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Lore-Roman - Folge 024

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Mit den Waffen einer Frau
  4. Vorschau

Mit den Waffen einer Frau

Ein packender Schicksalsroman

Von Karin Weber

Wie ein Blitz aus heiterem Himmel trifft Sabine die Nachricht ihres Bruders, dass die väterliche Firma vor dem Zusammenbruch steht. Das verdanken sie nur einem Mann: Alexander Bonin. Dieser geht über Leichen, wenn er ein Ziel erreichen will. So hat er auf dem Weg zum Erfolg schon manch kleine Fabrik seinem Konzern einverleibt.

Doch Sabine will so schnell nicht kapitulieren. Sie ist bereit, den Kampf aufzunehmen. Und sie wird ihn mit den Waffen einer Frau führen. Daher bewirbt sie sich um die Stelle einer Sekretärin bei den Bonin-Werken. Sie wird eingestellt, und ihre Tüchtigkeit ebnet ihr schnell den Weg ins Vorzimmer von Alexander Bonin. Nun sitzt sie an der Stelle, von der sie dem Mann nach und nach all das heimzahlen kann, was er ihrer Familie angetan hat …

Nach dem Essen war es bei Müllers üblich, dass sich alle im Wohnzimmer zusammensetzten und plauderten. Der Gesprächsstoff ging ihnen niemals aus, wenn Peter auch derjenige war, der am wenigsten zur Unterhaltung beitrug.

Mittags aß er in der Kantine des Werkes, aber es war Sabines Ehrgeiz, ihm abends eine wirklich gute Mahlzeit vorzusetzen.

„Wenn du Lust hast, könnten wir uns über die Kostenvoranschläge unterhalten“, schlug sie vor. „Ich habe mir ein paar Zeichnungen machen lassen, die ich dir gern zeigen möchte. Und die Preise der Handwerker …“

Peter schüttelte ablehnend den Kopf. „Muss das ausgerechnet heute sein?“, fragte er.

„Selbstverständlich nicht. Wenn du heute zu müde bist, dann eben morgen oder übermorgen. Es wäre mir nur lieb, wenn wir die Sache nicht auf die lange Bank schieben würden. Ich möchte die Handwerker nicht zu lange warten lassen. Und wärmer wird es dieses Jahr auch nicht mehr.“

Peter stand auf, trat ans Fenster und schaute in den großen, gepflegten Garten hinaus.

„Du bist heute so seltsam. Bedrückt dich irgendetwas?“ Sabine spürte die Unruhe ihres Bruders. „Gibt es in der Firma irgendwelche Schwierigkeiten? Man munkelt ja schon wieder von Lohnerhöhungen. Wo soll das nur hinführen? Die Preise für unsere Kekse sollen wir halten, aber die Leute, die sie herstellen, wollen möglichst jedes Vierteljahr mehr Geld haben. Ist es das, was dich bedrückt?“

„Unter anderem.“ Peter drehte sich um und lächelte ihr zu. „Ich denke, ich arbeite noch ein Stündchen.“ Er straffte sich und ging zur Tür. „Bringst du mir nachher noch ein Stückchen Kuchen?“, bat er seine Schwester.

„Sicher. Möchtest du auch noch Kaffee?“ Es gab nichts, was Sabine nicht für ihren Bruder getan hätte.

„Nein, danke.“ Peter hatte es recht eilig, hinauszukommen. Aber auf dem Weg zu seinem Arbeitszimmer ließ er sich Zeit. Als Sabine mit dem Kuchen kam, saß er zwar hinter dem Schreibtisch, den er von seinem Vater übernommen hatte, aber die Platte war leer.

„Nusstorte, hoffentlich schmeckt sie dir.“ Sabine strahlte ihn an. „Kann ich sonst noch etwas für dich tun?“

„Setz dich mal.“ Peter schob den Teller mit der Torte zur Seite. „Ich wollte gern unter vier Augen mit dir sprechen. Hör mal, Sabine, deine Umbaupläne …“

Das Mädchen richtete sich gespannt im Sessel auf. Ein hellwacher Ausdruck lag plötzlich auf ihrem Gesicht. „Was ist damit?“

