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Lore-Roman - Folge 019

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Zwei Mädchen und ein Geheimnis
  4. Vorschau

Zwei Mädchen und ein Geheimnis

Ein bewegender Schicksalsroman

Von Karin Weber

Es gibt Erinnerungen, die wir nicht loswerden. Am Tage können wir sie vielleicht vergessen, ins Unterbewusstsein verdrängen, aber nachts kommen sie als Träume wieder.

Frau Sonja hat solch einen Traum, der immer wiederkehrt. Ein brennendes Haus, ein kleines, kahles Zimmer mit einem Bett; sie hört das Knistern der Flammen, schmeckt den Rauch in der Kehle und wimmert wie damals, als es geschah. Sie lag in der Klinik auf der Wochenstation und das Krankenhaus brannte.

Robert ist damals rechtzeitig zurückgekommen und hat sie aus der brennenden Klinik herausgeholt. Sie und ihr Kind. Zwei Tage alt ist Marion gewesen. In eine alte, verschlissene Decke gewickelt, haben sie die Kleine ins Freie getragen.

In den letzten Jahren kommt dieser Traum immer seltener, denn es ist ja alles gut gegangen. Marion ist zu einer bildhübschen, verwöhnten jungen Frau herangewachsen. Über das ungewöhnliche silberblonde Haar macht sich keiner mehr Gedanken. Beide Familien haben zwar dunkle Haare, aber so ist es nun mal mit der Natur – sie hat so ihre seltsamen Launen. Das jedenfalls glauben sie, ihr Mann und ihre Tochter …

Es gibt Erinnerungen, die wir nicht loswerden. Am Tage können wir sie vielleicht vergessen, ins Unterbewusstsein verdrängen; denn wir wissen ja, es ist alles gut gegangen, es ist nichts geschehen. Aber nachts kommen diese Erinnerungen als Träume wieder …

Frau Sonja hatte solch einen Traum, der immer wiederkehrte. Ein brennendes Haus, ein kleines, kahles Zimmer mit einem Bett; sie hörte das Knistern der Flammen, schmeckte den Rauch in der Kehle und wimmerte wie damals, als es geschah.

Sie lag in der Klinik auf der Wochenstation, und das Krankenhaus brannte. Es war Nacht.

„Mein Kind …“ Frau Sonja fuhr schweißgebadet in die Höhe.

Ihr Blick irrte durch das dunkle Zimmer. Gott sei Dank, sie hatte nur geträumt.

Neben ihr schlief Robert. Sein Atem ging tief und gleichmäßig. Langsam beruhigte sich Frau Sonja. Entspannt ließ sie sich in die Kissen zurückgleiten.

Robert war damals rechtzeitig zurückgekommen und hatte sie aus der brennenden Klinik herausgeholt. Sie und ihr Kind. Zwei Tage alt war Marion gewesen. In eine alte, verschlissene Decke gewickelt, hatten sie die Kleine ins Freie getragen. Die Klinik brannte lichterloh.

In den letzten Jahren kam dieser Traum immer seltener. Marion war kein Säugling mehr, sie hatte sich zu einem recht selbstbewussten, verwöhnten Teenager entwickelt. Nur manchmal träumte Sonja noch von dem, was damals geschehen war. Und hätte geschehen können.

Aber es war ja alles gut gegangen. Das jedenfalls glaubten sie, ihr Mann und ihre Tochter. Sie hatten eben Glück gehabt.

***

Mehr als siebzehn Jahre waren seit jener Nacht vergangen. Robert Mattern dachte kaum noch daran zurück. Es war vorbei. Vergangenheit.

„Wo ist Marion?“, fragte er an diesem Morgen, als er sich an den gedeckten Frühstückstisch setzte.

Seine Frau lächelte nachsichtig. „Sie ist noch nicht fertig. Ich habe sie pünktlich geweckt, aber du kennst sie ja. Das Aufstehen fällt ihr schwer.“

Robert Mattern schüttelte den Kopf.

„Es wird Zeit, dass sie kommt. Das Kind muss in Ruhe frühstücken.“

„Ich bin kein Kind mehr!“ Marion hatte seine letzten Worte gehört. „Ich bin eine junge Dame.“

„Eine entzückende junge Dame“, versicherte der Mann freundlich. „Aber auch eine entzückende junge Dame muss in Ruhe frühstücken, wenn sie in der Schule etwas leisten will.“

Marion beugte sich zu ihm hinab und gab ihm einen Kuss.

