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Lieben und Hassen

Vorwort des Autors

Die Handlung dieses Romans spielt in den Sechziger- und Siebzigerjahren des vorigen Jahrhunderts. Es gab zu dieser Zeit noch keine Europäische Union, jedes Land in Europa hatte eine eigene Währung. Der US-Dollar war das Maß aller Dinge. Wer genug davon besaß, konnte sich glücklich schätzen. Fliegen war noch purer Luxus.

Das ist die Geschichte einer Sandkastenliebe: Daniel und Carmen wachsen zusammen auf und sind einander versprochen. Während Carmen ihr Ziel, ihn zu heiraten, nicht aus den Augen verliert, wächst Daniel als Einzelkind auf. Verwöhnt und verhätschelt von seiner besitzergreifenden Mutter lebt er gedankenlos in den Tag hinein. Er ist ein Sonnyboy, geboren für das Leben eines Playboy. Leider fehlt ihm dazu das nötige »Kleingeld«, dann aber stellt das Schicksal die Weichen und sein Leben gerät aus den Fugen.

Daniel

Daniels Geburtsstadt war Madrid. In dieser lebendigen Metropole war er aufgewachsen, er kannte sich dort bestens aus. Im Sommer machten die hohen Temperaturen den Menschen das Leben schwer. An den letzten konnte er sich noch sehr genau erinnern. Es war der Sommer, der sein Leben verändern sollte. In diesem Jahr war es bereits im Juni, zu Beginn der dreimonatigen Sommerferien, sehr heiß. Nachts war die Temperatur nicht unter 28 Grad Celsius gesunken. Er schlief schlecht und wachte oft schweißgebadet auf. Meistens fiel er erst gegen Morgen vor Erschöpfung in einen unruhigen Dämmerschlaf, bis Isabel, das Dienstmädchen, ihn weckte.

»Auf, auf, junger Mann, ins Bad mir dir!«, rief sie gut gelaunt. »Die Welt da draußen wartet auf dich.« Isabel kam jeden Morgen um sieben Uhr zum Dienst und half seiner Mutter im Haushalt. Sie mochte ihn. Seit vielen Jahren war sie bei seiner Mutter angestellt und hatte ihn aufwachsen sehen. Sie wusste, dass er als Einzelkind ohne Vater unter der Vereinnahmung seiner Mutter litt, und hatte ein ausgeprägtes Beschützersyndrom für ihn entwickelt. Sie war achtundzwanzig Jahre jung und mit allen weiblichen Attributen reichlich gesegnet. Vom Bad aus hörte er Isabel in der Küche hantieren. Seine Mutter kam dazu, Isabel begrüßte sie.

»Guten Morgen Señora, der Kaffee ist fertig.«

»Guten Morgen, Isabel. Schläft mein Sohn noch?«

»Nein, Señora, er ist im Bad.«

»Daniel, beeil dich bitte. Wir müssen heute zum Einkaufen in die Markthalle. Du weißt, dass wir früh gehen müssen, sonst ist die Hitze nicht zu ertragen«, rief sie.

Mittwochs und samstags war Markttag und Daniel half seiner Mutter, die Einkäufe zu tragen. Wie eine Oase befand sich die Markthalle inmitten der urbanen Wüste von Madrid. Die Temperatur lag heute allerdings bei erträglichen 26 Grad. In der Halle roch es nach Gewürzen, Wurstwaren, Oliven, Wein und anderen Köstlichkeiten. Daniels Mutter lief zielstrebig von Stand zu Stand, wählte aus, was sie zum Kochen brauchte. Kurz vor seiner Geburt hatte sie die Idee gehabt, eine Pension für deutsche Gäste zu eröffnen, und konnte sich vor Anfragen kaum retten. Sie hatte eine Marktlücke entdeckt.

Nachdem seine Mutter alle benötigten Zutaten eingekauft hatte, gingen sie schwer beladen zurück nach Hause. Unterwegs klagte seine Mutter ihm ihr Leid.

»Ich weiß nicht mehr, was ich machen soll. Heute ist erst Mitte des Monats und ich habe nur noch ein paar Peseten. Die Gäste zahlen aber erst am Monatsende. Was soll ich tun?«

Sie konnte schlecht mit Geld umgehen und war ständig in Geldnöten.