„Verschieb sie doch. Im Augenblick … Ich möchte es den Eltern nicht zumuten …“

„Aber sie wollen es selbst, bestimmt. Und so schlimm ist es nicht, wie du es dir vorstellst. Wir ziehen einfach in die erste Etage, solange die Handwerker hier unten arbeiten. Und wenn sie hier fertig sind …“ Sie hatte voller Eifer gesprochen, aber sie merkte, dass ihr Bruder mit seinen Gedanken woanders war. „Du hörst mir ja gar nicht zu“, sagte sie vorwurfsvoll. „Ich möchte nur einmal wissen, was dich beschäftigt. Du hast doch nicht etwa Liebeskummer?“

„Ich wünschte, es wäre nur das.“ Peter verkrampfte die Hände auf der Schreibtischplatte. „Bitte, sprich nicht mit den Eltern über das, was ich dir jetzt sagen muss. Also, der Umbau … ich habe das Geld nicht übrig!“

„Fünfunddreißigtausend?“ Sabine schüttelte den Kopf, denn das war an und für sich keine Summe, die im Betrieb des Keksfabrikanten Müller eine große Rolle spielte. Sie wusste, was die Fabrikanlagen und all die modernen Maschinen gekostet hatten, die Vater im Laufe der Jahre angeschafft hatte. Und sie wusste auch, was der Betrieb einbrachte.

„Die Gewinne sind geringer geworden.“ Peter sprach gequält. „Die Konkurrenz hat nicht geschlafen. Dazu kommen die vielen Importe aus dem Ausland, die unsere Preise drücken. Ich bin froh, wenn ich jeden Monat die Löhne und Gehälter bezahlen kann.“

Sabine schaute ihn an, als glaube sie, er wolle sie nur auf den Arm nehmen. Sie wartete nur auf ein Zeichen von ihm, um zu lachen. Aber der Wunsch zum Lachen verging ihr, je länger sie in sein vergrämtes Gesicht blickte. Peter hatte Sorgen, geschäftliche Sorgen. Und niemand hatte es geahnt.

„Peterle!“ Sie ging auf ihn zu und legte liebevoll die Hand auf seine Schulter. „Mach dir doch darüber keine Sorgen! Solch eine Krise geht bestimmt vorüber. Unsere Fabrik ist gut fundiert, unsere Kekse schmecken …“

„Ja, das weiß ich alles“, fiel der Mann ihr ungeduldig ins Wort. „Du siehst jetzt also ein, dass ich dir kein Geld geben kann? Auf keinen Fall dürfen die Eltern merken, wie es um uns steht. Irgendwie werden wir den Dampfer wieder flott bekommen.“

„Du wirst es schon schaffen.“ Sabine gab ihm einen Klaps auf den Rücken. „Warum hast du nicht schon früher mit mir darüber gesprochen? Man muss sich einmal seine Sorgen vom Herzen reden, dann fühlt man sich gleich viel leichter. Und wir wissen ja alle, wie tüchtig du bist. Du hast bestimmt keine Schuld daran, wenn irgendwelche Schwierigkeiten aufgetreten sind.“

„Es geht schon eine ganze Zeit so …“ Peter zog die Unterlippe zwischen die Zähne. „Und vor allem dieser verdammte Bonin.“

„Aber der spielt doch überhaupt keine Rolle! Der hat doch nur seinen kleinen Betrieb.“ Sabine hatte ihren Vater manchmal über diesen Bonin sprechen hören.

„Ja, dieser Bonin. Ich weiß nicht, wie er es macht, aber er verkauft seine Kekse zu Schleuderpreisen.“

„Der beste Weg, um bald Pleite zu machen.“ Sabine hatte nicht umsonst einen Kursus in Volkswirtschaft gemacht.

„Das habe ich anfangs auch gedacht. Aber merkwürdigerweise denkt er gar nicht daran, Pleite zu machen. Im Gegenteil, sein Betrieb wächst von Monat zu Monat. Er kann gar nicht so schnell bauen, wie er neue Anlagen braucht. Er kauft alle möglichen kleinen Fabriken auf und lässt dort produzieren, weil seine eigenen Anlagen nicht ausreichen. Vor ein paar Jahren war er ein Außenseiter.“

Sabines Gesicht war eine einzige Frage.

„Und jetzt beherrscht er den Markt. In den großen Handelsketten ist er derjenige, der verkauft. Und welcher kleine Krämer ist nicht irgendeiner Handelskette angeschlossen? Müllers Kekse sind gut. Aber was nützt das, wenn die Händler sie nicht anbieten? Weil dieser Bonin billiger liefert.“

Sabine setzte sich wieder. Was sie da hörte, war bestürzend, und sie konnte es einfach nicht glauben.

