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Lennox und der Aufbruch in die Neue Welt: Das Zeitalter des Kometen #8

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Inhaltsverzeichnis

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Lennox und der Aufbruch in die Neue Welt: Das Zeitalter des Kometen #8


von Jo Zybell


Der Umfang dieses Buchs entspricht 123 Taschenbuchseiten.


Eine kosmische Katastrophe hat die Erde heimgesucht. Die Welt ist nicht mehr so, wie sie einmal war. Die Überlebenden müssen um ihre Existenz kämpfen, bizarre Geschöpfe sind durch die Launen der Evolution entstanden oder von den Sternen gekommen und das dunkle Zeitalter hat begonnen.

In dieser finsteren Zukunft bricht Timothy Lennox zu einer Odyssee auf …

Der Sklavenhändler Emroc will Timothy Lennox und Marrela verkaufen, sie sollen getrennt werden. Das wollen beide nicht zulassen, doch sie haben keine Möglichkeit, das zu verhindern. Beide sind gefesselt, und Lennox wird zusätzlich von einer Eisenkugel an seinen Füßen behindert. Seine einzige Hoffnung ist der Kolk, der ihn fast ständig aufmerksam beobachtet. Während Lennox in den Besitz eines Kapitäns kommt, der Amerika neu entdecken will, sperrt man Marrela in einen Käfig, weil niemand eine Wilde kaufen will.


1

Es roch nach Frau.

Fylladschio drückte sich an die holzgetäfelte Wand und schloss die Augen. Tief sog er den süßlichen Duft durch die Nase ein. Roosebüsche und Fisische – so roch es. Als würde er in einem Roosegarten stehen. Oder in einem Fisisch-Hain in den Hügeln seiner Heimatstadt Rooma.

Seine Lenden füllten sich mit heißem Blut. Er knurrte vor Erregung. Die Gestalt Nuelas erschien vor seinem inneren Auge. Ohne ihr schwarzes Gewand. Nichts verhüllte die Reize ihres Körpers in dem Bild, mit dem ihm die Begierde das Hirn füllte.

Er öffnete die Augen und lauschte ins Halbdunkel. Nichts zu hören. Keine Schritte, keine Stimmen. Sollten die Frauengemächer tatsächlich unbewacht sein?


An der Wand entlang tastete er sich tiefer in die Zimmerflucht hinein. Nur zwei Öllampen brannten rechts und links des Ganges auf zwei brusthohen Holzskulpturen – Defiine. Sie trugen die kugelförmigen Lampen auf ihren Schwanzflossen. Fylladschios Blick richtete sich auf den tiefblauen Vorhang hinter der linken Skulptur – der Eingang zum Schlafraum der Hauptfrau seines Kapitaans.

Auf Zehenspitzen schlich er über die Steinfliesen. Seine ledernen Beinkleider spannten im Schritt. Seine harte Männlichkeit scheuerte gegen das Leder. Seine Lenden brannten. Er spürte kaum die Kälte der Fliesen unter seinen nackten Füßen, nahm das Sternenmuster im Blau des Vorhangstoffes nicht wahr – Nuelas Bild überlagerte alle seine Sinne: Ihr schwarzes Haar auf nackten braunen Schultern. Ihr großer, leicht geöffneter Mund. Der verhangene Blick ihrer bernsteinfarbenen Augen. Die schlanken runden Säulen ihrer Schenkel. Ihre Brüste, prall und schwer. Jedenfalls stellte Fylladschio sie sich so vor. Nackt gesehen hatte er sie noch nie.

Er zog den Vorhang beiseite und huschte in Nuelas Schlafraum. Kühl war es in dem großen Zimmer. Der Wind blähte die blauen Vorhänge vor den offenen Fenstern zum Hafen auf. Beiläufig nur registrierte Fylladschio das Rauschen der Brandung und vereinzeltes Möwengeschrei. Sein Blick hing an der Frauengestalt auf dem niedrigen breiten Bett an der Stirnseite des Raumes. Nuela. Sie lag auf der Seite. Eine blaue Wolldecke verhüllte ihren Rücken und ihre Schultern. Ihr schwarzes Haar war wie ein Gewittersturm auf dem blauen Kissen. Sie schlief. Oder sie tat so, als würde sie schlafen.

