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Lebkuchenküsse

Inhalt

  1. Über das Buch
  2. Über die Autorin
  3. Titel
  4. Impressum
  5. Prolog
  6. 1. Kapitel
  7. 2. Kapitel
  8. 3. Kapitel
  9. 4. Kapitel
  10. 5. Kapitel
  11. 6. Kapitel
  12. 7. Kapitel
  13. 8. Kapitel
  14. 9. Kapitel
  15. 10. Kapitel
  16. 11. Kapitel
  17. 12. Kapitel
  18. 13. Kapitel
  19. 14. Kapitel
  20. 15. Kapitel
  21. 16. Kapitel
  22. 17. Kapitel
  23. Nachwort und Danksagung
  24. Rezepte

Über dieses Buch

Seit Laura von ihrem Verlobten quasi unter dem Weihnachtsbaum sitzengelassen wurde, ist sie eine überzeugte Weihnachtshasserin. Um dem ganzen gefühlsduseligen Trubel zu entgehen, fährt sie deswegen jedes Jahr nach Gran Canaria, wo von Pulverschnee und Kerzenglanz zum Glück nicht viel zu sehen ist.

Doch dieses Jahr wird sich das ändern, denn Laura ereilt ein Hilferuf von ihrer Mutter: Marianne bittet ihre Tochter, sie wegen eines Notfalls in ihrem Café zu vertreten und dort für die richtige Adventsstimmung zu sorgen. Schließen kann Marianne das Café nicht, die Adventswochen sind traditionsgemäß ihre einträglichste Zeit.

Nur widerwillig sagt Laura zu –- sie ahnt ja nicht, dass ihre Mutter ihre besten Freundinnen Sonja und Kati gebeten hat, ihre Tochter bei diesem Unterfangen gleich noch von ihrer albernen Weihnachtsphobie zu kurieren. Also werden dieses Jahr im Café noch mehr Adventskaffeekränzchen, Bastelabende und Glühweinrunden geplant als sonst.

Schon bald nach ihrer Ankunft in ihrer süddeutschen Heimatstadt muss Laura erkennen, dass sie jetzt wirklich im allerschlimmsten Weihnachtstrubel gelandet ist. Erstaunlicherweise macht ihr die Arbeit im Café trotzdem viel Spaß. Und dann gibt es da noch Niklas, einen alten Schulkameraden. Er führt das beste Hotel am Platz und ist deswegen bei allen Weihnachtsattraktionen der Taktgeber. Obwohl Laura und Niklas sich in der Schulzeit spinnefeind waren, hat sich das offenbar ausgewachsen, denn nun - bei Glühwein, Lebkuchen und Pulverschnee - kommen sie sich näher.

Wird Niklas es schaffen, Weihnachtshasserin Laura endgültig zu bekehren? Tatkräftige Unterstützung bekommt er dabei jedenfalls nicht nur von Sonja und Kati, sondern auch vom Mischlingshund Floyd …

Herzerwärmend & romantisch: die perfekte Lektüre nach dem hektischen Weihnachtseinkauf

Über die Autorin

Ira Severin ist ein wahrer Büchermensch. Sie liest nicht nur ausgesprochen gerne, besonders Jane Austen und Truman Capote, sie schreibt auch fast noch lieber selbst. Nach dem Studium der Anglistik und Germanistik und diversen Erfahrungen in „handfesten“ Berufen entschloss sie sich daher schließlich, ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen. Zusammen mit Mann und Hund lebt sie in einer Kleinstadt in Niedersachsen.

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Prolog

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10. Dezember 1997

Schwungvoll drehte Laura sich vor dem großen Garderobenspiegel im Kreis und sah bewundernd zu, wie der weite Rock um ihre Beine schwang. Ihr neues Kleid hatte genau dieselbe Farbe wie das Mittelmeer an der italienischen Adria, in dem sie während ihrer Sommerferien geschwommen war.

»Hübsch siehst du aus. Schon richtig erwachsen.« Ihre Mutter beendete den Satz mit einem tiefen Seufzer. Sie war hinter Laura getreten und zupfte an der Samtschleife, die Lauras goldblonde Haare im Nacken zusammenhielt.

