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Liebe – heiß und himmlisch!

1. KAPITEL

„Ich will keine Preise gewinnen, Mann. Ich will kleine rote Sportflitzer an sexy junge Frauen verkaufen. Wo liegt das Problem?“ Bedächtig ging Jackson Locke die auf Hochglanz polierten Stufen der schmalen Holztreppe hinunter, den Blick fest auf seine nackten Füße gerichtet. Ihm fielen sofort verschiedene Slogans ein, aber er verwarf sie ebenso schnell.

„Was soll ich denn dem Kunden sagen?“, jammerte der Leiter der Kundenbetreuung am anderen Ende der Leitung. „Es ist Freitagabend acht Uhr, und er sitzt immer noch im Konferenzraum und weigert sich zu gehen, ehe er nicht mit dir oder Reggie Wilding selbst über diesen Werbespot gesprochen hat.“

„Vergiss Reggie. Er sollte bereits im Flieger hierher nach Nantucket sitzen“, erwiderte Jack. „Das heißt, falls bei diesem Unwetter überhaupt jemand fliegen kann.“

„Er ist um fünf gegangen, ist also ziemlich spät dran.“

„Kein Wunder.“ Reggie Wilding war für seine langen Arbeitszeiten bekannt. Morgens erschien er als Erster im Büro von Wild Marketing, und abends ging er normalerweise als Letzter.

„Hör zu“, fuhr Jack fort. „Sag dem Kunden, dass du mit dem Kreativdirektor Rücksprache genommen hast, und der sagt, dass der Schluss bleibt, dass die Blondine bleibt, dass der Hund bleibt, dass der Slogan bleibt, und glaub mir, die sexy Häschen …“ Er erstarrte, als in diesem Moment sein Blick in die Eingangshalle fiel. Leise pfiff er durch die Zähne. „… tauchen auf, wenn man sie am wenigsten erwartet.“

„Was?“ Der Mann am anderen Ende der Leitung klang irritiert. „Ist das nun doch ein neuer Slogan oder wie?“

„Nein. Du kriegst das schon hin. Ich muss los.“

Er klappte sein Handy zu und steckte es in die Tasche seiner Jeans, während er den Blick über die Rückseite einer vom Regen völlig durchnässten Frau gleiten ließ und einen nicht gerade kleinen Koffer. Die Frau bezahlte einen Taxifahrer, der genauso nass war, sie aber anstrahlte, als sei sie eine Art Meerjungfrau, die soeben dem Nantucket-Sund entstiegen war.

Es war nicht ungewöhnlich für Wild Marketing, den ein oder anderen Außenstehenden zu einem Kreativ-Wochenende in Reggies Ferienhaus auf Nantucket Island einzuladen. Doch normalerweise gab Reggie Jack vorher Bescheid, wenn jemand, der nicht zu ihrem kleinen, aber ideenreichen Team gehörte, teilnahm.

Und er hatte ihm ganz bestimmt nichts von diesem zusätzlichen Gast gesagt. Vielmehr hatte sich Reggie ungewöhnlich bedeckt gehalten, was den Ablauf des Wochenendes betraf.

War diese Frau der Grund dafür?

Er strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und ging weiter die Treppe hinunter, jedoch so langsam, dass er die letzte Stufe erst erreichen würde, wenn die Frau sich umdrehte.

Ihr pechschwarzes Haar fiel ihr klitschnass über die gestrafften schmalen Schultern bis auf den Rücken. Das einstmals vermutlich hübsche wollweiße Kleid war durch das Regenwasser ganz grau geworden und klebte an ihrem schlanken und höchst kurvigen Körper. Durch den nassen, praktisch durchsichtigen Stoff konnte er genau erkennen, dass sie einen Tanga trug … oder auch nicht. Egal …

Ein greller Blitz erhellte das dunkle Wasser im Hafen von Nantucket, der durch die offene Haustür in der Ferne zu sehen war.

Was für eine Werbekampagne brüteten sie an diesem Wochenende eigentlich aus? Hatte Reggie nicht etwas von einer Firma für Sportbekleidung gesagt?

Oh, natürlich. Sie war ein Model. Und ihrer Figur nach sogar ein Model für Bademode.

