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Liebesreise nach Australien 2

Liebesreise nach Australien 2

Lindsay Armstrong

Ein schwieriger Mann

Helen Bianchin

Eine außergewöhnliche Frau

Rosemary Badger

Ein unerwartetes Happy End

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Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden.

Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder

auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.

Der Preis dieses Bandes versteht sich einschließlich

der gesetzlichen Mehrwertsteuer.

3. KAPITEL

Stunden später überraschte Wendy Juanita mit der Nachricht, dass sie abends alleine mit Gareth Walker würde essen müssen.

Juanita hatte gerade die Arbeit dieses ersten Tages beendet, als Wendy ins Gästezimmer stürmte, um sich zu erkundigen, ob Juanita mit allem Notwendigen versorgt sei – und natürlich um die Neuigkeit loszuwerden, die Juanita mit Unbehagen erfüllte.

“Oh nein, bitte”, bat sie, “wollen wir nicht lieber – wie heute Mittag – alle gemeinsam essen?”

“Wir essen normalerweise immer zusammen, aber ich möchte gern eine Ausnahme machen, wenn Gareth Besuch hat”, erklärte Wendy mit ebenso wichtiger wie ernster Miene. Doch plötzlich verzog sie das sommersprossenübersäte Gesicht zu einem vergnügten Lächeln. “Bisher ist es noch nie so weit gekommen”, gestand sie. “Wissen Sie, ich brenne geradezu darauf, in Mas Abwesenheit ein richtig gutes Menü zuzubereiten und den Tisch im Esszimmer total festlich zu decken. Dies habe ich Gareth erzählt, und er sagte prompt: ‘Warum nicht?’ Ich koche nämlich wahnsinnig gerne, und sobald Ma zurückkommt, werde ich an einem Lehrgang teilnehmen, bei dem es nicht nur um Kochen, sondern auch um die Kunst geht, eine Tafel richtig zu decken. Gareth beteiligt sich an den Lehrgangskosten, aber ich habe natürlich vor, ihm das Geld zurückzuzahlen.”

Wendys Gesicht strahlte so große Vorfreude darauf aus, schon an diesem Abend eine Kostprobe ihres Könnens zu geben, dass Juanita es einfach nicht fertigbrachte, ihr zu widersprechen und es abzulehnen, mit Walker allein zu tafeln. “Vielen Dank, Wendy”, erwiderte Juanita. “Ich glaube, Sie sind ganz schön glücklich, Ihre Mutter, während sie im Krankenhaus liegt, so würdig zu vertreten.”

“Wir waren in diesem Haus vom ersten Tag an glücklich”, gestand Wendy. “Gareth ist so gut zu uns. Als meine Mutter ins Krankenhaus kam und die Zwillinge einen Tag später an Windpocken erkrankten, hätte ich ohne Gareth gar nicht gewusst, wie ich alleine mit allem hätte fertig werden sollen.”

“Er hat Ihnen geholfen?”, erkundigte sich Juanita interessiert.

“Ja, Gareth hat sich mit mir zusammen um die Zwillinge gekümmert. Er kann echt toll mit Kindern umgehen.” Wie zur Bekräftigung ihrer Worte wippte Wendy mit dem Pferdeschwanz. “Gareth hat ihnen etwas vorgelesen, mit ihnen Puzzles gelegt und so, und niemand sonst – nicht einmal Ma – versteht es so gut wie Gareth, Steven und Rebecca zu beruhigen. Es ist wirklich ein Jammer …”

“Was ist ein Jammer?”, fragte Juanita überrascht.

“… dass Gareth sein eigenes Kind so früh verloren hat – zusammen mit seiner Frau. Beide kamen bei einem Unfall ums Leben, der passiert ist, bevor wir hierher kamen. Das Kind war noch ein Baby, ein kleiner Junge. – Aber jetzt sollte ich mich besser sputen, damit mein Abendessen für Gareth und Sie echt toll und keine mittlere Katastrophe wird.” Wendy zögerte, bevor sie hinzufügte: “Werden Sie sich zum Essen … umziehen?”

Juanita lächelte. “Aber natürlich!”

Wendy strahlte und sauste davon.