»Ich bin zwölf, also fast erwachsen«, erwiderte Laura energisch. »Sina aus der 6b hat schon einen Freund, und die ist fast vier Wochen jünger als ich. Sie haben sich neulich zum ersten Mal geküsst. Mit Zunge.«

Zu Lauras Entzücken entglitten ihrer Mutter alle Gesichtszüge, auch wenn sie sich wirklich Mühe gab, dies zu überspielen. »Du willst doch nicht etwa auch …?«

»Nee. So zwei oder drei Wochen warte ich vielleicht noch.« Im Spiegel grinste Laura ihre Mutter breit an und bekam ein kleines bisschen Herzklopfen, weil sie wusste, dass Sven zur Geburtstagsparty ihrer besten Freundin eingeladen war. »Jetzt muss ich aber los. Sarah wird sauer, wenn ich zu spät komme. Wo ist das Geschenk?«

Wortlos und immer noch irritiert nahm ihre Mutter das Päckchen vom Dielenschrank und reichte es ihr. Laura hatte mindestens eine Stunde gebraucht, um den Schal mit den niedlichen Kätzchen darauf in glänzendes rotes Geschenkpapier zu wickeln und anschließend mit zahllosen goldenen Klebesternchen und winzigen Schleifchen zu verzieren.

»Tschüss, Mama.« Sie drückte ihrer Mutter einen Kuss auf die Wange, nahm ihren Anorak vom Garderobenhaken, schlüpfte hinein und lief zur Wohnungstür.

»Pass auf dein Kleid auf«, rief Marianne hinter ihr her. »Du weißt, dass wir es eigentlich für Weihnachten gekauft haben. Für die Choraufführung in der Kirche und …«

»Ich weiß, ich weiß. Ich passe auf, schließlich bin ich ja kein kleines Kind mehr.«

Als Laura vors Haus trat und sah, dass ein paar Schneeflocken durch die Luft tanzten, hätte sie vor Freude fast laut gelacht. Wie jedes Jahr freute sie sich so sehr auf Weihnachten, dass sie manchmal das Gefühl hatte, in ihrem Bauch hätte sich eine ganze Packung Brausepulver aufgelöst.

Im schwachen Nachmittagslicht brannte schon die Weihnachtsbeleuchtung, und die Schneeflocken fielen immer dichter. Um zu Sarah zu gelangen, musste Laura die lange Fußgängerzone durchqueren, was ihr aber an diesem Tag nichts ausmachte. So konnte sie die Vorfreude noch ein bisschen länger genießen. In diesem Jahr durfte Sarah zum ersten Mal Jungs zu ihrer Geburtstagsparty einladen, und natürlich war Sven unter den Gästen. Laura zuliebe – schließlich hatte sie ihrer besten Freundin schon oft genug von ihm vorgeschwärmt.

Bis jetzt kannten Sven und sie sich noch nicht so gut, aber trotzdem wusste Laura schon eine Menge über ihn. Er war anders als die anderen Jungs auf der Schule. Obwohl er richtig klasse aussah, war er keiner von den Typen, die es ausnutzten, dass die Mädchen sie toll fanden. Sven war eher schüchtern, aber sie hatte auch schon beobachtet, dass er richtig lebhaft werden konnte, wenn er mit seinen Freunden über Dinge sprach, die ihn interessierten.

Sven war jemand zum Heiraten und Kinderkriegen. Sicher würde er mal genauso sein wie ihr Papa. Sie konnte sich leider nur noch ganz schwach an ihn erinnern, aber wenn Mama von ihm erzählte, wurden ihre Augen immer ganz sehnsüchtig. Und das, obwohl Papa schon seit mehr als sieben Jahren tot war. Papa war ruhig und ernsthaft gewesen, und man konnte sich immer auf ihn verlassen, sagte Mama. So einen Mann wollte Laura auch. Vielleicht hatte sie ihn ja schon gefunden.

Als sie sich der Alb-Rose näherte, erkannte sie schon von Weitem Niklas Ehinger, der mit einem Besen herumhantierte. Offenbar sollte er den Schnee im Eingangsbereich vor dem Hotel seiner Eltern wegfegen.

Laura ging etwas langsamer, um ihn bei der Arbeit zu beobachten. Niklas war in der Schule zwei Klassen über ihr, und die meisten ihrer Freundinnen bezeichneten ihn als süß. Laura fand, dass das eine ziemlich unangemessene Bezeichnung für einen Typen war, der die meisten anderen Jungen in seiner Klasse um fast einen Kopf überragte. Und wenn sie schon jemanden süß fand, dann doch wohl eher Sven, der verlegen den Blick abwandte, wenn sie ihn auf dem Schulhof ansah. Niklas’ selbstbewusste Art konnte einem dagegen ganz schön auf die Nerven gehen.

Jetzt lehnte Niklas den Besen gegen die Mauer seitlich vom Eingang und wandte sich der großen Tanne vor dem Hotel zu. Sie war mit silbernen Christbaumkugeln und blauschimmernden Girlanden geschmückt, und im Grün der Zweige brannten zahllose elektrische Kerzen. Selbst aus der Entfernung nahm Laura den würzigen Duft der Tannennadeln wahr. Es roch nach Weihnachten.

Interessiert sah sie zu, wie Niklas den dünnen Draht löste, mit dem eine der Kugeln befestigt war. Er hielt sie vorsichtig in der rechten Hand und begutachtete mit schiefgelegtem Kopf den Baum.

