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Liebe an Bord!

1. KAPITEL

Als das Taxi mit quietschenden Reifen zum Stehen kam, riss Lana Walker die Tür auf und griff nach ihren Taschen.

„Hey, langsam! Sie haben das Schiff noch nicht verpasst.“

Die tiefe Furche auf der Stirn des Fahrers grub sich durch seine raupenartigen, zusammengewachsenen Augenbrauen und war offensichtlich das Ergebnis eines jahrelang praktizierten, extrem finsteren Blicks.

Lana war zwar gerade noch rechtzeitig gekommen, um an Bord der Ocean Queen zu gehen, trotzdem fühlte sie sich, als ob sie etwas verpasst hätte. Genau aus dem Grund unternahm sie auch diese Reise.

Sie kramte nach ihrem Portemonnaie und bemerkte aus dem Augenwinkel mehrere Offiziere in weißen Uniformen an Deck. Sehr beeindruckend, ebenso wie das Schiff selbst.

Über ihr an der offenen Autotür erschien ein dunkler Schatten, der seine Hand ausstreckte. „Manche Menschen haben einfach Glück. Was ist jetzt mit dem Geld, Lady?“

Eilig bezahlte sie, ergriff ihr Gepäck und machte sich auf den Weg zu den Rolltreppen. Was verstand dieser Kerl schon von Glück? Sie hatte hart für alles gearbeitet, was sie besaß, sogar sehr hart. Fünf Jahre als Konservatorin im Museum von Melbourne, und drei Jahre als Chefkonservatorin im Sydney Museum – eine aufregende, anregende und furchtbar stressige Zeit.

Sicher, sie genoss einen hervorragenden Ruf in der Branche und ein bezauberndes Strandapartment in Coogee, aber das war es dann auch schon.

Sie hatte kein Privatleben. Keine Freizeit, keine sozialen Kontakte, keinen Spaß.

Während der nächsten zwei Wochen sollte sich all das ändern.

Andererseits hatte das Schicksal wirklich seine Hände mit im Spiel, was diese Reise betraf. Hätte sie die Kreuzfahrt nicht gewonnen, wäre Lana – Workaholic, der sie war – nie auf die Idee gekommen, sich Urlaub zu nehmen. Dabei hatte sie sich gerade erst dank ihrer verflixten Schüchternheit die Gelegenheit ihres Lebens durch die Lappen gehen lassen.

Während Lana die Treppe hochstolperte, verfluchte sie die hochhackigen Stiefel, die ihre schuhverrückte Cousine Beth ihr für diesen Trip geliehen hatte. Als könnte das bisschen erschummelte Körpergröße ihrem Selbstbewusstsein auf die Sprünge helfen! Es würde nicht besonders elegant wirken, wenn sie schließlich auf ihrem Allerwertesten landete.

Haltsuchend griff Lana in die Luft und atmete erleichtert auf, als sie von starken Armen aufgefangen und gestützt wurde.

„Hoppla! Diese Dinger sind tödlich, wenn Sie sich beim Laufen nicht konzentrieren. Sie hängen wohl Ihren Tagträumen über das Love Boat nach, was?“ Die sanfte Stimme hinter ihr klang amüsiert und jagte Lana einen Schauer über den Rücken. Erwartungsvoll sah sie zu ihrem Retter hoch. Wow!

In ihrem Job begegnete sie jeden Tag gut aussehenden Menschen. Im Museum wimmelte es von sexy verlotterten Archäologiestudenten, attraktiven Lehrern, und selbst die reiferen Professoren mit ihrem Sean-Connery-Look waren nicht ohne.

Aber dieser Mann, dessen fester Bizeps sich spürbar an Lanas Seite drückte, hatte weitaus mehr zu bieten. Hinreißend wäre wohl der treffende Ausdruck, um ihn zu beschreiben. Und Beth würde vermutlich sagen: purer Sex auf zwei Beinen.

Tief kobaltblaue, hypnotisierende Augen mit endlos langen, dunklen Wimpern, um die ihn jede Frau beneidet hätte. Und diese blitzenden, stahlblauen Augen waren direkt auf Lana gerichtet.

