Logo weiterlesen.de
Lösch dieses Feuer!

1. KAPITEL

Neugierig spähte Amanda Barker in den Umkleideraum. Sie hatte die Feuerwache auf der Jagd nach ihm schon häufig besucht, sich bisher jedoch nie so weit vorgewagt.

Aus dem angrenzenden Duschraum stieg Wasserdampf von der letzten Benutzung zur Zimmerdecke auf. Einige der Schließfächer standen offen. Gebrauchte weiße Handtücher lagen auf Bänken und diversen Holzstühlen verstreut. Amanda zog die Nase kraus. Der Raum roch nach Männern und Rauch, Seife und Schweiß.

Abgesehen vom Rauch war es gar kein so unangenehmer Geruch.

An der Wand gegenüber der Tür hing das gerahmte “Gebet eines Feuerwehrmanns”, daneben eine Tafel mit der Überschrift “Geliebt und nicht vergessen”, auf der alle Feuerwehrmänner des Ortes verewigt waren, die im Kampf gegen das Feuer ihr Leben gelassen hatten.

Amanda holte tief Luft und trat ein. Das Gebet, das sie auswendig kannte, zog sie in seinen Bann.

das Feuer löschen ganz und gar und retten jede Haut.

Amanda wischte behutsam die Kondenstropfen auf dem Glas des Rahmens fort. Als sie sich abwandte, spürte sie wie immer den Schrecken der Erinnerung.

Mit erlernter Disziplin schüttelte sie die vertrauten Gefühle ab und sah sich um.

Die Umkleide und der angrenzende Duschraum schienen leer, doch sie wusste, er war hier. Der Pförtner hatte es ihr gesagt und ihr mit einem verschwörerischen Lächeln sogar erlaubt hineinzugehen, damit sie den Berüchtigtsten aller Feuerwehrmänner endlich zur Kooperation bewegen könnte.

Hinter sich in den Aufenthaltsräumen hörte sie die anderen Feuerwehrmänner während des Schichtwechsels reden und lachen. Die meisten der Männer gaben sich betont männlich und flirteten gern.

Sie sahen gut aus, und das wussten sie auch. Dank des harten körperlichen Trainings waren sie allesamt schlank und durchtrainiert. Mit nur einer Ausnahme war jeder von ihnen bereit gewesen, Amanda bei ihrem Wohltätigkeitskalender zu unterstützen, indem sie jeweils für einen Monat posierten. Der Erlös aus dem Verkauf des Kalenders sollte der örtlichen Stiftung für Brandopfer zugutekommen.

Amanda hoffte, dass niemand ihr in den Umkleideraum folgen würde. Es war an der Zeit, dass sie und Josh Marshall sich einig wurden. Seit sie mit der Arbeit an dem Kalender begonnen hatte, ging er Amanda bewusst aus dem Weg. Auch auf ihre Anrufe reagierte er nicht.

Der Mann war stur und eingebildet, und das wollte sie ihm sagen, aber ohne Publikum. Auseinandersetzungen lagen ihr nicht besonders.

Doch diesmal musste es sein.

So ungern sie es auch zugab, sie war auf Josh Marshall angewiesen. Sie musste erreichen, dass er die Bedeutung ihres Projekts erkannte und sich daran beteiligte. Zwar sahen alle Feuerwehrmänner dieser Wache gut aus, aber Josh hatte den größten Sex-Appeal. Er wäre der ideale Mr November und das ideale Model fürs Titelblatt. Mit seinem Foto könnten sie in den Zeitungen, Buchhandlungen und im Internet für den Kalender werben.

Amanda war fest entschlossen, heute seine Einwilligung zu erhalten.

Sie hörte das Geräusch nackter Füße auf nassem Beton und drehte sich um. Da stand Josh, lässig an den Türrahmen gelehnt. Sein blondes Haar war nass, ebenso sein muskulöser Körper und das Handtuch um seine schmalen Hüften.