»An dem Zweig rechts über deinem Kopf hängt noch gar kein Schmuck«, bemerkte sie freundlich.

Erschrocken fuhr Niklas herum, die Kugel glitt ihm aus der Hand und zerbrach auf den Pflastersteinen in unzählige glitzernde Splitter.

»Musst du dich so anschleichen?«, fuhr er sie an.

»Ich habe mich nicht angeschlichen. Was kann ich dafür, wenn du schwerhörig bist?« Es tat Laura leid, dass ihretwegen die Christbaumkugel kaputtgegangen war, aber deshalb ließ sie sich noch lange nicht dumm anmachen.

»Du hast mich blöd von der Seite angequatscht, dabei geht es dich absolut nichts an, wo ich eine Kugel aufhänge.« Mit seinen schokoladenbrauen Augen starrte Niklas sie so wütend an, dass sie instinktiv einen Schritt zurückwich.

»Hast du einen Knall? Das ist ein öffentlicher Weg. Ich darf hier langgehen, wann ich will, und sagen, was ich will, mein lieber Nikolaus. Nette rote Zipfelmütze übrigens.« Eigentlich sah er mit dem Ding schon ziemlich stylish aus, aber das musste er nicht wissen, und im Grunde interessierte es sie auch nicht.

Mit einer hastigen Bewegung riss Niklas sich seine knallrote Mütze vom Kopf und fuhr sich mit der Hand durch die strubbeligen dunklen Haare. »Ich heiße Niklas!«

»Ist doch fast dasselbe. Zwei kleine Buchstaben. Das ist nichts. Nikolaus ist ein ziemlich blöder Name, das musst du zugeben.«

Es gefiel ihr, dass es so leicht war, ihn wütend zu machen. Immerhin war sie mindestens zwei Jahre jünger als er. Wahrscheinlich war er es nicht gewohnt, von einem Mädchen ehrliche Worte zu hören, weil die meisten Tussen ihn mit weit aufgerissenen Augen anschmachteten.

»Immer noch besser als Laura!«

Aha – er wusste also, wie sie hieß, obwohl er sie auf dem Schulhof grundsätzlich übersah! Laura konnte sich ein triumphierendes Grinsen nicht verkneifen.

»Klebst du dir am Christabend einen weißen Bart an und hilfst dem Weihnachtsmann, die Geschenke zu verteilen?« Spöttisch musterte sie ihn von Kopf bis Fuß.

»Blöde …« Er legte die Stirn in Falten und dachte angestrengt nach. »… Kuh«, fuhr er schließlich lahm fort.

»Hornochse!«, konterte Laura ruhig und ließ die Hand mit dem Geschenkpäckchen lässig vor und zurück schwingen.

Niklas machte einige schnelle Schritte auf sie zu und blieb so dicht vor ihr stehen, dass ihre Körper sich fast berührten. »Zieh Leine!« Er spuckte ihr die Worte regelrecht vor die Füße.

Sie warf den Kopf in den Nacken und sah ihn herausfordernd an. »Du hast mir überhaupt nichts zu sagen. Du … Du Nikolaus du!«

Niklas schnaubte und stieß Laura gegen die Schultern. Der Stoß war nicht besonders kräftig, wahrscheinlich wollte er nur, dass sie endlich ging. Laura war jedoch nicht auf den Ruck gefasst gewesen. Sie taumelte rückwärts, stieß mit den Fersen gegen einen Schneehaufen, verlor das Gleichgewicht und kippte rückwärts um.

Ihr Geschenkpäckchen flog in hohem Bogen durch die Luft, und sie landete auf dem Rücken im Schnee.

»Das wollte ich nicht. Komm, ich helf dir hoch.« Niklas’ Stimme klang zerknirscht, während er ihr seine Hand hinhielt.

»Fass mich nicht an!«, fauchte sie und drehte sich um, weil sie sich mit den Händen abstützen musste, um wieder auf die Füße zu kommen. Der Schneehaufen gab unter ihr nach, und sie fiel erneut flach hin, dieses Mal auf den Bauch. Nun sah sie, dass der zusammengefegte Schnee mit Split und Sand versetzt war, die wohl vor dem Schippen gestreut worden waren, damit niemand ausrutschte. Dann spürte sie auch schon die Nässe auf ihrem Bauch. Ihr wattierter Anorak war hochgerutscht, und der dünne Stoff ihres Kleids hatte sich vollgesogen.

Entsetzt sprang sie hoch, und noch bevor sie richtig stand, wischte sie mit beiden Händen wild über die Vorderseite ihres Kleids. Auch ohne hinzuschauen wusste sie, dass ihr wunderschönes neues Kleid nicht nur vollkommen durchnässt war, sondern auch so schmutzig, dass es wahrscheinlich nie wieder richtig sauber werden würde. Ihre Mutter hatte sie wegen des empfindlichen Stoffs gewarnt. Man musste ihn chemisch reinigen lassen.

»Trotzdem werden viele Flecken nicht rausgehen.« In der klaren Winterluft meinte Laura, die Worte ihrer Mutter zu hören. »Du wirst sehr vorsichtig sein müssen.«

»Das bin ich, Mama. Versprochen!«

Und jetzt? Sie hatte das wunderschöne Kleid kaum eine halbe Stunde getragen, schon war es für alle Zeiten verdorben!

Als sie den Blick hob, um Niklas wütend anzufunkeln, konnte sie den Schuldigen an dieser Katastrophe durch den Tränenschleier in ihren Augen kaum erkennen. Energisch fuhr sie sich mit dem Handrücken über die Augen.

»Du Arsch!«, fauchte sie. »Mein neues Kleid ist hin! Und du bist schuld daran.«

Niklas starrte sie sekundenlang verblüfft an, dann öffnete er den Mund und stieß ein lautes Lachen hervor. »Jetzt hast du dir auch noch eine Ladung Dreck ins Gesicht geschmiert.«

Die Wut ballte sich in Lauras Bauch zusammen wie eine riesige Faust. Und als wäre das nicht genug, entdeckte sie zu ihren Füßen auch noch Sarahs Geburtstagsgeschenk. Das Papier war aufgerissen, und der bunte Schal lag im Dreck.

Sie bückte sich, griff mit beiden Händen in den schmutzigen Schnee und fing an, Niklas damit zu bewerfen. Der Tannenbaum bekam auch etwas ab, und zwei oder drei Christbaumkugeln fielen auf den Boden und zerschellten.

»Hör auf damit«, rief Niklas und ging hinter der halbhohen Mauer neben dem Hoteleingang in Deckung.

»Ich denke nicht dran!« Selbst wenn sie gewollt hätte, hätte sie nicht aufhören können. Die Wut brannte wie Feuer in ihrem Bauch. Sie würde die halbe Party verpassen, weil sie nach Hause gehen und sich umziehen musste. Das bedeutete, dass in der Zwischenzeit vielleicht die anderen Mädchen herausfinden würden, wie nett Sven war. Und wenn sie dann endlich bei Sarah ankam, konnte Sven sie trotzdem nicht in dem tollen Kleid sehen. Das war nämlich für alle Zeiten hin.

Erst als der Schnee der vergangenen Tage wieder vor dem Hoteleingang verteilt war, sammelte Laura ihr schmutziges Geschenkpäckchen ein. Und ohne Niklas noch eines Blickes zu würdigen, machte sie sich auf den Heimweg.

Während sie leise vor sich hin schluchzend den Gehweg entlangstapfte, wusste Laura, dass sie nie aufhören würde, Niklas zu hassen. Er hatte ihr nicht nur den ganzen Tag verdorben, sondern vielleicht auch ihr ganzes Leben, wenn sich in der Zwischenzeit eines der anderen Mädchen an Sven heranmachte und er sich in sie verliebte. Sven war nämlich ein treuer Typ, da war sie sich ganz sicher.

Zu allem Überfluss klang ihr immer noch Niklas’ gemeines Lachen in den Ohren. Er war ein solcher Armleuchter, ein solcher Idiot – ein solcher Nikolaus!

1. Kapitel

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Dezember 2014

»Auch das noch!« Mit zusammengekniffenen Lidern starrte Laura in die Schneeflocken, die mit jedem Kilometer, den sie sich ihrer Heimatstadt auf der Schwäbischen Alb näherte, dichter vom Himmel wirbelten. Ausgerechnet in diesem Jahr musste der Winter besonders früh beginnen.

Wie weiße Sterne fielen die riesigen Flocken auf die Windschutzscheibe, wo die Scheibenwischer sie eifrig zusammenschoben. Die letzte halbe Stunde führte der Weg nach Trillingen über schmale Landstraßen, die sich sanft über die Hügel und durch die Täler der Alb schwangen. Mit jeder Kurve, um die Laura ihren Wagen steuerte, rückte ihre alte Heimat ein Stück näher. Seit zwei Jahren machte sich in diesen Momenten allerdings keine Freude mehr in ihr breit, sondern ein seltsames Unbehagen. Ein Gefühl, das sie mit Logik nicht erklären konnte, denn Trillingen war zwar der Ort der Geschehnisse gewesen, nicht aber die Ursache der Katastrophe, die sich tief in ihr Herz eingebrannt hatte. Hier war die Erinnerung an das Geschehene noch schmerzhafter als in München, wo das Leben hektisch verlief und viele Dinge sie von ihrem Kummer ablenkten. Dass ihre Mutter sie ausgerechnet jetzt zur Weihnachtszeit …

Laura untersagte sich streng das Grübeln und konzentrierte sich aufs Fahren. Inzwischen war es dunkel geworden. Am Straßenrand tauchte im Schneegestöber ein Schild mit dem Hinweis auf, dass es noch acht Kilometer bis Trillingen waren. An dieser Stelle führte die Landstraße durch ein Tal und schlängelte sich von dort aus den Berg hinauf ins Städtchen.