Automatisch schnappte sie nach Luft, war aber nicht auf den frischen, maskulinen Duft vorbereitet, der von dem Fremden ausging. Lana schwirrte der Kopf, und um sich zu fangen, fixierte sie einen Punkt direkt vor ihren Augen. In diesem Fall einen kleinen Ausschnitt einer braun gebrannten Brust, die unter dem leicht geöffneten Hemd zum Vorschein kam. Verführerisch und wahnsinnig aufregend, wie Lana fand. Sie hatte schon immer eine Schwäche für den Männertyp Indiana Jones gehabt, und nun hielt sie ein waschechtes Jones-Double in seinen starken Armen. Besser konnte es nicht mehr werden …

Sie hatte an ihrem Selbstvertrauen arbeiten und ihren Elfenbeinturm absichtlich verlassen wollen, um auf dieser Kreuzfahrt neue Erfahrungen zu machen, ihren Horizont zu erweitern. Dabei dachte sie an Tanzstunden, exotische Exkursionen und dergleichen.

Aber von einem Prachtexemplar von Mann gehalten zu werden, ließ sie in eine Richtung denken, die sie für gewöhnlich nicht beschritt. Aber vielleicht war es gar nicht schlecht, wenn ihre Abenteuerreise bereits erste Wirkungen auf ihren Verstand ausübte. Die scheue, einfältige Lana – wie eine ihrer Kolleginnen sie einst hinter ihrem Rücken bezeichnete – ging bereits auf ausgelassenen Urlaubskurs.

Mit klopfendem Herzen löste sie sich aus dem festen Griff des fremden Mannes. Er grinste sie mit einem unglaublich sexy wirkenden Gesichtsausdruck an. „Na, bestehe ich die Musterung?“

Großartig! Ihm war also nicht entgangen, wie eindringlich Lana ihn betrachtet hatte.

„Wie kommen Sie darauf, dass ich Sie gemustert hätte? Sie haben mich so fest gehalten, dass ich mich in keine Richtung bewegen konnte – geschweige denn meinen Blick woanders hätte hinwenden können!“

„Temperamentvoll und schlagfertig. Gefällt mir.“ Seine Augen blitzten auf, und das Grinsen wurde breiter.

Ihre Wangen färbten sich rot, während sie über eine geeignete Antwort nachdachte. Zu ihrem Leidwesen fielen ihr die treffendsten Kommentare grundsätzlich zehn Minuten zu spät ein.

Wie kam es, dass sie jede Frage eines Studenten augenblicklich beantworten konnte, nur ausgerechnet in Situationen wie diesen um Worte verlegen war? Ihr Gehirn schien nur aus endlosen Katalogen unbezahlbarer Artefakte, virtuellen Gruppenführungen und im Archiv gespeicherten Daten zu bestehen.

„Danke, dass Sie meinen Sturz abgefangen haben.“

Eine recht lahme Bemerkung, aber besser als gar keine. Trotzdem brachte Lana nur mühsam ein beschämtes Lächeln zustande und ärgerte sich darüber, dass ihr jeglicher Sinn fürs Flirten verloren gegangen zu sein schien. Eilig griff sie nach ihrem Gepäck und wandte sich ab, obwohl ihre Knie wie wild zitterten.

„Achten Sie auf Ihre Schritte!“, rief der Fremde ihr lachend nach.

Sie streckte sich, blieb jedoch nicht stehen – diese Genugtuung wollte sie ihm nicht verschaffen! Zudem spürte sie, wie seine Blicke sich regelrecht in ihren Rücken bohrten.

Ihr ganzer Körper kribbelte, während sie sich diese intensiven blauen Augen ins Gedächtnis rief, in denen es so aufreizend funkelte. Kopfschüttelnd dachte Lana darüber nach, wie unerfahren sie in diesen Dingen eigentlich war.

„Wirf dich ins Leben, Cousinchen! Gehe Wagnisse ein, sei ein bisschen verrückt!“, hatte Beth sie zu ermutigen versucht. „Du hast zwei Wochen Zeit, einmal jemand zu sein, mit dem du an Land nicht einmal Ähnlichkeit besitzt. Nutze diese Chance!“

Guter Ratschlag, vor allem aus dem Mund der ewig fröhlichen Quasselstrippe Beth, dachte Lana verächtlich. Andererseits wusste ihre Cousine wenigstens, wovon sie sprach. Schließlich hatte ihr außergewöhnliches Wesen ihr zu dem traumhaftesten Ehemann dieser Erde verholfen: Aidan Voss.

