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Liebe – heiß wie ein Blitz!

1. KAPITEL

Für Überraschungen hatte Simon Bradley nichts übrig, denn seiner Ansicht nach öffneten sie dem Chaos Tür und Tor. Er war ein Mann, der auf Ordnung, Regeln und Disziplin Wert legte. Darum erkannte er auch mit einem Blick, dass die Frau in seinem Büro ganz sicher nicht sein Typ war.

Dabei ist sie durchaus hübsch, dachte er, knapp einen Meter fünfundsechzig groß, aber durch ihre Zartheit wirkt sie noch kleiner. Wirklich, ein zierlicher Typ …

Ihre kurz geschnittenen, dichten blonden Haare bildeten einen reizvollen Rahmen für ihr sympathisches Gesicht, was durch die großen silbernen Ohrringe noch betont wurde.

Mit ihren großen blauen Augen sah sie ihn nachdenklich an. Als sie lächelte, erschien auf einer Wange ein kleines Grübchen. Sie trug schwarze Jeans, schwarze Stiefel und einen engen roten Pulli, der ihre ansprechende Figur schön zur Geltung brachte.

Ohne ihre Schönheit länger auf sich wirken zu lassen, erhob sich Simon von seinem Schreibtisch. „Guten Tag. Ms Barrons ist Ihr Name, richtig? Meine Sekretärin hat mir gesagt, dass Sie mich in einer dringenden Angelegenheit sprechen wollen.“

„Ja. Hallo“, sagte sie unbefangen.

Unwillkürlich sah Simon auf ihre sinnlichen Lippen.

„Bitte nennen Sie mich Tula.“ Sie kam auf ihn zu und streckte ihm zur Begrüßung die Hand entgegen.

Als sich ihre Finger berührten, spürte er ein plötzliches Hitzegefühl. Aber noch ehe er sich darüber Gedanken machen konnte, schüttelte sie ihm kurz und energisch die Hand und trat wieder einen Schritt zurück.

Dann blickte sie an ihm vorbei aus dem Fenster und rief: „Wow! Was für ein Panorama! Von hier aus sieht man ja ganz San Francisco.“

Simon verzichtete darauf, sich zum Fenster umzudrehen. Stattdessen musterte er diese … Tula genau. Dabei rieb er unbewusst die Hände gegeneinander, wie um das ungewöhnliche Hitzegefühl abzustreifen. Nein, sie war ganz und gar nicht sein Typ, aber dennoch konnte er den Blick nicht von ihr wenden. „Das vielleicht nicht, aber doch einen Großteil.“

„Warum stellen Sie Ihren Schreibtisch nicht andersherum? So haben Sie ja gar nichts davon.“

„Dann würde ich ja mit dem Rücken zur Tür sitzen.“

„Stimmt zwar, aber ich finde, das wäre es wert.“

Hübsch, aber chaotisch, genau wie ich mir gedacht habe. Simon sah auf die Uhr. „Ms Barrons …“

„Tula.“

„Ms Barrons“, wiederholte er absichtlich. „In fünfzehn Minuten muss ich zu einer Besprechung. Wenn Sie nur gekommen sind, um sich mit mir über die Aussicht zu unterhalten …“

„Ich weiß, Sie sind ein viel beschäftigter Mann. Und natürlich bin ich nicht wegen der Aussicht hier. Ich habe mich nur davon ablenken lassen.“

Genau so sieht sie aus, dachte Simon ironisch, Ablenkung ist ihr zweiter Vorname.

Auch jetzt ließ sie den Blick im Zimmer umherschweifen, statt endlich zu sagen, weswegen sie hier war. Simon bemerkte, wie sie die elegante Büroeinrichtung betrachtete, die von der Stadt verliehenen Urkunden und die Werbeaufnahmen von Bradley-Filialen im ganzen Land.

Stolz schaute er einen Moment lang ebenfalls die Bilder an.