Laura atmete tief durch, und der Druck auf ihren Magen ließ ein wenig nach. Sie freute sich auf das Wiedersehen mit ihrer Mutter, mit der Kellnerin Kati, die fast zur Familie gehörte, und mit ihrer Patentante Sonja. Vielleicht waren auch ein paar ihrer alten Schulfreundinnen über die Weihnachtstage in Trillingen … Schon wieder ein verbotener Gedanke! Sie musste wirklich besser aufpassen.

Als hinter einer Kurve ein Warndreieck vor ihr auftauchte, trat sie kräftig auf die Bremse und starrte angespannt ins Schneegestöber. Am Waldrand stand ein heller Lieferwagen mit eingeschalteter Warnblinkanlage, daneben ein Mann, der heftig in ihre Richtung winkte.

Langsam fuhr Laura auf die beunruhigend große, breitschultrige Gestalt zu. Bevor sie anhielt, aktivierte sie die Türverriegelung. Schließlich lag die erste Siedlung des Städtchens noch mehrere Kilometer entfernt, und wenn das da draußen ein verrückter Massenmörder war, würde niemand sie schreien hören.

Sie ließ das Fenster nur wenige Zentimeter herunter und bemühte sich, ihrer Stimme einen energischen Klang zu verleihen. »Haben Sie eine Panne? Soll ich den ADAC für Sie rufen?«

»Das wird nicht nötig sein. Die Batterie schwächelt schon seit ein paar Tagen. Blöderweise springt der Motor ausgerechnet jetzt nicht mehr an. Wenn du mich in die Stadt mitnimmst, kläre ich die Sache morgen mit der Werkstatt.«

Er wollte sie dazu bringen, ihm die Tür zu öffnen! Falls er glaubte, sie würde ihm vertrauen, weil er sie duzte, hatte er sich geirrt. Laura räusperte sich.

»Ich fürchte, ich nehme keine Fremden mit, erst recht nicht im Dunkeln. Wenn Sie kein Handy bei sich haben, kann ich Ihnen ein Taxi rufen. Aber eigentlich hat doch heutzutage jeder ein Smartphone.« Für wie naiv hielt er sie eigentlich?

Das Lachen kam tief aus seiner breiten Brust und klang trotz der kalten Winternacht und des Schneegestöbers warm und freundlich. »Ich gehöre zu den weltfremden Typen, die auch mal für eine halbe Stunde ohne Handy das Haus verlassen.«

»Bis zum Ortsrand sind es nur knapp acht Kilometer. Das ist für einen Naturburschen ohne Handy gar kein Problem, nehme ich an.« Sie machte Anstalten, den Motor anzulassen. Wenn sie weiterfuhr, war das auf keinen Fall unterlassene Hilfeleistung. Der Mann war offenbar bei bester Gesundheit. Er würde es zweifellos in die Stadt schaffen und sich dabei höchstens eine kleine Erkältung holen.

Als sie das Geräusch hörte, mit dem er sein Hand durch den schmalen Spalt oben am Fenster schob, zuckte sie zusammen. Im vagen Licht erkannte sie, dass es ihm nicht gelingen würde, seinen Arm durch die enge Öffnung ins Wageninnere zu zwängen.

»Nehmen Sie Ihre Hand da raus!«, zischte sie. »Es würde mich nicht weiter stören, Ihnen den Arm zu brechen, indem ich jetzt Gas gebe.«

»Aber Laura!« Er kannte ihren Namen! Plötzlich wurde ihr bewusst, dass ihr seine Stimme von Anfang an vertraut erschienen war – auf eine Art, die sie nicht sonderlich beruhigte.

»Ich weiß, dass wir uns als Kinder nicht gut vertragen haben«, fuhr er fort. »Aber das ist immerhin schon eine Weile her und definitiv kein Grund, mich mit gebrochenen Armen und Beinen im Schnee erfrieren zu lassen.«

»Niklas«, murmelte sie vor sich hin und ließ sich gegen die Lehne des Fahrersitzes sinken. Natürlich war sie erleichtert, dass es kein Massenmörder war, der ihr im Dunkeln aufgelauert hatte. Allerdings fand sie eine Begegnung mit Niklas nur unwesentlich angenehmer.

