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Leuchtspuren

DIE FRÜHEN JAHRE

Ausgesetzt

in einer Barke von Nacht

trieb ich und trieb an ein Ufer.

An Wolken lehnte ich gegen den Regen,

an Sandhügeln gegen den wütenden Wind.

Auf nichts war Verlass.

Nur auf Wunder.

Ich aß die grünenden Früchte der Sehnsucht,

trank von dem Wasser, das dürsten macht.

Ein Fremdling, stumm vor verschlossenen Zonen,

fror ich mich durch die frühen Jahre.

Zur Heimat erkor ich mir die Liebe*.

Mascha Kaleko

HAPPY END

Ach, wenn man gleich zu Anfang wüsst‘,

dass am Ende alles happy ist!

Dass auf abgrundtiefes Grauen,

folgt selig schwebendes Vertrauen,

dass in des Anfang Schwere keimt,

was sich zu guter Letzt noch reimt.

Katharina Offenborn (1998)

Doch manchmal, während wir so schmerzlich reifen,

daß wir an diesem beinah sterben – dann:

formt sich aus allem, was wir nicht begreifen

ein Angesicht und sieht uns strahlend an.1

Rainer Maria Rilke

INHALT

Zum Geleit

Über mich

Spielmaterial und Werkzeug

Königsweg

TEIL 1: Kraftquellen

Erdung

Fehler

Hingabe

Ideen

Begeisterung

Leichtigkeit

Macht

Mühelosigkeit

Kunst

Schönheit

Erfahrungsschätze

Heilung

Humor

Dankbarkeit

Gespräch

Erneuerung

Mut

TEIL 2: Magisches Sein

Ich selbst sein

Eigen sein

Wahlfreudig sein

Sehnsüchtig sein

Entschlossen sein

Körperbewusst sein

Vertrauensvoll sein

Präsent sein

Menschlich sein

Frei sein

König sein

Reich sein

Wie die Kinder sein

TEIL 3: Zukunft erschaffendes Tun

Innehalten

Tun

Träumen

Annehmen

Sich befreien

Sich verwandeln

Lachen

Heiligen

Fehler machen

Verantworten

Sich versöhnen

Schreiben

Sich entwickeln

Sich bewegen

Entkommen

Sich trauen

Möglich machen

Sich zusammentun

Fragen

TEIL 4: Kosmisch-irdische Lebensbedingungen

Kosmos

Sprache

Geistwesen

Mutter Erde

Jener

Elementares

Gott

Mitmenschen

Geliebte

Verstorbene

Dank

Nachwort

Quellennachweise

Autoren und Werke als Quellen der Inspiration

Zum Geleit

GLÜCK

Falle aus allen Rollen, Mensch, trag‘ deine Masken zu Markte, fülle Worthülsen mit Sinn, bis sie vor Bedeutung platzen. Das Spiel ist aus, es lebe das Sein. Frei gibt es sich dem Leben hin. Drum hebe deine Seele in den Himmel, sprenge den Rahmen deines Herzens, lass’ deine Liebe überschäumen, dass sie aus allen Poren dringt. Dann hülle dich in deine Freude und trage sie wie königliches Rot: Denn aus dir spricht jetzt das Glück, von Kopf bis Fuß du selbst zu sein!

Katharina Offenborn (1998)

Für dieses Buch stand das Coronavirus SARS-cov-2 Pate, weil ich ihm die Zeit und so manche Inspiration verdanke. Die Pandemie und die damit einhergehende Informationsflut zeigten mir einmal mehr, dass ich mich verändern muss – und darf. Ich bin es leid, Geschehnisse, Entscheidungen und Maßnahmen einschätzen und beurteilen zu müssen, mir den Kopf zu zermartern über Richtig oder Falsch, Wahr oder Unwahr usw. Wir leben in einer Zeit allgegenwärtiger Ratings und an uns herandrängender Informationen, in einer Zeit, in der die heutigen Neuigkeiten morgen schon „Schnee von gestern“ sind und es kaum möglich ist, sie auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen, in der News und Fake-News kaum zu unterscheiden sind und Entwicklungen in vielen Bereichen sich derart überschlagen, dass wir sie weder durchschauen noch mit ihnen mithalten können. Und schon gar nicht lässt sich herausfinden, wer in den vielfältigen gesellschaftlichen Debatten Recht hat oder nicht. Ich bin es leid, Licht in dieses menschengemachte Dunkel bringen zu wollen, kann und will meine kostbare Lebenszeit nicht mehr mit derart vergeblichen Bemühungen vergeuden.