Zehn Jahre lang hatte er hart gearbeitet, um das Familienunternehmen wieder aufzubauen, das sein Vater an den Rand des Ruins gebracht hatte. In diesen zehn Jahren hatte Simon nicht nur wieder aufgeholt, was durch den fehlenden Geschäftssinn des Vaters verloren gegangen war – nein, die noble Kaufhauskette Bradley stand nun besser da als je zuvor.

Und all das hatte Simon nur erreicht, weil er sich niemals ablenken ließ. Auch nicht durch eine schöne Frau.

„Wenn es Ihnen nichts ausmacht“, sagte er, während er um seinen Schreibtisch herumging, um sie zur Tür zu führen. „Es passt mir heute wirklich nicht. Ich habe ziemlich viel zu tun.“

Aber statt sich zur Tür zu wenden, lächelte sie ihn strahlend an, und Simon spürte, wie sein Herz einen sonderbaren Hüpfer machte. Er sah den Glanz in ihren Augen und das Grübchen auf der Wange – und plötzlich schien es ihm, als hätte er nie eine schönere Frau gesehen. Verwundert bemühte er sich, diesen Eindruck zu verdrängen.

„Sorry, sorry“, entschuldigte sich Tula für ihre Zerstreutheit. „Ich habe wirklich etwas sehr Wichtiges mit Ihnen zu besprechen.“

„Was gibt es denn so Dringendes, dass Sie meiner Sekretärin gedroht haben, nicht eher zu gehen, als bis Sie mit mir geredet haben?“

Sie öffnete den Mund und schloss ihn wieder. „Vielleicht sollten Sie sich lieber setzen.“

„Ms Barrons …“

„Also gut. Wie Sie wollen. Aber nicht, dass es dann heißt, ich hätte Sie nicht gewarnt!“

Betont auffällig sah er auf die Uhr.

„Ich weiß schon, Sie haben nicht viel Zeit. Dann also ohne Umschweife: Herzlichen Glückwunsch, Simon Bradley, Sie sind Vater.“

Er erstarrte. Nun reichte es aber! Das hier war nicht mehr lustig. „Ihre Sprechzeit ist um, Ms Barrons.“ Er nahm sie am Arm und zog sie mit schnellen Schritten zur Tür.

Tula mit ihren längst nicht so langen Beinen bemühte sich, Schritt zu halten. Oder setzte sie sich zur Wehr? So genau konnte Simon ihr Verhalten nicht deuten, er versuchte es auch gar nicht erst.

Hübsch hin oder her, was für ein Spiel spielte diese Tula? Was auch immer es war, er würde sich jedenfalls nicht darauf einlassen!

„Hey! Immer mit der Ruhe!“ Sie stemmte die Stiefelabsätze in den weichen Teppich und schaffte es so, dass Simon endlich den Schritt verlangsamte. „Reagieren Sie immer gleich so heftig?“

„Ich bin kein Vater“, stieß er hervor. „Und glauben Sie mir, wenn ich je mit Ihnen geschlafen hätte, würde ich mich mit Sicherheit daran erinnern.“

„Ich habe nicht gesagt, dass ich die Mutter bin.“

Simon hörte gar nicht hin, sondern bugsierte sie weiter zur Tür.

„Ich wollte Ihnen alles ausführlich erklären, aber Sie haben ja keine Zeit.“

„Ich sehe schon, Sie wollen nur mein Bestes“, spottete er.

„Nein. Ich will das Beste für Ihren Sohn, Sie Trottel.“

Simon stutzte. Einen Sohn soll ich haben? Nicht möglich … Bestimmt lügt sie!

Tula nutzte sein Zögern, um sich aus seinem Griff zu befreien und stehen zu bleiben. In dem kurzen Augenblick der Verwirrung ließ er es geschehen.

Dann sah sie ihn sanft, aber entschlossen an. „Natürlich ist das jetzt erst mal ein Schock für Sie.“

Simon betrachtete sie mit zusammengekniffenen Augen. Schluss jetzt!

Er hatte keinen Sohn, und ganz sicher würde er nicht auf irgendwelche Erpressungsversuche oder Unterhaltsforderungen hereinfallen, die sich diese Frau ausgedacht hatte.