»Frag doch Paul«, schlug Daniel vor.

»Paul? Der fängt doch immer gleich an zu jammern, er hätte selbst kein Geld. Dabei weiß ich doch, dass er zwei Geldbörsen hat. Eine ist leer, die zeigt er mir, die andere mit dem Geld versteckt er.«

Paul, ein deutscher Geschäftsmann, war verheiratet, und hatte ein Verhältnis mit seiner Mutter, die Daniel im Alter von vierzig Jahren bekommen hatte. Um den fehlenden Lebenspartner zu ersetzen, hatte sie unbedingt ein Kind haben wollen. Dementsprechend eng war ihr Bindungsanspruch, unter dem Daniel sehr litt. Sie verheimlichte ihm, dass Paul sein Vater war.

»Cova hat nach dir gefragt. Du könntest dich ruhig mal wieder bei ihr sehen lassen«, warf ihm seine Mutter vor. Cova war seine Patentante. Sie hatte drei Töchter von zwei verschiedenen Vätern: Carmen war siebzehn Jahre und ein halbes Jahr älter als Daniel. Teresa war sechzehn, Maribel vierzehn Jahre alt. Cova lebte mit Johann, sie nannte ihn Juan, in wilder Ehe. Juan, ein vom Whiskey aufgedunsener deutscher Arzt, ungepflegt und mürrisch, war aus dubiosen Gründen in Spanien gestrandet. Er war Maribels Vater. Meistens lief er in seinen ausgeleierten Boxershorts im Garten herum, wobei man nur allzu häufig freie Sicht auf seine Genitalien hatte. Cova vermutete, dass er mit illegalen Geschäften ein Vermögen verdient hatte. Aber das war eben nur eine Vermutung, denn in dieser Hinsicht hielt er sich sehr bedeckt.

Wenn es nach dem Willen seiner Patentante gegangen wäre, hätte aus Daniel und Carmen längst ein Paar werden können. Für sie waren beide schon als Kinder einander versprochen und Carmen war ganz auf ihn fixiert. Aus ihrer Sicht waren sie füreinander bestimmt, aber er nahm ihre Gefühle nicht ernst. Zuletzt war der Kontakt abgebrochen.

Seine Liebe und sein Begehren gehörten Isabel. Sie war fest in seiner Seele verankert. Durch den täglichen Kontakt über die Jahre hatte sich eine Vertrautheit eingestellt, die seine erotischen Fantasien, allerdings fern jeglicher Realität, blühen ließ. Im Sommer kam erschwerend hinzu, dass Isabel wegen der Hitze leichte, luftige Arbeitskleidung trug, die ihre weiblichen Reize voll zur Geltung und seine Fantasie zum Überschäumen brachte. Isabel war sich dessen bewusst und befand sich ihrerseits in der Zwickmühle. Der kleine Junge, dem sie wie einem Bruder ihre Zuneigung geschenkt hatte, war mittlerweile zu einem gut aussehenden jungen Mann herangewachsen und sie wäre nicht abgeneigt gewesen, seinem Werben nachzugeben. Aber sie wusste, welche Konsequenzen ein Nachgeben haben würde, und hielt sich zurück.

Zu seinem siebzehnten Geburtstag hatte sich Daniel ein gebrauchtes Moped gewünscht, das sein Schulfreund Pedro günstig verkaufte. Ohne sich viele Gedanken zu machen, fuhr er damit zu seiner Patentante Cova hinaus in die Vorstadt. Er hatte sich längere Zeit nicht sehen lassen und erschrak bei ihrem Anblick: Sie war sichtlich gealtert. Auch die Begrüßung fiel nicht so herzlich aus wie in früheren Zeiten. Eine gewisse Entfremdung war spürbar. Daniel wusste, dass es seine Schuld war, denn er hatte ihre Erwartungen hinsichtlich Carmen nicht erfüllt. Wie es den Anschein hatte, war seine Tante allein zu Hause.