Für mich gibt es Wichtigeres zu tun: Ich habe jeden Tag aufs Neue Entscheidungen zu treffen, die meinem Leben die Richtung weisen, die zu mir passt, auch und gerade in dieser Krise. Ich muss herauszufinden, was für mich dran ist, wie ich mich in das komplexe Weltgeschehen einbringen kann und möchte. Dazu gehört, mir immer mehr gewahr zu werden, welchen Beitrag ich leisten kann durch mein So-Sein – und aus diesem Gewahrsein heraus meinen Weg zu wählen und zu gehen, Schritt für Schritt. Allein die Möglichkeit jederzeit wählen zu können, eröffnet Freiräume im Innen und Außen: Es geht darum, mich auszurichten auf das, was mir entgegenkommt und bereit zu sein, zu empfangen, was der Essenz meines wahren Wesens entspricht. Zu sein, wer man in Wahrheit ist, macht glücklich, wie nichts anderes es vermag.

Dieses Buch ist eine Einladung, mit mir Wege aus der Sackgasse der Bewertungswut zu gehen, in die alles Gewordene mündet,– um mit neuen, ungeahnten Möglichkeiten beschenkt zu werden.

Das vorliegende Werk ist eine Sammlung von Essays, abwägenden Dialogen zwischen Herz und Hirn, die Zeitloses und Zeitgeistiges in Zusammenhang und zugleich auf den Punkt zu bringen versuchen. Sie erscheinen mir wesentlich und allgemeingültig genug, um sie mit euch zu teilen. Alles, auch die autobiografischen Notizen, mögen euch Mut machen immer mehr diejenigen zu sein, die ihr aus tiefstem Herzen sein wollt. Nehmt das Ganze nicht zu ernst, nehmt mich nicht zu ernst, nicht ernster als euch selbst. Macht euer eigenes Leben zu eurem vorrangigen Zukunfts- und Friedensprojekt! Wenn meine Worte die eine oder andere Leuchtspur legen zu dem, was ihr wirklich wollt, hat dieses Buch seinen Zweck erfüllt.

ÜBER MICH

Noch

duftet die Nelke

singt die Drossel

noch darfst du lieben

Worte verschenken

noch bist du da

Sei was du bist

Gib was du hasŕ

Rose Ausländer

Für mich ist dieses Buch, ist Schreiben überhaupt, seit meinem 21. Lebensjahr eine biografische Notwendigkeit. Mit 30 Jahren erlaubte ich mir zum ersten Mal andere philosophisch-religiöse Werke als die Bibel zu lesen, mit 27 Jahren ging ich zum ersten Mal ins Kino, und tanzen war ich in diesem Zeitraum nur einmal: mit 16 im Rahmen einer Schullandwoche. Fernsehen und Radio gab es bei uns zu Hause nicht, auch Theater- und Konzertbesuche waren nicht erlaubt. Ich bin als eines von fünf Kindern in einer streng christlich orientierten Freikirche aufgewachsen, ein Setting, das meine Kindheit und Jugend entscheidend prägte und damit auch mein heutiges Geworden-Sein.

Nach meinem Austritt mit 30 Jahren beschäftigte ich mich mit Werken von Rudolf Steiner und anderen anthroposophischen Autoren, aber alles begann mit der „Kindersprechstunde“ von Dr. med. Michaela Glöckler, ein Geschenk zur Geburt meines ersten Sohnes – mit dem Kapitel über Engel. Diese geistigen Wesen, an die ich nicht glauben durfte, berühren bis heute mein Herz und mein Leben. Wie es das Schicksal so wollte, begann ich 17 Jahre später für Michaela Glöckler als Lektorinzu arbeiten und fing auf diesem Wege eine umfassende Schulung an, die bis heute andauert. Doch bin ich auch von anderen spirituellen Impulsen inspiriert worden, bin vor allem aber ein Freigeist, bereit zur Zusammenarbeit mit anderen Freigeistern.

