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Lernen und Lehren in der beruflichen Weiterbildung: selbstorganisiert und digital?

Joanna Burchert, Rasmus Grobe, Lena Setzepfand, Sebastian Schuster, Elina Fläschner

Lernen und Lehren in der beruflichen Weiterbildung: selbstorganisiert und digital?

Fallvignetten zum Lernen „mit und ohne“

Das diesem Bericht zugrundeliegende Vorhaben wurde mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unter dem Förderkennzeichen 21IAWB044A gefördert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt bei den Autor*innen.

Der vorliegende Bericht liegt auch als kostenfreie PDF vor und wurde z.B. auf den Webseiten https://www.pedocs.de/, https://www.lernenneu-denken.de/ und bei ResearchGate publiziert.

INHALT

Einleitung

Fallvignetten-Lesepfade

Die Fallvignetten

Fallvignette 1: Florent - „learning by Erfahrung“

Fallvignette 2: Anne - „Google ist dein Freund“

Fallvignette 3: Ralf – „es hat Spaß gemacht, es war praxisorientiert, super. Ende vom Lied: die sind fast alle durchgefallen“

Fallvignette 4: Ruth - „Wie macht man überhaupt […] Dinge so, dass sie für andere Leute spannend sind und man was dabei lernt?“

Fallvignette 5: Manni – „Ich glaube, das ist wirklich ein geiles Konzept, selber zu machen und sich einen Weg zu legen und sagen: okay, ja, das hat mich ans Ziel geführt“

Fallvignette 6: Hartmut – „Was man sehr schnell gemerkt hat, ist, […] dass es nicht reicht, dass man die Kamera draufhält und einen […] Dozenten filmt“

Fallvignette 7: Monique – „es gibt manchmal auch erstaunlich wenig Phantasie bei Leuten, die in dem Bereich arbeiten, was man damit alles anstellen kann“

Fallvignette 8: Edwin und Eva - „die Motivationslage ist hier die Grundthematik“

Fallvignette 9: Angelika – „die lernen viel selber, aber man muss die schon an die Hand nehmen als Lernbegleiter“

Fallvignette 10: Lisa – „also ich finde Weiterbildung muss, damit sie effektiv wird, die Möglichkeit bieten, dass ich sagen kann: hmm, passt irgendwie zu mir und meinem Alltag, meiner Aufgabe“

Fallvignette 11: Uli – „Inhalte so anbieten, dass Leute da […] selbstbestimmt durchgehen können“

Fallvignette 12: Thilo – „über Interaktion, Machen und Tun“

Fallvignette 13: Bernd - „wenn ich bestimmte Effekte erleben will, dann muss ich [sie] auch lebsam machen“

Fallvignette 14: Thomas – „Also das größte Problem ist, am Ball zu bleiben“

Fallvignette 15: Paul – „die Rolle auch nochmal zu reflektieren, dafür ist die Weiterbildung einfach auch sehr sehr gut“

Fallvignette 16: Tim – „Du bist eigentlich immer daran gewachsen, was du gerade für ne Aufgabe hattest“

Fallvignette 17: Tanja - „Reflexionsimpulse, damit sich die Leute selbst ein gutes System schaffen können“

Fallvignette 18: Konrad – „man kann sich das erst vorstellen, wenn man selber mittendrin war“

Fallvignette 19: Simone – „Die Technologisierung […] widerspricht eigentlich meinem Lernverständnis von Ganzheitlichkeit“

Fallvignette 20: Basil – „Du kannst auch keine digitalen Angebote entwickeln, wenn du nicht selbst so drauf bist“