„Ich habe Sie nie zuvor gesehen, Ms Barrons“, stellte er klar. „Logisch also, dass wir kein Kind zusammen haben. Wenn Sie mal wieder Geld für ein Baby wollen, das es gar nicht gibt, suchen Sie sich besser einen Mann dafür aus, mit dem Sie wenigstens geschlafen haben.“

Verwirrt blinzelte sie, dann lachte sie. „Nein, nein. Ich habe Ihnen doch gesagt, dass ich nicht die Mutter des Kleinen bin. Ich bin seine Tante. Aber Sie sind eindeutig der Vater. Nathan hat die gleichen Augen wie Sie und dasselbe trotzige Kinn. Was wahrscheinlich auf seinen künftigen Charakter hindeutet, wie ich vermute. Andererseits kann ein gewisses Durchsetzungsvermögen durchaus nützlich sein. Oder was meinen Sie?“

Nathan.

Das geheimnisvolle Baby hatte einen Namen. Aber das machte die unwirkliche Situation auch nicht besser.

„Das ist völlig verrückt“, sagte er. „Sie führen doch irgendwas im Schilde. Also raus mit der Sprache. Worum geht es wirklich?“

Während Tula zurück zum Schreibtisch ging, flüsterte sie leise etwas. Es klang wie ein Selbstgespräch. „Ich hatte mir zurechtgelegt, was ich sagen wollte. Aber Sie haben mich völlig aus dem Konzept gebracht.“

„Ich Sie? Wohl eher Sie mich!“ Simon griff zum Telefon, um den Sicherheitsdienst zu rufen. Dann bin ich diese Tula los und kann endlich weiterarbeiten.

Sie sah ihn an, als hätte sie seine Gedanken gelesen. „Ich kann alles erklären. Geben Sie mir fünf Minuten, bitte.“

Vielleicht lag es am Glanz ihrer schönen blauen Augen, dass Simon den Hörer wieder auflegte. Vielleicht auch an dem kleinen Grübchen auf ihrer Wange. Außerdem – solange die Chance bestand, dass ihre Geschichte auch nur einen Funken Wahrheit enthielt, verlangte schon die Höflichkeit, dass er sie anhörte.

„Also gut“, sagte Simon und sah seufzend auf die Uhr. „Sie haben fünf Minuten.“

„Okay.“ Sie atmete tief durch und begann. „Erinnern Sie sich an eine Frau namens Sherry Taylor? Müsste ungefähr eineinhalb Jahre her sein.“

Der Name kam ihm bekannt vor. „Ja …“, sagte er zögernd.

„Gut. Ich bin Sherrys Cousine, Tula Barrons. Eigentlich heiße ich Tallulah, nach meiner Großmutter, aber ich finde den Namen so komisch, dass ich mich Tula …“

Simon hörte nicht wirklich zu. Stattdessen versuchte er, sich Sherry Taylor ins Gedächtnis zu rufen. Konnte es tatsächlich sein …?

Wieder holte Tula tief Luft. „Auch wenn Sie es sich im ersten Moment schwer vorstellen können: Vor sechs Monaten hat Sherry in Long Beach Ihren Sohn zur Welt gebracht.“

„Was hat sie?“

„Ich weiß, ich weiß. Sie hätte es Ihnen sagen sollen.“ Tula hob beide Hände, um zu unterstreichen, dass sie dafür nichts konnte. „Ich habe sogar versucht, sie dazu zu überreden, aber sie wollte sich nicht in Ihr Leben drängen oder so.“

In mein Leben drängen? dachte Simon ironisch. Wenn die Geschichte stimmte, war das wohl eine grandiose Untertreibung!

Dabei brachte er kaum noch zusammen, wie die Frau namens Sherry genau ausgesehen hatte. Nachdenklich strich er sich über die Stirn, wie um seinen vagen Erinnerungen mehr Klarheit zu verleihen.

Und doch fiel ihm kaum mehr ein, als dass er sich zwei Wochen lang mit ihr getroffen hatte. Und während er zur Tagesordnung übergegangen war, ohne sich noch einmal umzusehen, war sie mit seinem Kind schwanger gewesen … Mit seinem Kind! Und das, ohne ihm etwas davon zu sagen.