Er hatte die Arme verschränkt und die Knöchel gekreuzt. Das Handtuch klaffte an der Seite auf und enthüllte einen seiner kräftigen Oberschenkel bis hinauf zur helleren Haut an seiner Hüfte, wo ein lockerer Knoten das Tuch geradeso eben zusammenhielt. Ein leichter Ruck, und es würde zu Boden fallen.

Bisher hatte sie Lieutenant Marshall in seiner flotten Uniform gesehen, erschöpft nach einem Löscheinsatz und dann noch einmal entspannt und dienstbereit in den Räumen der Feuerwache.

Fast nackt hatte sie ihn noch nie gesehen, und es war definitiv ein Erlebnis.

Amanda straffte sich und sah ihm in die Augen. Sie musste dabei ihren Kopf in den Nacken legen, da er bedeutend größer war als sie. Doch mit einer Körpergröße von einsdreiundsechzig war sie an diese Situation gewöhnt und hatte nicht vor, sich dadurch verunsichern zu lassen, was Josh garantiert beabsichtigte.

Mit fester Stimme sagte sie: “Lieutenant Marshall.”

Seine grünen Augen musterten sie eingehend von den hochhackigen Pumps über das blassrosa Kostüm bis hin zu den kleinen Perlenohrsteckern. Dann ging er schmunzelnd zu seinem Schließfach. “Miss Barker.” Er nahm eine Flasche Eau de Toilette, gab ein wenig in seine Hände und verrieb es auf Kinn und Hals.

Amanda atmete den Duft warmer, feuchter Haut und von Seife ein. Und das herbe, erdige Aroma, das er gerade aufgetragen hatte. Sie erkannte den Geruch von früheren Begegnungen wieder, doch diesmal war es etwas anderes. Diesmal war Josh so gut wie nackt.

Sie trat unwillkürlich einen Schritt zurück und stieß gegen die Wand.

Natürlich hatte er es bemerkt, das erkannte sie an seinem Lächeln und dem Blitzen in seinen Augen. Sie wartete ab, ob er sich über sie lustig machen würde, doch er griff nur nach seinem Kamm.

“Wie sind Sie hier eigentlich reingekommen?”, wollte er wissen.

Amanda beobachtete das Spiel seiner kräftigen Armmuskeln, während er sein nasses Haar zurückkämmte, und konnte seine Achselhöhlen sehen. Ihr Herz begann heftig zu klopfen. Aus irgendeinem Grund erschien ihr dieser Teil seines Körpers weitaus intimer als seine entblößten Oberschenkel oder sein Bauch.

“Hat es Ihnen die Sprache verschlagen?” Er zog sich ein T-Shirt über den Kopf, ohne Rücksicht auf das soeben frisierte Haar zu nehmen.

Amanda räusperte sich. “Der Pförtner hat mich reingelassen, damit ich mit Ihnen reden kann.”

“Sie sind ein ganz schön hartnäckiges kleines Ding.”

Sie ignorierte die abwertende Bemerkung, der sie insgeheim teilweise zustimmen musste: Sie war hartnäckig und sie war mit Sicherheit klein. “Sie haben nicht auf meine Anrufe reagiert.”

“Das ist richtig. Und haben Sie sich je gefragt, was wohl der Grund dafür ist?” Während er das fragte, nahm er schwarze Boxershorts aus dem Schließfach und ließ ihr kaum Zeit, den Blick abzuwenden, ehe er sein Handtuch löste.

Amandas Wangen wurden feuerrot und sie drehte sich zur Wand. “Sie sind stur.”

“Tatsächlich wollte ich nur ehrlich sein. Ich will nicht für den Kalender Modell stehen, warum sollte ich also meine oder Ihre Zeit verschwenden?”

“Aber ich brauche Sie.”

Er schwieg, und Amanda hätte sich auf die Zunge beißen mögen.

Ungeduldig fragte sie. “Sind Sie salonfähig?”

Er lachte kurz auf. “Niemals.”

“Ich meine …” Sie hätte am liebsten laut aufgestöhnt und ihn gefragt, warum er sich so unmöglich benahm und sie ständig provozierte. Aber so würde sie ihn nie herumkriegen. “Sind Sie angezogen?”

“Ja.”