Heute bedeutet mir zu erfahren und zu wissen mehr als zu glauben, mein Leben selber zu verantworten mehr als religiösen Regeln zu gehorchen.

Heute lasse ich mich n icht mehr betören von Gruppierungen, die das Regelwerk ihrer absoluten Wahrheit über die individuelle Wahrheit des einzelnen Menschen stellen.

Heute genügt es mir zu sein und schlicht ICH BIN DA sagen zu können.

Und Freiheit ist mir zu einem Grundbedürfnis geworden – in jeder Hinsicht, in allen Bereichen des Lebens. Ob es karmische Verstrickungen zwischen Menschen gibt oder ob wir in der neuen Zeit frei sind von alledem, erscheint mir nicht so wichtig zu sein. Wichtiger ist mir, in der Begegnung mit anderen zu mir selbst stehen und mich gleichzeitig dem anderen öffnen zu können. Nach vielen leidvollen Erfahrungen habe ich gelernt mich aus Verstrickungen zu lösen, indem ich mir erlaube die zu sein, die ich gerade sein will und kann. Dieses Erlauben ohne zu werten verzaubert mein Leben in einen Raum voller Möglichkeiten. Dass dieser Raum jedem Menschen jederzeit offensteht, ist meine tiefste Überzeugung und begleitet als Oberton alles, was ich mit diesen Beiträgen zu vermitteln versuche.

Spielmaterial und Werkzeug

DEM KINDE IM MENSCHEN

In jedem Menschen ist ein Kind verborgen,

das heißt Bildnertrieb und will

als liebstes Spiel- und Ernstzeug nicht das

bis auf den letzten Rest nachgearbeitete Miniatur-Schiff,

sondern die Walnussschale mit der Vogelfeder als Segelmast

und den Kieselstein als Kapitän.

Das will auch in der Kunst mitspielen, mitschaffen dürfen

und nicht so sehr Bewunderer, Zuschauer sein.

Denn dieses „Kind im Menschen

ist der unsterbliche Schöpfer in ihm.3

Christian Morgenstern

In diesen Seiten werdet ihr keine Rezepte, Strategien und Bau- anleitungen finden, aber vieles, das euch einlädt zu eigenen Kreationen: Spuren von Glück, Karfunkelsteine der Erkenntnis, Erfahrungsschätze aller Art, vielleicht auch den einen oder anderen Zauberspruch, Denkanstöße, Mutmacher, Immunsystem-Booster – alles Spielmaterial und Werkzeug zur Selbstermächtigung.

Wir leben, um uns selbst auf die Spur zu kommen, um unser wahres Wesen in seinen Facetten zu erfahren, dem wir nur Gewand geben, wie Rilke es ausdrückt. Der göttliche Funke, der wir sind, brennt hinter allem, was wir tun – ein Bild, das uns ahnen lässt, dass alles Erschaffene nur Schattenwerk ist, nur eine von vielen Ausdrucksformen unseres Wesens, flüchtig wie eine Sandburg am Meer, wie ein Windhauch an unserer Wange.

Hesse sagt, „der Weltgeist will nicht fesseln uns, will weiten“4, er will unseren – und damit auch den Weltenhorizont – erweitern. Unser Forschen, Sehnen und Erschaffen gelten unserem wahren Wesen, von dem wir immer nur einen Rockzipfel erhaschen, ein Schattenbild erblicken. Können wir unsere Erfahrungen als spielerische Kreationen des Kindes im Menschen auffassen, als eine Manifestation der vielen Möglichkeiten, die uns offen stehen, bekommen wir eine Ahnung von dem unbegrenzten Schöpferpotential, dem mächtigen „Bildnertrieb“, dem unser Schaffen entspringt.

Alle Rollen, in die wir schlüpfen, alles, was wir erleben, sind nur Lern- und Erfahrungsfelder, durch die uns der göttliche Funke unseres Wesens entgegenblinzelt und zuruft: Das ist noch längst nicht alles, ich kann noch viel mehr!

Liebe Leser, bedient euch. Nehmt euch zu Herzen, was euch brauchbar erscheint für eure eigenen Kreationen. Und wisset: Nichts davon ist unumstößliche Wahrheit, es sind nur facettenreiche Sichtweisen, meine Sichtweisen, auf das immer gleiche Geheimnis des Seins.