„Aber wie …? Was …?“

„Alles gute Fragen“, sagte Tula und lächelte verständnisvoll. „Wie gesagt, es tut mir leid, Sie so zu überrumpeln, aber …“

Auf ihr Verständnis konnte Simon gut verzichten. Was er wollte, waren Antworten. Wenn er tatsächlich einen Sohn hatte, musste er alles darüber wissen.

„Und warum kommen Sie jetzt damit zu mir?“, bohrte er nach. „Weshalb ist Ihre Cousine jetzt damit einverstanden, dass ich davon erfahre? Und außerdem: Warum kommt sie nicht selbst?“

Tula bekam feuchte Augen, und Simon fürchtete schon, dass sie jeden Moment in Tränen ausbrechen würde. Verdammt! Gegenüber weinenden Frauen fühlte er sich als Mann immer so hilflos. Und das gefiel ihm gar nicht.

Doch schon im nächsten Moment hatte sich Tula wieder im Griff. Obwohl ihre Augen noch immer verdächtig glitzerten, unterdrückte sie erfolgreich die Tränen.

Zu seiner eigenen Überraschung bemerkte Simon, dass er sie dafür bewunderte.

„Sherry ist vor ein paar Wochen gestorben“, sagte sie mit leiser Stimme.

Noch eine Überraschung an diesem Vormittag, der anscheinend voll davon war, und keine angenehme. „Mein Beileid“, erwiderte er, obwohl es floskelhaft klang. Gab es in einer solchen Situation überhaupt angemessene Worte?

„Danke. Sie ist bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Sie war sofort tot.“

„Schauen Sie, Ms Barrons …“

Tula seufzte. „Was muss ich tun, damit Sie mich Tula nennen?“

„Also gut. Tula.“ Sie beim Vornamen zu nennen, war im Moment die einzige Möglichkeit, ihr etwas entgegenzukommen. Zum ersten Mal seit langer Zeit fühlte Simon sich kalt erwischt. Auf eine Situation wie diese konnte man sich ja auch schlecht vorbereiten.

Er wusste nicht, was er tun sollte. Natürlich wollte er das Kind sehen. Wenn es tatsächlich seines war, wollte er es anerkennen. Aber er hatte nur das Wort von Tula, die er erst seit ein paar Minuten kannte, und einige nebelhafte Erinnerungen an die verstorbene Cousine. Warum hatte ihm Sherry nichts von der Schwangerschaft gesagt? Wieso war sie nicht zu ihm gekommen, wenn das Baby von ihm war?

Er rieb sich das Kinn. „Es tut mir leid, aber ehrlich gesagt erinnere ich mich kaum an Ihre Cousine. Wir waren nicht lange zusammen. Woher wollen Sie eigentlich wissen, dass das Baby von mir ist?“

„Weil Sie als Vater in der Geburtsurkunde stehen.“

„Also hat Sherry meinen Namen angegeben, ohne mich zu informieren?“ Was sollte er dazu sagen!?

„Ich weiß schon …“, sagte Tula in beruhigendem Tonfall.

Aber Simon wollte nicht beruhigt werden. „Sie kann doch irgendeinen Namen genannt haben.“

„Sherry hat nicht gelogen. Sie war durch und durch ehrlich.“

„Wie können Sie das sagen? Sie hat mir verschwiegen, dass sie ein Kind bekommt.“

„Das stimmt“, räumte Tula ein. „Aber sie hätte niemals einen falschen Mann als Vater eintragen lassen.“

„Ich soll also einfach so glauben, dass das Kind von mir ist?“

„Sie haben doch mit Sherry geschlafen, oder etwa nicht?“

„Ja, das schon“, gab Simon zögernd zu. „Aber …“

„Und Sie wissen auch, wie Babys entstehen?“, fragte Tula weiter.

