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Liebesskandal in der High Society?

Nicole Foster

Liebesskandal in der High Society?

1. KAPITEL

Die Nacht war wie gemacht für ein romantisches Treffen: Dunkel und verheißungsvoll lag sie über der Stadt, während der Mond seinen silbernen Schein über die Straßen ausbreitete.

In einer solchen Nacht sollte Katerina Whitcomb-Salgar eigentlich mit dem Mann zusammen sein, dem sie ihre Liebe erklärt hatte und den sie hatte heiraten wollen. Aber das war jetzt aus und vorbei. Sie hatte mit Tate McCord in aller Freundschaft Schluss gemacht, denn ihr fehlte in der langjährigen Beziehung die Leidenschaft. Tate liebte inzwischen eine andere Frau. Die Hochzeit war abgesagt, und Katie würde keine McCord werden.

Stattdessen begleitete jetzt Tates älterer Bruder Blake sie nach Hause. Was hatten die letzten Partygäste wohl gedacht, als sie die beiden zusammen aufbrechen sahen? Und welcher Teufel hatte Katie geritten, Blakes Vorschlag anzunehmen?

Sie musterte Blake McCord vorsichtig von der Seite im Schein der Straßenlaternen und vorbeifahrenden Autos. Wie sein jüngerer Bruder war auch er dunkelblond und attraktiv, aber im Gegensatz zu Tate strahlte er Entschlossenheit und eine leichte Arroganz aus, die sich in seinen klaren, harten Zügen ausdrückten. Vom Wesen her waren die beiden Brüder grundverschieden, also dürfte Katie nichts an Blake finden.

Und trotzdem – als sie jetzt mit dem älteren Bruder ihres Exverlobten allein durch die Straße ging, spürte sie eine gewisse Spannung zwischen ihnen. Ein ungewohntes Gefühl … aufregend … beunruhigend.

„Du bist ja so still“, sagte Blake leise und brach damit das Schweigen im Auto. Höflich-besorgt klang er dabei, mehr nicht.

„Entschuldige bitte, ich bin einfach schrecklich müde. Es ist schon so spät.“ Eigentlich hatte Katie heute zu Hause bleiben wollen, statt an der Riesenparty teilzunehmen, zu der die McCords auf ihr Anwesen in Dallas eingeladen hatten. Immerhin war es erst ein paar Tage her, dass sie und Tate ihre Verlobung gelöst und den Leuten damit Stoff für Klatsch und Tratsch geliefert hatten.

Andererseits hätte sie es feige gefunden, sich vor der Feier zu drücken, nur weil ihr dort eventuell ein paar unangenehme Stunden bevorstanden. Und so hatte sie ihr kleines Schwarzes angezogen und ihr charmantestes Lächeln aufgesetzt und war allein auf der Party erschienen. Sie blieb jedoch nicht lange allein.

Seltsamerweise kam Blake schon bald auf sie zu und wich ihr fast den ganzen Abend nicht von der Seite – als wollte er sie vor etwas beschützen. Er fragte sie sogar kurz unter vier Augen teilnahmsvoll, wie sie mit der Trennung von Tate zurechtkam. Dann hatte er ihr angeboten, sie nach Hause zu bringen.

Er warf ihr einen Seitenblick zu. „Du brauchst dich für nichts zu entschuldigen. Es war bestimmt nicht leicht für dich, Tate mit einer anderen Frau zu sehen.“

„Das war es auch nicht, aber nicht so, wie du jetzt vielleicht denkst“, erwiderte sie. „Das Unangenehmste an der Sache war für mich, allen Leuten erklären zu müssen, warum wir uns getrennt haben.“

„Aber er hat dich verletzt …“

„Ich habe dir doch schon eben auf der Party gesagt, dass alles ganz anders war.“ Katie seufzte. Wie sollte sie ihm bloß erklären, was in ihr vorging? Blake gehörte nicht zu den Männern, denen man sich schnell anvertraute. Er hielt sich selbst mit seinen Gefühlen äußerst bedeckt – im Gegensatz zu Tate, dem man jede Regung sofort an der Nasenspitze ansah.