»Was machst du hier?«, erkundigte sie sich und schaltete die Innenbeleuchtung des Wagens an, um sein Gesicht erkennen zu können. Bis jetzt hatte sie nur ein helles Oval hinter der Scheibe wahrgenommen. Als das Licht in seine Augen fiel, zuckte sie zusammen, denn genau wie früher, musste sie sofort an Zartbitterschokolade denken, die süß und gleichzeitig herb auf der Zunge zerging.

Er lächelte ihr freundlich zu, aber sie wandte sich hastig ab und starrte durch die Windschutzscheibe nach vorn.

»Ich wollte noch schnell einen Tannenbaum für die Hotelhalle schlagen. Im November war so viel zu tun, dass ich kaum dazu gekommen bin, mich um die Weihnachtsdekoration zu kümmern.«

Laura zog die Brauen hoch und starrte mit zusammengekniffenen Lidern in den fallenden Schnee »Und da hast du dir gedacht, du gehst mal eben in den Wald, um einen Baum zu stehlen?«

»Ich habe vor Einbruch der Dunkelheit tatsächlich noch einen wunderschönen Baum gefunden. Ein bisschen groß vielleicht, aber er passt in den Lieferwagen, mit dem wir sonst unsere Einkäufe vom Großmarkt holen. Blöderweise hat die Batterie endgültig schlappgemacht, als ich den Motor wieder starten wollte. Momentan habe ich so viel Stress, dass ich zu nichts komme. Schon gar nicht dazu, die Weihnachtszeit zu genießen.«

Weihnachtszeit genießen! Dazu sagte Laura lieber nichts. Schließlich wandte sie den Kopf und richtete widerstrebend ihren Blick auf Niklas. An seinen langen Wimpern hingen wie winzige Perlen geschmolzene Schneeflocken.

»Nun steig schon ein«, stieß sie widerwillig hervor und entriegelte die Türen.

*

Es war ein seltsames Gefühl, im dunklen Innenraum des Autos so dicht neben Laura zu sitzen. Solange er denken konnte, waren sie sich aus dem Weg gegangen. Und falls sie doch einmal miteinander zu tun gehabt hatten, war es innerhalb kürzester Zeit zu Reibereien gekommen. Angefangen hatte alles an dem Tag, an dem er sie in den schmutzigen Schneehaufen vor dem Hotel seiner Eltern geschubst hatte.

Aber schon vorher hatte er sie gemieden, ohne sich großartig Gedanken darüber zu machen. Sie war zwei Jahre jünger als er, aber ihr funkelnder Blick und die Art, wie sie manchmal die Lippen zu einem spöttischen Lächeln verzog, hatten dafür gesorgt, dass er sich automatisch von ihr fernhielt. Außerdem war sie, so lange er denken konnte, mit Sven zusammen gewesen.

Der Schnee fiel immer dichter, und auf der schmalen Straße vor ihnen schienen im Scheinwerferlicht Tausende von winzigen Diamanten zu funkeln. Der Schnee begann, sich wie eine weiße Decke über die Straße zu legen.

»Bist du allein für die Weihnachtsdeko im Hotel zuständig?«, erkundigte Laura sich im Plauderton. Offenbar wollte sie Konversation machen.

Er zuckte mit den Achseln, was sie wahrscheinlich nicht sehen konnte. »Ich bin neuerdings im Hotel für alles zuständig.«

Sie wandte den Kopf und warf ihm einen erstaunten Blick zu. »Ist irgendwas mit deinen Eltern?«

»Auf Weltreise. Für ein Jahr«, erwiderte er knapp.

»Aha. Aber du bist doch bestimmt in Kontakt mit ihnen und kannst sie bei wichtigen Entscheidungen fragen?«

Komisch, dass das ihre erste Frage war. Wieder zog er die Schultern hoch und ließ sie sofort wieder fallen. »Nein«, erklärte er dann einsilbig und fügte nach kurzer Pause hinzu: »Sie wollen sich mal richtig erholen, und ich kenne mich schließlich mit dem Hotel aus und habe eine entsprechende Ausbildung. Alles easy-peasy sozusagen.«

»Dann ist es ja gut.«

Eine Weile herrschte Schweigen.

»Dich sieht man in letzter Zeit selten in Trillingen«, stellte er dann fest. Ihre Heimatstadt war so klein, dass selbst er mitbekam, ob und wann Laura ihre Mutter besuchte. Es war fast genau zwei Jahre her, seit sie das letzte Mal länger als nur zwei Tage hier gewesen war. Nach der Sache mit Sven war sie am Neujahrstag überstürzt abgereist, und man hatte im Ort ziemlich viel darüber getuschelt. Sven hatte sich über den genauen Ablauf der Geschichte ausgeschwiegen und war kurz darauf ins Ausland entschwunden. Laut Aussage seiner Eltern hatte er einen tollen Job in Dubai. Niklas hatte seitdem keinen Kontakt mehr zu Sven und deshalb auch nie erfahren, was genau passiert war. Es hatte ihn auch nicht wirklich interessiert. Schließlich war er mit Sven ja auch nicht sonderlich gut befreundet.