Nur beim Gedanken an Beths letzten Kommentar wurde Lana noch immer von einem Ohr zum anderen dunkelrot: Werde die Spinnweben los und lass dich endlich einmal flachlegen!

Es war genau drei Jahre, zwei Monate und fünf Tage her, seit Lana zum letzten Mal Sex gehabt hatte. Nicht dass sie buchstäblich die Stunden zählte! Außerdem musste man sich verabreden und sich emotional auf einen Mann einlassen, um irgendwann Sex mit ihm zu haben. Und Lana traute ihrem Gefühl nicht mehr, nicht nach dem, was dieser Vollidiot Jax ihr angetan hatte.

Entschlossen klemmte sie ihre alte Reisetasche fester unter den Arm und steuerte auf die Gangway zu. Beth hatte recht.

Rein beruflich befand sich Lana auf der Höhe, aber ihr Privatleben war eine Katastrophe. Sie verfügte über keine Selbstachtung, war unsicher, wusste sich nicht auf gesellschaftlichem Parkett zu bewegen und hatte auch im Job keine große Perspektive mehr, wenn sie nicht endlich lernte, aus sich herauszukommen.

Aber möglicherweise war diese Reise genau das, was eine konservative Kunstkuratorin dringend benötigte?

Verwirrt und neugierig sah Zac der zierlichen Brünetten nach, die sich mühsam einen Weg durch die Menge bahnte.

Die meisten Urlauberinnen, denen er begegnet war, trugen Kleidung, für die man einen Waffenschein brauchte. Außerdem trugen sie mehr Make-up, als gut für sie war, nur dieses interessante Wesen beschied sich mit einem marineblauen Kostüm und einem Hauch von dezentem Lipgloss. Trotzdem hatte sie es geschafft, sofort seine Aufmerksamkeit zu erregen.

Instinktiv hatte er nach ihr gegriffen, als sie gestrauchelt war. Doch als er sie fest in seinen Armen hielt, hätte er sie am liebsten nicht so schnell wieder losgelassen. Was bedeutete das? Nachdem Magda ihn derart getäuscht hatte, ließen Frauen ihn eigentlich kalt.

Unablässig starrte er die Person an, die mit gestrafften Schultern und erhobenem Kinn auf das Schiff zuging. Irgendwie wirkte sie kampfbereit, nur was genau hatte sie sich vorgenommen? Um die Balance zu halten, schwang sie ihre Hüfte besonders ausgeprägt synchron zu ihren Schritten, und Zac rieb sich die Augen, um das reizvolle Bild ihrer Kehrseite wieder loszuwerden.

Doch vor seinem inneren Auge erschienen sofort ein paar haselnussbraune Augen und ein weicher Mund, der wie eine wahr gewordene Männerfantasie aussah. Zusammen mit dem unschuldigen Ausdruck eines zurückhaltenden Naturells … eine unwiderstehliche Mischung.

Sie schien sich nicht ganz entschieden zu haben, ob sie Zac angreifen oder sich bei ihm entschuldigen sollte. Höchst interessant! Allerdings hatte er weder Zeit noch Lust, gleich der ersten Frau nachzusteigen, für die er so etwas wie Bewunderung empfand.

Er hatte Wichtigeres im Kopf, zum Beispiel die nächsten zwei Wochen sinnvoll zu nutzen, bevor er sein Leben auf eine höhere Ebene bewegte. Sein Onkel bestand auf seiner Anwesenheit. Man hatte ein Muster in der Unfallserie erkannt, die der Kreuzfahrtflotte widerfahren war, und eben dieses Muster ließ vermuten, dass die Ocean Queen das nächste Zielobjekt eines Anschlags darstellte. Zac würde dafür Sorge tragen, dass sie auch das letzte Ziel einer Sabotage war …

Nachdem sie ausgepackt hatte, wanderte Lana zum Promenadendeck und suchte sich dort ein abgelegenes Plätzchen, von dem aus man das Treiben an Land gut beobachten konnte – jenseits der Schaulustigen an der Reling.