»Carmen arbeitet im Büro in der neuen Fabrik nebenan. Sie hat bald Dienstschluss. Du könntest sie abholen«, schlug seine Patentante vor. Er war mit ihrem Vorschlag einverstanden und lief die Straße hinunter bis zur neuen Autobahn, von wo aus es nicht mehr weit bis zur Fabrik war. Er musste nicht lange warten, bis er sie kommen sah. Bei ihrem Anblick staunte er. Sie hatte sich sehr zu ihrem Vorteil verändert. Aus der unbeholfenen, pummeligen Carmen war eine hübsche, schlanke junge Frau geworden. Plötzlich waren alle seine Sinne hellwach.

»Hallo, Carmen!«

»Hallo«, war ihre knappe Antwort, begleitet von einem finsteren Gesichtsausdruck. Sie gingen eine Weile schweigend nebeneinander her, bis sie plötzlich stehen blieb und ihn ansah.

»Du hast vielleicht Nerven. Lässt dich eine Ewigkeit nicht sehen und tauchst dann wieder auf, als wäre nichts geschehen!«

»Ich habe mir nichts dabei gedacht.«

»Das ist es ja, du denkst nur an dich. Was die anderen fühlen, interessiert dich nicht. Du bist ein verwöhnter Rotzlöffel.«

Beide gingen weiter, in ihre eigenen Gedanken vertieft, bis Daniel schließlich Mut fasste.

»Carmen, es tut mir leid«, sagte er kleinlaut. Sie ließ zu, dass er ihre Hand nahm. Während sie nebeneinander weiter liefen, spürte er eine zarte Zuneigung für sie aufkommen. An ihrer Haustür angekommen schlug er vor, am Sonntag zusammen ins Kino zu gehen. Sie war einverstanden und umarmte ihn schnell, bevor sie ins Haus ging. Am Sonntagnachmittag fuhr er zu ihr. Bei seiner Ankunft sah er sie schon vor dem Haus warten. Sie setzte sich hinter ihn auf die Sitzbank und hielt sich mit beiden Armen an ihm fest, als er losfuhr.

Das Kino war um diese Zeit mäßig besetzt und sie suchten sich einen Sitzplatz in den hinteren Reihen. Als das Licht ausging, legte er seinen Arm um ihre Schultern und unternahm den Versuch, sie zu küssen. Aber sie wehrte ihn ab. Sie hatten sich schon vor Jahren geküsst, damals waren sie noch Kinder gewesen. Jetzt war sie eine junge Frau und er begehrte zum ersten Mal bewusst ihren Mund. Er ließ sich Zeit mit einem erneuten Versuch, aber auch beim zweiten Mal bekam er eine Abfuhr. Erst gegen Ende der Vorstellung ließ sie ihn gewähren und zuletzt berührten seine Lippen ihren leicht geöffneten Mund. Ihr Kuss war voller Hingabe und er spürte, wie sich ihr Körper straffte. Er wusste, dass er jetzt eine endgültige Entscheidung treffen musste. Das war kein Kinderspiel mehr.

 

Carmen war schon seit ihrer Kindheit in Daniel verliebt. Sie war fest davon überzeugt, eines Tages seine Frau zu werden, und hatte während ihrer Teenagerzeit die Annäherungsversuche anderer Jugendlicher abgelehnt. Daniel war ein Einzelkind, verwöhnt und egozentrisch, aber sie war nach wie vor davon überzeugt, dass aus ihm ein passabler Ehemann werden könnte, wenn er sich aus den Fängen seiner allgegenwärtigen überheblichen Mutter befreien würde. In letzter Zeit war er sich nicht mehr bei ihr gewesen und sie hatte befürchtet, er habe sie vergessen. Vor Kurzem hatte er ihr plötzlich unerwartet vor ihr gestanden und sie hatte sich beherrschen müssen, um ihn nicht zu umarmen. Der Kuss im Kino hatte sie so erregt, dass sie auf der Stelle mit ihm hätte schlafen können. Sie war siebzehn und verspürte den Drang nach sexueller Erfüllung.

 

An einem Sonntagnachmittag betraten sie nach dem Besuch des Freibades das Haus und stellten fest, dass sie allein waren. Carmen nahm Daniel bei der Hand und zog ihn in ihr Zimmer. Ohne zu zögern, zog sie sich aus. Der Anblick ihres nackten Körpers erregte ihn sehr und gierig danach schlief er mit ihr, ohne an die Folgen zu denken.