Er widerstand der Versuchung, dankbar Richtung Himmel zu blicken. Manchmal meinten die Werbegötter es einfach zu gut mit ihm.

Als Jack die letzte Treppenstufe erreichte, schloss sie die Tür hinter dem Taxifahrer, drehte sich um und begegnete seinem Blick. Dabei war sie offensichtlich ebenso überrascht wie Jack.

Ja, sie war unbedingt ein Model. Und ein Geschenk der Götter mit ihren eleganten Wangenknochen, ihrer hellen zarten Haut und einem Mund, der wie geschaffen dafür war, in eine Kamera zu lächeln. Der Regen hatte ihr Augen-Make-up ein wenig verschmiert, was ihr etwas Mysteriöses gab. Jack ließ den Blick über ihr enthüllendes nasses Kleid gleiten und stellte sich bereits den Werbespot vor … Sie würde am Strand stehen, im knappen Bikini, der gerade eben ihre schönen festen Brüste bedeckte, ihre Augen dunkel vor Sehnsucht. Der Slogan: Bademode, die verführt.

Okay, vielleicht musste das Ganze ein wenig überarbeitet werden.

„Sind Sie hier, um sich um mein Gepäck zu kümmern?“, riss sie ihn unvermittelt aus seiner kreativen Träumerei.

„Nur, wenn ich es in mein Zimmer tragen darf.“

In ihren kobaltblauen Augen blitzte es auf, und für den Bruchteil einer Sekunde dachte er, sie würde zustimmen.

Sie strich sich eine Haarsträhne hinters Ohr, offenbar ohne dabei den kleinsten Gedanken an ihr Aussehen zu verschwenden.

„Lassen Sie mich raten“, sagte sie mit ihrer tiefen, sinnlichen Stimme, und wenn man bedachte, wie durchnässt die schöne Fremde war, klang es verdammt zuversichtlich. „Sie …“ Sie zeigte mit dem Finger auf ihn. „Sie sind nicht die Haushälterin.“

Jack lachte und betrachtete erneut wohlwollend ihre Figur. Ja, unbedingt eine Bikinifigur. „Würden Sie mir den Pool-Boy abnehmen?“

Nach einem skeptischen Blick lächelte sie kaum merklich. „Sie machen Witze.“

„Meistens.“ Er verließ die letzte Treppenstufe und streckte die Hand aus. „Aber ich kann Mrs. Slattery, die die Haushälterin ist, bestechen, damit Sie Ihnen das Zimmer neben meinem gibt.“

Er hielt ihre kalte, regenfeuchte Hand absichtlich so lange fest, bis der nächste Donnerschlag vorbei war.

„Sind Sie sicher, dass Mrs. Slattery sich bestechen lässt?“ Sie sah sich um und ergänzte im Flüsterton: „Ich habe vom Flughafen aus angerufen, und sie kam mir etwas steif und neuenglandmäßig vor, wenn Sie wissen, was ich meine.“

Er tat gekränkt. „Ich bin auch aus Neuengland und alles andere als steif.“ Ein Regentropfen rann über ihr Brustbein direkt in ihr Dekolleté. „Zumindest nicht immer.“

Sie trat einen Schritt zurück. „Sie machen schon wieder Witze.“

„Nein, keineswegs. Ich wurde nur dreißig Meilen von hier auf der anderen Seite des Sunds geboren.“ Er machte eine Handbewegung Richtung Haustür und Hafen. „Aufgewachsen dort drüben auf Cape Cod.“

Sie nickte. „Ah, jetzt erkenne ich Ihren Akzent.“

„Model und Sprachforscherin?“

Nun musste sie doch lachen. „Weder noch. Ich bin Lily Harper, und ich bin auf Einladung von Mr. Wilding hier.“

Als er sie erneut eingehend betrachtete, zuckte sie mit keiner Wimper, obwohl ihr Make-up verlaufen war und ihr das Haar am Kopf klebte wie ein Wischmopp. Wer war diese Frau? „Reggie hat nichts von einer Lily Harper gesagt.“

„Vielleicht macht Mr. Wilding ein Geheimnis aus mir.“ Sie zuckte mit den Schultern. „Das wäre nicht das erste Mal.“