„Aber wie macht er das denn?“, fragte sie. „Zaubern kann der Mann doch auch nicht.“

„Er ist rücksichtslos und brutal. Ihm ist jedes Mittel recht, wenn es darauf ankommt, Geschäfte zu machen. Auf unsere Fabrik hat er es übrigens auch abgesehen. Wenn ich will, kann ich jeden Tag an ihn verkaufen. Natürlich zu einem Ramschpreis. Aber lieber bringe ich den Kerl um, bevor ich ihm unseren Betrieb überlasse.“

Peter schlug mit der Faust auf den Tisch.

„Vorgestern war er bei mir. Er fährt natürlich einen Luxuswagen, etwas anderes kommt für ihn nicht infrage. Und wie er sich bei uns umgeschaut hat, man sah richtig, wie er die Nase rümpfte. Und dann hat er mir freundlich erklärt, dass er sich für unseren Betrieb interessiere. Am liebsten hätte ich ihn rausgeworfen.“

„Warum hast du es denn nicht getan?“, fragte Sabine, die vom Zorn ihres Bruders angesteckt wurde.

Im Geiste sah sie ihn vor sich, diesen Bonin, einen kleinen, stiernackigen Mann, eine Zigarre zwischen wulstigen Lippen, eine selbstgefällige Stimme, mit der er auf ihren Bruder einredete.

Peter seufzte. „Einen Bonin wirft man nicht raus. Er ist einfach zu mächtig geworden.“

„Aber du denkst doch wohl nicht daran, mit ihm zusammenzugehen? Der würde uns doch glatt an die Wand drücken. Peter, was hast du vor?“

Unter ihrem Blick wurde es dem jungen Mann noch unbehaglicher als vorher.

„Wir werden schon durchkommen. Denn schließlich kann er nicht jeden Betrieb an die Wand drücken, der feine Bonin. Alexander heißt er. Er betrachtet seinen Namen wohl als Verpflichtung. Er möchte wohl Alexander der Große sein. Ein unsympathischer Mensch, kalt wie Eis. Für ihn gibt es nur Geschäfte, er kennt kein Privatleben. Ich glaube, er schläft in seinem Büro.“

„Kümmere dich doch einfach nicht um ihn. Und wenn er noch einmal die Frechheit haben sollte, dich aufzusuchen, dann lass ihn vom Pförtner abweisen. Wir haben es schließlich nicht nötig, vor so einem zu kuschen. Vater hat als kleiner Bäckermeister angefangen, und heut, was stellt er vor? Müllers Kekse sind in aller Welt bekannt und beliebt.“

„Der Export wird immer schwieriger. Es sind unsere Preise, verstehst du? Natürlich machen wir noch Geschäfte, aber es ist nicht mehr so wie früher. Dieser Bonin produziert billiger.“

„Aber die Qualität wird sich durchsetzen.“

„Die Leute wollen Qualität zu kleinen Preisen.“ Peter Müller zündete sich eine Zigarette an, und seine Finger zuckten dabei nervös. „Vergiss alles, was ich dir erzählt habe. Und die Renovierung verschieben wir, bis es uns wieder besser geht. Wir müssen uns nur noch etwas ausdenken, was wir den Eltern erzählen können. Sie brauchen ja nicht zu wissen, dass es uns einfach an Geld fehlt.“

„Ich habe überhaupt keine Lust, mir den ganzen Schmutz auf den Hals zu laden. Und gerade jetzt, wo das Wetter jeden Tag umschlagen kann … Im Sommer ist solch ein Umbau viel schöner. Man friert leicht, wenn Türen herausgeschlagen sind …“

„An dir ist eine Schauspielerin verloren gegangen.“ Peter nickte seiner Schwester lächelnd zu. „Sie werden es dir glauben, wenn du es so vorbringst. Die Hauptsache ist, dass du dichthältst.“

„Großes Ehrenwort.“ Sabine machte ein drolliges Gesicht, und Peter lachte.

***

„Was ist nur mit unserer Sabine los?“, fragte Frau Ursula ihren Mann am nächsten Tag. „Ich kenne sie gar nicht wieder. Erst war sie Feuer und Flamme für den Umbau, hat endlos telefoniert, geplant, hätte am liebsten sofort anfangen lassen, und jetzt auf einmal fehlt ihr die Lust.“

Herbert Müller zuckte die Schultern.