Da Carmen berufstätig war und er auf sie warten musste, verbrachte seine Freizeit bei seiner Patentante, die natürlich über diese unerwartete Wendung hocherfreut war. Eines Nachmittags klopfte Daniel an die Tür und seine Patentante schloss auf.

»Ah! Du kommst gerade recht! Ich muss für eine Stunde weg und Maribel liegt noch im Bett. Pass bitte auf sie auf, bis ich wiederkomme, ja?«

Er nickte.

»Maribel, steh jetzt bitte auf«, rief sie, während sie zur Tür ging. »Mit diesem Kind mache ich etwas mit.«

Er betrat das Zimmer und sah Maribel bis zum Hals zugedeckt im Bett liegen. Sie hatte rote Wangen und ihr Blick sah fiebrig aus.

»Bist du krank?«, fragte er und setzte sich zu ihr ans Bett. Er wartete auf ihre Antwort, aber sie gab ihm keine. Stattdessen schaute sie ihn mit glänzenden Augen an. Ihr Mund war leicht geöffnet. Er beugte sich vor und küsste sie spontan auf den Mund. Ihre Lippen waren weich und sinnlich und plötzlich spürte er, wie ihre kleine Zunge in seinen Mund eindrang. Sie schlang ihre Arme um seinen Nacken und erwiderte hingebungsvoll seinen Kuss. Maribel war mit vierzehn Jahren voll entwickelt, ausgesprochen weiblich und groß gewachsen. Ihm wurde plötzlich bewusst, dass er sie haben konnte, und während sie ihn belustigt anschaute, spürte er seine Begierde wachsen. Sie schlug die Bettdecke zurück und zog ihn zu sich.

Daniel kämpfte mit seinem Gewissen, aber die Versuchung war übermächtig. Danach, als er wieder klar denken konnte und ihm die Tragweite seines Fehltrittes bewusst wurde, bekam er Angst.

»Komm, steh jetzt auf. Wenn deine Mutter kommt, musst du dich gewaschen haben und angezogen sein.«

Sie tat brav, was er sagte.

»Donnerwetter! Du hast aber einen guten Einfluss auf sie. Mir gehorcht sie nicht«, bemerkte seine Patentante, als sie zurückkam.

Als Daniel abends in seinem Zimmer saß, drehten sich die Gedanken karussellartig in seinem Kopf. Er fühlte sich schuldig und hatte gegenüber Carmen und seiner Patentante ein schlechtes Gewissen. Gleichzeitig empfand er bei dem Gedanken an Maribel eine starke sexuelle Regung. Er war sich im Klaren darüber, dass er von Glück sagen konnte, wenn seine Tat nicht ans Licht kam, und er wusste nicht, wie er sich in den nächsten Tagen verhalten sollte. Zumal er nur noch an Maribel denken konnte. Warum musste er sich in sie verlieben, jetzt, wo er mit Carmen geschlafen hatte? Er ließ sich eine Weile nicht bei Carmen sehen und gab vor, für wichtige Prüfungen lernen zu müssen. Ihm war bewusst, dass er sich letzten Endes zu seinen Gefühlen bekennen und Carmen aufklären musste.

Am Sonntagnachmittag hielt er es vor Sehnsucht nicht mehr aus und fuhr, in der Hoffnung Maribel sehen zu können, wieder zu Carmen hinaus. Er klopfte an die Tür. Kurz darauf öffnete sich diese und Maribel stand vor ihm. »Sie sind alle weg. Meine Mutter hat eine Haushaltsauflösung und Carmen und Teresa müssen ihr dabei helfen«, sagte sie, während er eintrat. Haushaltsauflösungen waren für seine Patentante eine wichtige Einnahmequelle. Sie kaufte Haushaltsgegenstände billig ein oder bekam sie umsonst und verkaufte sie dann mit Gewinn weiter.

»Gut, dann gehe ich solange in den Garten«, antwortete Daniel und machte Anstalten hinauszugehen. Maribel nahm ihn bei der Hand und hielt ihn davon ab. Sie schloss die Tür, zog ihn an der Hand hinter sich her bis in ihr Zimmer und warf sich aufs Bett.

 

»Daniel wartet bestimmt schon auf mich.

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