Sie drehte sich um und sah, dass dies nicht ganz der Wahrheit entsprach. Er trug nur Boxershorts und das T-Shirt und saß mit gespreizten Beinen auf der Holzbank.

Amanda musste sich zwingen, nicht zwischen seine Beine zu starren. “Lieutenant …”

“Warum nennen Sie mich nicht Josh? Nachdem Sie mit Ihren hübschen braunen Augen fast jede Stelle meines Körpers gemustert haben, finde ich, dass wir uns nun schon viel besser kennen.”

“Nein.” Amanda schüttelte den Kopf. “Ich ziehe es vor, das Thema geschäftlich zu behandeln.”

“Oh, aber damit kommen wir nicht weiter.” Josh stand auf, und sein hintergründiges Lächeln sagte ihr, dass ihr nicht gefallen würde, was nun kommen sollte.

Sie wich zur Seite und stieß an eine offene Schließfachtür. Durch ihre hohen Absätze verlor sie die Balance und wäre beinahe gefallen. Josh ließ ihr keine Zeit, sich für ihre mangelnde Anmut zu schämen. Er stellte sich dicht vor sie, stützte die Hände rechts und links ihres Kopfes auf die Schließfächer und hielt ihren Blick fest.

“Lieutenant …” Amanda geriet nur noch selten in Panik. Von diesem Gefühl hatte sie in den letzten sieben Jahren Abstand gewonnen. Doch im Moment schien Panik die einzig mögliche Reaktion.

“Nein”, murmelte er, “genug damit.” Er beugte sich ganz langsam zu ihr und sie dachte, er wolle sie jetzt küssen. Sie erstarrte und stand kurz davor, loszuschreien.

Eine Sekunde, zwei … Kein Kuss folgte, und eine Flut von Gefühlen brach über Amanda herein. Erleichterung war dabei und auch eine gewisse Enttäuschung. Josh Marshall gab einen überraschten Laut von sich, so als hätte sie ihn irgendwie vor den Kopf gestoßen, und sie bekam weiche Knie.

Sanft streifte er ihren Hals mit der Nase und atmete tief ein.

Amanda erschauerte. “Was tun Sie da?”

“Ich weiß jetzt, wie ich mit Ihnen fertig werde, Amanda.” Sein warmer Atem strich über ihren Nacken und verursachte ihr Gänsehaut.

Fertig werden? “Was reden Sie da?”

Er sah sie an und lächelte. “Ich will Sie ins Bett kriegen.”

Amanda blinzelte erschrocken.

Sicherlich hatte sie sich gerade verhört … oder? Nein, hatte sie nicht! Amanda lachte auf. Was für eine lächerliche, lachhafte Äußerung! Kopfschüttelnd erwiderte sie: “Nein, das wollen Sie ganz bestimmt nicht.”

Ihre Reaktion schien ihn ein wenig zu irritieren. Er sah sie scharf an. “Nun, da irren Sie sich, meine Süße. Sie verfolgen mich jetzt …”

“Wegen einer wohltätigen Angelegenheit!”

“… seit über einem Monat, und so beschloss ich, es wäre an der Zeit, den Spieß umzudrehen. Und als ich erst einmal darüber nachdachte, konnte ich plötzlich an nichts anderes mehr denken.” Sein Blick wanderte über ihr Gesicht und hielt bei ihrem Mund inne. Josh neigte sich wieder vor. “Verdammt, Sie riechen gut.”

Von allen Dingen, die hätten geschehen können, hatte Amanda damit am wenigsten gerechnet. Josh Marshall versuchte sie zu verführen? Ein Mann, der sie normalerweise kaum beachten würde? Der jeden Kontakt von Anfang an abgelehnt hatte, ohne sich die Mühe zu machen, auch nur mit ihr zu reden?

Sie spürte, wie sich die unerschütterliche Fassade der Gleichgültigkeit um sie herum aufbaute, die sie seit so vielen Jahren schon schützte. Josh Marshall bedeutete ihr nichts, also konnte er sie nicht verletzen. Niemand konnte das.

Entschlossen legte sie ihre Hände auf Joshs Brust und schob ihn zurück.

Er ließ es geschehen.