Methodische Beschreibung der Erstellung der Fallvignetten

Raum für eigene Notizen

Einleitung

Wie lernen Erwachsene für und in ihrem Beruf? Wie hat sich die Praxis der Weiterbildner*innen durch digitale Medien und die Digitalisierung der Arbeitswelt verändert? Was ist in der beruflichen Weiterbildung aus der Idee geworden, selbstorganisiert (oder selbstgesteuert oder selbstsorgend) zu lernen? Das waren zentrale Fragen in unserem Projekt DiEDa - „Entwicklung einer Weiterbildungsdidaktik für selbstorganisierte Lernprozesse mit Fokus auf lernerorientierte Differenzierung und unter sinnvollem Einsatz von digitalen Medien“. Das Projekt wurde von November 2015 bis Dezember 2018 durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Programmes „Innovative Ansätze zukunftsorientierter beruflicher Weiterbildung im Förderbereich Berufliche Weiterbildung“ (InnovatWB) gefördert. Unsere Forschungsgruppe bestand aus wissenschaftlichen und studentischen Mitarbeiter*innen des Institut Technik und Bildung der Universität Bremen (ITB) und der Bildungswerkstatt für nachhaltige Entwicklung (BiWeNa) in Verden.

Menschen lernen durch Lesen, Zuhören, im sozialen Kontakt, über das Fernsehen etc. – neuerdings auch über digitale Medien. Sie lernen intentional über Dinge, die sie interessieren, oder nicht-intentional, quasi „nebenbei“, weil das Lernen Teil ihrer Problemlösepraxis oder ihrer Entwicklungsaufgaben als Erwachsene ist. Für den Kontext formaler Bildungsangebote stellt sich die Frage, wie dieses selbstorganisierte Lernen in eine Didaktik eingebunden werden kann. Im Rahmen des Projektes wollten wir die Konzepte einer berufsbezogenen Weiterbildungsdidaktik selbstorganisierten Lernens fortführen, indem wir

• den Forschungsstand zum beruflichen Lernen Erwachsener mit besonderem Fokus auf die Nutzung digitaler Medien und selbstorganisierte Lernprozesse aufarbeiten;

• den Zusammenhang zwischen Entwicklungsaufgaben, Lernverhalten und Lernwiderständen bei erwachsenen Lernenden untersuchen;

• Erkenntnisse über pädagogische Selbstkonzepte, epistemologische Überzeugungen und die didaktische Praxis Lehrender in Bezug auf selbstorganisierte Lernprozesse und den Einsatz digitaler Medien gewinnen.

Ein Fazit, das wir aus dieser Forschungsarbeit zogen, lautet: einfache Antworten und elaborierte konkrete Konzepte zum Einsatz selbstorganisierten Lernens mit oder ohne digitale Medien gibt es kaum - zumindest nicht im Kontext (beruflicher) Weiterbildung. Es gibt aber pädagogische Leitideen, die sich wie ein roter Faden durch die Erzählungen vieler Weiterbildungs-Teilnehmer*innen, Weiterbildner*innen und Bildungsmanager*innen ziehen. Dazu gehört, dass selbstorganisiertes Lernen durch Freiräume für Interaktion, durch sinnvolle Strukturierungen und ihre Transparenz sowie durch Anregungen zur Reflexion unterstützt werden kann. Formale Weiterbildungen stellen selten den einzigen Zugang zum Lernen dar, sondern sind Teil einer persönlichen Lernumgebung. Die Kursgestaltung wiederum wird maßgeblich geprägt durch das Thema, das Lernziel, die Zielgruppe und die konkreten organisatorischen Bedingungen. Vor diesem Hintergrund wichen wir von der Idee einer übergreifenden didaktischen Modellentwicklung ab und wählten den Ansatz der Fallvignetten, um unsere Forschungserkenntnisse zu publizieren und um zum praktischen Nachdenken über die Gestaltung beruflicher Weiterbildung anzuregen. Unsere Fallvignetten sind ein Versuch, den Arbeits- und/oder Lernkontext, die Argumente und die Praktiken von jeweils einzelnen Weiterbildungs-Teilnehmer*innen, Weiterbildner*innen und Bildungsmanager*innen festzuhalten; sie sind also Zusammenfassungen von Interviews. Ergänzt werden diese Zusammenfassungen um Reflexionen des Forschungsteams zu jenen Facetten des Interviews, die uns am meisten beschäftigt haben. Manchmal – nicht immer – beinhalten solche Reflexionen Anknüpfungspunkte an die methodische oder bildungstheoretische Fachliteratur oder an einzelne Heuristiken wie das SAMR-Modell.