Auf dem Circular Quay herrschte ein buntes Gewusel, und zahlreiche Menschen winkten zum Abschied, während das riesige Schiff die Leinen losmachte. Lana hatte freie Sicht auf die Sydney Harbour Bridge zu ihrer Linken und das berühmte Opernhaus zu ihrer Rechten.

Plötzlich hörte sie direkt über sich auf einem weiteren Deck Stimmen.

„Sieht aus, als tummelten sich dort unten Scharen alleinstehender Frauen. Die Hälfte sucht nach einer Urlaubsaffäre, die andere Hälfte nach einem Ehemann. Es ist doch wirklich jedes Mal das Gleiche.“

„Du sollst diese Damen verwöhnen, nicht verurteilen.“ „Leichter gesagt als getan, Kumpel. Wenn die einen ungebundenen Typen sehen, umkreisen sie ihn wie Piranhas.“

Eigentlich hatte Lana diese Unterhaltung ignorieren wollen, doch diese letzte Bemerkung ließ sie aufhorchen. Einer Vorahnung folgend hob sie den Kopf und drehte leicht den Hals, dann sah sie über sich den Fremden, der noch kurz zuvor ihren Sturz abgefangen hatte, auf einer Fußgängerbrücke stehen.

Er trug eine strahlend weiße Uniform, die seine tiefe Bräune hervorragend zur Geltung brachte – ein noch besserer Richard Gere aus Ein Offizier und Gentleman. Lana schluckte und war entsetzt darüber, dass dieser Mann sie innerhalb von nur einer Stunde gleich an zwei ihrer Lieblingsschauspieler erinnerte.

Tiefe Furchen zeigten sich auf seiner Stirn, während er seinen Blick über die zahlreichen Passagiere auf dem unteren Panoramadeck schweifen ließ. Lana drängte sich so weit es ging in den Hintergrund, um nicht von ihm entdeckt zu werden. Schließlich hatte sie ihn belauscht, auch wenn es unabsichtlich geschehen war.

Obwohl seine zweifelhaften Ansichten über Frauen Grund genug für Lana waren, ihm gehörig die Leviten zu lesen, hielt sie sich zurück. Denn wäre sie mit entsprechend viel Mumm ausgestattet, würde sie sich inzwischen als Sprecherin für das Museum auf den Weg nach Ägypten gemacht haben, anstatt sich hier an Deck zu verstecken.

Schließlich hatte dieser Kerl ein Recht auf seine Meinung, genau wie sie selbst auch. Und während sie heimlich nach oben spähte, die breiten Schultern, die tiefblauen Augen und die zerwühlten dunklen Locken betrachtete, dachte sie nur noch eines: Neandertaler.

Die Band begann zu spielen und verschluckte somit den Rest seines Gesprächs. Einige Minuten lang blieb Lana regungslos stehen und wartete darauf, dass die Männer sich entfernten, damit sie sich unbemerkt aus dem Staub machen konnte. Nach einer gefühlten Ewigkeit trat sie ein paar vorsichtige Schritte nach hinten.

„Achtung!“, raunte jemand dicht an ihrem Ohr.

Erschrocken fuhr sie herum und starrte in die betörenden blauen Augen des Fremden.

„Sie haben mich zu Tode erschreckt.“ Krampfhaft versuchte sie zu überspielen, wie unangenehm ihr war, dass man sie praktisch beim Lauschen erwischt hatte.

„Entschuldigung. Wenn Sie in Zukunft vielleicht darauf achten, wo Sie hinlaufen, würden wir nicht mehr zusammenprallen. Mein Name ist übrigens Zac McCoy.“

Er streckte die Hand aus und ahnte offenbar nicht im Geringsten, dass sie sein aufschlussreiches Gespräch mit seinem Kollegen gehört hatte. So sollte es auch bleiben, deshalb konnte sie nicht so rüde reagieren, wie ursprünglich geplant.