Schließlich wiederholte Katie das, was sie Blake auch schon auf der Feier gesagt hatte: „Tate und ich als Ehepaar – das wäre niemals gut gegangen. Im Grunde war das uns beiden schon lange klar. Er ist zwar nach wie vor ein sehr lieber Freund und wird es auch immer bleiben, aber … wir haben beide die Leidenschaft vermisst.“

„Ihr wart lange ein Liebespaar.“

Katie spürte, wie ihr das Blut ins Gesicht schoss. Zum Glück war es dunkel im Auto. „Trotzdem“, gab sie zurück. „Irgendwie hat da so eine gewisse … Anziehungskraft gefehlt. Das Verlangen, ständig zusammen zu sein …“

„Die Worte könnten von Tate stammen“, kommentierte Blake angespannt.

„Es sind aber meine. Wir waren uns wirklich absolut einig. Glaub mir, alles ist in Ordnung. Ich fühle mich im Moment bloß ein bisschen … verloren. Immerhin waren Tate und ich viele Jahre zusammen, da muss ich mich erst mal daran gewöhnen, wieder Single zu sein und noch mal ganz von vorn anzufangen.“

Warum sollte Blake so etwas verstehen? Seit Katie ihn kannte, hatte er keine ernsthafte Beziehung gehabt, sondern sich auf öffentlichen Veranstaltungen mal mit dieser, mal mit jener schönen Frau gezeigt. Katie nahm an, dass er mit diesen Frauen auch kurze Affären hatte. Eine langjährige Beziehung wie die zwischen ihr und Tate konnte er sich wohl nicht vorstellen – eine Beziehung, die außerdem seit ihrer Jugend von ihren Familien gefördert worden war.

„Kann ja sein, dass ihr euch am Ende einig wart“, räumte Blake ein. „Ich finde trotzdem, dass er dich ziemlich mies behandelt hat. Er wusste einfach nicht, was er an dir hatte. Du hast etwas viel Besseres verdient.“

Katie wunderte sich, dass er so aufgebracht klang und für sie Partei ergriff. Sicher nicht zum ersten Mal, und wahrscheinlich hatte er sich zuletzt Tate gegenüber vehement geäußert. Aber warum nur?

Die restliche Fahrt über sagten sie nicht mehr viel. Nachdem Blake den Wagen geparkt hatte, gingen sie betreten nebeneinander zum Anwesen der Salgars, wo Katie immer noch wohnte. „Vielen Dank fürs Nachhausebringen“, sagte sie. „Ich finde es wirklich nett von dir, dass du extra meinetwegen früher gefahren bist.“

Er musterte sie mit seltsamer Miene. „Du tust so, als hätte ich wer weiß was für ein Opfer gebracht. Dabei war es mir ein Vergnügen.“

„Trotzdem vielen Dank.“ Sie zögerte einen Moment. „Gute Nacht, Blake.“

Sie rechnete damit, dass er ihren Abschiedsgruß erwiderte und ging.

Stattdessen sah er sie lange an, streckte die Hand aus und strich ihr mit den Fingerspitzen über die Wange.

Katie schnappte nach Luft. „Blake …“ Nie im Leben hätte sie mit so einer Berührung gerechnet! Und schon gar nicht, dass er noch weitergehen würde. Als er es doch tat, konnte sie überhaupt nicht mehr klar denken.

Blake ging auf sie zu und sah ihr tief in die Augen. Sie kam ihm entgegen, bis sich ihre Oberkörper ganz leicht berührten. Er beugte sich zu ihr herunter und streifte ihre Lippen mit seinen, zunächst ganz leicht. Sie schmeckte den Wein, den er getrunken hatte, spürte seine Körperwärme, atmete den würzigen Geruch seines Aftershaves ein. Vorsichtig erwiderte sie den Kuss und fand die leichte Berührung viel intimer als einen leidenschaftlichen Kuss.