„Du siehst heute mal wieder umwerfend aus“, stellte sie fest.

„Vielen Dank, Kleines“, entgegnete er ernsthaft, aber in seinem Blick lag Belustigung.

„Zur Elternversammlung musst du diesmal unbedingt mitgehen. Mutti, erlaube ihm nicht, dass er sich wieder drückt.“

„Kind, du weißt doch, wie wenig Zeit dein Vater hat.“ Sonja lächelte über den Stolz ihrer Tochter auf den gut aussehenden Vater. „Ich werde wieder allein hingehen und Vater berichten, was es Neues gibt.“

„Ich möchte aber, dass die Lehrer Vati sehen. Mensch, ich kenne die anderen Väter, also das sind vielleicht Figuren … Sie haben Bäuche, Glatzen, Plattfüße, tragen Brillen und sehen uralt aus. Lebende Leichen. Du dagegen …“

„Mach deinem Vater keine Liebeserklärungen.“ Sonja lachte. „Und vergiss nicht zu essen.“

„Ich muss nämlich gleich ins Büro, liebes Kind, und deinetwegen werde ich nicht zu spät kommen.“

„Bin ja gleich fertig. Muss eigentlich ein tolles Gefühl sein, solch einen Mann zu haben, Mutti.“

„Was ist heute nur mit dir los?“, fragte Sonja kopfschüttelnd.

„Nichts.“ Marion biss mit Appetit in das Brötchen. „Ich war gestern nur mit den Jungs im Beatschuppen. Schreckliche Kinder sind das noch.“

„Ihr passt zusammen. Auch wenn du natürlich in Wirklichkeit eine junge Dame bist.“

Beim Lächeln bildeten sich Fältchen um Robert Matterns Augen. Er war groß, schlank, und sein dunkles Haar war an den Schläfen leicht ergraut.

Er sah wirklich ungewöhnlich gut aus, aber darauf bildete er sich nichts ein.

„Ich wünschte, ich hätte nicht so ein rundes Gesicht.“ Marion spülte den letzten Bissen mit Kaffee hinunter. „Wie bin ich nur dazu gekommen? Ihr habt nicht aufgepasst.“

„Du hast kein rundes Gesicht“, erklärte Sonja energisch.

Ihre Tochter beklagte sich nämlich häufig über ihr Aussehen, obwohl sie dazu überhaupt keinen Grund hatte. Sicherlich, ihr Gesicht war nicht schmal, aber deshalb war sie doch eine kleine Schönheit. Besonders ihr silberblondes Haar zog die Blicke der Männer auf sich.

„Iss noch ein Brötchen“, drängte sie, als Marion einen Blick auf die Uhr warf.

Von draußen ertönte die Hupe des Wagens. Robert Mattern runzelte leicht die Stirn.

„Du kannst ja mit dem Fahrrad in die Schule fahren, Marion.“ Er tupfte sich mit der Serviette den Mund ab und erhob sich. „Zum Mittagessen werde ich pünktlich zu Hause sein, Sonja.“

Seine Frau stand auf und lächelte ihm zu. Sie war ungeheuer stolz auf ihren Mann. Sie liebte ihn, weil er ein guter Mensch war, weil ihm seine Familie über alles ging.

„Arbeite nicht so viel, Robert.“ Sie gab ihm einen Kuss.

Marion seufzte. „Wenn ich einmal heirate, dann nur einen richtigen Mann“, erklärte sie temperamentvoll. „Aber ich glaube, richtige Männer sind ausgestorben.“

„Du wirst schon einen finden. Willst du nicht lieber doch noch ein Brötchen essen?“

„Nö. Hab keinen Hunger.“ Marion griff nach ihrer Büchertasche. „Tschüss dann, bis heute Mittag, Mutti – Komm jetzt, Vati.“ Sie schob ihren Arm unter seinen und strahlte ihn an.

Schmunzelnd schaute Robert Mattern auf seine bildhübsche Tochter.

„Du bist schon ein Racker“, sagte er halblaut.

„Wenn die anderen vor der Schule sehen, dass ich mit dem Wagen gebracht werde … Mensch, die platzen alle vor Neid.“

„Kleine Angeberin. Du solltest lieber zusehen, dass du auf deine Leistungen stolz sein kannst. Deine letzte Lateinarbeit …“

„Hör davon auf!“ Marion lief zur Tür und öffnete sie für den Vater. „Darf ich bitten, mein Herr?“ Sie knickste tief.

