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Der Ring, der ihn an eine andere band

Der Ring, der ihn an eine andere band

Roman um die Tragödie einer unglücklichen Ehe

Von Karin Weber

Voll gehässiger Eifersucht verfolgt die egoistische, verwöhnte Fabrikantentochter Ilse Scharfenberg jeden Schritt ihres Mannes. Aus der anfänglich lodernden Liebe ist bald nach der Hochzeit nur Verbitterung und Feindschaft übrig geblieben. Gewiss, Knud Scharfenberg hat durch seine Heirat mit Ilse eine blendende Partie gemacht, aber sein Verdienst ist es vielmehr, dass das Werk seines Schwiegervaters einen großen Aufschwung genommen hat.

Die Gehässigkeiten seiner Frau treiben Knud immer weiter fort von ihr. Und so ist es auch kein Wunder, dass sich sein einsames Herz sofort der hübschen Sabine Ronnecker zuwendet. Knud bricht zwar die Treue nicht, doch seine Frau beschuldigt ihn in ihrer krankhaften Eifersucht, dass er eine Beziehung zu diesem jungen Mädchen unterhalten würde. Von nun an lässt sie Knud durch einen Detektiv rund um die Uhr überwachen …

„Wer will denn da schon wieder was von uns?“, fragte Harry Ronnecker unmutig, als das Telefon schrillte, während sie beim Abendessen saßen. Er stand auf und ging an den Apparat. „Heute noch?“, hörte Sabine ihn fragen, und unwillkürlich schüttelte sie den Kopf. „Meine Gesellen haben schon Feierabend, und ich … Selbstverständlich sehe ich das ein. Also gut. Ich werde versuchen, Ihnen jemanden zu schicken. In etwa einer halben Stunde. Sie können beruhigt sein. Auf Wiederhören.“

Er legte den Hörer auf und wandte sich Sabine mit der Erklärung zu: „Ein Herr Scharfenberg. Er hat letzte Woche unsere große Musiktruhe mit dem eingebauten Fernsehapparat gekauft, dazu die Stereoanlage. Du erinnerst dich?“

„Und ob“, bestätigte Sabine.

„Der Fernseher ist nicht in Ordnung. Heute Abend wird ein Fußballspiel übertragen, und du weißt ja, wie die Leute dann sind. Wahrscheinlich handelt es sich nur um eine Kleinigkeit. Ich habe gedacht, ob du wohl …“

„Selbstverständlich. Ich komme dann ins Hochhaus nach, wenn es nicht so spät wird. Hast du seine Adresse?“

„Sie steht auf der Rechnung. Nett von dir, dass du mir das abnimmst. Du bist überhaupt ein feiner Kerl, Sabinchen. Ich wusste gar nicht, was ich ohne dich anfangen sollte.“

Sie lächelte ihm liebevoll zu. Vernünftig, wie sie nun einmal war, machte sie sich keine Illusionen über die Zukunft. Harry würde eines Tages ein nettes Mädchen kennenlernen und es heiraten, und für sie war dann in der kleinen Wohnung kein Platz mehr. Schon längst hatte sich Sabine mit dieser Vorstellung abgefunden.

Sie überprüfte den Inhalt ihrer Werkzeugtasche auf Vollständigkeit und vergaß nicht, den grauen Kittel bereitzulegen. Dann teilte sie Harry mit, dass sie fertig war.

Ihr Bruder besaß einen alten Wagen, bei dessen Anblick man sich wunderte, dass er überhaupt noch fuhr. Er sah aus, als hätte Harry ihn vom Schrottplatz geholt. Genauso war es auch. Mit viel Geduld und technischer Begabung hatte er den Wagen wieder fahrbereit gemacht.

Selbstverständlich fuhr er seine Schwester zu diesem Scharfenberg.

„Der Mann wohnt nicht schlecht“, stellte Sabine anerkennend fest, als ihr Bruder das Fahrzeug vor einer sehr pompösen Villa stoppte. „Also dann auf ins Vergnügen. Hoffentlich ist er kein Meckerer, der mir die Schuld am Versagen des Apparates gibt.“ Sabine hatte in der Beziehung schon einiges erlebt.