„Launen hat sie sonst nie gehabt“, äußerte er nachdenklich. „Ich weiß auch nicht, was dahintersteckt. Sie ist auch so nervös und abwesend. Wenn man mit ihr spricht, hat man immer den Eindruck, dass sie gar nicht zuhört. Ich weiß auch nicht, was ich von ihr halten soll. Aber ich denke, den Umbau lassen wir noch dieses Jahr machen.“

„Wenn du meinst …“ Frau Ursula hatte unbeschränktes Zutrauen zu den Entscheidungen ihres Mannes. Wenn er es für richtig hielt, würde es auch richtig sein.

„Wir wollen doch umbauen“, teilte Vater Herbert seiner Tochter mit, die gerade eintraf. „Ruf doch den Bauunternehmer an, und vereinbare einen Termin mit ihm.“

Sabine wurde blass. „Dieses Jahr noch? Ich weiß nicht recht, ob das vernünftig ist. Schließlich geht es auf den Winter zu, und wer weiß, ob die Handwerker Wort halten und zügig arbeiten? Es kann uns durchaus passieren, dass wir beim Einbruch der Kälte ohne Türen und Fenster dasitzen.“

„Wir lassen die Türen und Fenster erst herausreißen, wenn der Tischler die neuen gebracht hat“, entkräftete Herbert Müller ihren Einwand. „Weshalb willst du nicht umbauen? Nun raus mit der Sprache! Ich merke doch, dass deine Argumente nur faule Ausreden sind. Du warst es doch, die den Umbau unbedingt wollte.“

„Damals wusste ich auch noch nicht …“ Sabine brach ab und wandte den Kopf zur Seite. Lügen fiel ihr ungeheuer schwer.

„Was wusstest du noch nicht?“, fragte der Vater gespannt.

Sabine schüttelte den Kopf. „Nichts. Ich habe einfach dieses Jahr keine Lust mehr, mir graut vor der ganzen Arbeit … Und weil wir gerade davon reden, dann können wir auch dabei bleiben. Die Hausarbeit hängt mir zum Hals heraus. Ich möchte gern eine andere Beschäftigung haben, die ein bisschen mehr von meinen Fähigkeiten verlangt. Ich möchte mir eine Stellung suchen.“

„Wie bitte?“, fragten Vater Herbert und Frau Ursula wie aus einem Mund. Sie schauten sich an und schüttelten gleichzeitig die Köpfe.

„Die Hausarbeit ist mir zu stumpfsinnig. Ich möchte unter Leute kommen, in einem großen Betrieb arbeiten. Versteht ihr das denn nicht?“ Ihre Stimme klang unnötig gereizt.

Nervös trommelte sie mit den Fußspitzen einen Takt auf den Boden.

„Dir ist es hier zu langweilig? Das ist ja ganz neu. Sonst hast du uns immer erzählt, du hättest genau die richtige Beschäftigung. Du spielst gern Klavier, du liest viel, du treibst Sport … Wann langweilst du dich denn?“

„Frag doch nicht so.“ Sabine wusste vor lauter Verlegenheit nicht, wohin sie schauen sollte. „Ich bin jung und möchte einmal andere Tapeten sehen, das ist doch verständlich. Außerdem möchte ich eigenes Geld verdienen.“

„Wieso? Hält Peter dich etwa knapp? Also, mit dem Jungen werde ich gleich heute Abend ein ernstes Wort reden.“

„Peter ist sehr großzügig, Aber ich möchte eigenes Geld verdienen. Alle Mädchen in meinem Alter arbeiten.“

„Stimmt – du auch. Du hältst das Haus sauber, du kochst, du wäschst, ist das etwa keine Arbeit?“

„Du willst mich nicht verstehen.“ Sabine wusste, dass sie auf die vernünftigen Argumente des Vaters nichts erwidern konnte. Es gab nur eine Antwort, die ihn überzeugen würde: die Wahrheit. Und gerade die sollte und durfte er nicht erfahren.

Misstrauen stand deutlich im Gesicht des Mannes geschrieben, als er seine Tochter musterte.

„Steckt vielleicht ein Mann dahinter?“, fragte er.

„Nein. Es ist nur … Warum wollt ihr mich denn nicht verstehen? Lasst mich doch so leben, wie ich es für richtig halte.“

„Du konntest immer tun und lassen, was du wolltest. Wir haben dir vertraut, und ich muss sagen, du hast unser Vertrauen niemals enttäuscht. Aber jetzt verbirgst du uns etwas, Kind. Sabinchen, ich kenne dich doch, ich weiß, dass du etwas auf dem Herzen hast. Nun heraus damit. Weshalb willst du dir eine Stellung suchen?“

„Das habe ich doch schon gesagt.“ Sabine sprang auf und lief hinaus.

