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Liebessklavin im Harem des Scheichs?

1. KAPITEL

Lashaal, Arabien, 1816

Die Stammesdelegation ist angekommen, Hoheit.“

Scheich Khalid al-Raqam, Prinz von Lash’aal, fuhr fort, die Skizze des Schreins zu prüfen, der kürzlich an der Ausgrabungsstelle der verschollenen Stadt Persimmanion entdeckt worden war. Die Ruinen des Tempels faszinierten ihn, da sie um mehrere Jahrhunderte älter waren als die übrige Stadt. Vielleicht waren sie sogar der Grund für die Existenz der Stadt. Khalid nahm die neueste Entdeckung in die Hand – die kleine Goldstatuette einer weiblichen Gottheit, die für diese arabische Region höchst ungewöhnlich war. Er lächelte verhalten. Die Abergläubischen unter seinen Untertanen, einschließlich Farid, seinem Sekretär, warteten ehrerbietig auf seine Anweisungen. Anscheinend hielten sie das Fundstück für ein wichtiges Omen. Khalid allerdings ließ sich von solchen kindischen Vorstellungen nicht beeinflussen. Die Vergangenheit zog ihn in ihren Bann, beherrschte ihn jedoch nicht.

Er ließ die zarte Skulptur in der Handfläche ruhen. Persimmanion hatte sich als wahre Fundgrube für Objekte dieser Art erwiesen. Es war wichtig, dass sie den Ort geheim hielten, damit die europäischen Aasgeier nicht Wind davon bekamen und versuchten, Lash’aals kostbares Kulturerbe zu plündern, wie sie es bereits in Ägypten getan hatten. Khalid umschloss die goldene Gottheit fester. Auf seinem Hoheitsgebiet würde er keine solche Entweihung dulden.

„Was wünscht diese Delegation?“, fragte er Farid gereizt.

„Eine Audienz, Hoheit. Sie sind fünf Tage lang durch die Wüste gereist, um Euch Tribut für Euren Beistand während des Grenzstreits zu entrichten. Ihr solltet sie nicht brüskieren, indem Ihr sie zu lange warten lasst.“

Khalid seufzte und rollte vorsichtig die Skizze zusammen. „Nun gut, dann werde ich sie jetzt empfangen.“

Farid verbeugte sich. „Ihr werdet sie feierlich empfangen, Hoheit?“

Es war nicht wirklich eine Frage, wie Khalid wohl wusste, und so seufzte er wieder. „Wenn ich muss. Wie immer, Farid, verlasse ich mich in Fragen des Protokolls ganz auf dich.“ Seit drei Jahren regierte er Lash’aal nun bereits, doch er empfand einige Gebräuche, besonders den Pomp und die gezwungene Feierlichkeit, nach wie vor als sehr ärgerlich. Der Frieden in seinem Reich, für den er so hart gekämpft hatte, war allerdings noch immer sehr zerbrechlich. Die vielen Stämme waren bereit, bei der geringsten Provokation aneinanderzugeraten, da musste es seine erste Pflicht als oberster Träger der Macht sein, Gerechtigkeit walten zu lassen und, wenn nötig, Strafe öffentlich zu vollstrecken.

Diese schwere Verantwortung, die auf ihm lastete, isolierte ihn von allen anderen Menschen in seinem Land. Es war seine Pflicht, unfehlbar, unbesiegbar und allmächtig zu sein. Zwar hätte er mit seinen zweiunddreißig Jahren längst vermählt sein und einen Erben gezeugt haben sollen, doch bisher hatte es sich selbst für Farid mit seinem legendären diplomatischen Geschick als zu schwierig erwiesen, unter den vielen verschiedenen Fraktionen des Reiches eine passende Braut auszuwählen. Khalid selbst zeigte kein besonderes Interesse an diesem Thema. In jedem Fall musste seine zukünftige Gemahlin eher den Bedürfnissen Lash’aals entsprechen als seinen persönlichen, also gab er sich zunächst damit zufrieden, unvermählt zu bleiben. Die Last der Staatsgeschäfte trug er lieber allein – zumindest sagte er sich das, während er sich in seinen Privatgemächern die schweren Zeremoniengewänder anlegte.

Die mitternachtsblaue Seidentunika mit den Paspeln an den langen Ärmeln wies am hohen Kragen Stickereien aus Silberfäden und Perlen auf. Um die Taille zog er einen silbernen, mit Türkisen und Saphiren geschmückten Gürtel fest. Den zeremoniellen Krummsäbel, ebenfalls aus Silber, schob er in die reich verzierte Scheide. Dann steckte er sich den Staatsring an den Finger, den legendären Saphir Lash’aals. Auch der Umhang, den er sich um die Schultern warf, war mitternachtsblau und besetzt mit kostbaren Edelsteinen und Halbedelsteinen. Die Kopfbedeckung wurde mit einem Band aus Silberfäden und weiteren Edelsteinen befestigt. Als er schließlich angekleidet war, fühlte Khalid sich, als würde er im wahrsten Sinne des Wortes die Last seines Reiches auf den Schultern tragen.