Was ziehe bloß ich an, überlegte Juanita, nachdem sie geduscht hatte. Die Auswahl war nicht gerade groß. Bei der Zusammenstellung der mitgebrachten Garderobe hatte Juanita die Einladung zu einer festlichen Tafel nicht in Erwägung gezogen. Am brauchbarsten schien ein rehbrauner Rock zusammen mit einer ärmellosen cremefarbenen Seidenbluse zu sein. Gut dazu machte sich eine leuchtend bernsteinfarbene Stola – und doch bestätigte Juanita ein prüfender Blick in den Spiegel, dass sich ihr äußeres Erscheinungsbild nicht allzu deutlich vom Aussehen bei der Arbeit abhob. Auch die breite goldene Perlenkette, die Juanita noch anlegte – ein Erbstück ihrer Großmutter, das sie mit anderen Schmuckstücken zusammen zum 21. Geburtstag geschenkt bekommen hatte –, brachte nicht den erhofften Effekt. Noch immer wirkte ihr Äußeres zu ernst – ja, streng.

Aus dem Esszimmer drang Stevens Stimme. “Darf ich die Kerzen anzünden, Wendy?”, krähte der kleine Blondschopf aufgeregt.

Juanita schmunzelte in sich hinein und löste mit entschlossenem Griff das im Nacken zusammengebundene Haar, das schon im nächsten Moment auf ihre Schultern fiel und mit seinem schwarzen, matten Glanz ihr Gesicht umrahmte. Juanitas Gesichtszüge wirkten plötzlich noch feiner, die Augen größer und die Haut unter dezentem Make-up überhaupt nicht mehr blass, sondern hell, glatt und klar.

Während Juanita sich selbst über die erhebliche Veränderung wunderte, die ein einziger Handgriff bewirkt hatte, streifte ihr Blick die kleine Vase mit Kamelien, die Wendy auf den Frisiertisch gestellt hatte. Ohne zu zögern, zog Juanita eine Pflanze aus der Vase, trocknete den Stängel mit einem Taschentuch, kürzte ihn ein kleines Stück mit der Nagelschere und steckte sich die Blüte ins Haar.

“Toll!”, rief Rebecca, als Juanita im Esszimmer erschien, wo alle anderen bereits versammelt waren.

“Sie sehen großartig aus”, stellte Steven fast ehrfurchtsvoll fest.

“Stimmt!” Stolz führte Wendy Juanita zu dem kleineren von zwei Tischen in dem riesigen Esszimmer. Er stand vor einem Bogenfenster und war höchst akkurat für zwei Personen gedeckt. Auf einer pinkfarbenen, gestärkten Damast-Tischdecke glänzten im Kerzenschein Porzellan, Silber und Kristall. Teller, Bestecke, Gläser – alles war in großer Sorgfalt angeordnet. Die Mitte des Tisches zierte ein aufwendiges, wirklich wunderschönes Kamelien-Gesteck mit dunkelgrünen Zweigen. Bereits aufgedeckt waren zwei ebenso reichhaltig wie kunstvoll zusammengestellte Salatplatten, offensichtlich die Vorspeise.

Gerührt betrachtete Juanita den liebevoll gedeckten Tisch. “Das kann kein noch so gutes Restaurant überbieten, Wendy. Ganz großartig haben Sie das gemacht!”

Wendy wirkte geschmeichelt. “Das Essen steht auf Warmhalteplatten auf dem Sideboard, wo Sie sich selbst bedienen können. Ich glaube, so ist es besser, als wenn ich hier dauernd herumhusche. Aber falls Sie irgendeinen Wunsch haben, brauchen Sie nur nach mir zu rufen.” Dann wandte sich Wendy den Zwillingen zu. “Und ihr kommt jetzt mit mir mit!”

“Aber”, wagten die Zwillinge scheuen Protest in Stereo, “können wir denn nicht …”

“Nein!”

Sie murrten zwar ein bisschen, gingen dann aber doch, und Juanita nahm nun erst richtig Gareth Walker wahr, der bisher ohne ein Wort zu äußern ein wenig abseits gestanden hatte. Auch er hatte sich inzwischen umgezogen und trug jetzt zu einer dunklen Hose ein weißes Hemd mit blauer Krawatte. Frisch frisiert, groß und kultiviert stand er da – und amüsierte sich offenbar über die Blume in Juanitas Haar.