Mehrere Sekunden vergingen, bis Blake sich von ihr löste, um ihr in die Augen zu sehen – als wollte er ihre Reaktion testen. Dann legte er ihr die Hand in den Nacken, zog Katie an sich und küsste sie erneut.

Hätte er die Lippen hart und fordernd auf ihre gepresst, dann hätte sie ihn gleich wieder weggestoßen. Aber sein Kuss war sanft und sinnlich. Dass Blake McCord so zärtlich sein konnte, hätte sie nie für möglich gehalten. Sie bekam weiche Knie … und ein so glühendes Verlangen, wie sie es in Tates Armen noch nie empfunden hatte.

Das geht nicht, dachte Katie. Ich kann doch nicht einfach Blake küssen – den Bruder meines Exverlobten!

Und trotzdem küsste sie ihn wieder, legte ihm die Hände auf die Schultern und spürte dabei seine Hand im Rücken. Spürte, wie er sie an sich presste. In diesem Augenblick gab es nur sie beide.

Vielleicht wäre sie in ihrem Rausch der Gefühle sogar noch weitergegangen, aber dazu ließ Blake es gar nicht erst kommen. Abrupt trat er einen Schritt zurück. Er wirkte völlig überwältigt – und genauso fühlte sie sich jetzt auch.

Er hob eine Hand, als wollte er Katie noch einmal berühren, ließ sie aber wieder sinken. „Gute Nacht, Katie“, sagte er leise. Dann drehte er sich um und ging.

Sie sah ihm noch lange nach, hätte ihn am liebsten zurückgerufen …

„Katie?“

Sie zuckte zusammen.

Jemand wedelte mit einer schlanken Hand vor ihrem Gesicht hin und her und holte sie damit aus ihren Erinnerungen zurück in die Gegenwart.

Die Hand gehörte Katies Assistentin Tessa Lansing. Sie hielt ihrer Chefin einen Stapel Papiere hin. „Ich habe mich inzwischen über die Fördermöglichkeiten erkundigt, hier sind alle Unterlagen.“ Um Tessas Mund zuckte es verräterisch. „Irgendwie werde ich den Eindruck nicht los, dass du mit den Gedanken gerade ganz woanders bist. Muss ja ein toller Typ sein.“

„Ich habe bloß über etwas nachgedacht“, sagte Katie schnell. Ihre Wangen glühten, wahrscheinlich hatte ihr Gesicht jetzt die gleiche Farbe wie Tessas kurze Locken.

„Schon klar“, erwiderte ihre Assistentin. „Fragt sich nur: Wer ist der Mann?“

So viel Neugierde hätte Katie sonst keinem anderen Menschen durchgehen lassen. Aber Tessa und sie waren gut befreundet. Die junge Frau unterstützte Katie schon seit acht Jahren dabei, die Salgar-Stiftung zu verwalten, eine Wohltätigkeitsorganisation, die Katies Familie ins Leben gerufen hatte. Mittlerweile kannte Tessa Katie so gut, dass sie ihr fast jedes Gefühl von der Nasenspitze ablesen konnte. „Ich habe an niemand Bestimmten gedacht“, sagte sie leichthin.

Tessa musterte sie über ihren Brillenrand hinweg. „Na ja, wenn du von Tate gesprochen hast, hast du jedenfalls nie so ausgesehen.“

Katie runzelte die Stirn.

