes Neuland für sie und ihr Misstrauen war dementsprechend groß. So etwas kam in ihrer Vorstellung für eine gute Kinderstube einfach nicht vor. Als waschechte Wienerin polterte sie geradeaus heraus, was sie von dieser Sache hielt, nämlich gar nichts. Ein absolutes „No-Go“.

Wie so viele andere auch war sie von den beiden aber im Eiltempo eingenommen worden. Nachdem sie Miki und Tom näher kennengelernt und das liebevoll eingerichtete Kinderzimmer gesehen hatte, schmolzen ihre Bedenken in Windeseile dahin. Es konnte sich selten jemand dem Charme der beiden entziehen. Die Warmherzigkeit, die Miki und Tom ausstrahlten, wirkte wie ein knisterndes Feuer, das sich rasend schnell ausbreitete. Sie waren liebenswürdig und unkompliziert. Der zärtliche Umgang mit dem Kleinen und die gerührten Blicke, mit denen die zukünftigen Papis ihn betrachteten, taten ihr Übriges. Miki und Tom waren so begeistert und beherzt bei der Sache, dass die Krisenpflegemutter binnen kürzester Zeit davon überzeugt wurde, dass diese kleine Gemeinschaft eine absolute Chance verdient hatte.

4

Lotte erzählte ihren Freunden im Seniorenheim beim Frühstück von den Neuigkeiten rund um Miki und Tom. Sie waren längst wieder ein vierblättriges Kleeblatt und eine eingeschworene Gemeinschaft: sie selbst, Hilde, Hans und Sophie.

In der Zeit, in der Lotte in Australien weilte, war Johannas Platz am Tisch mit Sophie nachbesetzt worden. Gott hab sie selig, ihre liebe Freundin Johanna!

Sie hatten damals freilich keinen einfachen Start. Hans und Hilde dachten gar nicht daran, die Neue an ihrer Freundschaft teilhaben zu lassen. Sie murrten, als sich Sophie auf Lottes Stuhl setzen wollte. Eigentlich wollten sie auch Johannas Platz nicht hergeben, aber die war schließlich tot und nur mehr in ihren Herzen vorhanden. Als sich Sophie endlich niedergelassen hatte, würdigten sie sie keines Blickes mehr. Sie verhielten sich demonstrativ abweisend, jeden noch so zaghaften Versuch der Neuen, etwas zur Kommunikation beizutragen, ignorierten sie ganz einfach. Schließlich waren sie das ihrer alten Freundin schuldig! Niemand konnte Johanna so einfach ersetzen. Sie fehlte ihnen immer noch sehr.

Das ging tagelang so, bis Sophie beim Frühstück einmal verkündete, sie müsste sich endlich mit ein paar vernünftigen Menschen im Heim anfreunden, denn das hier war ja nicht mehr auszuhalten. Sie hatte es satt, täglich gegen die Bastion dieser eingeschworenen Gemeinschaft ankämpfen zu müssen. Das war ja lächerlich.

„Ich gehe jetzt in den Park“, murrte sie vor sich hin, „dort ist es wenigstens bunt und friedlich“.

Hilde horchte auf. Wer ihr farbenfrohes „Urban Knitting“ wohlwollend erwähnte, hatte sofort einen Stein im Brett bei ihr. Hilde war nach wie vor unermüdlich bemüht, den Garten mit ihren bunten Strickwerken aufzufrischen. Und Hans, der größte Bewunderer an ihrer Seite, unterstützte sie stets bei diesem Projekt. Es machte sie ausgeglichen und glücklich.

Sophie konnte nicht ahnen, dass sie damit mitten ins Schwarze getroffen und damit unbewusst die Aufnahme in den Freundschaftsbund geschafft hatte.

Lotte mochte Sophie sofort, einen lebensbejahenden Menschen mit rabenschwarzem Humor. Ihre Art, sich über die unabdingbaren Unannehmlichkeiten, die das Leben im Alter manchmal so mit sich brachten, ihre Witze zu reißen, war einfach großartig. Sie hielt sich erst gar nicht mit Diplomatie auf. Man konnte ihre Direktheit mögen, oder eben nicht. Sophie war das ausnahmslos egal. Wer ihren feinherben Umgang nicht vertrug, konnte ihr gestohlen bleiben. Hinter ihrer rauen Schale fand man jedoch eine feinfühlige, großherzige Person. Hilde, Hans und Lotte hatten das große Glück, diese Seite kennenlernen zu dürfen.

Man konnte über sie denken, was man wollte, Sophie legte es nicht darauf an, anderen zu gefallen.

Sie hatte für die meisten Alten Spitznamen kreiert. „Dreikäsehoch“ für die ehemalige Volksschuldirektorin, die so klein war, dass sie kaum über den Tellerrand hinaussah und in ihrer aktiven Zeit sicher von so manchem Schüler überragt wurde. „Rolli“ für den alten Major, der zur Begrüßung immer noch salutierte, wegen seiner Vorliebe für Rollkragenpullover, die er sogar im Sommer trug. Oder die „Schottin“, die immer erzählte, wo es dies oder das am günstigsten zu kaufen gab und was sie sich nicht alles erspart hatte durch ihre Umsicht. Das waren noch die netteren Bezeichnungen. „Kerzlschlucker“ für den ehemaligen Diakon, „Pillendreherin“ für die alte Apothekerin, „Stubenhocker“ für den introvertierten Karl und „Schneckenvolk“ für die, die mit dem Rollator unterwegs waren. Außerdem gab es noch „Spielverderber“, „Griesgram“, „Schwachomat“ oder Zwiderwurzn“. Ihr Einfallsreichtum war diesbezüglich unerschöpflich.

Lotte ertappte sich das eine oder andere Mal dabei, diese Bezeichnungen wie selbstverständlich zu übernehmen.

Sophie selbst war auch kein bisschen unauffällig. Sie trug gerne bunte Kleidung mit farblich abgestimmtem Haarband und war stets von einem zarten Klirren umgeben, das die vielen Armbänder, die sie immer allesamt auf einmal trug, von sich gaben. Sie war elegant, eine strahlende Erscheinung. Sophie sah man nie ungeschminkt, sie war eine echte Lady. Lotte hätte sie gerne einmal gleich nach dem Aufstehen gesehen, aber vermutlich stieg sie schon wie aus dem Ei gepellt aus dem Bett.

Sophie lachte gerne und wusste, andere mit ihren sprühenden Geschichten von früher zu amüsieren. Wo immer sie auftauchte hob sich die Stimmung, solche Menschen waren Goldes wert. Lottes „Clique“ hatte großes Glück, so einen Ersatz für Johanna erhalten zu haben.

Sophie war viele Jahrzehnte lang in einer Innenstadtboutique tätig gewesen und kannte nahezu die ganze Prominenz Wiens. Sie hatte immer zuvorkommend sein müssen.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Lottes bunter Lebensherbst" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple Books

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen