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Legenden des Wilden Westens 2: Der Outlaw

Pete Hackett

Legenden des Wilden Westens 2: Der Outlaw

Ein Cassiopeiapress Western Roman nach historischen Tatsachen





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Legenden des Wilden Westens 2

Der Outlaw

Western von Pete Hackett

 

Ein Western-Roman um Ned Christie (1852-1892)

 

 

Ein CassiopeiaPress E-Book

© by Author

© der Digitalausgabe 2014 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

www.postmaster@alfredbekker.de

 

 

 

Es waren drei Männer, die an dem schmalen Creek kampierten. Ein Lagerfeuer brannte. Licht und Schatten wechselten. Lichtreflexe zuckten über die Büsche am Flussufer und über das Wasser hinweg.

Bei den drei Männern handelte es sich um US-Deputy-Marshals aus Fort Smith. Sie waren auf Verbrecherjagd im Oklahoma-Territorium unterwegs. Keiner ahnte in dieser Minute, dass nach einem von ihnen der Tod bereits die knöcherne Klaue ausstreckte.

Sie waren mit einem Fuhrwerk unterwegs, einem so genannten Tumbleweed-Wagen, einem rollenden Gefängnis also. Vier Männer waren in dem Fuhrwerk angekettet.

Der Wind säuselte leise in den Büschen und Kronen der alten Pappeln am Flussufer. Grillen zirpten. Das Murmeln des Creeks vermischte sich mit diesen Geräuschen. Die Pferde ruhten in einem kleinen Seilcorral. Es waren zwei Maulesel, die das Fuhrwerk zogen, und drei Reittiere.

Der Feuerschein legte dunkle Schatten in die Gesichter der Männer. An diesem Tag hatten sie in Tahlequah einen jungen Cherokee verhaftet. Einen angeblichen Pferdedieb. Es war zu einer Auseinandersetzung mit anderen Cherokees gekommen. Ein Mitglied des Cherokee Nationalrates hatte sich sogar eingemischt. Die Marshals hatten sich durchgesetzt und den jungen Indianer festgenommen.

James Brown, einer der Marshals, warf ein paar Aststücke in die Flammen. Es knisterte und knackte, die Flammen loderten höher. Brown sagte: »Es war vielleicht nicht gut, dass du diesen Christie derart beleidigt hast, Dan. Er ist Abgeordneter und vertritt die Cherokee im Senat. Hast du gesehen, wie gehässig er dich gemustert hat, nachdem du ihn eine dreckige Rothaut nanntest?«

»Er ist eine dreckige Rothaut«, erwiderte Dan Maples. »Selbst wenn man ihn zum Präsidenten der Vereinigten Staaten wählen würde, bliebe er eine dreckige Rothaut. Nein, es ist mir nicht entgangen. In seinem Blick lag ein tödliches Versprechen. Aber ich fürchte mich nicht. Außerdem wird ihn mein Stern davon abhalten, auf mich loszugehen.«

»Er hat geschworen, dass du für die Beleidigung büßen wirst. Und er vermittelte nicht den Anschein, ein Mann leerer Worte zu sein. Ich würde mich an deiner Stelle vorsehen. Nimm diesen Christie auf keinen Fall auf die leichte Schulter.«

»Du solltest seine Äußerung nicht überbewerten«, mischte sich John Parris, der dritte der Deputies, ein. »Die Cherokees sind keine Wilden, sie sind im Gegenteil ausgesprochen zivilisiert, verwalten sich selbst und...«

Seine weiteren Worte gingen unter im Peitschen eines Schusses. Dan Maples griff sich an die Brust, seine Augen weiteten sich, seine Lippen sprangen auseinander, aber der Schrei, der sich in ihm hoch kämpfte, erstickte im Ansatz.

Maples fiel nach hinten und lag still.

John Parris und James Brown saßen da wie gelähmt. Die Detonation war verklungen. Die Pferde im Corral hatten sich erhoben. Schnauben und Stampfen gesellte sich den anderen Geräuschen hinzu. Dann schüttelte zuerst Parris seine Erstarrung ab und sprang auf. Im nächsten Moment schnellte auch Brown auf die Beine. Brown trat das Feuer aus, sie zogen ihre Revolver.

»Der Schuss kam von der anderen Seite des Flusses!«, presste Parris hervor.

Sie schlichen geduckt zum Ufersaum, lauschten und witterten über den Fluss, dann setzte sich Parris in Bewegung. »Gib mir gegebenenfalls Feuerschutz«, forderte er.

