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Lebensnahe Satiren

Der erfolgreich verhinderte Kauf eines Kleides.

Sind sie schon einmal von einem Verkäufer oder einer Verkäuferin mit kalten, uninteressierten Augen im Kaufhaus stehen lassen worden? Haben sie schon einmal diesen flehentlichen, suchenden Blick durch die endlosen Reihen von Kleiderständern geschickt?

Ja? Na dann wissen sie, wie man sich in dieser Situation fühlt.

Ich startete gleich frühmorgens, mit wohl gefüllter Brieftasche selbstverständlich, um mir ein Kleid zu kaufen.

Also, ich hatte eine klare Vorstellung, was ich wollte. Ein dezentes, aber doch den Durchschnitt überragendes Kleidungsstück, das man sowohl vormittags auch als nachmittags tragen konnte. Es sollte in gedämpfter, aber nicht langweilig wirkender Farbe gehalten sein und mich natürlich schlank machen.

Gleich im ersten Kaufhaus spürte ich, hier werde ich es finden, dieses Traumkleid. Angenehme Musik umfing mich, als ich es betrat. Nachträglich überdacht, diente diese Musik wahrscheinlich zur Beruhigung der Nerven. Eine glänzende Rolltreppe führte in den ersten Stock, wo wie unten angekündigt, die Damenabteilung ist.

Die gesamte Etage war mit Kleiderständern kreuz und quer angefüllt. Wo war nun eine Verkäuferin, der ich meine Wünsche übermitteln konnte. Es war keine zu sehen. Ich räuspere mich. Noch immer nichts. Oh, da hinter dem Vorhang der Anprobierkabine bewegt sich was. Ich starte darauf los und räuspere mich davor. Da öffnete sich ein kleiner Spalt und ein nackter Arm reicht mir ein Kleid entgegen. Um zu verhindern, dass es zu Boden fällt, nahm ich es und hielt es fest.

„Ich brauche eine Nummer größer!“ Sagt eine zu dem nackten Arm gehörende Stimme.

Oh, wo sollte ich nun ein Kleid wie dieses, eine Nummer größer finden? Ich schaute hilflos in den Raum um eine Verkäuferin zu finden. Erfolglos.

Inzwischen ragte der nackte Arm erwartungsvoll noch immer aus dem Vorhang.

Ah, da gegenüber blitzte etwas in dieser Farbe herüber. Aus Mitleid mit diesem nackten Arm ging ich hin und suchte etwas, eine Nummer größer und war erfolgreich. Ich nahm es vom Bügel und reichte es dem nackten Arm. Er verschwand.

Nun wandte ich mich einer anderen Reihe von Kleidungsstücken zu und versuchte an Hand der verschiedenen Farben der Kleiderbügel meine Größe herauszufinden.

Es ergab kein System, und ich hielt inzwischen schon drei Kleider in der Hand, die alle nicht meine Größe waren.

„Was machen sie denn da, sie bringen ja alles durcheinander!“ Eine schroffe Stimme drang an mein Ohr und energisch wurden mir die drei Kleidungsstücke aus der Hand genommen. Es war offensichtlich eine Verkäuferin namens Adele, wie auf dem Namensschild zu erkennen war.

„Oh, fein, dass sie da sind, ich hätte gerne...“ Ich wurde grausam unterbrochen.

„Sie müssen einen Moment warten, bis ich die andere Kundin bedient habe! Schauen sie sich inzwischen um!“ Sagte sie und entschwand.

Aus dem Augenwinkel sah ich wieder diesen nackten Arm aus der Kabine hinter mir herausragen, das von mir überreichte Kleidungsstück schwenkend. Ich ignorierte ihn.

Wo war nur diese Verkäuferin?

Bei der letzten Stange fand ich endlich einige Kleider, die jene Farben hatten, die ich mir vorstellte. Doch leider war meine Größe nicht dabei. Ich schaute suchend in den Raum. Wo war Adele?

Zu meiner Freude kam nun aus einer der Reihen von Kleiderständern eine andere Verkäuferin auf mich zu, lächelte mir zu, griff hinter mir zu einem Kleidungsstück und ging weg. Sie verschwand wieder zwischen den Kleiderständern. Womöglich versteckt sie sich? Oder probiert selber eines der Modelle an? Dieser Gedanke kam mir allen Ernstes.

Verzweifelt suchte ich nun weiter. Ich fand drei Kleider in meiner Größe, doch waren sie nicht dezent genug, die aufgenähten Pailletten glänzten in allen Farben. Ich glaube, sie waren weder für vormittags noch für nachmittags geeignet.