»Meine Arbeit in München lässt mir nicht viel Zeit«, erklärte sie, während sie starr durch die Windschutzscheibe sah. »Letztes Jahr habe ich Weihnachten lieber auf Gran Canaria verbracht. Die Weihnachtsseligkeit hier geht mir ziemlich auf die Nerven.«

»Aha? Ich finde Weihnachten klasse. Es ist einfach schön, wenn zu Weihnachten die Menschen enger zusammenrücken. Das Kerzenlicht, Lebkuchen, Glühwein, dass man an andere denkt, ihnen kleine Geschenke macht …«

»Ha, Glühwein und Lebkuchen«, unterbrach sie ihn und nahm mit viel zu viel Schwung die letzte Kurve vor der Stadtgrenze. Der Wagen geriet in Schlingern, fand dann aber zurück in die Spur. »Genau deshalb bin ich hier.«

»Braucht deine Mutter Hilfe im Plaudertäschchen?« Zögernd löste er die Finger wieder von der Vorderkante des Beifahrersitzes, an der er sich automatisch festgekrallt hatte. »Sonst kam sie zusammen mit Kati in der Adventszeit ganz gut klar, und wenn wirklich mal Not am Mann war, konnte sie jederzeit bei mir …«

»Ich vertrete meine Mutter«, fiel sie ihm erneut ins Wort. »Sie will die Adventszeit in der Schweiz verbringen. Der Liebe wegen, Weihnachtsseligkeit unterm Tannenbaum und all das Zeug.« Das klang ziemlich bitter.

»Meinst du, du kommst mit dem Café klar? Schließlich hast du sonst nur gelegentlich während deines Urlaubs ausgeholfen, und ohne Erfahrung kann einem auch ein kleines Café leicht über den Kopf wachsen.« Am Straßenrand funkelten die Fenster der ersten Häuser von Trillingen, und Niklas atmete heimlich auf. Lauras Fahrstil machte die Autofahrt nicht gerade zu einem entspannenden Erlebnis.

»Meine Mutter scheint es mir zuzutrauen. Außerdem leite ich immerhin die Controlling-Abteilung eines der größten Münchner Hotels«, teilte sie ihm hoheitsvoll mit.

»Ich hätte nicht gedacht, dass Marianne ausgerechnet in der Adventszeit ihr Café in andere Hände gibt. Sie genießt diese Wochen eigentlich immer so sehr.«

Laura wandte den Kopf und sah ihn im dämmrigen Wageninneren erstaunt von der Seite an. »Seit wann meinst du, meine Mutter so gut zu kennen?«

»Sieh bitte nach vorn!«, flehte er und klammerte sich wieder an der Kante seines Sitzes fest.

Sie richtete den Blick auf die Straße und fuhr tatsächlich etwas langsamer. »Du kannst wieder loslassen«, sagte sie amüsiert.

Wie hatte sie im Dunkeln bemerkt, was er mit seinen Händen tat? Er ließ sie vorsichtshalber, wo sie waren. »Seit meine Eltern weg sind, helfen Marianne und ich einander gelegentlich aus«, erklärte er. »Schließlich sind wir in der gleichen Branche und schicken uns gegenseitig Gäste. Sie hat mir allerdings nichts davon gesagt, dass sie für längere Zeit wegwill.«

»Das kam wohl ziemlich plötzlich. Ihr neuer Freund ist ein Architekt aus der Schweiz, der seit ein paar Wochen hier in der Nähe ein Projekt betreut. Eigentlich wollte er Weihnachten bei ihr verbringen und vorher nur rasch sein Haus in den Schweizer Bergen winterfest machen. Bei irgendeiner Reparaturarbeit ist er von der Leiter gefallen, hat sich das Bein gebrochen und kann jetzt für sechs Wochen das Haus nicht verlassen. Zwar will er nicht, dass sie seinetwegen ihr Café im Stich lässt, aber sie kann die Vorstellung nicht ertragen, dass er ausgerechnet während der Adventszeit allein dasitzt … obwohl er jemanden hat, der ihm Essen bringt und so weiter. Große Liebe eben, nehme ich an.« Laura stieß einen tiefen Seufzer aus.

»Kann man irgendwie verstehen«, stellte Niklas fest.

»Hast du tatsächlich einen Tannenbaum gestohlen?«, erkundigte Laura sich nach einer Pause.

»Natürlich nicht!« Er schaute sie ungläubig an. »Das Waldstück gehört seit Jahrzehnten meiner Familie. Wusstest du das nicht? Solange ich denken kann, schlagen wir dort unsere Weihnachtsbäume.«

»Ich kenne das Grundbuch nicht auswendig«, verteidigte sie sich. Allerdings war ihr Ton überraschend sanft.