„Lana Walker.“

Sie ergriff seine Hand, allerdings traf sie das elektrisierende Kribbeln, das sich durch seine Berührung auf ihren ganzen Körper zu übertragen schien, vollkommen unvorbereitet. Unwillkürlich zuckte sie zurück.

Seine Augen weiteten sich leicht, und er sah auf ihre Hand hinunter. Großartig! Jetzt hielt er sie nicht nur für tollpatschig, sondern auch für unhöflich. Nicht dass sie ihn in irgendeiner Form beeindrucken wollte. Mit ihren alten Kleidern, dem unzureichenden Make-up und den schwunglosen Haaren würde ihr das ohnehin nicht gelingen – schon gar nicht bei einem so umwerfenden Traumtypen.

„Ich muss noch auspacken“, sagte sie schnell. „Wenn Sie mich entschuldigen würden?“

Als sie an ihm vorbeieilte, streifte sie seinen Arm, und erneut fuhr ein Kribbeln durch ihren Körper. Lana hatte nicht die geringste Ahnung, wieso sie so unfassbar stark auf diesen Kerl reagierte.

Natürlich wusste sie über sexuelle Spannungen zwischen Mann und Frau Bescheid, auch wenn Jax, der Widerling, als Einziger wirklich intim mit ihr geworden war. Seit ihrer Flucht nach Sydney konnte sie immerhin auf zwei wenig erfreuliche Dates mit Arbeitskollegen zurückblicken.

Bestimmt sind es nur die Hormone, sagte sie sich. Ein körperlicher Impuls, auf den man herzlich wenig Einfluss hat.

Ohne Zweifel durch die Tatsache extrem intensiviert, dass Lana seit drei Jahren keinem männlichen Wesen so nahe gekommen war.

„Machen Sie nur“, gab er zurück. „War jedenfalls nett, Sie kennenzulernen.“

Sie murmelte etwas Unverständliches und warf ihm einen letzten Blick über die Schulter zu, als er wegging. Dabei stachen ihr gewisse Körperteile ins Auge, die sie besser nicht so genau betrachten sollte …

Männer in Uniform machten sie seit jeher schwach. Diese Faszination hatte ihren Beginn in Lanas Kindheit, als ein junger Segler ihr eine Blume schenkte, nachdem ihr eine Kugel Eis auf den Boden gefallen und Lana ihrerseits in Tränen ausgebrochen war. Sie war eine pummelige Fünfjährige gewesen, die ihren ersten Schwarm niemals vergessen hatte.

Die späteren Warnungen ihrer Mutter, sich von Typen dieses Schlags fernzuhalten, hatte Lana in den Wind geschlagen, weil sie gar nicht verstand, wovon ihre Mutter genau sprach. Heute allerdings hatte sie eine recht genaue Vorstellung davon …

In ihrer Kabine duschte Lana ausgiebig und zog sich für das Dinner um. Beth hatte ihr den Reisekoffer mit Designerkleidern regelrecht vollgestopft, aber Lana fehlte der Mut, auch nur die Hälfte dieser sündhaften sexy Stücke in der Öffentlichkeit vorzuführen.

Aus diesem Grund entschied sie sich für ein schlichtes schwarzes Mantelkleid mit einem eingearbeiteten Gürtel um die Taille, das durch die funkelnden Manolos ihrer Cousine etwas aufgepeppt wurde.

Beth hatte Lana gedrängt, sich rundum verschönern zu lassen, aber allein der Gedanke an einen anderen Haarschnitt und neue Garderobe war für eine Frau, die nicht das Geringste von Mode verstand, unheimlich.

Fürs Erste hatte sie sich damit begnügt, ihre blassbraunen Haarspitzen zu begradigen und sich Kontaktlinsen anzuschaffen. Und Beth hatte sich ihrerseits darauf beschränkt, Lana mit so vielen abgelegten Designerschuhen auszustatten, dass jeder Fan von Sex and the City vor Neid erblassen würde. Und was den Rest ihrer Mission anging, das eigene Selbstbewusstsein aufzupolieren – nun, sie würde diesen Weg einen Schritt nach dem anderen gehen. Und das in schicken, unbequemen Schuhen!