„Sorry“, entschuldigte Tessa sich schnell. „Das ist wohl kein besonders angenehmes Thema für dich.“

„Herrje, allmählich nervt es mich. Die ganze Welt denkt, dass Tate mich für Tanya Kimbrough verlassen hat … oder dass ich ihn verlassen habe, weil er mich so gemein behandelt hat. Und dass ich völlig am Boden zerstört bin – alles Unsinn.“

„Verstehe“, neckte Tessa sie. „Aber in Wirklichkeit hast du ihn für diesen Typen verlassen, von dem du die ganze Zeit tagträumst.“

„Ich habe ihn nicht für einen anderen Mann verlassen, und geträumt habe ich eben auch nicht. Und jetzt zeig die Unterlagen her.“ Katie nahm Tessa den Papierstapel aus der Hand, um damit endlich das Thema zu wechseln.

Aus ihren Gedanken ließ sich Blake McCord allerdings nicht so leicht vertreiben. Inzwischen war fast eine ganze Woche vergangen, seit sie sich geküsst hatten, was sie nie hätten tun dürfen. Und eigentlich müsste Katie diesen Kuss längst vergessen haben. Aber das konnte sie nicht, und sie konnte sich auch nicht gegen das seltsame Verlangen wehren, das immer wieder in ihr aufstieg.

Unter anderen Umständen wäre sie Blake erst mal aus dem Weg gegangen, bis sie ihr Gefühlschaos wieder im Griff hatte. Aber das ging im Moment schlecht – immerhin waren Blake und sie gemeinsam dafür zuständig, den alljährlichen Wohltätigkeitsball für das Kinderkrankenhaus in Dallas zu organisieren. Die Planung war inzwischen so weit fortgeschritten, dass sie sich dafür persönlich treffen mussten, Telefonate und E-Mails reichten nicht aus.

Katie sah auf ihre Armbanduhr. In wenigen Stunden tagte der Vorstand des Kinderkrankenhauses, da würden sie sich zum ersten Mal seit dem Kuss wiedersehen. Ob Blake wohl so tun würde, als wäre nichts passiert, als hätte sich zwischen ihnen nichts verändert? Oder würde er das Thema auf den Tisch bringen? Würde er den Kuss als reine Impulshandlung abtun oder Katie gestehen, dass es ihm mehr bedeutet hatte?

Sie wusste nicht, welche der beiden Möglichkeiten sie beunruhigender fand. Und wie sie selbst dazu stand.

Blake McCord fixierte seinen elektronischen Terminplaner, las die Eintragungen für den heutigen Tag, konnte die Wörter und Zahlen aber nicht verarbeiten. Stattdessen wurde ihm regelrecht unwohl, denn eines war ihm klar: Wenn er das Familienunternehmen McCord Jewelers vor dem Ruin retten wollte, lief ihm allmählich die Zeit weg. Und er hatte nur diese eine Möglichkeit. Allerdings bestand dabei die Gefahr, dass sein schöner Plan nach hinten losgehen und er viel schlechter dastehen würde als vorher.

Sollte er noch umschwenken? Nein, dafür war es jetzt zu spät. Er hatte sich längst auf diese Sache eingelassen, und jetzt musste er sie auch durchziehen.

„Blake, das ist eine wirklich schlechte Angewohnheit.“ Seine Mutter Eleanor McCord sah ihn vom Kopfende des Tisches aus vorwurfsvoll an. „Wieso isst du überhaupt noch mit uns, wenn du im Geiste sowieso die ganze Zeit bei deinen Geschäften bist?“

„Tut mir leid“, erwiderte er knapp. Dann legte er den elektronischen Terminplaner zur Seite, um seinen Kaffee auszutrinken. Im Grunde hatte seine Mutter recht. Heute Morgen wäre er ihr am liebsten aus dem Weg gegangen und ganz in seinem Büro geblieben. Schließlich hatte er auch ohne diese Familiengeschichten schon genug Probleme. „Ich muss gerade ganz viele Dinge gleichzeitig erledigen, und alle sind unheimlich dringend.“

Sie musterte ihn eine Weile schweigend. „Typisch, immer musst du alles selbst machen, du kannst nie etwas abgeben“, kommentierte sie schließlich.