“Denken Sie sich nichts dabei”, bat sie Walker. “Auch wenn es Sie vielleicht ein bisschen belustigt: Ohne wirklich elegante Garderobe dabeizuhaben, wollte ich mich Wendy zuliebe einfach so gut es eben geht so festlich zurechtmachen wie sie die Tafel.”

Walker nickte. “Ich verstehe. Aber nun nehmen Sie bitte Platz, Miss Spencer-Hill.” Er entkorkte den Wein und schenkte ein. “Vielleicht wird dieser gute Tropfen helfen.”

“Helfen – wobei?” Verkrampft nestelte Juanita an der Serviette.

“Dabei helfen, die festlich gedeckte Tafel um die Gemütlichkeit zu bereichern, die Wendy uns wünscht.”

Doch die Gemütlichkeit wollte sich, während wortlose Stille den als Vorspeise servierten Salat-Gang begleitete, einfach nicht einstellen. Als Juanita den Salat halb verzehrt hatte, hielt sie die beklemmende Stille nicht länger aus.

“Ich habe Ihnen heute gleich nach meiner Ankunft so viel über mich und mein Leben berichtet, Mr. Walker. Was halten Sie davon, diese Geste zu erwidern und ein wenig über Ihr Leben zu berichten?”

Walker sah überrascht hoch. “Was möchten Sie gern wissen?”

“Zum Beispiel, wie Sie Schriftsteller geworden sind.”

Er ließ die Gabel sinken. “Ähnlich wie bei Ihnen, Miss Spencer-Hill, gab es auch bei mir eine Zeit, in der ich mir über meine beruflichen Ziele nicht recht im Klaren war. Doch bei mir ging es mehr um das Problem, mich für eine von mehreren Möglichkeiten zu entscheiden. Mich lockten hauptsächlich zwei Gebiete: der Journalismus und die Politik. Eigentlich beherrschte mich obendrein eine dritte Leidenschaft – die Reiselust. Nachdem ich Journalismus und Politik studiert und das Examen bestanden hatte, half mir ein glücklicher Zufall, in der Auslandsredaktion einer größeren Zeitung beschäftigt zu werden. So konnte ich alles, woran ich interessiert war, sinnvoll unter einen Hut bringen. Jahrelang reiste ich um die Welt – stets auf der Suche nach neuen Storys über politische und andere aktuelle Ereignisse.”

“Ist das schon”, wunderte sich Juanita, “die ganze Geschichte?”

Walker lächelte. “Mehr oder weniger. Irgendwann habe ich dieses Anwesen geerbt und damit eine unerwartete Verantwortung übernommen. Mein Vater unterhielt hier früher eine Ponyzucht, die er jedoch mit zunehmendem Alter immer mehr heruntergewirtschaftet hatte. Die Ausgaben überstiegen am Ende die Einnahmen, und so stand ich nach der Erbschaft vor der Wahl, entweder alles zu verkaufen oder einen Neubeginn zu wagen. Ich entschied mich für die zweite Möglichkeit, kündigte meine gut bezahlte Auslandstätigkeit und kehrte nach Australien zurück, um mich hier niederzulassen – was sich allerdings als wesentlich schwieriger erwies, als es sich im Nachhinein anhört.”

“Das glaube ich”, erwiderte Juanita. “Und dann haben Sie sich entschlossen, Ihre früheren Berufserfahrungen und die dabei gewonnenen Kenntnisse zu nutzen, spannende Romane mit politischem Hintergrund zu schreiben, ja?”

“So ungefähr lässt es sich zusammenfassen”, bestätigte Walker. “Ich schrieb wie besessen, erschloss mir allerdings gleichzeitig noch eine zweite Erwerbstätigkeit, indem ich Polo-Ponys trainierte. Als sich einige Zeit später die ersten schriftstellerischen Erfolge einstellten, begann ich systematisch, die Villa zu renovieren. Sie bekam ein neues Dach, die Schornsteine wurden instand gesetzt, die Warmwasserversorgung auf Vordermann gebracht und so weiter. Als Nächstes wollte ich eigentlich sämtliche Sanitäranlagen modernisieren, bis mir der Gedanke kam, vor allen weiteren Renovierungsmaßnahmen den fachkundigen Rat eines Innenarchitekten einzuholen.”

Eine kurze Pause entstand. “Ist es nicht eigentlich”, erkundigte sich Juanita dann, “ein sehr einsames Leben, das Sie leben?”