„Nach Ihnen, meine Dame.“

Robert Mattern strich ihr leicht über das silberblonde Haar. Von wem mag sie es wohl geerbt haben?, fragte er sich. In seiner Familie waren alle dunkel. In der seiner Frau auch. Eine seltsame Laune der Natur.

***

„Das ist sein Wagen. Du musst ihn heute ansprechen, Vater.“

Else Petermann runzelte die Stirn, als sie einen Blick auf das Gesicht des neben ihr stehenden Vaters warf.

Seine Unentschlossenheit regte sie manchmal auf.

„Mutter hat recht, er bezahlt dir zu wenig für die Hunde. Und mit Mattern kann man sprechen, sagst du doch immer.“

„Jaja, aber man muss einen günstigen Zeitpunkt erwischen …“ Karl Petermann zog den Kopf zwischen die Schultern. „Mattern ist ein großer Herr, der von unsereinem nicht belästigt werden will.“

„Er muss dir mehr Geld geben.“ Elses Stimme klang fest.

„Jaja.“ Ihr Vater nickte zögernd. Er schaute auf den Wagen, der kurz vor dem Pförtnerhaus anhielt und dann langsam weiterfuhr.

Schmidtgen, Robert Matterns Fahrer, öffnete seinem Chef die Wagentür vor dem siebenstöckigen Bürohaus.

„Herr Direktor …“ Eine leise, demütige Stimme.

Robert drehte unmutig den Kopf. „Was gibt es?“

Der Nachtwächter Petermann schien unter seinem Blick noch kleiner zu werden. Er wirkte übernächtigt, und in seinem abgetragenen Mantel machte er alles andere als eine gute Figur.

„Nun reden Sie schon, Mann!“ Robert Mattern war ungeduldig.

„Ich dachte nur … es ist nämlich so, Herr Direktor, eigentlich hat mich meine Frau hierhergeschickt, und … die Frauen kaufen ja ein, Sie wissen ja, wie das ist, immer liegen sie einem in den Ohren, dass das Geld nicht reicht. Und es stimmt ja, die Hunde fressen ungeheuer viel.“

Robert Mattern klopfte mit der flachen Hand gegen seine Aktenmappe. Schrecklich, wie umständlich diese Leute redeten!

„Und weil wir die Hunde ja brauchen …“

„Mein Vater bittet Sie, das Futtergeld für die Hunde zu erhöhen“, mischte sich eine jugendlich helle Stimme ein.

Erst jetzt warf Robert Mattern einen Blick auf das Mädchen neben Petermann. Er erinnerte sich dunkel, dass sein Nachtwächter eine Tochter hatte.

„Woher kenne ich Sie?“, fragte er.

Er hatte ein ungeheuer gutes Gedächtnis für Gesichter. Er vergaß niemanden, mit dem er einmal gesprochen hatte.

„Ich weiß es nicht. Ich glaube nicht, dass Sie mich schon gesehen haben, Herr Direktor.“

Mattern durchforschte noch immer seine Erinnerung.

„Ich habe Sie gesehen, widersprechen Sie mir nicht. Wenn ich nur wüsste, wo. Arbeiten Sie vielleicht im Werk?“

„Nein.“

Diese knappe Antwort gefiel Robert. Sie beantwortete nur seine Frage, ohne hinzuzufügen, wo sie beschäftigt war.

„Ist ja auch weiter nicht wichtig.“

„Wie steht es mit dem Futtergeld für die Hunde? Mein Vater bekommt zwanzig Mark im Monat. Das ist viel zu wenig.“

„Was Sie nicht sagen.“ Ihr energischer Ton ließ Mattern belustigt den Mund verziehen. „Wie viel möchten Sie haben?“

„Das doppelte.“ Else Petermann schaute ihn fest an. Sie war noch jung, wahrscheinlich ungefähr in Marions Alters, aber ein ganz anderer Typ.

An ihr war nichts Verspieltes, und er glaubte nicht, dass sie im Leben allzu oft gelacht hatte. An wen erinnert sie mich nur?, dachte er wieder. Ihr Haar war dunkel, ihr Gesicht schmal, ihre Augen grau …

„Aber, Else, der Herr Direktor … es ist so Herr Direktor. Sie dürfen uns nicht für aufdringlich halten, doch ich verdiene nicht viel, und das Mädchen kostet auch etwas, Sie wissen ja, wie Kinder so sind, immerzu brauchen sie was Neues, meine Frau ist ständig krank …“

„Schon gut.“ Robert Matterns Stimme klang ungeduldig. „Ich werde veranlassen, dass Sie in Zukunft vierzig Mark für die Hunde bekommen werden. Wie geht es Ihnen sonst, Petermann?“

Beim Sprechen schaute er allerdings nicht auf seinen Nachtwächter, sondern auf das Mädchen an seiner Seite. Irgendetwas an diesem Geschöpf beunruhigte ihn, und das war etwas völlig Neues für den selbstbewussten Chef der Mattern-Werke.