Ein adrettes Hausmädchen öffnete. Erstaunt schaute sie auf die junge Dame. Sabine hatte rasch den Kittel übergezogen. Ihr silberblondes Haar, das in duftiger Fülle ihren schmalen Kopf umgab, glänzte verführerisch.

„Ich komme von der Firma Ronnecker und soll einen Fernseher prüfen“, stellte sich Sabine vor.

„Wir erwarten einen Mann, aber …“

„Dieser Mann bin ich“, verriet Sabine mit strahlendem Lächeln, das schon so manchen entwaffnet hatte. „Seien Sie unbesorgt, ich mache schon nichts kaputt.“

„Wäre auch schwer. Der Apparat ist ja kaputt“, ertönte da eine männliche Stimme.

Er war ein paar Jahre älter als sie, ein Sporttyp, der ihr auf den ersten Blick sehr sympathisch war. Die kleinen Fältchen rechts und links an seinen Augenwinkeln verrieten, dass er wohl gern lachte.

Auch jetzt lachte er. „Erzählen Sie mir nicht, Sie verständen etwas von Fernsehapparaten“, sagte er. „Ich glaube es Ihnen nämlich nicht. Dafür sind Sie viel zu hübsch.“

„Danke. Aber trotzdem verstehe ich etwas davon. Wo steht der Apparat?“ Sabine griff nach ihrem Werkzeugkasten.

„Ich habe wirklich Angst, Sie an das teure Ding ranzulassen“, gestand Scharfenberg. „Interessieren Sie sich auch für Fußball?“

„Ja.“

Und das war nicht einmal gelogen.

Scharfenberg sah nicht aus, als glaube er ihr. „Wer spielt denn heute?“

Sabine sagte es ihm. Und auch, wer im Tor stand. Im Handumdrehen waren sie in ein Gespräch verwickelt.

„Also von Fußball verstehen Sie etwas“, räumte Scharfenberg ein. „Wenn Sie den Apparat nicht in Ordnung bringen, muss ich nämlich in irgendeine Gaststätte gehen. Und das täte ich nicht gern. Habe ich Sie übrigens heute Abend sehr gestört? Wahrscheinlich hatten Sie doch etwas vor?“

„Ich wollte arbeiten. Und ob hier oder woanders, ist ja im Grunde genommen egal. Wie sind Sie sonst mit dem Kauf Ihres Herrn Vaters zufrieden?“

„Wieso?“

„Er hat doch die Musiktruhe gekauft. Oder nicht?“

„Nein. Ich habe sie gekauft. Mein Vater ist längst tot.“

„Ach, dann sind Sie …“

„Sozusagen“, stimmte Scharfenberg ihr zu und verneigte sich. „Man kann mich, wenn man will, als den Herrn des Hauses bezeichnen. Zumindest steht mein Name draußen unter der Klingel.“

Ihm selbst unbewusst war plötzlich sehr viel Bitterkeit in seiner Stimme.

„Beeilen wir uns“, schlug er vor, öffnete eine der Türen, die von der geräumigen Diele abgingen, und machte eine einladende Handbewegung in das Zimmer hinein.

Der Raum war wunderschön. Sabine hatte schon manches Gerät aufgestellt, war dabei in herrschaftliche Häuser gekommen, aber was sie hier sah, ließ sie staunen.

Jagdtrophäen zierten die Wände. Vor dem Kamin lag ein Eisbärenfell. In einem Sessel saß eine junge Frau und schaute, die Augen bis auf einen Spalt zusammengekniffen, auf Sabine.

„Was hattest du so lange draußen zu reden, Knud?“, fragte sie mit unangenehm heller Stimme.

„Die Dame kommt von der Firma Ronnecker. Sie soll unseren Fernseher reparieren.“

„Ach! Und das soll ich glauben? Wie hast du sie kennengelernt, Knud? Für wie dumm haltet ihr mich eigentlich?“

Der Mann wischte sich mit unendlich müde wirkender Handbewegung über die Stirn.

„Mach mir jetzt bitte keine Szene“, mahnte er. „Ich habe bei Ronnecker angerufen und um einen Mann gebeten, der unseren Apparat nachsieht. Ich konnte doch nicht ahnen, dass sie uns ein Mädchen schicken.“

„Du hast es gewusst. Mach mir doch nichts vor! Wie oft hast du mich schon mit ihr betrogen?“ Ganz plötzlich brach die junge Frau in ein Weinen aus.