Als Lana den Coral Dining Room betrat, blieb ihr gerade noch Zeit, die riesigen Kerzenleuchter an der Decke, die noble Ausstattung und das versierte Streichquartett zu bewundern, bevor sie vom Oberkellner zu einem Tisch geführt wurde, an dem noch zwei Plätze frei waren.

Sie ließ sich auf einem Stuhl nieder und hoffte, ihre Tischnachbarn – ein Paar um die vierzig und zwei weitere Frauen – erwarteten keinen belanglosen Smalltalk von ihr. Während Lana die Menukarte studierte, lauschte sie dem freundlichen Geplapper der anderen, als plötzlich der letzte freie Stuhl zurückgezogen wurde. Sofort kribbelte Lanas Haut, und noch bevor sie den Kopf hob, wusste sie, wer sich dort zu ihr setzte.

„Hallo, allerseits, ich bin Zac McCoy, verantwortlich für Public Relation. Und ich freue mich sehr, dass Sie gemeinsam mit mir an meinem Tisch dieses herrliche Essen genießen werden. Im Namen des Kapitäns und der gesamten Schiffsbesatzung wünsche ich Ihnen eine schöne und interessante Reise.“

Das Schicksal fordert mich wirklich heraus, dachte Lana entnervt. Vielleicht sollte ich demnächst mal einen Lottoschein ausfüllen …

Sie widerstand dem Impuls, sich verlegen durch die Haare zu streichen, und wartete geduldig ab, bis sich alle Anwesenden vorgestellt hatten, und Zac sich Lana direkt zuwandte.

„Wie geht es Ihnen, Lana?“ Sein strahlendes Lächeln war einfach umwerfend.

„Gut, danke.“

Eine ziemlich einsilbige Antwort für eine Frau, die wöchentlich Vorträge vor einer großen Gruppe fremder Menschen hielt. Die Rolle als hirnloses Dummchen fiel Lana erstaunlich leicht.

Während die kurvige Blondine zu seiner Rechten um Zacs Aufmerksamkeit buhlte, wagte Lana einen prüfenden Blick. Er war genau der Typ Mann, von dem frau sich besser fernhalten sollte: ein aalglatter Charmeur mit dem Körper eines Adonis und einem hinreißend schönen Gesicht. Absolut nicht Lanas Liga!

Daher blieb sie den Abend über fast stumm, stocherte lustlos in ihrem Essen herum und täuschte eine höfliche Miene vor. Sie war ohnehin nie so gut im Flirten gewesen wie Beth, und neben Zac zu sitzen, machte sie vollends sprachlos. Ganz bestimmt war er auch nicht an Themen interessiert, über die sie mit Leichtigkeit sprechen konnte: über die letzte Ausstellung in der Australian Gallery beispielsweise, oder auch über die Vorteile der digitalen Katalogisierung.

Allerdings wurde ihre Zurückhaltung kaum bemerkt, da Zac die allgemeine Unterhaltung in Schwung hielt und die Aufmerksamkeit aller an sich fesselte. Erst beim Dessert – einem leichten Schokoladensoufflé, das auf der Zunge zerging – drehte er sich zu Lana.

„Sie sind erstaunlich ruhig. Vielleicht sollten wir beide uns ein wenig näher kennenlernen?“

Ungeniert starrte er auf ihren Mund und erst danach in ihre Augen. In der glitzernden Tiefe seiner blauen Augen lag ein verwegener Ausdruck.

„Vielleicht. Aber ich sollte Sie vorher warnen. Ich bin Single und bestimmt ebenso gierig wie ein Piranha.“

Sein herausforderndes Grinsen fror leicht ein, und Lana blinzelte, um den intensiven Augenkontakt mit ihm zu unterbrechen.

„Sie haben mich vorhin belauscht?“

„Allerdings, und ihre Einstellung den mitreisenden Frauen gegenüber gefällt mir überhaupt nicht!“

Insgeheim lobte sie sich für ihren Mut, der eine direkte Folge ihrer aufrichtigen Empörung war, auch wenn sich dieser Ausbruch für Lana ausgesprochen ungewohnt anfühlte. Zudem war sie sich ihrer Pläne mit Zac nicht sicher: Falls sie die nächsten zwei Wochen neben ihm sitzen musste, sollte sie sich langsam entscheiden, ob sie ihn ignorieren oder provozieren wollte.