In der Flussmitte rann ihm das Wasser in die Stiefel. Unbeirrt ging er weiter. Drüben war nichts zu hören. Anspannung erfüllte den Deputy und brachte seine Nerven zum Schwingen. Seine Kehle war trocken, er verspürte einen seltsamen Druck in der Magengegend.

Das Wasser platschte unter seinen Schritten. Ein Stein löste sich aus dem Untergrund, kippte, und der Deputy strauchelte. Seine Hand umkrampfte den Knauf des Sechsschüssers. Drüben war nichts zu hören. Der Deputy erreichte das andere Ufer und glitt in den Schutz eines einzeln stehenden Strauches.

Dann sah er einen Schemen, riss die Hand mit dem Revolver hoch und jagte eine Serie von Schüssen in die Dunkelheit hinein. Der Schemen jedoch verschwand lautlos wie ein Schatten in der Nacht. Und wenig später vernahm Parris Hufschläge. Deutlich drang das Geräusch an sein Gehör. Er entspannte sich. Schließlich versank das Getrappel in der Stille. Der Mörder war geflohen.

Parris kehrte über den Fluss zurück. Gleich darauf beugten er und Brown sich über ihren Kameraden. Die Kugel hatte Maples mitten ins Herz getroffen und ihn auf der Stelle getötet.

»Das war Ned Christie«, sagte Parris im Brustton der Überzeugung. »Nur er hatte ein Motiv. Wir holen uns den Schuft.«

Sie sattelten ihre Pferde. Einer der Gefangenen rief: »He, was ist, wenn ihr auch umgelegt werdet? Dann gehen wir hier elend vor die Hunde.«

»Dann habt ihr Pech gehabt«, versetzte Brown ungerührt.

Sie schwangen sich auf die Pferde und ritten davon. Der Himmel war wolkenbedeckt und ließ kein Mond- und Sternenlicht durch. Fledermäuse zogen lautlose Bahnen durch die Finsternis auf der Suche nach Beute. Die Hufe pochten, die Gebissketten klirrten, die Pferde schnaubten und prusteten.

Bis Tahlequah waren es drei Meilen. In der Nähe der Stadt, am Rand eines Canyons, hatte Ned Christie sein Haus errichtet. Er lebte dort mit seiner Frau Nancy und seinen beiden Kindern, und er hatte auch seine Eltern in dem soliden Holzhaus aufgenommen.

Nach einer halben Stunde erreichten die Marshals die Stadt. Es war keine Stadt im herkömmlichen Sinne. Die Cherokees hatten sie aufgebaut und ihren Bedürfnissen angepasst. Es gab kein Hotel und keinen Saloon und auch keinen Mietstall.

In einigen Häusern brannte Licht. Es fiel aus den Fenstern und streute auf die Straße. Die Häuser waren aus Holz, Feldsteinen und Lehm errichtet. Tahlequah erinnerte eher an ein mexikanisches Dorf als an eine Stadt auf dem Gebiet Amerikas.

Die Stadt war ruhig. Als die beiden Deputies zwischen die ersten Häuser ritten, begann ein Hund zu bellen. Ein anderer stimmte ein. Sie ritten zwischen der Ansammlung von Hütten und Schuppen hindurch. Es roch nach Tierkot und Urin. Brown und Parris ließen das Dorf hinter sich zurück und folgten dem von Hufen aufgewühlten Weg in die Richtung des Rabbit Trap Canyon.

Die Hütte Ned Christies lag in Dunkelheit. Im Corral ruhten vier Pferde. Es gab einige weitere Schuppen und Ställe. Die Marshals saßen ab und nahmen ihre Gewehre, riegelten Patronen in die Kammern und setzten ihren Weg zu Fuß fort.

Sie erreichten die Tür. Vor den Fenstern lagen die Blendläden. Die Menschen hier schliefen. Brown pochte mit dem Gewehrkolben gegen die Tür. Es dauerte kurze Zeit, dann wurde einer der Blendläden aufgestoßen. Er knarrte in den Angeln. »Was ist? Wer ist da?«

»Aufmachen!«, gebot Brown.

»Wer seid ihr?«

»Die Deputy Marshals Brown und Parris. Ist Ned Christie da?«

»Nein.«

»Wo ist er?«

»Er wollte auf die Jagd gehen und morgen zurückkehren. Was wollt ihr von ihm?«

»Mit wem spreche ich?«, fragte Brown.

»Ich bin Neds Vater. Was wollte ihr von meinem Sohn?«

»Er ist ein gemeiner Mörder.«

Ein abgerissener Ton kam von Ned Christies Vater. Dann fragte der Cherokee: »Wen soll er ermordet haben?«

»Deputy Marshal Dan Maples. Christie wird dafür hängen.«

»Mein Sohn ist kein Mörder. Ist das der Gesetzesmann, der ihn übel beleidigt hat?«

»Ja!«, fauchte Parris. »Dem Ihr Sohn Vergeltung geschworen hat.«

»Habt ihr meinen Sohn gesehen, als er diesen Marples erschoss?«

»Ja«, stieß John Parris zwischen den Zähnen hervor. »Außerdem kann nur er es gewesen sein. Jetzt machen Sie auf, und zünden Sie eine Laterne an. Wir wollen uns mit eigenen Augen überzeugen, dass Ned Christie nicht im Haus ist.«

Wenig später wurde die Tür geöffnet. Lichtschein huschte ins Freie und umriss scharf die Gestalt Jack Christies, des Vaters von Ned. Die Lampe schaukelte am Drahtbügel, leises quietschen war zu vernehmen.

Auch in der Küche war eine Laterne angezündet worden. Hier hatte sich die Familie versammelt. Ängstlich blickten die beiden Frauen und die beiden Jungen den Deputies entgegen. Brown nahm Jack Christie die Lampe ab und ging in den angrenzenden Raum. Dann durchsuchten sie die beiden anderen Räume und schließlich auch die Schuppen, die Scheune und den Stall.

»Er hat das Weite gesucht«, knurrte Parris. »Aber wir kriegen ihn. Niemand ermordet ungestraft einen US-Deputy-Marshal.«

Es klang wie eine tödliche Prophezeiung.

Die Menschen im Raum duckten sich wie unter Peitschenhieben.

 

*

 

Ned Christie jagte in der Nähe von Fort Gibson. Er war ein großer, hagerer Mann, um die eins neunzig, mit mongoliden Gesichtszügen und langen, schwarzen Haaren, die ihm über Rücken und Schultern fielen. Als der Morgen graute, schälte er sich aus seiner Decke. Sein Pferd hatte er ein Stück abseits an einem Busch festgebunden und zusätzlich gehobbelt, damit es keine großen Schritte machen konnte, falls es sich - von einem Puma oder von Wölfen erschreckt - losriss und zu fliehen versuchte. Den Sattel hatte der Cherokee als Kopfkissen benutzt.

Ein schmaler Creek floss vorbei. Ned Christie fuhr sich mit den gespreizten Fingern durch die langen Haare, dann ging er steifbeinig zum Creek und wusch sich die letzte Müdigkeit aus dem Gesicht.

Er trug selbst gefertigte Rehlederkleidung. Seine Jacke war an den Ärmeln und über der Brust sowie auf dem Rücken mit Fransen besetzt. Über die Füße hatte er sich kniehohe Mokassins gezogen. Nachdem seine Muskeln durchblutet waren, mutete jede seiner Bewegungen geschmeidig und raubtierhaft an. Er sattelte das Pferd. Dann löste er die Fußfesseln des Tieres und leinte es los, ließ das Pferd saufen, dann saß er auf.

Im Osten hatte sich der Himmel schwefelgelb verfärbt. Der Tag zog herauf. Es war Mai. Die Nächte waren noch kühl, aber die Tage waren schon sehr warm.

Ned Christie verließ den Fluss. Er ritt am Rand eines Waldes entlang. Zwischen den Bäumen war es noch finster. Die Hufschläge wurden vom Gras geschluckt. Nur hin und wieder war ein Pochen zu vernehmen. Die Natur begann zum Leben zu erwachen, die ersten Vögel begannen zu pfeifen. Dann griffen die wärmenden Sonnenstrahlen nach dem Land. Die Dunkelheit im Wald lichtete sich. Die dichten Kronen filterten das Licht, die Lichtbahnen, die durchdrangen, malten goldene Kringel auf den Teppich aus abgestorbenen Nadeln.

Dann sah Ned Christie ein ganzes Stück vor sich die äsenden Antilopen nur wenige Schritte vom Waldrand entfernt. Er hielt an. Die Tiere hatten seine und die Witterung des Pferdes noch nicht aufgenommen. Der Wind kam ihnen entgegen. Christie griff nach der Winchester und zog sie vorsichtig aus dem Scabbard, repetierte, hob das Gewehr an die Schulter und zielte sorgfältig.

Er war ein hervorragender Schütze. Mit dem Peitschen seines Schusses brach eine der Antilopen zusammen. Die anderen warfen sich herum und flohen wie von Furien gehetzt in den Wald.

Christie stieß die Winchester in den Scabbard, ritt zu dem toten Tier hin und stieg vom Pferd. Er schlang den langen Hügel um den tief hängenden Ast einer Fichte, dann holte er sein Messer aus der Satteltasche und begann, die Antilope auszuweiden. Schließlich legte er das Wild quer über den Widerrist seines Pferdes, löste den Zügel vom Ast und schwang sich in den Sattel.

Er ritt nach Nordosten und folgte den Windungen zwischen den Hügeln. Die Hänge waren meistens bewaldet. Hier und dort erhob sich ein Felsen. An den Waldrändern wuchs Unterholz.

Die Sonne war über den Horizont geklettert und leckte den Tau von den Gräsern. Die Wälder schienen zu dampfen. Das Gras war hüfthoch. Kleine Stechmücken begannen den Mann und das Pferd zu piesacken. Der Himmel im Westen war bewölkt.

Ned Christie ritt zwei Stunden, dann lag Tahlequah vor ihm. In den Pferchen außerhalb des Dorfes weideten Pferde, Kühe, Schafe und Ziegen, es gab auch einige Schweinekoben. Auf den staubigen Straßen bewegten sich Menschen. In der Ortsmitte gab es einen Brunnen. Kinder spielten am Fahrbahnrand, Hunde dösten in den Schatten. Verworrene Geräusche erfüllten die friedliche Atmosphäre.

Es war um die Mitte des Vormittags. Ned Christie ritt zwischen die ersten Hütten und Schuppen. Unter Sonnendächern, die auf krummen Stangen ruhten und aus Zweigwerk geflochten waren, saßen alte Indianer und rauchten oder vertrieben sich die Zeit mit würfeln. Hammerschläge erklangen. Irgendwo hinter den Häusern kreischte eine Säge.

Einer der älteren Männer erhob sich und kam in die Fahrbahn, in deren Mitte Ned Christie ritt. Der Reiter zügelte das Pferd und bannte es mit hartem Schenkeldruck auf der Stelle. Der ältere Mann griff nach dem Kopfgeschirr und hielt das Tier zusätzlich fest. »Gestern Abend wurde einer der Deputies erschossen, Ned«, sagte der Mann. »Es ist jener, der dich als dreckige Rothaut beschimpft hat. Er wurde aus dem Hinterhalt erschossen. Seine beiden Kollegen denken, dass du es warst.«

Christies Miene verschloss sich. »Ich war in der Nähe des Forts auf der Jagd, hatte allerdings erst heute Morgen Glück, als ich auf einige Antilopen traf. Wo sind die Marshals jetzt?«

»Sie haben den Ort verlassen. Aber Sie haben versprochen, wiederzukommen. Wie wollen dich für den Mord hängen sehen.«

»Ich habe keinen Mord begangen.«

Mit dem letzten Wort trieb Ned Christie sein Pferd an. Die Hand des Mannes löste sich vom Zaumzeug. Christie ritt weiter. Nach einer guten Viertelstunde erreichte er sein Haus am Rand des Rabbit Trap Canyon. Sein Vater saß auf der Bank neben der Tür. Von Nancy und seiner Mutter war nichts zu sehen. Aus dem Schornstein stieg Rauch. Auch von den beiden Jungs sah Ned Christie nichts.

Christie hatte angehalten. Misstrauisch ließ er seinen Blick schweifen. Gleich hinter dem Haus fiel die Felswand steil ab. Es handelte sich um eine große Blockhütte, die sechs Leuten Platz bot.

Ned Christie bewirtschaftete einige Felder und Äcker. Er besaß einige Stück Vieh, die Fleisch und Milch lieferten, im Hof pickten Hühner auf der Suche nach etwas Fressbarem in den Staub. Überschüssiges Gemüse und Korn verkaufte Christie an das Fort. Als Abgeordneter bezog er ein Gehalt. Nebenbei arbeitete er als Schmied und Büchsenmacher, ein Handwerk, das er von der Pike auf erlernt hatte. Es ging der Familie nicht schlecht.

Da war nichts, was Christies Misstrauen erregt hätte. Er ritt weiter und parierte das Pferd erst wieder im Hof der Farm. Dort saß er ab. Aufgewirbelter Staub senkte sich auf den Boden zurück.

