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Liebe gut, alles gut

Alle Rechte, einschließlich das der vollständigen oder auszugsweisen Vervielfältigung, des Ab- oder Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten und bedürfen in jedem Fall der Zustimmung des Verlages.

Der Preis dieses Bandes versteht sich einschließlich der gesetzlichen Mehrwertsteuer.

Susan Mallery

Liebe gut, alles gut

Roman

Übersetzung aus dem Amerikanischen von
Gabriele Ramm

1. KAPITEL

“Was hältst du hiervon?” Carina Fiore hielt zwei Fläschchen mit tierfreundlichem Nagellack hoch. “Ich finde, am besten würden die traditionellen Farben passen. Weihnachtsmann-Rot oder Tannenbaum-Grün.”

Die achtjährige Kaitlyn McKenzie lachte. “Rina, sie ist doch eine Katze.”

“Willst du damit behaupten, dass Katzen keinen Sinn für Mode haben? Also ehrlich, da muss ich dir aber vehement widersprechen. Erst letzte Woche habe ich diese Kleine hier dabei ertappt, wie sie die In Style durchgeblättert hat. Und du weißt, das ist die Zeitschrift für die Supermodebewussten.” Rina musterte die gefleckte Katze, die auf dem Tisch in ihrem Tiersalon saß. Die Katze starrte Rina mit aufmüpfigem Blick an, als wollte sie sagen: Wage es ja nicht, mir mit dem Nagellack zu nahe zu kommen.

Rina musste sich ein Grinsen verkneifen. Sie hatte vor, die Katzen mit einem weihnachtlichen Halsband zu schmücken. Aber es machte einfach so viel Spaß, Kaitlyn zum Lachen zu bringen.

Das Mädchen prustete los. “Rina! Katzen können doch nicht lesen.”

“Das weißt du doch gar nicht.”

“Dad sagt, sie können’s nicht.”

“Oh, na gut. Wenn du einem Tierarzt mehr glaubst als mir.” Rina seufzte theatralisch.

Kaitlyn kam um den Tisch herum und umarmte Rina fest. “Wir lackieren die Nägel von den Hunden. Versprochen. Ich helfe dir auch. Wir wollen doch, dass sie richtig gut aussehen.”

“Genau.”

Sosehr Rina es auch hasste, es zugeben zu müssen, aber niedliche Haustiere fanden schneller ein neues Zuhause. Und sie war nun einmal für die Aktion “Adoptier ein Haustier” verantwortlich, die noch vor Weihnachten in Fool’s Gold stattfinden sollte. Deshalb war sie der Meinung, dass alle Tiere, die im Tierheim auf ein neues Herrchen oder Frauchen warteten, so gut wie möglich aussehen sollten und eine hübsch gepflegte Pfote ausstrecken konnten. Oder Kralle oder Finne. Okay, sie hatte nicht vor, die Fische herauszuputzen. Obwohl … ein paar kleine Weihnachtsbäume aus ungefährlichem Material hatte sie schon besorgt. Die würde sie in die Aquarien setzen.

Ihr normalerweise so aufgeräumter Tiersalon war im Moment überfüllt mit Katzen- und Hundehalsbändern in den typischen Weihnachtsmustern. Während der nächsten zwei Wochen würde sie all die Tiere, die zur Adoption freigegeben worden waren, baden, bürsten und trimmen, bis das Fell oder das Gefieder glänzte.

Sie warf einen Blick auf die Uhr an der Wand. “Wir sollten zusehen, dass wir langsam nach Hause kommen, Mäuschen.”

Als Kaitlyn zu ihr aufsah, stellte Rina wieder einmal fest, dass die grünen Augen der Kleinen genauso dunkel und faszinierend aussahen wie die ihres Vaters. “Heute ist Freitag.”

“Das habe ich heute Morgen in den Nachrichten auch gehört.”

Der Mund des Mädchens verzog sich zu einem schelmischen Lächeln. “Du weißt, was das heißt.”

“Dass morgen Samstag ist?”

“Spaghetti.”

“Oh, ja, richtig. Hm, ich hatte eigentlich vorgehabt, heute mal etwas anderes zum Abendessen zu machen.”

“Rina!”

“Vielleicht Leber.”

Kaitlyn machte ein Geräusch, als wollte sie sich übergeben.

“Oder wie wäre es mit Hirn?”

Kaitlyn hielt sich den Bauch. “Ich glaub, ich muss spucken.”

“Schlammsuppe?”

Kichernd rannte Kaitlyn aus dem Raum.

Rina nahm die Katze hoch und streichelte sie. “Was hältst du von Schlammsuppe?”

Prompt begann die Katze zu schnurren.

Fünfzehn Minuten später hatte Rina ihren Tisch und die Bürsten gesäubert. Sie schnappte sich ihren Rucksack und ging zum Aufenthaltsraum. Dort versperrte Jesse, eine der Helferinnen aus der Tierarztpraxis, ihr den Weg.

“Du musst endlich etwas sagen, Rina.”

“Nein.”

“Doch, und zwar bald”, drängte Jesse sie.

“Habe ich nicht gerade Nein gesagt? Ich bin ziemlich sicher, dass ich mich das sagen gehört habe.”

Jesse war eine hübsche Blondine. Rina kannte sie schon, seit sie beide noch im Kinderwagen gelegen hatten. Jetzt hob Jesse auffordernd die Augenbrauen.

Rina schaute sich um, um sicherzugehen, dass sie allein waren. Obwohl niemand zu sehen war, senkte sie vorsichtshalber die Stimme. “Ich kann das nicht.”