Das erste Mal? „Sie sind bestimmt kein Model?“

„Sie sind bestimmt nicht der Pool-Boy?“

Lachend trat er näher, um noch intensiver wahrzunehmen, wie sie nach Regen duftete und nach irgendetwas Herb-Würzigem. „Also, was führt Sie zu diesem Brainstorming-Wochenende, Lily Harper? Kommen Sie von einem Institut für Marktforschung? Einem Verbraucherverband? Sind Sie eine mögliche Kundin?“

„Nein, nichts dergleichen. Und Sie?“

„Ich bin der Kreativdirektor von Wild Marketing. Ohne mich gibt es kein Brainstorming.“

„Aha.“ Sie begutachtete ihn eingehend und mit einem gewissen Wohlwollen, das ihm ganz anders werden ließ. „Sie sind also der berüchtigte Jackson Locke.“

Legendär wäre mir lieber.“

Sie lachte erneut, diesmal jedoch herzlich. Es klang unglaublich sexy. Ihre weißen Zähne schimmerten, und zwei entzückende Grübchen kamen zum Vorschein.

„Vielleicht wird es diesmal gar kein Brainstorming geben“, meinte sie und ließ dann unvermittelt den Blick über die hohe Decke der Eingangshalle schweifen, das elegant im Nantucket-Stil eingerichtete Wohnzimmer rechts von ihr und das Esszimmer auf der linken Seite des Foyers. „Ein schönes Haus, nicht wahr?“

„Natürlich wird es ein Brainstorming geben.“

Es war wirklich egal, warum sie eingeladen worden war. Was immer Reggie vorhatte, es würde sich schon noch zeigen. Bis dahin … konnte Jack spielen.

Er nahm Lilys Koffer und legte ihr besitzergreifend eine Hand auf den Rücken. „Warum sehen wir nicht nach, wo Sie untergebracht sind, damit wir Sie aus diesen Sachen herausbekommen?“

Abrupt blieb sie stehen und bedachte ihn mit einem vernichtenden Blick.

„Und in trockene hinein“, ergänzte er.

„Sie sind ganz schön cool, Jackson Locke. Ich bezweifle, dass Sie meine Dienste wirklich brauchen.“

Er überlegte fieberhaft, was ihre Dienste sein könnten, und er kam auf … nichts, was Reggie an einem der Arbeit gewidmeten Wochenende stillschweigend dulden würde.

„Cool, hm?“ Er beugte sich vor, um ihr ins Ohr zu flüstern: „Natürlich kann ich auch heiß sein, wenn ich dadurch in den Genuss Ihrer Dienste komme.“

„Darauf würde ich wetten. Aber Mr. Wilding hat wahrscheinlich etwas anderes im Sinn.“

Reggie Wilding war der Boss, durch und durch konservativ und ein so treuer Freund, wie ihn sich ein Mann nur wünschen konnte. Reg musste einen verdammt guten Grund haben, die schlagfertige, fantastisch aussehende, verführerisch duftende Lily Harper einzuladen. Und Jack hatte nicht vor, die Motive seines Mentors anzuzweifeln.

In diesem Moment kam Dorothea Slattery aus der Küche gestürzt. „Miss Harper! Entschuldigen Sie, dass ich Sie habe warten lassen.“

„Sie brauchen sich nicht zu entschuldigen“, erwiderte Lily lächelnd. „Ich bin doch eben erst angekommen.“

Die Haushälterin, deren stahlgraue Augen perfekt zu ihrem grau melierten Haar passten, strahlte Jack an. „O vielen Dank, Mr. Jack, dass Sie sich um sie gekümmert haben. Ich fürchte, ich habe sehr schlechte Nachrichten für Sie.“

„Was gibt’s denn?“

Sie seufzte tief. „Mr. Wilding hat angerufen, weil der Flughafen von Nantucket inzwischen ganz geschlossen wurde. Dieses Unwetter soll noch schlimmer werden, und er wird nicht vor morgen hier sein.“

„Das ist aber schade“, sagte Lily.

„Das ist nicht so schlimm“, erwiderte Jack im selben Augenblick.