Fylladschio näherte sich ihrem Lager. Der Duft von Roosebüschen und süßen Fisischen hing über dem Bett wie unsichtbarer Nebel. Kerzen in zwei Lüstern flackerten an der Wand rechts und links des Kopfendes. Neben ihm, in Griffweite der Frau, stand eine gläserne Wasserkaraffe auf einem niedrigen Tischchen. Und eine Bronzeglocke, mit der sie ihre Sklavinnen zu rufen pflegte.

Behutsam streifte Fylladschio die Decke von Nuelas Schulter. Sie war nackt. Eine heiße Flamme schoss aus seinen Lenden hinunter in seine Knie und hinauf in seine Kehle. Weiter zog er die Decke, über ihren Arm, ihre Taille, ihr göttliches Gesäß, ihre Schenkel bis hinab zu ihren Knien. Fylladschios Sinne saugten sich voll mit dem herrlichen Anblick.

Hatten ihn unten vor dem Hintereingang des Frauenhauses noch das Gewissen seinem Kapitaan gegenüber und die beklemmende Vorstellung der Folgen gepeinigt, die sein nächtliches Abenteuer nach sich ziehen könnte – jetzt fühlte er nur noch das Verlangen, sich zu Nuela ins Bett sinken zu lassen.

Hastig schnürte er seine Beinkleider auf und zerrte sich die schwarze Hose vom Leib. Noch immer schlief Nuela. Er schob sich auf sie. Wie feuchter warmer Samt glitt ihre Haut unter ihm dahin – und er nahm sie, ohne ein Wort zu verlieren.

Sie ließ nicht erkennen, ob sie schlief oder ob sie ihn spürte, ob ihr gefiel, was er tat. Sie öffnete nicht einmal die Augen, räkelte sich nur in Fylladschios Armen. Doch irgendwann begann sie zu knurren und zu stöhnen. Und dann bäumte sie sich auf und riss die Arme nach oben.

Wie zufällig wischte sie Glocke und Karaffe vom Tischchen neben dem Bett. Die Karaffe zersprang in tausend Scherben, die Glocke prallte auf die Steinfliesen neben dem Teppich. Nuelas Schrei und das Klirren des Glases vermischte sich mit metallenem Dröhnen.

Fylladschio presste ihr die Hand auf den Mund. Erschrocken hielt er den Atem an. Schritte erklangen draußen auf dem Gang, Nuela biss ihm in die Hand und begann laut um Hilfe zu rufen. Vollkommen konfus schwang sich Fylladschio aus dem Bett und griff nach seinen Beinkleidern. Da wurde der Vorhang schon beiseite gerissen. Drei Männer stürzten in den Raum, Raspun, der hünenhafte schwarze Leibsklave des Kapitaans und zwei bewaffnete Wachen.

„Was hast du hier verloren, Steuermann?“, rief Raspun. Breitbeinig blieb er drei Schritte vor Fylladschio stehen. Weiße Pluderhosen kleideten seine Beine, ein weißer knielanger Mantel seinen tonnenartigen Oberkörper, ein weißes Tuch seinen kahlen Schädel. Der Kerzenschein spiegelte sich in seiner schwarzen Gesichtshaut wider. Sein ausgestreckter Arm war wie ein Speer auf Fylladschio gerichtet.

Der sah, wie Raspuns Blick sich senkte. Hastig bedeckte er sein Glied mit dem Leder der Hose. Hinter ihm im Bett schrie noch immer Nuela. „Er wollte mir Gewalt antun! Er wollte mir Gewalt antun …“ Die Fliesen unter Fylladschios nackten Füßen schwankten, als würde er auf der Brücke der Santanna hinter dem Steuerruder stehen.

„Legt ihn in Ketten!“, befahl Raspun hart.



2

„Ich hasse ihn!“ Die Stimme neben Timothy Lennox stieß böse Worte aus. Flüche, Beschimpfungen, Mordphantasien. Tim hörte das heisere zischende Geflüster und hörte es doch nicht.

Männerstimmen grölten Befehle. Holz knarrte, Metall scheuerte über Metall, Ketten rasselten. Das schwarze Rechteck in der Mauer bewegte sich, löste sich aus schroffen, nur oberflächlich behauenen Steinblöcken. Das Rasseln der Ketten, die es festhielten, steigerte sich zu einem ohrenbetäubenden Getöse. Auch das hörte Tim wie von fern.