„Wahrscheinlich deswegen, weil diese Dinge alle in meinem Verantwortungsbereich liegen. Außerdem hat noch nie jemand angeboten, mir dabei zu helfen.“

„Mag sein, aber ich mache mir trotzdem Sorgen um dich. Ich merke doch, wie sehr dich die Krise beschäftigt. In letzter Zeit bist du unheimlich reizbar und distanziert. Wahrscheinlich steht es viel schlimmer um die Geschäfte, als du uns bisher gesagt hast. Oder macht dir noch etwas anderes zu schaffen?“

„Ich habe alles im Griff. Sei ganz ungesorgt“, log Blake. Es klang überzeugend.

„Bin ich aber nicht. Nicht wegen McCord Jewelers, sondern deinetwegen.“

„Na, das ist ja mal etwas ganz Neues“, gab er zurück. Sofort tat ihm seine Bemerkung leid.

Normalerweise ließ er seinen Gefühlen nicht einfach freien Lauf, aber in letzter Zeit war die Stimmung zwischen ihm und seiner Mutter sehr gereizt. Erst vor Kurzem hatte Eleanor offenbart, dass ihr jüngster Sohn Charlie vor 22 Jahren aus einer Affäre zwischen ihr und Rex Foley hervorgegangen war. Rex Foley war das Familienoberhaupt des Foley-Clans, mit dem die McCords seit Generationen verfeindet waren. Eleanors verstorbener Mann Devon McCord hatte Charlie offenbar bis zu seinem Tode für seinen eigenen Sohn gehalten. Blake hatte nie eine besonders enge Beziehung zu seiner Mutter gehabt, und mit ihrem Geständnis hatte sie ihr Verhältnis noch zusätzlich schwer belastet.

Jetzt ärgerte sich Blake, dass er seine Gefühle ihr gegenüber nicht im Griff hatte. „Es ist schon alles in Ordnung, jedenfalls bald. Ich brauche bloß noch ein paar Wochen, um einige Dinge zu regeln.“

Eleanor zog die Augenbrauen hoch. „Hör mal, Blake, ich bin nicht dumm. Ich weiß doch, dass es um unsere Firma nicht gut steht. Dass dein Vater nicht mit Geld umgehen konnte, ist auch kein Geheimnis, und im Moment leidet der Einzelhandel ganz allgemein unter der Finanzkrise. Davon bleiben wir bestimmt nicht verschont.“

„Wenn es irgendwelche Schwierigkeiten gibt, kümmere ich mich schon darum“, sagte Blake und stand auf, ohne auf den Seitenhieb auf seinen Vater einzugehen. Natürlich wusste er selbst nur zu gut, dass Devon McCord eine Million nach der anderen verprasst hatte, um sich seinen ausschweifenden Lebenswandel leisten zu können. „Ich kümmere mich doch immer um alle Probleme, oder?“

„Blake …“

„Tut mir leid, ich muss jetzt los. Der ganze Tag ist verplant, und nachher trifft sich noch der Vorstand des Kinderkrankenhauses in Dallas“, erklärte er.

„Kommt Katie auch?“, erkundigte sich Eleanor.

Blake versuchte, keine Miene zu verziehen und sich nichts anmerken zu lassen, als seine Mutter die Exverlobte seines Bruders erwähnte. „Davon gehe ich aus, immerhin ist sie auch im Vorstand.“

„Plant ihr nicht zusammen den Halloween-Ball?“

Er nickte nur.

