Logo weiterlesen.de
Liebes Bisschen

IMG

IMG Mein Herz schlägt für Kuchen

Vom Backen zu schreiben, ohne dabei zu sehr in den Zuckertopf der süßen Adjektive zu greifen, ist schwer, nein, es ist nicht machbar. Wenn es um Leidenschaft geht, neige ich zu Übertreibungen: Backen bedeutet für mich Liebe, Sehnsucht, Genuss und Freude. Wie viele Kinder habe ich mich schon früh für süße Sachen begeistert. Meine Prioritäten waren mit drei Jahren: Mama, Papa, Schwester, Lakritz. Wenn meine Oma mir Geld in die Hand drückte, wurde dieses sofort beim kleinen Kaufladen um die Ecke in köstliches Lakritz investiert. Und natürlich Schokolade! Hätte ich es mir aussuchen können, wäre Schokolade später mein Hauptnahrungsmittel geworden. Mein Vater scherzte oft, dass der Mann, der mich erobern wollte, nur eine Schokoladenspur zu sich legen müsste.

Meine Mama ist eine fantastische Köchin. Wir durften als Kinder viel in der Küche experimentieren und bekamen oft Neues zum Probieren. Gutes Essen spielte in unserer Familie immer eine große Rolle. Meist kamen nur abends alle zusammen, aber umso schöner war es, im Winter bei Kerzenschein oder an einem lauen Sommerabend draußen im Garten gemeinsam zu essen. Auch meine Oma war als Hauswirtschaftslehrerin eine leidenschaftliche Köchin und ausgezeichnete Bäckerin: Die leckersten Kuchen und die schönsten Plätzchen kamen immer von ihr. Meine große Schwester Ella und ich waren in der Weihnachtszeit begeisterte Küchenelfen. Vor allem, wenn Mürbeteig gerührt wurde, konnten wir unsere Finger kaum aus der Schüssel lassen. Ich war fasziniert von der Magie des Ofens: Aus leckerem Teig wurde darin knuspriges, goldgelbes Gebäck. Bei Kuchen verwandelte sich die flüssige Konsistenz in ein weiches Kissen, auf das ich mich zu gerne gebettet hätte.

IMG

Cookie Couture

Eigentlich hätte mir damals schon klar sein müssen, welchen Berufsweg ich einmal einschlagen würde. Allerdings entschied ich mich nach dem Abitur erst einmal für die Welt der Mode. Ich studierte Textiles Management und verdiente mein Geld als Fotomodell. Das Backen blieb aber mein liebstes Hobby. Meine Diplomarbeit schrieb ich über das Thema »Sehnsucht«; es wurde das Konzept für einen »Keksladen unter den Aspekten des Retrotrends«. Der kleine Laden sollte »Cookie Couture« heißen und die Sehnsucht nach längst vergangenen Zeiten wecken – mit dem Duft von frisch gebackenen Keksen, der schönsten Erinnerung an meine Kindheit! Ich beschloss nach England zu gehen, um in der berühmten Kochschule »Le Cordon Bleu« in London eine Patissière-Ausbildung zu beginnen. So wurde die Leidenschaft mein Beruf und die Mode zu meinem Hobby. Nachdem ich mit meinem Diplom in der Tasche zurückkam, lernte ich Sebastian kennen, den »Mann meines Herzens« – nicht am Ende einer Schokoladenfährte, sondern während eines unvergessenen Aprilabends 2007.

Ich war kurz davor, ein Backatelier anzumieten, um individuelle Torten und Kekse unter dem Namen »Cookie Couture« herzustellen. Sebastian stand mir bei allem zur Seite und war nicht nur Feuer und Flamme für mich, sondern auch für meine Geschäftsidee. Ich fertigte nur auf Bestellung und arbeitete weiter als Modell für Film und Foto. Nach kurzer Zeit lief »Cookie Couture« sehr gut. Die Presse wurde auf mich aufmerksam, Artikel wurden gedruckt und es kamen immer mehr Kunden. Da ich allein in der Backstube war, konnte ich nur wenige Aufträge annehmen, aber täglich kamen mehr Anfragen. So beschlossen Sebastian und ich im Sommer 2008, ein Café zu eröffnen. Der kleine, versteckte Laden im Hamburger Schanzenviertel war schnell gefunden, und das Hauptprodukt sollte der gerade angesagte Cupcake sein. Den Namen des Cafés hatte Sebastians Bruder Phillip, ein sehr kreativer Werbekopf, schnell gefunden:

»Liebes Bisschen«

Es war natürlich klar, dass alles vor Ort selbst gefertigt wurde – durch die offene Backstube weht immer der wunderbare Duft von frisch Gebackenem. Häufig kommen Kunden, die nur durch diesen Duft angelockt werden. Es ist einfach schön, Menschen mit der eigenen Hände Arbeit glücklich zu machen. Der Lohn sind die zufriedenen Gesichter meiner Kunden, wenn sie mit einem hübschen Schächtelchen, gefüllt mit süßen Köstlichkeiten, mein Café verlassen. Wir wurden immer bekannter und die Produktpalette jeden Tag größer. Ich entwickelte immer mehr Rezepte, an denen ich ständig weiter feilte und die ich bis heute noch verbessere und verfeinere.

Mittlerweile ist der Laden zu klein geworden, all die wunderschönen Törtchen und Kuchen haben keinen Platz mehr in der Auslage. Mein Wunsch ist es, die leckeren Köstlichkeiten mit Ihnen zu teilen und auch Ihnen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Deshalb, liebe Leserin und lieber Leser, halten Sie mein erstes Backbuch in Ihren Händen.

IMG

Mein Backbuch

Dieses Buch soll mehr als »nur« eine Rezeptsammlung sein. Ich möchte Ihnen einen wichtigen Teil meiner Welt nahebringen, Sie mit der besonderen Atmosphäre in meiner Backstube vertraut machen, die ich so liebe. Natürlich beeinflusst mich das, was ich in meinem Alltag und auf Reisen schätzen gelernt habe: die Mode der Vierzigerjahre, die klare Moderne der Sechziger und Filme wie die des französischen Regisseurs Michel Gondry. All das sind Dinge, die mich neben köstlichen Zutaten und kulinarischen Erfahrungen inspirieren. Schließlich ist beim Backen alles erlaubt: Hier treffen klassische Rezepturen auf grafische Verzierungen, Modetrends werden erfunden oder weiterentwickelt. Backen ist modern und jung geworden; selbst gemacht und exklusiv, das ist heute Mode. Backen ist alles andere als altbacken, das möchte ich Ihnen mit meinen Kreationen zeigen.

Viel Spaß mit meinen Rezepten!
Ihre
IMG

IMG

Basics

Aller Anfang ist gar nicht schwer – und hoffentlich der Beginn einer langen Freundschaft zwischen Ihnen und meinem Backbuch.