Sie hoffte, vernünftig zu klingen. “Lieutenant, glauben Sie mir, Sie wollen mich nicht. Sie sind nicht im Mindesten an mir interessiert.”

“Das habe ich anfangs auch gedacht.” Er legte seine Hände auf ihre und drückte sie fester auf seinen Oberkörper. “Aber, wie schon gesagt, ich habe meine Meinung geändert.”

“Dann überlegen Sie es sich wieder anders, Lieutenant. Bitte”, sagte sie so freundlich wie möglich.

Nach dieser Abfuhr machte er ein leicht verstörtes Gesicht. Beinahe hätte sie gelacht. Zweifellos hätten die meisten Frauen an ihrer Stelle sich in seine Arme geworfen und liebend gern sein Bett geteilt.

Doch Amanda verschwendete ihre Zeit nicht mit irrealen Träumen vom Glück, und schon gar nicht mit Männern. Ihre Gründe dafür taten nichts zur Sache. Wichtig war, dass Josh Marshall sie in Ruhe ließ.

Er hob eine Hand an ihre Wange und streichelte sie sanft mit den Fingerspitzen. Er sah sie beunruhigt, interessiert und mitfühlend an. Flüsternd fragte er: “Wovor haben Sie solche Angst?”

Der Schreck raubte Amanda fast den Atem. Aber nein, von ihren Ängsten konnte er nichts wissen. Sie lagen so tief verborgen, dass niemand, nicht einmal ihre Familie, etwas davon ahnte. Die Männer warfen ihr vor, frigide zu sein, lesbisch, zickig … doch keiner hatte je die nagende Angst erkannt, mit der sie leben musste.

“Pscht. Das konnte ich ja nicht wissen.” Josh streichelte sie noch ein wenig, trat dann zurück und sah in ihre weit aufgerissenen Augen. “Was immer es ist, Amanda, wir werden es langsam angehen. Ganz bestimmt!”

“Wir werden überhaupt nichts angehen!” Ihr Herz klopfte so stark, dass es schmerzte. Sie rang nach Fassung. “Ich bin nicht im Mindesten interessiert, Josh … Lieutenant Marshall.”

Er lächelte. “Oh, Sie sind sehr wohl interessiert. Ich wette, Sie haben es sich mit mir schon mindestens ein Mal zusammen vorgestellt. Eine nächtliche Fantasie vielleicht …?”

“Da irren Sie sich gewaltig”, entgegnete sie schärfer als beabsichtigt. Nie, wirklich niemals gab sie sich albernen Fantasien hin.

Ihre heftige Reaktion ließ Josh aufmerken. “Was ist es? Ein gewalttätiger Exfreund? Oder Eltern, die Sie misshandelt haben?”

“Nichts von beidem. Hören Sie auf.”

“Sie können es mir ruhig gleich sagen. Früher oder später bekomme ich es doch heraus.”

Dieser Mann war einfach unmöglich! “Warum sollten Sie?”

Er zuckte mit den Schultern. “Ganz offensichtlich gibt es ein Problem, und wir können nicht miteinander schlafen, ehe es gelöst ist.”

“Du meine Güte, was sind Sie eingebildet!”

“Vorausschauend, nicht eingebildet. Ich kenne die Frauen in- und auswendig. Sie, Amanda, verbergen etwas – etwas, was Ihnen ganz schreckliche Angst macht, und nun bin ich doppelt neugierig auf Sie. So langsam glaube ich, dass es großen Spaß machen wird, Sie zu verführen. Und nicht nur Arbeit, wie ich am Anfang dachte.”

Jedes seiner Worte, alles, was er tat, brachte sie aus dem Konzept. “Arbeit? Glauben Sie im Ernst, dass Sie mich mit solchen Frechheiten herumkriegen?”

Er zog sich die Jeans über und setzte sich wieder auf die Bank, um seine Schuhe zuzubinden. “Ich will mich ja nicht als Ehemann bewerben. Ich will nur mit Ihnen ins Bett.”