„Danke, gut, Herr Direktor.“ Karl Petermann verneigte sich mehrmals tief und lächelte. „Danke für die Nachfrage. Wir wohnen hier nicht schlecht. Wenn das Geld auch ein bisschen knapp ist. Wir sind bescheidene Leute und kommen schon zurecht. Darf ich fragen, wie Ihr wertes Befinden ist?“

„Zufriedenstellend.“ Mattern fand, dass er genug Zeit vertrödelt hatte. Er nickte den beiden zu und betrat dann das Bürohaus.

Wo habe ich dieses Mädchen schon gesehen?, fragte er sich.

„Was für ein eingebildeter Mensch“, stieß Else Petermann hervor, als sie mit dem Vater allein war. „Er hält sich für ein Stück vom lieben Gott.“

„Pst, nicht so laut“, mahnte ihr Vater und schaute sich scheu um.

„Warum hast du Angst vor ihm?“, fragte Else. „Er ist schließlich nur ein Mensch wie wir auch. Sein Reichtum gibt ihm kein Recht, uns zu behandeln, als wären wir Menschen dritter Klasse.“

„Du darfst nicht so reden.“ Petermann zog ein buntkariertes Taschentuch und tupfte sich damit die Schweißperlen von der Stirn. „Er gibt uns mehr Geld für die Hunde, das ist doch nett von ihm.“

„Vierzig Mark sind immer noch zu wenig. Er erweist uns doch keine Gnade, wenn er dir genügend Geld für das Hundefutter gibt. Schließlich habt ihr einmal zusammen angefangen. Aber der feine Herr hat das vergessen.“

„Es ist schon lange her. Die Zeiten haben sich geändert, Elseken. Du musst nicht gleich immer so aufbrausen. Wir sind doch auf ihn angewiesen.“

Seine Tochter presste die Lippen fest zusammen.

„Wenn ich ausgelernt habe, verdiene ich ganz gut, dann bin ich nicht mehr auf ihn angewiesen. Und dann kann ich ihm sagen, was ich von ihm und seinesgleichen halte. Er hat kein Recht, auf uns hinabzuschauen.“

„Tut er ja gar nicht. Du musst jetzt ins Büro, sonst kommst du zu spät. Hast du an dein Frühstücksbrot gedacht?“

„Dafür sorgt Mutter schon. Geh nach Hause, sie wartet auf dich.“

„Ich bin auch hundemüde. So eine Nacht ist verdammt lang, besonders so eine kalte Nacht.“

„Leg dich ins Bett, dann wird dir warm. Mutter hat den Tee für dich auf den Herd gestellt.“ Else nickte ihm zu und schritt dann eilig davon.

Robert Mattern betrat sein Vorzimmer.

Seine Sekretärin strahlte ihn an. „Guten Morgen, Herr Direktor.“

„Guten Morgen. Was gibt es Neues?“

Die Sekretärin folgte ihm in sein Büro. Robert Mattern warf seine Aktenmappe schwungvoll auf den Tisch. Etwas zu schwungvoll, denn sie rutschte zu weit und stieß ein gerahmtes Foto um.

Fräulein Schütte beeilte sich, es wieder aufzustellen. Neidisch schaute sie auf das Bild. Sonja Mattern. Die hat es gut, dachte sie, die hat den richtigen Mann.

„Geben Sie mal her.“ Robert Mattern nahm seiner Sekretärin das Foto aus der Hand und betrachtete es, als sähe er es zum ersten Mal. „Daher also“, murmelte er.

„Ist etwas?“, fragte Fräulein Schütte dienstbereit.

„Was meinen Sie?“ Der Chef hob den Kopf und schaute sie an. „Ob etwas ist? Nein, nein. Nur diese Ähnlichkeit … Es gibt seltsame Zufälle.“

Er stellte das Bild auf den Schreibtisch zurück und ließ sich von Fräulein Schütte über die wichtigsten Posteingänge informieren. Die kleine Petermann hatte er schon fast vergessen. Tochter seines Nachtwächters, etwa so alt wie seine Tochter Marion, dunkles Haar und Augen wie Sonja …

Zufall – nicht wert, einen Gedanken daran zu verschwenden.