KÖNIGSWEG

Wir können uns heute nicht dem naiven Glauben hingeben,

wir wüssten schon alles und wir könnten aus dem,

was wir wissen, Programme aufstellen.

Wir müssen aus dem Leben heraus heute wiederum Ideen finden,

aber das Leben erneut sich an jedem Tag,

und wir müssen das Vertrauen haben zu dem,

was wir an jedem Tag neu lernen können vom Leben.

Und wir müssen nicht Feiglinge sein,

die glauben, dass sie nur dann arbeiten können,

wenn sie auf so genannte sichere Ideen bauen können,

wobei sie immer die Ideen meinen,

die von alters her überliefert sind, die einmal da sind.

Wir müssen den Mut haben, lernend zu arbeiten, arbeitend zu lernen.

Anders kommt der Mensch in die Zukunft und ihre Forderungen

nicht hinein.

Das wird auch ein neues Christentum sein.5

Rudolf Steiner

Der Königsweg aller Entwicklung ist der Weg der Selbster- mächtigung, der Weg den jedes Kind geht. Keiner bringt einem Kind bei, wie es sich aufrichten muss, lehrt es sprechen oder gar denken. Diese Glanzleistungen, mit denen jedes Kind sein Leben beginnt, vollbringt es ganz aus sich heraus, in dem Tempo, das ihm entspricht. Alles, was es dafür braucht, ist eine Lernumgebung, in und an der es sich entwickeln kann, vorbereitet von den Menschen, die seine frühen Jahre begleiten.

In diesem Sinne wie die Kinder zu sein heißt, Experten der eigenen Weiterentwicklung zu werden. Das trauen wir uns in unserer heutigen Welt nur selten zu, kein Wunder. Wir trauen es ja auch unseren Kindern nicht zu, dass sie aus eigener Initiative lernen wollen und aus sich heraus wissen, was sie lernen wollen, dass sie, würden wir sie lassen, unbeirrbar ihren Weg gehen würden.

Unser gesamtes Bildungssystem basiert auf dem Irrglauben, dass Kinder belehrt werden müssen. Es trichtert ihnen von Anfang an Wissen ein, das die meisten niemals brauchen. Alles, was sie dabei lernen, ist „Bulimie-Lernen“6, das den kindlichen Lernwillen so nachhaltig stört, dass Kinder zu Schulverweigerern werden. Man hindert Kinder so lange daran zu lernen, was sie wollen, und auf die Art, in der sie es vermögen, bis sie der Mut verlässt und sie gar nicht mehr beschulbar sind. Ein Zynismus ohnegleichen und eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Sie ist das Markenzeichen aller Maßnahmen „zum Wohle der Kinder“ und der Gesellschaft, die Kindern wie Gesellschaft den nötigen Lernwillen und das nötige Lernpotential absprechen, selbstbestimmt lernen zu wollen – weshalb sie dafür auch kaum Raum lassen. Darauf näher einzugehen, ist aber nicht Thema dieses Buches.

Mein Fokus liegt auf der Selbstermächtigung. Dazu ist es nie zu spät. Sie beginnt immer genau JETZT.

Der Erwerb der menschlichen Grundfähigkeiten ist ein Weg der Selbstermächtigung. Wir eignen sie uns in den ersten drei Jahren unseres Lebens eigenwillig und eigenaktiv, wenn auch unbewusst, an. Diese Ur-Erfahrung kann uns niemand nehmen, sie bildet den Urgrund aller weiteren Entwicklung, allen Lernens. Man könnte auch sagen:

Sich aufzurichten bedeutet, die eigene Schwerkraft zu überwinden.

Sprache zu erwerben bedeutet, lautgetragen und bedeutungsvoll den Weg zum anderen zu gehen.

Zu denken bedeutet, sich selbst in Verbindung mit der Welt zu setzen – ausgehend von dem Ur-Erlebnis ICH BIN – und auf dieser Basis Zusammenhänge herzustellen, um das Einzelne in das Ganze zu integrieren.