Amanda spürte beginnende Kopfschmerzen und massierte sich die Schläfen. “Wir sind irgendwie vom Kurs abgekommen.” Sie atmete einmal tief durch und zwang sich zu einem Lächeln. “Alles, was ich von Ihnen will, ist ein Foto für den Kalender. Eine Stunde Ihrer Zeit.”

“Gehen Sie mit mir essen.”

“Nein, danke.”

Er schloss seinen Gürtel und holte eine schwarze Lederjacke aus dem Schließfach, fasste sie am Aufhänger und warf sie über die Schulter. Er musterte Amanda von oben bis unten. “Ich dachte, wir könnten dabei über den Kalender sprechen.”

Eine vage Hoffnung keimte in ihr auf. Würde er nachgeben und die Fotos von sich machen lassen? Oder war das nur ein Trick, um sie doch noch herumzukriegen?

Die Frage war letztendlich, ob sie mit ihm fertig wurde oder nicht – und da hatte sie so ihre Zweifel. Josh Marshall war vollkommen anders als alle anderen Männer, die sie jemals kennengelernt hatte. Er war der typische Frauenschwarm: überaus männlich und charmant, dazu wortgewandt und überzeugend. Außerdem hatte er einen hinreißenden Körper.

Sie würden natürlich nicht im Bett landen, da hatte Amanda keine Sorge. Joshs Selbstvertrauen und seine bisherigen Eroberungen spielten keine Rolle. Ihre Sorge war, wie viel Mühe sie investieren musste, bevor er seine Niederlage akzeptierte. Denn sie konnte sich nicht vorstellen, dass er eine Niederlage so einfach hinnahm.

Nun, bei ihr würde er das müssen.

Was machte es schon, wenn sie sich mit seinen Verführungstaktiken herumschlagen musste, solange er sich für den Kalender fotografieren ließ? Sie würde ihm widerstehen, und am Ende bekäme sie doch, was sie wollte.

Also nickte sie, während sie versuchte, ihre Beklommenheit zu verbergen. “Einverstanden.”

Josh lächelte. “Ich verspreche Ihnen, dass es nicht annähernd so schrecklich sein wird, wie Sie befürchten.”

“Wenn Sie das sagen.” Sie wollte seine Kooperation für den Kalender, also würde sie sich hüten, ihm zu widersprechen. “Es wird bestimmt ein nettes Essen.”

Er ging auf sie zu und legte seinen starken Arm um ihren Rücken. Sie spürte die Wärme seiner Hand an ihrer Taille. Ehe sie abwehren konnte, schob er sie vorwärts.

“Auf dem Weg nach draußen möchte ich ein paar Regeln aufstellen.”

“Regeln?” Sie fühlte sich etwas unsicher, weil er sie ständig berührte.

“Genau. Regel Nummer eins ist, dass Sie mich Josh nennen. ‚Lieutenant‘ ist viel zu förmlich.”

Damit konnte sie leben. “Wenn Sie darauf bestehen.”

“Regel Nummer zwei – kein Wort über irgendwelche Löscheinsätze. Ich lasse meine Arbeit nach Dienstschluss gern hinter mir.”

“Einverstanden.” Als Josh stehen blieb und sie ansah, merkte Amanda, dass sie ein wenig zu schnell geantwortet hatte. Brände waren tatsächlich das Letzte, worüber sie sprechen wollte. “Das kann ich verstehen”, stammelte sie und hoffte, dass er sie nicht erneut durchschaute wie zuvor.

Eine Weile stand er einfach nur da und sah sie an, dann nickte er. “Gehen wir.”

Ein paar Feuerwehrmänner lachten und machten anzügliche Bemerkungen, während die beiden hinausgingen. Josh brachte sie mit einer knappen Handbewegung zum Schweigen. Doch als Amanda ihn anblickte, sah sie sein zufriedenes, ja beinahe selbstgefälliges Lächeln.

Ha! Sollte er doch selbstgefällig lächeln, das war ihr egal. Sie interessierte sich nur für ihr Projekt.

Das bedeutete zwar, dass sie sich auch für ihn interessieren musste. Aber nur für kurze Zeit.