»Setzt du mich bitte am Rand der Fußgängerzone ab?«, bat er. Von dort aus waren es zu Fuß nur wenige Minuten zum Hotel. Noch bevor sie richtig standen, öffnete er die Beifahrertür.

»Danke fürs Mitnehmen«, sagte er höflich. »Und eine schöne Zeit in Trillingen. Wir werden uns vermutlich häufiger sehen.«

»Ich denke eher nicht. Meine Mutter hat mich auf wirklich viel Arbeit während der Adventszeit vorbereitet. Und nur weil ich dir heute praktisch das Leben gerettet habe, werden wir dadurch ja noch keine besten Freunde.« Zum Abschied hob sie grüßend die Hand.

»Kratzbürste! Du änderst dich wirklich nie«, murmelte er vor sich hin, während er zusah, wie sie wendete und in Richtung Plaudertäschchen davonfuhr. Laura würde noch früh genug erfahren, dass sie weiteren Treffen mit ihm wohl kaum aus dem Weg gehen konnte.

*

Als Laura auf den kleinen Parkplatz vor dem Plaudertäschchen fuhr, sah sie zu ihrer Erleichterung schon von draußen, dass kaum noch jemand im Gastraum war. Sie hatte keine Lust auf eine überschwängliche Begrüßung von allen möglichen Leuten, die sie zum größten Teil seit ihrer Kindheit kannten. Ganz zu schweigen von den mitleidigen Blicken. Das würde noch früh genug passieren.

Sie unterdrückte einen Seufzer und stieg aus. Während sie ihre Reisetaschen aus dem Kofferraum zerrte, fielen die Flocken so dicht, dass sie kaum die Hand vor Augen sah. Plötzlich stand Kati neben ihr, die offenbar von drinnen ihre Ankunft beobachtet hatte. Wortlos zog sie Laura an ihren ausladenden Busen, bevor sie energisch nach zwei großen Taschen griff und damit zur offenen Tür eilte. Laura stapfte mit dem restlichen Gepäck hinter ihr her.

»Wir haben uns schon Sorgen gemacht, weil es doch so schrecklich schneit«, verkündete die altgediente Kellnerin, nachdem sie die Taschen am Fuß der Treppe zur Wohnung abgestellt hatte. Auf ihren dunklen Haaren, die sie ihren Beteuerungen zufolge nicht färbte und in denen dennoch keine einzige graue Strähne zu sehen war, funkelten zahlreiche Schneeflocken. »Deine Mutter ist oben.«

Die Tür, die vom Café in den Vorraum mit der Garderobe führte, öffnete sich, und im Türrahmen tauchte leicht schwankend Bernhard Riege auf. Auch ihn kannte Laura, solange sie denken konnte. Bis vor ein paar Jahren hatte er zusammen mit seiner Frau im Ort ein Schuhgeschäft geführt, in dem sie als kleines Mädchen ihre Sandalen für den Sommer und ihre Winterstiefel bekommen hatte – und jedes Mal auch ein Tütchen mit Gummibärchen. Später hatte sie modisches Schuhwerk lieber in den umliegenden Städten gekauft.

Als Bernhard und Maria ins Rentenalter kamen, schlossen sie ihren Laden, und wenig später starb Maria. Der Verlust seiner Frau hatte den wortkargen Mann fast vollständig verstummen lassen. Offenbar hielt er es zu Hause kaum noch aus, denn immer wenn Laura während der vergangenen Jahre nach Trillingen gekommen war, hatte er abends als einer der letzten Gäste im Plaudertäschchen gesessen. So wie heute offenbar auch.

»Da ist ja die kleine Laura«, begrüßte er sie.

»Guten Abend, Herr Riege.«

»Das Heim ist der Wohnort des Herzens.« Lächelnd stützte er sich an der Wand ab. »Ist es nicht wunderbar, nach Hause zu kommen?«

Verblüfft nickte sie. Anscheinend wurde Bernhard Riege zum Philosophen, wenn er etwas getrunken hatte.

»Kann ich noch einen Glühwein haben?«, wandte er sich an Kati.

»Nein«, erwiderte diese streng. »Du hattest genug für heute. Ich mache jetzt Feierabend und nehme dich mit. Dein Haus liegt auf meinem Weg.«

»Aber ich …«, setzte Bernhard an, doch ein Blick von Kati genügte, und er fügte sich in sein Schicksal.

»Dann gehe ich jetzt nach oben und begrüße Mama«, verkündete Laura.

Kati nickte. »Marianne sitzt praktisch schon auf gepackten Koffern. Du machst ihr eine riesengroße Freude, weil sie nun zu Urs fahren kann.

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