Eleanor musterte ihren ältesten Sohn für eine Weile und seufzte. „Schade, dass es mit ihr und Tate nicht geklappt hat. Die beiden haben so gut zueinander gepasst. Aber jetzt ist er ja offenbar sehr glücklich mit Tanya, also hat das Ganze wohl einen tieferen Sinn. Ich frage mich bloß, wie Katie damit umgeht. Tate behauptet, sie käme gut mit der Trennung zurecht und damit, dass er jetzt eine neue Partnerin hat. Ob das wohl stimmt?“

Blake vermutete, dass seine Mutter immer noch Vorbehalte gegen die Beziehung zwischen Tate und Tanya Kimbrough hatte. Nachdem Tate seine Verlobung mit Katie gelöst hatte, waren bloß ein paar Wochen vergangen, bis er seiner Familie Tanya als seine große Liebe vorgestellt hatte. Tanya war die Tochter der Haushälterin der McCords.

Blake hatte zwar auch seine Zweifel an Tates und Tanyas Beziehung, aber die behielt er lieber für sich. Er wollte nicht, dass seine Mutter hoffte, dass Tate und Katie wieder zusammenkamen. „Ich glaube, Katie kommt gut damit klar“, sagte er leichthin.

Als er ein paar Minuten später in sein Büro fuhr, wünschte er, seine Mutter hätte Katie nicht erwähnt. Im Moment hatte er wirklich genug Probleme, da brauchte er nicht noch ein weiteres Thema, das ihm durch den Kopf spukte. Und trotzdem konnte er nicht anders, als immer wieder an die Frau zu denken, die für ihn eigentlich tabu sein sollte: die Exverlobte seines Bruders.

Er beobachtete sie schon seit Monaten, ganz besonders seit der Party neulich … und eigentlich auch schon damals, als sie noch mit Tate verlobt gewesen war. Immer wieder hatte er Vorwände gefunden, um sie anzusprechen. Die Frage, wie er das Familienunternehmen vor dem Ruin retten konnte, kam dabei entschieden zu kurz.

Wenn er an ihren Abschied nach der Party dachte, dann schwirrte ihm der Kopf, sosehr er sich auch darum bemühte, das Ganze als reine Impulshandlung abzutun.

Damals hatte er sich eingeredet, er hätte Katie aus reiner Freundschaftlichkeit nach Hause gebracht – weil sie auf der Party schon so viel durchmachen und die ganzen neugierigen Blicke aushalten musste.

Wahrscheinlich hätte Blake die Sache mit dem freundschaftlichen Kavalierdienst wirklich geglaubt … wenn da nicht dieser Kuss gewesen wäre. Wenn er die Augen schloss, erlebte er wieder, wie es gewesen war, ihr das dunkle, dichte Haar zu zerzausen. Er spürte ihre Lippen und ihre weiblichen Rundungen an seinem Körper und wusste, dass er nie so weit hätte gehen dürfen. Aber es hatte sich so wunderbar angefühlt …

2. KAPITEL

Wo bleibt Katie bloß? dachte Blake und schob schon zum dritten Mal in zehn Minuten die Manschette seines weißen Hemdes hoch, um auf die Armbanduhr zu sehen.

Oder kam sie etwa heute nicht zur Vorstandssitzung, weil sie ihm aus dem Weg gehen wollte?

„Tut mir leid, dass ich mich verspätet habe.“

Als er die vertraute klangvolle Stimme hörte, hob er den Kopf … und sah Katie direkt in die Augen. Da stand sie, am anderen Ende des langen Konferenztisches. Mehrere Sekunden schauten sie sich an, viel zu lang. Das fiel bestimmt auch den anderen Vorstandsmitgliedern auf …

Katie beendete schließlich den Blickkontakt und schaute sich im Zimmer um. „Ich wurde eben aufgehalten“, erklärte sie, strich sich den schmalen schwarzen Rock glatt und nahm Blake gegenüber an dem Tisch Platz.

Wie immer war sie perfekt zurechtgemacht. Ihre petrolfarbene Seidenbluse schmeichelte ihren dunklen Augen und dem braunen Haar. Und sobald sie ihren sinnlichen Mund öffnete, hingen alle Männer an ihren Lippen.