So gesehen wird deutlich, dass diese urmenschlichen Fähigkeiten unbegrenzte Entwicklungsfelder darstellen, die uns ein Leben lang herausfordern. Für den Weg der Selbstermächtigung bräuchten wir keine teuren Seminare, keine Bücher, keine Lehrmeister und Coaches. Wir brauchen nur uns selbst – und das ist zugleich das Problem. Denn wir sind alle Kinder unserer Gesellschaft, haben alle das eine oder andere Bildungssystem durchlaufen und dabei eingetrichtert bekommen, dass andere die Experten sind, die es besser wissen als wir, die uns Lösungen präsentieren, dass wir ganz und gar verloren wären in der Komplexität unserer Zeit, würden uns nicht Berufene die richtigen Wege weisen. Unsere Leben zeugen davon, dass „uns geschehen ist, wie wir geglaubt haben.“

Was aber wäre, wenn wir all die begrenzenden Glaubenssätze wieder verlernen könnten?

Wenn wir Anschluss fänden an das Selbsterziehungsvermögen der frühen Kindheit?

Ich glaube daran, dass es nie zu spät ist, das Rad der unseligen Gewohnheiten des Geworden-Seins anzuhalten und JETZT anzuschließen an das jedem Menschen innewohnende Ur-Vermögen, sein Leben zu verändern.

Damit möchte ich nicht abtun, was andere uns anbieten, damit wir weiterkommen. Das hat alles seine Berechtigung – sonst hätte ich dieses Buch nicht geschrieben. Angebote anderer können hilfreich sein. Dennoch sind wir selbst und unser Leben unsere besten Lehrmeister, Coaches und Entwicklungshelfer. Jeder war zu Anfang, und ist auch JETZT, Experte seiner Entwicklung auf dem Weg der Selbstermächtigung.

Wir dürfen die Worte, „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“, ganz persönlich nehmen, dürfen sie auf den Christus in uns beziehen.

Der Weg, die Wahrheit und das Leben in uns warten darauf, befragt zu werden, welcher nächste Lern- und Entwicklungsschritt ansteht. Das macht uns zu Fragenden:

Ist das mein Weg?

Ist das meine Wahrheit?

Ist das mein Leben, das ich mir gewünscht habe?

In unserem bisherigen Leben ging es darum Antworten zu finden. JETZT geht es darum, Fragen zu stellen, damit die Antworten uns finden können.

TEIL 1: KRAFTQUELLEN

Der Mensch lebt nicht von Brot allein,

sondern von einem jeglichen Wort,

das aus dem Munde Gottes geht.

Jesus

Mit Himmel und Erde stehen uns unerschöpfliche Kraftquellen offen. Die Erde schenkt uns Brot, der Himmel nährende Inspirationen und wegweisende Intuitionen. Wir als Kinder von Himmel und Erde dürfen uns, je nach Bedarf, frei bedienen.

In den folgenden Kapiteln beschreibe ich einige der Kraftquellen, aus denen ich gerne schöpfe. Wenn wir essen, ohne Hunger zu haben, wird die Nahrung uns Schaden zufügen. Wenn wir in die Sonne gehen, obwohl uns ohnehin schon zu heiß ist, belastet dass unser System. Wir Menschen pendeln ständig um eine Mitte, suchen immer nach Ausgleich. Jeder von uns muss selbst wissen, ob er Schlaf, Nahrung, Wärme, einen Spaziergang, eine Körperübung, eine Auszeit, körperliche oder geistige Betätigung oder was auch immer braucht. Was dem einen Kraft gibt, ist dem anderen gerade zu viel.

Zur Kraftquelle wird etwas, wenn es einen Mangel ausgleicht oder ein Bedürfnis stillt – und wenn es zu nährenden Gedanken inspiriert. Physisch-seelisch-geistige Gesundheit ist ein Gleichgewichtszustand, um den Körper und Seele sich unablässig bemühen. Auch deshalb lohnt es sich, die eigenen Bedürfnisse immer besser erspüren zu lernen, auf das „Ja“ und „Nein“ von Körper und Seele zu achten, auch im Hinblick auf bestimmte Gedanken. Denn sie beeinflussen entscheidend, wie wir uns fühlen, – und das bestimmt unser Sein.

Unsere Gefühle und unsere Stimmung sind Ergebnis der Richtung, in die unsere Seele „blickt“. Eine positive Stimmung wirkt sich positiv auf unser ganzes Sein und Tun aus. Schauen wir aber vorwiegend auf die Angst erzeugenden Geschehnisse unserer Zeit, rutscht unser Stimmungsbarometer nach unten, wie Vera Birkenbihl es in ihrem legendären Vortrag über Humor eindrücklich darlegt.10 Über kurz oder lang wirkt sich das auch auf unsere Gesundheit aus.