„Sehr witzig.“

„Mir ist nicht nach Scherzen zumute. Ich will nur offen sein. Natürlich können Sie einen Vaterschaftstest machen lassen, aber im Grunde können Sie sich die Mühe und das Geld dafür sparen. Sherry hätte Sie nie in ihr Testament eingesetzt, wenn Sie nicht wirklich Nathans Vater wären.“

„In ihr Testament?“, fragte Simon alarmiert.

„Habe ich Ihnen das noch nicht erzählt?“

„Nein.“

Sie schüttelte den Kopf über ihre Zerstreutheit und ließ sich in einen der Besuchersessel sinken, die vor Simons Schreibtisch standen. „Sorry. Ich hatte in den letzten Wochen sehr viel zu tun. Sherrys Beerdigung und die Haushaltsauflösung … Und ich musste ja das Baby bei mir in Crystal Bay aufnehmen.“

Simon seufzte leise und setzte sich an seinen Schreibtisch. Dass für dieses Gespräch fünf Minuten wohl kaum ausreichen würden, war ihm inzwischen klar geworden.

Wenigstens befand er sich in der stärkeren Position. Er betrachtete Tulas glänzendes blondes Haar. „Was ist mit dem Testament?“

Sie holte einen Umschlag aus Hanfpapier aus ihrer großen schwarzen Schultertasche. „Hier ist eine Kopie davon. Darin bin ich als Nathans Vormund eingesetzt, bis ich entscheide, dass Sie als Vater so weit sind, das Sorgerecht zu bekommen.“

Nathan hörte ihre Stimme nur noch wie aus weiter Ferne, während er Sherrys letzten Willen überflog. Endlich kam er zu der Stelle, die das Kind betraf. Das Sorgerecht für Nathan Taylor, stand da schwarz auf weiß, soll auf Simon Bradley übergehen, seinen Vater.

Simon lehnte sich zurück und las den Satz wieder und wieder. Kann das wahr sein? Bin ich wirklich Vater?

Er blickte auf – und sah in Tulas klare blaue Augen, mit denen sie ihn aufmerksam betrachtete. Kein Zweifel, sie erwartete, dass er etwas sagte. Aber wie sollte er jetzt die richtigen Worte finden?

Wenn er mit einer Frau im Bett gewesen war, hatte er immer aufgepasst. Er wollte nicht Vater werden. Und er erinnerte sich zwar nur undeutlich an Sherry Taylor, aber er wusste noch genau, wie eines Nachts das Kondom versagt hatte. So etwas vergaß ein Mann nicht. Aber da sie sich nie mehr bei ihm gemeldet hatte, hatte er irgendwann nicht mehr an den Vorfall gedacht.

Also konnte es sein! Er konnte tatsächlich einen Sohn haben.

Tula merkte genau, was in Simon vorging.

Natürlich hatte er sich zuerst etwas … nervös gezeigt, ja fast schon unhöflich. Was aber kein Wunder war – Nachrichten wie diese erhielt man schließlich nicht jeden Tag.

Sie betrachtete ihn, während er das Testament durchlas, und stellte fest, dass er ein ganz anderer Typ war, als sie erwartet hatte. Eigentlich kannte sie den Geschmack ihrer Cousine ziemlich gut und wusste daher, dass Sherry ruhige, umgängliche Männer bevorzugt hatte. Simon Bradley war groß, dunkelhaarig und sah fantastisch aus. Aber er schien ziemlich leicht reizbar zu sein. Und er hatte etwas Starkes, Machtvolles.

Gleich als sie in dieses Büro gekommen war, hatte Tula die Anziehungskraft zwischen ihnen gespürt. Sie kämpfte gegen das Gefühl an, doch es nützte nichts. Dabei war ihr Leben momentan kompliziert genug.

„Was genau erwarten Sie jetzt eigentlich von mir?“, fragte er und riss sie damit aus ihren Gedanken.

„Das liegt doch auf der Hand.“

„Finden Sie?“

„Ja klar. Kommen Sie zu mir nach Crystal Bay, damit Sie Ihren Sohn erst mal kennenlernen. Dann reden wir darüber, wie es weitergeht.“

Als er sich nachdenklich den Nacken rieb, begriff Tula, dass er einfach noch etwas Zeit brauchte, um alles zu verarbeiten.