„Ich hasse ihn! Hätte ich mein Schwert, wäre ich frei!“

Das schwarze Rechteck aus geteerten Holzbalken senkte sich auf den Wassergraben vor der Mauer. Schneller, immer schneller. Krachend schlug es am diesseitigen Ufer des Grabens auf. Das rasselnde Getöse verstumme.

„Hinein in die Stadt!“, brüllte der oberste Sklaventreiber.

Peitschen knallten, Andronenbeine trampelten, die schwarzen Körper der Riesenameisen glitten rechts und links an Tim vorbei. Die Andronenreiter schwangen ihre Peitschen, und der Sklavenzug setzte sich in Bewegung. Willenlos wie ein Stück Vieh trottete Tim der schwarzen Brücke entgegen, und neben ihm zischte Marrela refrainartig ihr böses „Ich hasse ihn!“

Der Mann, von dem sie sprach, betrat eben die Zugbrücke über dem Graben. Oder nein – er betrat sie gar nicht: Die vier Leibsklaven, die seine Sänfte trugen, betraten sie. Er selbst schaukelte zwischen deren Schultern. Ein unförmiger Kahlkopf – wie eine Qualle waberte sein Fleisch im fellbespannten Sessel der Sänfte hin und her: Emroc, der Meister der Sklaven.

„Heil und Frieden eurer Stadt“, schrillte die Fistelstimme des Eunuchen. „Wohlstand und Glück für Plymeth, der Mutter der Seefahrer!“, rief er den Wächtern auf den Türmen zu. „Das große Haus am Hafen – hat der Rat es für mich reservieren lassen?“ Die Soldaten auf den Wachtürmen verbeugten sich und nickten.

„Ich möchte mein Schwert in seine Fettschwarten versenken“, zischte Marrela.

„Du hast kein Schwert.“ Tim schleppte sich an ihrer Seite über die Zugbrücke. Hohl klang das Getrampel des Sklavenzuges auf den geteerten Holzbohlen.

„Ich will ihn erwürgen.“ Marrela schien überhaupt nicht zuzuhören. Ihre Kaumuskeln pulsierten; aus schmalen Lidern fixierte sie den Fettsack in der Sänfte, den Mann, der ihnen das wichtigste Gut geraubt hatte, das sie – abgesehen von ihrem Leben – besaßen: Ihre Freiheit.

„Erwürgen?“ Tim stieß ein bitteres Lachen aus. „Deine Hände sind in Ketten gebunden. Wie willst du ihn erwürgen?“

Nicht nur zwischen ihren Handgelenken hingen schwere Ketten – auch zwischen ihren Knöcheln. Rasselnd scheuerten sie über die Zugbrücke. Nur sie beide hatte Emroc in Ketten legen lassen – die Einzigen, die den Ausbruchsversuch während des langen Weges entlang der Küste überlebt hatten. Alle Leidensgefährten, die mit Tim und Marrela die Flucht gewagt hatten, waren tot – Arzak, Nerk, Grath und die Taratzen.

Die erste Zweierreihe der Sklaven erreichte das Stadttor. Soldaten mit braunen Helmen und Harnischen aus Leder und mit langen Spießen tauchten rechts und links des Tores auf – Wächter. Sie höhnten laut.

„Willkommen unter Menschen, Sklavengesindel!“, rief einer. Und ein anderer: „Am Fleischmarkt unten warten sie schon auf euch!“ Einer schlug die flache Seite seines Spießes auf das Gesäß eines Sklaven, andere zogen die Gefangenen an den Haaren oder fassten den Frauen an die Brüste.

Ein Tier bin geworden! Tim knirschte mit den Zähnen. Ein Tier in Ketten und der Willkür irgendwelcher Idioten ausgeliefert!

Ausgebrannt war er. Ausgebrannt und ohne Hoffnung. Abscheuliche vier Wochen lagen hinter ihm und der Barbarin: Die Gefangennahme durch die Rojaals zunächst, dann der Kampf um die nackte Existenz im Tal des Todes, der Verkauf an den fetten Emroc, die Schläge und Demütigungen seiner Schergen, der Fluchtversuch, und bald darauf die Auseinandersetzungen mit dem irren Mörder Crane. Die Fischmenschen hatten Tim und Marrela gerettet, jenes geheimnisvolle unterseeische Volk, das sich seit Urzeiten vor den Menschen verbarg. Gern hätte Tim mehr über sie erfahren, doch dann war ihr Begleiter Lotraque von Emrocs Wächtern getötet und er selbst wieder in den Sklavenzug eingegliedert worden.