Sie wechselten einen kurzen Blick, doch die Haushälterin fuhr fort: „Es tut mir sehr leid, dass ich nicht bleiben kann, um Ihnen das Abendessen zu servieren. Am anderen Ende der Insel ist der Strom ausgefallen, und ich muss zu meinem kranken Vater, um dessen Generator in Gang zu setzen.“

„Natürlich.“ Lily streckte Mrs. Slattery die Hand hin.

„Gehen Sie nur. Wir kommen schon zurecht.“

„Soll ich Sie hinfahren, Mrs. S.?“

„Vielen Dank, das ist nicht nötig, Mr. Jack. Es macht mir nichts aus, bei Regen zu fahren.“

„Sind die anderen Teilnehmer schon da?“, erkundigte sich Jack. „Ich kann mit dem Meeting ja anfangen, selbst wenn Reggie erst morgen kommen kann.“

Mrs. Slattery wirkte verunsichert. „An diesem Wochenende ist sonst niemand hier, Mr. Jack. Hat Mr. Wilding Ihnen das nicht gesagt?“

„Nein, hat er nicht.“

Lily dagegen schien überhaupt nicht überrascht, wie Jack feststellte.

„Ich habe verschiedene Sachen fürs Abendessen in der Küche bereitgestellt“, erklärte Mrs. Slattery. „Und auch Wein und Dessert und …“

„Gehen Sie ruhig, um sich um Ihren Vater zu kümmern“, unterbrach Lily sie. „Wir kommen zurecht.“

„Auf jeden Fall“, versicherte Jack. „Machen Sie sich keine Sorgen um uns. Sagen Sie mir nur, wohin ich diesen Koffer tragen soll.“

Mrs. Slattery zeigte nach oben. „Sie hat das Zimmer Ihrem Zimmer gegenüber, Mr. Jack.“

Am liebsten hätte er seine Lieblingshaushälterin geküsst. Sie hatte ihm eben bestätigt, was nie selbstverständlich für ihn war: Jackson Locke war ein Glückskind.

Er wusste es nicht.

Lily schloss die Tür des Gästezimmers, machte die Augen zu und lehnte sich dagegen. Jackson Locke hatte keine Ahnung, warum sie hier war. Sonst hätte er anders reagiert, als sie von ihren Diensten gesprochen hatte.

Offenbar setzte Reggie Wilding auf den Überraschungseffekt.

Sie dachte kurz daran, die Tür abzuschließen, doch das war verrückt. Jack war zwar ein ausgemachter Charmeur.

Aber sie glaubte nicht, dass er mit seinen knapp eins neunzig an Charme und Sex-Appeal ungebeten in ihre Privatsphäre eindringen würde. Ganz zu schweigen von seinem zerzausten honigblonden Haar, das ihm fast bis zum Kinn reichte, und seinen faszinierenden grünen Augen.

Lily atmete tief ein.

Der Mann stellte jedes Quäntchen Selbstbewusstsein, das sie sich je erworben hatte, auf eine harte Probe. Es hatte sie wirklich einiges gekostet, sich selbstbewusst zu geben, wenn sie aussah wie eine gebadete Maus.

Aber das war nicht der Grund, warum sie sich fassen musste. War es möglich, dass Reggie Wilding es nicht für nötig gehalten hatte, den Mann, der seine rechte Hand und sein Kreativdirektor war, darüber zu informieren, dass die Werbeagentur verkauft werden sollte? Und dass der Käufer zur Unterschrift bereit war … sobald eine kleine Veränderung vorgenommen worden war?

Obwohl sie nicht begriff, wie man eine komplette Persönlichkeitsveränderung von Jackson Locke eine kleine Veränderung nennen konnte.

Er war ein Mann, der so wenig für eine persönliche und berufsbezogene Veränderung infrage kam, dass es geradezu lachhaft war, dass jemand das auch nur versuchen wollte. Trotzdem wollte Reggie Wilding genau das. Und mit dem Honorar, das er geboten hatte, konnte Lily drei Monate lang die Miete für ihr Büro bezahlen … und der Erfüllung ihrer Träume drei Monate näher kommen.