Seine Augen wurden eine Schattierung dunkler, als er sich zu ihr beugte.

„Sie könnten meine Meinung eventuell ändern, wenn Sie mögen.“

„Und Sie desillusionieren, weil ich keine mannstolle, frustrierte Urlauberin bin?“ Sie lehnte sich zurück, um ein wenig Abstand zu gewinnen. „Lieber nicht.“

„Oh, das könnte aber interessant sein“, hakte er nach, und wieder fiel sein Blick auf ihre einladenden Lippen. „Immerhin ist es nicht einfach, einen Idioten voller Vorurteile zu bekehren.“

„Ich habe Sie nie einen Idioten genannt“, widersprach Lana schnell.

„Das war gar nicht nötig“, erwiderte Zac lachend. „Sie haben extrem ausdrucksstarke Augen.“

„Muss an den Kontaktlinsen liegen“, murmelte sie abweisend.

Ihre trockene Antwort brachte ihn noch mehr zum Lachen. „Lass uns zum Du übergehen!“, schlug er vor. „Wir beide sind aus dem gleichen Holz geschnitzt und werden uns mit Sicherheit prima verstehen. Und mein Kommentar von vorhin hatte wirklich nicht viel zu bedeuten. Es war einzig und allein eine Feststellung, nachdem ich schon zu lange auf Schiffen wie diesem hier gearbeitet habe.“

Sie öffnete den Mund, kam jedoch nicht zu Wort.

„Trotzdem war es eine vorschnelle Verallgemeinerung“, fuhr er fort. „Aber du hast mit deiner Kritik völlig recht, und ich entschuldige mich in aller Form. Eines würde mich aber interessieren, Lana Walker: In welche Gruppe gehörst du?“ Er lehnte sich noch dichter zu ihr. „Auf der Suche nach einem Ehemann oder nach oberflächlichem Spaß?“

„Sie … du versuchst, mich anzumachen?“, fragte sie etwas strenger, als sie es beabsichtigt hatte.

„Funktioniert es?“

„Nein.“

„Ich könnte also alles Mögliche sagen, und du wärst einfach immun dagegen?“

Beinahe hätte sie laut aufgelacht, so absurd war der Gedanke, gegen einen Mann wie Zac immun zu sein!

„Das ist richtig“, log sie, ohne rot zu werden.

„Und wenn ich behaupte, dich sehr anziehend zu finden? Du würdest nicht darauf reagieren?“

„Nein.“

„Und wenn ich finde, dass viel mehr in dir steckt, als man auf den ersten Blick vermuten mag?“

„Da musst du dir schon etwas Besseres einfallen lassen, Matrose“, antwortete sie kühl.

„Matrose?“

Er grinste, während sich Lana mental die Hand vor den Mund schlug. Woher kam bloß diese plötzliche Schlagfertigkeit? Außerdem waren Spitznamen dieser Art schon viel zu vertraulich.

„Das sagt man doch so“, wich sie aus und legte mit übertriebener Sorgfalt ihre Serviette zusammen, bis Zac unvermittelt seine Hand auf ihre legte. Lanas Puls überschlug sich.

„Und wenn ich sage, dass ich dich mag?“

Abrupt holte sie tief Luft. „Du versuchst immer noch, mich anzumachen. Und du bist gut darin, das muss man dir lassen.“

Damit zog sie ihre Hand zurück und ergriff ihr Weinglas. Fieberhaft überlegte sie, wie sie dieses fatale Gespräch beenden konnte, bevor Zac merkte, wie unsicher er sie machte. Lange Zeit war Lana niemand mehr so nahe gekommen, und ihre körperliche Reaktion darauf irritierte sie zutiefst. Aber es war eben auch nicht mehr als ein physisches Phänomen, oder zumindest redete sie sich das fest ein.

Lächelnd prostete er ihr zu. „Du faszinierst mich tatsächlich. Und das ist kein Annäherungsversuch, zumindest kein billiger“, setzte er mit einem Augenzwinkern hinzu. „Aus irgendeinem Grund mochte ich dich auf den ersten Blick, trotz deiner etwas kratzbürstigen Art, und ...

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