Dreißig Sklaven waren im Lager der Rojaals aufgebrochen. Weniger als zwanzig schleppten sich jetzt nach Plymeth hinein, einem ungewissen Schicksal entgegen.

Tim konnte nicht einmal mehr Wut und Trauer empfinden. Ein schwarzes Loch gähnte dort, wo sich früher Gefühle in seiner Brust geregt hatten. Anders Marrela – ständig stieß sie Flüche gegen Emroc aus. Meist fiel sie dabei in den harten Akzent ihrer Heimatsprache, und Tim verstand kein Wort. Doch manchmal wollte sie, dass er verstand – dann benutzte sie die Sprache der Wandernden Völker. Englische Worte vermied sie. Auch die Sklaventreiber und die Soldaten am Stadttor sprachen Englisch. Ein rudimentäres und verballhorntes zwar, aber Tim konnte es gut verstehen. Schließlich befanden sie sich in Britana.

Sie erreichten das Ende der Zugbrücke und wankten durch das Gemäuer des Stadttores. „Was haben wir denn da für ein leckeres Weibchen“, grölte einer der Torwächter. Behaarte Männerarme streckten sich nach Marrela aus, Hände griffen in ihr verfilztes Haar, unter das Kinn, an ihre Brüste. Bärtige Gesichter drängten sich an sie heran, feixende Gesichter.

„Pfoten weg!“, schrie Marrela, doch ihr Zornesausbruch machte den Soldaten nur Spaß. Einer lupfte das Fell von ihren Beinen und versuchte ihr zwischen die Schenkel zu fassen. Marrela spuckte ihn an. „Schleimiger Wisaau-Rüssel!“, brüllte sie, außer sich vor Wut.

Der Soldat wich zurück, wischte sich den Speichel aus dem Gesicht und musterte sie böse. „Stolzes Sklavenpack sollte nicht am Leben bleiben“, knurrte er. Er zog sein Kurzschwert und holte aus.

Von einem Augenblick auf den anderen war Tim hellwach. Noch ehe der Wächter zuschlug, stand er vor Marrela und riss die Arme hoch. Die kurze breite Klinge fuhr in die Kette zwischen seinen Handgelenken.

„Weg von meinen Sklaven!“, keifte die hohe Stimme Emrocs von der Spitze der Kolonne. „Weg von meinem Eigentum!“ Im selben Moment stapften zwei Andronen heran.

„Lasst sie!“ Die beiden Reiter drohten mit ihren Peitschen. „Sie gehören Emroc! Wenn ihr die Frau wollt, kommt auf den Markt und kauft sie. Falls ihr sie bezahlen könnt!“

Keiner der Soldaten sprach ein Wort, keiner wich auch nur einen Schritt zurück. Hinter Tims Brustbein trommelte der Paukenschlag seines Herzens. Die Spannung hing wie eine unsichtbare Gewitterwolke in der Luft. Er spürte Marrelas Atem im Nacken und die Wärme ihres Körpers an seinem Rücken.

„Verfluchte Dreckssklaven!“ Der Soldat steckte sein Kurzschwert zurück in die Scheide. „Dankt Wudan, dass ihr Emroc gehört und nicht irgendeinem dahergelaufenen Fleischhändler. Sonst würde ich euch jetzt aufschlitzen wie schlachtreife Wakudas.“ Mit einer Kopfbewegung bedeutete er den anderen Wächtern, zurückzutreten.

„Vorwärts!“, bellte der fette Eunuch aus seiner Sänfte. Der Sklavenzug setzte sich wieder in Bewegung.

„Wir sehen uns auf dem Frauenmarkt!“, rief der Soldat Marrela hinterher. „Yea! Wir sehen uns auf dem Frauenmarkt!“ Er riss ein paar dreckige Zoten, die im Hohngelächter der anderen Wächter untergingen.

Frauenmarkt! Das Wort bohrte sich in Tims Hirnwindungen. Er verstand nicht, was damit gemeint sein könnte. Wollte es nicht verstehen!