Der Vorstandsvorsitzende saß am Kopfende des Tisches. Er eröffnete die Sitzung und verlas zunächst die Tagesordnung.

In Blakes Kopf vermischten sich seine Worte zu einem einzigen Dröhnen. Seine Aufmerksamkeit galt allein der Frau, die ihm gegenüber schweigend am Tisch saß.

„Blake, Sie kümmern sich doch um die Gemälde für die Versteigerung, oder? Blake … hören Sie mich?“

Katie fixierte ihn. „Blake“, raunte sie ihm zu. „Evan spricht gerade mit dir.“

„Natürlich kümmere ich mich darum.“ Abrupt fuhr Blake zu dem Vorsitzenden herum. „Das habe ich doch schon vor einem Monat versprochen, oder?“, fügte er mit scharfem Unterton hinzu.

„Gut, danke“, erwiderte Evan Rutherford genauso heftig. „Entschuldigen Sie bitte, aber mir kam es eben so vor, als wären Sie nicht bei der Sache.“

Blake wandte sich Katie zu. „Ich muss wegen der Gemälde noch mit den Kenningtons sprechen und sie fragen, ob sie etwas stiften wollen“, sagte er so laut, dass es alle Anwesenden hören konnten. „Du und deine Familie, ihr kennt die beiden viel besser als ich. Ich kann mir vorstellen, dass das Gespräch besser läuft, wenn du mitkommst.“

Katie blinzelte kurz. Sie wirkte betreten und überrascht. Blake musste innerlich lächeln. „Ich … ja, natürlich komme ich gern mit“, gab sie zurück. „Ich kenne ihre Sammlung sogar ziemlich gut.“

„Vielen Dank.“ Das hatte er ja geschickt eingefädelt – wenn er sie in aller Öffentlichkeit fragte, konnte sie nämlich schlecht Nein sagen. Allerdings gab sie ihm mit einem kurzen Blick zu verstehen, dass sie ihn dafür nachher zur Rechenschaft ziehen würde.

„Schön, schön“, kommentierte Evan mit der ihm eigenen Arroganz. „Dann verlasse ich mich mal darauf, dass Sie beide uns ein paar tolle Bilder für die Versteigerung organisieren. Kommen wir zum nächsten Punkt der Tagesordnung …“

Blake schaltete bei dem Monolog des Vorsitzenden wieder ab. Für ihn wäre es kein Problem, Spenden für die Kunstversteigerung zu organisieren, dafür brauchte er die Kenningtons nicht. Aber er musste unbedingt mit Katie unter vier Augen reden. Wie mochte es ihr wohl seit dem atemberaubenden Kuss nach der Party gegangen sein? Ob sie auch so oft daran hatte denken müssen wie er? Das wollte er herausfinden. Wann ist diese verdammte Sitzung endlich vorbei? dachte er. Was soll das überhaupt alles?

Immerhin hatte das Komitee solche Wohltätigkeitsveranstaltungen wie den bevorstehenden Halloween-Ball schon mehrere Dutzend Male geplant und durchgeführt. Warum mussten sie also immer noch jeden Punkt im Detail besprechen? Die Zeit hätte er viel effektiver anders verbringen können, außerdem musste er so schnell wie möglich zurück ins Büro.

Er gab Evan ein Handzeichen. „Entschuldigung, sind wir mit dem Programm jetzt mehr oder weniger durch? Ich habe nämlich noch eine wichtige Besprechung.“

Evan räusperte sich laut. „Also, ich …“

„Gut.“ Blake schob den Stuhl zurück und drehte sich wieder zu Katie. „Darf ich noch kurz mit dir sprechen?“

Katie ließ sich ihre Nervosität kaum anmerken, wahrscheinlich bekam nur Blake ihre leichte Erregung mit. „Natürlich. Bitte, entschuldigen Sie mich für einen Moment“, sagte sie in die Runde. „Blake hat offenbar gerade viel zu tun. Wie immer.“

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