„Was mag sie nur haben?“, fragte Frau Müller verwundert. „So war sie noch nie. Ob vielleicht doch ein Mann dahintersteckt?“

„Am besten ist, wir reden nicht mehr so viel und lassen Sabine gewähren. Sie wird schon wieder zu sich kommen und uns sagen, was eigentlich gespielt wird.“

Dabei blieb es. Von Sabines langen Unterhaltungen mit Peter ahnten sie nichts. Sabine verbrachte jetzt manche Stunde im Arbeitszimmer und ging mit Peter zusammen die Bücher durch.

Und immer mehr kam sie zur Einsicht, dass ihnen praktisch nichts anderes übrig blieb, als entweder die Produktion einzustellen, oder aber den Betrieb zu verkaufen.

„Wenn ich nur wüsste, wie ich es Vater beibringen soll“, seufzte Peter. Er war in den letzten Tagen in sich zusammengefallen und älter geworden. Man sah ihm an, dass er nachts schlecht schlief und Sorgen hatte. „Er wird nicht verstehen können, wie es so weit kommen konnte. Wenn ich ehrlich sein soll, verstehe ich es ja auch nicht.“

„Du bist ein ehrlicher Mann und deshalb einem Gauner wie Bonin nicht gewachsen. Aber dem werde ich das Handwerk legen, das schwöre ich dir. Der wird seines Raubes nicht froh werden.“

Peter Müller lächelte müde über ihren Ausbruch.

„Was kannst du schon tun?“, fragte er. „Wenn jemand so viel Geld hat wie Bonin, dann ist er stark, und jeder wird sich hüten, ihn anzugreifen. Gerechtigkeit gibt es nur für arme Leute.“

„Es wird auch für Bonin eine Gerechtigkeit geben. Ich werde in seinen Betrieb eintreten. Ich werde in seinem Büro arbeiten und die Augen offen halten. Und es müsste doch mit dem Teufel zugehen, wenn mir dabei nicht genügend Beweismaterial für seine schmutzigen Geschäfte in die Hände fiele.“

„So etwas nennt man Spionage“, gab Peter zu bedenken.

„Ach wo! Ich will ja nur beweisen, dass er auf unredliche Art und Weise zu seinem Reichtum gekommen ist. Ich werde herausfinden, dass er den Arbeiter bezahlt hat, der in unsere Kühlmaschine den Schraubenschlüssel geworfen hat, dass sie drei Tage stillstand, und wenn ich den Beweis habe, werde ich zur Polizei gehen.“

„Bonin ist viel zu gerissen, um sich leicht aufs Kreuz legen zu lassen. Du kennst ihn nicht, sonst würdest du nicht so sprechen. Wenn er krumme Sachen macht, dann existieren bestimmt keine Aufzeichnungen.“

„Bei seinem riesigen Betrieb muss er Aufzeichnungen machen. Und die werde ich finden. Ist der Kerl eigentlich verheiratet?“

„Dazu hatte er noch keine Zeit. Er ist mit seinem Geschäft verheiratet, mit dem Geld, das er an sich rafft.“

„Dann werde ich vielleicht sogar mit ihm flirten.“

Peter hob den Kopf und runzelte die Stirn. „Das wirst du fein bleiben lassen, Sabine. Man spielt nicht ungestraft mit dem Feuer. Bonin ist kein Mann, der sich an der Nase herumführen lässt.“

„Was kann mir schon passieren?“ Sabine lächelte selbstbewusst. „Ich habe nichts zu verlieren, ich kann nur gewinnen. Und du sagst ja selbst, ich sei eine vorzügliche Schauspielerin. Allerdings wird die Konkurrenz für mich groß sein, nehme ich an. Reiche Männer, auch wenn sie noch so fies sind, haben ja die große Auswahl. Aber ich werde es schon schaffen, ihm aufzufallen. Den mache ich fertig, Peter.“

„Dass du so hassen kannst.“ Dem jungen Mann wurde es unheimlich zumute, als er in das eiskalte Gesicht seiner schönen Schwester schaute. „Du kennst ihn nicht, du weißt nicht, wovon du sprichst. Lass die Finger von ihm. Ich werde versuchen, bei dem Verkauf so viel wie möglich herauszuschlagen. Wir brauchen auf keinen Fall Not zu leiden. Für uns reicht es immer.

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