Kopfschüttelnd öffnete Lily ihren Koffer, während sie sich daran erinnerte, wie Reggie in ihr Büro gekommen war und ihr gesagt hatte, sie sei ihm von einer sehr glücklichen Kundin empfohlen worden.

Als er sie fragte, ob sie das Projekt auf Nantucket Island übernehmen wolle, hatte sie nicht einmal daran gedacht, Nein zu sagen. Obwohl die Verwandlung eines Top-Werbemanns in einen klassischen, biederen Angestellten ihre Fähigkeiten als Image-Coach auf eine harte Probe stellen würde. Bisher waren ihre Kunden eher junge Collegeabsolventen gewesen, die sich um einen bestimmten Job bewerben wollten, sowie einige ehrgeizige Angestellte aus der Verwaltung, die ins Management aufsteigen wollten.

Aber dieser Auftrag konnte „The Change Agency“ bekannt machen, und besser noch, er konnte Lily den Weg in die ersehnte Freiheit und Sicherheit ebnen.

Trotzdem … was konnte sie tun, um einen Mann wie Jackson Locke positiv zu verändern?

Okay, ein Haarschnitt. Obwohl sie sein dunkelblondes Haar mochte, das ihm ins Gesicht fiel, wenn er sich vorbeugte. Vielleicht eine gründlichere Rasur. Aber sein stoppeliges Kinn sah so … verführerisch aus.

Schuhe.

Ja. Sie konnten mit den Schuhen anfangen. Doch was Reggie vorschwebte … oje, das würde nie zum Pool-Boy passen.

Sie hatte also diesen Abend, um ihn kennenzulernen, um sich zu überlegen, wie sie Erfolg haben könnte. Um herauszufinden, was ihm wichtig war, und um ihn zu überzeugen, dass eine kleine persönliche Veränderung das Beste war, wenn er seine Ziele erreichen wollte. Sicher hatte er doch berufliche Ziele. Wer hatte die nicht?

Sie nahm ihr Handy aus ihrer Handtasche, um Reggie anzurufen, damit sie in Erfahrung brachte, was genau Jack wusste.

Kein Netz.

Natürlich nicht, bei diesem Unwetter. Na gut, bis Reggie hier auftauchte, würde sie sich eben in der Kunst üben, nichts Verräterisches zu sagen, und irgendwie mit Jack klarkommen müssen.

Als ob das so unangenehm wäre.

Unvermittelt wurde sie von einem heftigen erotischen Prickeln erfasst. Sie ignorierte es, nahm ihre Kosmetiktasche und ging ins Bad. Einen Blick in den Spiegel wagte sie allerdings nicht.

Doch egal, wie schrecklich sie auch aussah, Jack hatte sie sich … gut fühlen lassen. Wirklich gut. Mit einem erneuten wohligen Kribbeln zog sie sich aus und trat dann unter den heißen Wasserstrahl der Dusche. Das Gel duftete wunderbar nach Meer.

Plötzlich leuchtete ein greller Blitz auf, und der fast gleichzeitig folgende Donnerschlag ließ die Glastür der Duschkabine erbeben. Erschreckt wollte Lily das Wasser abstellen und aus der Duschkabine gehen, als das Licht zu flackern begann, und … im nächsten Moment war es stockfinster im Bad.

Mit klopfendem Herzen tastete sie nach den Wasserhähnen und drehte sie zu.

Sie konnte absolut nichts sehen, nur den Regen aufs Dach und gegen die Fenster prasseln hören. Sie blinzelte, doch ihre Augen hatten sich noch nicht an die Dunkelheit gewöhnt.

Verdammt. Warum hatte sie kein Handtuch oder einen Bademantel bereitgelegt? Sie versuchte, sich an Einzelheiten des Badezimmers zu erinnern. Lagen Handtücher in dem Regal neben dem Waschbecken? In dem Schränkchen darunter?

Gerade, als sie die Schiebetür der Duschkabine zur Seite schob, hörte sie die Tür des Gästezimmers aufgehen.

„Lily? Alles okay?“

Jack.