“Du musst. Das geht jetzt schon seit einem Jahr so, Rina. Das ist verrückt. Außerdem, jetzt ist bald Weihnachten.”

“Na und? Was hat das damit zu tun?”

Jesse seufzte. “Das ist die Zeit, in der man mit den Menschen zusammen sein will, die man liebt. Und du liebst Cameron. Sag es ihm endlich.”

Rina zuckte zusammen. “Sprich das nicht laut aus”, flüsterte sie so eindringlich wie möglich. “Nicht hier. Jemand könnte dich hören.”

“Es ist Freitagnachmittag. Außer uns sind alle schon weg. Cameron ist auf der Castle Ranch, um nach einer der Ziegen dort zu sehen.” Ihre Freundin kam näher und senkte, wie Carina dankbar feststellte, ebenfalls die Stimme. “Du bist meine beste Freundin, und ich unterstütze dich bei allem, was du tust, aber … ganz ehrlich, es ist an der Zeit, dass dir mal jemand sagt, dass du dich wie eine Idiotin benimmst.”

“Das erzählst du mir schon seit sechs Monaten … und zwar täglich. Das ist nicht gerade eine sensationelle Neuigkeit.”

“Dann tu endlich etwas! Wenn nicht jetzt, wann dann? Willst du noch ein weiteres Jahr damit vergeuden, einen Mann zu lieben, der nicht die geringste Ahnung davon hat, was du für ihn empfindest?”

Rina öffnete den Mund und schloss ihn wieder. Nichts würde sie lieber tun, als dem Mann, den sie liebte, ihre Gefühle zu gestehen.

Sie konnte sich noch gut an den Tag erinnern, als sie Cameron McKenzie, Doktor der Tiermedizin, das erste Mal getroffen hatte. Als der vorherige Tierarzt in Pension gegangen war, hatte Cameron ihm die Praxis abgekauft und versprochen, das gesamte Personal zu übernehmen. Dazu hatte auch sie gehört, denn sie hatte ihren Salon in der Tierarztpraxis. Cameron hatte alle Angestellten gebeten, sich an einem Samstagnachmittag mit ihm in der Praxis zu treffen. Sie war ins Haus gekommen, nicht sicher, was sie erwarten würde. Da hatte er sich umgedreht, gelächelt, und schon war es um sie geschehen gewesen.

Ernsthaft, sie hatte Musik gehört, und Zeichentricktierchen hatten ihr Schleifen und Blumen ins Haar gesteckt.

Sie konnte nicht genau sagen, was genau sie an Cameron so sehr faszinierte. Das dunkle, leicht gewellte Haar und die bemerkenswert grünen Augen waren nur ein Teil seines guten Aussehens. Außerdem mochte sie ihn nicht nur, weil er so fantastisch aussah. Es war auch die Art, wie er in seiner Arbeit aufging und wie er sein Personal behandelte. Aber wenn sie raten sollte, würde sie vermutlich sagen, dass ihr Schicksal endgültig besiegelt worden war, als sie Kaitlyn getroffen hatte.

Rina vergötterte das kleine Mädchen, sie und Camerons Tochter hatten sofort Freundschaft geschlossen. Kaitlyn war genauso clever, humorvoll und warmherzig wie ihr Dad. Das Einzige, was in der Familie keinen Sinn ergab, war das Fehlen einer Ehefrau und Mutter. Cameron erzählte nicht viel von seiner Ex, also bezog Rina ihre Informationen hauptsächlich von seiner Tochter. Kaitlyn war, was ihre Vergangenheit anging, relativ nüchtern. Sie hatte erzählt, dass ihre Mommy kurz nach der Geburt verschwunden war. Rina konnte sich noch gut daran erinnern, wie Kaitlyn ihr mit ernstem Blick erklärt hatte: “Babys machen viel Arbeit, und meine Mommy war noch nicht bereit dafür.”

Die wenigen Einzelheiten, die Cameron zwischendurch immer mal wieder erwähnt hatte, passten zu Kaitlyns Äußerungen: Seine Frau hatte ihr Neugeborenes und ihren Ehemann verlassen und war nicht wieder aufgetaucht.

Seitdem hatte er sich, soweit Rina das beurteilen konnte, einzig und allein der Aufgabe verschrieben, seine Rolle als alleinerziehender Vater auszufüllen und seine Praxis aufzubauen. Er ging nie aus, war noch nie beim Flirten erwischt worden und zeigte an keiner Frau ein besonderes Interesse. In einer Stadt, in der Männermangel herrschte, war er eine unwiderstehliche Größe.

Rina hatte sich immer wieder eingeredet, dass sie über diese Schwärmerei für Cameron hinwegkommen würde, dass es nur daran lag, dass er neu in der Stadt und zugegebenermaßen eben unwiderstehlich war. Aber je mehr Zeit verstrich, desto stärker wurden ihre Gefühle. Jetzt war alles noch komplizierter geworden, weil sie sich so intensiv um Kaitlyn kümmerte.

An Schultagen ging Rina schon morgens früh zu den McKenzies, um sicherzustellen, dass Kaitlyn rechtzeitig auf und angezogen war. Sie machte ihr Frühstück und ging mit ihr zum Schulbus. Nach der Schule kam das Mädchen mit dem Bus zur Tierarztpraxis, wo sie in Rinas Salon herumschwirrte, bis es Zeit war, nach Hause zu gehen.

Zurück im Haus der McKenzies, half Rina ihr bei den Hausaufgaben und bereitete das Abendessen vor.

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