Scharfenberg eilte auf sie zu, legte den Arm um sie und zog sie an sich.

„Hör doch auf“, bat er. „Ich schwöre dir, dass ich dieses Mädchen nie zuvor gesehen habe.“

„Das glaube ich nicht. Du liebst mich nicht mehr.“

„Unsinn! Du weißt, dass ich dich liebe.“

Seine Stimme klingt aber nicht so, als spräche er die Wahrheit, dachte Sabine. Wenn sie ihm häufiger solche Szenen macht, dann wird es ihm schwerfallen, sie zu lieben. Sabine holte ein paarmal tief Luft. Es hatte ja keinen Zweck, sich über solch eine Frau aufzuregen. Bedauern musste sie allerdings den jungen Mann.

Gelassen, als wäre sie allein im Wohnraum, schraubte sie die Rückwand des Apparates ab. Sie prüfte einige Kontakte und hatte den Fehler rasch gefunden. Es war nur eine Kleinigkeit.

„Fertig“, sagte sie zu Scharfenberg, der noch immer neben seiner Frau stand. „Ich finde den Weg schon allein. Bemühen Sie sich nicht.“

„Einen Moment noch.“ Scharfenberg steckte die linke Hand in die Hosentasche und kam dann mit raschen Schritten auf sie zu. „Das ist für Sie.“

„Danke.“ Sabine freute sich über das Fünfmarkstück. „Einen schönen Abend wünsche ich Ihnen noch. Hoffentlich gewinnt unsere Mannschaft.“

„Wir werden ihr beide Daumen drücken. Warten Sie, ich bringe Sie hinaus. Die Haustür wird abgeschlossen sein.“ Knud Scharfenberg schloss die Wohnzimmertür hinter sich. „Tut mir leid, dass Sie Zeugin der hässlichen Szene waren“, entschuldigte er sich. „Meine Frau ist etwas krankhaft veranlagt. Sie kann nichts für ihre Eifersucht.“

Sabine wusste nicht, was sie auf sein Geständnis erwidern sollte.

„Die Hauptsache ist, der Fernseher ist wieder in Ordnung“, brachte sie schließlich hervor.

„Haben Sie eigentlich einen Freund?“

„Wieso?“

„Verzeihen Sie meine dumme Frage. Ich dachte nur … Sie sehen eigentlich nicht aus wie jemand, der einem anderen Eifersuchtsszenen macht. Sind Sie schon lange bei der Firma Ronnecker?“

„Von Anfang an. Ich bin die Schwester des Inhabers.“

Knud Scharfenberg machte ein schuldbewusstes Gesicht.

„Und ich habe Ihnen ein Trinkgeld gegeben“, murmelte er zerknirscht. „Dabei hätte ich gleich sehen müssen, dass Sie keine Handwerkerin sind.“

„Bin ich aber doch. Ich habe eine richtige Lehrzeit hinter mir, und mein Beruf macht mir Freude.“

„Knud, wo bleibst du so lange?“, meldete sich eine schrille Stimme aus dem Wohnzimmer.

„Meine Frau“, erläuterte Scharfenberg. „Guten Heimweg. Sind Sie mit dem Wagen gekommen?“

„Nein. Das heißt doch. Mein Bruder hat mich abgesetzt. Ich fahre mit der Straßenbahn zurück.“

„Mit dem schweren Kasten? Na dann, kommen Sie gut heim.“

„Danke, Herr Scharfenberg.“

Sabine wusste nicht, dass sie ihn besonders nett anlächelte. Er war ein sehr sympathischer Mann. Und an eine Frau gebunden, die ihm das Leben sicherlich zur Hölle machte. Ein Wunder, dass er überhaupt noch lachen konnte.

Sabine ging hinaus. Knud Scharfenberg blieb oben stehen und schaute ihr nach. Was für ein nettes, frisches Mädchen, dachte er. Sie lacht gern, sie scheint unkompliziert zu sein, und außerdem arbeitet sie noch.