„Ja, alles in Ordnung.“ Sie war nackt, nass und unfähig, etwas zu sehen, aber okay. Und sie hatte die Badtür offen gelassen. Nicht, dass er sie hätte sehen können, aber trotzdem …

„Der Strom ist ausgefallen.“

„Das habe ich mir schon gedacht.“ Von der Dusche aus tastete sie nach einem Regal. Ihre Hand glitt über den Wasserkasten der Toilette.

„Ich wollte mich vergewissern, dass Ihnen nichts passiert ist. Der Blitz hat in unmittelbarer Nähe eingeschlagen.“

„Ich bin … in der Dusche. Und mir geht’s gut.“ Sie ertastete etwas Hartes, Rundes, doch es fiel mit einem Klirren, das nach zerspringendem Glas klang, zu Boden. Lily fluchte leise.

„Was war das denn?“ Jacks Stimme klang lauter. Er war im Schlafzimmer.

„Ich habe etwas umgeworfen. Wahrscheinlich ist der Fußboden von Scherben übersät.“

„Bleiben Sie, wo Sie sind, sonst schneiden Sie sich noch. Ich hole eine Taschenlampe.“

Frustriert seufzte sie auf. Sie fühlte sich plötzlich ungewohnt hilflos. „Seien auch Sie vorsichtig. Sind Sie immer noch barfuß?“

War das ein Donnern oder lachte Jack? „Ihnen entgeht nichts, oder?“

Nein. Und dafür wurde sie bezahlt. „Beeilen Sie sich, Jack. Mir wird langsam kalt.“ Sie machte die Tür der Duschkabine wieder zu.

„Sekunde. Ich habe eine Idee.“ Im nächsten Moment hörte Lily ein gedämpftes Aufschlagen auf dem Fliesenboden. „Okay, Sweetheart. Es ist jetzt sicher, herauszukommen.“

Sie fuhr zurück, weil Jack direkt vor der Dusche stand. „Sicher?“

„Ich habe eine kleine Brücke aus dem Schlafzimmer auf den Fußboden gelegt. Und darauf ist kein Glas.“

„Das war ein guter Einfall.“

„Schließlich bin ich Kreativdirektor, schon vergessen? Fantasie ist meine … zweitbeste Eigenschaft.“

Sie lachte. „Und Ihre beste ist Bescheidenheit?“

„Die drittbeste.“

Immer noch lächelnd, schüttelte sie den Kopf. „Gehen Sie jetzt weg, damit ich hier raus kann und mir ein Handtuch suchen kann.“

„Ich soll weggehen?“ Das klang geradezu gekränkt.

„Ja, bitte. Ich habe nichts an.“

„Also auch keine Schuhe. Ich werde Sie ins Schlafzimmer führen, damit Sie nicht versehentlich neben den Teppich treten und in die Scherben. Ich kann zwar auch nichts sehen, weiß aber, wie groß dieser Teppich ist und wo ich ihn hingelegt habe.“

„Mit anderen Worten, das ist kein fauler Trick von Ihnen, um mich nackt zu sehen.“

„Der kommt später.“

Lily verspürte ein erregendes Prickeln. Sie legte die Hand auf den Knauf der Kabinentür. „Ich würde Sie ja bitten, die Augen zu schließen, aber …“

„Sie wissen genau, dass ich das nicht tun werde.“

Langsam schob sie die Glastür auf. Es war immer noch stockfinster, und Lily konnte absolut nichts sehen. „Okay. Wo sind Sie?“

„Hier.“ Er ergriff ihre Hand. Konnte er sie etwa sehen?

Lily raubte es den Atem, als sie die Wärme spürte, die er ausstrahlte. Gleichzeitig nahm sie einen herben, männlichen Duft wahr, der irgendwie perfekt zu dem Meeresduft des Duschgels passte.

Ein einziger Schritt, und sie könnte ihren nackten Körper an diese breite Männerbrust schmiegen. Könnte ihre vom Duschen noch feuchten Finger durch sein blondes Haar gleiten lassen. Eine Welle heißen Begehrens durchflutete sie und schien sich in ihren Brustspitzen zu sammeln. Während sie sich vorstellte, dass er sie sehen und berühren könnte … Lilys Herz schlug schneller.