Ned Christie nahm die ausgeweidete Antilope vom Pferd und legte sie sich über die Schulter. »Ich bin zurück, Vater, und habe uns einen Braten mitgebracht.«

Jack Christie hatte sich erhoben. Die Arme vor der Brust verschränkt schlenderte er näher. »Schlechte Nachricht, Sohn. Dan Maples wurde erschossen. Seine Kollegen verdächtigen dich.« Prüfend musterte der alte Indianer seinen Sohn. Ned Christie hatte das Gefühl, der Blick seines Vaters drang in sein Bewusstsein ein und analysierte seine Gedanken. Er winkte ab und sagte: »Ich war es nicht. Als dieser Marshal getötet wurde, befand ich mich in der Nähe von Fort Gibson. Dort gibt es gute Jagdgründe. Du glaubst mir doch, Vater?«

»Die Marshals werden wieder kommen.«

»Sie müssen mir den Mord beweisen.«

»Die Indizien sprechen gegen dich. Du hattest ein Motiv. Maples hat deinen Stolz verletzt, dich in deiner Ehre gekränkt. Er hat dir Schmach zugefügt.«

»Wir sind zivilisierte Menschen, Vater. Wegen einer Beleidigung würde ich niemals einen Mann aus dem Hinterhalt erschießen. Die Marshals sollen ruhig kommen. Sie haben nichts, um mich zu verhaften.«

»Du bist Indianer«, murmelte Jack Christie. »Für Leute wie uns gelten andere Gesetze. Außerdem hat einer der Marshals behauptet, dich gesehen zu haben. Sein Name ist John Parris. Er sagt, er hat dich ganz deutlich am anderen Ufer des Flusses erkannt und auf dich geschossen.«

»Wenn er das sagt, dann lügt er.«

»Kannst du beweisen, dass du in der Nähe des Forts warst?«

»Nein. Mein Wort muss genügen.«

Jack Christie trat vor seinen Sohn hin und legte ihm die rechte Hand auf die hagere Schulter. »Dein Wort steht gegen das dieses John Parris. Du hattest ein Motiv, Maples zu töten. Wem, denkst du, wird man glauben?«

»Was soll ich denn tun?«

»Ich kann dir auch nicht raten, Sohn.«

»Ich reite nach Fort Smith und stelle mich Richter Parker.«

»Dann lässt er dich hängen. Das ist die Strafe auf Mord. Wenn Parris bei seiner Aussage bleibt, hat Parker gar keine andere Möglichkeit, als dich zum Tod zu verurteilen.«

Aus dem Haus kam Nancy. An einem der Fenster zeigte sich der ältere Sohn Ned Christies. Er war zwölf. Ned Christie atmete tief durch. In seinem Gesicht arbeitete es. Seine Augen blickten grüblerisch. Nur nach und nach kam das Begreifen, was es für ihn bedeutete, des Mordes an einem US-Deputy-Marshal beschuldigt zu sein. Er war vogelfrei, ein Geächteter, einer, auf den bald jeder Gesetzeshüter und jeder Kopfgeldjäger Jagd machen und ihn abschießen durfte.

Christie schluckte trocken. In seinen Mundwinkeln zuckte es. Unbehaglich griff er sich an den Hals. Plötzlich aber setzte er sich in Bewegung. Er schritt zum Haus hinüber und blieb vor seiner Frau stehen. »Ich habe den Marshal nicht getötet, Nancy.« Er ging an ihr vorbei und verschwand im Haus.

Nancy machte kehrt und folgte ihm. Sie war eine Frau von ungefähr dreißig Jahren, schlank, mittelgroß, und ziemlich hübsch. Ihre langen Haare waren blauschwarz, ihre Augen dunkel wie die Augen eines Rehs. Jetzt prägten Kummer und Sorge ihr hübsches Gesicht, auf dem Grund ihrer Augen wob die Angst vor der Zukunft.

In der Küche stand Ned Christies Mutter beim Herd und schälte Kartoffeln. Sie wandte sich ihrem Sohn zu und musterte ihn wortlos. Ned Christie legte die Antilope auf den Tisch, dann drehte er sich zu Nancy herum und sagte: »Vater ist zwar dagegen, aber ich reite nach Fort Smith und spreche mit dem Richter. Er muss mir glauben. Ich habe Marples nicht getötet.«

»Wenn du nach Fort Smith reitest, werden wir dich nicht mehr sehen«, versetzte Nancy leise. Sie hatte den Blick gesenkt.

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