„War der Fernsehapparat wirklich kaputt?“, empfing Ilse Scharfenberg ihren Mann misstrauisch. „Sag mir, was du damit gemacht hast.“

„Nichts. Er war defekt. Du weißt es doch selbst.“

„Ich wollte heute eine Freundin besuchen, und das wusstest du. Du glaubtest mit ihr allein sein zu können. Ich habe dich durchschaut, Knud! Oder willst du mir einreden, sie verstände wirklich etwas von Technik?“

„Fräulein Ronnecker tut es.“

„Ronnecker heißt sie. Sie gefällt dir wohl gut? Ich finde sie fade.“

„Jetzt hör endlich auf, Ilse. Deine Eifersucht ist ja Verrücktheit. Ich habe dich nie betrogen, aber wenn du so weitermachst, wird es eines Tages dazu kommen.“

Ilse erstarrte förmlich. Sie wurde totenblass. Dann schoss ihr fleckige Röte ins Gesicht.

„Wenn du das wagst …“, stöhnte sie. „Ich bringe dich um, und das Mädchen dazu.“

„Hör doch auf mit dem Unsinn! Benimm dich vernünftig. Am besten ist es, ich mache noch einen Spaziergang, bis du dich wieder beruhigt hast.“

„Du sollst bei mir bleiben. Ich bekomme dich viel zu selten zu sehen. Immer steckst du in der Fabrik. Ich glaube fast, du hast mich nur geheiratet, um die Fabrik zu bekommen.“

„Ich gehe jetzt!“

Diese Vorwürfe, schon tausendmal erhoben, zermürbten Knud Scharfenberg allmählich. Er hatte sich in ein kapriziöses Mädchen verliebt und hatte es geheiratet. Sie machte ihm nun mit ihrer Eifersucht das Leben zur Hölle. Sie scheute auch nicht davor zurück, ihn vor allen Leuten lächerlich zu machen.

Er zog rasch einen Mantel über, denn inzwischen hatte es angefangen zu regnen, und verließ das Haus.

Wann hat sie eigentlich angefangen, sich so zu verändern?, fragte sich Knud. Er wusste es nicht mehr. Es war ganz allmählich gekommen, mit kleinen Symptomen, denen er anfangs keine Beachtung geschenkt hatte. Vielleicht war das ein Fehler gewesen. Hätte er gleich auf den Tisch gehauen, wäre Ilse vielleicht vernünftig geworden.

Knud straffte die Schultern. Kurz darauf betrat er eine kleine Gaststätte, bestellte ein Bier und wartete mit anderen Männern zusammen auf das Fußballspiel. Er kam erst gegen Mitternacht in die Villa zurück.

„Du kommst spät“, hörte er eine Stimme aus der Dunkelheit, und nur das Aufglühen einer Zigarette verriet ihm, wo der Sprecher saß.

„Ich habe mir das Fußballspiel angeschaut und noch ein Glas Bier getrunken. Konntest du nicht schlafen, Schwiegervater?“

„Nein. Das dürfte auch schwer sein. Ilse hat stundenlang geweint. Deinetwegen. Was stellst du dir eigentlich so vor? Ist das der Dank für alles Gute, was wir dir angetan haben und noch antun? Ich verlange von dir, dass du dich zusammennimmst! Verstanden?“

Knud ballte die Rechte zur Faust. Er leitete das Werk seines Schwiegervaters selbstständig, er war eine Respektsperson, deren Anordnungen man sich widerspruchslos beugte. Und Ilses Vater glaubte, ihn herunterputzen zu können wie einen dummen Jungen.

Knud atmete schwer. „Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Ilse ist grundlos eifersüchtig. Deine Tochter ist verzogen.“

„Nein! Verwöhnt. Sie hat stets bekommen, was sie wollte. Gott sei Dank können wir uns alles erlauben. Ich dulde nicht, dass du unserer Ilse Kummer machst. Frauengeschichten gibt es für dich nicht.“

„Jetzt fängst du auch noch an! Wie oft muss ich denn noch sagen, dass ich Fräulein Ronnecker heute Abend zum ersten Mal gesehen habe.“

„Schrei mich nicht so an! Mir brauchst du nichts vorzumachen. Ich bin schließlich auch ein Mann und weiß, wie einem manchmal zumute ist. Aber du wirst Ilse treu bleiben. Oder ich ziehe die Konsequenzen.“