Gibt es in meinem Blickfeld nichts als Angst, wird meine Stimmung das widerspiegeln und mein Tun davon geprägt sein. Das durfte ich endlich begreifen: Es liegt an mir, meinen Blick bewusst den Kraftquellen zuzuwenden, die meine Sicht auf mein Leben und mich selbst verändern werden. Das liegt in meiner Macht, ist allein meine Verantwortung. Nehme ich sie zu Herzen, bewusst und liebevoll, darf ich wieder und wieder erleben, dass Gedanken mein ganzes Dasein höher heben, als ich mir in meiner alten Begrenztheit vorstellen konnte. Dann bin ich der Beitrag, den die Welt braucht.

Erdung

STILLE ANWEISUNG

Ruh dich aus,

Mir brauchst du das Gras nicht zu schneiden.

Lass es mitsamt dem unbändigen Unkraut

weiterwachsen auf meinem Hügel.

Horch lieber, ob dir nicht unter der Erde

eine schon dicht vergrünte Stimme

immer noch sagt: „Ich wachse dir zu…“

Christine Busta

Wer sich nach seinem unbegrenzten Wesen sehnt, nach seinem wahren Ich, wird auf Erden allein nicht fündig werden. Er muss sich dem Geistigen, dem Himmel, zuwenden und Bereiche erforschen, die weit über alles Physische hinausweisen. Spätestens JETZT muss er sich erden, um nicht Halt und Bodenhaftung zu verlieren. Auch – und gerade – für uns als Bürger zweier Welten ist Erdung eine Notwendigkeit – wie für den Baum seine Wurzeln, während er seine Zweige in den Himmel reckt. Sich zu erden ist der erste Schritt, um sich auch „himmeln“ zu können. Nur wer mit beiden Füßen fest auf dem Boden steht, wird Sterne vom Ideen-Himmel holen können, wird empfangsbereit sein für Intuition. Nur gut geerdet wird es uns gelingen, Erträumtes und Ersehntes bis auf den Boden der irdischen Tatsachen zu holen. Sonst bleiben wir Traumtänzer, die abheben und sich dabei in ihren Luftschlössern verirren und verlieren.

Die Erde ist der grandioseste Schauplatz im Universum, um handfeste Tatsachen zu schaffen, um Greifbares und Angreifbares vor sich und andere hinzustellen. Sie ist die Werkstatt aller Verwirklichung, denn sie bietet den nötigen Widerstand, um den Stoff, aus dem unsere Träume sind, in unser Leben zu holen, und ihn in leibhaftige Manifestationen zu verwandeln. Dazu müssen wir Künstler sein, die spielerisch, aber bewusst mit dem Himmelsmaterial und den Erdenkräften so umgehen können, dass Stoffliches daraus hervorgeht.

Bei alledem dürfen wir nicht vergessen, dass jede Schöpfung nur etwas Vorläufiges ist, das, wenn die Zeit dafür reif ist, weiter verwandelt werden muss im Fluss von Werden und Vergehen. Himmel und Erde lieben das Erschaffen, von Verwandlung zu Verwandlung, wie Rilke es so treffend ausdrückt: „Jener entwerfende Geist, welcher das Irdische meistert, liebt in dem Schwung der Figur nichts als den wendenden Punkt“11. Niemand zeigt das deutlicher als die sich immerzu wandelnde Natur.

Diese Kraft der Verwandlung wächst auch uns zu, wenn wir uns in der Erde verwurzeln – z.B. indem wir eine energetische „Nabelschnur“, energetische Wurzeln oder sonst ein passendes Bild imaginieren, das einen regen Energieaustausch ermöglicht. Bei allem Kraftzuwachs dürfen wir jedoch nicht vergessen, dass nichts bleibt, wie es ist. Auch die scheinbar festen Dinge sind nicht so fest, wie sie erscheinen. Sie sind als Form nichts anderes als zur Ruhe gekommene Bewegung, wie Rudolf Steiner es ausdrückt. Sie sind erstarrt, aus der Bewegung gefallen und müssen wie alles Geformte wieder zerfallen. Denn nur die formende Kraft ist formlos genug, um im Dienst von Erde und Mensch aus dem Überbewussten heraus Neues formen zu können.12