Wir publizieren die Fallvignetten, weil wir hoffen, dass sie

• von Weiterbildenden und Bildungsmanager*innen als Anregung oder auch Bestätigung für das eigene Handeln gelesen werden;

• Inspirationen für Lernende beinhalten;

• Studierenden und Forscher*innen im Bereich der Beruflichen Bildung und der Erwachsenenbildung einen vitalen Einblick in das Lernen und Lehren in der beruflichen Weiterbildung erlauben.

Zudem können die Fallvignetten das Nachvollziehen unserer als Synthese z.B. in Blogbeiträgen, Artikeln 1 und Vorträgen getroffenen Schlussfolgerungen erleichtern und als „reflexive accounts“ einer kritisch-sozialwissenschaftlichen Forschung dienen (Langer 2013) .

Wir laden Sie damit ein, einerseits unseren Blick kennenzulernen, andererseits im Sinne des dialogic turn selbst zu deuten, zu hinterfragen, neue Sichtweisen auf das Lernen und Lehren in der beruflichen Weiterbildung zu entwickeln und gerne auch mit uns in Verbindung zu treten. Schreiben ist Silber, Verlinken ist Gold!

Bremen im Oktober 2018

Joanna Burchert, Rasmus Grobe, Lena Setzepfand, Sebastian Schuster, Elina Fläschner

1 Als Forschungsteam nahmen wir die Fallvignetten als Grundlage für die folgenden Artikel:

Burchert, Joanna; Grobe, Rasmus (2017): Herausforderungen bei der Implementierung digital gestützter beruflicher Weiterbildung. Die Sicht von WeiterbildnerInnen und BildungsmanagerInnen auf Strukturen, kulturelle Praktiken und Agency., Magazin erwachsenenbildung.at. Das Fachmedium für Forschung, Praxis und Diskurs. 30, 2 - 8. https://www.erwachsenenbildung.at/magazin/17-30/meb17-30.pdf

Burchert, Joanna und Grobe, Rasmus (2017). Crossing Boundaries to Enhance Sustainability in Construction. In: Kaiser, Franz & Krugmann, Susan (Eds.). Social Dimension and Participation in Vocational Education and Training. Proceedings of the 2nd Conference „Crossing Boundaries in VET“, p. 105-107. University of Rostock. https://www.ibp.uni-rostock.de/fileadmin/uni-rostock/Alle_PHF/IBP/Sonstiges/VET-Conference_2017/Proceeding_onlineversion_final_01.pdf

Burchert, Joanna, und Michael Burchert (2018): Berufsbezogenes Lernen mit Twitter und YouTube: Social Media als amorpher Raum für Vernetzung und für die Bildung von Lerngemeinschaften». MedienPädagogik 30, (28. Februar), 36– 49. doi:10.21240/mpaed/30/2018.02.28.X. URL: https://www.medienpaed.com/article/view/569

Im Blog lernen-neu-denken.de finden sich weitere Beiträge des Forschungsteams.

Fallvignetten-Lesepfade

Die folgenden Fallvignetten können unabhängig voneinander gelesen werden – sie werden in der Reihenfolge ihrer Erstellung dargestellt.

Den Leser*innen, die sich strukturiert mit den Texten beschäftigen möchten, geben wir im Folgenden einige Lesepfade als Empfehlung auf den Weg. Diese Lesepfade entstanden in einer pädagogischen fuzzy logic, sie schließen alternative Arten des Lesens und Kuratierens keineswegs aus.