„Dann zieh sie doch! Übernimm doch deinen Krempel wieder allein, ich habe keine Lust mehr. Ich packe meine Sachen und gehe! Und deine Tochter solltest du in eine Nervenheilanstalt schicken. Vielleicht kann ein Psychiater ihr die Flausen austreiben. Ich kann es nicht.“

„Reg dich nicht so auf. Wenn du mir versprichst, solche Dummheiten in Zukunft nicht wieder zu machen, sind wir bereit, die Angelegenheit diesmal zu vergessen.“

„Das ist mächtig edel von euch. Du vergisst nur, dass es keine Angelegenheit gibt, die ihr vergessen müsstet. Warum glaubt ihr mir nicht?“

„Ilse hat geweint …“

Das war zwar keine Begründung, aber Knud Scharfenberg verstand trotzdem, was Edgar Petersen damit ausdrücken wollte. Er war im Grunde genommen ein intelligenter Mann, nur seiner Tochter gegenüber blind und schwach. Sie war sein einziges Kind, er hatte sein ganzes Herz an sie gehängt.

Aber manchmal hatte Knud dieses ganze Theater um Ilse satt. Sie konnte sich nicht natürlich benehmen. Ständig machte sie ihm Szenen. Von einem Augenblick zum anderen wechselte ihre Stimmung.

Aber scheiden lassen konnte er sich nicht. Er hing an dem Werk, dessen großer Aufschwung in den letzten Jahren allein sein Verdienst war. Und außerdem brauchte er Geld. Viel Geld. Sein Schwiegervater gab es ihm großmütig, ohne dass er ihn viel darum bitten musste.

„Wir verstehen uns also, nicht wahr?“

Noch immer standen sie im Dunkeln. Auch Knud hatte das Licht in der Diele nicht angeknipst. Er holte es jetzt nach. Von der plötzlichen Helligkeit geblendet, zwinkerte er mit den Augen.

„Also gut. Sprich du doch einmal mit Ilse, und mach ihr klar, dass es so nicht weitergehen kann. Ich habe sie doch geheiratet, weil ich sie liebe. Leg dich ins Bett und schlaf gut. Tut mir leid, dass alles so ist …“

***

Im Werk hatte Knud es mittags sehr eilig. In der Regel fuhr er nach Hause, um dort zu essen. Auch heute verließ er das Werk zur gewohnten Zeit. Er fuhr zu seiner Mutter. Ab und zu besuchte er sie, wenn es seine Zeit zuließ.

Es waren gestohlene Stunden, denn die Familie Petersen sah es nicht gern, dass er sich bei seiner alten Mutter sehen ließ.

„Wir lassen ihr Geld zukommen, das reicht völlig“, hatte Ilse in ihrer taktlosen Art einmal gesagt. „Es braucht schließlich niemand zu wissen, aus welch kleinen Verhältnissen mein Mann kommt.“

Frau Scharfenberg hatte sich schwer durchs Leben geschlagen, nachdem ihr Mann verhältnismäßig früh gestorben war und ihr nur eine winzige kleine Rente hinterließ. Sie hatte für andere Leute gewaschen, sauber gemacht und es irgendwie noch fertiggebracht, Knud studieren zu lassen.

Nur Knud und sie wussten, was für Entbehrungen das für sie bedeutet hatte. Seine Schwester Anne machte sich nicht so viele Gedanken darum. Sie arbeitete in einem Büro, verdiente nicht schlecht und fühlte sich dabei ganz wohl.

Knud stoppte seinen großen Wagen vor dem einfachen Reihenhaus. Er besaß einen Schlüssel und öffnete, ohne zu klingeln. Auf dem kleinen Flur zog er die Luft schnuppernd ein.

Es roch nicht nach Essen. Sollte seine Mutter schon wieder bettlägerig sein? Vor drei Wochen erst war sie von der teuren Kur zurückgekommen, und es schien ihr danach besser zu gehen als vorher.

Von seinem Gehalt als Volkswirtschaftler hätte Knud niemals die Arztkosten und noch weniger die Kuraufenthalte bezahlen können, die seine Mutter brauchte.

Behutsam klopfte Knud an die Tür ihres Zimmers und öffnete. Die Vorhänge waren halb zugezogen und ließen das Tageslicht nur gedämpft herein. Seine Mutter lag auf der Bettcouch.

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