„Also gut“, sagte er schließlich. „Wie ist Ihre Adresse?“

Sie nannte sie ihm, und er stand auf. Ganz klar, er wollte das Gespräch beenden. Und sie selbst hatte noch jede Menge zu tun. Außerdem gab es im Moment nichts weiter zu bereden.

Daher erhob sie sich ebenfalls und streckte ihm zum Abschied die Hand hin.

Simon zögerte kurz, dann ergriff er sie.

Wie bei der Begrüßung spürte Tula ein plötzliches Hitzegefühl. Es breitete sich über ihren Arm nach oben aus bis zu ihrem Herzen.

Offenbar empfand Simon ebenso, denn er ließ abrupt die Hand los, fast als hätte er sich verbrannt.

Tula nahm einen tiefen Atemzug und brachte ein Lächeln zustande. „Dann bis heute Abend“, sagte sie und ging. Allzu deutlich war ihr bewusst, dass er ihr nachsah.

Während der gesamten Fahrt nach Hause wurde sie das Hitzegefühl nicht los.

2. KAPITEL

„Und, wie ist es gelaufen?“

Tula lächelte, als sie am Telefon die Stimme ihrer besten Freundin hörte. Auf Anna Cameron Hale konnte man sich eben in jeder Lebenslage verlassen. Darum hatte sie auch Annas Nummer gewählt, kaum dass sie von Simon Bradley zurückgekehrt war.

„Genau, wie du gesagt hast.“

„Oh je. Also wusste er tatsächlich nichts von dem Baby?“, fragte Anna.

„Richtig“, bestätigte Tula. Sie stand in der kleinen Küche und sah zu Nathan, der auf einer Decke auf dem Boden saß und fröhlich strampelte. Laut Mrs Klein, der Babysitterin, war er während Tulas Abwesenheit die ganze Zeit brav und gut gelaunt gewesen. Fröhlich krähend stieß er die kleinen Füße in die Luft und federte auf und ab.

Tula spürte einen leichten Stich im Herzen, an den sie sich schon beinahe gewöhnt hatte. Kaum zu glauben, dass sie den Kleinen innerhalb weniger Wochen so lieb gewonnen hatte.

„Dann muss er ja aus allen Wolken gefallen sein“, sagte Anna.

„Allerdings. Wenn ich mir vorstelle … Ich wusste ja von Nathan. Aber als ich nach Sherrys Tod plötzlich für ihn verantwortlich war, musste ich mich auch erst an den Gedanken gewöhnen.“ Wobei … länger als fünf Minuten hatte diese Gewöhnung nicht gedauert.

„Und wie geht es jetzt weiter?“, wollte Anna wissen.

„Heute Abend kommt er, um Nathan kennenzulernen. Dann wollen wir alles Weitere besprechen.“ Tula fiel ein, wie warm ihr geworden war, als sich ihre Hände berührt hatten, aber sie versuchte, den Gedanken zu verdrängen. Im Moment fand sie ihr Leben schon schwierig genug.

Und doch ließ es ihr keine Ruhe, wie Simon sie angesehen hatte – wütend und voll überschäumendem Temperament.

„Er kommt zu dir nach Hause?“, fragte Anna.

„Ja. Wieso?“

„Ach, nur so. Vielleicht sollte ich kommen und dir bei den Vorbereitungen helfen?“

Tula wusste, was die Freundin meinte, und lachte. „Du brauchst nicht bei mir aufzuräumen. Schließlich besucht mich nur Simon Bradley – und nicht die Königin von England.“

Auch Anna lachte. „Na gut. Dann sag ihm aber, er soll aufpassen, dass er nirgends drüberstolpert.“

Tula sah von der Küche aus in ihr kleines Wohnzimmer, wo überall auf dem Fußboden verstreut Spielsachen lagen. Auf dem Couchtisch stand ihr aufgeklapptes Notebook, und daneben lag das aktuelle Manuskript zur Überarbeitung.

Wenn Tula arbeitete, hatte das absoluten Vorrang. Dann konnte es schon mal vorkommen, dass anderes – wie zum Beispiel Aufräumen – auf der Strecke blieb.