Josh beobachtete Amanda, während sie in die kühle Oktobernacht hinaustraten. Er hatte gerade eine Zwölf-Stunden-Schicht hinter sich, und nach zwei Noteinsätzen hätte er müde sein müssen. Das war er auch gewesen, hundemüde sogar, doch jetzt war er … gespannt. Und ein bisschen erregt.

Wegen Amanda Barker. Er musste schmunzeln.

Es hatte leicht geregnet und die Lichter der Feuerwache wie auch der Mond spiegelten sich auf dem nassen Bürgersteig. Die Luft war kühl und frisch und es wehte ein leises Lüftchen.

Da seine Hand auf Amandas Rücken lag, konnte er ihre Nervosität spüren, die sie so entschlossen zu verbergen suchte. Es war nicht die Reaktion, die er von Frauen gewöhnt war. Aber Amanda war ja auch nicht die Art von Frau, die er gewöhnt war.

Sie war auch nicht die Art von Frau, die er attraktiv fand, nicht einmal annähernd.

Doch heute Abend spielte das keine Rolle.

Als er sich erst einmal entschieden hatte, den Spieß ihr gegenüber umzudrehen, konnte er seine Gedanken plötzlich nicht mehr von ihr lösen. Er stellte sich vor, wie er sie aus ihrem perfekt sitzenden Kostüm herauslocken und ihr perfekt frisiertes Haar lösen würde.

Er wollte wissen, ob Amanda Barker ihre höfliche und kühle Fassade auch einmal ablegte. Er wollte sie wild und hemmungslos erleben. Er wollte sie schreien hören, wenn sie ihren Höhepunkt erlebte, wollte ihre sorgfältig lackierten Fingernägel auf seinem Rücken spüren, wenn sie sich unter ihm aufbäumte.

Josh blieb abrupt stehen, senkte den Kopf und lachte leise in sich hinein. Du liebe Zeit! Seine Fantasie ging mit ihm durch!

Er hatte Amanda heute auf keinen Fall erwartet und war im Grunde viel zu erschöpft gewesen, um überhaupt an sie zu denken. Und dann hatte sie plötzlich im Umkleideraum gestanden.

Was für eine angenehme Überraschung!

“Lieutenant Marshall?”

Er hob den Kopf und hielt ihren Blick fest. “Josh, wenn ich bitten darf.”

“Entschuldigung.” Sie zögerte einen Moment, dann sagte sie: “Josh, stimmt irgendetwas nicht? Ich meine, wenn Sie Ihre Meinung geändert haben – wegen des Essens –, dann ist das für mich kein Problem. Wir legen einfach einen Termin für die Fotoaufnahmen fest und verabschieden uns hier.”

Offensichtlich wollte sie wirklich und wahrhaftig nichts mit ihm zu tun haben.

Das kratzte an seinem Ego, trotzdem war er eher verwundert als beleidigt. Natürlich war er Frauen begegnet, die nichts von ihm hatten wissen wollen. Er war siebenundzwanzig und hatte seinen Teil an Abfuhren erhalten – von Frauen, die bereits einen Partner hatten oder die seine Arbeit zu riskant fanden, die auf eine Heirat aus waren oder frisch geschieden und erst einmal Zeit für sich brauchten.

So ganz und gar desinteressiert wie Amanda hatte sich bisher allerdings keine Frau ihm gegenüber gezeigt.

Und er wollte herausfinden, was der Grund dafür war.

“Ich habe meine Meinung nicht geändert.” Josh konnte ihr die Enttäuschung ansehen und fügte hinzu: “Ich habe mir nur gerade vorgestellt, wie Sie wohl im Bett sind. Ob Sie da auch so prüde und vornehm tun oder ob Sie sich richtig gehen lassen. Vielleicht ein bisschen schreien oder so.”

In Amandas Gesicht spiegelte sich eine Vielzahl an Emotionen wider – ein Gefühl der Erniedrigung, Ungläubigkeit und schließlich Wut. Sie wandte sich ab und verschränkte die Arme.

Überrascht hörte er ihre hastige Antwort. “Ich bin nicht prüde.”