“Überhaupt nicht.” Walker schüttelte den Kopf. “Erst hat meine jüngste Schwester Xanthe, die jetzt 22 geworden ist, Turbulenz in meinen Alltag gebracht, indem sie hier für einige Zeit einzog. Nach Xanthes Auszug erzielte ich durch meine Bücher zwischenzeitlich so hohe Honorare, dass ich meiner weiteren Leidenschaft, der Reiselust, ausgiebig nachkommen konnte. Sie lässt sich übrigens ausgezeichnet mit meiner ständigen Suche nach neuen Stoffen für meine Bücher verbinden. Jetzt sollten wir uns aber wirklich den zweiten Gang gönnen.”

Gareth Walker stand auf, ging zum Sideboard und servierte gleich darauf Hähnchenschenkel mit Sesamkruste, Sojasoße und pikant gewürztem Kräuterreis. Das Gericht lockte nicht nur mit verheißungsvollem Duft – es schmeckte auch ausgezeichnet.

“Ich glaube”, sagte Juanita genießerisch, “Wendy ist auf dem richtigen Weg.”

“Bestimmt”, zeigte sich Walker überzeugt. “Sie ist wirklich ein liebes Mädchen.”

“Offensichtlich sind Sie aber auch sehr nett zu ihr.”

“Das fällt mir nicht schwer.”

Wieder herrschte eine Weile Schweigen, das andauerte, bis Walker Wein nachschenkte.

“Waren Sie eigentlich schon einmal richtig verliebt?”, fragte er dabei fast beiläufig.

Halb überrascht, halb ärgerlich sah Juanita zu ihm auf. “Das geht …”

“Mich gar nichts an, ich weiß.” Walker lächelte.

“Wenn Sie es genau wissen wollen: Nein, so richtig gepackt hat es mich bisher nie”, räumte Juanita trotzig ein. “Was absolut nicht bedeutet, dass ich nicht oft genug in Männer verknallt war. Umgehauen hat mich allerdings keiner von ihnen – weder am Anfang noch am Ende einer Beziehung.”

“Und wie eng waren diese Beziehungen?”, forschte Walker weiter. “Haben Sie sich ein einziges Mal vollkommen fallen lassen können, um einem Mann wirklich nahe zu sein?”

Juanitas Blick flackerte. “Nein, bisher no … noch nicht”, brachte sie stockend hervor.

“Sie sind also ohne Zweifel noch Jungfrau”, sagte ihr Gareth Walker auf den Kopf zu.

Juanita glaubte, ihren Ohren nicht zu trauen. “Und Sie, Mr. Walker”, sagte sie mühsam beherrscht, “tun fast so, als sei dies eine schreckliche Krankheit.”

“In Ihrem Alter noch Jungfrau zu sein”, gab er ungerührt zurück, “ist absolut keine schreckliche Krankheit – aber jammerschade.” Versonnen sah Walker auf die glatte, helle Haut ihrer entblößten Arme, auf den schlanken Hals und das seidenmatt glänzende, fast schwarze Haar, das ihr bis auf die Schultern fiel. “Na gut”, riss er sich dann abrupt aus seinen Gedanken, “wollen wir jetzt den Nachtisch probieren?”

“Nein”, erwiderte Juanita aufgebracht. “Sie können nicht einfach derartige Feststellungen treffen und danach das Thema wechseln, Mr. Walker.”

“Was möchten Sie denn gern?”

“Ihnen am liebsten eine schallende Ohrfeige verpassen!” Wütend warf Juanita die Serviette zur Seite und machte Anstalten, aufzustehen und das Esszimmer auf der Stelle zu verlassen.

“Bitte lassen Sie uns das Abendessen nicht so beenden – auch, aber nicht nur Wendy zuliebe”, bat Walker, schob seinen Teller zur Seite und sah Juanita aus tiefblauen Augen so eindringlich an, dass sie unwillkürlich der Gedanke durchzuckte, dies alles sei in Wahrheit sehr viel mehr als nur ein vordergründiges Spiel.

Juanita sank auf den Stuhl zurück. “Was soll das jetzt wieder heißen?”

“Seien wir doch ehrlich zueinander”, sagte Gareth Walker nüchtern. “Die Wahrheit ist: Wir sind beide neugierig aufeinander. Ich als Mann auf Sie und Sie als Frau auf mich.”

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