Achselzuckend stellte sie fest, dass ihr Haus, obwohl es sauber war, doch allmählich etwas unordentlich aussah. Sie hatte ja keine Ahnung gehabt, wie viele Sachen ein Baby braucht.

„Danke für den Tipp. Wenn ich dich nicht hätte!“

„Bitte. Gern geschehen. Wozu hat man schließlich Freunde?“

Die beiden Frauen lachten.

Während Tula weitertelefonierte, strich sie Nathan sanft über den Kopf. „Es war ganz komisch. Simon war ungehalten und abweisend, aber trotzdem …“

„Trotzdem was?“, wollte Anna wissen.

Trotzdem war ein gewisses Interesse spürbar gewesen, dachte Tula, sagte es aber nicht. Sie hatte das weder erwartet noch gewollt, aber es ließ sich nicht leugnen. Dabei lagen ihr Männer mit Anzug und Krawatte gar nicht. Und am allerwenigsten wollte sie sich zu Nathans Vater hingezogen fühlen! Aber das Hitzegefühl, das sie so deutlich empfunden hatte, sprach Bände.

Was noch lange nicht hieß, dass sie auch tatsächlich irgendetwas in Simons Richtung unternehmen würde.

„Hallo?“, fragte Anna. „Bist du noch dran? Was wolltest du gerade sagen?“

„Ach nichts.“ Nein, sie würde bestimmt nichts mit einem Mann anfangen, mit dem sie keinerlei Gemeinsamkeiten verbanden – außer einem Baby, für das sie beide verantwortlich waren. „Gar nichts.“

„Und das soll ich dir glauben?“

Tula seufzte.

„Also gut. Ich glaube dir. Vorerst.“

Tula war dankbar für die Atempause, wusste aber gleichzeitig, dass Anna es kaum dabei bewenden lassen würde. Sie würde wieder nachhaken, so viel war sicher.

„Also wie gesagt, wir wollen nur über Nathans Zukunft reden. Ich komme schon mit Simon klar“, versicherte sie und wusste dabei selbst nicht, ob sie damit Anna überzeugen wollte oder sich selbst. „Du weißt ja, ich bin von klein auf an den Umgang mit Männern im Anzug gewöhnt. Leider.“

„Tula, nicht alle Männer, die im Geschäftsleben Erfolg haben, sind gleich.“

„Alle vielleicht nicht. Aber die meisten.“

Niemand wusste das besser als sie. Für die Männer in ihrer Familie war es immer nur um Geld gegangen, und das Leben als solches war dabei völlig zu kurz gekommen.

Daher konnte sie sich lebhaft vorstellen, wie Simon über ihr einfaches kleines Haus an der Bay denken würde. Nämlich genau so, wie es ihr Vater tun würde, falls er sich jemals zu einem Besuch herablassen würde: zu anspruchslos, zu eng. Weder das Hellblau der Wände noch die sonnengelben Möbel des Wohnzimmers würden gut ankommen. Und erst recht nicht das Badezimmer mit dem großen Wandbild einer Zirkusszene …

„Es spielt ja keine Rolle, ob Nathans Vater mein Haus gefällt“, machte sie sich selbst Mut. „Jedenfalls werde ich keinen Kopfstand für ihn machen. Mein Leben ist eben, wie es ist. Warum sollte ich irgendeinen falschen Eindruck erwecken, den ich doch nicht lange aufrechterhalten kann?“

Anna lachte leise. „Ich verstehe dich. Schließlich kennen wir uns lang genug. Und daher tippe ich darauf, dass du heute Abend Hähnchen mit Rosmarin machst.“

Niemand kannte sie eben besser als Anna … Tula lächelte. Ja, immer wenn Besuch kam, gab es bei ihr Hähnchen mit Rosmarin. Und sofern Simon kein reiner Vegetarier war, würde alles glattgehen. Oh je, was aber, wenn doch?

Ach nein, sagte sie sich, Männer wie er lieben bei ihren Geschäftsessen herzhafte Steaks. „Richtig getippt.

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