„Steigen Sie heraus, Sweetheart.“ Er zog sanft an ihrer Hand. „Es sei denn, Sie wollen, dass ich zu Ihnen unter die Dusche komme.“

„Sie sind grundverdorben, Jack Locke.“

„Ich bin vielmehr sehr, sehr …“ In diesem Moment blitzte es. Sekundenlang war es so hell, dass Lily leise aufschrie. In diesem ihr endlos erscheinenden Augenblick, in dem sie hell erleuchtet dastanden, konnte Lily nur sehen, wie Jack die Augen aufriss. Der Blick, den er über ihren Körper gleiten ließ, war genauso intensiv wie das Licht des Blitzes. Jack umfasste ihre Hand fester.

Und dann war es wieder stockfinster.

Während draußen lauter Donner ertönte, wartete sie auf eine freche Bemerkung. Einen Scherz, den Jack ständig parat zu haben schien.

Aber er holte nur tief Luft, als müsse er sich fassen.

„Lily“, flüsterte er, als der Donner verhallt war. „Du bist bildschön.“

Nichts hätte sie stärker aufwühlen können. Und es hatte nichts damit zu tun, dass er sie unversehens duzte.

Ihr Herz begann wie wild zu klopfen, und sie atmete tief durch, um sich zusammenzureißen. Dann trat sie auf die improvisierte Sicherheitsmatte.

„Bleib stehen“, wies er sie an, „sonst trittst du womöglich doch noch in Scherben. Ich sehe im Schränkchen unter dem Waschbecken nach einem Handtuch.“

Als hätte sie eine Wahl gehabt.

„Bitte sehr“, sagte er nach einem Moment.

Sie griff nach dem Handtuch, doch ihre Hände landeten auf seiner Brust, als er das Badelaken um sie schlang und dabei die Arme um sie legte.

Vor ihrer Brust hielt er die Handtuchenden zusammen und zog Lily mitsamt dem Stoff näher an sich.

Lily konnte jetzt die Konturen seines Gesichts ausmachen, seinen Mund, sein Haar, das in sanften Wellen sein Gesicht umrahmte.

Er suchte ihren Blick und zog noch einmal an dem Handtuch.

Als er leicht den Mund öffnete, glaubte Lily, ihr wild pochendes Herz würde gleich zerspringen.

„Weißt du nicht, dass es gefährlich ist, während eines Gewitters zu duschen?“, fragte er mit herausfordernd dunkler Stimme. „Du hättest einen elektrischen Schlag bekommen können.“

Der hätte sie kaum mehr beeindruckt als seine Worte, seine Berührung und seine Nähe, die sie in seinen Bann zogen. „Ich bin ein Risiko eingegangen, stimmt.“

„Riskierst du gern etwas, Lily?“ Die Frage klang derart doppeldeutig, dass Lily fast in Gelächter ausgebrochen wäre.

„Nein, ich habe lieber alles unter Kontrolle.“ Genau. Warum stand sie dann da und ließ ihn die Situation im wahrsten Sinne des Wortes im Griff halten? Er brauchte nur die Zipfel loszulassen, und Lily würde splitternackt dem Blick seiner seegrünen Augen ausgesetzt sein.

Bei dieser Vorstellung wurde ihr wieder heiß vor Sehnsucht, und ihre Knie schienen nachgeben zu wollen. Sie hob Jack das Gesicht entgegen, verzehrte sich danach, seine Lippen auf ihren zu spüren.

Doch er drückte ihr lediglich die Enden des Tuchs in die Hand. Sich zu bedecken war nun ihr Job, nicht mehr seiner.

„Bitte sehr. Jetzt hast du wieder die Kontrolle.“

Nicht unbedingt.

„Eine Sekunde lang habe ich geglaubt, du würdest mich küssen.“

Leise lachend verschwand er in der Dunkelheit, obwohl er sich kaum zwei Schritte entfernte. „Jetzt kennst du also meine Geheimwaffe. Ich tue nie, was man von mir erwartet.“

Und genau deshalb würde es eine Riesenherausforderung sein, Jack Locke zu verändern.

Das und die Tatsache, dass sie, wenn er ihr nicht die Kontrolle zurückgegeben, sondern sich vorgebeugt und sie geküsst hätte, nichts unternommen hätte, um ihn aufzuhalten.

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