Die Ketten zwischen ihren Knöcheln rasselten über schwarzes Kopfsteinpflaster. Fachwerkfassaden zogen links und rechts der Straße vorbei. Schmale Vorbauten mit Giebeldächern ragten daraus hervor und Ziegelsteinquader, aus denen hohe Kamine wuchsen. Entweder hatten die Menschen der Hafenstadt den Tudor-Baustil kopiert, oder es waren instandgesetzte Häuser aus den Zeiten vor „Alexander-Jonathan“.

„Gottverdammter Komet“, murmelte Tim.

„Wir werden uns nicht verschachern lassen wie Frekkeuscher!“, flüsterte Marrela und drängte sich an ihn heran. „Wir werden fliehen und Emroc töten!“ Sie sprach eindringlich, als müsste sie Geister beschwören.

„Wie denn? Nichts ist uns geblieben – kein Schwert, keine Pistole, nicht mal ein Messer. Womit willst du kämpfen?“

Ein Platz öffnete sich, gesäumt von großen Häusern mit Bogenfenstern und Säulen unter den Vordächern der Eingänge. Menschen hingen in den Fenstern oder strömten aus den Türen, Finger zeigten auf sie. Gelächter und spöttische Stimmen erklangen von allen Seiten.

„Wir können noch atmen“, zischte Marrela. „Wir haben noch unser Leben.“ Ihre Lider verengten sich zu Schlitzen. Trotzig schob sich ihr Kinn nach vorn.

Gott, wie schön sie ist, dachte Tim, und doppelt schön, wenn der Zorn in ihr brodelt. Er sah ein Denkmal am Rande des Platzes. Frauenmarkt … wir sehen uns auf dem Frauenmarkt!

Der Sklavenzug passierte das Denkmal. Die Menschen beiderseits der Straße tuschelten und feixten. Ein kleiner Junge zielte mit einer Steinschleuder auf den Mann, der vor Tim über das Kopfsteinpflaster stolperte. Der schrie auf, als der Stein ihn am Kopf traf, und presste seine Hand auf die Wunde. Blut sickerte in sein langes quastiges Schwarzhaar.

Vor dem Denkmal blieb Tim stehen. Es war die schwarze Skulptur eines Mannes in stolzer Siegerpose – Lederwams, Schärpe und Offiziersdegen im Waffengurt. Das kann nicht von ihnen stammen, dachte Tim, das ist aus der Zeit vor Alexander-Jonathan.

Und dann las er den Namen auf dem Marmorsockel des Denkmals: Sir Francis Drake. Der Mann, der vor fast tausend Jahren von hier aus in See stach, um die Welt zu umsegeln. Der Mann, der die spanische Armada versenkte!

Ein Peitschenhieb riss Tim zurück in die Gegenwart. Der Schmerz brannte auf seinem Rücken. Keinen Ton gab er von sich, wankte einfach weiter.

„He! Seht euch den Gelbhaarigen an!“, rief jemand aus der Menge. Ein feixendes Gesicht schob sich an ihn heran, packte seinen Ärmel und sagte: „Was für einen grünen Anzug trägst du da, Sklave?“ Hände zerrten an der Replik seiner Uniform, die man ihm in der Community London geschenkt hatte. „Viel zu schade für einen wie dich.“

Der Schatten einer Androne fiel auf die Menge. „Zurück! Verdammt, zurück mit euch! Keiner rührt Emrocs Eigentum an!“

Es war ein Spießrutenlaufen, durch breite Straßen, über Plätze und durch Gassen. Mit stolz erhobenem Haupt lief Marrela an der Menge vorbei. Tim bewunderte sie. Ihn selbst überschwemmte die Bitterkeit. Timothy Lennox aus Riverside, Kalifornien, Bürger der Vereinigten Staaten, Absolvent der United States Air Force Academy in Colorado, Commander der US Air Force – wie tief bist du gesunken?

Bald lösten Holzbaracken die Häuserfronten ab. Dazwischen hüttenartige Verschläge aus rostigen umgestürzten Schiffskörpern. Dahinter ein breiter Streifen, der mit schwarzem Kopfstein gepflastert war. Er grenzte ans Meer. Piere, aus dunklem Stein gemauert, zogen sich ins Wasser. Tim sah Segel und Schornsteine von Schiffen. Der Hafen.

Dutzende mit Waren beladene Frekkeuscher schaukelten an ihnen vorbei. Auch viele Wakudagespanne zogen mit Frachtgut beladene Karren von den Anlegestellen weg in die Stadt hinein.

Hier kennen sie Dampfmaschinen, dachte Tim, h

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