Die lächelnde Verkäuferin kam wieder und hängte das entnommene Kleid wieder auf den Ständer.

„Ach bitte, können sie mir helfen, ich suche....“

Sie schüttelte den Kopf und erklärte mir, sie hätte jetzt Pause und ihre Kollegin käme gleich und entschwand, Kaugummi kauend, hinter einer der Türen in der Rückwand der Etage.

Der nackte Arm ragte noch immer aus der Kabine und Mitleid kam in mir auf.

„Was brauchen sie denn jetzt?“ Fragte ich, nur um mein Gewissen zu beruhigen.

„Ich hätte das gleiche gerne in Blau.“ Oh, das war schon schwieriger.

Da ich ja sowieso auf eine Verkäuferin warten musste, konnte ich gleich so die Zeit totschlagen.

Ich suchte also das entsprechende Modell, in der entsprechenden Größe in Blau und überreichte es dem nackten Arm. Er ließ das andere Modell einfach fallen und griff nach dem in Blau. Ich ließ es einfach liegen

Meine suchenden Blicke konnten noch immer keine Verkäuferin sehen. Doch kam nun ein sehr seriös wirkendes männliches Wesen auf mich zu. Es trug ein Namensschild. Er musterte mich mit einem sehr ernsten Blick. Ich war gerettet. Endlich jemand, der sich um meine Wünsche kümmern wird.

„Ich hätte gerne...“ Seine unwillige Handbewegung ließ mich verstummen.

„Haben sie diese Dame bedient?“

Ich nickte zwar zögernd, aber wahrheitsgemäß.

„Sie sind entlassen! Melden sie sich im Personalbüro!“ Er bückte sich und hob das am Boden liegende Modell auf und hängte es auf einen Bügel. Dann entfernte er sich eiligen Schrittes. Um den nackten Arm kümmerte er sich nicht. Kollegin kommt gleich.

Ich verließ das Kaufhaus. Vielleicht werde ich es Morgen noch einmal versuchen, in einem anderen Kaufhaus.

Aufbewahren oder wegschmeißen?

 

Das Haus ist übervoll mit altem Kram, weniger Kunst mehr Krempel und Dingen, die wir nicht mehr verwenden.

Ausmustern und wegwerfen ist die Parole.

 

Der alte Hut, mit dem zerrissenen Schweißband, oder die rote Weste, von der Oma gestrickt, gehören zu jenen Dingen, die wir immer wieder in die Hand nehmen und dann doch wieder weglegen.

 

Man könnte das Schweißband doch....

Die Löcher beim Ellenbogen der roten Weste konnte man ja mit einem Lederherz überkleben......

 

Legen wir beides wieder in den Schrank zurück.

 

Die paar verbogenen Nägel da, in der kleinen Dose nehmen ja fast keinen Platz weg und der Hammer braucht nur einen neuen Stiel.

 

Legen wir wieder in die Werkzeugkiste zurück.

 

Und was ist mit diesem Holzhocker, der nur drei Beine hat? Das Holzbein könnte man doch erneuern, oder den Hocker an die Wand anlehnen. Man muss nur ruhig sitzen und Balance zu halten versuchen.

 

Die Milchkanne ist zwar abgeschlagen, der Griff verbogen, aber irgendwas kann man noch immer drin aufbewahren. Sie ist von Oma und die hat sie von ihrer Mutter.

 

Bleibt in der Speisekammer.

 

Oh, das bunte Sommerkleid! Leider ist es zu eng geworden und auch unmodern. Aber man kann nie wissen, vielleicht wird es wieder modern. Außerdem war es das Kleid, das man beim ersten Kuss trug.

 

Hängen wir wieder in den Schrank zurück.

 

Die zwei Decken mit den ausgefransten Kanten könnte man vielleicht noch retten, die Kanten erneuern. Die paar Mottenlöcher sind unbedeutend. Dann könnte man sie vielleicht noch verwenden. Für den Hund als Schlafplatz vielleicht? Wenn wir einen Hund bekommen.

 

Das Bild dort in der Ecke des Dachbodens hat Flecken und ist schon sehr dunkel. Das hat Onkel Paul einmal am Flohmarkt als wertvoll erstanden. Das Gegenteil hat sich dann herausgestellt. Aber der Rahmen ist schön, man müsste ihn nur restaurieren, die Ecken erneuern und rundum neu vergolden. Aber der Rest ist in Ordnung. Das Bild, naja das erkennt man zwar fast nicht, aber vielleicht kann man es übermalen lassen.

Also stellen wir es wieder hin.

 

Die Schneiderpuppe da hinten hat nach Omas Tod niemand mehr gebraucht.

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