Das gilt für „unumstößliche“ Tatsachen genauso wie für „unveräußerliche“ Prinzipien, aber auch für alte Werte, „bewährte“ Methoden und Machtspiele. Sind wir bereit dazu, kann all das Überlebte im Handumdrehen verwandelt werden und als das notwendige Neue in Erscheinung treten. Doch dazu müssen wir geerdet sein, müssen in der Erde Halt gefunden haben, anstatt Halt zu suchen bei unseren immer nur vorläufigen Kreationen. Gut geerdet dürfen wir uns einfach der Kräfte bedienen, die uns die Erde im Übermaß Zuströmen lässt, als wären wir spielende Kinder. Dann ist jede Verwandlung, wie für diese, immer JETZT möglich.

Gut geerdet sind wir uns der irdischen Tatsachen gewahr, aber auch der himmlischen Möglichkeiten. Wir sind standfest und doch frei, immer wieder einen neuen Standpunkt einzunehmen, sind geerdet, aber nicht erstarrt. Dann haben wir zwischen Himmel und Erde Heimat gefunden und werden zu Botschaftern, zu Impuls- und Nahrungsträgern vom einen zum anderen: Dann werden wir in Liebe zu beiden „Ländern“ nach besten Kräften Tag für Tag die himmlischen Intuitionen auf Erden zu verwirklichen suchen und Nacht für Nacht, während unserer Reise durch die Sternenwelten, den Engeln die Früchte unserer Entwicklung darbieten. So dienen wir der stetigen Weiterentwicklung in beiden Welten.

Zu Rettern der Erde und des Lebens werden wir, indem wir in unserem wahren Wesen wurzeln, bereit alles Überlebte loszulassen, wie Kinder, die lachend ihre Sandburgen dem heranflutenden Meer überlassen. In der Erde verwurzelt, können wir alles Alte ziehen lassen wie der Herbst den Sommer, wenn der Winter nach Verwandlung ruft.

Worte der Besinnung:

Erdung lässt mich den Himmel auf Erden bringen.

Fehler

Euch nach eurer geringsten Tat zu messen, heißt,

die Kraft des Ozeans nach der Zartheit seines Schaums zu berechnen.

Euch nach euren Misserfolgen zu beurteilen, heißt,

den Jahreszeiten ihre Unbeständigkeit vorzuwerfen.

Ja, ihr seid wie der Ozean,

und obwohl fest verankerte Schiffe an euren Küsten die Flut erwarten,

könnt ihr wie der Ozean doch nicht die Flut schneller herbeiführen.

Und auch wie die Jahreszeiten seid ihr,

und obwohl ihr in eurem Winter euren Frühling leugnet,

ruht doch der Frühling in euch

und lächelt in seiner Benommenheit

und ist nicht gekränkt.31

Khalil Gibran

Fehler sind unvermeidlich, Gott sei Dank. Zunehmend spricht man von einer neuen Fehlerkultur und dem Recht darauf Fehler zu machen. Das ist eine erfreuliche Entwicklung. Denn das Recht Fehler zu machen, ist im Grunde ein Menschenrecht. Von allen Naturwesen kann es sich nur der Mensch leisten Fehler zu machen – und das sein Leben lang.

Die Tiere sind uns in Sachen Perfektion haushoch überlegen, sie verfügen von Natur aus über ausgezeichnete Instinkte, sie wissen von klein auf, was sie zu tun haben, um zu überleben und sich bestmöglich zu entwickeln. Und sie müssen in rasend schnellem Tempo erwachsen werden, verglichen mit den Menschenkindern, die bis in ihre Dreißiger oft noch Zuhause wohnen bleiben und sich versorgen lassen. Wer möchte es ihnen in jungen Jahren nicht manchmal gleichtun und schneller groß werden! Das Privileg, Fehler zu machen, zeichnet uns Menschen zwar aus, wird von uns aber oft nicht als solches erlebt. Denn Fehler sind ungeliebte Entwicklungshelfer, weil sie unser Ego nicht füttern. Sie geben uns aber ausgezeichnete Gelegenheiten, über uns selbst hinauszuwachsen, indem sie ...

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