***

Marion Mattern stürmte aus der Schule und schaute sich auf der Straße um. Wenn ihr Vater es einrichten konnte, fuhr er mittags vorbei und nahm sie mit nach Hause. Aber heute entdeckte sie den Wagen nicht.

„Hallo, kleine Leute kennst du wohl nicht mehr?“, rief da jemand.

Marion blieb stehen und drehte sich um.

„Kay!“ Sie streckte dem jungen Mann strahlend die Rechte entgegen. „Du bist wieder im Lande?“

„Scheint so. Und sozusagen als fertiger Mensch. Wenn du willst, darfst du mir gratulieren.“

„Du hast dein Examen! Mensch, wie ich mich freue! Gut siehst du aus“, stellte sie fest und musterte ihn ungeniert von oben bis unten. „Gar nicht so, als hättest du gerade ein schwieriges Examen hinter dir.“

„Du bist eine gute Beobachterin. Hinter mir liegt nämlich ein erholsamer Urlaub.“

„Ach … und hast du ordentlich Mädchenherzen gebrochen?“, fragte Marion.

„Ich kann sie noch zählen“, erklärte Kay Weber beruhigend. „Du hast dich hübsch gemausert, Marion. Man könnte dich direkt für eine junge Dame halten.“

„Affe.“ Marion hätte ihm am liebsten die Zunge herausgestreckt.

„Darf ich dich irgendwo hinbringen?“, fragte Kay.

„Ich wollte nach Hause. Hast du denn einen Wagen?“

„Ein Wägelchen.“ Mit einer lässigen Kopfbewegung wies Kay auf seinen Sportwagen. „Hat Vater mir zum Examen geschenkt.“

„Mensch, ein Sportwagen!“ Marion gab ihm einen Knuff in die Seite. „Nichts wie rein!“

Ihre Unbefangenheit rührte ihn, weil sie ihm klarmachte, dass Marion im Grunde noch ein Kind war. In ihrer ganzen Art lag nichts Berechnendes, und das war eine angenehme Abwechslung nach den Frauen, die versucht hatten, in seinem letzten Urlaub seine Aufmerksamkeit zu erringen.

„Was macht die Schule? Du musst doch bald fertig sein.“

„Es sieht fast so aus, als würde ich im Abitur durchfallen. Heute habe ich wieder eine Mathematikarbeit verbohrt.“

„Nicht so schlimm, dann wiederholst du die Klasse einfach. Wozu brauchst du überhaupt das Abitur? Du wirst bald heiraten.“

„Nicht in den nächsten hundert Jahren“, verkündete Marion todernst. „Ich halte nichts von Männern.“

„Wie weise von dir! Unter uns gesagt, Kleines, dein Urteil ist nur zu berechtigt. Sie taugen alle nichts.“

„Es gibt auch Ausnahmen. Mein Vati zum Beispiel …“

„Dein Vati.“ Kay Weber schüttelte leicht den Kopf. „Der kann froh sein, eine Tochter zu haben, die so viel von ihm hält. Die meisten Kinder schimpfen über ihre Eltern.“

„Aber mein Vati ist anders. Er ist in jeder Beziehung prima.“

„Wir müssen uns wiedersehen, Marion. Ich könnte dir bei der Mathematik helfen. Und dir vielleicht auch ein bisschen Nachhilfeunterricht geben.“

Er grinste bei seiner letzten Bemerkung und gab ihr dadurch etwas Zweideutiges.

„Vielen Dank, aber außer in Mathematik brauche ich keine Hilfe. Du bist ziemlich frech geworden, Kay.“

„Der Mensch entwickelt sich. Schade, dass du nicht mehr Zeit hast … Ich glaube, wir hätten uns einiges zu erzählen.“

„Willst du mir von deinen Freundinnen erzählen, von deinen leichten Eroberungen im Urlaub?“

„Wenn es dich interessiert … Leider habe ich mein Notizbuch nicht bei mir.“

„Alter Angeber.“

„Das ‚alt‘ verbitte ich mir. Du bist ein verdammt netter Kerl geworden.“

Marion fiel keine passende Antwort ein, sie spürte nur zu ihrem Ärger, dass sie errötete wie kleines Gänschen. Dabei fühlte sie sich durchaus als elegante Frau von Welt.

„Wann treffen wir uns?

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