Der prunkvolle Thronsaal des Palastes maß achtzig Schritte in der Länge und sechzig in der Breite. Durch die Erkerfenster drang gleißendes Sonnenlicht und reflektierte sich in den aus verspiegeltem Glas bestehenden Wänden. Khalid nahm auf dem Thron Platz, der sich auf einer Estrade am Ende des Saales befand. Nun bellte Farid einen Befehl, und die Doppeltür wurde aufgerissen. Ein bunter Haufen Angehöriger der verschiedenen Stämme kam zögernd herein. Einige von ihnen trugen gemeinsam ein großes Bündel. Es sah aus wie ein Teppich. Wenn man nach seinem staubigen Zustand und den abgerissenen Fäden an jedem Ende schließen wollte, handelte es sich dabei um kein besonders kostbares Exemplar. Khalid hob fragend eine Augenbraue.

Einer der Männer trat vor und verbeugte sich mehrmals. „Euer Hoheit, wir sind gekommen, Euch Huld zu erweisen und zu bitten, Ihr möget dieses äußerst unwürdige Präsent von Euren Euch ewig dankbaren Untertanen annehmen.“

„Mit großer Freude.“ Khalid nickte. „Allerdings muss ich der Beschreibung für euer Geschenk zustimmen.“

Der Mann sah zunächst verblüfft aus, lächelte dann aber breit und entblößte lange gelbe Zähne, auf die selbst ein Kamel stolz gewesen wäre. „Der Teppich? Aber nein, Euer Hoheit, der ist nur die Umhüllung. Der wahre Schatz befindet sich darin.“

Er klatschte laut in die Hände, und seine Begleiter legten den Teppich auf den Mosaikboden und entrollten ihn mit einer schwungvollen Bewegung.

„Uff!“

Die Stimme klang verärgert, wies einen ausländischen Akzent auf und gehörte eindeutig einer Frau. Diese trug schmutzige, zerlumpte Kleider, die sich an einen erstaunlich wohlgestalteten Leib schmiegten. Langes Haar, schwarz wie die Nacht, und Augen, stürmisch wie das aufgewühlte Meer, waren das Nächste, was Khalid auffiel. Die Frau zerrte an ihren Fesseln und kam unsicher auf die Knie, den unverschämten Blick auf ihn gerichtet.

Nach der erstickenden Dunkelheit im Teppich, in den man sie eingerollt hatte, brannten ihr die Augen von der plötzlichen Sonnenhelle. Sie befand sich in einem riesigen, prachtvoll eingerichteten Raum. Ihr Blick konzentrierte sich auf den Mann, der vor ihr stand – auf den hochgewachsenen Mann. Er trug mit Edelsteinen besetzte Pantoffeln. Nach seiner kostbaren Kleidung zu urteilen, musste es sich um einen sehr reichen Mann handeln – einen sehr imposanten reichen Mann. Er wirkte kraftvoll und geschmeidig zugleich. Der juwelenbesetzte Gürtel betonte eine schlanke Taille, Taille, was sehr ungewöhnlich war in einem Land, in dem großer Leibesumfang ein Zeichen für Wohlstand darstellte.

Langsam hob Juliette den Kopf, musterte kurz die breiten Schultern und begegnete schließlich dem Blick aus einem Paar erstaunlich blauer Augen. Der Mann war eher ungewöhnlich als im klassischen Sinn gut aussehend mit seinen hohen Wangenknochen, dem Grübchen in seinem Kinn und der dünnen Narbe an einer seiner Augenbrauen. Ein wirklich bemerkenswertes Gesicht.

„Furcht einflößend“ war der Begriff, der ihr zuerst in den Sinn kam. Ein Schauder erfasste sie, auch ein Hauch von Furcht, der sie völlig überrumpelte. Ein Leben lang hatte sie ihren Vater zu Ausgrabungen begleitet, hatte unter harten Bedingungen im Zelt geschlafen und war mit jeder nur denkbaren Art von Schurken in Berührung gekommen. Da hatte sie gedacht, dass ihr inzwischen nichts so leicht Angst machen könnte, aber dieser Mann war anders. Jemanden wie ihn wollte man sich nicht gern zum Feind machen.

Verstohlen sah sie sich im fürstlich eingerichteten Saal um, bemerkte den Thron und konzentrierte sich wieder auf den majestätischen Mann vor sich. Langsam dämmerte es ihr, dass sie von ihren Häschern als eine Art Geschenk angeboten wurde.

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