Josh musste schmunzeln. Hatte er etwa einen wunden Punkt erwischt? “Ach nein?” Er dehnte das Wort extra, um sie noch mehr zu reizen. “Auf mich wirken Sie aber reichlich prüde. Ich wette, Sie haben sogar Ihre Zehennägel lackiert, oder?”

“Na und?”

Wie gern würde er ihre Füße sehen! Sie waren klein und schmal und steckten immer in diesen sexy Stöckelschuhen.

“Es ist kalt.” Sie starrte zum Mond, rieb sich die Arme und erschauerte. “Wollen Sie die ganze Nacht hier stehen und mich beleidigen?”

Amanda trug einen weichen, cremefarbenen Kaschmirmantel mit passenden Lederhandschuhen. Es sah sehr modisch aus, wärmte aber sicher nicht besonders.

Er wollte anbieten, sie zu wärmen, aber sie wirkte nicht besonders empfänglich für solch einen Vorschlag. “Das sollte keine Beleidigung sein. Ich habe nur laut gedacht.”

“Dann möchte ich nicht hören, was Sie als Beleidigung betrachten.”

Diese Frau gab ihm permanent Kontra. Sie war eine Herausforderung, der er sich nur zu gern stellen wollte.

Er streckte ihr seine Hand entgegen. “Mein Auto steht da drüben.”

Sie sah ihn skeptisch an. “Sagen Sie mir einfach, wohin wir fahren, und ich treffe Sie dort.”

O nein! Nun, da er sie sozusagen am Haken hatte, wollte er auf keinen Fall riskieren, dass sie es sich anders überlegte. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund wurde es ihm von Sekunde zu Sekunde wichtiger, den Abend mit ihr zu verbringen. “Nein, wir fahren zusammen.”

“Aber ich bin auch mit dem Wagen da.” Sie deutete auf einen hellblauen VW-Käfer – nicht das neue noble Modell, sondern ein richtig altes Auto.

Josh war verblüfft. Dieser Wagen passte definitiv nicht zu dem Erscheinungsbild der piekfeinen Dame.

Amanda Barker faszinierte ihn mehr und mehr. Doch über Autos konnte er später noch mit ihr diskutieren. “Das macht doch nichts. Ich bringe Sie nach dem Essen einfach wieder her.” Sie sah so aus, als wollte sie sein Angebot ablehnen, deshalb setzte er schnell hinzu: “Wir können auf der Fahrt schon mal über den Kalender reden.”

Sofort willigte sie ein. “Also gut.” Sie machte einen Schritt auf ihn zu, nahm jedoch nicht seine ausgestreckte Hand.

Also fasste Josh sie am Arm und führte sie sanft zu seinem Auto. Sie hatte ein hübsches Profil, besonders jetzt, im weichen Mondlicht. Der sanfte Bogen ihres Halses lud zum Küssen ein, etwa dort, wo die feinen Haarsträhnen, die sich aus dem Knoten gelöst hatten, ihren Nacken berührten.

“Tragen Sie Ihr Haar immer hochgesteckt?” Er versuchte es sich offen vorzustellen und überlegte, wie lang es wohl sein mochte.

Mit fast hochnäsiger Stimme erwiderte sie: “Mein Haar hat absolut nichts mit unserem Essen oder dem Kalender zu tun.”

“Aber es hat sehr wohl mit meinen Fantasien zu tun.” Er griff fester zu, als er merkte, dass sie sich ihm entwinden wollte. “Wenn ich die Augen schließe, stelle ich mir vor, wie Ihr Haar offen auf Ihre Schultern fällt. Manchmal glaube es fast schon auf meinem Gesicht oder meinem Oberkörper zu spüren.”

Amanda blieb abrupt stehen. “Das grenzt nun schon an sexuelle Belästigung.”

“Wie ich sehe, sind Sie etwas aus der Übung.”

“Was meinen Sie?”

Josh beugte sich vor und berührte ihre Nase mit der Fingerspitze. “Das nennt man Verführung, meine Liebe. Nicht Belästigung.”

“Ich will aber nicht verführt werden!”

Ein paar Passanten blieben stehen, lachten und eilten weiter.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Lösch dieses Feuer!" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen